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Full text of "Altkirchenslavische Grammatik"

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ALTKIRCHESSLAVISCHE 

GRAMMATIK 


VON 


W. YONDHAK 


ZWEITE AUFLAGE 


BERLIN 

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG 
1912. 



Yorwort zur zweiten Anflage. 


D ie vorliegende Auflage unterscheidet sich von der ersten in 
mehrfacher Hinsicht. Zunächst wird freilich der größere Um¬ 
fang derselben in die Augen springen. Trotzdem durch Auslassung 
der Testproben, die ja jetzt in meiner »Kirehenslavischen Chresto¬ 
mathie« (Göttingen, Yandenhoeck & Euprecht, 1910) in reichlicherer 
Auswahl vorliegen, an Raum gewonnen wurde, war es bei der 
neuen Darstellung nicht möglich, mit dem alten Umfange auszu¬ 
kommen. Ich hielt es zunächst für angezeigt, mich nicht bloß auf 
den Kanon unserer altkirchenslavischen Denkmäler zu beschränken, 
sondern auch auf die Eigentümlichkeiten der daraus hervorge¬ 
gangenen verschiedenen Redaktionen näher einzugehen, da darunter 
auch überaus wichtige Denkmäler Vorkommen. Ferner war mir 
daran gelegen vor allem die Denkmäler selbst, wo es nur anging, 
sprechen zu lassen, wenn es schon freilich unvermeidlich ist, daß 
man zumeist über sie und über ihre Sprache schreiben muß. 
Daher wurde bei den meisten sprachlichen Erscheinungen eine 
Vollständigkeit der Belege aus den altkirchenslav. Denkmälern 
angestrebt, wo es nur halbwegs möglich war und auch ratsam 
schien. Eine solche wenigstens relative Vollständigkeit der Belege 
trägt oft zur Lösung einzelner Fragen wesentlich bei oder verhindert 
es wenigstens, daß man falsche Wege, die zur Lösung nicht führen, 
einschlägt. So hat man beispielsweise gern mit einem jedtm, 
dessen -vno- auf ein ursprachliches *ino- zurückgeführt werden 
mußte, operiert. Aus den Belegen ersieht man aber, daß jedvm 
im Altkirchenslav. sekundär ist und zunächst in längeren Formen 
wie jedinogo usw. durch Schwächung des i zu v entstanden ist. 



IV 


Vorwort zur zweiten Auflage. 


Ein Nom. Akk. sg. jedmi kommt hier überhaupt nicht vor. Der¬ 
selbe Prozeß wiederholte sich auch in einzelnen slav. Sprachen, 
die ebenfalls zn einem jedmo- kamen. Analog verhält es sieh wohl 
mit clibteti gegen choteti , das im Aksl. noch die Regel bildet, mit 
cbso gegen öeso nsw. 

Das Mer berührte Prinzip, welches für mich maßgebend war, 
konnte insbesondere in der Formenlehre zur Geltung kommen. In 
der Lautlehre nimmt das sprachliche Material, das man aus den 
einzelnen Denkmälern sammelt, oft sehr große Dimensionen an 
und eine Sichtung ohne theoretische Erklärungen wäre da kaum 
möglich. Daher kommt auch die Theorie in der Lautlehre mehr 
zur Geltung. Insbesondere sind es hier die Kapitel Uber die Halb¬ 
vokale und Uber die Nasalvokale, welche eingehender behandelt 
werden mußten, da diese Laute im Altkirchenslav. bekanntlich 
eine große Rolle spielen und ein halbwegs regelrechter Gebrauch 
dieser Lante oder wenigstens Spuren desselben für die altkirehen- 
slav. Denkmäler cbarakteristiseb ist. Zum Glück haben wir gerade 
auf diesem Gebiete schöne Vorarbeiten, die insbesondere von rus¬ 
sischen Gelehrten herrühren, so von Fortnnatov, Sachmatov, 
Soholevskij, Scepkin, Kul’hakin und Ljapunov. Man wird 
diesen Namen immer und immer im Buche begegnen. Wertvolle 
Beiträge überhaupt findet man auch in der noch jungen Zeitschrift 
»Rocznik slawistyezny«, welche von Rozwadowski, Los, Nitseh 
(und dem seither verstorbenen Mankowski) in Krakau im J. 1908 
begründet worden ist, in musterhafter Weise weitergeführt wird 
(bis jetzt sind vier Jahrgänge erschienen) und zn den schönsten 
Hoffnungen bezüglich der Pflege der Slavistik auch hei den Polen 
berechtigt. Wird ihr ja jetzt selbst auch in nichtslav. Ländern 
eine größere Aufmerksamkeit zugewendet. So meldet sich neben 
Deutschland (Leskien, Berneker) auch Frankreich (Meilietu. a.), 
ja seihst auch in den skandinavischen Ländern finden wir jetzt 
schon Vertreter der Slavistik. 

Wenn wir schon hier in die Lage kamen, einige »leuchtende 
Punkte« auf dem Gebiete der Slavistik hervorzuheben, so dürfen 
wir selbstverständlich auch das strahlende Lieht, das weithin sicht- 



Vorwort zur zweiten Auflage. 


V 


bar ist, nicht vergessen. Daß eben Jagic hier im Vordergründe 
steht, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Für uns 
kommen hier vor allem seine vortrefflichen Ausgaben vieler Denk¬ 
mäler in Betracht, die ja eben ein fruchtbringendes Studium ermög¬ 
lichten. Die von ihm begründete Zeitschrift »Archiv für slavisehe 
Philologie*: (seit 1876) werden wir auf Schritt und Tritt zitieren 
müssen. 

Aus der Syntax glaubte ich nur das zum Verständnis der alt- 
kirchenslav. Denkmäler unumgänglich Notwendigste beibringen zu 
müssen, da ja eine theoretische und detaillierte Syntax der Ver¬ 
gleichenden Grammatik der slav. Sprachen Vorbehalten bleiben muß. 
Letzteres muß überhaupt auch von der Stammbildungslehre gelten. 

Als die Arbeit zum großen Teile schon abgeschlossen war, er¬ 
schienen einzelne Werke, deren Inhalt leider nur in modifizierenden 
Zusätzen und Einschiebseln noch berücksichtigt werden konnte, 
was hie und da vielleicht gewisse Unebenheiten in der Darstellung 
zur Folge haben dürfte. So insbesondere Hujers vortreffliches 
Werk »Slovanskä deklinace jmennä« und Kul’bakins »jlpeBHe- 
gepKOBHo-eaoBflHCKiH h3£,ikx «. Einiges konnte auch in den »Berich¬ 
tigungen und Ergänzungen«, auf die hier besonders hingewiesen 
sei, besser erklärt bzw. ergänzt werden. 

Wien, Februar 1912. 


W. Vondräk. 



Inhaltsverzeichnis. 

Seite 


Einleitung. l 

Altkirchenslav. Denkmäler.16 

A. Glagolitische Denkmäler.16 

1. Codex Zographensis. 16 

2. Codex Marianus.18 

3. Codex Assemaniaims. 20 

4. Psalterium sinaiticum. 21 

5. Euehologium sinaiticum . ..23 

6. Glagolita Clozianus.26 

7. Evangelium aehridanum.27 

8. Das glagolitische makedonische Blatt.28 

9. Kiever Blätter.28 

B. Cyrillische Denkmäler.31 

1. Sava-Evangelium.31 

2. Codex Suprasliensis.32 

3. Undolskijsehes Evangeliumfragment.35 

4. Psalterfragment von SInek.36 

5. Blätter von Chilandar.36 

6. Das cyrillische makedonische Blatt .'.36 

Cyrillische Inschrift.38 

Charakteristische Merkmale der aksl. Denkmäler.38 

Kirchenslav. Denkmäler.43 

1. Bulgariseh-kirchenslav. (mittelbulg.) Denkmäler .... 43 

2. Serho-kroatisch-kirchenslav. Denkmäler.45 

3. Russisch-kirchenslav. Denkmäler.46 

4. Böhmisch-kirchenslav. Denkmäler.48 

Die slavisclien Alphabete .49 

Priorität der Glagolica.53 

1. Mährisch-pannonische Traditionen.58 

2. Verhältnis der glag. Denkmäler zu den cyrill.54 

3. Beschaffenheit des glag. Alphabets nnd der einzelnen 

Buchstaben.55 

4. Historische Zeugnisse.57 
































Inhaltsverzeichnis. 


VE 

Seite 

Ursprung des glag. Alphabets. 57 

Ursprung des cyrillischen Alphabets. 64 

Bosnische Cyrillica (Bukviea). 66 

Mängel der beiden Alphabete. 66 

Diakritische und andere Zeichen. 71 

Die Alphabete als Zahlreihen. 71 


Lautlehre. 

Vokalismus. 74 

Quantität. 74 

Palatale Vokale (Vokale der vorderen Reihe). 75 

Akzent. 75 

* . 77 

e. 81 

Umlaut des e za o . 84 

ent. 85 

<r.. 88 

1. e aus e (monophthongisch). 89 

2. Diphthongisches e . 89 

Diphthongisches i (bisher meist aus £ erklärt). 90 

£ im Anlaute. 91 

Das e in den aksl. Denkmälern. 94 

» > » » mittelblg. Denkmälern. 96 

» » » » serbo-kroat. Denkmälern. 97 

» » > > russisch-kirchenslav. Denkmälern. 98 

* .101 

Ursprung des a .101 

Berührungen des a mit £ und o .102 

Umlant des a zu e .102 

«.103 

Ursprung des o .103 

Umlaut des o .106 

Assimilation des o .108 

Andere Veränderungen des o .109 

Übergang des o in u bzw. % .110 

Späterer Übergang des o in u .111 

Dehnung des o .113 

Wechsel zwischen o und a .113 

«.114 

Ursprung des u .114 









































Inhaltsverzeichnis. 


VIII 

Seite 


y.116 

Lautwert des y .116 

Ursprung des y .11? 

Umlaut des y zu i .120 

y in den aksl. Denkmälern.120 

y in den mittelbg. Denkmälern. 121 

y in den serbo-kroat. Denkmälern.123 

y in den Denkmälern russischer Redaktion.125 

Die nasalierten Vokale ? und . . 125 

Sprachgeschichtliches.125 

Inlaut.126 

Auslaut .. 134 

Worte mit q neben u in den aksl. Denkmälern.138 

Die Nasalvokale in den mittelbg. und aksl. Denkmälern . 140 

x. (in den hg. Dialekten). 141 

a (in den bg. Dialekten).144 

Wechsel zwischen a und x. (Wechsel der Nasalvokale} . 145 

Die Nasalvokale in den aksl. Denkmälern. 148 

Nasalvokale in den serbo-kroat. Denkmälern. 167 

» » » russ. Denkmälern.157 

Die Halbvokale und k. 158 

Lantwert und Ursprung.158 

Folgen der Reduzierung bei uü, ul, ff, bei türt, ilrt, trüt, trii usw. 160 

Die tnt-, tnt-, tht-, tkt- Gruppe.164 

Mittelbulgarisehe Denkmäler.180- 

Serbo-kroatisehe Denkmäler.180 

Russische Denkmäler.181 

Schwund des -k und k.183 

Ersatz der Halbvokale durch volle.190 

Savina kniga.190 

Ostromirsehes Ev.191 

Cod. Zographensis.193 

Cod. Marianus.194 

Glagolita Clozianus.197 

Psalterium sinaiticum.198 

Euehologium sinaiticum.201 

Cod. Assemanianus ..205 

Cod. Suprasliensis.210 

Ev. von Ochrida (Ev. aehrid.) und andere kleinere Denkmäler 213 

Übersicht.214 

Lokalisierung der Vokalisation.215 

Mittelbulgarische Denkmäler.217 

Denkmäler serbo-kroatischer Redaktion.221 

Russische Denkmäler.222 









































Inhaltsverzeichnis. 


IX 


Seite 


Modifizierte (verengte) Halbvokale.222 

Zwei Gruppen der aksl. Denkmäler hinsichtlich des t> und £ 229 

Sav. kn.229 

Ostr. Ev.230 

Zogr.231 

Mar.233 

Cloz.234 

Psalt. sin.235 

Euch, sin.235 

Assem.238 

Supr.239 

Ey. von Ochrida (Ev. achrid.) und andere kleinere Denkmäler 241 

Kiever Blätter.242 

Mittelbulgarische Denkmäler.243 

Denkmäler serbo-kroat. Eezension.243 

Russische Denkmäler.243 

Verdumpfung des i an. nach den s - Lauten.244 

Umlautserseheinungen bei den Halbvokalen.248 

Zusammenfassende Charakteristik der aksl. Denkmäler hinsicht¬ 
lich des -h. und k.268 

Ablaut.278 

Verteilung der Ablautstufen.281 

Dehnstufe.286 

Vokalassimilation (Umlaut).286 

Kontraktion.287 

Hiatus.288 

Behebung des vokalischen Anlautes (Prothese).290 

Auslaut.296 

Konsonantismus.297 

Die Gutturale k, g, ch .299 

Ursprung derselben.299 

Veränderungen der Gutturale.299 

I. zu e, z, s .299 

Siidrussisehes m für jka.303 

Alt-Novgoroder und Pskover asr für *a.304 

II. zu c, dz, (a), s.304 

sc und st ans sie in den aksl. Denkmälern.308 

In den mittelblg. Denkmälern.309 

In den serbo-kroat. Denkmälern.309 

In den russ. Denkmälern.309 

kv zu cv und gv zu so. 310 









































X 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

Einzelsprachige Palatalisiexungen der Gutturale.310 

Die Gruppe U (gt) .311 

Weitere Konsonantengrappen mit k .312 

Die Dentale t, d .313 

Ursprung.313 

Veränderungen der Dentale.313 

Serho-kroat. Denkmäler.317 

Russische Denkmäler.317 

Denkmäler böhm. Redaktion.318 

Gruppen mit Dentalen.318 

Dentale werden eingeschaltet.320 

Die Labiale p, l, v, (m).320 

Ursprung.320 

Das sog. epenthetische l .322 

In den Kiev. Blättern.323 

Im Zogt.323 

Im Zogr. b.325 

Im Mar..326 

Glag. Cloz.327 

Assem.328 

Euch, sin.329 

Psalt. sin..330 

Sav. kn.331 

Supr. . 332 

Die Form ssiwh. . . ..337 

twpaKk.338 

EitaroawBEica. 338 

In den mittelbulg. Denkmälern.340 

In den serbo-kroat. Denkmälern.341 

In den ross. Denkmälern.342 

In den Denkmälern böhm. Redaktion.342 

Labiale mit anderen Konsonanten.342 

Die Lipidae r, f und l, V .343 

Arten und Ursprung der Liquidae.343 

Die ort-, oli -Gruppe.344 

Die ert-, «If-Gruppe.349 

Die tert-, telt- und fort-, tcZ<-Gruppe.360 

Neben tlet auch Hat .352 

Scheinbares Polnoglasie (Voll-Lautfoimen).352 

Mittelbg. Denkmäler. 356 

Serbo-kroat. Denkmäler.356 

Russ. Denkmäler.357 

Veränderungen des r, 1 .358 

Liqnidadissimilation.359 

r und l in Gruppen.359 















































Inhaltsverzeichnis. 


XI 


Seite 

Die Nasale m, n, h in, ri oder nj] .360 

Ursprung und Lautwert der Laute.360 

Sog. epenthetisebes n .361 

Veränderungen des m und n .364 

m und n in Gruppen.365 

Die dentalen Affirikatae c, dz (s) nnd Spiranten s, s.366 

Ursprung der Laute, ihr durch die Graphik angedeuteter 

Lautwert.366 

Veränderungen der s-Laute. s wird zu ch .370 

Andere Veränderungen.373 

Die palatalen Spiranten s, £, j nnd die Affrikata 6 .376 

Ursprung der Laute, ihr durch die Graphik angedeuteter 

Lautwert.376 

Verhärtung (Verdumpfung) der c-Laute.382 

Übergang der c-Laute in die c-Lante.383 

Aus £ wird r .383 

Behandlung der Konsonantengrnppen.384 

I. Verschlußlaute (Explosivlaute) in Gruppen unterein¬ 

ander und dann mit Spiranten und anderen Bauer- 
lauten .384 

A. Zwei Verschlußlaute.384 

B. Verschlußlaute mit Spiranten (Dauerlauten) . 384 

C. Verschlußlaute vor Nasalen (m, n) .385 

D. Verschlußlaut mit l .386 

E. Verschlußlaut mit r .386 

II. Behandlung der Spiranten (mit den Affricatae). . . 386 

A. Spiranten untereinander.386 

B. Spiranten vor Verschlußlauten.390 

C. Spiranten vor Liquidae nnd Nasalen .... 391 

UL. Nasale untereinander.392 

Fernwirkung der Konsonanten (Assimilation und Dissimilation) 392 

Haplologie.393 

Metathesis von Konsonanten.394 

Abfall von Konsonanten im Auslaute.394 

Sandhi-Erseheinnngen.394 






























Inhaltsverzeichnis. 


XII 


Formenlehre. 


Deklination. Seite 

Vorbemerkungen.395 

A. Deklination des Nomens.395 

a) Deklination der Substantiva.395 

1. Die o- und jo-Stämme.395 

I. Maskulina.396 

Beeinflussung seitens der «-Stämme.397 

Beeinflussung seitens der i-Stämme.403 

Die Wörter auf -komn», -ijihhh-k und -hht>..403 

Die Wörter auf -Teil» und -<spi».406 

II. Neutra.406 

2. Die 5- und jö-Stämme.408 

Nom. Sg. auf -h: 1. auf -thhh.412 

2. auf -hk, -t»H.. . 412 

3. Die f-Stämme.412 

4. Die «-Stämme.418 

6. Die «-Stämme.424 

6. Die konsonantischen Stämme.428 

I. Die «-Stämme.429 

II. Die «-Stämme.434 

III. Die s-Stämme.436 

Verdrängung der s-Stämme von den o-Stämmen . . 440 

IV. <-Stämme.442 

Übergreifen der t-Stämme anf die f-Stämme. . . . 443 

Anhang. 

a) Deklination der Fremdwörter, insbesondere der grie¬ 
chischen .443 

b) Deklination der adjektivischen Wörter.445 

Nominales oder unbestimmtes Adjektiv.445 

Deklination der Komparative,.446 

Deklination des Part, praes. act.450 

Deklination des Part, praet. act. 1.453 

c) Deklination des Numerale.454 

Kardinalzahlen.. . 454 

Ordinalzahlen.457 

Distributivzahlen.458 

B. Deklination des Pronomens.459 

a) Das persönliche Pronomen.459 

b) Das nicht persönliche Pronomen (die eigentliche pro¬ 
nominale Deklination).461 




































Inhaltsverzeichnis. 


XIII 


Seite 

1. o-Stämme.461 

2. Die ü'o-Stämrae.463 

kuh.466 

CK.467 

HK-T».468 

bkck.469 

c) Das zusammengesetzte oder bestimmte Adjektiv. . . 470 

Adjektivische o-Stämme.470 

Adjektivische jo-Stämme.471 

Formen nach der pronominalen Deklination.482 

Deklination der best. Formen des Kompar. und des Part. 482 

1. Komparative.482 

2. Part, praes. act.483 

3. Part, praet. act. 1.484 

Die zusammengesetzte Deklination in den späteren Denk¬ 
mälern .485 

Konjugation. 

A. Allgemeiner Teil.487 

Bestand der verbalen Formen.487 

Bildung der Tempora und Modi-Einteilung der Verba . . 488 

Personalendungen.488 

Bildung des Präsens.4S3 

Imperativ.493 

Participium praes. act. und pass.497 

Aoriste.497 

A. Einfacher oder starker Aorist.497 

B. Zusammengesetzter Aorist (sigmatischer A.).498 

1. Ohne Bindevokal.498 

a) s bleibt.498 

b) s geht in oh über.498 

«) aus ks ( gs] und rs .498 

ß) bei vokalischen Stämmen nach i- und «-Vo¬ 
kalen urspr. 499 

2. Zusammengesetzter Aorist mit Bindevokal -o- . . . 602 

Die Verteilung der verschiedenen Aoriste in den einzelnen 

Denkmälern.603 

Imperfektum.605 

Bildung.. . 506 

Kontrahierte Imperfektformen.608 

In den mittelbg. Denkmälern.510 

In den ar. Denkmälern.611 




































XIV 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

Der Konditional.511 

Konjunktiv. 513 

Partieipium praeteriti activi I.513 

Partieipium praet. act. II (Z-Partie.).515 

Partieipium praet. passivi.515 

Infinitiv.517 

Supinum.518 

Durch Umschreibung ausgedrückte (periphrastisehe) Tempora 

und Modi.518 

Perfektum.518 

Plusquamperfektum. 518 

Futurum.519 

Futurum exaetum.519 

Konditional.520 

Das PaBsivum.520 

Die Aktionsarten des slavischen Verbums.520 

Präfigierte Verba.523 

B. Besonderer Teil.523 

I. Klasse.524 

1. Gruppe.524 

2. Gruppe.526 

3. Gruppe.528 

4. Gruppe.529 

5. Gruppe.532 

6. Gruppe ... 533 

a) Wurzelvokal e .533 

b) Wurzelvokal o .536 

7. Gruppe.537 

II. Klasse.543 

Formen des einfachen Aorist.546 

»^-Formen hei kons. Wurzeln.545 

Einige weiteren Verha der II. Klasse.548 

m. Klasse.549 

1. Gruppe.550 

2. Cruppe.553 

IV. Klasse. 557 

V. Klasse.559 

1. Gruppe. . 559 

2. Gruppe.561 

3. Gruppe.566 

a) Verba mit konsonantischen Wurzeln.667 

b) Vokalische Verba.668 

4. Gruppe.569 













































Inhaltsverzeichnis. 


XV 


Seite 

VI. Klasse.572 

Konsonantische Klasse.574 

tecMs, eut«. 574 

E’feMK, B’fc.J.'fcTH. 575 

MAth, I2CTH. 576 

AAMKj AATH. 577 

HAVAME, HACfeTH. 577 

CATTk.577 

8H5KAB.578 


Syntax. 

Einleitung.579 

I. Der einfache Satz in seinen Teilen und seine Arten. 

A. Hanptteile des Satzes.579 

Subjekt.579 

Subjektlose Sätze.579 

Das Prädikat.581 

Ein Demonstrativum {meist cs) als Subj. 582 

Das Prädikat als Träger der Zeltstufe und der Modalität. 

1. Zeitstufe.. . 582 

Präsens.582 

Praesens historicum.583 

Futurum.583 

Imperfektum.583 

Aorist.684 

Gnomischer Aorist.584 

Perfektum.585 

Plusquamperfektum.585 

Modalität. 1. Indikativ.586 

2. Imperativ.585 

3. Konditional.585 

B. Nebenteile des Satzes (Satzteilbestimmungen).586 

a) Satzteilbestimmungen. durch. Nomina.586 

1. Im selben Kasus.586 

Attribut und Apposition.586 

2. In einem Casus obliquus {Kasuslehre).586 

Vokativ.586 

Akkusativ.587 

I. Adverbaler Gebrauch.587 

1. Als äußeres Objekt.587 

2. Inneres Objekt.587 








































XVI 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 


3. Akk. der Ausdehnung oder der Akk. der 


Baum- oder Zeiterstreckung.588 

4. Akk. des Zieles oder der Bichtung. . . . 588 

5, Akk. der Beziehung.589 

Doppelter Akk. bei einem Verbum .... 589 

II. Adnominaler Gebrauch.589 

III. Adverbielle Akknsative. Akkusative bei der 

Beteuerung.590 

Akk. cum. infinitivo.590 

Genitiv.590 

A. Der ursprüngliche Genitiv.590 

I. Adverbaler Gebrauch.590 

1. genießen n. dgl.590 

2. gehen, nehmen u. dgl.591 

3. präfigierte Verba.• . . 591 

4. Verba der sinnlichen und geisti¬ 
gen Wahrnehmung.591 

5. Verba des Ergreifens (Berührens) . 591 

6. Gen. des Zieles.591 

7. Verba des Füllens.592 

8. in positiven Existenzialsätzen und bei 

Verbis wie Znnehmen usw.592 

9. beim Supium.592 

10. Gen. des Besitzers bei sein, wer¬ 
den n. dgl.592 

11. Gen. temporis.592 

II. Adnominaler Gebrauch.593 

1. Gen. des geteilten Ganzen. . . . 593 

2. Possessiver Gen.593 

3. Subjektiver und objektiver Gen. 594 

4. Gen. qnalitatis.594 

5. Gen. des Maßes.594 

6. Gen. materiae.594 

B. Der ablativische Gen. (Gen. separationis) . . 594 

I. Adverbal.594 

II. Adnominaler Gebrauch.595 

1. Bei Substantivis.595 

2. Bei Komparativen und komparativi- 

schen Ausdrücken ..595 

C. Spezielle Abarten des Gen. im Slavischen . . 595 

1. Gen. der Beziehung oder respektiver 

Gen.595 

2. Gen. in negativen Sätzen.695 

3. Gen.-Akk. 596 
































Inhaltsverzeichnis. 


XVII 


Seite 

Instrumental.596 

1. Begleiter. 596 

2. Instr. qualitatis.596 

3. Instr. der Raumerstrecknng.596 

4. Instr. der Zeiterstreckung.597 

5. Instr. des Mittels.597 

6. des Maßes.597 

7. der Beziehung.597 

8. beim Pass, als Agens.598 

9. des Grundes und der Ursache . . . 598 

10. Instr. modi.598 

11. Prädikativer Instr.598 

Dativ. 599 

I. Adverbaler Dativ.599 

1—5 beiVerbis wie geben, Bagen, passend 
machen, herrschen, helfen.599 

6. Dat. des Zieles.600 

7. Eine geistige Bewegung kommt zum 

Ausdruck.600 

8. beim Verbum sein.601 

II. Loserer Dativ, a) der Person. Dat. 
ethicus, b) bei Abstractis des Zweckes 601 

III. Adnominaler Dat.601 

Dativus cum infmitivo.602 

Doppelter Dat.602 

Lokal.603 

Von Ortsbegriffen.603 

Von Zeitbegriffen.603 

bei Verbis.603 

Adverbien.604 

3. Satzteilbestimmungen durch einen Casus obliqnus mit 

einer Präposition.604 

Übersicht der Präpositionen.604 

b) SatzteUbestimmungen dureh Adverbia. Negation. . 605 

Adverbia.605 

Negation.606 

c) Satzteilbestimmungen durch Verbum inf.: Partizip, 

Infinitiv und Supinum.607 

1. Partizip. Das Part, praes. act. Das Part, praes. act. I 607 

«) das attributive Part.607 

ß) das appositive Part.607 

Dativus absolutus.608 

y) das prädikative Part.609 

2. Infinitiv.610 

3. Supinum. 611 

b 







































xvni 


Inhaltsverzeichnis. 


Seite 

Arten des Satzes.612 

1. Anssagesatz.612 

2. Fragesatz.612 

3. Ausrufnngssätze.616 

4. Heischesätze.616 

II. Der zusammengesetzte Satz. 

A. Parataxis.617 

1. Kopulative Sätze.617 

2. Adversative Sätze.619 

3. Explikative Sätze.620 

4. Konklusive Sätze.621 

B. Hypotaxis.621 

Abhängige Aussagesätze, Fragesätze und Heischesätze . . . 621 

Aussagesätze.621 

Fragesätze.621 

Heisehesätze a) Befehlsätze.622 

b) Wunschsätze.623 

Relativsätze.623 

Konjnnktionssätze.627 

a) Kausalsätze.627 

b) Konsekutivsätze.628 

c) Finalsätze.629 

d) Temporalsätze.631 

e) Lokalsätze.633 

f) Modalsätze . ..634 

g) Hypothetische Sätze.634 

h) Konzessivsätze.636 

III. Der Satz in tormaler Hinsicht. 

Encliticae.637 

Mehrere Encliticae im Satze.638 

Berichtigungen und Ergänzungen.639 

Literatur und Abkürzungen.642 

Wortindex.647 

































Einleitung. 

Das Altkirchenslavisehe war die liturgische Sprache der beiden 
Slavenapostel Cyrill und Method bei ihrer Missionstätigkeit, die sieh 
zunächst in den sechziger Jahren des IX. Jahrhunderts auf das 
großmährische Reich unter Rostislav erstreckte. Insbesondere war 
es die Sprache, in welche sie griechische Kirchenbücher übersetzten: 
es war der älteste slav. Dialekt, der von ihnen schriftlich fixiert 
und zur Schriftsprache erhoben wurde. Es haben sieh noch viel¬ 
fach Abschriften dieser Übersetzungen aus den nächsten Jahrhun¬ 
derten erhalten. Sie geben zwar nicht mehr die Sprache in dem 
ursprünglichen Zustande wieder, wie sie zur Zeit der Begründung 
des slavischen Schrifttums war, aber immerhin so, daß man den 
ursprünglichen Zustand rekonstruieren kann. Schon daraus resul¬ 
tiert die hohe Bedeutung des Altkirchenslavischen, insbesondere für 
die Sprachwissenschaft. 

Das Aksl. ist aber noch dugch einen anderen Umstand wichtig 
geworden. Durch die Jünger der beiden Slavenapostel ist die slav. 
Liturgie frühzeitig auch zu anderen slav. Stämmen verpflanzt wor¬ 
den, so zu den Bulgaren, Serbokroaten; später fand sie auch bei 
den Russen Eingang. Mit der Liturgie gelangte dahin natürlich 
auch das Aksl. als Schriftsprache. Man bediente sich desselben hier 
nicht bloß zu kirchlichen Zwecken, zur Abfassung oder Übersetzung 
religiöser Werke, sondern auch bei der Niederschrift von profanen 
Produkten, es erlangte hier einfach die Rolle der Literatursprache. 
Diese Rolle behielt das Aksl. bis in die neuere Zeit und es be¬ 
durfte großer Kämpfe, bis es auf dem Gebiete der weltlichen Lite¬ 
ratur den heimischen Sprachen weichen mußte. In der Liturgie 
behauptet es sich bei den orthodoxen Slaven — den Bulgaren, 
Serben und Russen — und teilweise auch bei den katholischen 
Kroaten bis auf den heutigen Tag. .Die slav. Liturgie spielte auch 

Vondrat, AltkirehenslaYisclie Grammatik. 2. Aufl. 1 



2 


Einleitung. 


bei den Rumänen eine nicht geringe Rolle und ihre Reflexe zeigen 
sich seihst auch im böhm. Schrifttum. Man ersieht daraus, welche 
Bedeutung das Aksl. in seiner weiteren Entwickelung erlangt hatte. 
Da es in dem Zustande, in dem es sich erhielt, nirgends mehr 
gesprochen wurde und auf diese Art zu einer toten Sprache ge¬ 
worden ist und trotzdem im geistigen Leben der Slaven eine so 
große Rolle spielte, so erinnert seine Funktion an jene, welche die 
lateinische Sprache im Mittelalter zu erfüllen hatte. 

Freilich, intakt war der ursprüngliche Zustand der Sprache 
nicht mehr, da sich ja unter dem Einflüsse heimischer Dialekte 
lokale Färbungen geltend machen mußten. Namentlich in lautlicher 
Hinsicht unterlag das Aksl. mannigfachen Änderungen, so daß wir 
dann etwa seit dem XII. Jahrh. nicht mehr vom Aksl., sondern 
einfach vom Kirchenslavischen mit prononcierten dialektischen Fär¬ 
bungen sprechen. Aber der ursprüngliche Grundstock, insbesondere 
eine gewisse ,copia verborum 1 , blieb immer noch bestehen. 

Was für ein slav. Dialekt ist nun das Aksl. und zu welcher 
slav. Sprachenfamilie gehört es ? Wenn wir die Sprache altkirchen- 
slavisch nennen, so haben wir diese Frage dadurch nicht beant¬ 
wortet. Ihre Beantwortung könnte ja schon durch die entsprechende 
Benennung der Sprache angedeutet werden, während das Wort 
altkirchenslaviseh keinen Bezug hat auf irgend einen slav. Stamm 
oder eine slav. Sprachenfamilie. Dadurch wollen wir nun der Lösung 
dieser Frage nicht vorgreifen. Die maßgebenden Quellen geben 
uns auf dieselbe leider keine Antwort. Die Sprache heißt hier 
einfach immer cnoKkHh.cKTv jBlavisch' 1 ), Das ist aber eine zu all- 


i) In der Vita Comt. c. XV: np-kierk ik< fr® .'sc. kohctahthha] ha®\'i|m Ko- 

ltkAk, KHfSk IUN«HkCKUH, H EkSAIOKAk KfrtAfH CACKfHkCKktf KNWh! HAOlfMHTH Cf H(Wk 

H Skp,4 ,\® 11ITH A,fCITk oyMfHHKk AAMKTH Cf HAtk . . . Im Kap. XVII: HpifAfk JKf 

IWI1A KHHrkl CAORfHkCKklf H n»AOWM 16 Kk UpkKRH CKfTklf AUpiC . . . . H AKl'f flliUlf AH- 
To^prii« Bk UpkBKH CBrrar« anocTOAd nfTpA CAOBCHKCKkiAfk f3klK® Alk. In der Vita 
Methodii : ,\i Toy hbh st* $HA«co£«y cAOB-tNkcK-ki KNHru und hier noch mehr¬ 
mals. Der Mönch Chrabr sprichtauch von den iwou«« cAOB-fakcK da un d casiHi- 
HkcKu KHHrhJ und sagt dann weiter : a cmsIn’ckux kkhtu fAicrk ctwh Ksctah- 

THH'k HapmiafAtklH KlipsiA'k. H HHCAlfHA CTKppH H KHHrkl HpifAP/KH RTk AUA’tjfk .vk'rkp'K, 

Johann Exarch von Bulgarien erzählt auch im Prolog zu seinem Bogo- 
slovie, Konstantin habe übersetzt, desgleichen Method, in die »slav. Sprache« 
von Method: np"kA«ntH bca «.'ctaebhua vcknnr-ki ott* f ahhkcka A.rkiiu, mx« tecTk 



Einleitung. 


3 


gemeine Benennung, denn mannigfache slav. Stämme nannten sich 
Sloväne (z. B. in Rußland aueh und allmählich war es die heimische 
Benennung der Slayen überhaupt geworden) und jetzt noch kommt 
dieser Name den slar. Bewohnern von Krain, Kärnten, der Steier¬ 
mark und des westlichen Ungarns zu. Mit einer kleineren Modi¬ 
fikation des Suffixes hat sich der Name in der Benennung der 
Slovaken erhalten, die Slovakei heißt im Böhmischen und in ihrem 
Dialekt ,Slovensko‘, ihre Sprache , slovensky jazyk 1 . 

Da wir keine direkten Nachrichten über die Heimat des Aksl. 
haben, so müssen wir sie indirekt zu ermitteln trachten. Zu diesem 
Zwecke müssen wir Anhaltspunkte in der Sprache selbst und dann 
in den historischen Nachrichten über die Tätigkeit der beiden 
Slavenapostel suchen. Ein sprachliches Merkmal verrät uns ganz 
unzweifelhaft, daß das Aksl. zu der bulg. Sprachenfamilie gehört: 
es ist dies das st und zd für das urslav. ij l ) und di (z. B. cbUiutz 
fern.,Lieht, leuehtender Gegenstand 1 , MetKA 4 fern.,Grenze 1 ), was wir 
sonst in keiner anderen slav. Sprache finden. Wichtig ist auch 
der Umstand, daß in den glag. Denkmälern und darnach dann aueh 
in den älteren cyrillischen 'k in- einer doppelten Funktion auftritt 
als e und ja, d. h. in dem betreffenden Dialekte näherte sich die 
Aussprache des £ dem ja, was wir wieder in den bulg. Dialekten 
finden, aber nicht in den hier etwa in Betracht kommenden an¬ 
deren Sprachen. Im Aksl. finden wir, wenn auch vereinzelt, den 
adnom. Dativ für das possess. Pron.: ha« AP®Y*”k UH n P H A* <p&o$ 
liov Luc. 11. 6 (Mar. und auch Zogr.: AP <5 Y rk E ' k CR 0't£ ch 
Joh. 19.27 im Zogr. Mar. Assem. Sav. Kn. Tm. Ev.; kt«. CRO«)fk uh 
Mat. 20. 15 Mar. Zogr. Assem. Ostr. (hier eigentlich zur Verstärkung 
des Possessivs), dasselbe bei Joh. Exarch v. Bulg. (vgl. Verf. 0 mluve 
Jana exarcha b. S. 19 u. 36, hier z. B. E'k cko£h ch oynocTacn), 


rp-hMkCKi,, kt» cflOR-t-HkcK-k. Die aus dem X. Jahrh. stammende Vita S. Cle- 
mentis kennt auch den Ausdruck im Gfriech., daneben gebraucht sie aber 
aueh sehon ,bulgarisch 1 : Isevoiaxovai uiv (Konstantin und Method) ta a-d-lo- 
ßevixa ygä/r/rara, eq/irivevovai de ras deonvevarovs ygaqjas ex rijs kXXuöos 
yXüaoys eis rrjv ßoviyaoiyjr. Im Briefe des P. Joh. VIII v. J. 880: Litteras .. 
Sclaviniscas a Constantino quondam philosopho repertas, quibus Deo laudes 
debitae resonent, iure laudamus — und sonst noch. 

*} Auch für kt in gewissen Fällen: vgl. hoiutk ,Nacht 1 aus *nokt-, 

1 * 



4 


Einleitung. 


bei Klemens von Bulg. (hier z. B. kjkctku cüoiero ch, vgl. Verf. 
Studie S. 134—135) u. a. Es kommt jetzt noch im Bulg. z.B. majha 
mu und Serbo-Kr. vor. In unserem Falle ist natürlich nur an das 
Bulg. zu denken. 

Nach den beiden Slavenaposteln wird das aksl. Schrifttum von 
ihren Jüngern und dann auch von anderen Männern insbesondere 
in Bulgarien und Makedonien sehr intensiv gepflegt: es werden 
neue Werke aus dem Grieeh. übersetzt, anderes wird selbständig 
verfaßt. Man bemerkt hier nun keine wesentlichen Abweichungen 
von der Sprache der Slavenapostel, die eine andere slav. Sprache 
verraten möchten, sondern es handelt sich höchstens um Differenzen, 
wie sie in verschiedenen Dialekten einer und derselben Sprache 
vorzukommen oder sich in einem Dialekte unter dem Einflüsse der 
Zeit zu entwickeln pflegen. Anders verhält es sich, wenn wir die 
auf Grund des Aksl. bei anderen slav. Völkern entstandenen Denk¬ 
mäler untersuchen, so z. B. die bei den Russen geschriebene sog. 
Nestorsche Chronik, die bei den pannonischen Slovenen unter dem 
Einflüsse des Aksl. entstandenen Freisinger Denkmäler. Man kann 
nicht daran denken, die neuen Autoren hätten einfach die Sprache 
auf Grund des schon Vorhandenen erlernt, denn das schon Vor¬ 
handene war noch nicht so reichhaltig, während die neuen Werke, 
die man in Bulgarien in Angriff nahm, eine große Geläufigkeit der 
Sprache, eine intensive Kenntnis des Aksl. voraussetzen. Man 
brauchte Worte für neue Begriffe, die man in dem schon Vorhan¬ 
denen noch nicht finden konnte. Man denke z. B. an die Über¬ 
setzungen und Bearbeitungen des Joh. Exarch von Bulgarien, an 
den Traktat des Mönches Chrabr. Kaum hätten es die Autoren 
gewagt, eine solche Aufgabe auf sieh zu nehmen, wenn sie sich 
dessen bewußt gewesen wären, daß ihre eigene Sprache und die 
der von den Slavenaposteln eingeführten Schriftsprache nicht iden¬ 
tisch seien. So aber finden wir in ihren Werken fast dasselbe 
lexikalische Material, wobei wir natürlich nicht Worte für abstrakte 
Begriffe oder überhaupt christliche Termini, die man ja aus vor¬ 
handenen Schriften usw. erlernen konnte, im Sinne haben, sondern 
es handelt sich um Worte des gewöhnlichen Lebens. Sie bedienten 
sich dieser Worte, weil sie ihnen geläufig waren, aber auch darum, 
weil sie voraussetzen konnten, daß sie auch von den weiteren 



Einleitung. 


5 


heimischen Kreisen verstanden würden. Dahin gehört z. B. btxCKxbk, 
,warum' im Ev., dann bei Joh. Ex. v. B. (Verf. 1. c. S. 17), bei Klemens 
v. Bulg. (Ctohhobhub, Hobbis caoBa RnrareHTa S. 149); rp<ft,4,x, 
rpACTH bei Joh. Ex. v. B. (1. c. S. 17), bei Klemens v. Bulg. (1. c. 
S. 154—155); HERkipfKATH ,meinen, dafür halten 1 bei Joh. Ex. v. B. 
(1. c. S. 18) und häufig auch in anderen Texten; Hcnpktfk charak¬ 
teristisch für die älteste Redaktion, auch noch bei Joh. Ex. v. Bulg., 
der außerdem HCKpn gebraucht (1. c. S. 17); KAEBp-fcT'k ouoSovlog 
(S. 17); K’kHoaanifi, bei Joh. Ex. mit einer kleinen Variation: he 
. BTinuanx (S. 18 u. 39); cTpaHkH’k gsVog bei Joh. Ex. v. B. (S. 18), 
bei Klemens (S. 213) und sonst noch; leTip-k ,quidam‘ bei Joh. 
Ex. v. B. (S. 18—19), bei Klemens v. B. (1. c. S. 232); ;b;khk<i cpü.og 
(Joh. Ex. v. B. S. 19). Adverbien auf -h^ske; daß z. B. MfTBopm^a 
bulg. ist, zeigt uns AaBpoBn (OÖ3opu. S. 173), im Evangelientext 
HtTBOpHniks. (Luc. 19. 8), cf AMopHiMi», UTvHOjKHL^fiifi usw. Ähn¬ 
lich auch hei Joh. Ex. v. B. (S. 17). Diese Beispiele könnten natür¬ 
lich bedeutend vermehrt werden, aber hier muß nur diese Probe 
genügen. Wir sehen auch, daß die Sprache ihrer Zitate aus der 
heil. Schrift nicht sonderlich von ihrer eigenen Sprache abweicht. 
Für den bulg. Ursprung des Aksl. suchte M. Vasmer neuerdings 
einen neuen Beweis zu erbringen: einige griech. Worte, die in das 
Aksl. aufgenommen worden sind, setzen nicht die literarische Form, 
die Form der grieeh. Schriftsprache, sondern eine volkstümliche 
Form voraus. Das Volk, in dessen Sprache diese Worte aufgenom¬ 
men worden sind, war also in direkter Berührung mit den Griechen, 
was freilich nur von den Bulgaren vorausgesetzt werden kann. Hier¬ 
her rechnet er cxeota, das dem volkstümlichen grieeh. aaußazov 
(und dem jetzigen dialekt. craiöoTa in Makedonien), nicht aber dem 
cccßßarov (lat. salbata, vgl. b. p. sobota ) der Schriftsprache ent¬ 
spricht. Ebenso napacKEBrrna, AfßrHT'k, AEßrma dem volkst. gr. 
naqaa-/Avyr h levycrrjg, nieht zcaqaayevr^ Xavelrqe', KpEBATO (dem 
•/.qsßßara, serb. krevet, r. rpOBaTi, nicht dem liter. y.qäßßazog) taucht 
erst später auf (Ü3B. XI, 1906, Bd. 2, S. 388 fi). 

Was wir aus den Quellen über die beiden Slavenapostel und ihre 
Missionstätigkeit bei den Slaven erfahren, spricht ebenfalls dafür, 
daß die von ihnen begründete Schriftsprache ein bulgarischer Dialekt 
war, ein Dialekt, den sie selbst sprachen, am wahrscheinlichsten 



6 


Einleitung. 


der slav. Dialekt von Saloniki, ihrem Geburtsorte (ihrer Abstam¬ 
mung nach waren sie Griechen), oder aus der Umgebung. Der 
Kaiser Michael betraute, als an ihn das Ansuchen Rostislavs ge¬ 
stellt wurde, die beiden Brüder Cyrill und Method mit der Mission 
nach Mähren und zwar hob er nach der Vita Methodii ihre Kenntnis 
des Slavischen ausdrücklich hervor: mu ko leora cmov-n ANHNd, 
A-J CIAOlTHAHf SUCH MHCTO CAOK'ÜHhCKTsJ K«C'K,S,0\ftOTk (Kap. V): 
,denn ihr beide seid Thessaloniker und die Thessaloniker sprechen 
ja alle gut slavisch“. Außerdem wird berichtet, daß Method einige 
Zeit hindurch ein slav. Fürstentum verwaltete; die Kenntnis des 
Slav. vor der Abreise nach Mähren muß bei ihnen also unbedingt 
vorausgesetzt werden. Nach der Vita Constantini geht dieser sofort 
an die Aufgabe, also noch etwa in Constantinopel und beginnt dort 
das Aprakosevangelium zu übersetzen: au me ckao;kh riHcrmm n 
HAHtTk KICRAOY f*HC4TH leVAITtAkCKOVf: HCnpkRd 1 ) K't CAOE.O 
(Kap. XIV). Dementsprechend kommt er nach Mähren mit der 
fertigen Evangelium-(eig. Evangelistar-) Übersetzung: ,Cognoscentes 
loci indigenae valde gavisi sunt, quia et reliquias b. Clementis se- 
cum ferre audierant et evangelium in eorum linguam 2 ) a Philosopho 
praedicto translatum.' Es muß darau festgehalten werden, daß die 
beiden Slavenapostel zunächst nach Mähren, nicht nach Pannonien 
kommen. Nun ist es nicht denkbar, daß Konstantin zuerst die 
Sprache der Mährer in Konstantinopel etwa von den Mitgliedern 
der Gesandtschaft erlernt und dann erst hätte zu übersetzen an¬ 
gefangen, eine solehe Verzögerung der Mission war nicht am Platze. 
Wahrscheinlicher ist es, daß er in den ihm schon geläufigen slav. 
Dialekt übersetzte und sich nur bezüglich einzelner Ausdrücke, ins¬ 
besondere der termini teehnici mit der Gesandtschaft oder mit einem 
Mitgliede derselben, das man auch zu diesem Zwecke zurückbe¬ 
halten konnte, ins Einvernehmen setzte. Er konnte bei der da¬ 
maligen größeren Verwandtschaft der slav. Sprachen mit Recht 
voraussetzen, daß seine Sprache auch in Mähren verstanden werde 
und das wird er wohl auch bei den Mitgliedern der Gesandtschaft 


*) Die Vita ist in späterer Abschrift erhalten, im ursprünglichen Texte 
war hier hckshh wie z. B. im Assem. und in anderen Hss. 

2 ) Man setzte sich natürlich über dialektische Unterschiede hinweg. 



Einleitung. 


7 


mit Erfolg erprobt haben. Die zwei wesentlichsten Momente, die 
hier nicht genug hervorgehoben werden können, sind also: 1. daß 
er schon in Konstantinopel anfängt zn übersetzen und mit einer 
fertigen Übersetzung abzieht und 2. daß er zunächst nach Mähren 
geht. Würdigt man diese Momente, so muß man zum Schlüsse 
kommen, daß Konstantin den ihm von Haus aus geläufigen slav. 
Dialekt schriftlich fixierte. Man vermutet auch, daß er sich mit 
Rücksicht auf die wohl in Aussicht stehende Christianisierung der 
Bulgaren für diesen ihnen geläufigen Dialekt entschied. Andere 
meinen sogar, daß Konstantin lange vor dem Plan einer Mission 
in Mähren an der slav. Schrift und an seinen Übersetzungen ge¬ 
arbeitet haben müsse. Daraus wäre eben auch zu schließen, daß 
er bei dieser Arbeit die Slaven seiner Heimat und deren weiterer 
gleichsprachiger Umgebung, also Makedoniens und Bulgariens, im 
Auge gehabt habe. Dazu wären die Brüder vielleicht deshalb nicht 
gekommen, weil die mährische Aufgabe dazwischen kam (Leskien, 
Gramm, der abg. Spr. 1909, S. xxi). 

Es liegt nahe unter solchen Umständen, die Sprache, um die 
es sich hier handelt, einfach altbulgarisch zu nennen, wie ja tat¬ 
sächlich viele Forscher (Leskien u. a.) *) diesen Kamen gebrauchen. 
Es ist nur zu bedenken, daß die Sprache in den ältesten und zeit¬ 
genössischen Quellen nie so benannt wurde, der Name taucht viel¬ 
mehr erst, wie wir sahen, in einer griech. Quelle aus dem X. Jahrh. 
auf. Für das IX. Jahrh. würde sieh dagegen die Benennung alt¬ 
bulgarisch mit größerem Rechte auf die türkischen Bulgaren und ihre 
Sprache, die ja damals noch nicht alle slavisiert waren, beziehen. 

Historisch berechtigt wäre, wie wir sahen, der Name ,slovenisch‘, 
den man, um Mißverständnisse zu vermeiden, durch , altslovenisch* 
differenzieren könnte, wie es tatsächlich Miklosich getan hat, der 
diese Benennung konsequent gebrauchte. Allein er hat diesen Namen 


1 ) In Deutschland hat besonders Schleicher und dann Schmidt und 
Leskien den Ausdruck ,Altbulgarisch' populär gemacht. In seinem Artikel 
,Ist das Altkirehenelavische altslovenisch' (im I. Bd. der »Beiträge zur vergl. 
Sprachforschung« S. 319—328, 1858] hat Schleicher gezeigt, daß Aksl. und 
Altslovenisch bereits im X. Jahrh. verschiedene Dialekte waren. Ihm ging 
schon Hattala voraus (,0 pomern cyrillciny k nynejsim närecim slovanskym“ 
in öcmus. 1855, S. 88 —104). 



8 


Einleitung. 


in einem spezifischen Sinne gebraucht und hat ihn dadurch teil¬ 
weise in Mißkredit gebracht. Er meinte nämlich, die slav. Liturgie 
wäre in Pannonien entstanden, in Bulgarien könne nicht die Wiege 
derselben sein, und es müßte auch die Sprache der slav. Liturgie 
pannonisch sein. Wenn man sich auf das St, &d berufe, um den 
bulgarischen Ursprung der Kirehensprache nachzuweisen (was übri¬ 
gens schon §afarik getan hätte), so müsse man bedenken, daß das 
Magyarische mostoha , pest, paläst und rozsda d. i. moStoha , peSt 
paläst und roida für aslov. uaurrep, neuiTk, rm am tu und pno^a 
biete, Worte, die die Magyaren nur aus der Sprache der früheren 
Bewohner Pannoniens, der Slovenen, entlehnt haben können. Miklo- 
sich spricht immer nur von Pannonien, von der Wanderung der 
Brüderapostel nach Pannonien usw. Um zu zeigen, daß schon da¬ 
mals das Bnlg. sich vom Aslov. (Aksl.) unterschieden habe, führt 
er die Trojanska prica aus dem XIV. Jahrh., das Trnover Ev. vom 
J. 1270, den Psalter von Bologna aus dem XII. (richtiger aus dem 
XIII. Jahrh.) an, was ja natürlich den aksl. Denkmälern aus dem 
X—XI. Jahrh. gegenüber gar nicht in Betracht kommen kann, da 
schon innerhalb eines Jahrhundertes, ja noch in kürzeren Zeiträumen 
in einer Sprache bedeutende Veränderungen vor sich gehen können. 
Dennoch meinte er, daß wir vergebens einem aus Bulgarien stam¬ 
menden Denkmale, dessen Sprache man altslovenisch (nach uns 
»alkirchenslav.«) zu nennen berechtigt wäre, nachjagen. Was die 
bulg. Handschriften spezifisch Altslovenisehes haben, das verdan¬ 
ken sie, wie er meinte, ihren aslov. Vorlagen, die entweder in 
Pannonien enstanden wären oder pannonische Slovenen in Bul¬ 
garien zu Urhebern hätten. Wenn man sage, die slav. Liturgie sei 
zu wenig pannonisch und zu viel griechisch, als daß man ihr einen 
exklusiv pannonischen Ursprung zuschreiben könnte, so wolle man 
die Elever Fragmente beachten, die ein Stück röm. Liturgie ent¬ 
halten. Miklosich führt auch immer die angeblichen zahlreichen 
Verstöße gegen die elementarste Kenntnis des Griechischen an, 
wie z. B. wenn &vq<x infolge der Verwechslung mit yj\qa (das 
kommt ja schon in griech. Hss. vor!) durch ksackhuu 1 ) übersetzt 


*) Auf S. xn seiner Formen! in Par.: »um yhwa durch poa«™», p»- 
skawts«, aoa Lue.18.8 dureh apa, n(ioi wv Suva durch kt, Amcfc, durch 



Einleitung. 


9 


wird. Man vergesse endlich nicht die ans dem Ahd. stammenden 
kirchlichen Termini *), und man habe Gründe genug zur Behauptung, 
die slav. Liturgie sei pannonisch, nicht griechisch. Dem Aslov. 
stünden am nächsten das Neuslov., das Bulg. und das nun eben¬ 
falls ausgestorbene Dakoslovenisch. Alle diese Sprachen wären 
zurückzuführen auf die Sprache der 2)daßrjvoi von Prokopius, der 
Sclaveni von Jordanes, ein Name, der ursprünglich nicht, wie an¬ 
genommen werde, alle Slaven unter sieh begriffen, sondern nur 
den Stamm der Slovenen bezeichnet hätte. Aus der Sprache der 

KkA»BHUd, rjdvvd-rjao’.v durch B^sAtcr* (d. h. ^Swrj^riaav) usw. zu übersetzen, 
Übersetzungen, welche, nebenbei bemerkt, nur von Gehilfen der beiden Brüder 
herrühren können, dazu konnten auch die pannonischen Slovenen abgerichtet 
werden.« Dazu bemerkt Jagid (Zur Entstehnngsg. I S. 18): »Sieht man sich 
diese Stellen näher an, so ergibt sich, daß yhwa überall in allen Stellen 
durch re»Na, also unübersetzt, wiedergegeben wurde; Mc. IX, 43, 45, 47 steht 
zwar in Nik. p«a*>, p«jkmctbo, aber diese Stellen waren in dem urspr. Evan- 
geliarum nicht enthalten, und auch hier hat Mar. Zogr. kfOHA. — Ebenso 
fehlt die Stelle Lue. 18. 8 in dem Evangeliarum. Matth. 26. 18 n^os xov 
äüva lautet allerdings in der ältesten Übersetzung (Ass.) kt« ahm*, aber das 
kann ganz gut als ein unübersetzbarer Ausdruck aufgefaßt worden sein«. 
Die Verwechslung des Sxtqav mit xyoav Ps. 131. 15 komme schon in dem 
griech. Texte vor (ebenso lödcäf st. bäols, iiäwrid-rjaav st. fjifvyfbriaav), worauf 
Jagic schon im Tempe upar. naa. ctsish im J. 1884 S. 52 aufmerksam machte. 
Die Wiederholung des Kopitarschen Skeptizismus seitens Miklosich wäre also 
überflüssig und unbedacht. 

*) Kopitar schrieb 1825 an Dobrovsky: Wenn Sie die Germanität 

VOn UpBKIll, KpkCTTv, OATapk,, MMHJTi, npCT'k, rON«3H<Mf, CTOAT., pHAVk, OyilEATH, M- 

m(3b nun leugnen, weil sie Sie geniert, so haben wir auch Anlaß znr 
Malice .. . Für die Pannonietät des Ksl. wiederholt er im Glag. Cloz. (1836 
S. ix) folg. Ausdrücke: upkKU, «atapb, jfpkcTi. und jpkcTHTH, nocT-k, nm, 
fiEBAT, und n«KA« ahd. p'ech, cpkAA nach Mittwoch, ivfccApk = fränkisch ,Cäsar“, 
»Ukttv = acetum. Alle diese Ausdrücke habe man nur aus dem Deutschen 
während der ersten Belehrung im Christentum entlehnen können. Das aber 
stimme nur für die Slaven Noricums und Pannoniens, die mehrere Jahre vor 
Methods Auftreten schon Christen waren. Demgegenüber ist zu bemerken 
daß diese Ausdrücke ganz gut, soweit sie im Süden noch nicht bekannt 
waren, in das Aksl. durch die beiden Slavenapostel aufgenommen werden, 
konnten; man konnte sie von der mährischen Gesandtschaft erfahren. Viele 
waren aber schon im Süden bekannt und sind keine Germanismen. Zu den 
Germanismen gehört nccT-a (ahd. ,-fctsta‘, got. dagegen nur fastulni), n»m« (in 
der ältesten Ev.-(Redaktion nicht vorhanden), wohl auch mo-a und umcao, 
jutHtijpk, cHcuoyn-k (in späteren Quellen); nmpnni3Nk nach ,Unholda‘, got. unhul/m, 
auch alB .Teufel 1 u. a. 



10 


Einleitung. 


Slorenen hätten sieh die Idiome der Vorfahren der heutigen Bul¬ 
garen entwickelt; derjenigen Slorenen, die bis in das vorige Jahrh. 
am linken Ufer der unteren Donau ihre Sprache bewahrten; der 
pannonischen Slovenen, deren Sprache die Grundlage der Kirehen- 
sprache wurde, und der Alpenslovenen, deren Sprache noch jetzt in 
den östlichen Teilen des Sprachgebietes die slovenisehe heißt. Nur 
im äußersten Osten und im äußersten Westen hätte sieh demnach 
bis zum heutigen Tage die Sprache der Slovenen erhalten, deren 
Wohnsitze sieh ehedem von den Toren Konstantinopels bis in das 
Gebiet der Bajovarier — schwerlich ohne Unterbrechung — er¬ 
streckt hätten. Trotz der Differenzen zwischen Altslovenisch und 
Bulgarisch wäre das letztere zur genauen Kenntnis des ersteren 
von hoher Wichtigkeit: es wäre eben die Sprache desselben Stam¬ 
mes, des Slovenischen. Auf eine ganz merkwürdige Art suchte 
sich Miklosich mit Mähren, das er ja nicht wegleugnen konnte, 
abzufinden. Er meinte, wenn er den Ausdruck »pannonisch« ge¬ 
brauche, so müsse er anerkennen, daß der Ausdruck, um der Sache 
vollkommen zu entsprechen, auch Mähren in sich begreifen sollte. 
Er wäre nämlich jetzt (nämlich 1874) der Ansicht, daß der slove- 
nische Volksstamm nicht nur auf dem rechten, sondern auch auf 
dem linken Ufer der Donau wohnte, freilich ohne über den Um¬ 
fang seiner Wohnsitze im Norden der Donau auch nur eine Ver¬ 
mutung aussprechen zu können (Altslov. Formenlehre in Parad. 
S. in). Diese ungeheuerliche Ansicht, daß die Bewohner Mährens 
je Slovenen gewesen wären, hat weder Miklosich noch auch 
E. Dümmler, der sie mit ihm teilte, durch irgend welche Gründe 
auch nur ein wenig plausibel gemacht, so daß sie gar nicht in 
Betracht kommen kann. Die armen Slovaken, die damals höchst¬ 
wahrscheinlich bis an die Donau gereicht haben, kann man doch 
nicht in einen Sack unterdessen gesteckt haben. Seine Ansichten 
über die Heimat des Altslov. hat Miklosich am besten entwickelt 
in der Einleitung zu seiner »Altslov. Formenlehre in Paradigmen«, 
1874; eine ausführlichere Begründung derselben, die er hier ver¬ 
sprochen hatte, kam nicht zustande. Dagegen faßte er sie noch 
einmal kurz zusammen in seiner Abhandlung »Geschichte der Laut¬ 
bezeichnung im Bulg.« (Denkschriften, XXXIV. 1884, S. 97—101). 
Der Pannonismus, an dem er starr festhält, ist eigentlich nicht 



Einleitung. 


11 


eine von ihm ansgegangene Idee, sondern er hat sie bloß von 
Kopitar, der derselben Überzeugung huldigte, übernommen und 
teilweise auch modifiziert. Kopitar war es, der da vom Aksl. ver¬ 
kündete, es wäre die Sprache, quae ante mille fere annos viguit 
inter Slavos Pannoniae. Kopitar scheint, wie Miklosieh bemerkt, 
die Sprache der pannonischen und der karantanischen Slovenen 
für identisch gehalten zu haben. Das konnte zwar Miklosieh nicht 
billigen, war aber immer noch der Überzeugung, daß trotz aller 
Verschiedenheiten beide Dialekte einander sehr nahe, ja sogar 
näher standen, als einer von ihnen irgend einem anderen 1 ). 

Miklosichs Argumente, die zum Teile eigentlich nur den Schau¬ 
platz der ersten Wirksamkeit der beiden Slavenapostel beleuchteten, 
dagegen zur Entscheidung der Frage nach der Heimat des Aksl. 
eigentlich wenig oder gar nichts Positives brachten, widerlegte mit 
Erfolg V. Jagic in mehreren Artikeln. Schon im I. Bande des 
Archivs (1876) zeigte er ganz klar, daß Miklosichs Ansicht unhaltbar 
sei (S. 442—453). Zusammengefaßt hat dann Jagic seine Ansichten 
in seiner Schrift »Zur Entstehungsgeschichte der kirchenslavisehen 
Sprache* (Denkschriften Bd. XLVII, 1900, Erste und zweite Hälfte), 
wo auch Miklosichs Ansichten neuerdings widerlegt werden. Die 
slav. Worte mit St und zd im Magyarischen läßt er nicht in West-, 
sondern in Südostpannonien ins Magyarische aufnehmen. Schon 
vor der Einnahme Pannoniens hätten die Magyaren an der unteren 
Donau lange Zeit Beziehungen mit den sog. bulgafisehen Slaven 
gehabt. Die ganze slav. Bevölkerung Westpannoniens sei nicht auf¬ 
gerieben worden und es hätte sieh bei den dortigen Slaven noch 
ein St, M erhalten haben müssen, wenn es je dort gesprochen wor¬ 
den wäre. Das sei nicht der Pall. In der Murinsel spreche man 
jetzt noch z. B. neben m.eja, mejaS, rodzen, aber auch jeö, pojeS 
(6 für dz). Nur zwei Ortsnamen hätten St, zd: PeSt und Varazdin 
(ung. Varasd). Das eine sei slav. Ursprungs, aber nirgends werde 
gesagt, daß es von den pannonischen Slovenen herrührt, es könnte 
eine vom Süden donauaufwärts gekommene slav. Kolonie (also eine 


l ) In seinen Werken, wo das sprachliche Material vergleichend zusammen¬ 
gestellt wird, läßt M. deshalb immer nach dem Aslov. gleich das Neuslove- 
nisehe und dann erst das Bulg. folgen. 



12 


Einleitung. 


bulg. Kolonie) diese Niederlassung gegründet oder die Magyaren 
selbst den Ausdruck pest, den sie früher entlehnten, mitgebracht 
haben (II, S. 35—36) i). Unter Miklosichs Argumenten war nun 
dieses das einzige, welches halbwegs eine Beweiskraft hätte, wenn 
man nachweisen könnte, daß die Lehnwörter mit st und zd wirk¬ 
lich in Südwestpannonien von den pannonischen Slovenen auf¬ 
genommen worden sind 2 ). Das läßt sich aber, wie wir sehen, nicht 
nachweisen. Jagic kommt zum Schluß, daß Cyrill und Method 
zwar nur in Mähren und Pannonien als Prediger, Bekehrer und 
Begründer der slavischen Liturgie gewirkt, aber daß sie das eine 
dorthin schon von anderswoher gebracht hätten, nämlich die Schrift 
und die Sprache. Diese letztere, wenn sie auch von den Dialekten 
der Gegenden, wohin sie als Glaubensboten geschickt worden 
waren, etwas verschieden gewesen, konnte daselbst dennoch mit 
großer Begeisterung aufgenommen worden sein, wie uns das Bei¬ 
spiel der Kroaten zeigt, welche im IS. und X. Jahrh. mit großer 
Zähigkeit an der bei ihnen schnell verbreiteten slavischen Liturgie 
festhielten, trotzdem sie nicht in ihrem Dialekt abgefaßt war. Also 
einer Importierung der Schrift und Sprache nach Pannonien scheine 
ihm a priori nichts im Wege zu stehen, wie ungefähr um ein 
Jahrhundert später bei den Küssen dasselbe stattfand. In Mähren 
und Pannonien hätte dann die Sprache sehr leicht jene kirchlichen 
Ausdrücke deutsch-lateinischen Charakters oder Ursprungs auf¬ 
nehmen, welche daselbst schon früher durch den Einfluß der deut¬ 
schen Prediger eingebürgert worden waren. Er wäre also weit 
entfernt davon, einen realen Moravismus und Pannonismus in der 
aslov. Sprache in Abrede zu stellen; allein so weit zu gehen, um 

! j Über die slav. Lehnwörter im Magyar, handelt neuerdings J. Melich 
im AfslPhil. X XX II, S. 92—116: Die Herkunft der slav. Lehnwörter der ung. 
Sprache. Er meint die Entlehnungen hätten in verschiedenen Zeiten, selbst 
auch vor der Landnahme stattgefunden, so daß man es mit russ.-slav., kirchen- 
slav. (bulg.), serb.-kroat., sloven. und bühm.-slovak. Wörtern zu tun habe. Auf 
Grund der Daten könne man nicht annehmen, daß der Name Pest schon im 
IX. oder aber auch nur in der ersten Hälfte des X. Jahrh. vorhanden war. 

2 ) Einzelne Worte kommen anch mit i vor: lencse = aksl. aauita ,Linse“, 
szerencse = aksl. mpAiini ,Begegnung, Zufall*. Asböth sucht jedoch nach¬ 
zuweisen, daß 6 auB st sich erst auf magyar. Boden entwickelt habe (durch 
Metathesis, HsntcT. ot h. VII, 1902, Buch 4, S. 249 f.). 



Einleitung. 


13 


z. B. zu behaupten, diejenige Sprache, welche uns im Zographos- 
Evangelium vorliege, sei im IX. Jahrh. in Pannonien, und zwar 
dort, wo Cyrill und Method predigten (also eigentlich in Mähren), 
als Sprache des dortigen Volkes lebendig gewesen, das wage er 
nicht, weil ihm sichere Anhaltspunkte dafür abzugehen scheinen 
(1. c. S. 38). Diese Ansichten hat Jagie schon vor Jahren ausge¬ 
sprochen, aber sie müssen ohne weiteres auch jetzt gelten. 

Es gibt aber sonst noch beachtenswerte Gründe, die gegen die 
Ansicht sprechen, daß das Aksl. die einheimische Sprache der pan- 
nonischen Slovenen oder gar auch der Mährer gewesen wäre. Wir 
haben nämlich in den aksl. Denkmälern Spuren, die einerseits ganz 
deutlich auf die Sprache der Mährer, andererseits auf die der pan- 
honischen Slovenen hinweisen und die in der Sprache der aksl. 
Denkmäler selbst als etwas Fremdartiges erscheinen. Zunächst 
finden wir nämlich darin Bohemismen, so im Mar. poBucTKo Mat. 

14. 6 and das halbkorrigierte KH3>Kh. Joh. 20. 27 st. (wahr¬ 

scheinlich gehört hierher auch coeotu 1 ); vgl. oben S. 5); im Psalt. 
sin.: HfKt:3ecTEa 24.7, ociiah« st. oeKiAUfHHia bez. oceeauitenhüv 
29. 1, hier auch häufig das Präfix cki-, dann B r kpo30Y'r,n*iJuzro 

15. 7 (po3- st. pa3-); im Glag. Cloz. poskCTßo 877, 878 und 879 
neben pojKAkCTßo, das von Z. 879 an ausschließlich ist 2 ); btuh(c£ 
II137. Da die Bohemismen gleich in mehreren Denkmälern (es 
kommen dazu auch noch die Kiever Blätter) vorhanden sind, so 
verraten sie eine intensivere Beteiligung der Mährer (die Böhmen 
im engeren Sinne des Wortes kommen da wohl weniger in Betracht) 
am aksl. Schrifttum. Das konnte aber nur dann der Fall gewesen 
sein, wenn sie gleich in den frühesten Zeiten in eine innigere 
Berührung mit der slav. Liturgie kamen. Dazu bot sich allerdings 
die Gelegenheit in Mähren, wie ja die Quellen darüber auch be¬ 
richten. Folglich muß die Sprache der Mährer böhmisch, bzw. 
slovakiseh, aber nicht Bloveniseh gewesen sein. Andererseits finden 
wir wirkliche Pannonismen in den aksl. Denkmälern. So im Psalt. 


1 ) Im Ps. sin. haben wir nur «»ra 47.1; 80.1; 92. 1 u. 93.1; ebenso im 
Mar., die anderen: Zogr. Sav. Ass. Supr. haben cxkotj. 

2 ) Als BohemiBmus wird der Ausdruck auch durch die Prager Frag¬ 
mente dokumentiert, wo wir lesen: poaixTK« I B 16 und fehlerhaft p«3vco 
I B 10. 



14 


Einleitung. 


sin. u,HpTvKosk 78. 1, ebenso in-den Kievern Blättern: Hip'kK'kßf 
VI 4 und nHpKTvHa-t IVb 17, wie in den Freie. Denkm. eircuvah 
II 35 {cirkva jetzt noch in der Murinsel und in ganz Zivil-Kroatien). 
Hierher dürfte auch pkcHOTa und seine Ableitungen gehören, zahl¬ 
reich vertreten ebenfalls im Ps. sin., in den Kiev. Bl. usw. Die 
älteste Redaktion hatte dafür hctühu. a'ük'ki = rano, das für diese 
Gegenden ebenfalls charakteristisch ist, kommt in den aksl. Denkm. 
nicht vor, sondern erst in den späteren. Diese Worte sind bei den 
pannonischen Slovenen in die Denkmäler hineingeraten und verraten 
uns, daß die Sprache derselben sehr verschieden war von jener, die 
die beiden Slavenapostel einführten. (Über die Bohemismen in den 
aksl.Denkm. vgl. Verf. 0 puvodu Kijevskych listu ... V Praze 1904). 

Die Frage nach dem Ursprünge und der Heimat des Aksl. hat 
die slav. Philologie seit jeher intensiv beschäftigt; sie ist so alt 
wie die slav. Philologie selbst. Dobrovsky ahnte das Richtige, 
doch hatte er von dem Verhältnisse der südslav. Sprachen noch 
keine richtige Vorstellung, daher sagte er (Cyrill und Method 1823, 
S. 133): »durch fleißige Vergleichung der neueren Auflagen mit 
den ältesten Handschriften habe ich mich immer mehr überzeugt, 
daß Cyrills Sprache der alte noch unvermischte serbisch-bulga- 
riseh-macedonische Dialekt war.« Richtig ist es, daß er die Heimat 
dieser Sprache im Süden sucht, während Kopitar, wie wir sahen, 
sie nach Pannonien versetzte. In seinen »Serbischen Lesekörnern« 
(1833) trat Safarik, wenn auch nicht ganz entschieden, für die 
Identität des Kirehenslavischen mit dem Altbulgarischen ein. In 
seinen letzten Lebensjahren kam er zu einem neuen Resultate, dem 
er in seiner Schrift Ȇber den Ursprung und die Heimath des 
Glagolitismus v Prag 1858, Ausdruck gab. Er meint hier, man 
habe keinen Grund anzunehmen, daß Constantin seine liturgische 
Arbeit schon in Konstantinopel zustande gebracht und in Mähren 
und Pannonien innerhalb der vierthalb Jahre seines dortigen Auf¬ 
enthaltes weiter gar nichts hinzugefügt hätte; die eigentliche Ar¬ 
beit hätte er erst in Mähren und Pannonien, wahrscheinlich mit 
Hilfe einheimischer Arbeitsgenossen ausgeführt. Was insbesondere 
die spezifischen Glagolismen 1 ) anbelangt, so könne man ihren Ur- 

l ) Darunter versteht S. die spezifisch ältesten glag. Ausdrücke und Formen, 
aber nicht alles, was er hierher rechnet, ist auch älter, z. B. A-ktcu, «tak-k. 



Einleitung. 


15 


Sprung in Makedonien, dem Geburtslande, dann Konstantinopel, 
dem letzten Aufenthaltsorte Cyrills, durchaus nicht genügend oder 
plausibel nachweisen .. man wäre um so mehr an Großmähren und 
ganz besonders an Pannonien gewiesen, als es historisch feststehe, 
daß sich zuerst Cyrill vor seiner Reise nach Rom Mer, in dem 
Gebiete Kocels, aufhielt und gegen 50 Schüler im Slavischen unter¬ 
richtete, hierauf aber Method zu zwei verschiedenen Malen hier 
lebte und lehrte (S. 31). Man sieht, daß Öafank unbewußt unter 
dem Einflüsse der Kopitarschen Lehren steht, zumal wenn er dann 
wirklich den Beweis fuhren will, daß die erste und wahre Heimat 
der kirchenslav. Sprache keine andere als das alte Pannonien, das 
Gebiet Kocels sei (S. 32). Der Beweis ist ebensowenig gelungen 
wie später einem anderen schon oben behandelten Forscher — 
Miklosich. Auf alle übrigen Forscher, die sich mit dieser Frage 
beschäftigten und auch ihr Scherflein beitrugen, können wir hier 
nicht eingehen. 

Es handelt sich nun um die Denkmäler, aus denen wir unsere 
Kenntnis des Altkirehenslavischen schöpfen wollen. Miklosich ließ 
eine Gruppe von Denkmälern, die bestimmte Merkmale aufwiesen, 
in Pannonien entstehen und nannte sie pannonische Denkmäler, 
wobei er hervorhob, daß um die Mitte des IX. Jahrhunderts in 
Pannonien und nur in Pannonien eine kirchliche Literatur in slav. 
Sprache begründet wurde. Die andere große Gruppe von Denk¬ 
mälern, welche jene Merkmale nicht aufwiesen, nannte er nicht- 
pannonisch. Miklosich konnte natürlich von den pann. Denk¬ 
mälern nicht voraussetzen, daß sie in Pannonien, in der Form, in 
der sie erhalten sind, auch geschrieben worden wären, sondern er 
nahm an, daß ihre Originale, die dann etwa im Süden zur Ab¬ 
schrift kamen, in Pannonien entstanden sind. In dem Sinne, in 
welchem Miklosich das Wort gebraucht, ist es natürlich ganz un¬ 
richtig und wenn man jetzt noch das Wort hie und da gebraucht, 
so versteht man darunter solche Denkmäler, welche möglichst treu 
die Sprache wiedergeben, in welcher die Übersetzungen ursprüng¬ 
lich bewerkstelligt wurden, in welchen sich aber auch gewisse 
Merkmale erhalten haben, die an das einstige Gebiet der Tätigkeit 
der beiden Slavenapostel erinnern sollen. Ein lokaler Begriff muß 
ja doch zu einer Örtlichkeit in einer Beziehung stehen; in einem 



16 


Einleitung. 


anderen Sinne könnte man jetzt das Wort nicht mehr gebrauchen. 
Aber auch so bleibt der Ausdruck nicht genau, da wir ja wissen, 
daß die beiden Slavenapostel vornehmlich im großmährischen Reiche 
und nur vorübergehend in Pannonien wirkten. Um diese Ungenauig¬ 
keit, die in der Bezeichnung ,pannonisch‘ liegt, zu vermeiden, 
schlug man auch den Ausdruck ,mährisch-pannonisch‘ vor, aber 
auch mit dem hat es seine Schwierigkeiten. Wir haben einzelne 
Denkmäler, die erst in Bulgarien entstanden sind und die wir von 
unserer Gruppe nicht immer leicht trennen können. Es empfiehlt 
sich daher, jene Denkmäler, die möglichst treu den ursprünglichen 
Zustand der Sprache wiedergeben, also bestimmte sprachliche 
Merkmale aufweisen, einfach altkirchenslavisch zn nennen 1 ); 
sind hier diese Merkmale nicht mehr vorhanden, so haben wir es 
einfach mit kirchenslavischen Denkmälern zu tun und zwar 
im engeren Sinne des Wortes (im weiteren Sinne gehören eigent¬ 
lich auch die aksl. hierher). Je nachdem, welche Merkmale außer¬ 
dem noch in diesen Denkmälern zum Vorschein kommen, zerfällt 
dann die große Klasse der kirchenslavischen Denkmäler in mehrere 
Gruppen und zwar 1. in die bulgarisch-kirchenslavisehe oder 
auch mittelbulgarische, 2. in die serbor-kroatische-kirchen- 
slavische, B. russisch-kirchenslavische und 4. böhmisch- 
kirchenslavisehe. 

Je nach der Schrift, in welcher die aksl. Denkmäler geschrieben 
sind, zerfallen sie in A. glagolitische und B. cyrillische. 

A. Zu den glagolitischen gehören: 

1. Codex Zographensis (Zogr.). Er kam, man weiß nicht 
wann und wie, in das Zographoskloster auf dem Athos. Erst im 
J. 1843 hat der österr. Konsul Ant. Mihanovic den Cod. selbst ge¬ 
sehen und darüber berichtet. Als dann im nächsten J. 1844 Vikt. 
Grigorovic den Balkan bereiste, ging er, von Mihanovic unterrichtet, 

*) Darunter kommen auch einzelne vor, die mehr oder weniger deutlich 
mährisch-pannoniscbe Reminiszenzen aufweisen. Sie können freilich direkt, 
aber auch indirekt sein und das vermehrt eben auch die Schwierigkeiten, 
wenn man von einer mährisoh-pannonischen Gruppe von Denkmälern aus¬ 
gehen wollte. Die damit zusammenhängende Frage nach dem Ursprünge der 
aksl. christlichen Terminologie bedarf einer gründlichen Revision. Schöne 
Vorarbeiten dazu liegen bereits vor. 



Einleitung. 


17 


zunächst direkt ins Zographoskloster, wo er den Cod. sah. Er 
beschreibt ihn dann in seinem Oueprcs yuenaro nyTemecTBia no 
enpon. Typniu 1848. Hier gibt er an, daß der Cod. 308 Bl. ent¬ 
halte, während er jetzt nur 304 Bl. aufweist. Dann sah das Denk¬ 
mal Demetrius Avraamovic, der es in seinem Werke CueTa ropa 1848 
erwähnt. Viel konnte auch Safarik nicht berichten in seinen 
Pamätky hlah. pis. 1853 S. ix. Im J. 1857 hat Peter Sevastianov 
den ganzen Cod. faesimiliert, das Exemplar bekam Zar Alexander II., 
der es der öffentl. Bibi, in Petersburg zur Aufbewahrung übergab. 
Im J. 1860 haben die Mönche Tom Kloster Zographos den Cod. dem 
Sevastianov als Geschenk für den russ, Zaren übergeben, der ihn 
ebenfalls der öffentl. Bibliothek abtrat; daselbst befindet er sich 
jetzt noch. Es ist ein Tetra-Evang., leider ist die Hs. nicht voll¬ 
ständig erhalten. Sie beginnt mit Matth. III, 11 und sonst fehlt 
bald ein Blatt, bald ein Doppelblatt. 17 Blätter (41—57) sind erst 
später eingeschaltet worden und zwar sind sie zu Ende des XL 
oder Anfang des XH. Jahrh. von einer anderen Hand geschrieben 
(Zogr. b, enthält Matth. XVI, 20—XXIV, 20), die glag. Schrift dieser 
Bl. weist schon viel derbere Züge auf, sie kennt nur den Halb¬ 
vokal -9. Derselbe Schreiber hat aber auch einzelne Buchstaben 
cyrillisch eingetragen (k, m, y>, in der Jagicsehen Ausgabe sind 
sie kursiv gedruckt). Man bekommt den Eindruck, daß dem 
Schreiber dieser Partie die cyrillische Schrift schon geläufiger war, 
daß er sich aber bei der Komplettierung des Textes deshalb für die 
ihm nicht mehr geläufige glag. Schrift entschied, damit der Cod. 
homogen wäre; man würde sonst nicht begreifen, warum mitten 
im glag. Texte auf einmal eyrill. Buchstaben auftauchen. Diese 
Partie umfaßte 18 Bl., von denen eines verloren ging; sie ersetzt 
hier 24 Bl. des Originals. Sonst auch finden wir im übrigen Teil 
des Cod. eyrill. Zusätze, die von einem iumhii. rp-üiunki HtptH 
herrühren; sie dürften aus dem XH. Jahrh. stammen. Heraus¬ 
gegeben wurde das Denkmal in eyrill. Transkription von V. Jagic: 
Quattuor evangeliorum Codex glagoliticus olim Zographensis nunc 
Petropolitanus. Berolini 1879. Über den Gebrauch der Halbvokale¬ 
in diesem Denkmale handelt Jagic in AfslPhil. I S. 1—55 und 
H S. 201 — 269. Vgl. auch »rpyHcKifi: Ka. 3orpa<x>cKOMy eBaurexiio« 
Cdopu. Otx. LXXXIH, Nr. 3. Es ist möglich, daß dieser Codex 

Vondrak, Altkirckenalavische Grammatik. 2. Aufl. 2 



18 


Einleitung. 


noch zu Ende des X. oder ganz gewiß im XI. Jahrh. geschrieben 
worden ist. In lautlicher Hinsicht bewahrt er eher das Ursprüng¬ 
liche im Gegensatz zum Mar. (so insbes. was % und k betrifft), 
dafür ist dieser altertümlicher hinsichtlich der Formenlehre und des. 
Lexikons (so finden wir im Zogr. z. B. häufig schon den schwachen 
Aor. statt des starken des Mar., Mat. 14. 8 haben wir hier ha 
eaioaH, im Mar. noch Ha mhcü, ebenso 14. 11; Mc. 6. 25; Luc. 
11. 39; no^pm/TT 1 st. hckpuhhh in Mat. 5. 43, Mc. 12. 31 u. Lue. 
10. 27 usw.). In Zogr. b finden wir auch schon spätere sprach¬ 
liche Erscheinungen des Bulg., ob zwar der lexikalische Wortvorrat 
hier noch gewahrt blieb (so z. B. noch HCKputfHH), wie r.iotKadujfT'k, 
23.45; Xom.pl. kojk^hj 23.16.24 (Mar. rojkah); ttua 
24. 19; oy eh 1 a i"«* 22. 7; das ep. a fehlt sehr häufig; Kt 
18. 19 u. a. 

2. Codex Marianus (Mar.). Ein Fragment davon (zwei Blätter) 
sah zuerst Grigorovic auf seiner Balkanreise (1844—45) bei Ant. 
Mihanovic in Saloniki. Es ist wohl dasselbe, welches letzterer 
später an Miklosich abtrat. Den Cod. selbst hat dann Grigorovic 
auf irgend eine Art im Marienkloster auf dem Athos erworben. In 
seinem Ouepira Uber die Reise erwähnt er den Cod. nur so neben¬ 
bei und auch später konnte man lange hindurch nichts näheres 
darüber erfahren. Im J. 1852 schickte er an Safarik einige Proben 
für seine Pamätky hlah. pis. und 1853 erschien die erste Beschrei¬ 
bung dieses Cod. in den H3Bierk der russ. Akad. (II. Bd.) aus der 
Feder des Grigorovic selbst. In seinen UpeBnie rxar. naM. Cnö. 1866 
hat Sreznevskij daraus nur Textproben, die schon anderweitig ver¬ 
öffentlicht worden waren, gebracht; neu war nur Mat. 20. 1—34. 
Die zwei Blätter des Mihanovic hat er noch nicht als einen ehe¬ 
maligen Bestandteil unserer Hs. (zwei Blätter der ersten Tetrade) 
erkannt und sie daher besonders abgedruckt (S. 157—162, aus den 
Apxeox EfeBieriH IV, 197—201). Diese Blätter wurden von der 
Hs. — es ist unbekannt wann — abgetrennt und von dem Griechen 
Mina für Mihanovic wahrscheinlich im J. 1843 erworben. Grigo¬ 
rovic starb im J. 1876 und seine wertvolle Handschriftensammlung, 
darunter auch unser Cod., kam in das Moskauer öffentliche und 
Rumjancovsche Museum (Nr. 1683). Das OömecTßo xroÖHTejreä Apeisneit 
nncBMeHHOcxH gab im J. 1881 eine photographische Reproduktion 



Einleitung. 


19 


des Lukas-Ey. aus unserem Cod. heraus (als Nr. 59 und 79 der 
Ausgaben des Vereins). Erst im J. 188B wurde er von V. Jagic 
in cyrill. Transkription herausgegeben: Quattuor evangeliorum ver- 
sionis palaeoslovenice Codex Marianus glagoliticus. St. Petersburg 
und Berlin. Bei der Ausgabe ist ein großer kritischer Apparat, in 
Anmerkungen die abweichenden Lesarten der anderen aksl. Evan¬ 
gelientexte und — was die Hauptsache ist — ein vollständiger 
Wortindex, wodurch das vergleichende Studium der aksl. Texte 
eigentlich erst ermöglicht wurde. Jagic meint (S. xxix), daß das 
Denkmal Ende des X. Jahrh. oder bald darauf geschrieben wor¬ 
den sei. Da wir hier häufig oy statt x und umgekehrt finden, so 
folgt daraus, daß der letzte Schreiber x einfach als oy las, also 
analog wie im Glag. Cloz. und daß das Denkmal irgendwo auf 
serbokroat. Boden geschrieben worden ist (in Nordmacedonien 
oder Altserbien oder Dioklea). Dagegen protestierte L. Miletic 
(,Oco6hoctht5 Ha e3HKa btj MapHiiHCKna naMeTHmes“ in Hep. Cirac. 
Kh. XIX—XX S. 219—253); man finde im Mar. auch o für x und 
oy für x auch in anderen Denkmälern. Der Cod. Mar. wäre nach 
ihm in Makedonien geschrieben worden. Aber das ist nicht stich¬ 
haltig; o für x ist einfach ein unausgeschriebenes glag. x oder 
rührt es aus der Vorlage her. Die Beispiele des oy für x der 
anderen Denkmäler sind auch zumeist derartig, daß man schon in 
früher Periode im Slav. hier Doubletten voraussetzen muß. Auch 
Fortunatov will nicht Jagics Hypothese teilen und zwar deshalb, 
weil wir dann auch für a ein e und umgekehrt hier finden müßten 
(CocTäBij oeTpoMHpoBa eBaHreibi aus CöopHHKi bi veert üajiaHOKaro, 

1908 S. 58—60). Allein ich habe schon in der Ausgabe des Cloz. 
darauf hingewiesen, daß auch der Schreiber dieses Denkmals x 
als oy las und oft das schon geschriebene oy für x nachträglich 
noch korrigierte und dennoch finden wir hier kein e für a, so daß 
man den Eindruck bekommt, als ob sich das a hier länger be¬ 
hauptet hatte (S. 6). Niemand wird nun daran zweifeln, daß Cloz. 
wirklich auf serbo-kroat. Boden geschrieben worden ist (vgl. hier 
z. B. Acc. pl. ta Hit 77 statt tu xe). Im Mar. sind noch andere 
Merkmale, die für den serbo-kroat. Boden sprechen, so daß ver¬ 
einzelte ctra pmh Mc. 6. 14. Wenn wir derartige Formen aueh 
im Supr. finden (H'kKora 275. 23, Kora 435. 22, KOiera 441. 20, 

2 * 



20 


Einleitung. 


ieru 509. 21, BhcSK°ra 457. 13J, so müssen wir sie so erklären 
wie die entsprechenden Formen csra usw. in den wallachisch-bulg. 
Urkunden, d. h. es ist wohl serb. Einfluß. Merkwürdig ist auch, 
daß wir sowohl im Cloz. als auch im Mar. po3acTKO *) finden (hier 
po3hCTua Mat. 14. 16). Weiter haben wir hier rh?. neu statt ehjk^k 
J oh. 20. 27, wo ein Schreiber zuerst — seiner Muttersprache fol¬ 
gend — vielleicht eh3- geschrieben hat und dann es noch durch 
Hinzufügung des >k zu einer aksl. Form machen wollte; doch könnte 
das 5 K auch vom letzten Abschreiber hinzugefügt worden sein. In 
lexikalischer Hinsicht und häufig auch hinsichtlich der Formenlehre 
hat dieses Denkmal die ursprüngliche Übersetzung etwas treuer be¬ 
wahrt als Zogr.; in lautlicher Hinsicht ist wieder dieser viel genauer, 
namentlich hinsichtlich des 'u und n und der nasalierten Vokale, 

8. Codex Assemanianus (Assem. oder Ass.) steht der ur¬ 
sprünglichen Evangeliartibersetzung am nächsten, insofern als es 
unser ältestes glag. Evangelistarium ist. Er wurde 1736 von Asse- 
mani in einem Kloster in Jerusalem entdeckt und erworben. Jetzt 
befindet er sich in der vatikanischen Bibliothek zu Rom und um¬ 
faßt 159 Blätter, der Schluß fehlt (vielleicht fehlt nur das letzte 
Blatt). Auf dieses Denkmal kam Karaman zu sprechen: Identita 
della lingua letterale slava ... § 95, ein handschriftliches Werk, 
das er schon als Erzbischof von Zara (seit 1746) geschrieben hat 
und auf das sich Assemani, Alter, Dobrovsky und Öafarik berufen. 
Weiter schrieb darüber Assemani selbst in seinen »Kalendaria 
ecelesiaeuniversae«. IV. Bd. Romael755. S.52 2 ). Dobrovsky wußte 
vom Denkmal schon in seiner Jugend. In seinen »Institutiones 
linguae slav. vet. dial.« schreibt er darüber auf S. 588—689, er 
versetzt es ins XH3. Jahrh., wie auch der Domherr Bobrovskij, 
was natürlich ganz unrichtig ist 3 ), Ein bescheidenes Faksimile 

1) Daß es wirklich ein Bohemismus ist, ersehen wir aus den Prager 
Fragmenten, wo wir ebenfalls p«3-kcte» I. B 16—17, nur einmal fehlerhaft 
pe3tco I. B 10, finden. 

2 ) Hier heruft er sich eben auf Karaman. Dieser ganze Band ist der slav. 
Kirchengesehichte gewidmet, daraus hat Durich am meisteu geschöpft, als er 
seine Dissertatio 1777 schrieb. 

3 ) Kopitar hat in seinem Glag. Cloz. Prol. 35 konstatiert, daß die vier 
letzten Halbvokalzeichen der vierten Tafel der »Institutiones« ans dem Cod. 
Assem. herrühren. 



Einleitung. 


21 


brachte Kopitar in seinem Glag. Cloz. tab. II, ein größeres und voll¬ 
kommeneres Silvestre: Paleographie univ. 1.1. 1841. Mehr schreibt 
darüber Kopitar in Hesychii glossographi diseipulus et epiglossistes 
russus. Yindob. 1840. S. 39—44. Er hielt das Denkmal für jünger 
als Glag. Cloz. Weiter berichtet darüber Safarik: Pamätky hlah. 
pis. 1853, S. vix—vin. Er bringt hier auch Textproben S. 43—47. 

Das Denkmal wurde etwa im XI. Jahrh. geschrieben. Im Kalen¬ 
darium werden macedonische Lokalheilige erwähnt: Nestor aus 
Saloniki, Demetrius und Theodor, ebenfalls aus Saloniki, der be¬ 
kannte Bischof Klemens (t 916), ein Schüler Methods, Timotheus, 
Theodor und Eusebius aus Strumica (S. 172). Das alles weist auf 
einen macedonischen Ursprung des Denkmals hin. Unter dem 
6. April steht hier: naiATk oYeaniNHü npsnoAOKkHaaro OTkna 
Hduutro MtooAHd appienHCKOYna ktuujhamv MopaKTii, spaTa 
np r fcno 1 A,OEkNaaro KvpHAa $haoco<J>a (S. 164 der Örneicsehen Aus¬ 
gabe). Im Jahre 1865 hat es Kaeki herausgegeben und zwar in 
der Originalschrift, also glagolitisch. Das war allerdings nicht 
praktisch. Damals herrschte eine große Begeisterung für die 
Glagolica, die durch Safarlks schon mehrmals erwähnten Pamätky 
den ersten Impuls bekam. Es war das erste glag. Buch, das mit 
den von Safarik hergerichteten Typen der glag. Schrift erschien. 
Diese Typen sind allerdings so, daß die Schlingen überwuchern 
und sich eng aneinander anschließen, z. B. bei a, »e usw., wodurch 
das Lesen solcher Texte' erschwert wird. Sie entsprechen nicht 
dem Charakter der ältesten Denkmäler. Der Text dieser Ausgabe, 
zu der Jagic eine ausführliche Einleitung schrieb, in welcher er 
den Text des Ass. mit Ostr. verglich, weist sehr viele Fehler auf 
und so besorgte Dr. Ivan Örncic eine neue im J. 1878 in Rom in 
latein. Transkription: Assemanovo izborno evangjelje (mit einem 
Faksimile). Was den Gebrauch der beiden Halbvokale anbelangt, 
weist der Cod. schon vielfache Abweichungen auf; namentlich kann 
der Aus- und Abfall derselben häufig beobachtet werden. 

4. Psalterium sinaiticum (Psalt. sin. oder Ps. sin.) 177Blätter, 
der Schluß fehlt. Es ist erst in neuerer Zeit bekannt geworden. 
Als Miklosich seine »Aslov. Formenlehre in Paradigmen« schrieb 
(1874), wußte er noch nichts von diesem Denkmal. Den Cod. hat 
zwar schon im J. 1850 der Archim. Porfirij Uspenskij gesehen, er 



22 


Einleitung. 


hat aber darüber so wenig berichtet (in Hsirlexia hmii. apx. o6- 
mecTna apeBHOcTefi, V S. 19 — 20), daß man damit nichts anfangen 
konnte. So finden wir aueh bei Safarik in seinen Pam. hlah. pis. 
1863 das Denkmal nicht angeführt. Der Psalter befindet sich in 
der Bibliothek des Katharinenklosters auf dem Sinai (wie auch das 
Euch. sin.). Es war schon früher, insbesondere durch einige Russen, 
bekannt geworden, daß sieh auf dem Sinai alte slav. Denkmäler 
befinden. Das Euehologiumfragment kannte man auch schon. Um 
diese Denkmäler näher kennen zu lernen, unternahm L. G-eitler 
im J. 1880 eine Reise dahin und kehrte zurück mit den Abschriften 
des Ps. sin. und Euch. sin. Das Ps. sin. gab er im J. 1883 heraus: 
jPsalterium. Glagolski spomenik manastira Sinai brda‘ (in den 
Djela jugoslav. akad. znan. i umjetn. als Kr. 3). Die Ausgabe ist 
leider nieht ganz genau*) und so wird die Petersburger Akademie 
eine neue demnächst veranstalten. Im J. 1881 hat auch Kondakov 
das Katharinenkloster besucht und hat von den aksl. Denkmälern 
einzelne Seiten photographiert, von unserem Denkmal 14 Seiten. 
Jagic hat nun diese Seiten mit Geitiers Ausgabe verglichen und 
konstatierte einige Fehler, insbesondere auch hinsichtlich des iv 
und u, die allerdings hier nicht mehr regelrecht gebraucht werden 
(UeTHpe KpHTHKO-naaeorp. eTaTtH. Cnö. 1884, S. 64—65). In der¬ 
selben Arbeit hat auch Jagic den Wortschatz der Psalterübersetzung 
untersucht und hat gefunden, daß er derselbe ist wie in den Evan¬ 
gelientexten. Namentlich die Ausdrücke für abstrakte Begriffe sind 
dieselben (S. 41 f.). So wird z. B. yäoi.g im Ev. und Ps. durch 
EaaroAATk oder BaaroAkTk übersetzt; t'leog durch mhaocte, 
davon ehrjfioavvr] mhaocttuhh ; die Zusammensetzungen mit ev- 
werden dureh EAaro- wiedergegeben, anoSov-uiaua durch ns Bp'k- 
CVFBOPHTH USW. 

Im Ps. sin. kommen einige Bohemismen vor: ocuau,* statt 
oceahi und dieses abgekürzt für ocbau^chhh (aksl. ocE/äuitinh’S) 
29.1; HiB’fcnfCTEO für ntB’fc>K,a,kCTBO 24.7; B r kpo 30 Y*J r kUiarc> 
statt K-kpaacufMAkijuaro 15 . 7 ) ziemlich häufig btu- statt H3-: R’ki- 
pHHH 5.15; UTvipHHORf uh 35.13; B'k(i)pHHSiuiA 48. 15; B'kir'kua 


*i Geitier hat in 30 Tagen beide Hss. unter der belästigenden Aufsicht 
der Mönche abschreiben müssen. 



Einleitung. 


23 


43. 3; 79. 9; KTur'kNajp». 100. 5; K'wrTvUUHH 36. 28; 108. 10; 
ETiiroH AuiTf h 118. 157 (über die Bohemismen vgl. oben S. 13). 
Ferner haben wir schon hhpts.kobh 78. 1 und pkCHOTu usw. als 
Pannonismen oben S. 14 hervorgehoben. Beachtenswert ist auch 
C/ftTTv für pene 35. 2, ein Wort, das mehrmals (28mal) im Cloz. vor- 
kommt und auch dem Schreiber des Tolstojschen Ps. war es bekannt. 
Das Denkmal dürfte in Macedonien etwa im XI. Jahrh. von mehreren 
Schreibern geschrieben worden sein. Sein Originaltext nahm den 
Weg über Pannonien und das serbo-kroat. Gebiet nach Macedonien 
(nicht über Ostbnlgarien), wie seine sprachlichen Eigentümlich¬ 
keiten nachzuweisen scheinen. 

5. Euehologium sinaiticum (Euch, sin.) ebenfalls in der 
Bibliothek des oben erwähnten Katharinenklosters (sub Nr. 37, das 
Psalt. sin. sub Nr. 38). Es ist— abgesehen von den Fragmenten — 
das älteste liturgische Buch, da es wohl aus dem XI. Jahrh. her¬ 
rührt. Viele Schreibversehen sprechen dafür, daß es eine spätere 
Abschrift eines älteren Originals ist. Dieses dürfte aber trotzdem 
nicht aus Konstantins Zeiten herrühren. Abgesehen von sprach¬ 
lichen Gründen spricht auch der vorauszusetzende Umfang des 
Werkes dagegen, da man ein so umfangreiches Ritualbuch gleich 
in den ersten Zeiten nicht brauchte. Von diesem liturgischen Codex 
fehlt leider sehr viel, es hat sich nur die kleinere Hälfte des einst 
vorhanden gewesenen Ganzen erhalten. Im Anfang fehlen jetzt 
die ersten 19 halbgebroehenen Lagen von je vier Doppelblättern, 
erhalten haben sich die nächsten sieben Quaternionen (Blatt 1—56), 
dann fehlen wieder zwei Quat. (27 und 28 oder 16 Blätter), vor¬ 
handen sind dann die Quat. von 29—34 inel. Nach der 34. Blätter¬ 
lage hätte offenbar noch etwas kommen sollen, was und wieviel, 
das weiß man nicht. Im ganzen haben wir 106 Blätter. — Schon 
im J. 1853 haben zwei Russen, der Archim. Porf. Uspenskij und 
Nik. P. Krylov, die eine Reise auf den Sinai unternommen hatten, 
drei glag. Blätter liturgischen Inhalts mitgebracht. Sreznevskij hat 
sie dann herausgegeben in UpeBHie raar. naw. 1866 (auch 2 Faks.: 
XlVa und XIV Ö). Nach diesen Fragmenten konnte man im Sinai¬ 
kloster Glagolitica der ältesten Periode vermuten. So unternahm 
Geitier 1880, wie schon erwähnt, eine Reise dahin und fand dort 
neben dem Psalt. sin. auch noch unser Euch. sin. oder Trebnik, 



24 


Einleitung. 


wie das Buch in der orthodoxen Kirche gewöhnlich heißt. 1882 
gab er es heraus: Euchologium. Glagolski spomenik manastira 
Sinai brda. Er meinte auch, daß die früher bekannt gewordenen 
Blätter (auch Miklosich hat sie schon in seiner Aslov. Formenlehre 
in Parad. 1874 S. xiv als Nr. 7 unter den glag. Denkmälern: die 
Liturgie von Sinai) zu unserem Codex gehören, allein das ist nicht 
richtig. Das Jahr nach Geitier (1881) hat auch Kondakov das 
Katharinenkloster besucht, hat von den aksl. Denkmälern einzelne 
Seiten abphotographiert und auch ein glag. Blatt mitgebracht. 
Karinskij bringt nun in seinen Odpaann maro-omti. Cu6. 1908 
phototypische Beproduktionen von den dreierlei Fragmenten (Nr. 6, 
7 und 8). Es zeigt sich, daß Kondakovs Blatt zum Euch. sin. (als 
Blatt 10) gehört, dagegen die Fragmente des Porf. Uspenskij und 
Krylov gehören zwar zusammen, aber wohl nicht zum Euch, sin., 
wenn auch die Schrift ähnlich ist; es ist auch das Format ver¬ 
schieden 1 ). 

Dieses Werk ist in dem Umfange, den es voraussetzt irgendwo 
im Süden, vielleicht in Maeedonien entstanden, aber einzelne Teile 
davon sind viel älter, die müssen schon im IX. Jahrh. irgendwo 
in Pannonien entstanden sein. So haben wir hier zunächst die 
Poenitentialbestimmungen oder 3arioiiU r i, H otmj,k auf 

Blatt 102 a—105 b. Sie sind offenbar der Reflex einer lat. Quelle 
und zwar eines Textes wie er im Merseburger Poenitentiale vor¬ 
handen ist (vgl. Verf.: Zachodnio-europejskie postanowienia po- 
kutne w literaturze starocerkiewno-slowiaiiskiej. 1903). Auch eine 
Beichtordnnng ist da, die mit dem Poenitentiale jedenfalls in Zu¬ 
sammenhang steht, wenn sie auch im Codex nicht unmittelbar dabei 
steht, und die betitelt ist: hhht» HcnoK’fcAABRijmHMii ca 

(66 b—80 b, eine geheime Beichte). Es ist schon früher der Gedanke 
ausgesprochen worden, daß sie westlichen Ursprungs sei. Man hat 
dann allerdings die griech. Originale zu vier Gebeten, die darin 
Vorkommen, gefunden. Zu einem fünften Gebete fand ich das 
Original im ahd. St. Emmeramer Gebete (AfslPhil. XVI S. 118—132 
und in meiner Ausgabe der Frisinske pamätky ... Prag 1896, S. 14). 

*) Es hatte schon J. A. Byekov bemerkt, daß das Kondakovsche Frag¬ 
ment sich von den Porfirjevschen sowohl hinsichtlich der Schrift als auch 
des Formats unterscheide {Omera emh. nyöa, Bn6aior. 3a 1886 2, cip. Ö2). 



Einleitung. 


25 


Es bleiben noch. drei Stücke (Gebete) übrig, zu denen das Original 
nicht gefunden worden ist, darunter sind die längsten das erste 
und vorletzte. Es besteht nun ein Zusammenhang zwischen der 
Beichtformel im ersten Stücke (Blatt 68 a Z. 13 f.) mit dem I. und 
III. Freisinger Denkmal; weiter läßt sich zeigen, daß Clemens 
v. Bulgarien das II. Freisinger Denkmal oder einen damit ver¬ 
wandten älteren Text bei der Abfassung einer seiner Homilen be¬ 
nutzt, ja einzelne Stellen fast wörtlich abgeschrieben hat (vgl. Verf. 
Studie z oboru cirk.-slov. pis. 1903). So liegt der Gedanke nahe, 
daß Clemens auch der Urheber dieser Beichtordnung ist (vgl. das 
Zitat 69 b Z. 14—16 und in seiner Homilie Ha BTscKpiceHie aus 
Matth. 11. 12). Er wird sie erst unten in Bulgarien bzw. Mace- 
donien zusammengestellt haben, als er Bischof geworden ist. Die 
Quellen dazu hat er in Pannonien kennen gelernt und selbe viel¬ 
leicht auch mitgebracht. — Einiges im weiteren Inhalte des Euch, 
sin. klingt auch apokryph, was wir bei Goar (Euchol. 1647 und 
1730) nicht finden. So vor allem die sechs Gebete »HAVk TpA- 
coMoiun TpACUKnu,6h»v«. Jagic konnte weder in einem slav. Trebnik 
noch in der griech. Fassung dieselben irgendwo nachweisen. Doch 
scheint es auf griech. Quellen zurückzugehen. 

Daß das Euch. sin. als Ganzes in Bulgarien bzw. Macedonien 
entstand, dafür würden auch viele Ausdrücke spreohen, die erst 
später und zwar in der Symeonschen Periode in das Schrifttum 
Eingang fanden wie nocnoy^T». 48a; 67 b, dann und wann aati- 
kath z. B. 103b statt iiocthth ca; c'k.EOp'k 40a; 40h statt 
CTiHkUt. oder rkHUMmpi. Daneben noch kaasctbo, roAHHA, 
allerdings auch hacu, sTepu, HsnpHli3Hk usw. — In einer Evan¬ 
gelienlektion am Ende der Hs. findet man größere Übereinstim¬ 
mung mit den glag. als mit den cyrill. Texten, z. B. äiepoiup.kui« 
oth^x 106 a, so im Mar., während Ostr. Hfßp’kr'nuje othaowa 
hat. Aueh die Übersetzung der Psalmen weist alte Formen auf 
(ovH'hnsv, cTvAAjfu ca 76 a usw.). Auffallend ist der ständige 
Gebrauch des Imper. noß'fcJKAH hawk 48a, SAnortoKAH 

cmoy 51b. Nun finden wir auch im Psalt. von Bologna bhjkah 
205.1; 223.3; o , if" K '* :JK A H 223.4 (vgl. V. Scepkin, BojtoHCK.no. S. 227). 
Dieses Denkmal wurde bei Oehrida geschrieben. Nun wirkte auch 
Clemens in diesen Gegenden. 



26 


Einleitang. 


Eine Reihe richtigerer Lesarten als wir sie in Geitiers Ausgabe 
finden, bietet Jagic (AfslPh. YIII. 1884. S. 129 f.; hier gibt er auch 
cyrill. Hss. an, wo sich analoge Texte vorfinden, namentlich die 
Beichtordnung finden wir in vielen Hss., dann auch die Poenitential- 
bestimmungen) *). 

6. Glagolita Clozianus, Stiick eines Menaeums (Meno- 
logiums, Sammlung von Heiligenleben, die nach den einzelnen 
Tagen im Monate und dann nach den Monaten selbst geordnet und 
für die Lektüre bestimmt waren, russ. ueTtn Mimen, im Gegensätze 
zu den Mimen nhxin, die auch nach Tagen geordnet sind, aber es 
werden hier auch die für die einzelnen Heiligen festgesetzten 
Gottesdienste beschrieben; die Menaeen der ersteren Art enthielten 
auch Predigten und Homilien). Es sind hier vier Homilien und 
ein Stück unbekannten Ursprungs. Manche Gedanken in demselben 
erinnern an die Schriften des Clemens von Bulgarien und an die 
Yita Constantini. Die ganze Hs. umfaßt 14 Blätter, davon sind 12 
im Museo civieo zu Trient, zwei (ein Doppelblatt) im Ferdinandeum 
zu Innsbruck, es sind eben nur Reste von einem umfangreicheren 
Codex, der einst Joh. Frangepani von Yeglia (f 1482) gehörte. 
Dureh Erbschaft gelangte in den Besitz des erhaltenen Teiles Graf 
Paris Cloz, der im J. 1856 starb und vor seinem Tode ihn der 
Stadtbibliothek zu Trient vermachte. Die Innsbrucker Blätter waren 
im Besitze des Freiherrn Al. Andr. Dipauli. Der Tridentiner Teil 
wurde von B. Kopitar im J. 1836 herausgegeben: »Glagolita Clo¬ 
zianus«, eine berühmte Publikation, in der auch die Freisinger 
Denkmäler, die Conversio Carantanorum u. a. enthalten ist. Die 
Innsbrucker Blätter hat Miklosieh im J. 1860 veröffentlicht: »Zum 
Glagolita Clozianus* (in den Denkschr. der Akad. in Wien, phil.- 
hist. CI. Bd. X). Eine neue Ausgabe beider Teile wurde im J. 1893 
von mir besorgt: Glagolita Clozüv (in den Schriften der Böhm. 
Akad. der Wiss. in Prag, mit drei Tafeln und einem Wortindex). 
Die hier vorhandenen Texte scheinen zuerst in Macedonien ttber- 


b Mit der Sprache dieses Denkmals anf Grund der Geitlerschen Ausgabe 
beschäftigt sich P. Lang und zwar haben wir drei Arbeiten von ihm: 1. über 
die Orthographie und Lautlehre in Zpräva o e. kräl. real, a vys. gymnaeii v 
Pribrami 1888; 2. über die Deklination ib. 1889; 3. über die Konjugation 
ib. 1890. 



Einleitung. 


27 


setzt und dann als unser Codex auf serbo-kroat. Boden abgeschrie- 
ben worden zu sein. Für x. finden wir sehr häufig o y, der Schreiber 
hat sonst auch einigemal schon o y für x geschrieben gehabt und 
hat aus dem oy ein * gemacht, woraus wir ersehen, daß er ein¬ 
fach » als er las (vgl. auch ottv 161 — 62 für ot-k cx^or}, 

doch ist hier nie f für a, also gerade so wie im Mar. Merkwürdig 
ist hier auch hh (eig. hto, denn h und tu werden hier nicht selten 
verwechselt) ,wir‘ (Z. 58), welche Form wir ausnahmslos in den 
Kiever Blättern (sechsmal!) finden und die uns auch dafür spricht, 
daß dieses Denkmal in der erhaltenen Abschrift im Süden entstand. 
Beachtenswert ist auch das hier 28 mal vorkommende catti (ein¬ 
mal auch cath) = pfHf, das wir schon aus dem Psalt. sin. keimen. 
Es kommt hier auch der Bohemismus poBncTEO 877 und pesu- 
cteoy 879 vor. Über dem ersten Worte hat jemand die kroatische 
Ligatur für tka geschrieben und neben dieser Korrektur auch noch 
einige verblaßte Buchstaben in derselben Zeile erneuert. Das dürfte 
im XIII. Jahrh. geschehen sein. Also damals noch hat man darin 
gelesen. Der Codex selbst dürfte im XI. Jahrh. geschrieben wor¬ 
den sein. 

7. Das Evangelium achridanum. Ein aus zwei Blättern 
bestehendes Fragment, das von V. J. Grigorovic auf seiner Balkan¬ 
reise in Ochrida entdeckt und erworben wurde. Jetzt befindet es 
sich in Odessa. Veröffentlicht wurde es von J. J. Sreznevskij in 
ffpeEirie r.iar. nairaTHUKH. 1866. S. 76—87 (mit einigen Fehlem, und 
von Grunskij in Ü3b4ct. XI 1906, Buch 4, S. 157f. Auf dem 
ersten Blatte enthält es Luc. XXIV 19—35 und Joh. I 35—42; auf 
dem zweiten Joh. III 30—33, Joh. XX 19—31 und Joh. II 1—7. 
Die Schrift hängt an den Zeilen. Der Sprache nach reiht es sieh 
nach Geitier (Die alb. und slav. Schriften. 1883, S. 185) an die 
ältesten Denkmäler, der Orthographie nach ist es mit dem Psalt. 
sin., das auch nur se anwendet und das spätere -e gar nicht kennt, 
verwandt 1 ). Die Schrift ist an Steifheit und Geradlinigkeit ziem¬ 
lich weit vorgeschritten. Bei Geitier sind zwei Seiten reproduziert, 
auf der ersten sieht man ein t statt des glag. m (in c+sta). Das e 
weist nur einen Querstrich auf, nur in der Überschrift zwei. 


3 Aueh die Kiever Blätter kennen nnr^'f nicht j. 



28 


Einleitung. 


8. Das glagolitische makedonische Blatt. Gefunden und 
erworben wurde es von Grigorovic im Kloster zu Rylo. Neben 
dem Blatte gehört dazu noch ein ganz kleines Fragment; beides 
kam in den Besitz des J. J. Sreznevskij, der den Text des Blattes 
in den jlpeBH. r.iar. nast. 1866, S. 220—24 veröffentlichte, dann 
noch ein zweites Mal, auch Jagic druckte es ab in seinen Speeimina 
1. p. 1882, S. 27—29. Iljinskij erfuhr, daß die Fragmente, von 
denen man nichts mehr hörte, im Besitze des V. Sreznevskij sind 
und gab sie 1909 heraus (in den UaKaT. cTapoc.iaE. na. tom. I, Heft 6), 
auch den Text des kleinen Fragmentes (diesen zum erstenmal über¬ 
haupt). Das Blatt enthält zwei Reden l ) aus der Paraenesis Ephraems 
Syrius und stammt wohl aus dem XI. Jahrh. In sprachlicher Hin¬ 
sicht hat das Fragment Pogorelov untersucht: Kn sonpocy o 
MaKenoHCKOMTb Paar. üucTKi in CßopEHKu. bt> veert $. 0. d’opTynaTOBa 
1902 S. 492—499. Er weist hier die Merkmale der symeonischen 
Periode nach: so das Überhandnehmen der Kasussuffixe nach den 
«^-Stämmen, wie z. B. caaokj, du]yioiJcu durch cTviioK r k,A,<sTH statt 
Hcnoß'k I ä,' RTH > %&vos durch erpana (älter iabtuktv), 'Coji) durch 
utHSHh. (statt >khbottj.), y.aXelv durch 3t».B4Th (statt HaptijJH), 
y.axaviaaiß u. dgl. nonaaHM (statt oifUOAHTH ca) u. a. Ich möchte 
hierher auch noch Efc npivCTAHH I 3 (vgl. Verf. 0 mluve Jana ex. 
b. S. 4) rechnen. Das Fragment gehört also in die Gruppe des 
Supr., der Blätter von Chilandar und vielleicht anderer Denkmäler, 
die nicht auf die mährisch-pannonische Periode zurückgehen, son¬ 
dern erst in Bulgarien unter Symeon zu Ende des IX. und Anfang 
des X. Jahrh. entstanden sind. 

9. Hierher können wir auch noch die Kiever Blätter rechnen. 
Sie kamen im J. 1874 ans Tageslicht gelegentlich des in diesem 
Jahre in Kiev abgehaltenen Archäologen-Kongresses. Es hatte sie 
Arehim. Antonin in Jerusalem entdeckt und sie sind jetzt Eigentum 
der Kiever geistlichen Akademie 2 ). Im J. 1877 wurden sie von 


J ) Im grieeh. Original: Ueqi xgiaecos xal ayänrjc xal xaravileas und Häe 
Entaroiipei tis eis xa oniaa. Statt wi h a& Atuora bei Iljinskij IV Z. 23 ist zu 
lesen hs’ «H»ra, für ein a ist hier nach dem Faksimile kein Platz, vgl. auch 
grieeh. xal ix xüv noVküv. 

2 ) Auf der ersten Seite des Umschlages ist geschrieben: Br. EnäMOTOKy 
KieBCKOK ayxoBHoä Aussenia. IepycartHMT, 2. Man 1862. 



Einleitung. 


29 


J. J. Sreznevskij in glag. Urschrift und cyrill. Transkription 
heransgegehen (im XV. Band des CoopiraKu ot^Sj. pycem asiiKa n 
cjtoB. On6.). Die Ausgabe war nieht genau, ebenso der nach Un¬ 
besorgte Abdruck des Kolär in CCM. 1878, Heft 3. Eine neue 
wissenschaftliche Ausgabe besorgte Jagic, indem er sie zusammen 
mit den Wiener Blättern im J. 1890 in den Denkschriften der Wien. 
Ak. PhiL-hist. KI. Bd. 38 herausgab 1 ). Die Kiever Blätter (sieben 
an Zahl) stammen wohl aus dem X., spätestens aus dem XI. Jahrh. 
Es sind Bruchstücke eines aus lateinischer Vorlage geflossenen 
Sacramentariums 2 ). Jagic meinte, daß diese Blätter schon in die 
mährisch-pannonische Epoche fallen und daß sie uns die ersten 
Versuche zeigen, den Gebrauch der aksl. Sprache mit den Anfor¬ 
derungen des röm. Bitus in Einklang zu bringen. Weil die Blätter 
Bohemismen (Moravismen, c statt des aksl. st und z statt des kl) 
enthalten, wären sie im großmähr. Reiche entstanden und es würde 
daraus hervorgehen, daß noch unter Method oder bald nach ihm 
diese Konzessionen an die röm. Kirche gemacht worden seien. Allein 
die Kiever Blätter sind wohl nicht im großmähr. Reiche geschrieben 
worden. In ihrer ursprünglichen slav. Fassung sind sie wohl auf 
demselben Gebiete entstanden wie die Freisinger Denkmäler, also 
bei den pannonischen Slovenen 3 }. Bei diesen war auch die deutsche 
Geistlichkeit tätig, also war hier auch der lat. Ritus vorhanden, 
und zwar wurde hier vielleicht mehr darauf gesehen als in Mähren, 
weil ja hier der Einfluß des Salzburger Erzbischofs immer maß- 

3 Ben Separatabdrücken, aber nur diesen, sind auch vollständige photo- 
typische Reproduktionen beigegeben. 

2 ) Man versteht darunter ein Meßbuch, welches alles enthält, was zum 
Dienste des Altarsakramentes dient, ausgenommen die Antiphonen, Episteln, 
Evangelien nnd die Psalmen bei der Opferung und Kommunion, die in be¬ 
sonderen Büchern vorhanden waren. Später wurden auch andere Sakramente 
dazu genommen (Priesterweihe, Taufe usw.), so daß es eine mehr oder weniger 
vollständige Agende der liturgischen Funktionen wurde. Später haben wir 
dafür auch den Ausdruck Missale. 

s ) Es gibt sprachliche Beziehungen zwischen beiden: vgl. 2. sg. n«A«k 
in den Kiev. Bl. und vuez (= vis) Freie. I 20; nHp-kK-kei VI 4, uHpK-Kiwfc IV b 17 
und circuvah 1135; für dieses Gebiet spricht auch p-kcNOTHKkiid-fc II 9; fernor 
T-kAo-T-krttce, -r-kivecd, aualog Gen. teleze Preis. II 6, Gen. telez II 40 u. 90. In 
beiden Denkmälern sind Spuren eines Systems von Akzent- nnd Quantitäts; 
bezeiebnung (vielleicht Einfluß des ahd. Schrifttums). 



30 


Einleitung. 


gebend war. Daß aber Method auf dem Gebiete des Ritus irgend 
welche Konzessionen zugunsten des röm. Ritus gemacht hätte, ist 
mir mit Rücksicht auf den grieeh. Kaiser, von dem Konstantin die 
Mission übernommen hat, wobei auch der Patriarch eine Rolle 
spielte, nieht wahrscheinlich. Das bei den pann. Slovenen ent¬ 
standene ksl. Sakramentarium wurde dann im Süden wohl von 
einem vertriebenen Jünger Methods aus Mähren abgeschrieben und 
daher kamen Bohemismen hinein. Bei einer weiteren Abschrift 
(abgesehen von der ersten Seite) waren zwei Schreiber tätig, sie 
unterdrückten wohl manche Bohemismen, behielten aber c und z, 
wenn auch nicht konsequent, da hier auch Toy 3111111 IV b 10—11 
vorkommt, was ein Böhme nicht gelassen hätte J ). Daß nicht von 
zwei Böhmen das Fragment herrührt, zeigt uns auch der Nom. pl. 
htu für M'W (sechsmal! ein ium kommt hier nicht vor). Ebenso 
haben wir diese Form einmal im Cloz. (hh geschrieben) und im 
Dobromirsehen Evang. aus dem XII. Jahrh. (zweimal). Man wird 
also an eine Gegend denken, wo sich das bulg. Sprachgebiet mit 
dem serbo-kroat. berührte. Vom Süden konnte aueh leichter das 
Denkmal naeh Jerusalem kommen. Es ist ferner zu beachten, daß 
auf der ersten Seite des Denkmals eine andere (also dritte) Schrift 
sich zeigt aus dem Ende des XI. oder Anfang des XII. Jahrh. 
Diese Seite ist irgendwo in Macedonien oder Kroatien (auf einem 
Gebiete, wo der röm. Ritus heimisch war) geschrieben worden. 
Schon damals waren also die Kiever Blätter jedenfalls unten. 
Beachtenswert sind hier die zahlreichen Genitive Pl. mit einem 
Zeichen, das hier die Länge ausdrückt: viermal, m*h(- 

hhk’u, usw. Das spricht für das serbo-kroat. Gebiet, wo 

später hier -5 (h) auftaueht. 

In lexikalischer Hinsicht verdient insbesondere das hier oft vor¬ 
kommende ,communio‘ hervorgehoben zu werden. Sonst 

ist das Fragment hinsichtlich des ’k und a und der nasalierten 
Vokale, wie wir sehen werden, äußerst genau, genauer noch als Zogr. 
Die Bohemismen sind nur durch das c und z, dann Je (3aiuhhthth 
mehrmals) und durch den Instr. auf -xiik vertreten. Das ist zu 


l ) Vgl. über die analoge allerdings nur sporadisch auftretende Erscheinung 
im Supr. bei der Besprechung dieses Denkmals weiter unten. 



Einleitung. 


31 


wenig, um das Fragment in die böhmisch-kirchenslav. Gruppe ein- 
reiiien zu können. Wäre die erhaltene Hs. von Böhmen geschrie¬ 
ben worden (in letzter Hand), so wären hier gewiß mehrfache 
Bohemismen (man denke z. B. an die Prager Fragmente) vorhan¬ 
den und dann könnten wir es auch in die erwähnte Gruppe ein¬ 
reihen, so aber bildet es nur einen Übergang dahin, wobei es 
jedenfalls noch näher den aksl. Denkmälern steht. Wie wenig hier 
die Bohemismen zum Durchbruche kommen, wird auch dadurch illu¬ 
striert, daß Fortunatov (Scepkin u. a.) darin keine Bohemismen 
sehen wollen. Es sollen nur bulg. dialektische Eigentümlichkeiten 
sein. (Vgl. Verf. 0 püvodu Kijevskych listii usw. VPraze. 1904, 
mit einem vollständigen Wörterverzeichnis und N. A. Grunskij: 
HamtHTHHKH h Bonpocti. 1904). Jünger sind die Wiener Blätter 
(XII. Jahrh.), ebenfalls Bruchstück eines Missales nach dem lat. 
Ritus und zwar kroat. Rezension. Es ist die Abschrift eines älteren 
Textes, der wohl in innigem Zusammenhänge mit den Kiever Bl. 
stand (hier auch KkcoyA b ' = k'kcv.atv, mkuia ,Messe* usw.). 

Die glag. Buchstaben des Kontraktes von Hierisso vom J. 982 
werden skeptisch beurteilt (P*B. 1909, S. 200—201). 

B. Zu den cyrillischen Denkmälern gehören: 

1. Das Sava-Evangelium oder die Savina kniga (Sav. kn.). 
Es ist ein Aprakos-Ev., das den Namen von einer Notiz her hat, wo 
es heißt non casa \|moTv und in einer anderen heißt es nomoBH rw 
pacoy TBoeMoy cauie. Es enthält 129 Blätter, zu Anfang und Schluß 
fehlen einige. Das Denkmal gehörte einem Kloster hei Pskov und 
scheint überhaupt frühzeitig nach Rußland gekommen zu sein. Jetzt 
befindet es sich in der typographischen Bibliothek zu Moskau. Es 
wurde von Sreznevskij entdeckt und herausgegeben (in seinem 
Werke: Ap eBH -' e ejraB. nasi. iceonaro nncMia. 1868). Die Ausgabe 
war aber sehr ungenau. Zahlreiche Korrekturen dazu brachte Jagic 
im AfslPhil. V: Das altslov. Evangelistarium Pop Savas. Eine neue 
kritische Ausgabe besorgte V. N. Scepkin: CaBBraamura. Cnö. 1903 
(in den IlanaTHHKJi cTapoeaaBHHCKaro jmnca. t . I, Heft 2), mit einem 
vollständigen Wörterverzeichnisse und vier Faksimiles. Früher ver¬ 
öffentlichte er eine Monographie über die paläographischen und 
sprachlichen Eigentümlichkeiten des Denkmals: Pascyaymme o u3hk® 



32 Einleitung. 

OaBBHHoä KHnrii. Cn6.1899 (Mer auch zwei Faks.). Der Text geht 
natürlich auch auf die ursprüngliche Übersetzung zurück, aber er 
weist schon zahlreiche Abweichungen auf: er stimmt weder mit 
dem Texte der alten glag. Evangelien ganz überein (mit Ass. Zogr. 
Mar.), noch mit dem Ostr.; er steht in der Mitte zwischen Zogr. 
und Mar. einerseits und Assem. und Ostr. andererseits. Es gab 
also schon im XI. Jahrh. — aus diesem stammt entschieden die 
Sav. kn. — verschiedene Redaktionen unseres Textes. Wir finden 
hier auch in lexikalischer Hinsicht manche Abweichung, z. B. ro- 
cno^a ,Herberge' (Luc. 10. 34, wo die anderen Denkmäler tocth- 
nHij,.s haben) und es ist beachtenswert, daß wir das Wort neben 
dem Böhm, und Poln. als roeno^a auch im Ruth, finden; ferner 
npaifH’KNT». für H3rHHA"K, btiATj. oartQÖs', oßH^kAHKTi für ßsnpa- 
Kk^uHTv usw. Das Denkmal ist nicht in Macedonien oder 

in der Nähe des Athos geschrieben worden, sondern offenbar schon 
in der Nähe des russ. Sprachgebietes, also im äußersten Nordosten 
des ehemaligen bulg. Sprachgebietes. Vielleicht bei jenen Slaven, 
die später von den Rumänen verdrängt oder absorbiert worden 
sind: in den Gegenden des alten Daeien, wo also auch das slovak. 
oder vielleicht besser das kleinruss. Sprachgebiet angrenzen konnte 
(wenn man re>cno,a,a nicht für einen Slovazismus hier gelten läßt). 
Auf die Nähe des Russ. weist aueh hin, daß wir hier in der 3. sg. 
tu finden und zwar gab es ursprünglich 14 solche Fälle, von 
denen der Schreiber noch fünf in -Th. verwandelte. Scepkin meint 
(Pascyac^. S. 234), daraus könne man schließen, daß in der Sprache 
des Schreibers -Th war, aber es kann ebenso gut, ja vielleicht 
noch mit größerem Rechte, angenommen werden, daß er unter dem 
Einflüsse seiner Sprache -tk schrieb und es erst nachträglich durch 
eine Korrektur mit seinem Original in Einklang brachte. 

2. Codex Suprasliensis (Supr.) ein unvollständiges Menaeum 
für den Monat März, der Anfang und der Schluß fehlt, es beginnt 
erst mit dem 4. März (mit dem Martyrium des heil. Paulus und der 
heil. Juliana). Doch sind auch weiter einzelne Tage leer ausgegangen 
(8, 14—17, 25—29). Neben den 24 Heiligenleben und Martyrien 
kommen darin auch Homilien auf einzelne Feste vor: eine von 
Basilius d. Gr., 20 von Joh. Chrysostomus,- eine von Epiphanius aus 
Cypern und vom Patriarchen Photius und ein Gebet. Das Denkmal, 



Einleitung. 


33 


bestellend ans 285 Blättern, wurde 1824 im Kloster zu Suprasl bei 
Bialy Stok von dem Vilnaer uniatiscben Canonicus Bobrovski ge¬ 
funden und behufs Studiums in Empfang genommen. Kopitar 
sollte das Denkmal herausgeben und so schickte ihm Bobrovski 
die zweite Hälfte (die 21 letzten Quaternionen) im J. 1839. Als 
dieser Teil abgesehrieben und zurückgestellt war, sandte ihm B. 
auch die erste Hälfte (16 Hefte oder 118 Blätter). Diese und die 
Kopie blieben bei Kopitar bis zu seinem Tode (1844). Von dieser 
Zeit ist der Supr. zunächst in zwei Teile getrennt; von der zweiten 
Hälfte, die in Rußland blieb, wurden zwei weitere Hefte abgelöst, 
so daß man jetzt drei ungleiche Teile des ganzen Codex hatte und 
ein jeder dieser drei Teile hatte nun sein eigenes Schicksal. Der 
erste Teil (die 16 bei Kopitar gebliebenen Quaternionen, in Miklo- 
sichs Ausgabe von Anfang bis zur Liieke auf S. 172) ist nach 
Kopitars Tode mit samt seiner Abschrift des ganzen Codex in die 
Lycealbibliothek zu Laibach gekommen, wovon man aus der Vor¬ 
rede Miklosiehs zu seiner Ausgabe im J. 1851 erfuhr. Wo die 
übrigen 21 Hefte hingekommen waren, blieb viele Jahre unbekannt. 
Es hatte im J. 1847 der poln. Bibliophil Tr<jbieki von Bobrovski 
die ganze Bibliothek, worin auch die Hs. vorhanden war, gekauft, 
mit der Bedingung, daß sie bei Bobrovski bis zu seinem Tode ver¬ 
bleibe. Er starb 1848 und die ganze Bibliothek ist mit der Hs. zu 
Tr^bicki gebracht worden. Bei dieser momentanen Unordnung mögen 
die zwei Quaternionen abgetrennt worden sein. Im J. 1856 über¬ 
gab nämlich ein gewisser H. Strelbickij zwei Hefte & acht Blätter 
(es war dies das 17. und 18. Heft des Supr.) H. Byckov in der kais. 
öffentl. Bibi, zu Petersburg zur Durchsicht, sie blieben bei Byckov 
und sind jetzt in ebenderselben Bibliothek. Als Tr^bicki 1868 starb, 
verkauften seine Hinterbliebenen seine Bibliothek an den Grafen 
Zamojski in Warschau. Hier befand sich nun die Hs., ohne daß 
die gelehrte Welt von ihrem Aufenthalt wußte, bis 1872. In diesem 
Jahre erschien in den WarschauerUniversitätsnachrichten eine Notiz 
von Paploiiski, in welcher er mitteilte, daß er in Warschau in der 
Bibliothek des Grafen Zamojski den lange für verloren gehaltenen 
Teil des Supr. gefunden habe (19 Hefte oder 151 Blätter) 1 ). 

b Von den 19 Heften sind die ersten 18 vollständig und enthalten je 
acht Blätter, vom letzten Heft fehlt das vorletzte Blatt, daher zusammen 

Vondrak, Altkirchenslaviacke Grammatik. 2. Anfl. 3 



34 


Einleitung. 


Herausgegeben wurde das Denkmal von Fr. Miklosich im 
J. 1851 und zwar nach Kopitars Abschrift: Monumenta linguae 
palaeoslovenicae e codice Suprasliensi. Der Laibacher Teil erschien 
in photographischer Reproduktion, welche Severjanov besorgte. 
Dieser hat auch eine neue Textausgabe veranstaltet: CynpacateKaH 
PyKonucB. Cnö. 1904 (in HaMjmuiKH cTapoe.iaB. H3. tomx II, Heft 1). 
Es sollte noch ein zweiter Band erscheinen, der ein vollständiges 
Wörterverzeichnis enthalten sollte und äußerst dringend wäre. Der 
Ausgabe sind auch zwei Faksimiles beigegeben. Ez. Zivier hat 
den Miklosichtext mit der in Warschau befindlichen Hs. verglichen 
und die Resultate in einer Dissertationschrift (in Breslau 1892) 
veröffentlicht: »Studien über den Codex Suprasliensis« (vgl. auch 
A. Brückner in AfslPhil. XHI, 1891 S. 318). 

Quellennachweise zu den einzelnen Stücken im Codex findet man 
im AfslPhil. XY—XVIH (insbesondere von Abicht und Schmidt). 
Der Urheber der Hs. hat das Material, wie er es vorfand, zusammen¬ 
getragen, daher finden wir hier Teile, die sprachlich (insbesondere 
lexikalisch) teilweise abweichen. Der älteste Text, der hier zur 
Abschrift kam, ist die Homilie des Epiphanius (in der Miklosieh- 
Ausgabe S. 337—357, in der Severjanovs S. 447—471), die wir 
fast im selben Wortlaute auch im Cloz. und dann auch in späteren 
Denkmälern wiederfinden. Das äußert sich auch in der Sprache. 
So haben wir hier die einzige Form eines starken Aor. im ganzen 
Supr., nämlich KkCKphcVv 471, 4, nur hier die Dualendung Tf, 
Imperfektendüng -uirra, -tiifTf, ältere lexikalische Ausdrücke, z. B. 
3a oyyo ov'^aptH-K 449. 25 (auch im Cloz. an dieser Stelle), ebenso 
34 oyyo oy^aptHoy 455. 17 und in einem anderen, jedoch darauf 
folgenden Texte: 44HHT4U4 cy,\apaHKM 469. 8; sonst haben wir 
im Supr. 3doyuJHTH; mTfpiv kommt hier häufig vor u. a. (vgl. 
Verf. Aslov. Studien in Sitzb. der Wien. Ak. Bd. CXXII. 1890, 
S. 2 f.). Was dann unmittelbar nachfolgt, scheint auch teilweise auf 
etwas älteren Texten zu beruhen. Der Codex kam irgendwo im 
Osten in der Nähe des russ. Gebietes zustande. Die schon erwähn¬ 
ten Formen utaora 275. 23, «ora 435. 22, Komm 441. 20, mra 

151 Blätter, dazu in Laibach 118, in Petersburg 16, zusammen 285 Blätter. Die 
Warschauer Hs. beginnt mit den Worten w* 4 '» 1 “* (Miklosichs Ausgabe 
187. 8—Schluß). 



Einleitung’. 


35 


509. 21; KkcfvKoi'iV 457. 13 haben wir oben (S. 19—20) wie die ent¬ 
sprechenden Formen cera usw. in den wallachisch-bulg. Urkunden, 
d. h. durek den serb. Einfluß erklärt (vgl. auch cera pa,i,n Mc. 6.14 
im Mar.). 

Es ist schwer zu sagen, ob auf dieselbe Art auch sauithuai* 352. 7 und 
412. 17 zu erklären sei gegen 3auithuitath 407. 29 aiv'iTxsad-ca ,in Rätseln 
sprechen 1 , ferner RwiAweHHHMTi. aaqxmasms 330. 8 statt mjiauutch ...., d. h. 
daß ein Serbe den serbischen Laut c statt des ksl. uit einmal durch n, das 
andere Mal durch u wiederzugeben versuchte 1 ), wodurch er natürlich nur an¬ 
nähernd, aber immerhin besser als durch uit ausgedrückt worden wäre, oder 
ob es auch ein Bohemismns ist. Zu beachten ist, daß wir das letztere Wort 
ebenso in den Homilien des Mihanovic, also einem serb. Denkmale (im Besitze 
der südslav. Akad. zn Agram), finden auf dem Blatte 188 B Col. I Z. 8 in der 
Bedeutung ,incarnatio‘. Doch kann auch angenommen werden, daß hier eine 
Verwechslung mit Barnn-aimi« (von iwuek.) ixaqäratis vorliegt. Es kann hier 
auch darauf hingewiesen werden, daß die beiden letzten Abschreiber der Kiever 
Blätter, die doch wohl Serbo-Kroaten waren, die Bohemismen u nnd 3 statt 
des ksl. uit und >ka beließen (vgl. Verf. 0 pftvodu Kijevskych listn nsw. S. 43). 

Die meisten Stücke des Supr. sind wohl in der Symeonsehen 
Periode entstanden. Zn beachten ist, daß hier ein einziges Mal auch 
cat'K vorkommt: Ht p tnt (urspr. Glosse!) catt». .. HTv 477.19, das 
wir häufig im Cloz. nnd einmal auch im Ps. sin. gefunden haben. 

3. Das Undolskij sehe Evangelinmfragment, zwei Blätter 
eines Evangelistars (Aprakos-Ev.), die ehedem im Besitze des russ. 
Bibliographen T. M. Undolskij waren und sich jetzt im öffentlichen 
nnd Rnmjancovsehen Museum zu Moskau (sub Nr. 961) befinden. 
Sie enthalten Matth. 13. 24—30, 36—43 und Mc. 5. 24—34 und 
werden von Karskij in das XI. Jahrh. versetzt. Herausgegeben 
wurden sie zuerst von Sreznevskij (ÄpeBHie cjnaB. nasr. rocoBaro 
nucLMa. Cnö. 1868, S. 194—196), von Jagic in seinen Specimina 
oder Oöpasnti. Onö. 1882, S. 48—49, schließlich von Karskij: 
JLhctkh YH^tojiBCKaro, OTpHBOKt. EnpHMOiCKaro eBaHre-ria XI b. Cn6. 
1904 (in IlaM. cTapocjr. H3. tom-e I bwii. 3). Daß sich der Text mehr 
an Assem. anschließen würde, wie Jagic meinte, bemerkte Karskij 
nicht; er steht ihm nicht näher als z. B. dem Ostr. Ev., aber einen 


*) In den Hom. Mih. lesen wir noch ca-kAHue 51, I, 1 gegen crLthahiutc 
n^oaanov ,facies‘ desselben Textes in Snpr. 355.16, doch liegt hier eine An¬ 
lehnung an ahu< vor, da das st ans sh auch im Serbo-Kr. bleibt. Sonst wurde 
später für das 6 häufig h gebraucht und dann ein eigenes Zeichen eingeftthrt. 

3* 



Einleitung. 


entsprechenden, anderen konnte er nicht finden (S. 35). Die zwei 
Blätter sind hier auch faksimiliert. 

Über dieses Denkmal schrieb auch V. Scepkin in CöopHjn«, 
cTaTeS iiocb. ... <5. 0. $opTysaTOBy. BapniaBa 1902, S. 249 — 269. 
Er sieht darin die Abschrift eines glag. Originals und versetzt sie 
in das XII. Jahrh. Die Buchstaben sind nach rechts geneigt, worin 
Sc. Anläufe zu einer Kursivschrift sieht. Dagegen protestiert 
Karskij, Lavrov u. a. (vgl. auch XCypHajra muh. np. Hap. 1903, IGhb, 
S. 435—436). 

4. Das Psalterfragment von Sluck, ein Blatt, das aus dem 
XI. Jahrh. stammen dürfte und jetzt irgendwo verlegt ist. Es nähert 
sich dem Tolstojsehen Psalter. Herausgegeben von Sreznevskij 
(1. c. S. 155—165), Jagic (Specimina S. 52—56). Wir haben hier 
hauptsächlich den langen Psalm 118. Wenn richtig wiedergegeben, 
so scheint einiges auf den russ. Boden hinzuweisen: tcru mehr¬ 
mals, KXAfTk, Instr. wie 3dK0H'kMT*. Jagic meint, daß dieser Text 
aus einem kommentierten Psalter geflossen ist. 

5. Blätter von Chilandar, zwei an Zahl, welche die Über¬ 
setzung der katechetischen Belehrungen des Cyrill von Jerusalem 
enthalten. Die Übersetzung ist sehr alt, sie rührt jedenfalls aus 
Symeons Zeiten her. Dieser Text hat sich noch als aksl. Denkmal, 
allerdings fragmentarisch erhalten und zwar rührt das erhaltene 
Fragment aus dem XI. Jahrh. her. Es wurde von V. J. Grigorovie 
im J. 1844 im Chilandarkloster auf dem Athos gefunden und er¬ 
worben und von ihm in den UmSoTia II Org. Hmh. Ana#. 1852, 
S. 89—96 veröffentlicht, dann von Sreznevskij (1. c. 187—191), 
von Jagic (Specimina S. 64—66), schließlich von S. M. Kul’bakin: 
XraaH^apcme jracTKK, OTpiiBOKB khphxiobckoh nHCbMemoeTH Xl-ro 
Bixa. Ci veTBipbMH #OTOTHmmeeKHMH chhmkumh (in HbejriMcoBaHifl no 
pyeeKOMy sa. t. II. Cn6.1898. Im J. 1865 wurden sie mit anderen 
Hss. von Grigorovie der Universität zu Odessa geschenkt und wer¬ 
den jetzt hier in der Universitätsbibliothek aufbewahrt (sub Nr. 23). 

6. Das cyrillische maeedonische Blatt enthält fragmen¬ 
tarisch einen selbständigen slav. Text, in welchem auch ein Stlick 
aus dem Prolog des Johann Exarch v. Bulgarien zu seiner Über¬ 
setzung des Bogoslovie von Joh. Damaseenus in freierer Bearbeitung 
erscheint. Es ist die Vermutung ausgesprochen worden, daß es sich 



Einleitung. 


37 


Mer um einen Evangelienkommentar handelt. Das Blatt wurde 
irgendwo in Macedonien von A. Th. Hilferding gefunden; er 
schenkte es J. J. Sreznevskij, der es zweimal veröffentlichte: im 
J. 1863 in den EuBücTia lUm. apx. oßmecTsa, Bd. V, S. 66—68 (daraus 
in seinen Aperaie nar. naM., S. 276) und ein zweites Mal in seinen 
ÄpeBnie eaaB. naM. ioe. rnctMa, S. 192 — 193 (1868), wo er schon die 
Stelle aus dem Prolog erkannt hatte. Vgl. auch Jagic: Paaeyawe- 
nia cTapHHH o .apeBHe-nepKOBHoe-taBHiicKOMu ä3Bik®. Cnö. 1895, S. 37. 
Jetzt befindet sich das Blatt in der Bibliothek des Vjac. J. Sreznevskij. 
Iljinskij besorgte, als er von dem Blatte erfuhr, eine kritische 
Ausgabe: MaKe^oncKil xhctoku. Otphboku He3B$cTnaro naMaranKa 
KHprajoBCKoä imcmieHHocTH XI — XII b. Cn6. 1906 (in den Hk«. CTa- 
pocaas. a3HKa. Toarn I, Btin. 5-fi), auch faksimiliert. Das Fragment 
kennt nur einen Halbvokal (s) und da darin Schreibweisen Vor¬ 
kommen wie AkAUJKaie I 27, tikATM I 4, I 21, aujssocthx 

I 20, rnpAa II 4, likpyk I 4, so konnte man darin ein aruss. Denk¬ 
mal vermuten, da in diesen eine solche Schreibweise nicht selten 
ist. Aber wir werden sie auch in bulg. Denkmälern finden. 

In vier Fällen haben wir hier n für o: 116, ku- 

jfkua 116, n<5AOJKHp«.iUk I 27, 29, vielleicht auch raaroAkiuk I 29. 
Das erinnert uns an Formen wie K'kCTA\"kM'k Psalt. sin. 19. 9. In 
lexikalischer Einsicht wäre HfCkK-fcAki II 25 hervorzuheben, da wir 
das Wort in der Bedeutung /.wqiüs sehr häufig bei Joh. Ex. von 
Bulg. finden (Verf. 0 mluve Jana .. . S. 11). 

Es fällt auf, daß sich nur zwei umfangreichere cyrillische Codices 
erhalten haben, während wir von den glagolitischen mehrere an¬ 
führen konnten. Es läßt sich aueh mit dem Umstande in Zusam¬ 
menhang bringen, daß die Glagoliea immer mehr und mehr zu 
einer obsoleten Schrift wurde, während die Cyrillica immer mehr 
und mehr zur Geltung kam. Die cyrillischen Codices waren daher 
mehr im Gebrauche und zwar so lange, bis sie ganz abgenutzt 
waren, so daß man davon nichts mehr aufheben konnte. Die glag. 
Codices waren immer seltener im praktischen Gebrauch, sie waren 
daher nicht abgenutzt und konnten dann wie Reliquien aufgehoben 
werden. So haben wir drei derartige glag. Evangelientexte und 
nur einen cyrillischen, einen glag. Psaltercodex und nur ein eyr. 
Fragment usw. 



38 


Einleitung. 


Eine cyrillische Inschrift aus dem J. 993 auf einem Grab¬ 
stein, den der Zar Samuel hat setzen lassen (vgl. Jirecek und Jagic 
im AfslPhil. 21, S. 543 f.). Er ist in der Kirche des Dorfes German 
am Ostufer des Sees von Prespa im westl. Makedonien. Die älteste (?) 
cyr. Unterschrift äus dem J. 980(?) in einem griech. Akte (Ivanov: 
Iß'MrapCKH CTäpHHH H3% MauejOHHH. Comh 1908). 

Charakteristische Merkmale der aksl. Denkmäler. Die 
verhältnismäßig sichersten Merkmale finden wir nur auf dem Ge¬ 
biete der Lautlehre und da ist das wichtigste: ein halbwegs regel¬ 
rechter Gebrauch der nasalierten Vokale, denn dagegen 
reagieren am besten alle anders gearteten Denkmäler, sowohl die 
mittelbulg. als auch die serbo-kroat. und russ. Streng durchgeführt 
ist dieser Gebrauch allerdings in keinem der aksl. Denkmäler, 
selbst in dem in dieser Hinsicht genauesten, nämlich in den Kiever 
Blättern gibt es schon einen Fall der Abweichung (oy statt *), 
aber so weit gehen hier die Abweichungen nicht wie in der großen 
Gruppe der ksl. Denkmäler im engeren Sinne des Wortes. Ein 
zweites auch wichtiges Merkmal besteht darin, daß sich wenigstens 
Spuren eines regelrechten Gebrauchs der beiden Halb¬ 
vokale zeigen müssen. Aber da sehen wir, daß schon zwei Denk¬ 
mäler, wenn wir uns streng nur an diese Regel halten wollten, 
ausgeschieden werden müßten: das eyllirische macedonische Blatt, 
das überhaupt nur einen Halbvokal kennt und dann die Undolskij- 
sehen Blätter, die nur zweimal i» und sonst überall 'K haben, aber 
in den anderen aksl. Denkmälern können wir doch gewisse Regeln 
im Gebrauche der Halbvokale unterscheiden. Am genauesten sind 
in dieser Hinsicht die Kiever Blätter, dann der Zogr. — Das dritte 
Merkmal wäre st und zd aus urslav. ti und d {, wie es ja bei 
einem bulg. Dialekte selbstverständlich ist. Da aber dieser Dialekt 
zunächst auf einen anderen außerbnlg. Boden verpflanzt wurde und 
da sieh gerade gegen das it, zd manche Sprachen empfindlich 
zeigten, wie z. B. das Böhm., so bemerken wir hier frühzeitg eine 
Reaktion. Vereinzelt macht sie sieh in mehreren aksl. Denkmälern 
bemerkbar, regelrecht ist das st und zd von c und z in den Kiever 
Blättern vertreten, da aber hier der böhm. Einfluß sonst nicht 
durchdrang (höchstens nur noch in statt aksl. st aus s/c, und - r K m k 
im Instr. sg.), so können wir dieses Denkmal nicht ausschalten und 



Einleitung. 


39 


in die Gruppe der böhm.-ksl. Denkmäler einreihen. Sonst muß 
noch bemerkt werden, daß es bei Denkmälern von geringerem Um¬ 
fange mitunter sehr schwer sein kann, den Charakter der Sprache 
richtig zu beurteilen. 

Aber die so abgegrenzte Klasse der aksl. Denkmäler ist auch 
sonst sprachlich nicht ganz homogen. Es machen sich Abweichungen 
vom Ursprünglichen auf allen Gebieten der Grammatik und auch 
hinsichtlich des lexikalischen Wortvorrates geltend. Im allgemei¬ 
nen kann man sagen, daß das ältere in den glag. Denkmälern, 
insbesondere im Mar. und Zogr. besser bewahrt wird, während 
in den cyrill., also im Supr. und in der Sav. kn., das jüngere vor¬ 
herrscht oder ganz zum Durchbruehe kommt. Es ist also ein Unter¬ 
schied, der hier auch mit der Schrift zusammenfällt. So geht sk 
vor den beiden Vokalen i und 3, wenn sie diphthongischen Ur¬ 
sprungs sind, nur nicht vor i aus ei, zunächst in sc über, woraus 
später st wird. So ist im Zogr. sc ausschließlich bis auf raoH.vkn- 
crfeiik Mat. 15. 29 (Mar. hier sc), im Zogr. b. finden wir dagegen 
schon drei Formen mit st. Im Mar. ist sc vorwiegend, ausschlie߬ 
lich ist es im Cloz., im Assem. im Texte nur st, in Überschriften 
einigemal noch sc neben st, im Supr. nur yoyMKHHivCH'S 16. 15, 
sonst überall sehon st; in der Sav. wider Erwarten nur sc. Hier 
hat sie also noch älteres bewahrt, wie wir es auch oft bei r b. und u 
finden (vgl. Verf. Zur Kritik der aslov. Denkm. in Sitzungsb. CXII, 
2. Heft, S. 767—770). Bei der Deklination der o-Stämme macht 
sich der Einfluß der u -Stämme in einigen Kasus später geltend 
(vgl. Verf. 0 mluve Jana ex. b. S. 30—31). So haben wir z. B. 
keinen Nom. pl. auf -ob« im Zogr. Mar. Assem. Cloz. Psalt. sin. und 
in der Sav. kn., nur in dem glag. maked. Blatte finden wir ca^obc, 
im Euch. sin. nonoß«, zahlreicher sind sie dagegen vertreten im Supr., 
wo wir AOYV OKe » A J P® Kt > nonoß«, cAjs,^s.e, oy,a,OB«, 3MHi€E« 

und 3H0KSBf haben. Analog gilt es vom Gen. und Lok. sg. und Gen. pl. 
Bei der o- Deklination wird im Instr. sg. die Endung -obr, -etx sel¬ 
tener, dafür tritt häufiger die kontrahierte -ä ein. Später bemerken 
wir auch ein stärkeres Hervortreten der s- Stämme, während sie in 
den älteren Quellen einfach wie o-Stämme behandelt werden. So 
haben wir hier z. B. uur A’kAO, ,ykAA usw., im Supr. schon einige¬ 
mal den Stamm ^’üaic- und auch im Euch. sin. zweimal. 



40 


Einleitung. 


Beim Verbum wird die Endung -t* in der 3. du. von -tu ver¬ 
drängt und -Tiv in der 3. sg. fällt häufig ab. Statt -ljuetj, -qjete 
im Impf, tritt -cta, -cte auf (so haben wir die ersteren Endungen 
im Supr. nur in der älteren Partie, vgl. oben S. 34, fast ausschlie߬ 
lich in dieser ist auch die ältere Dualendung -Tt anzutreffen). 
Der Kond. ehmu wird von E'kips. verdrängt, in der Sav. kn. nur 
viermal: shm% (einmal), eh (dreimal), im Supr. kommt ein einziges 
Mal khmtv in einem Zitate vor: HCTA3an r k ehmts. 377. 15—16 
(Mat. 2&. 27, dagegen etwas früher: kesaati KTvi^Tv 370. 1, Zogr. 
U3'K ß'kSAA’k . . EHUh), eh kommt hier dagegen noch häufiger vor 
(Verf. Aslov. Stud. S.22—23). Die Aoristformen oyinpUTTi, hahatte 
u. dgl. weichen vor ovfimp'K, hama usw. Der einfache Aorist wird 
immer seltener, im Supr. schon nur ein einziger Beleg und zwar in 
der älteren Partie: ßkctcpkCA 471. 4, desgleichen Aoriste wie n^a, 
iAc r k usw. (im Supr. sind sie überhaupt nicht mehr vertreten). Bei 
der IV. Konj. schwinden die kürzeren Partizipialformen teilweise 
und werden von den auf -hba. ersetzt. 

Ebenso auf dem Gebiete der Stammbildungslehre treten Ände¬ 
rungen auf: •moE’üHkCK'iv weicht dem haoküue, HtEtckcKT). dem 
HEKtCkHTk, 3EläOkCKTsk dem 3fMkH'k. JKHKOTTi. wird VOn >KH3Hk 
verdrängt. 

Auch in lexikalischer Hinsicht sind die Änderungen beträcht¬ 
lich. Während wir z. B. in den Evangelientexten nur scufH : uojo6q 
finden, haben wir im Supr. schon häufig dafür xpoATk, xpoAHBTi, 
so z. B. riATk a:e OTk hh^Tv Ekauif uavapt», naxk jke xpoAHßT». 
368, 28—29 (Mat. 25. 2). Im Evangelientexte nur npcKAJKfH'k 
Xertgös (so auch im Cloz. II119), aber im Supr. rrtroTHßkm'k 
n'feroT'ki Ietcqw %aX<xt.ü)^a%a 387, 21—22, rrkroTHßa 392. 16, 
wkroTTu 392. 15. In den Evangelientexten nur nocA'kAkHHH, 
im Supr. ceTkH'k z. B. ru^fHHie «TNOie ( saxatog ) 513. 30, crrk- 
Hlvie 213. 13; eaahh wird von ßpaHk, mhca von eak>a°j »kt* 
von icahhtv in Zusammensetzungen verdrängt; leTtpiv von m,i,HHk, 
HtßTkTo; TkAO von na’kTk; pan von nopoAd; stvAT* von npo- 
H'kipHß'k; paah von A^dkMa, A'kdia und pAAkMA; OEAdCTk von 
BAACTk; TAH VOn OTAH, np^CTOATv VOU CTOATv, npOÜATH VOn 
pacnATH usw. In der ursprünglichen Übersetzung blieben einige 
griechische Ausdrücke unübersetzt, die später teils richtig, wie z. B. 



Einleitung. 


41 


KaraneraaMa durch onoHa, HtpfH (hosvs), das ausschließlich ist 
in der ältesten Evangelienübersetzung, durch nom*, bzw. ;KtpMj,k, 
teils unrichtig, wie rtona yeevva durch po/i/k, po;»;p,k er ko usw. 
übersetzt wurden. 

Es handelt sich nun darum, wie diese Abweichungen zu er¬ 
klären sind. Es ist klar, daß man hier nicht spontane, einfach 
durch die Zeit bedingte sprachliche Prozesse eines und desselben 
Dialektes vor sich hat, da ja hier in Denkmälern ein nicht in seiner 
Heimat verbliebener Dialekt, der vielmehr in andere Gebiete ver¬ 
pflanzt und dann weiter gepflegt wurde, vorliegt. Es handelt sich 
hier also hauptsächlich um Einflüsse anderer Dialekte. 

Bei der Untersuchung der Sprache des Joh. Exarch v. Bulg. 
stellte es sich mir heraus, daß sie auffallend übereinstimmt mit 
den Neuerungen, die wir z. B. im Supr. finden. Da es nun fest¬ 
steht, daß er in naher Beziehung zu Syrneon (893—927) stand (er 
arbeitete für ihn und lobte ihn als einen großen Förderer des 
Schrifttums, er wurde auch von Duks, Bruder des Boris Michael, 
aufgefordert, schriftstellerisch tätig zu sein, er beschreibt den Palast 
Symeons zu Preslav), so folgern wir, daß er in Symeons Nähe, also 
in Ostbulgarien tätig war. Unter Syrneon haben wir aber auch die 
erste Blütezeit des aksl. Schrifttums. So kam ich auch zum Schluß, 
daß die oben besprochenen Abweichungen und Neuerungen dia¬ 
lektischer Natur sind und auf dem ostbulg. Dialekte beruhen. Joh. 
Ex. gebraucht nur Bpauk, KpaokGa (neben n'fcuMm), aber kein 
EdAHH, der ältesten kyrillischen Übersetzung. Offenbar ist also da 
der Reflex seiner eigenen Sprache, also des ostbulg. Dialektes zu 
sehen, zumal wir spann auch im Supr. finden. Ebenso finden wir 
bei ihm otuh u. a. (vgl. Yerf. 0 mluve Jana ex. 1896, S. 14 f.). 
Da sich aber in dem aksl. Wortmaterial der Preisinger Denkmäler 
Spuren der späteren Redaktion zeigen (trebu tvorim II19 statt zrtvu 
tv., zopirnieom statt soprern 1173; stol statt prestol H 72, primete 
statt nasledite I 33 (vgl. Verf. Frisinske pamätky .. 1896, S. 28—29 
und 49), so kann man annehmen, daß der Anfang mit den Neuerungen 
in Pannonien gemacht wurde, wobei ich an Jünger Methods aus 
Ostbulgarien dachte (0 mluve usw. S. 15). Die meisten Neuerungen 
waren jedenfalls durch den ostbulg. Dialekt bedingt. Einzelne 
heimische Ausdrücke haben auch in Pannonien oder irgendwo auf 



42 


Einleitung-. 


kroatischem Gebiete Eingang in das aksl. Schrifttum gefunden, wie 
z. B. p’kcHora für hcthha. Das stammt nicht aus Ostbulgarien, 
denn Joh. Ex. v. Bulg. und andere Schriftsteller, die in Ostbulgarien 
wirkten, gebrauchen nicht das Wort. 

Die erwähnten Neuerungen versetzt zum großen Teile auch 
J. Jevsejev nach Ostbulgarien unter Symeon (von seinen Arbeiten 
kommt da am meisten in Betracht: Kuara npopoua flauimia nt 
,a;peBHe-ejiaB. nepeßox®. MocKBa 1905). 

Mit Rücksicht auf die Sprache, aber auch auf den textlichen 
Teil und das in Betracht kommende grieeh. Original, unterscheidet 
J. eine kyrillische und methodianische Redaktion der Übersetzungen, 
die aber in sprachlicher Hinsicht eine Schule bilden, dann die 
Symeonsche. Die erstere ist neben anderem dadurch charakteristisch, 
daß sie viele grieelp Ausdrücke unübersetzt läßt. Als Original diente 
ihr der Lukiansche Text. Durch die Symeonsche Schule — wir 
dürfen ihre Tätigkeit allerdings nicht bloß auf die Regierungszeit 
Symeons beschränken — wurden viele alte Worte durch neue er¬ 
setzt, die früher belassenen grieeh. Worte wurden übersetzt und 
der grieeh. Hesychius-Text zugrunde gelegt. So wurde ersetzt z. B. 
JKpkTßa durch Tphsa ß-vaia ); iastoktn. durch erpana (efrvng) : 
norunaTH durch noi'CTHTH [änoarslXio), durfA'k durch K’fcCTk- 
hmk-k oder c'kdiv (SyyeXog); apjfHTf ktohti durch AP’ KR « l A’fc''ia 
[aQxiT.&xTm /); A’fcMOH'k. durch KOVTiHp-u (öal/xcov); haoaTi durch 
KO^MupTi [äSbii.ov), HcpcH durch jKkpank Iteoevg). 

Pogorelov zeigte, daß auch der Kommentar des Theodoretos 
zum Psalter in der slav. Übersetzung dieselben Merkmale aufweise, 
folglich auch aus derselben Schule herrühre. Die grieeh. früher 
unübersetzt gebliebenen Ausdrücke werden hier übersetzt z. B. für 
HKOHA jetzt 0KP43T.., CMp^MHIg für KfAPTvi; nUCHkNHUH für ITCAA- 
T-kipn; MoypcKara 3 imah für («Honnta: die westslav. Ausdrücke 
werden durch andere, bulgarische ersetzt z. B. oacn durch macao 
AptK-KHOie, nccT r k durch aakahhi€. Dann ungebräuchliche Aus¬ 
drücke werden durch andere, im Süden gebräuchlichere ersetzt : 
3AMAA« durch HAMAT’kK'k, Krame durch rAABHizs; pAA» durch 
A’RAkUd; ktiHha« durch K’kA’fcs*; jkhrotti durch >khthi6; 
SKpkTKA durch TptKA; HACA’kAHTH durch npHUACTHTH. Alte 
Äoristformen werden durch jüngere ersetzt. In dieselbe Kategorie 



Einleitung. 


43 


gehören die kateche tischen Belehrungen Cyrills v. Jerusalem, die 
Beden des Gregorius theologus (Hs. russ. Kedaktion aus dem XI. Jahrh., 
heransgegeben v. Budilovic), Zlatostruj, der Cod. Suprasliensis') 
und Izbornik vom J. 1073 neben anderen. Der Sprache nach fallen 
damit noch zusammen die Werke des Johannes exarcbus bulga- 
ricus, des Konstantin presbyter und des Mönches Chrabr (Bnö.iio- 
Teua mockobckoh CHHOAajn.Hoä THnorpa<x>iH. Baun, I ot^Sjtb 3. ncaa- 
Ttipn. MocKua 1901). 

Die große Gruppe der kirchenslav. Denkmäler im engeren 
Sinne (Miklosich nannte sie die Hicht-pannonisehen Denkmäler) zer¬ 
fallen wieder, je nachdem, von welchen neueren Merkmalen die 
ursprünglichen aksl. überwuchert werden, in mehrere Gruppen und 
zwar 1. in die bulgar.-kirchenslavisehen, auch mittelbulgaräsche ge¬ 
nannt, 2. in die serbo-kroatisch-kirchenslavischen, 3. in die russisch- 
kirchenslavischen und 4. in die böhmisch-kirchenslavischen. 

1. Die bulgarisch - kirchenslav. (mittelbulgarischen) 
Denkmäler beginnen mit dem XII. Jahrh., sie sind nur in cyril¬ 
lischer Schrift geschrieben. Es zeigt sich darin kein regelmäßiger 
Gebrauch der nasalierten Yokale. Die Silben /<?, 6% und ze sind 
zu /«, sq und &a geworden (Wechsel der Nasale). In einigen Fällen 
kann man diesen Übergang auch nach harten Konsonanten be¬ 
merken. Diese Denkmäler kommen häufig (später regelmäßig) nur 
mit einem Halbvokal aus und zwar ist es bald k bald a, manche 
gebrauchen noch beide, aber ganz regellos. Oft finden wir auch 
darin i für e in unbetonten Silben (dem entsprechend wäre der Über¬ 
gang des o zu w). 

Hierher gehört das Dobromirsche Evangelium aus dem 
XH. Jahrh., das nur a kennt. Bezüglich des Wechsels der nasa¬ 
lierten Vokale vgl. die Formen: noKnonmnx, Kk3kBpATnui,Tv ca, 
XUAdBiupj und KrtarocAOK/Wiiic in dem in meiner Chrestomathie 
S. 87 enthaltenen Stücke (Luc. 24. 48—53), dann rÄi* statt r a a. 
BHAaupf Lue. 23. 47 und 48 (S. 86). 

Das Aprakos-Evangelium aus Bojana aus dem XII.—XIII. 
Jahrh., es ist ein Palimpsest, bei dem man die getilgte glagolitische 


3 Doch kann es nicht vom ganzen gelten, eine Partie ist darin, wie wir 
sahen, Behr alt. 



44 Einleitung. 

Schrift hier lind da noch lesen kann; sie wurde leider noch nicht 
genauer untersucht. 

Das Tetra-Evangelium von Decani etwa aus der zweiten 
Hälfte des XIH. Jahrh. 

Das Trnover Tetra-Ev. ans dem XIII. Jahrh. (1273), beschrie¬ 
ben von M. Valjavec, der auch alle grammatischen und lexikalischen 
Abweichungen des Denkmals vom Mar. genau verzeichnet hat, so 
daß dadurch eine vollständige Ausgabe gewissermaßen ersetzt wird 
(Starine XX und XXI). 

Das Karpinskijsche Aprakos-Evangelium aus dem Ende 
des XIII. oder eher dem Anfang des XIY. Jahrh. 

Johann-Alexander-Evangelium aus dem J. 1356 in Privat¬ 
besitz in London (vgl. AfslPhil. VH). 

Prax-Apostolus von Oohrida etwa aus dem Ende des 
XII. Jahrh. im Rumjancovschen Museum zu Moskau. Herausgegeben 
von S. M. Kulbakin: Oxpa^oKaa pyKomici. anoero-ia Konna XII Büna 
(in »B’uxrapcKH CxapHHH. Kmra III«. Coi>hh 1907). Er geht auf eine 
glag. Vorlage zurück, es finden sich darin glagolitisch geschriebene 
Buchstaben und Worte, ja zwei Seiten sind vollends zur Hälfte so 
geschrieben. 

Apostolus Slepcensis etwa aus dem Ende des XII. Jahrh. 
in der Kais, öffentl. Bibliothek zu Petersburg und der makedo¬ 
nische Apostel (auch >Ap. von Strumica« genannt), der mit 
dem Safarlkschen handschriftlichen Nachlaß ins böhm. Museum in 
Prag gelangte. Beschrieben von J. Polivka (AfslPhil. X). 

Der Pogodinsche Psalter etwa aus dem Ende des XII. Jahrh. 
und der Psalter von Bologna, geschrieben nach 1230, wurden 
von V. Jagic herausgegeben: Psalterium Bononiense 1907 (hier 
auch die abweichenden Lesarten aus dem Tolstojschen Ps.). Vgl. 
auch noch V. N. Scepkin, EoxoncKaa ncTajTtipu. 1906. 

Der Parimejnik des G-rigorovic aus dem Ende des XII. 
oder Anfang des XIH. Jahrh. Herausgegeben von R. Brandt: 
rpHTopoBHieBi napHsrefiHHKB B'i eiHuemH ct> ßpyniMH napHMeniiHKaMH 
(in mehreren Heften von 1894 an). 

Hierher gehört auch noch die Apologie des Mönches Chrabr 
in einer Hs. aus dem XIII.—XIV. Jahrh. zu Berlin, in einer anderen 



Einleitung. 


45 


in der Öffentl. Bibi, zu Petersburg befindlichen aus dem J. 1348 — 
und noch andere Denkmäler. 

2. Die serbo-kroatisch-kirchenslav. Denkmäler haben 
für ein e und für ein otj, nur in den ältesten finden wir noch 
vereinzelt die Zeichen für nasalierte Vokale. Sie enthalten nur 
einen Halbvokal (in den eyrill. ein h). Sie sind entweder glago¬ 
litisch oder cyrillisch. Unter den glag. haben wir solche, deren 
Grlagolica erst einen Übergang vom runden zum eckigen Typus 
bildet, nämlich: die Wiener Blätter aus dem XH. Jahrh., Bruch¬ 
stücke eines Missales nach dem lat. Ritus, herausgeg. von V. Jagic 
(Denkschr. Wien. XXXVHI. 1890) 1 ); das Apostel-Fragment des 
G-rskovic aus dem Ende des Xn. oder Anfang des XHI. Jahrh., 
herausgeg. vonV.Jagic (Starine XXVI); das Apostel-Fragment 
des Mihanovic desselben Alters, herausgeg. von V. Jagic (Rad H). 
Die späteren glag. Denkmäler, die etwa mit der zweiten Hälfte 
des XIH. Jahrh. beginnen, weisen dann die eckige oder kroatische 
Glagolica auf. Hierher gehören zahlreiche Denkmäler z. B. das 
Missale des Knez Novak aus dem J. 1368 in der Hofbibliothek 
zu Wien; das Reimser Evangelium im J. 1395 im Kloster zu 
Emaus bei Prag geschrieben, das Laibaeher Breviarium aus 
dem Anfang des XV. Jahrh. usw. Unter den cyrillischen Denk¬ 
mälern muß zunächst das Aprakos-Evang. des Miroslav aus 
dem Ende des XH. Jahrh. mit schönen Hlustrationen und Orna¬ 
menten hervorgehoben werden; es wurde von L. Stojanovie faksi¬ 
miliert herausgegeben 1897. Das Aprakos-Evang. des Vukan 
(Vlk), auch SymeonschesEvang. genannt (weil von einem Mönch 
Symeon geschrieben) aus dem Anfang des XHI. Jahrh., das Evang. 
von Nikolja aus der Zeit um 1400 herum (von Hval geschrieben); 
der Apostolus von Sßatovac aus dem J. 1324, herausgegeben 
von Miklosich: Apostolus e codiee monasterii Sisatovac palaeo- 


l ) An die W. Bl. schließt sieh ein weiteres Fragment eines Missales an, 
welches Jos. Vajs in seinem Werke >Nejstarsi hreviat ehrvatsko-hlaholsk^ 
(Prvy brevi&r vrbnicky)«. V Praze 1910 erwähnt (als Bastanskfi zlomky 
(S. 21, Anm. 1). Er brachte auch ein Faksimile dieses Fragments, das leider 
nur zwei Pergamentstreifen umfaßt. Die Schrift erinnert sehr stark an jene 
der Wiener Blätter und dürfte vielleicht auch noch aus dem XII. Jahrh. her¬ 
rühren. 



46 


Einleitung. 


slovenice. Vindobonae 1853; der kommentierte Psalter des Branko 
Mladenovic aus 1346; der Hvalsehe Codex aus 1404; die 
Homilien des Mihanovic aus dem XIII. Jahrh. in der Bibliothek 
der südslav. Akademie u. a. 

3. Die russisch-kirehenslav. Denkmäler reichen weit hinauf 
und sind zahlreich. Für a haben sie oft ra und für x ein oy, die 
Halbvokale unterscheiden sie ziemlich genau. Nicht selten die 
Schreibweisen fort, fo/t und fort, tblt, seihst auch tont, toht und 
tont, toht; torot, tolot für trat, Hat, analog teret, telet für aksl. 
tr&t, tUt. Im Instr. sg. der c-St. -imb, -bmb; in der 3. P. sg. und 
pl. praes. -tu statt -T r u; Imperfektformen mit taa z. B. np,iaauu«. 

An der Spitze steht das Ostromirsche Evang., das 1056—57 
geschrieben wurde und das die älteste datierte cyr. Hs. ist. Heraus¬ 
gegeben von A. Yostokov: Oc/rponiipoBO Euaiirejile 1056 — -57. 1843. 
Auf Kosten des Savinkov erschien 1883 und 1889 eine faksimi¬ 
lierte Ausgabe. Über die Sprache schreibt M. Kozlovskij: Bne-ai- 
AOBande o h3bikS OcTpoMupoBa EßaHreuk Cnö. 1885; §eepkin und 
Sachmatov: OeoßeHHOCTu ji3Mira OeTpoM. eBanr. als Ergänzung zur 
russ. Übersetzung des Leskienschen Handbuches 1890. Vgl. auch 
Karinskij in IKypH. m. h. n. 1903, Nr. 5. Ph. Th. Fortunatov: 
CocTaBu OcTposrapoBa Eb. (in CdopHMKU CTareS noeß. HaMaHCKOMy, 
II. 416). Er zeigt hier, daß der Text auf zwei verschiedene Vor¬ 
lagen zurüekgeht (die zweite beginnt mit dem 25. Blatte) 1 ). Die 
Übereinstimmung zwischen Ostr. und Assem. ist manchmal eine 
auffallende. So kommt z. B. das Wort jahnaus in beiden Denk¬ 
mälern nur ein einziges Mal vor und zwar an derselben Stelle: 
tAHHdif >Ke fMoy raorOAKK.uiTW Mat. 17. 5. Ebenso kommt in 
beiden Denkmälern ein einziges Mal JKH3HK vor und zwar wieder 
an derselben Stelle: Matth. 25, 46 (Ostr. B. 152 b, die Stelle kommt 
aber noch auf Blatt 122 a vor, da ist wieder jkhkottv, Mar. und 
Zogr. kennen nur jkhkotti, Verf. Aslov. Studien S. 53£). Wie 
ich gezeigt habe, stimmt c y a a p a t*. ip o y o V M 0 V Luc. 11. 10 
im Ostr. Blatt 275 auffallend mit dem Text des Joh. Exarch 
v. Bulg. überein: fipocum ko ßh.3«MA«Tb. h HiptaH oßpratpeTi». h 


l ) Die erste war schon in Rußland geschrieben, die zweite war ein akls. 
Original. 



Einleitung. 


47 


o y a a p ra k> 41 u y u oy oTßpkaatTH ca in Bogoslovie S. tu (309, 
oyAapraTH hier noch zweimal auf der nächsten Seite). Sonst haben 
die anderen Texte hier T/i'KKÄviuTWMOYf, das seihst in diesem Zitate 
in der Yita Oyrilli vorkommt (Saf. Pam. 19. 10). Daher ist es wahr¬ 
scheinlich, daß das Original des Ostr. aus Ostbulgarien herrührte 
und einen SymeonschenText enthielt (Verf. 0 mluve Jana ex. b. S.52). 
Weiter das Aprakos-Ev. von Turov aus dem XI. Jahrh.; daB 
Evang. von Archangelsk aus 1092 (dürfte zur Kiever Gruppe 
gehören, kein jkh für jka, dagegen th-h aus tk h usw.); das 
Evangelium des Mstislav 1115—1117, auch dieses Denkmal 
verrät südruss. Merkmale : nosuTCTH-H aus -tu h, ebenso npoTi- 
uitTH-H u. a.; das Aprakos-Ev. von Jurjev (um 1120 ebenfalls 
mit südrnss. Merkmalen: noMKTn’H-H, «ytoahmtu-h) ; das gali- 
zisehe Tetra-Evangelium (Eryloser Ev.) vom J. 1144, zeigt 
südruss. Merkmale und zwar galizisch-wolhynische, insbesondere 
jkh statt jka bestimmten Fällen z. B. Mat. 7. 25. 27 ; 

charakteristisch auch -tk im Impf., hier auf den PL beschränkt, 
z. B. KKAjfoyTK h Mat. 27. 30, wichtiger jedoch: moaa\'oyth-h 
M at. 14. 36, weiter oyKimina-H Mat. 21. 38. Vgl. V. Le-Juge: das 
galiz. Tetra-Ev. vom J. 1144. Dissert. 1897. Ein südruss. Denkmal 
ist auch Dobrilos Ev. aus dem J. 1164, das im Kiever Gebiet 
geschrieben worden sein dürfte (kein jkm bzw. uih für jka); der 
Apostel von Kristinopol aus dem XII. Jahrh. mit südwestruss. 
Merkmalen (Galizien); Ap. von Pskov aus dem J. 1307 mit novgo- 
rodschen bzw. Pskovsehen Merkmalen, z. B. JKr für jka: A 03Kri1 ; 
das Psalterbruchstüek Byckovs aus dem XI. Jahrh., unkom- 
mentierter Psaltertext; Eugenius-Psalter-Fragm. ebenfalls aus 
dem XI. Jahrh., Bruchstücke eines kommentierten Psalters (Ano¬ 
nymus- bzw. im Slav. als Athanasius-Kommentar); Tolstojseher 
Ps. aus dem Ende des XI. oder Anfang des XII. Jahrh., ein kom¬ 
mentierter Ps. (derselbe Komm.) *}, die abweichenden Lesarten wur¬ 
den von V. Jagic in seinem Psalterium Bononiense (S. 742—780) 
veröffentlicht. Wichtig ist der Psalter des XI. Jahrh. aus dem 
Cudovo-Kloster in Moskau — Öudovo-Psalter —, mit dem Kom¬ 
mentar des Theodoretos von Kyrrhos. Svj atoslavs Izbornik vom 


i) Hier kommt kphjki, und picHSTi vor (Verf. Ksl. Chrestom. S. 162). 



48 


Einleitnag. 


J. 1073, das Zweitälteste unter den datierten cyr. Denkmälern, wurde 
ursprünglich für den bulg. Fürsten Symeon geschrieben. Eine Aus¬ 
gabe, früher von 0. M. Bo djanskij in Angriff genommen, erschien 
erst nach seinem Tode (Moskauer Ctenija 1882, 4); die Homilien 
des Gregor v. Nazianz, eine Hs. mit 13 Beden, aus dem XI. Jahrh., 
mit vereinzelten glag. Buchstaben darin. Herausgegeben von 
A.Budilovic: XHI c-iobt Fpnropia EorocjioBa . . Cnö. 1875; litur¬ 
gische Menäen, Hss. aus dem XI. Jahrh. Die für den Monat 
September,OktoberundNovemberhat Jagie herausgegeben: Menaea 
Septembris, Octobris, Novembris . . Petr. 1886; Antiochs Pan¬ 
dekten ebenfalls aus dem XI. Jahrh. 

4. Die böhmiseh-kirehenslav. Gruppe ist die schwächste: 
hierher gehören eigentlich nur die Prager Fragmente; sie dürften 
aus der zweiten Hälfte des XI. Jahrh. stammen und mit der Sazaver 
Periode der slav. Liturgie in Böhmen Zusammenhängen. Hier wurde 
si als c>Y gelesen und für a erscheint ia bzw. a (z. B. oyAapmna, 
Ta); das es erscheint schon zweimal umgelautet: uT/vfune II A 23 
und niAHTiTHKOCTHe I B 4; für das aksl. ft, zd ist hier nur c und z 
und für st aus sh noch sä; ferner die Gruppe dl; £ wird zu S 
regelrecht: KTviiJ-Kjf 1 »; küTh usw.; Instr. Sg. der o-St. auf -TvMl: 
AP’kß'KU'u KpHarkinviiTv HB 10—11; Nominative auf -i bei den 
*-St.: II A 20, mhaocth II B 7; Gen. inte u. a. Man sieht, 

daß das Fragment von Bohemismen mannigfacher Art durchsetzt 
ist (vgl. Verf. 0 püvodu Kijevskych listü a prazskych zlomkü. 1904, 
S. 64—65), was von den Kiever Blättern, wie schon hervorgehoben 
worden ist, durchaus nicht gilt. 



Die slaviscken Alphabete. 

Wie oben erwähnt wurde, weisen die altkirehenslav. Denkmäler 
eine zweifache Schrift auf: sie sind teils glagolitisch, teils cyril¬ 
lisch geschrieben. Auf kroatischem Boden, wohin die Glagolica 
frühzeitig verpflanzt wurde (wahrscheinlich schon zu Lebzeiten der 
beiden Slavenapostel oder wenigstens Methods), nahm sie unter dem 
Einflüsse der lateinischen Schrift (der sog. gotischen oder Mönehs- 
schrift) im Laufe der Zeit mehr eckige Formen an (ganz aus¬ 
geprägt etwa seit dem XIII. Jahrh.). Das ist die kroatische oder 
eckige Glagolica. In der folgenden Schrifttafel sollen zunächst 
beide Alphabete zur Darstellung kommen mit der entsprechenden 
lautlichen und numerischen Geltung und zwar auch mit der kroati¬ 
schen Glagolica. Im Gegensätze zu dieser nennt man die runde 
auch bulgarisch. Diese hat auch die ganz runde Form erst im 
Laufe der Zeit angenommen und zwar vor allem wohl unter dem 
Einflüsse der griechischen Minuskel. Solchen ganz ausgeprägt 
runden Charakter zeigt die Schrift des Assem. Die ursprüngliche 
Glagolica war noch nicht so weit. Auf ihre Beschaffenheit kann 
man z. B. aus den Kiever Blättern schließen. 


Bulgarische 

Glagolica 

Kroatische 

Glagolica 

Zahl¬ 

wert 

Cyrillica 

Zahl- 

wert 

Lautwert 


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Y o n d r ak, Altkirclienslavische Grammatik. 2. Aufl. 4 








50 


Die slaviseken Alphabete. 


Bulgarische 

Glagolica 

Kroatische 

Glagolica 

Zahl¬ 

wert 

Cyrillica 

: 

Zahl¬ 

wert 


Lautwert 

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franz. z (tönendes d. s) 

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800 


— 

St (d. — seht) 

w 

3/ 

900 

4 

900 

c (deutsch z) 


Ä 

1000 

H 

90 

*(= 

= d. tsch , eng. ch 

Ui 

Ul 

_ 

lii 

_ 

*(= 

in church ) 

= d. sch) 

*9 

ffl, T 

_ 

T* 

_ 

* ) 

| s. weiter unten 
> hei diesen 

*98, «9Y 

*9 

ffl, T 

— 

TiU (TU), TsJ 
k 

— 

y 1 

1) ( 

A 

a 

(800?) 


— 

S i 

| Lauten 

V 

ID 

— 

K> 

— 

y« 1 ) 

— 

— 

— 

1 ® 

— 

ja 



*) Nach Fortunatov wurde dieser Laut etwa wie ii ausgesprochen, allein 
damit Bteht im Widerspruche die Tatsache, daß in den aksl. Denkm. k> mit ey 
nach weichen Konsonanten wechseln, vgl. im Mar. nkHAs«y Mat. 20.13 und 
rrfcn*3oy ib. 20. 2 gegen ntxA3K ib. 20. 9, im Zogr. b. n-kxAsoy Mat. 20. 2 und 13 
gegen nkNAsie ib. 20. 9. Und analoge Fälle sind nicht selten, was doch für 
» =ju ganz deutlich spricht. 







Die slavisohen Alphabete. 


51 


Bulgarische 

Glagolica 

Kroatische 

Glagolica 

Zahl¬ 

wert 

Oyrillica 

Zahl¬ 

wert 

Lautwert 

— 

— 

— 

ie 

— 

J e 

•£ 

— 

— 

A j äj A 

900 

$ franz. in in fin 


— 

— 

w 

— 

q ( 0 ), franz. on in Ion 


— 

— 

bft 

— 

M 


— 

— 

BK 

— 

j<t [jq) 

— 

— 

— 

i 

60 

gr. f [ks) 

— 

— 

— 

t 

700 

gr. ip (ps) 

§■ 

— 

(400) 

V (v) 

400 

gr. v 


Da die Vereinfachung der einzelnen Zeichen nicht im Plane 
des Urhebers des glag. Alphabets lag (im Gegenteil, es wurden 
überall, wo es nur halbwegs möglich war, Schlingen angebracht), 
so kann man nicht annehmen, daß die beiden «-Zeichen s und v 
schon ursprünglich vorhanden gewesen wären. Da noch dazu das 
s kommt, so hätte man drei «'-Zeichen gehabt, was gewiß ein 
großer Luxus gewesen wäre. Wahrscheinlicher ist es, daß ur¬ 
sprünglich nur s und s vorhanden war (entsprechend dem griech. 
i und rj) und daß sieh erst im Laufe der Zeit aus x ein t ent¬ 
wickelte. Das konnte insbesondere vielleicht nach Vokalen der 
Fall gewesen sein, denn da finden wir nicht selten das t und im 
Cyrillischen 1. Es haben sieh dann verschiedene graphische Ge¬ 
pflogenheiten bezüglich der drei «-Zeichen entwickelt, die freilich 
nieht einheitlich sind. In den Kiever Blättern ist r im Auslaut 
beliebt, kann aber auch im Inlaut überall gebraucht werden, x im 
Anlaut (so auch die Konj. x immer so), s wieder vor jotierten 
Silben (nur etwa vier Ausnahmen). Im Zogr. wird x insbesondere 
wieder im Wortanlaut gebraucht, ebenso nach einem Vokal (in 
diesem Falle jedoch auch y), und nach Konsonanten findet man s. 
Im Mar. finden wir im allgemeinen dieselben Normen, nur ist hier 
x seltener als im Zogr., da es insbesondere im Anlaut nicht so 
ausschließlich vorkommt; auch die Konj. h wird meist durch x 
wiedergegeben (Jagic S. 420). Im Glag. Cloz. kommt y am häufigsten 
vor, hauptsächlich aber im In- und Auslaut; x. finden wir meist im 
Anlaut, die Konj. h wird regelrecht so (als s) geschrieben, s steht 
am häufigsten am Wortende und nur ausnahmsweise im Anlaut und 

4* 







52 


Die slavischen Alphabete. 


Inlaut. Wenn zwei «'-Laute aufeinander folgen, wird vs, seltener 
st geschrieben (Verf. S. 27). 

Das cyr. Alphabet, bei dem wir die Tendenz der Vereinfachung 
hei den aus dem Glagolitischen übernommenen Zeichen ganz deutlich 
bemerken, konnte natürlich die ’ drei «'-Zeichen nicht brauchen und 
bildete ans s und v einfach nur i. Später wird es oft auch mit 
zwei Punkten versehen. In cyr. Quellen wird i zumeist naeh einem 
Vokal geschrieben (insbesondere nach einem h) und h nach Kon¬ 
sonanten. 

Da man bei der Transkription der glag. Texte ins Cyrillische, 
die ja bei der Herausgabe derartiger Denkmäler wegen der Un¬ 
bequemlichkeit der glag. Schrift angezeigt ist, alle drei «'-Zeichen 
durch cyrillische nicht ausdrücken kann, so wurde noch ein drittes 
cyr. Zeichen zu diesem Zwecke von Jagic eingeführt, nämlich t für s. 

Über die «-Zeichen als Bestandteile des 'ki wird weiter unten 
gehandelt (Mängel der beiden Alphabete). 

In den aksl. cyr. Denkmälern wird das in der Tabelle angeführte 
t>, mit dem wir das glag..« transkribieren, auch noch nicht ge¬ 
braucht. Es ist, wie wir sehen werden, erst in der bosnischen 
Cyrillica aufgekommen. 

Das o und cyr. w hat keinen von 3 bzw. o verschiedenen laut¬ 
lichen Wert. Das Aufkommen dieser Zeichen war durch das 
grieeh. Alphabet bedingt. 

Das a entspricht dem grieeh. v und wird auch dafür in Fremd¬ 
worten gebraucht. Vollkommen dem grieeh. Vorbilde entsprechend 
erschien es ursprünglich als der zweite Bestandteil des », wie noch 
in den Kiever Blättern nachgewiesen werden kann (vgl. Verf. Glag. 
Cloz. S. 28). Es wird manchmal auch einfach für » gebraucht. Die 
Bestandteile dieses erscheinen als zwei s, aber das ist erst durch 
weitere Veränderungen des zweiten Teiles herbeigeführt worden. 

Was die Namen der beiden Alphabete anbelangt, so weiß man 
nicht, wann und wo sie zuerst aufgetaucht sind. Cyrillisch ist 
natürlich von Cyrill abgeleitet, indem man denselben irgendwo für 
den Urheber der cyr. Schrift hielt. Glagolitisch konnte, wie 
man meinte, auf einem Gebiete entstanden sein, wo der slav. Ritus, 
aber auch der lateinische heimisch war. Das wäre das kroatische 
Gebiet. Da in der aksl. Evangelienübersetzung das Wort rnarona 



Die slavischen Alphabete. 


53 


,er sprach 1 überaus häufig vorkommt, so konnte leicht ein Priester, 
der die Messe in slav. Sprache las, Glagolita d. h. Glagolite, nament¬ 
lich von den Anhängern des lat. Ritus genannt werden. Was damit 
zusammenhing, wie insbesondere die Schrift, konnte dann mit 
glagolitisch 1 benannt werden 1 ). Es liegen aber Anzeichen vor, 
daß die glag. Schrift — wenigstens auf einem anderen Gebiete — 
auch noch anders genannt wurde, nämlich kyrillisch 1 . Dieses 
Zeugnis haben wir von üpir Liehyj, der 1047 eine Abschrift der 
Propheten besorgte und folgendes schrieb: caüba Tent rocno,a,H 

. . . HKO CHOAOKH MA HanHCUTH KHHTH CH HCKOlfpHAOKHlVli 

khh3c>y baoahmhpoy. Es ist allerdings in späteren Abschriften 
(XY.—XVI. Jahrh.) erhalten. Daß man hier die Schrift eigens 
bezeichnet, deutet an, daß sie damals auf russ. Gebiet schon un¬ 
gewöhnlich war und das könnte von der Glagolica in Rußland, 
von der sich dort in der älteren Zeit auch noch andere Spuren 
zeigen, gelten (vgl. DopeKÜ und HeBoerpyemE,: OnncaHie e.iaB. pyico- 
nneen mockobckoh eHHosaabHoä önöxHOTeKH. I. MocKBa 1855, S. 112 f.). 
Das würde auch dafür sprechen, daß die Glagolica die ältere 
Schrift ist. 

Wir haben tatsächlich auch mehrere Gründe, die für die Prio¬ 
rität der glag. Schrift sprechen und die es mehr als wahrscheinlich 
machen, daß es eben jene Schrift war, deren sich die beiden 
Slavenapostel bedienten und zwar: 

1. sind es die mährisch-pannonischen Traditionen. In 
Mähren und Pannonien muß die älteste und ursprüngliche Schrift, 
deren sich die beiden Slavenapostel bedienten, bei ihrer dortigen 
Tätigkeit auch im Gebrauch gewesen sein, da sie ja hier zuerst 
wirkten. Nun haben wir gewisse Traditionen, die gerade an diese 
Tätigkeit ankntipfen und auch bezüglich der Schrift nach Mähren, 
noch mehr aber nach Pannonien hinweisen und für einen dortigen 
Gebrauch eben der glag. Schrift sprechen. 

Eine solche Tradition ist: 

a) der althergebrachte Gebrauch der glag. Schrift auf kroat. 
Gebiet, der hier schon seit der ältesten Zeit konstatiert werden 

i) Auf kroat. Boden konnte Tkalcic das Wort bis ins XIV. Jahrh., aber 
■weiter nicht, verfolgen. 



54 


Die slavischen Alphabete. 


kann (Glag. Cloz., die Wiener Blätter) und der sich bis auf den 
heutigen Tag, wenn auch jetzt in sehr bescheidenen Grenzen, er¬ 
halten hat: Kontinuität der glag. Schrift auf kroat. Gebiet 
in Istrien und Dalmatien. Daß der Gebrauch der Glagolica 
in diese Gegenden yom Norden (Mähren, besonders aber Pannonien) 
kam, werden wir aus dem bei b) angeführten ersehen. 

b) Es gibt einzelne glag. Denkmäler, die ursprünglich nur in 
Mähren bzw. Pannonien entstanden sein konnten, die dann im 
Süden zur Abschrift kamen, in denen sich aber ganz deutliche 
Spuren aus dem Norden erhalten haben. Hierher gehören die Kiever 
Blätter, die ursprünglich nur in Pannonien entstanden sein konnten 
(vgl. oben S. 29), dann die Wiener Blätter, die mit den Kievern ver¬ 
wandt sind und eine gleiche Terminologie aufweisen. Die Wiener 
Blätter kamen ganz bestimmt auf kroat. Boden zur Abschrift, bei 
den Kiever Blättern ist es auch wahrscheinlich, daß sie auf serbo- 
kroat. Boden oder wenigstens in seiner Nähe abgeschrieben wurden. 

c) Nur in den glag. Denkmälern kommen Bohemismen häufiger 
vor, ein Beweis, daß diese Schrift eben im großmährischen Reiche 
im Gebrauche war, denn von dort sind die Jünger Methode, unter 
denen auch nur dort Böhmen bzw. Mährer in größerer Zahl vor¬ 
handen sein konnten, vertrieben worden und nach dem Süden ge¬ 
raten, wo dann die Bohemismen durch ihre Beteiligung an litera¬ 
rischen Arbeiten in die glag. Denkmäler, die einfach als eine 
Fortsetzung ihrer Tätigkeit im Norden erscheinen, geraten sind. 
So insbesondere im Mar., Cloz., Psalt. sin. und in den Kiever 
Blättern (vgl. oben S. 13). Andere nehmen an, daß die Bohemismen 
schon in Mähren in die Denkmäler geraten sind und dann einfach 
hei der Abschrift im Süden erhalten blieben. Auch aus dieser 
Erklärung würde die Priorität der glag. Schrift resultieren. 

2. Für die Priorität der Glagolica sprechen die glag. Denk¬ 
mäler selbst in ihrem Verhältnisse zu den cyrillischen und 
zwar zeigen sie: 

a) ein älteres Stadium der Sprache als die cyrillischen, wie wir 
sahen. Insbesondere gilt es von Zogr., Mar., Cloz., Psalt. sin. im 
Gegensätze zum Supr. und selbst auch der Sav. kn. Das sehen 
wir auf dem Gebiete der Lautlehre (so ist z. B. das sog. epenth. I 
in den glag. Denkmälern häufiger als in den eyr., sc häufiger als 



Die slavisehen Alphabete. 


55 


in cyr., wo st in der oben angegebenen Stellung vorherrscht, nur 
in der Sav. kn. ist auch sc noch erhalten); auf dem Gebiete der 
Deklination und Konjugation (der Einfluß der «-Stämme auf die 
o-Stämme ist in den cyr. Denkmälern schon bedeutend intensiver 
als in den glag. Der einfache oder starke Aorist und der «-Aorist 
— Aorist ohne Bindevokal — ist nur in den glag. Denkmälern 
zahlreicher anzutreffen und noch andere Eigentümlichkeiten, die 
wir oben anführten). Auch auf dem Gebiete des Lexikons haben 
sieh in den glag. Denkmälern einzelne Ausdrücke erhalten, die 
dann in den cyr. nicht mehr Vorkommen oder seltener werden, 
Z. B. Hf C'kTKOpHTH, leTfpTi, HHO- USW. 

b) Die glag. Denkmäler sind nicht selten mit zahlreichen cyr. 
Notizen, die einzelne Lektionen für bestimmte Tage angeben und 
aus späterer Zeit stammen, versehen, woraus folgt, daß die glag. 
Schrift zwar noch gelesen wurde, daß aber die Cyrillica doch sehon 
geläufiger war. Vgl. auch das oben S. 17 über Zogr. b gesagte. 

c) Wir haben Palimpseste, bei denen die untere, getilgte Schrift 
glagolitisch, die neu aufgetragene cyrillisch ist, z. B. das Palim- 
psest von Bojana (oben S. 43—44). 

d) In einzelnen cyr. Denkmälern finden wir glag. Buchstaben, 
Worte, ja ganze Partien sind hier glagolitisch geschrieben, was 
durch die Voraussetzung einer älteren glag. Vorlage erklärt werden 
kann. So im Ap. von Ochrida, im Ps. v. Bologna (bei Jagic S. 467 
und Faks. Nr. VI), im Eugeniuspsalter, in den Gregoriusreden. 

3. Für das höhere Alter spricht die Beschaffenheit des glag. 
Alphabets selbst und einzelner Buchstaben darin, insbesondere 
auch in ihrem Verhältnisse zu den entsprechenden cyrillischen. 
Hier ist namentlich hervorzuheben: 

a) der Zahlwert des glag. Alphabets. Die Eeihenfolge der 
Buchstaben wird durch ihren Zahlwert bestimmt. Wenn nun im 
glag. Alphabet [die Buchstaben a, b, v, ff, d, e, z usw. mit dem 
Zahlwerte 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 usw. aufeinander folgen, im cyr. da¬ 
gegen nur die aus dem Griech. genommenen Buchstaben auch den 
griech. Zahlwert, dagegen die neuen speziell slav. Buchstaben keinen 
Zahlwert haben, so folgt daraus, daß das glag. Alphabet älter ist, 
denn hätte man das glag. Alphabet erst nach dem cyr. zusammen- 



56 


Die slavischen Alphabete. 


gestellt 1 ), so hätte es kaum jemandem eiafallen können, die Buch¬ 
staben so zu ordnen, daß sie einen anderen Zahlwert, also eine 
andere Aufeinanderfolge erlangt hätten als im Cyrillischen. Er 
hätte vielmehr die neuen slav. Buchstaben, die auch im Cyrillischen 
keinen Zahlwert hatten, zum Schlüsse des Alphabets angereiht. 
Der Urheber des glag. Alphabets hat zwar die Aufeinanderfolge 
des griech. Alphabets zur Grundlage genommen, hat aber die slav. 
Laute nach ihrer Verwandtschaft zu den Lauten des griech. Alpha¬ 
bets eingeschaltet. So folgen aufeinander i, dz, z (als 7, 8, 9); 
dann s und ive, fiir g, das offenbar ein dem j verwandter Laut war, 
ebenso c und 6 und beiden Lauten geht st vorher (als 800, 900, 
1000), nur bei s blieb er ganz abhängig vom Grieeh. (er hat auch 
r, $, t als 100, 200 und 300, während er hier vor oder nach dem 
s das slav. s hätte einschalten sollen) 2 ). 

b) Viele der slav. Buchstaben im cyr. Alphabete erscheinen als 
vereinfachte Formen der betreffenden glag. Buchstaben: so daß Tv 
und k sind aus den entsprechenden glag. Zeichen für die Halb¬ 
vokale entstanden und zwar erst dann, als sie so geschrieben 
wurden, daß die obere Schlinge nach links, die untere nach rechts 
blickte, wodurch die Grundgestalt an einen Achter erinnerte: *>,■%, 
während ursprünglich beide Schlingen nach links blickten: s, -a. 
Das eyr. w ist nur auf Grund des glag. w zu verstehen, ebenso ist 
>k aus ss, v (dann m) aus 9, die Modifikation des k als k konnte auch 
durch das glag. e beeinflußt sein. Das tu wurde einfach unverändert 
herübergenommen und zwar erst dann, als es schon im Glag. den 
ganzen Zeilenraum in Anspruch nahm, während es ihn ursprünglich 
nur zur Hälfte oben ausfüllte. 

c) Die glag. Schrift hatte ursprünglich nur ein Zeichen für <? 
und je nämlich oe; der erste Bestandteil ist ein e (a), der zweite 

*) Die Abhängigkeit des einen Alphabets vom andern muß unbedingt zu¬ 
gegeben werden, insbesondere auch wegen ui. 

2 ) Wahrscheinlich ist diese Reihenfolge auf den Einfluß des hebräischen 
(und samaritanischen) Alphabets zurückzuführen, wo wir Tzade, Khuph, 
Resch und Schin haben. Die beiden mittleren Buchstaben waren schon 
nach der Folge des griech. Alphabets eingeschaltet, so daß Tzade und Schin 
Zusammenkommen Iß ist wohl gewiß aus dem sam. Alphabet, c wahrscheinlich 
aus dem hebr. entlehnt, c wurde als verwandter Laut zwischen beide ein¬ 
geschaltet. Vgl. Verf. AfslPhil. XVIII. 552 und XIX. 180). 



Die slavischen Alphabete. 


57 


ist offenbar der Träger der Nasalität, der Lautwert des Zeichens 
ist also eigentlich nur ein <?• Auf diesem Standpunkte stehen die 
Kiever Blätter, das Psalt. sin. und das Evang. aehridanum. Später 
half man sieh dadurch, daß man das Zeichen spaltete und durch 
den zweiten Bestandteil drückte man ein $ und dureh das ganze 
alte Zeichen dagegen das jq aus. Die glag. Schrift hat sich also 
hier aus sich selbst ohne Zuhilfenahme cyr. Zeiehen weiter ent¬ 
wickelt. Anders im cyr. Alphabet. Hier wählte man neben dem 
a auch noch das a (so in der Sav. kn.) und a (allgemeiner ge¬ 
bräuchlich), das jedenfalls nur ein vereinfachtes a ist (man wollte 
offenbar das Zusammenfließen des Buchstabens vermeiden). Nun 
ist letzteres Zeiehen das auch im Giag. (allerdings für einen an¬ 
deren Laut) vorkommende. Mau entschied sieh dafür, weil es als 
eine Variation des a erschien und nahm hier also die Hälfe des 
glag. Alphabets in Anspruch 1 ). 

d) Im glag. Alphabet haben wir noch einige Zeichen, die nach 
links blicken: a, 3, s, ■%, was noch an die Schreibweise von rechts 
nach links erinnert und für eine Beeinflussung seitens der orienta¬ 
lischen Alphabete bei gewissen Buchstaben spricht. 

4. Historische Zeugnisse. In der Vita Const. wird berichtet, 
daß Constantin ein Alphabet vor dem Antritte seiner Mission nach 
Mähren zu diesem Zwecke zusammengestellt hat: h aehe caojkh 
I 1HCMEHA H NAHETk UHCATH £VArT£AUCK<Mf (cap. XIV). 

Nach der Vita Methodii betet Constantin zu Gott und da offenbarte 
er ihm das slav. Alphabet: Toy hbh gu $HAOco$oy cao- 

RlCHKCK’KI KHHT'U H ABHt6 OtfCTpOHKTi UHCMEHA H KfCS^Otf 

cTvCTAEAk uoyTH ca ht”k MopuBJiCKAro . . . (cap. V). Wenn es 
sich um die cyr. Schrift gehandelt hätte, so hätte man hier nicht 
so viel Wesens daraus machen können. So wird auch in anderen 
Quellen von Cyrills Schrift als von einer neuen gesprochen. 

Ursprung des glag. Alphabets. Wenn wir nun nach dem 
Früheren zum Schlüsse gekommen sind, daß die glag. Schrift die 
ältere und zwar speziell jene sei, deren sich die beiden Slaven- 
apostel bedienten, so entsteht die weitere Frage, woher sie diese 
Schrift hatten. Wir haben uns zwar zum Schlüsse auf die histo- 


*) Später bildete man nach k> auch m. — jt; und * war dann — ?. 



58 


Die slavischen Alphabete. 


rischen Nachrichten berufen, wonach Gonstantin vor dem Antritte 
seiner Mission nach Mähren ein Alphabet zu diesem Zwecke zu¬ 
sammengestellt habe. Allein diese Nachrichten werden nicht immer 
so aufgefaßt. Manche meinten, er habe bei den Slaven schon eine 
Schrift vorgefunden und habe sie nur etwa stilisiert. Miklosich 
war der Ansicht, die Erfindung eines Alphabets durch ein Indi¬ 
viduum hätte etwas in hohem Grade Unwahrscheinliches. Und 
doch bezeugt uns der Mönch Chrabr ganz unzweideutig, daß die 
Slaven als Heiden keine Buchstabenschrift hatten, sondern nach 
Strichen und Einschnitten (Kerben) rechneten und wahrsagten. 
Nach Annahme des Christentums wären sie in der Zwangslage 
gewesen, sich der lat. und griech. Schrift bei ihren Aufzeichnungen 
in slav. Sprache zu bedienen, was natürlich mit großen Schwierig¬ 
keiten verbunden war, da man ja für viele slav. Laute keine ent¬ 
sprechenden Zeichen hatte. Erst Constantin hätte für sie ein 
Alphabet von 38 Buchstaben teils nach der Anordnung des griech. 
Alphabets (wo es sieh um identische Laute handelte), teils im 
Sinne der slav. Sprache zusammengestellt (vgl. Yerf. Kirchenslav. 
Chrestomathie S. 107) >). Da wir sonst auch keine anderen gegen¬ 
teiligen Nachrichten haben, so müssen wir darnach annehmen, daß 
Constantin keine eigene Schrift bei den Slaven vorfand, höchstens 
nur bei jenen im byzant. Reich konnte er vielleicht bemerken, daß 
sie sich hie und da der griech. Schrift, natürlich in beschränktem 
Maße, bedienten. Vielleicht deshalb oder weil ihm als Griechen 
die griech. Schrift näher lag, entschied er sich für die damals ge¬ 
läufige Minuskelschrift, die er entsprechend modifizierte und stili¬ 
sierte. So erhielt er eine Reihe von Buchstaben für das slav. 
Alphabet. Das griech. Alphabet bildete wohl den Grundstock des 
slav., aber damit konnte er nicht auskommen, da das Slav. noch 
eine Reihe von Lauten hatte, für die das Griech. nichts ent¬ 
sprechendes bot. Er mußte sich also auch nach anderen Schriften 
umsehen und da lagen ihm am nächsten die hebräische und sa- 

r j Wie Miklosich verlangen konnte, diese Stelle solle neuerdings unter¬ 
sucht und erforscht werden, oh Chrabr den Slaven Buchstaben abspricht oder 
bloß erzählt, sie hätten dieselben nicht auf Pergamente geschrieben, sondern 
in Holz geschnitten, ist nicht recht begreiflich. In dieser Hinsicht sind ja 
Chrabrs Worte ganz klar. 



Die slavisohen Alphabete. 


59 


maritanische, mit denen er siet auch nach seiner Legende be¬ 
schäftigt hatte. Es ist natürlich nicht leicht, alle jene Zeichen zu 
bestimmen, die orientalischen Ursprungs wären. Daß das m dieses 
Ursprungs sei, kann man wohl als sicher annehmen, trotzdem 
manche Forscher alles nur aus der griech. Schrift ableiten wollen, 
wie das aber anzustellen wäre — namentlich auch bei ui — dar¬ 
über geben sie uns leider keine näheren Auskünfte. Bezüglich des 
in ist zu bemerken, daß es, wie schon hervorgehoben, in der 
ältesten Phase des aksl. Schrifttums nur den oberen halben Zeilen¬ 
raum einnimmt. So wird es in den Kiever Blättern in den Dimen¬ 
sionen des alten ro geschrieben, so erreicht es in der Regel auch 
im Zogr. noch nicht die untere Linie (vgl. z. B. das ui in rhAa.+w« 
in der vierten Zeile auf dem ersten Faks. der Jagieschen Ausgabe), 
häufig auch in den Wiener Blättern, im Psalt. sin. u. a. 

Aus diesen Dimensionen und dieser Lage wird uns auch eher die Ligatur 
w begreiflich, die kaum in dieser Dorm zustande gekommen wäre 1 ), wenn das ui 
gleich ursprünglich bis zur unteren Zeile gereicht hätte. Es ist wahrschein¬ 
lich, daß sie von allem Anfang vorhanden war und daß man das it wegen 
der Erweichung des t als einen eigenen Lant (vgl. die Schreibweise uit» im 
Zogr. nnd in anderen Denkmälern) nicht als einen bloßen Anschluß des s 
an t, wie es wieder später unter dialektischen Einflüssen geschah, auffaßte. 
Die untere Schlinge wäre dann einfach der Schaft des x der griech. Minuskel. 
Es ist fast ausschließlich in Euch, sin. 2 ), häufig im Mar., Psalt. sin., Assem., 
in den Wiener Bl. ausschließlich, fehlt dagegen, wie es scheint, im Zogr. (nur 
in Zogr. b. kommt es vor, hier auch in der gelöschten Schrift z. B. in jqie 
Blatt 46 b), ebenso fehlt es im Cloz. Analog ist es unter den cyr. Denkmälern 
ausschließlich iu der Sav. kn., häufig im Ostr., dagegen ganz selten im Supr. 

Nun wird das uj gerade so auch in den samaritanischen Hand¬ 
schriften geschrieben (vgl. AfslPhil. XVHI, S. 553). Samaritanisch 
könnte auch das o sein, dagegen das !■ hebräisch; nur so würde 
es sieh erklären, daß für einen einfachen Laut der Buchstabe aus 
zwei getrennten Teilen (so in der älteren Glagolica) besteht, was 
wir bei keinem Buchstaben der griech. Minuskelschrift bemerken, 
dagegen wiederholt es sich sonst noch im Hebräischen. Durch 
derartige Entlehnungen und entsprechende Stilisierungen würde es 
sich leichter erklären, daß einzelne Zeichen des glag. Alphabets, 

b In den älteren Denkm. füllt das w den Zeilenraum aus und überragt 
ihn nicht nach unten wie z. B. oft das ¥. 

2 ) Nur zweimal Mer uit : küchoicxiuth/mh 51 a, »T-knsvuiTamiH. 



60 


Die slavischen Alphabete. 


wie oben hervorgehoben wurde, nach links blicken, während die 
Griechen schon im Y. Jahrh. v. Chr. zur rechtsläufigen Schrift 
tibergegangen sind. Die nach links blickenden Zeichen des glag. 
Alphabets sind eine Tatsache, die meines Erachtens nicht genug 
gewürdigt wird. Sonst diente allerdings das griech. Alphabet zum 
Vorbilde. Das sieht man ganz deutlich z. B. bei » = u. Wie das 
grieeh. ov weist das glag. Zeichen ein a = o auf und dann jenen 
Teil, der dem griech. v entspricht und der auch als selbständiges 
Zeichen (im slav. Alphabet als letztes) unter dem Namen Iziea 
erscheint (vgl. Verf. Glag. Cloz. S. 28 — 29 und AfslPhil. 19. 
S. 168—172). 

Das Alter und der Ursprung des glag. Alphabets wurde ver¬ 
schiedenartig beurteilt. Vor Dobrovsky hat sich Gelasius Dobner 
mit dieser Frage beschäftigt und die Priorität des glag. Alphabets 
verteidigt, vornehmlich deshalb, weil dessen rohe, mit keiner an¬ 
deren Schrift tibereinkommenden Züge ein wahrhaft neues Er¬ 
findungswerk anzeigen. Dagegen hätte man im cyr. Alphabet die 
griech. Buchstaben des IX. Jahrh. zu keiner Zeit verkannt. Das 
glag. Alphabet hätte schon zur Zeit des P. Johann VIII. und des 
heil. Method existiert, es hätte das wahre Gepräge des Altertums. 
Mit Reeht wäre demnach Cyrills Alphabet das glag. Das cyr. 
Alphabet wäre später durch das Zutun der graeko-slav. Geistlich¬ 
keit aus Bequemliehkeitsriicksiehten entstanden, das griech. Alphabet 
hätten sie aus der Glagolica vervollständigt. Daher hätte man es 
nicht mit Unrecht aueh ein cyrillisches nennen können. 

Dieser Ansicht trat Jos. Dobrovsky vorzüglich in den Glago- 
litica und in den Institutiones (1822) entgegen. Nach seiner Meinung 
wollte der Urheber der glag. Schrift, ein unbekannter Dalmatiner, 
das cyr. Alphabet abklirzen (in compendium reddere), wobei er 
zwar die Namen der Buchstaben beibehalten, die Züge derselben 
jedoch willkürlich verändert habe. Dieses so veränderte Alphabet 
hätte die Geistlicheit Dalmatiens gleich bei seiner Entstehung zu 
Anfang des XIII. Jahrh., um der mit den eben erfundenen Buch¬ 
staben geschriebenen lat.-slav. Liturgie Ansehen zu verschaffen, 
dem heil. Hieronymus (f 420) als Erfinder zugeschrieben, welcher 
zu Strido in Dalmatien geboren, nach ihrer Ansicht ein dalmati¬ 
nischer Slave war (Inst. 5). In einer früheren Epoche versetzte 



Die slawischen Alphabete. 


61 


Dobrovsky die Erfindung der glag. Schrift in die Zeit zwischen 
1060—1222, da in jener Zeit die Verurteilung des Methodius und 
seiner gothisehen Buchstaben durch das Konzil won Spalato zu 
einer solchen Erfindung Veranlassung gegeben habe (Glag. Cloz. 
III. XIII). Bei der Erfindung der Schrift hätten die lat. Glagoliten 
die Absicht gehabt, durch den Gebrauch dieser Schrift in den 
liturgischen Büchern das Volk von den griech. Slawen getrennt zu 
halten; sie hätten, da diese sich mit dem heil. Cyrill als Urheber 
ihres Alphabets rühmten, den heil. Hieronymus zum Erfinder des 
ihrigen gemacht, um dem Nationalstolze der Dalmatiner zu schmei¬ 
cheln (Glag. 33, 2. Aufl. 28). Als Dobrovsky die größere Voll¬ 
ständigkeit des älteren glag. Alphabets im Cod. Assem. bemerkte, 
meinte er, der Schreiber der genannten Handschrift habe den cyr. 
Cod. viel genauer umgestaltet (longe aecuratius codicem cyrillicum 
transformasse in glagolitieum . . . Inst. 689). 

B. Kopitar, der früher Dobrovkys Ansicht teilte (Grammatik 
XXIV, Wien. Jahrb. 1823), sah sich durch den Cloz. bestimmt, 
diese Ansicht zu ändern. Er kam zur Überzeugung, daß das glag. 
Alphabet, wenn nicht älter, doch wenigstens ebenso alt wie das 
cyr. wäre (Glag. Cloz. IV, Slav. Bibi. I 72). Zu der Überzeugung 
aber, daß das glag. Alphabet älter wäre als das cyr., konnte er 
sieh noch nicht emporarbeiten. Das gelang erst nach vieler Mühe 
P. J. Safarik in seiner denkwürdigen Schrift: Über den Ursprung 
und die Heimath des Glagolitismus. Prag 1858. Im selben Jahre 
schrieb auch P. Miklosich seinen bekannten Artikel »Glagolitisch« 
in Erseh-Grubers Allgem. Encyklopädie der Wissenscb. u. Künste. 
Erste Sect. 1858. S. 403—422. Er kommt hier auch zum Schlüsse, 
daß die glag. Schrift die ältere sei, und führt dafür zehn Gründe 
an, von denen wir jedoch die meisten schon bei Safarik finden 
(Miklosich kannte seine Schrift und führte sie auch unter den 
Quellen an). 

Um zu zeigen, auf welch solider Basis Safarik und nach ihm Miklosich 
baute, wollen wir sie hier anführen: 1. Manche glag. Buchstabenformen er¬ 
scheinen als die ursprünglichen, die den cyrillischen zugrunde gelegen haben: 
am auffallendsten wäre es bei s, dann K, ss, p> und es gelte wohl auch von 
anderen (vgl. Saf. S. 8, Nr. 17). 2. Mehrere glag. Buchstaben stehen nach der 
linken Hand offen, während die cyr., goth., lat. sich rechts wenden; jene links 
gewandten scheinen noch aus dem früheren Gebrauch von der rechten nach 



62 


Die slavisehen Alphabete. 


der linken zu schreiben übrig geblieben zu sein; nach J. Grimm gehören hier¬ 
her die Buchstaben 9, gewiß 9. Doch meint Miklosich, jene Richtung deute 
auf die altgriech. Art zu schreiben, an die phönikisehe wäre nicht zu denken. 
Nun haben wir aber oben hervorgehoben, daß die Griechen schon im Y. Jahrh. 
vor Chr. zur reehtsläufigen Schrift übergegangen sind, so daß Miklosichs An¬ 
sicht nicht stichhaltig ist. 3. Die glag. Buchstaben haben den aus ihrer eigen¬ 
tümlichen Ordnung sich ergebenden Zahlenwert, während der Zahlwert der 
cyr. Buchstaben von dem der entsprechenden grieeh. Buchstaben nicht ab¬ 
weicht, was nur dann begreiflich ist, wenn man von der Priorität der glag. 
Schrift ausgehe. Das glag. Alphabet brauche kein bloßes Zahlzeichen, die 
Buchstaben sind zur Bezeichnung aller Zahlen ausreichend; das cyr. hingegen 
hat zur Bezeichnung der Zahl 90 ein dem grieeh. Episemon xonna ähnliches 
Zeichen, für 900 einen Buchstaben angewendet, welcher mit dem Episemon 
aaunl Ähnlichkeit hat. Ausnahmsweise wird, vorzüglich in gewissen Gegen¬ 
den, Einfluß der glag. Zahlenbezeichnnngsweise auch im Cyr. wahrgenommen; 
so z. B. findet man den Bnchstaben a statt h für 50; h statt » für 70; u, statt 
a für 900, u statt a mit dem diakritischen Zeichen für 1000, dagegen finde 
sich in glag. Denkmälern nie die cyr. Art [die Zahlen zu bezeichnen (vgl. 
Saf. S. 8, Nr. 16). 4. Das koptische Alphabet besteht ans zweierlei Bestand¬ 
teilen, aus den grieeh. Buchstaben und ans einigen aus der älteren ägyptischen 
Schrift entlehnten Zeichen; denn die letzten sechs Bnchstaben dieses Alpha¬ 
bets, welche Laute bezeichnen, die die grieeh. Sprache entweder gar nicht besaß 
oder doch seit der christlichen Aera nicht mehr durch die Schrift auszudrücken 
pflegte, sind aus der älteren ägypt. Schrift herübergenommen, wo sie sieh doch 
großenteils deutlich wahrnehmen lassen. M. G. Schwartze, Kopt. Gramm. 
(Berlin 1850. S. 50). Dasselbe tat TJlfilas, welcher mit den grieeh. Buchstaben 
drei ans dem sog. Rnnenalphabete erborgte Zeichen verband (Gramm, der 
goth. Sprache v. Gabelentz n. Lobe, Leipzig 1846, S. 13) i). In beiden Alpha¬ 
beten, im kopt. und im goth., werden zu fremden grieeh. Buchstaben für die 
der grieeh. Sprache fehlenden Laute Zeichen des älteren einheimischen Alpha¬ 
bets gefügt; dasselbe gelte auch vom cyrillischen, auch Mer wären mit den 
grieeh. Buchstaben ältere einheimische Zeichen zu einem ganzen verknüpft 
worden. 5. Man finde eine nicht unbeträchtliche Anzahl von cyr. Hss., welche 
ans glag. ahgesohrieben worden wären: einzelne glag. Buchstaben oder ganze 
Stellen mit glag. Schrift (Saf. S. 7. 15). 6. Palimpseste mit getilgter glag. 
Schrift (Saf. S. 7.14). 7. Glag. Denkmäler enthalten ältere Wörter und gram- 
mat. Formen, Aoriste usw. (Saf. S. 9. 20). 8. Die glag. Denkmäler enthalten 
eine nicht geringe Anzahl von Wörtern, die wohl nur in der Sprache der 
Slovenen Pannoniens begreiflich wären, die man dahei Pannonismen nennen 
mag. Es sind dieselben Wörter, welche man für denjSatz anführte, daß das 
Aksl. (Aslov.) der ältesten^Kirchenbücher ursprüglich die Sprache der pannon. 
Slovenen gewesen wäre (Saf. S. 9.19). 9. Die Schüler des Method wandern 
naeh dem Süden und mit ihnen ihre Schrift. Wäre es denkbar, daß, wenn 
diese erste slav. Schrift cyrillisch wäre, nach derselben die glagolitische 


J ) Jetzt denkt man allerdings anders über die Sache. 



Die sUmsehen Alphabete. 


63 


angenommen worden wäre? Dagegen wäre es nicht nur leicht möglich, son¬ 
dern sogar ganz natürlich, daß namentlich in den dem griechischen Einflüsse 
offenen Hämusländern bei Leuten, die mehr oder weniger griechisch gebildet 
waren, die glag. Schrift durch die cyrillische als für den des griech. Alpha¬ 
bets Kundigen deutlichere verdrängt wurde. Diese Keform wurde dem heil. 
Clemens (+ 916) ungeschrieben {ähnlich Saf. S. 10—11, Kr. 23). 10. Die glag. 
Denkmäler enthalten zahlreiche Übersetzungsfehler, die in den cyr. Abschriften 
immer seltener werden. Der erste Übersetzer verwechselt x*l$ av mit 

mit oSols , ysveci mit yisvva, kxxXrjaiai mit ixxXslaai, ihm bedeutet näyos 
glacies nicht collis {Saf. S. 11, Nr. 25; wir haben oben gehört, wie diese Ver¬ 
wechslungen aufzufassen sind). 

Miklosich wendet sich schließlich gegen Safariks Erklärung des 
glag. Alphabets, nach welcher Constantin dasselbe aus allen mög¬ 
lichen orientalischen Schriften zusammengestoppelt hätte. 

SV, Nr. 13, sagt nämlich Safafik: Der Urheber der Glagolioa war ein schrift- 
kundiger Orientalist. Er schöpfte aus dem Phönicischen und Hebräisch- 
Samaritanischen die Buchstaben Aleph +. He 3, Jod m, Tsade ■v, Koph i- 
und Sehin lll. Vielleicht auch noch andere: namentlich scheint das C mit dem 
phönicischen {cylicische Spezies), althebräisehen, aramäischen und palmyra- 
nischen identisch zu sein, nur gewendet und oben mit einem Strich vermehrt. 
Möglich, daß er auch einige Figuren mit Änderung der Geltung herübernahm, 
wie etwa das Tvri,do m> ans dem Äthiopischen. Das -r soll nach Astle alt- 
gallisch sein. Die vielen Schlingen und Hinge sind eine, vielleicht dem Äthio¬ 
pischen nachgebildete Ausschmückung, wodurch der Ursprung vieler Buch¬ 
staben verdeckt wird, z. B. Sh, ä, w, vgl. gr. V V, lat. u .... — nun, ein 
solcher schriftkundiger Orientalist, wie der Erfinder des glag. Alphabets sich 
kund gibt, war der Grammatiker (philosophus) Constantin, der Erklärer der 
Salomonischen Inschrift, der Sendbote zu den Saracenen und Kbazaren, der 
Bekämpfer der Juden usw.« 

So weit darf man wohl kaum gehen; orientalische Elemente 
sind wohl im glag. Alphabete vorhanden, aber nur in einem be¬ 
schränkten Maße. So faßt die Sache auch V. Jagic auf. Er 
verwirft MiklosiehB Annahme von einem vorcyrillischen Alphabet 
und hält es in diesem Punkte eher mit Safarik und den positiv 
lautenden Nachrichten der Legenden. Gegen Miklosich, der an der 
Theorie festhielt, »daß die von den Gegnern aufgestellte Behaup¬ 
tung einer eigentlichen Erfindung durch den heil. Cyrillus mit den 
Ergebnissen der paläographischen Wissenschaft nicht in Einklang 
gebracht werden kann», meinte er: »Dieses Bedenken könnte nur 
dann in unserem Falle geltend gemacht werden, wenn man das 
glag. Alphabet als etwas ganz Neues hinstellen wollte, wenn man 



64 


Die slavischen Alphabete. 


es aber als eia eigenartig stilisiertes griech. Minuskelalphabet be¬ 
zeichnet, vielleicht mit Benutzung einiger Zeichen aus dem Hebräi¬ 
schen oder Samaritanischen (das ist die Ansicht Yondräks) — dann 
hört das Absonderliche des Falles auf, dann nimmt Cyrill nur eine 
etwas höhere Stellung ein, als etwa Hus oder Gaj, oder als die 
Beformatoren des eyr. Alphabets unter Peter dem Großen < (Zur 
Entstehungsgesch. der ksl. Sprache. 2. Hälfte. 1900, S. 28) *). Eine 
eigene Theorie hat L. Geitier aufgestellt: die Glagolica basiere 
auf einer altalbanesisehen einheimischen Schrift (Die alban. u. slav. 
Schriften, Wien 1883). Einen analogen Gedanken hat übrigens 
schon früher Miklosich selbst ausgesprochen (vgl. bei Jagic 1. e. 
S. 28). Daß diese Ansicht unhaltbar ist, zeigte Jagic (AfslPhil. 7, 
S. 444). Noch andere Ansichten, die Uber das glag. Alphabet vor¬ 
gebracht wurden, findet man bei Jagic in der oben erwähnten 
Schrift. Hier kann nur noch erwähnt werden, daß auch Leskien 
das glag. Alphabet ausschließlich nur aus der griech. Schrift er¬ 
klären will. In seinem Handbuche (S. 3) bemerkt er allerdings, 
der Ursprung der neuen Zeichen, die dem Griech. fehlen, stehe 
nicht fest. 

Ursprung des cyrillischen Alphabets. Wie aus dem 
Vorhergehenden hervorgeht, ist im cyr. Alphabet die griech. litur¬ 
gische Uncialschrift zu suchen und zwar hat man das ganze griech. 
Alphabet genommen also auch mit den Episemen, welche im slav. 
Alphabete die Geltung selbständiger Buchstaben erhielten oder 
wenigstens die Form der neuen Buchstaben beeinflußten oder 
schließlich auch nur als Zahlen fungierten. Der numerische Wert 
aller dieser Zeichen blieb im Slav. so, wie er im Griech. war. 
Andere griech. Laute, die der Blav. Sprache fremd waren, wurden 
wenigstens für die numerische Geltung und für den Gebrauch in 
Fremdworten behalten ( cp , |, ip, 0, v). Das Episemon Bav wurde 
mit dem numerischen Werte 6, später auch als Zeichen für dz 
(glag. ft) aufgenommen. Koppa, das im Griech. in zwei Grund¬ 
formen belegt werden kann, blieb als Zahlzeichen (für 90), konnte 

’) In seiner »Hctojüs caan. Muto-ioriE« S. 894 unterscheidet er zwei Gruppen 
unter den Erforschern der glag. Schrift, was nicht genau ist. Zu der ersteren, 
die nur von der griech. Minuskel ausgehe, rechnet er hier auch sich. In der 
zweiten sind die Vertreter verschiedener Systeme zusammengeworfen. 



Die slavisehen Alphabete. 


65 


aber vielleicht auch einen gewissen Einfluß auf die Entstehung der 
neuen cyr. Zeichen v und h für 6 und c (so in den älteren Denkm. 
z. B. im Supr.) aus glag. « (und event. v?) austtben. Später wurde 
statt des Koppa flir 90 immer das 6 genommen, während u, unter 
dem Einflüsse des Glag. auch 900 ausdriicken konnte. Das Sampi 
gab wohl im Vereine mit dem glag. a die Anregung zur Bildung 
des a (= e und /<? in der älteren Cyrillica), da ein vereinfachtes 
glag. ae zu einem dem \ ähnlichen Zeichen geführt hätte, das 
man also schon hatte. Daß a mit dem Sampi zusammenhängt, 
beweist auch seine numerische Geltung (900). Nur durch eine 
Beeinflussung von Seiten der glag. Hss. kann, wie schon erwähnt, 
auch n als Zahlzeichen für 900 stehen. Es scheint, daß a auf¬ 
kam, als es im Glag. nur ein ac und noch nicht ein « neben ae gab, 
da die älteren cyr. Hss., wie schon erwähnt, zu mannigfachen Aus¬ 
kunftsmitteln griffen, um e und jq zu differenzieren. Mitunter 
nimmt in späteren Denkmälern das a einfach die Form des griech. 
Sampi an. 

Mit den griech. Zeichen kam man aber nicht aus, sondern 
mußte auch noch glag, Zeichen, die vereinfacht wurden, herüber- 
nehmen. Bei e kann neben dem glag. c auch an eine im Griech. 
vorkommende Doublette des b gedacht werden. Sonst gehört 
hierher jk, x, dann insbesondere Tv und k, k> aus jp, das dann 
als Vorbild der Präjotierung diente: zunächst bei ra, dann le und 
zuletzt ia (Jagic AfslPhil. 7, S. 478). Auch das ’S läßt sieh aus 
a ableiten, wenn man die Dreieeklinien, die schon bei a teilweise 
vorhanden waren, ausläßt und die Mittellinie nach oben verlängert. 

Das cyr. Alphabet sollte eine andere Anordnung — entsprechend 
der numerischen Geltung der griech. Zeichen — haben, aber es ist 
bei der Anordnung des glag. geblieben (vgl. z. B. das Alphabet bei 
Banduri und auch die allgemein bekannte Benennung ,Azbuka‘, 
wonach das r = k an zweiter Stelle steht). Man hat auf diese 
Weise ein zweifaches cyr. Alphabet: ein numerisches und ein 
lautliches. 

Es ist nun die Frage, wann und wo die Cyrillica aufgetaucht 
ist. Es ist begreiflich, daß in Gegenden, wo die griech. Schrift 
nicht fremd war und daher zu Vergleichen mit der unbequemen 
Glagolica förmlich herausforderte, sich auch das Bedürfnis nach 

Yondrak, Altkircienslavische Grammatik- 2. AufL. 5 



66 


Die slavischen Alphabete. 


einer bequemeren Sehrift geltend machte. Man dachte an die 
Symeonsche Periode. Symeon gelbst stand auch ganz im Banne 
der grieeh. Kultur. Aber auf einmal wird es wohl nicht gegangen 
sein, denn so manche Hss., die auf Originale aus dieser Periode 
zurückgehen, weisen noch glag. Buchstaben und Worte als Remi- 
niseenzen an diese Zeit auf (vgl. Jevsejev: Kunra npopona ^aniraa. 
1905, S. xxxv). Allmählich ist wohl hier die Glagolica aufgegeben 
worden, dagegen hat sie sich dann in Macedonien länger behauptet. 
Hier scheint sie insbesondere auch von Clemens v. Bulgarien ge¬ 
pflegt worden zu sein. Außerdem auch auf kroat. Boden. 

Bosnische Cyrillica (Bukvica). In den eyr. Denkmälern des 
serb. Schrifttums kann man zwei Typen unterscheiden: den süd¬ 
östlichen und den nordwestlichen oder bosnischen. Für gebrauchen 
die letzteren Denkmäler h oder ft, was offenbar im Zusammenhang 
steht mit dem glag. m 1 ). Statt des ra wird ’S, also wieder nach 
glag. Muster, gebraucht, ebenso s statt je. In bosn. Urkunden fehlt 
das ra, ie bis zum XV. Jahrh. Die bosn. Cyrillica verdankt ihre 
charakteristischen Merkmale dem engeren Anschluß an die Gla- 
golica, die in den westlichen Gegenden und selbst auch in Bosnien 
heimisch war. Die bosn. Cyrillica macht sich dann selbst auch in 
den gedruckten Büchern des XVII. Jahrh. geltend. 

Mängel der beiden Alphabete. Am empfindlichsten zeigt 
sich der Mangel eines selbständigen/-Zeichens. Das glag. Alphabet 
hatte ursprünglich nur für ju ein selbständiges Zeichen und außer¬ 
dem wurde & auch für ja gebraucht, ein Beweis, daß in dem 
Dialekte Constantins & offen war und fast wie/« lautete 2 ). Nach 
Konsonanten diente das jotierte Zeichen als Erweichungszeichen 
des betreffenden Konsonanten, z. B. kujocth. K/\k>,\x (= bl’usti, 
bPudq). Dagegen hatte man im glag. Alphabet kein Zeichen für 
je, sondern gebrauchte a für e und je. Daß im Anlaut immer je 


1 ) Wir finden dieses Zeichen schon in der Kulinschen Urkunde vom 
J. 1189 im Worte gradjam. Später wurde dieses Zeichen auch für 6 gebraucht, 
für das man in unserer Urkunde und sonst noch k findet: Tpsro^KKf, 
noMOKE usw. 

2 ) Mit dem/ö war es aber nicht identisch, wie uns z. B. nhpt = pbrja 
,Zank‘ Zogr. Luc. 22. 24 gegen npk-, nie np-t usw. zeigt. Ebenso z. B. KOH'fc = 
konja Gen. sg., aber N'feK’kTo, n^cme usw. 



Die slavisehen Alphabete. 


67 


ausgesprochen wurde, dafür würden die eyr. Denkmäler sprechen. 
Ebensowenig hatte man ursprünglich ein Zeichen für je, sondern 
gebrauchte oe (= e) für e und/,; (vgl. oben S. 56—57), und für ji im 
Wort- oder Silbenanlaute überhaupt, sondern hatte einfach nur ein 
s, s (— i). Speziell im Wortanlaut wird es also nicht ersichtlich 
gemacht, oh ji oder i zu lesen sei. Leskien erklärt sich diese 
Ungenauigkeit der Orthographie aus dem Umstande, daß es über¬ 
haupt kein silbenanlautendes e, e in der Sprache gab, sondern nur 
ie, ie. Nun hätte e, o auf die vorhergehenden Konsonanten eine 
palatalisierende Wirkung ausgeübt, so daß man es eigentlich als 
ie, {e auffassen kann und es wäre dann begreiflich, daß man a 
(— e) und oe (= q) auch als je , jq im Silbenanlaut gebrauchte. 
Ein reines e hätte es darnach in diesem Dialekte nicht gegeben. 
Nun muß allerdings hervorgehoben werden, daß sich in den eyr. 
Denkmälern frühzeitig das Bestreben geltend macht, zwischen je 
und e und ja und e zu unterscheiden, nach Konsonanten gibt es 
nur ein e. Man müßte also annehmen, daß hier eine Verhärtung 
des 'e zu e und % q zu q stattgefunden habe. Andererseits ist zu 
bedenken, daß selbst in glag. Denkmälern frühzeitig zwischen e 
und jq differenziert wird. Also auch das müßte eigentlich als eine 
spätere Phase aufgefaßt werden, was ja schließlich möglich ist. 
Vgl. aueh Meillet in Gotting, gel. Anz. 1910. Nr. 5, S. 367—368. 
Der Ansatz eines silbenanlautenden ji in) *) wäre ferner mit dem 
eines i bei prononcierter «-Stellung der Organe so gut wie identisch 
und besondere Zeichen wären daher nicht notwendig gewesen. 
Dagegen hätte es silbenanlautendes ju und «, ja, und q, nicht pa¬ 
latale und palatale Konsonanten vor u und q gegeben; u und q 
hätten ihrerseits an sich vorangehende Konsonanten nicht palata- 
lisiert. Hier konnte also, wenn die Schrift nicht ganz unvoll¬ 
kommen bleiben sollte, eine Unterscheidung nicht entbehrt werden, 
daher das v und oc, das allgemein gebraucht wird (AfslPhil. 27. 
1905, S. 166)2). 

4 ) Leskien spricht hier auch noch von einem silbenanlautenden jb (/). 

-) Das w wäre eine direkte Übernahme des griech. io oder eine Verein¬ 
fachung des i ov. In dem ersten Bestandteil des sieht L. ein @ mit dem 
darübergesetzten diakrit. Zeichen durch Verschlingung der beiden Bestand¬ 
teile wäre die überlieferte Form entstanden. Später wäre das Zeichen " als 

5 * 



68 


Die slavischen Alphabete. 


Nicht entsprechend war ferner die Darstellung des y durch s s, 
•ax oder -st, d. h. eines einfachen Lautes durch zwei getrennte 
Buchstaben. Man hat daftir ein Vorbild im grieeh. ov vorgefundeD, 
aber beim glag. » sind die beiden Bestandteile miteinander eng 
verbunden, was bei «9s nicht der Fall ist. Diese Darstellung gab 
insofern auch zu Mißverständnissen die Veranlassung, als man 
meinte, der Laut wäre diphthongisch ausgesprochen worden, was 
natürlich unrichtig ist. Ein anderer Übelstand dieser Darstellung 
ist der, daß man nicht immer unterscheiden kann, wo diese Zeichen 
als y und wo als iv + i bezw. r K -j- ß zu lesen sind. So finden 
wir im Zogr. beim bestimmten Adj. -st und -9* und man kann 
bezüglich des zweiten Zeichens nicht ohne weiteres annehmen, daß 
dadurch ein y ausgedrückt werden soll. 

Wie ursprünglich das Zeichen für y kombiniert wurde, ist nicht 
klar. In den Kicver Blättern wird es regelrecht durch -88 aus¬ 
gedrückt und zwar auchj beim bestimmten Adjektiv, wenn das y 
im Inlaute steht, also z. B. cuiAT'kHjc'K (neunmal), dagegen beim 
bestimmten Adjektiv im Nom. Akk. sg. s°p (also im Auslaute, 
aber nur beim Adjektiv, sonst wieder 'kh, z. B. (ijk’mi IV, 19, 
rp’kjf’UH zweimal u. a.). Spuren einer ähnlichen Orthographie im 
Zogr. b, nur wird hier im Auslaute überhaupt tu geschrieben (vgl. 
Verf. 0 puvodu Kijevskych listu .. . 1904. S. 18—19) 1 ). Im glag. 
mak. Blatte wird regelrecht ’kh im Inlaute und Auslaute ge¬ 
schrieben, nur beim bestimmten Adjektiv, wo T hs-ß einmal vorhan¬ 
den war (bzw. y-ß>), finden wir tu, z. B. 1136, 3Tj.a kix"k 

III 30—31 usw., dagegen cx^kh'kha II 7 usw. (vgl. IIjinskij S. 14). 

Erweiehungszeichen, also eigentlich im selben Sinne wie bei Jq, über pala¬ 
tales n, l, r gesetzt worden. Analog wäre in dem Differenzierungszeichen 
des «8 ein o-Zeichen, in jenem des <8 ein e-Zeichen und in der Grundform 
beider ein i zu suchen. Die Buchstaben se, oe, -93, -9, -9, d. h. die nicht 
durch ein einfaches Zeichen ausgedrückten Vokale wären nach einem ein¬ 
heitlichen Prinzip gebildet; die erste Hälfte enthalte die eigentliche Vokal- 
bezeiehnung, die zweite deren Modifikation. Bei » liege nur die Stilisierung 
der grieeh. Buchstabenverbindnng vor (1. c. S. 167—68). Für Hypothesen der 
verschiedensten Art bleibt hier noch ein weites Feld (vgl. auch bei Scepkin 
Eo.i. ncajii. S. 135 Anm. 1). 

b In den glag. Prager Fragmenten finden wir regelrecht und zwar 
auch beim Adj., ebenso in dem Fragment des Grskovi6 und auf der ersten 
Seite der Kiever Blätter, die erst später geschrieben worden ist. 



Die slaviscben Alphabete. 


69 


Im Zogr. haben wir regelrecht 'ki, aber beim bestimmten Ad¬ 
jektiv kommt überaus häufig Tvi vor, das allerdings nicht als ein¬ 
faches y zu deuten ist, wie wir bei der zusammengesetzten Dekli¬ 
nation sehen werden. Ebenso ist im Mar. regelrecht tu, so daß 
np’SE'kiKdHTf Luc. 10. 7 ein vereinzelter Fall hier ist; das mi bildet 
auch beim Adj. die Regel: upmTKkiy’k Joh. 2. 21; 12.10. 17 usw. 
(Jagic S. 442). Daneben kommen auch noch die unkontrahierten 
Formen mit -miH- vor, wo also y wieder als 'ki erscheint. Formen 
mit Tvi kommen hier nicht vor. Auch im Ev. achr. ist regelrecht ki. 
Im Assem. ist wohl mi in der Majorität, daneben kommt aber t»h 
überaus häufig vor; beim bestimmten Adjektiv zeigt sich auch noch 
-TviH-, z. B. MpTvTBTüHjfk Joh. 2. 21; Lue. 24. 26 usw. Dagegen 
ist im Psalt. sin. das mi regelrecht. Desgleichen ist im Euch, 
sin. in Wurzelsilben immer tu (nie ’kh oder w), selbst auch beim 
Adjektiv ist es nicht selten, doch zeigt sich hier ziemlich häufig 
(besonders im Nom. sg. masc.) -’kh und einigemal auch tuh (vgl. 
P. Lang in Zpräva o c. k. real, a v. gymn. v PMbrami. 1888, S. 29), 
Z. B. AHKTj. CT’UH^'k 2a, H 6a USW. 

Formen , wie noßtA'fcB’kH 13a, 13b, 75b, npH£M r kH 13 u. a. können 
anders beurteilt weiden, wie bei den modifizierten Halbvokalen 
erörtert wird. Im Cloz. ist regelrecht u, selbst auch beim Adjektiv 
kommen die Fälle mit non nur vereinzelt vor; achtmal finden wir 
hier Tvi und einmal w (Verf. Cloz. S. 28). 

Da wir oben S. 51 zum Schlüsse kamen, daß v kaum ursprüng¬ 
lich im glag. Alphabete vorhanden war, so ist Mer auch das -st 
wohl erst später aufgekommen und es wäre immerhin möglich, 
daß das hier ursprünglich zur Bezeichnung des y diente. Als 
man dann ein vereinfachtes t erhielt, war es wie geschaffen, das 
y-Z eichen statt s zu komplexeren. Wie sonst die Verteilung ur¬ 
sprünglich war, ist auf Grund des vorhandenen Materials schwer 
zu ermitteln. 

Diese Mängel übernahm zunächst auch das cyr. Alphabet. Es 
hatte ursprünglich auch nur ein » für ju, möglicherweise bk. fttr/<? 
und ’K für ja, z. B. boa'K Sav. kn. Mat. 18. 13, so regelrecht nach 
a, nach h: HcriAkH-tA ca 144b (Scepkin, Pascya:^ S. 272 — 273, 
nach p schwankt der Gebrauch, S. 275, weiter la m k und ’KM'k und 
noch einige andere; bei letzterem Verbum 28 mit ra und noch 9 



70 


Die slavischen Alphabete. 


mit fc, Snpr. schreibt sie auch noch mit H:, desgleichen Ostr.), im 
Supr. Edp-SierTv 284. 24 neben np'k,\ r KKapat€T'b. ib. 22 u. a. Bei 
jq und e mußte man sich schon verschiedenartig behelfen (vgl. oben 
S. 57). Erst später wurde nach to und m, auch ra neben a, le neben 
t und ein iav neben a gebildet. Undolskijs Blätter kennen das 
le noch nicht, auf den Blättern von Chilandar kommt es nur zwei¬ 
mal vor: npoMfie II Aa 10, h an tum eh nie II Bb 20, sonst nur e: 
oyMfHHf, MhTfHHf, ep^u usw. (Kulbakin, S. 15). In der Sav. kn. 
kommt es im Anlaut nur 17 mal und im Inlaut einmal vor (Scepkin, 
S. 32—33), also noch selten. Nur für ji wurde kein neues Zeichen 
geschaffen, sondern es wird h sowohl für i als auch für ji ge¬ 
braucht. Ein eigenes Zeichen (ft) wurde erst viel später im cvr. 
Alphabet geschaffen (für j). 

Das y wird in der Sav. kn. und im Supr. regelrecht durch tu 
ausgedrlickt. Formen wie oyi.rnp'kH 157, K'k3E£A’kH 179, bau- 
jkehtvH 276, iuect'kh 244 u. a. im letzteren sind anders zu be¬ 
urteilen (vgl. bei "k und k), analog wie z. B. oyy,apki ina Zogr. 
Nur ausnahmsweise finden wir hier tu. Ebenso haben wir in 
Undolskijs Ev. Fragment tu, es sind hier aber beide Teile durch 
einen horizontalen Strich miteinander verbunden, wodurch der 
monophthongische Laut angedeutet werden soll. Trotzdem s hier 
nur zweimal vorkommt, taucht hier doch ui einmal auf in ctua 
39, wobei auch der Querstrich angebracht wurde. Ein tu zeigt 
sich auch durchwegs im Ps. v. Sluck. Die Blätter von Chi¬ 
landar weichen schon ab: es wird zwar regelrecht ’M geschrieben, 
aber ebenso regelmäßig kommt beim bestimmten Adjektiv 'kH vor: 
KOTfp'kH, UOpTiCKTvH, EAarOMICTkH'kHJf'k, MHp'kH'kHU'k USW. 

(vgl. Kul’bakin S. 16). 

Das cyr. mak. Blatt, welches nur k kennt, gebraucht natürlich 
auch nur ein tu. Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß später 
auch solche Denkmäler, die ’h. und a noch aufweisen, doch das 
tu vorziehen, so der Pogodiner Ps., der Ps. Norovs, das liturgische 
Menaeum Grigorovics, ein Ev. von Decani u. a. 

Mitunter werden beide Bestandteile, wie wir schon beim Un- 
dolskijschen Fragment sahen, durch einen Querstrich verbunden, 
so noch in dem sehr alten Fragment der Passio s. Condrati, 



Die slavisehen Alphabete. 


71 


dann in dem Ev. Dobromiri (vgl. Jagic, S. 51), im Ap. Slep- 
censis, ab und zu auch im Ps. von Bologna n. a. 

Diakritische und andere Zeichen. Gewisse Konsonanten 
können im Slav. palatalisiert oder erweicht werden, so insbesondere 
r, l, n, woraus nach der Palatalisierung (Aussprache in der /-Lage) 
modifizierte Laute entstehen, die in den aksl. Denkmälern entweder 
durch rf, p, n, oder durch den nachfolgenden jotierten Vokal 
bezeichnet werden, z. B. boaA oder koa'K bzw. boab. Mitunter 
werden gleichzeitig beide Mittel angewendet: koa'’*; oder boäh 1 ). 
Durch die jotierten Vokale wird auch die weiche Aussprache an¬ 
derer Konsonanten als der hier angeführten bezeichnet, so z. B. 
des p, m, ui, ip: iuwh, i n den Kiever Blättern: MatuH 

= Mauna, = -u,ra. 

Nach dem Vorbilde des Grieeh. werden häufig vorkommende 
Worte nicht ganz ausgeschrieben und dann mit einem Strich oben 
versehen: et*. — Kort., ka = Kord (Abbreviaturen). 

Die Alphabete als Zahlreihen. Nach dem grieeh. Vorbilde 
werden auch im Aksl. die Zahlen durch Buchstaben ausgedriiekt. 
Wie wir oben hervorgehoben haben, ist das glag. Alphabet in dieser 
Hinsicht etwas selbständiger. Die Aufeinanderfolge der Buchstaben 
ist hier zwar auch vom Grieeh. abhängig, sein Urheber hat aber 
die neuen, speziell slav. Buchstaben eingeschaltet und zwar wo¬ 
möglich zu den verwandten grieeh. Lauten (vgl. oben S. 55—56). 
Die neuen Laute bekamen auch den ihnen in der Reihenfolge ent¬ 
sprechenden selbständigen Zahlwert. So hatte das glag. Alphabet 
schon beim dritten Buchstaben, der dem zweiten des grieeh. ent¬ 
sprach, einen Vorsprung um einen Einser, da das e eingeschaltet 
wurde. Da bald darauf noch as eingeschaltet wurde und der Ur¬ 
heber des Alphabets bei 10 offenbar mit dem grieeh. in Überein¬ 
stimmung kommen wollte (wie bei 100 als dem nächsten Eckstein 
der Zahlenreihe), so sah er sich genötigt, das dem grieeh. i ent- 

J) In Fremd Worten wird oft ein k, r vor einem palatalen Vokale auf 
diese Weise als erweicht angedeutet: r«HA ytewa, Ktcapk xulaao. Für f 
haben wir im glag. Alphabete, wie wir sahen, ein eigenes Zeichen: «. Außer¬ 
dem wird auf diese Art auch die Erweichung der Labialen n, k, e, a< mit¬ 
unter angedeutet, wenn das epenthetische a dabei geschwunden ist: npkAeA?k 
statt np-tpoMtk. 



72 


Die slavischen Alphabete. 


sprechende s — 10 vor das s = 20, das dem r t entsprach, zu 
setzen. Hach dem s und s folgte «, da aber Koppa und | nicht 
in Betracht kommen konnten, so geschah es, daß bei b = 100 die 
glag. Zahlenreihe wieder mit der griech. (q = 100) zusammenfiel, 
was offenbar, ebenso wie bei 10, beabsichtigt war 1 ). Dann geht 
das glag. Alphabet mit dem griech. zusammen bis fc = % = 6003). 
Da der Laut ip — 700 nicht gebraucht wurde, trat der nächste 
und letzte, nämlich co = © = 700 an seine Stelle. Jetzt konnten 
nur slav. Laute weiter nachfolgen. Zunächst figuriert hier w = 800, 
allein es sind Bedenken ausgesprochen worden, ob diese Geltung 
sehr alt sei, da die ältesten glag. Denkmäler lieber lut dafür ge¬ 
brauchen und es im Abecenarium bulgaricum garnicht Yorkommt 
(vgl. Miklosieh in Erseh-Gruber Encykl. unter Glagolitisch S. 404 
und entschiedener Backi in Slovjensko pismo S. 133, der meinte, 
für v wäre ui = 800 anzusetzen). Tatsächlich hat Breie als Erster 
einen anderen Buchstaben als w für 800 nachgewiesen, aber nicht 
ui, sondern a und zwar in einem Horologium aus dem J. 1391. 
Doch kommt schon in einem anderen Breriarium aus dem J. 1396 
* für 800 vor. Breie meinte daher, daß neben dem älteren a schon 
zu Ende des XIV. Jahrh. w für 800 aufkam (Bad II, S. 189). Dafür 
sprach ihm auch das cyr. Alphabet, wo nach w (hier allerdings 
nach dem Griech. im Zahlwert für 800) gleich a als Zahlwert für 
900 folgte. Hun mußten wir auch oben Beziehungen zwischen a 
und a roraussetzen. Allerdings ist zu bedenken, daß im Abec. 
bulg. a nicht vor v und « steht, sondern erst nach folgt, wes¬ 
halb Crncic die Dichtigkeit des a als 800 bezweifelte. Es ist also 
noch nicht sicher, ob ursprünglich w oder a als 800 fungierte (vgl. 
Jagic AfslPhil. 23, S. 118). Fest steht dann v als 900 und w als 
1000. Es haben sich auch Belege für noch höhere Zahlen ge- 

*) Jagiö kann es sich nicht erklären, daß im Glag. S, das doch dem 
grich. i entspricht, vor 8, also vor dem griech. n steht. Vielleicht dachte 
man, wie er meint, an die Anwendung des S im Anlant und des 8 meistens 
im Maut, und stellte daher s vor s. Andererseits soll es ein reiner Zufall 
sein, daß bei 100 die drei Alphabete in ^ = b = p zusammenfielen, was im 
Glag. gar nicht beabsichtigt worden wäre (vgl. AfslPhil. 23,1901, S. 116—17), 
allein das ist kaum richtig, denn bei 10 sehen wir ziemlich deutlich die Absicht. 

ä ) Darunter figuriert auch » (Belege für » als 100 bringt Crncic in Rad 23, 
S. 21) oder §. (y) als 400. 



Die slavischen Alphabete. 


73 


fanden. So ist für ui der Zahlenwert 2000 von Crncic sicher 
nachgewiesen (Rad XVI, 3 und XXIII, S. 21; hier meinte er auch, 
daß p> die Zahl 5000 ausdrückte, S. 22). Das alles geht wohl 
kaum auf eine ursprüngliche derartige Geltung zurück. 

Der Zahlwert des cyrillischen Alphabets ist ganz vom griech. 
abhängig, man mußte daher k und m aus der Zählung ausschalten, 
dagegen s und #• einftigen 1 ). Bei den Zehnern ist zu bemerken, 
daß für 60 das griech. ä und für 90 zunächst das griech. Koppa q 
gesetzt wurde. So finden wir das Zeichen in Svjatoslavs Izbomik 
v. J. 1073 auf Bl. 176—182, nicht etwa das ältere Zeichen für 6, 
nämlich v. Später übernahm diese Funktion allerdings auch die 
neuere Modifikation des 6, nämlich h. Bei 700 behielt es auch 
das griech. ijr, worauf w als 800 folgte. Über a als 900 vgl. oben 
S. 65 u. 72. Es kommt zwar in eyr. Denkmälern auch u, für 900 statt 
des früheren a vor, aber das ist jedenfalls eine Beeinflussung seitens 
der glag. Schrift. So wird in vielen cyr. Denkmälern westlicher, 
zumal bosnischer Herkunft auch 1000 durch h nach glag. Art aus¬ 
gedrückt. Die Tausende beginnen wieder wie im Griech. mit a. 

Die als Zahlen verwendeten Buchstaben werden mit Zeichen 
versehen, häufig mit -, z. B. + — 1. Bei 11—19 werden die Einer 
regelrecht vor den Zehner gesetzt, z. B. eg (Mar. Luc. 9. 17) = ki 
= 12. Doch kommen auch Ausnahmen vor, z. B. se = 12 (Zogr. 
Mc. 5. 42). 


*) s wurde nur als Zahlzeichen nach dem griech., nicht etwa gleichzeitig 
als lautlicher Ersatz für «■ aufgenommen. Der Unterschied zwischen dz und z 
besteht daher nicht in der Graphik des Supr., Sav. kn., Psalt. von Sluck, 
Ostr. Ev. u. a., sonst wurde das dz durch ein diakritisches Zeichen an näm¬ 
lich durch 5 , ausgedrückt. Erst im XII. Jahrh. wurde auch das bis dahin 
nur als Zahlzeichen verwendete s als Lautzeichen, zuerst aüerdings verein¬ 
zelt, neben dem $ gebraucht, und da nimmt es in dieser Punktion die ver¬ 
kehrte Form an: 3. So kommt es z. B. vor im Pogodinschen Psalter, 
im Ap. Slepc. usw. (als Lautzeichen, im Ap. v. Ochr. als Zahlzeichen). Seit 
dem Ende des XIII. Jahrh. ist bei den Südslaven wieder das s vorherrschend. 
Das 5 , das zunächst nur als Lautzeichen gebraucht wurde, kommt als solches 
schon in den Bl. von Chilandar und in den Undolsk. Bl. vor (hier mit 
einer kleinen Modifikation). 



Lautlehre. 

Vokalismus. 

Die für das Urslav. so charakteristische Eigenschaft, nach 
welcher jede Silbe offen sein, d. h. auf einen Vokal ausgehen 
mußte, blieb auch noch zunächst im Aksl. erhalten. Aber im Laufe 
der Zeit trat insofern eine Änderung ein, als die Halbvokale in 
gewissen Positionen schwinden konnten, insbesondere auch im Aus¬ 
laute, wodurch geschlossene Silben herbeigeführt wurden. Spuren 
dieses Prozesses kann man schon, wie wir sehen werden, in ein¬ 
zelnen aksl. Denkmälern bemerken. 

Im Aksl. finden wir folgende Vokale : i, t, e, «, e, a, o, q {eig. o), 
~o , y, u. Dazu kommt noch das silbische r und l. das als n, n, 
h, h geschrieben wird, das aber nicht unbedingt als % und \ auf¬ 
zufassen ist, wie wir sehen werden. Das erste und letzte Glied 
in der Vokalreihe bedeuten die am meisten geschlossenen Vokale 
(hinsichtlich der Mundweite), die also am leichtesten in Konsonanten, 
in unserem Falle in j (durch {] und v (durch u), tibergehen können. 
Gegen die Mitte zu werden die Vokale immer offener, so daß a 
am meisten offen ist. In der angegebenen Eeihenfolge kann man 
aber die Vokale nicht behandeln, sondern man muß t> und t zu¬ 
sammen nehmen, ebenso und a, da sie ja fast gleiche Schicksale 
teilen. 

Quantität. Außerdem können die Vokale kurz oder lang 
sein. Ihrem Ursprünge nach mußten die Vokale i, e, a, y, u im 
Urslav. zunächst lang sein, ebenso auch die nasalierten Vokale $ 
und c?, da sie die Geltung von Diphthongen voraussetzen. Die Vokale 
4, ö, e, o waren dagegen kurz. Aber schon im Urslav. sind mannig¬ 
fache Änderungen in dieser Hinsicht eingetreten, wie ans der vergl. 
Grammatik der slav. Sprachen erschlossen werden kann. Man 



Lautlehre. 


75 


sieht, daß häufig Kürzungen der Längen eingetreten sind, ins¬ 
besondere im Auslaute. Wie die Quantitätsverhältnisse im Aksl. 
waren, ersehen wir nicht aus den aksl. Denkmälern. 

Palatale Vokale, auch Vokale der vorderen Eeihe genannt, 
sind: i, b, e, e, e. Es sind Vokale, bei deren Aussprache sich die 
Vorderzunge gegen den harten Gaumen hebt und ihm mehr oder 
weniger nahe kommt, am nächsten bei i, so daß man nicht mehr 
weit hat zu einer Engenbildung, wie wir sie bei der Aussprache 
des j bemerken. Die palatalen Vokale sind deshalb wichtig, weil 
vor ihnen eine Erweichung oder Palatalisierung der Konsonanten 
eintreten muß, worüber bei diesen gehandelt wird. 

Akzent. Über den Akzent im Aksl. wissen wir nichts Sicheres, 
da er in den aksl. Denkmälern nicht bezeichnet wurde. 

Die Kiever Bl. bilden in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Man 
findet darin ein Akzent- und Quantitätssystem, doch ist es wohl 
kaum der Akzent und die Quantität nur eines bestimmten Dialektes, 
vielmehr werden hier mehrere Schichten zu unterscheiden sein 
wegen der vorauszusetzenden mehrfachen Abschrift. Mit ' wird 
hier der Akzent der Silben im Wortinnern bezeichnet: T-kasct II 5; 
ot'kA'JSl IVb 10, noAd3k Ib 5—6; 1112; Vb 18 (dagegen no- 
AÜcu III 7 2. sg. praes.) usw., seltener in Endsilben und zwar sind 
es fast ausschließlich Imperative: bjujhhT! Vllb 23; npi3upi II19, 
cRbftTf Ib 11, ns-TKopi Vllb 15, oYTEpaAi' VIb 19—20. Das ' 
wird dagegen fast ausschließlich bei einsilbigen Worten wie z. B. 

(7mal), ntvh (18mal, gegen ht» n Illb 24), ci VII15, seltener 
im Auslaut überhaupt gebraucht: Mapm VHb 17, HanAkNeni II 6, 
NeGecucn'ki IHb 23, ukcruftut VIb 5. Dagegen wurde hier im 
Original durch " und “ offenbar nur die Länge bezeichnet und zwar 
wird A auf Endsilben gebraucht: lüiapiiA VII 5, maocTiRTki Ib 6, 
PMt II14, 16, VI 4 usw.; ckiattvT IHb 19 (Korn.), IH 11 (Akk.), 
K-kMkNTO Ib 16; III 1, 17—18; IV 15; Vb 7, VI 10, npH3b.pi IVb 9 
(neben npi3kpf II19) usw. 1 ). Im Wortinnern kommt es fast aus¬ 
schließlich nur bei den kontrahierten Endungen des best. Adj. vor: 


*) Auffallend sind hier die häufigen Genitive PI. wie rp-kx 1 *- (4mal), m>ii- 
hhkL (3mal), A-fea-i (2mal), cha-I VII 22, aLvS. (4mal) usw., wobei man an die 
späteren serb. Gen. auf -ö erinnert wird. 



76 


Lautlehre. 


KA45K(H«VUOY Ib 20, GAAJKfN'kH’Y'k. VII 5—6, HeGeCkCK'kft)(’'k VIb 
18; VH 21; Yllb 7—8, ncruNkcrkHitni. TV 12—13, ckiat'k'hy'i». 
VIb 12; VII11, 21, 23; Vllb 9, 18 usw. Aber auch bei unkontra- 
hierten Formen des best. Adj.; KAaHtfH'ivHiA VII 4, HeGechcuiTHMv 
IVb 3. ” wird ausschließlich zur Bezeichnung der Länge im Wort- 
innern verwendet: lUXMeHika Ib 18, BAKOHbNhKA Ilb 17—18, ha- 
M'tCTGHHKTi. II 1—2, HACA'G^kHHK'k II 2 — 3; nAlJH’k IVb 12, 
npmT VIb 10 (sonst npuui VIb 13 und viermal unkontrahiert als 
npitwi usw.), camti Vb 11—12, cAoyajkG'kH V 3, chmg Ib 13, 
cImg Vllb 11, bei den kontrahierten Formen des best. Adj.: Toy- 
blmtv IVb 10—11, TkMkirb.rt)f'G Vb 12 usw. Die vorwiegend bei 
dem best. Adj. vorkommenden Zeichen ' und u machen es klar, 
daß dadurch die Länge ausgedrüekt werden sollte (vgl. auch ripiwi 
neben den unkontrahierten Formen). Das spricht dafür, daß die 
Anregung zu diesen Bezeichnungen nicht vom Griech. ausging, 
sondern vom Ahd. in Pannonien (Verf. Vgl. Gramm. I, S. 188—189 
und 0 puvodu kijevskych listu . . . 1904). Daher auch z. B. Ktn- 
iugni'mi III 4, HkCTMtäro Ib 17, wo also gleichzeitig im Worte 
der Akzent und die Länge einer anderen Silbe bezeichnet wird, 
was im Griech. nicht vorkam. Vgl. auch lmokocth Ib 21 (die 
Länge in der viertletzten Silbe, nicht der Akzent). Weiter sind 
Spuren der Akzente auch in den Freisinger Denkm. Ein kon¬ 
sequenter Gebrauch dieser Zeichen kann hier natürlich nicht er¬ 
wartet werden, zumal es sich um eine mehrfache Abschrift handelt. 
Die letzte und wohl auch vorletzte ist auf einem Gebiet zustande 
gekommen, wo auch der griech. Einfluß stark maßgebend war, 
und so ist es nicht zu verwundern, daß sich dann derselbe auch 
in der Form der Zeichen und in anderen Details zeigen konnte, 
aber die erste Anregung kam von anderwärts, nicht vom Griech. 
Daher blieb sie im Aksl. auch vereinzelt, in den aksl. Haupt¬ 
denkmälern finden wir nichts derartiges, obzwar man das griech. 
Spirituszeichen ganz sinnlos oft anwandte. 

In späteren ksl. Denkmälern finden wir auch wieder Akzent- 
und Quantitätszeichen, doch ist der Zusammenhang mit der ersten 
Anregung noch nicht hergestellt. 



Lautlehre. 


77 


i 

Das i geht auf ein ursprachliches i und dann auf ein älteres und 
jüngeres ei zurück. Doch kann es der Reflex auch noch anderer Laute 
sein. Auf ein i geht es zurück z. B. in aksl. jkhkti ,lebendig 1 , lit. 
gi/vas, lat. mvos, vivus; aksl. PI. n. Tpis ,drei‘, lit. try-lika ,dreizehn 1 
(mit dem Neutr. try), lat. tri-ginta (Neutr. pl.), ai. tri , tri; so auch 
Nom. acc. pl.n. ch ,diese 1 (das i war die Endung der neutr. '«-Stämme]. 

Mit diesem i ist identisch das i des Nom. sg. fern. *) (vgl. analog: 
Neutr. pl. ctaa-a ,Herden 1 zu ctj,a,o und Nom. sg. f. pun-a ,Fisch 1 ) 
beim Pron. ch ,diese 1 (Her auch noch so der Nom. pl. neutr.), ags. 
hi, lit. szi (vgl. hier auch ji ,sie‘ aus *1 mit dem aus anderen Kasus 
verschleppten j, z. B. Gen. sg. j’5s, im Slav. lautet der Nom. sg. 
tja-, z. B. in ta-nte); beim Part, praes. act.: KepxuiTH nehmend 1 , 
lit. z. B. deganti, mase. degqs ,brennend“, got. bairandei (vgl. hier 
frijmdi ,Freundin 1 , hulundi f. ,Höhle 1 ), ai. bhdranti; Part, praet. 
act. I (Part. perf. Suff, -ues): k«3TvUih gefahren habend 1 , lit. veimi 
zu ve&qs ,dass.‘, ai. vidüsi, gr. iövla; beim Komparativ: caajk- 
r \MiiH ,süßer 1 , A c,ß P'k HUJH jbesser 1 , vgl. ai. svadiyasi, got. sütizei 
,suauior‘. Beim Suffix -hji und -yni: cw.^üh, , Richter 1 ; 

GAAHH, GAAkH ,Arzt £ ; UA’KHHH, MA’kHkH (mitunter MATiHH: Mar. 
Mat. 24, 27 wie cxah Lue. 18. 2); aaa«h ,Schiff 1 ; mhaocttuhh 
,Almosen 1 , pairwÜH ,Magd‘. 

Im Nom. Aee. du. der i-St.: kouith zu houutk ,Nacht 1 , lit. 
nahti (aus *nahty ), ai. sruti, ,die beiden Ströme, Wege 1 . Das -mi 
des Instr. pl., das nur bei den o-St. und bei den meisten konso¬ 
nant. St. nicht vorkommt, sonst aber überall, und lit. -mis setzen 
ein -mis voraus (vgl. Leskien, AfslPhil. 5, S. 190): pmea-MH zu 
pTklGA ,Fisch 1 , KOCTkMH ZU KOCTk ,Knochen 1 , CTUHTv-MH ZU CTUHTs. 
,Sohn‘, a^h^-mh zu A kHß ,Tag‘; beim Pronomen: t-Smh zu TTs. 
,ille‘, hauihmh zu HALUk ,unser 1 , lit. mergomis zu mergä ,Mädchen 1 , 
avimis zu avis , Schaf 1 , dangumis zu dangüs ,Himmel 1 . 

Hierher gehört auch das Imperativ- (eig. Optativ-) Suffix des 
Du. und Pl. bei den athemat. (konsonant.) Verben: A d A~ H ‘ K ’k) 
AAA-h-ta, aM-h-un A d A- H - T£ ,gebet 1 . vgl. lat. s-i-mus, got. 1. Pl. 


ü Es wird auf -jp zurückgeführt, doch ist das daraus entstandene -% schon 
vorslavisch. 



78 


Lautlehre. 


witeima (et — i), ahd. wiszi-mes zu got. wait, ahd. wetz ,ich weiß 1 . 
Viele Suffixe enthalten dieses i, z. B. -im: eühh’k ,des Weibes 1 , 
TiVTHMii ,furis‘; -iko- z. B. ovfHSHHK’h. ,Jünger, Schüler 1 , rp-Ruib.- 
hhktv ,Sünder' n. a. Das i entwickelte sich auch erst auf slav. 
Boden in der Gruppe -in + Kons.: uchaa ,Ader‘ aus urbaltslav. 
*ginslä, *ginlä , lit. gtsla, g#sla\ hcto, hctsce ,te8ticulus‘, PL ,renes‘, 
lit. inkstas ,Niere, testiculus 1 , preuß. inxcze ,Niere 1 . 

Im Akk. pl. der ASt.: kocth aus *kostins zu koctk Knochen 1 , 
ebenso tocth, vgl. got. gastim , zu rocra ,Gast! Wie das i in 
diesen Gruppen entstand, kommt hei der Darstellung der Nasal¬ 
vokale zur Sprache. 

Das i geht auf ein ei zurück: hh ,nein, nicht einmal 1 , lit .-net 
,nicht einmal 1 , hh—hh lit. net — net, weder—noch 1 ; iihlux ,schreibe 1 
zu fiKCATH (aus pei?4o-), lit . pesziü ,ich schreibe 1 , preuß. peisai ,sie 
schreiben 1 , ai. pis- ,schmücken 1 , gr. tcolxü.oq ,bunt‘, got. filu-faihs 
,sehr mannigfach 1 ; 3hum ,Winter, Kälte 1 , lit. zemä, Akk. zemq = s. 
zimu), gr. %£Lf.iLov, xslga ,Sturm 1 . 

Hierher das« desVok. sg. der »-St.: üxth, kocth, vgl. lit .nahte, 
ai. matt. Ein derartiges ei (urspr.wohl ei, s. Verf. Vgl. Gr. I, S. 17—18) 
ist auch im Lok. sg. derselben Stämme anzusetzen: tocth, kocth. 

Das ei, das zu i führte, kann sich erst auf slav. Boden durch 
den Umlaut aus oi nach einem palatalen Kons, entwickelt haben: 
im Dat. Lok. sg. der a- St. z. B. a<*V ujh S e S en pmiKt (falls, 

wie wahrscheinlich, -in zunächst zu ai, oi geworden war, woraus 
nach i ei, bzw. iei entstanden wäre); im Lok. sg. u. Lok. pl. der 
o-St., wie mxxh, upaH (= kraß), uopH gegen poipk und mxikh;p>>, 
KpAHjfT». (= krajicki), Mop'hjfTi gegen popT^Tv. M"kcT'kj("i>.; Nom. 
pl. der männl. o-St.: uxm KpdH (—kraß, dagegen ist das i in 
popn usw. anders, durch die Vermittlungsstufe oi entstanden); im 
Nom. Akk. du. der a- und der neutralen o-St.: a^Y 1 “” S e g en 
pxipk, pTüG% nofin gegen MkcTk. Weiter im Imper.: kajkh, 
KAJKHß'k, KdJKHTa, KAJKHM'K usw., rAdroJH usw. gegen ßfA 1 * (das 
i hier anderen Ursprungs), KtA'kß'k, ßfA'üTd, BfA'kU'K usw. Im 
Instr. sg. m. u. n. der weichen Pronominalstämme: hiuu 
(=ßrm) gegen t'ümk, im Gen. Lok. pl. Hjfk (= jidd) gegen T'KY'K, 
Dat. pl. hmt». (—ß'/m) gegen t’Smtv n. Instr. pl. huh ( —ßmi ) 
gegen t’Ruh. Hier überall war zunächst { oi - (vgl. das anzusetzende 



Lautlehre. 


79 


das infolge des Umlautes, der älter als die Monophthongie- 
rung war, zu *iei- führte, woraus dann regelrecht ji entstand. 
So ist hier selbst auch der Nom. pl. m.: h (=/«') ans *%ei im Gegen¬ 
sätze zu th, das auf *toi, *töi zürückgeht, entstanden. Analog sind 
die entsprechenden Pronominalformen wie haiuhmk von na um 
,noster‘ gegen tKmi», gegen usw. zu erklären. 

Im Auslaute entstand* auf slav. Boden aus einem e: Nom. sg. 
uuth ,Mutter 1 , »Tochter 1 , vgl. lit. möte, moti, Mutter 1 ; doch 

im Nom. pl. der männl. o-St.: pasu, poi^H zu paKm ,Knecht 1 , poK% 
,Termin 1 , lit. geri, gere-ji (der Nom. upau, mx.>kh ist, wie wir 
sahen, anders zu beurteilen), Gen. sg. der «.'-St.: iixth zn narrs 
,Weg‘, houuth zn hoiutk ,Nacht 1 , vgl. lit. ndktes , got. anstais , im 
enklitischen Dat. sg. mh, th, ch ,mihi, tibi, sibi 1 , vgl. aoi, igoi 
(jedoch ol, sol), in der 2. u. 3. sg. imper. eeah, hech usw., vgl. 
lit. te-suke, gr. rcaidevoig, ncadevoi ist kaum ein e vorauszusetzen. 
Diese Fälle kommen übrigens noch bei e zur Sprache, ebenso wie 
die Endung -si in A dCH , ß'kcn . . . und Si in keaeluh usw. 

Ein i entsteht auch aus einem urslav. ih (bzw. ii) im Anlaute 
und Auslaute. Eigentlich war es zunächst ein i unvollkommener 
Bildung, das wir durch i bezeichnen. Das n (mit % als Träger 
der Silbe) ergab it> (mit i als Träger der Silbe). Erst indem $ ver¬ 
klang, entwickelte sieh ein i der vollkommenen Bildung. Im Aksl. 
wird in diesen Fällen immer ein h geschrieben, also nur der Träger 
der Silbe. Das * kann ursprachlich sein oder sich erst auf slav. 
Boden entwickelt haben: aus *ngo wurde *{hgo und daraus aksl. 
Hro (eig. ipgo) ,Joeh c , lat. iugum , gr. ’Cuyöv. Aus *ram wurde *raib 
und daraus aksl. pan ,Paradies 1 , ebenso moh ,mein‘ aus *movb 
< *moh. Aus hm- (z. B. in B'k3-kux ,werde nehmen 1 ) ein *i-hm-, 
woraus aksl. z. B. hux, hmeuih zum Inf. iath ,nehmen 1 . 

Später konnte das i nach Vokalen zu j werden, so daß se¬ 
kundäre Diphthonge zum Vorschein kamen: moh wurde zu moj, 
pan zu rag usw. (später wird dieses h als j von h = i durch ein 
Zeichen “: h differenziert). In der älteren Phase des Aksl. waren 
solche Diphthonge gewiß nicht vorhanden und es ist fraglieh, ob 
sie überhaupt schon im Aksl. auftauchten. 

Wie ans ü> ein ih zunächst geworden ist (st. i kann es auch 
jeder beliebige palatale Konsonant sein), so geht analog y nach 



80 


Lautlehre. 


palatalen Konsonanten in i über. Znnäolist im Instr. pl. der o-St.: 
neben (JOKU, haben wir KpAH (lies kraß), mxh;h, noon, 

Mopn. Weiter luhth ,nähen* ans *£yti nnd dieses ans *siüti, lit. 
siiiti ,dass.‘, got. siujan. 

Einige Male kann man auch sonst den Übergang des y in i in 
den aksl. Denkmälern bemerken und zwar ist häufig eine weiche 
nachfolgende Silbe maßgebend. So finden wir in der Sav. kn. 
pHKtc39b, pHKHuth.40, dagegen p’kiK’w, pudEX, piviKt 39b, p'uk'k, 
p T kiKdnm\ (14 Fälle mit tu); rpH3ET r k 59 (vereinzelt, kein Fall mit 
tu), CTKpHTH 135, allerdings auch otkoh 3. s. aor. 132b neben 
OTTiKpTkl FiRT'k CA 139b, OTlvKp'KIIIIA 76, OT'kKpTUA'k 58, 110- 
HpiiiEaeT'iv 51b (Scepkin, Pascyayi;. S. 295—296). Es handelt 
sich hier also um die Silbe p r w-. Hierher gehört auch okU puirt 
im Zogr. Mc. 6. 41 (im selben Verse geht p'MK'fe vorher), also auch 
vor einer weichen Silbe. Im Cloz. wurde zwischen t ki und h nicht 
mehr so genau unterschieden, daher hi st. irw ,wir‘ 58, noitpi- 
ßdLUE 56, KpiiA ca 959, noKpifTii 137, cTuspiTH 955, aber auch 
HECTiUiviCAkHi 17 (für -t>j), cahuia II 35 usw.; umgekehrt A a P'W 
st. 160 usw. (Vf. Gag. Cloz. S. 5). Im Psalt. sin. iA3iiyKj(Tv 
und pHKdioujTE (Geitier, S. XX); Supr. phkaia 61. 24—25; 166. 
20; im Euch. sin. phkath wQveo&at, 76a. 

Das i in pnim ,Eom‘, Kpnncb ,Kreuz 1 muß jedoch anders er¬ 
klärt werden. Fremdes r wurde als r gehört, vgl. nüccdpk, oat*- 
TApa. So hörte man fremdes röm als *rüim, dieses führte zu 
*ryna, und pHM’K (A. Bohäc Lfil. 35, S. 223—226). So haben wir 
schon im Zogr. u. Mar. Luc. 23. 38: K’kHHraMH eahht».ckamh h 
pMMacKAMH und phmaUne Joh.'ll. 48. Daneben haben wir auch 
poYMucK'a: MT6 ca po\fMivCK'ivi Supr. 142. 21 und np'knHCdY'K 
npOTA'HKOBAß’k OTTj. pOyMTiCKa A3'kIKA HA rp'KHh.CK'h. ib. 144. 25. 
Hier handelt sichs offenbar um eine neuerliche spätere Entlehnung, 
als ü nicht mehr zu y führte. Wo zunächst das Wort entlehnt 
oder durch welches Medium es aufgenommen worden ist, steht noch 
nicht fest. C. Jireeek bemerkt nur, die Eömer ‘Piouaiot wären 
von ihren östl. Nachbarn, den Persern und Arabern auch Bütn, 
den Türken TJrurn genannt (Die Eomanen I S. 36). Bei Kpunca 
komme vor allem das einstige Ehaeto-romanische in Betracht: 
aus *hröce wurde hier *Jtröie (im heutigen Engadin crusch-krus). 



Lautlehre. 


81 


woraus im Slav. *krüh L, *kryzt, Kpnuik (Ant. Bohäc Lfil. 35, 
1908, S. 369£). Das Wort kam vor allem bei den westlichen 
Slaven auf und wir finden es daher nicht in den aksl. Texten, 
dagegen im kommentierten Tolstojschen Psalter aus dem Ende des 
XI. oder Anfänge des XII. Jahrh. (vgl. Verf. Kirehenslav. Chrestom. 
S. 162), in den Prag. Fragm.: kphjk'kh’kmtj. IIB 10—11 n. a. Bei 
den westlichen Slaven scheint auch /KH^okhhti. vor allem von 
denselben Romanen (j ging in der Mehrzahl der roman. Dialekte 
in g und weiter eventuell in i über, besonders in den rhaeto-rom., 
also: *güd , bzw. *süd~), aus *züd- zunächst zyd-, woraus jkh^,- 
As. jedoch auch sudij, also wieder mit u-). Im ältesten Ev. Texte 
kommt /Kh^okhhti ein einziges Mal vor: Joh. 18. 35 und zwar im 
Zogr. Mar. u. Ass., dagegen hioa'Bh (hma*h) mehr als 80mal. 
Cloz. hat noch an mehreren Stellen h«5,1,-Rh. wo im gleichen Text 
Supr. schon ;kh,a,ok£ u. dgl. hat (Verf. Glag. Cloz. S. 38—39). Auch 
Joh. Ex. v. Bulg. hat schon letzteres Wort 3 ). 

Fremdes i, wenn es lang war, erscheint auch als i im Slav. 
ehho, eine der frühesten Entlehnungen aus dem Lat, vielleicht 
irgendwo in den Donaugegenden (vgl. mnum , auch das Genus!). 
Später blieb auch das kurze i: lurkNHjfTs. ahd. munih, dagegen älter 
Mkiua, lat.-rom. missa. 

Auf slav. Boden entsteht ein i auch durch Dehnung des k : zu 
3upKK, 3kp-kTH ,schauen“ lautet das Iter. -3HpdTH, zu kaknx, 
kaath ,fluchen“ analog 3a-kahhath ,beschwören“. 

Über das i neben k in Fällen wie Tpn’HH neben TptTkH ,der 
dritte“, 3ham£hhi€ neben 3Haui£Hkie, kocthix neben KOcTkHv u. 
dgl. wird bei den Halbvokalen gehandelt werden (modifizierte Aus¬ 
sprache der Halbvokale). 

e 

Es ist vor allem der Reflex des urspachlichen e z.B. Ktpx ,nehme, 
sammle“, gr. cpsqco, lat. fero ; ^fCATk ,zehn“, lit. deszimtis , deszimt. 

>) Es hat Dialekte gegeben, die bei Jeruh blieben. So haben wir in den 
Freis. Denkm. cruz II 89 (Verf. Studie 1908, S. 65), eine analoge Form zn 

poyiwkcick. 

2) Hier kommt übrigens auch das ital. giudeo in Betracht. 

8 ) An eine Entlehnung dieses Wortes ans dem Rom. dachte schon Meillet 
in MSL. XI S. 179. Ebenso bei kphjkk, kmohi, wegen w. 

Vondrak, Altkirckenslavisclie Grammatik. 2. Anfl.. 6 



82 


Lautlehre. 


Dieses e zeigt sich aueli in mehreren Suffixen, z. B. in -es: Gen. 
Sg. HEK-ec-e, lit. dei-es-es, gr. vscp-sa-og , vgl. lat. gen-er-is-, -ter: 
Gen. sg. M 4 -Tfp-£ ,der Mutter', ATkUi-Tep-e ,der Tochter', lit. mo- 
-tef-s (aus moteres), duhtefs ; -tero: KS-Tsp'k ,quidam‘, ygl. gr. no- 
%-eoog, lat. i-ter-um, ; der thematische Vokal e des Praesens bei einer 
Reihe von Verbalklassen: Htc-t-uiH, iuc-e-tx, Du. hec-£-k% hec- 
-e-ta, H£c-£-Tf, PI. «Ec-f-HTv, hec-e-te. In der 1. du. u. pl. ist das £ 
nicht ursprünglich, vielmehr war hier ein o (vgl. gr. Uy-o-gsv), das 
von £ (nach Kp’w-ie-ß'k, Kp'ki-ie-Mu. usw.) verdrängt wurde. Im 
starken Aor. hat sich dagegen das o erhalten, weil hier keine 
weichen Stämme mit dem Umlaute zur Seite standen, daher hic- 
-o-K’6, uec-o-r.rk, während die 2. u. 3. sg. u. du. und die 2. pl. wie¬ 
der das urspr, e aufweisen: hic-£ (aus *nes-e-s. *nes-e-t), hec-£-ti. 
Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß das £ im Anschluß an die 
zweiten Personen hec-e-te, hec-£-T 4 aufgekommen wäre (Leskien, 
Gramm, der ab. Spr. S. 184). In der 2. u. 3. sg. impf, ist auch ein t: 
hecSauie (ans *nesease-s, *nes$ase-t), dann in der 2. u. 3. du. : ne- 
ck4iu£-Ta, H£ck4Ui£-T£ und in der 2. pl. hecKauje-te; im Part, 
praet. pass.: nece-ht». ,getragen'. 

In einzelnen Verbalendungen, so in der 3. du. -T£ aus -tes, 
ai. -tas: kepe-te (Praes.); ebenso das -te im Impf, und in den 
Aoristen. Später wurde es von -T4 verdrängt. In der 2. pl. ind. 
und imper.: BE3ETE lit. veza-te, KEp'k-Ts. gr. cpiqoi-%e. 

Unter den Deklinationsendungen ist es zunächst der Vok. 
sg. der o-St.: kakh-e, lit. väk-e, dann der Nom. pl. der w-St.: 
ctuhok-e aus *süneu-es, der Nom. Vok. pl. der männlichen i- St.: 
nxTk-ie ,Wege‘ aus *pontei-es, Tpa-ie ,drei', Nom. pl. der männl. 
kons. St.: A*»“-*) rp4JKAUH-£, lunaTap-E zu MTUTAjfk ,Zöllner', 
A^aatea-e zu AtiAATEifk ,Arbeiter', analog in derselben Form des 
Part, praes. act. kea^uit-s zu beatu, Part, praet. act. beatme 
zu eeati und des Kompar. AOKP'kum-E, CA4>KAkui£ zu a ok P’ Kh 
, besser', CAAiKAkH ,süßer 1 ; der Gen. sg. der konson. Dekl.: A^n-e 
, des Tages', hiuieh-s ,des Namens', M4Tsp-s ,der Mutter', so auch 
bei den «-St.: CBEKpTvE-E ,der Schwiegermutter', up-kK-E ,des Blutes'; 
Lok. sg. der kons. und der w-St.: kameh-s, A kH - f > Hd A fCAT_f 
(z. B. A’kKA H- A- >zwölf'), CEEKpTvE-E. 

Im Gen. sg. des Pron. pers. wehe ,meiner', teke ,deiner' (aus 



Lautlehre. 


88 


*ieue, ai. tava, mit k aus dem Dat. TtK’K), ceuf ,seiner' (analog 
ans *seue). 

Auf slay. Boden ist aus o nach weichen Kons, durch den Um¬ 
laut auch e entstanden: Vok. sg. a <5 Y IU£ zu A^'nu »Seele' gegen 
p’KIKO ZU pTdEU ,Fisch'. 

ürslav. ei führte zu % i) bi, woraus, wenn es tautosyllabiseh war, 
i entstand, wenn es heterosyllabiseb war, blieb das a oder es 
konnte daraus im Aksl., wie überhaupt aus a vor i, ein i werden 1 ). 
Sup. h-tti ,zu gehen', lit. ei-tu, ai. e-tum ; Nom. pl. rorraie ,Gäste' 
ans *gostei,-es, Tpkte ,drei‘ {Nom. Yok. masc.) aus *trei-es; Baie 
,winde', lit. vejü ,wickle, winde'. Daneben auch rocTHte (bzw. 
rocTHt), rpme (Tpne), eher usw. 

Auch vor palatalisierten Gutturalen ging mitunter das e in a 
über: hierher gehören die Imper. pai*H, na uh, Tau,H usw. (dagegen 
z. B. Ke^H, HfCH usw.); da der Imper. endbetont war, so handelt 
es sich hier um unbetonte Silben. Weiter uautpa ,gestern' r. Bvepä 
gegen BtHtp'a ,Abend'; Maua neben msuu ,Schwert'. 

Eine gewisse Neigung, das e zu a zu reduzieren, machte sieh 
auf slav. Boden in bestimmten Fällen auch nach 6, s, z geltend: 
naco neben hcco gehört nicht hierher, wie wir sehen werden 2 ), 
eher die Partizipien ina^i/a u. Warna zu hth ,gehen', wo man 
voraussetzen könnte, daß es zunächst in praefigierten Formen auf¬ 
trat); bei JKajKfum, jKaatsTTi, Aor. JKau« usw. zu jkiuith tren¬ 
nen' kann man nicht sagen, daß von Formen mit nachfolgendem 
jk auszugehen sei und daß darnach analogisch acarx u. JKurxT-a 
gebildet wurde, denn dann könnten wir auch ein *riBHtT r n usw. 
und darnach ein *naKaü erwarten. Es war hier vielmehr das an¬ 
lautende jk maßgebend. Weiter naca aus hjk« z. B. im Zogr. 
S. 16. 19, 21, Mo. 4. 25 usw. 

Häufig ist die Eeduzierung schon vorslaviseh, so daß dem z im 
Lit. ein i entspricht: na3ji,tTH ,pedere‘ aus *pezdere, lit. lizdiüs 
,Stänker'. In Silben mit w, bl, bm, m steht auch im Lit. dem z 


4 ) Eigentlich war es ein modifiziertes a, das auch als t geschrieben wurde, 
worüber bei fc. gehandelt wird. 

2 i Vgl. auch b. ctyf-i, wo ein ht- wegen se ctyrmi u. dgl. vorausgesetzt 
werden muß, p. auch cztery, aksl. aber Hrrupe. Es kann auch vom Instr. pl. 
ausgegangen sein. 


6 * 



84 


Lautlehre. 


ein i gegenüber, selbst auch wenn in anderen Bildungen derartige 
Wurzeln mit e auftauehen: Mapx, r.ikpfmn ,sterbe 1 , lit. mirsztu, 
miriaü, mirti ,sterben' (Part. MkpTvUjH u. lit. mirusi); ns hx, ns- 
HfuiH ,spanne', lit. pinü ,flechten' usw. Im SlaT. entwickelte sich 
bei den Liquidae und Nasalen leicht ein s: Tkua ,Finsternis' gegen 
lit. usz-temis Verfinsterung'. Das gilt aueh von jenen Fällen, in 
denen die Liquida oder der Nasal vorherging: ar. pbky, ptka, b. 
rku (lit. su-rikti ,brüllen' ist wohl damit nicht zu vergleichen); Part, 
praes. pass. Hfnp'SKpsAOM'u ,äneQavrog, infinitus' Svjat., vgl. 
b. bfdu aus hndq, lit. iredü, Inf. jedoeh bristi, Praet. Iridaü , vgl. 
dazu KpoAli ,Furt‘; HS3X, hs3hxth ,infigere‘, RTi-Nkax ,ßAlho, 
mitto', dazu npo-H03HTH ,transfigere‘, hoxs ,Messer' aus *noz\o-, 
Wurzel nez-. Sonst ist die Reduzierung seltener, wie z. B. hct’k 
,wahr‘ aus *ts-to- *i-u-to~ zu es in lecf.ik ,ich bin' [*i-es-tm). Vgl. 
auch das oben erwähnte nhSA'ü'TH. 

Tautosyllabisches en, em führten schon im Urslav. zu <? im In¬ 
laute: n ATTi ,der fünfte' aus *pen(k)tos, lit . penktas. 

Die Gruppe tert, telt (wobei t einen jeden beliebigen Kons., nur 
nicht j bezeichnen kann) führte im Aksl. zu tret. tUt z. B. cp-kA 4 
,Mitte, Mittwoeh' aus *serdä, vgl. lett. serde ,Mark‘. Darüber wird 
noch, wie über das Resultat der ursprünglichen Gruppen ert , eit, 
bei r, l gehandelt werden. 

Umlaut des e zu o (Verdumpfung). So wie aus Tkf.ia, tkmx 
ein TT».Ma, rhHX nicht selten geworden ist (Tkirk dagegen blieb), 
so sehen wir, daß in Fremdworten aus ee ein eo wird, wenn die 
folgende Silbe einen dumpfen Vokal enthält (insbesondere o, x, Tv). 

Im Mar. finden wir durchwegs den Akk. beoux yeevva: Mat. 
5. 29. 80; 18. 9; Mc. 9.48, 45, 47; Luc. 12. 5, analog keoHTvCKaaro 
Mat. 23. 33, dagegen keiHk Mat. 10. 28 und einmal btoHkH'fc Mat. 
23.15 1 ), wo also das to schon verallgemeinert erscheint. Ein mH K 
finden wir noch in Zogr. b. Mat. 23. 15, dagegen schon rfOH'R Zogr. 
Mat. 10. 28, sonst ist hier durchwegs auch die Form ktOHX und 
im Zogr. b. auch reoHTvCKaro Mat. 23. 33. 

Im Ass. Ikchx Lue. 12. 5, aber auch schon keoH’k Mat. 10. 28. 
Ferner u-k KHTkA’tof.n*. Brjdleep Cloz. 884, dagegen Supr. nu 


i) rwri auch im Ev. von Decani Mat. 5. 22. 



Lautlehre. 


85 


EHe.Af(MH 451. 21 und Cloz. ktv bhtka'Bmh 892, Supr. hier auch 
et». khaaeem-ü 451. 29. Im Assem. a® bhu-aeoma Luc. 2. 5, et», bha- 
aecm’k Mat. 2. 8 und ehtaecmkcka (k hatte keine lautliche Geltung 
mehr) Joh. 7. 42, dagegen bt». bhoaeemi Mat. 2.1. 16; bhuaeeme 
Mat. 2. 6; abweichend : BTv bhuaeoiui Mat. 2.1 und bhuaeemtv Luc. 
2. 4. Später drang das o überhaupt durch; so haben wir in der 
Sav. kn. durchwegs BHu.kAEOM'k (auch im Lok. sg. -fout), ebenso 
im Er. von Dec., während im Mar. und Zogr. noch die beiden s 
erhalten sind. Im Zogr. nur oT'k BHTkAEOUkCKar© Joh. 7. 42. 

Der Instr. MorKoMk Zogr. Joh. 1. 17 gegen uocEEii'k Mar. 
Mc. 9. 4 kann natürlich nicht so beurteilt werden (abgesehen von 
dem k im Auslaute), vielmehr kreuzte sich hier der Einfluß der 
o- und io- Stämme. Es konnte sich aber nur dort die Endung -oiik 
festsetzen, wo sich vor dem o keine Jotation entwickelt hatte. 
Diese Fälle sind zu unterscheiden von jenen, die später im XV., 
XVI., XVII. Jahrh. und noch später auftauchen und die zumeist 
Kasusendungen und Suffixe betreffen wie MtHTiUioMoif, cntnuouk 
usw. (vgl. bei Lavrov Odsopi S. 55 f.). Hier taucht das o nach/ und 
weichen Kons, überhaupt auf. Das kann bei unseren Fällen in 
den aksl. Denkmälern nicht angenommen werden. Analog gilt es 
auch von ahkapVeba Mar. Joh. 1. 45 gegen AHk.^ptoß'k ib. Mc. 
1. 29: MvSqsiov. Es muß auch vorausgesetzt werden, daß überall 
dort, wo in den früheren Fällen ein ft in to überging, keine Jota¬ 
tion vorhanden war, denn wir werden Belege dafür finden, daß 
selbst auch noch in den aksl. Denkm. ein fremdes jo gemieden 
wurde und daß es auch Umlauten mußte. Es hätte demnach ein 
*moseiomb , *geionq abermals zu moseiemb, moseemb und geienq, 
geenq führen müssen. 

Das unbetonte e wird vornehmlich in den ostbulg. Dialekten 
als i ausgesprochen. Das gilt auch von dem e aus ? und e (AaBposr., 
OÖ3opi S.49,52} 1 ) und zwar selbst auch in makedonischen Dialekten 
(S. 53). Es ist dies ein alter Prozeß, denn wir finden seine Spuren 
selbst auch in den aksl. Denkmälern. So im Zogr.: hh btv- 

i) Vgl. noch Miletic, Das Ostbulg. S. 36 und HcTouiruTe Sxarapcioi roBopn 
(Cöops. XXI) S. 21—28, dann DoHeBi, jEsuaeKTSH cTysira (CöopE. XX) S. 10—12 
und KyjttßaKHS'S, OxpuscKaa pyKonzci anocioxa KOHna XII b. (in Et-wapera cia- 
pjtHB, DI) S. cvf. 



86 


Lautlehre. 


AHBAETT» Mc.2. 22 für HE KT»AHB4STT»; IlHfTH für HHETE Joh. 6. 53, 
umgekehrt: \'BdAHT£ für \'Rüahth (Inf.) Lue. 19.37; Imper. cu-cKue 
für oyrSnH Mat. 5. 30. Aber auch h und a werden verwechselt: 
cüöis bauia für c. baujh Mat. 12. 27; mh für ma Luc. 23. 42; 
ch für ca Joh. 16. 2; thcth für tacth Joh. 4. 44; npHA^TT» 
für npA^ATTs. Mat. 6. 28 *); baaa für ehaa Joh. 9. 7; ocjraatt» 
für ocxahft» Lae.11.31; ckbpt»natt» für ckbpt»hhtt» Mat. 15.20; 
ct»aa3att» für ct»aa3 HTT» Mc. 13. 15; dagegen: ov'3kpnT'K für 
ov'3kp attv Mat. 13. 15 (vgl. Jagic Zogr. S. xx). Es sind also die 
Fälle der Verwechslung hei e aus a häufiger als beim ursprüng¬ 
lichen e. Mit diesem Prozeß hält hier nicht gleichen Schritt der 
analoge, nach welchem unbetontes o als u ausgesprochen wurde. 

Aus dem Ass. käme hekoahmt» Joh. 3. 9 gegen nhkoahmt» 
ib. 9. 1 u. 4 in Betracht. 

Im Psalt. sin.: kt»ai 78. 10; Y'P 0 Y KHM, k 2; oyhhti»;K£ für 
oyhhmuikh 21. 25; Hagele für habsah 5. 9; vielleicht auch der 
Nom. pl. ctuhobh für ctjhobe 17. 46 (bis). Interessant ist he iaci 
K’kp'Ki für iaca 77. 32, da hier auch für das c aus a ein h auf- 
taueht wie im Zogr.; in ott» besabht» 3emah 70. 20 ist 3emah als 
adnom. Dat. zu deuten (so auch im Ps. Pog., hier auch 70. 21), 
Bon. hat 3£Maa (auch in 70. 20). — Ferner: nom. pl. Kpa3 , R 88. 52 
und obaaü’K 17. 13; kt» kpokh (Lok. sg.) 26. 5 gegen kt». KpoB-fc; 
26. 6; ho^i (Du.) 72. 2; np'fcA’k 16- 13 neben np'KAH. 

Im Euch, sin.: thujth für teuith 81b; haluhmi» für ha- 
uiiMh. 26b; tbohmi» für tkoemu 72b und 74a; in der Endung 
-obe z. B. jkhaobh 48a; — cemeohoy für chm ... 7a. — Für a 
kommt es hier nur ein einziges Mal vor in TpncaßHij,£ (Vok.) 49b, 
sonst wird überall richtig TpACABHüa geschrieben. Für H: ct»tk- 
Phmt» für ct»tt»p'Rut» 98a und kahckt» 34a. 

Man findet auch in einzelnen Denkmälern hu:c für icjke z. B. 
Cloz. 13KABAEHM uns ott» at»cth 859, ebenso an derselben Stelle 
im Supr.: H3KABI»K5HHI6 hhce ott» ... vrjv sx Tfje nl&vrig Mtquoiv 
450. 28, insbesondere häufig dann in späteren Denkm. So z. B. 
im Trnover Et., wo auch umgekehrt ejke für hjke häufig ist. 

l ) Das dürfte aber ein auf einem Mißverständnisse beruhender Fehler des 
Originals gewesen sein, da wir dasselbe hier auch in der Sav. kn. finden. 



Lautlehre. 


87 


Valjavee faßte es auf als ize =jeze fauch für das je&e aus jqze 
S. 20—21), abbr die Hss. mit Akzentbezeiehnung betonen immer 
die erste Silbe: teme, ajke, in den Urkunden : e’jke u. a. (JTaBpoBi, 
063opr, S. 49). Diese Fälle sind also syntaktisch zu erklären (Verf. 
Ygl. Gr. der sl. Spr. II S. 456). Dagegen gehört hierher aus dem 
Cloz. (wohl aus der Vorlage): A 0BnkA 'k CH 734 st. ce, wie wir es 
an derselben Stelle in den Horn. Mih. haben (im griech. Text: ovx 
rjQXELTo rovToi.g 6 ’lovdalog, also kein rama, das etwa mechanisch 
übersetzt worden wäre; dazu kommt auch ein unzweideutiger Fall 
aus dem Trnov. Et.), h p! a' st- npi^e 510 kann allerdings auch 
ein Schreibfehler sein. 

Desgleichen finden wir solche Fälle auch in mittelbg. Denkm. 
So im Trnoy. Ev.: npHHMTv TiJAO locHip’k okhtts. h (= re) 
Mat. 27. 57; np hhm Tv ompouA . . . h OKauTj. h (== re) Mc. 9. 36; 
ch (= cs) kkcs cKTEopATT». bamt». Job. 15. 21 (dabei ist zu be¬ 
achten, daß wir ch = cs aueh im Cloz. fanden); Hipe IVt für reipe 
Mat. 17. 5; Bora hcthhhhts. (für hcthheht». aus -hbhTi) ectt. 
Joh. 3. 33; hcthhhho Joh. 19.35; MAdAEHHivB Luc. 2.12. 16 (vgl. 
Valjavee S. 20). Hier auch umgekehrt: e^Horo o ^echxkk a 
e^HHoro o A’tvE/TikÄ. Mat. 27. 38. Im Karpinskij sehen Ev. aus 
dem XIII. oder Anfang des XIV. Jahrh.: hhhhco jke 12b, rtHH- 
capHThcKU 30 b, ßk eeahhhctbh ceiuk 217 b, h hh WTB'Ripa 
fuoy 133b, umgekehrt: neuecojke 128b, ^paucns: 32b; aipe hs 
KEUJJfi. np-KKpATHAH CA /i,SHHf TH 48 b, H NS 57, CEMEIVHB 

155. Hier auch das causA: hsmohhkk 27. Im Sestodnev des 
Joh. Ex. v. Bulg.: hhhhcoske 139; ivTHUiHHHie 170b; A dJKH 130; 
orfCTpoHNd 198; EAdr’OA’fcHUB 38b; cbUthakctbo 135b neben 
ce'Eteakctea 225b; aus -R: npHEWBAteT’ (in Variante np’Ks . .), 
in seinem Bogoslovie: npUMHMHTH ca 164, npHOHTAETk 168. 
t für h: camujete 40b. Letzteren Wechsel bemerkt man haupt¬ 
sächlich in den fremden Eigennamen und in Fremdworten über¬ 
haupt. Hierher gehört das hekoahmt. des Assem.; im Zogr. ce- 
UkOHT». Luc. 2. 25. 34, cemeohobtv ib. 3. 30, trotz w cviiäkONk 
Überschriften 129. Offenbar wurde fremdes y als i ausgesprochen 
und daher die weiteren Veränderungen, zumal ein e folgte. 

Aus dem Psalter von Bol. führt Scepkin an (BoaoHCKaa neax- 
Turpjb 1906, S. 199): bti3hec£ ca Imper. — -ch ca 7.3; nhbhahua 



88 


Lautlehre. 


22. 2; a»a h ckurRpHHiix la'ov zaneLvöv 23. 3; X3nf Nom. pl. 
f. K^3 r KH^Hj KHA’feAiut (= BfA - ) 76. 2; aus ’S: cnpHMt 101. 2; t 
für H: C'kKOJfMtNH p-KlKdAUpt K'KC^'KITHTS (Pog. KTvC^MTHTH, 
doch kann es auch ein Schreibfehler sein) 103. 21 (Scep. 167. 1). 

Eine Parallele zu diesem Prozeß bildet der Übergang des o iu oy. 

e 

Das £ ist entweder monophthongischen Ursprungs, wenn es auf 
e, oder dipthongisehen Ursprungs, wenn es auf oi, ai , n oder ai 
(ev. öi) zurückgeht. Vor dem e wurden die Gutturale Je, g, ch in 
6, z, £ verwandelt (die erste oder ältere Palatalisierung) und der 
«-Laut ging dann in a über wie auch nach einem j: Kpnua-TH 
,schreien“ aus *krike- i), vgl. ropUTH ,brennen 1 aus *gore- ; ebenso 
o-KoyiaTH uojQalvEij-S-ai aus *-buj-e-ti ( *bui-e-ti); aer.ura ,Erde, 
Land 1 aus *zemiä, *zem0, vgl. lit. ieme aus *zem0 (lat. materies, 
facies). Das e war wohl offen, wie uns dieser Übergang zeigt. 

Aus oi ist wohl zunächst, als man die Diphthonge überhaupt 
aufzugeben begann, ein Übergangslaut, vielleicht ein oe (vgl. lat. 
oenos, oenus) oder noch wahrscheinlicher öi entstanden. Zu einem 
oi hatte zunächst auch das ai, si geführt. Andererseits kann es 
aus einem si, zunächst wohl ein ai, oi, dann auch einen Über¬ 
gangsdiphthong oe oder öi gegeben haben. Wohl schon vor diesen 
neuen Diphthongen sind die Gutturale Je, g, ch zu c, dz, s gewor¬ 
den (die zweite oder jüngere Palatalisierung), z. B. Dat. Lok. sg. 
mxivK zu bxm ,Marter 1 , Lok. sg. GOjrfe zu nonk ,Gott‘, Lok. pl. 
AOYc’Kx" 11 zu A°VY rk jß-eüät 1 . Wie dieser neue Diphthong sehon 
im Urslavischen zu £ führen und mit dem aus e entstandenen 6 
identisch werden konnte, ist schwer zu Bagen. Fassen wir das 
urslav. £ als ein ie auf, so könnte dieser Laut am ehesten zunächst 
aus einem offenen e entstanden sein, wie sich ja ein analoger Vor¬ 
gang auch im Romanischen wiederholt. Der neue Diphthong konnte 
vielleicht durch Metathesis zu iö und dann zu ie werden, oder man 
kam hier zunächst auch noch zu e. 


*) Es kann nickt genug hervorgehoben werden, daß die Erweichung noch 
vor dem e stattfand, nicht erst vor dem daraus entstandenen S. 



Lautlehre. 


89 


1. Beispiele für S aus e: ß'Rn» ,Flucht 1 , K'k/KdTH ,laufen, 
fliehen', lit. begu, begti ,laufen'; A'k™» A^ 0 ™ >tun, legen 1 , lit. 
deti, dedü (alt. demi , demi) ,legen, setzen', gr. xv-d^-ui ; ctj-KSi ,säe‘, 
C'K-ma ,Same‘, lit. seju, seti ,säen ! , lat. semen. 

Hierher gehört das & der Verba der UI. Kl.: n'kAtTH, ipk- 
A'kKK .heil werden 1 , cüa’Rth ,sitzen', lit. sedeti, sedzu ,sitzen'. Das 
schon erwähnte kphmath ,schreien' aus *krik-e-ti. 

Das $ der Imperfektformen wie EtA'K^Y'k, HirKaY'k, nu- 
H’fedjfTv usw., da es höchstwahrscheinlich mit dem lit. Praeteritum 
auf -iau (aus -e-u) zusammenhängt, also nesziaü zu neszü, neszti 
,tragen' mit HfC’Sax’T». usw. — Das 6 des Aor. wie R'kc'K ,duxi‘, 
vgl. lat. vexi, ai. dväksam. Ein gedehntes e liegt auch vor bei den 
Iterativis wie gn&tati zu gnetq ,knete', in der tr&t- und tUt -Gruppe 
aus *tert, *telt z. B. ea’Suith, ba'Kk.s; ,ziehen, schleppen' aus 
*velkti. 

Das £ desKompar. z. B. A'^p’kH, irkNOJKdH usw. geht ebenfalls 
auf e zurück, wie der Wandel des g zu z im letzteren Beispiele zeigt. 

2. Diphthongisches & aus oi: u,’kna ,Preis', lit. kaina ,Preis', gr. 

noivfi ,Entgelt', lat. poena. Im Lok. sg. der o-Stämme: poivk, 
KO^’k usw. zu poiru,Termin, Jahr', sori ,Gott', gr. or/.oi, ’lo&uoi ; 
im Lok. pl. derselben Stämme: poivkjfk, ceaH^Tv zu 

ceao ,Acker, Gehöft, Dorf', gr. Xw.oiai, ai. vrkesu ( oisu ). Im Nom. 
Akk. du. n. a'^K’R ,zwei', u’kCT’k zu wkcro ,Ort‘. Ein £ aus oi 
enthalten weiter die Pronominalformen: Instr. sg. m. n. Ttuk; 
Gen. Lok. pl. T-fcpv, Dat. pl. T-kink., Instr. pl. t-shh, Dat. 
Instr. du. T’üma. Das t£- ist hier aus *toi- entstanden, das auch 
im Nom. pl. m. vorhanden war und zu th führte; im Imperativ 
EfpkMTi, Ktp-kT6, gr. (pSQOuisv, rpsoobre. lit. 3. P. sg. tesuke ,er 
mag drehen'. In der 2. u. 3. sg. ist das oi zu i geworden: Kepn. 

Aus ai: A'kK'k ,links 1 , lat. laevus , gr. /.aiög aus Icufosi A’Ü^Pk 
,Schwager 1 , lit. deveris, gr. dccrjq aus daifgg, lat. levir ; — Nom. 
Akk. Vok. du. der ä-Stämme: pvai/k, T-k, lit. gere-ji ,bonae', ranki, 
ai. äsve ,Stuten', lat. duae (vgl. jedoch auch oben); aus di: Dat. 
Lok. sg. der a- Stämme: pxivk, lit. Dat. rankai. 

Allen den hier erwähnten Formen mit diphthongischem e stehen 
nach Palatallauten solche mit i gegenüber, so z. B. im Lok. sg. 
der o-Stämme: ma^jkh zu mxjku ,Mann', uop"H zu Mop'e ,Meer‘ 



90 


Lautlehre. 


gegen poipfc zu pöKTv ,Termin', utCT'R zu r.rkcTO ,Ort‘. Alle 
diese Formen sind schon oben bei i 8. 78 aufgezählt worden. Das 
i entstand hier aus ei , das wieder durch den Umlaut aus oi hervor¬ 
gegangen war. 

Aber auch seihst das e führte auf slav. Boden zu i, jedoch nur 
im Auslaute, und zwar, wie man vielfach annahm, wenn es eine 
geschleifte (fallende) Intonation hatte z. B. in math ,Mutter 1 , lit. 
mote, mote ,Weib, Frau'. Die hierher gehörigen Fälle sind schon 
oben S. 79 angeführt worden. Es muß aber hervorgehoben werden, 
daß es sich nieht immer um ein derartiges e handelt. So stimmt 
nicht die Endung der 2. P. sg. -si bei den konsonantischen und -si 
bei den vokalischen Verben 1 ). Daß sie nicht gleichen Ursprungs 
sind, beweist auf der einen Seite das s, auf der anderen das s, 
es müßte ja sonst ein einheitlicher Laut hier sein. Ein i läßt sich 
am ehesten noch bei -si, wenn es auch nieht so ganz glatt gebt, 
plausibel machen. Bei den konsonantischen Verben finden wir 
nicht selten Medialendungen, im Slav. gehört hierher auch R’k,yk 
,ich weiß' mit der Medialendung -ai (vgl. auch preuß. as-mai- ,ich 
bin'). So kann man eine solche, nämlich ein -sai, auch bei der 
2. sg. bei den kons. Verben voraussetzen. Das mußte schließlich 
zu -e führen. Dieses e, bzw. sai , hatte aber eine gestoßene In¬ 
tonation, wie z. B. im G-riech.: rpsgouai, cpegercu, es sollte also als 
e bleiben, wie es auch bei ß’kA’S geschehen ist. Die gestoßene 
Intonation ergibt sich auch aus der urslav. Betonung jesi (vgl. klruss. 
nsi, dasi, serb. jesi), die eine Akzentverschiebung voraussetzt, was 
nur bei einer gestoßenen Intonation der letzten Silbe möglich war. 
Es wäre hier, falls die Erklärung richtig ist, ein Fall, in dem ein 
gestoßenes e zu i geworden ist. Freilich stimmt dann wieder das 
e in ß’RA'k nicht, worin aber Mikkola jetzt einen Conjunct. auf 
äi sieht, ai. Ihaväi (Eocz. slaw.I S. 7). Nach -si konnte dann aueh das 
*h 2 ) der vokalischen Verba (aus urspr, *-si) zu -£i geworden sein. 

1 ) Meillet ging im Slav. von den Formen aus: *nesi (vgl. lit. vedi), *no- 
sis't, *jesb (= ai. dsi, gr. ei), durch Kontamination wäre daraus: h£«luh, hochuih, 
isch entstanden (MSL. XIV S. 412 f. 

2 ) Das ch, auf welches dieses zurückgeht, konnte natürlich zunächst nur 
nach i-Lauten, alBo z. B. in nosih aus *nosichb anfgekommen sein. Dann 
wurde es verallgemeinert. 



Lautlehre. 


91 


Es ist nicht einmal ausgemacht, daß dieses -si schon urslav. war. 
Notwendig ist diese Annahme nicht; es kann das -h urslav. ge¬ 
wesen sein, so daß -Si erst auf slidslav. Boden aufgekommen wäre. 

Es stimmen sonst auch noch einige Formen nicht. So haben 
wir ein geschleiftes 6 im Lok. sg. der o-Stämme: poi^-fc, ?.rfcCTU, 
vgl. gr. ^IaS-uoi, oixot (gegen oIy.ol im Nom. pl.), weiter im Dat. sg. 
der «-Stämme: p-tiE-fc, pÄu,t: und trotzdem ist es geblieben. Nach 
letzteren Formen ist auch der Dat. sg. usnt, teku und ctK-fc zu 
beurteilen (vgl. auch den Instr. sg. MTkuoBS, toeobk, mit pTij- 
eokr usw.). 

Unter solchen Umständen ist es begreiflich, daß man die Hypo¬ 
these von dem Übergange des geschleiften £ in i aufgibt. So sucht 
Mikkola diesen Übergang anders zu erklären. Er basiert auf der 
Annahme, daß sich Langdiphthonge länger behaupteten als Kurz¬ 
diphthonge. Aus e wäre e geworden, ebenso aus ai, oi (durch die 
Stufe öi). Im Auslaute ging nun dieses £ in i über, als es noch 
ein aus äi (darin auch urspr. öi) entstandenes äi gab. Dieses wäre 
erst dann zu £ geworden (Roezn. slaw. I S. 7 f.). Freilich hat diese 
Hypothese, wie man sieht, auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen 
(man vgl. die Erklärung des v£d£), aber jeder derartige Versuch, 
diese recht verwickelten Tatsachen zu lösen, muß begrüßt werden. 
Glücklicher scheint die Erklärung Hujers zu sein (Slov. dekl. 
S. 68 f.): aus F ist im Auslaute i geworden, aus ai, oi ein i, wenn sie 
gestoßen waren, ebenso wenn sie geschleift waren, aber nur in einer 
geschlossenen Auslautssilbe, in offener dagegen e, Damit würde auch 
das aksl. Tt = lit. tal ,so‘ übereinstimmen (Verf. Vgl. slav. Gr. n 
S. 514—515) und IRK = Jcai ,wie‘. Es wäre nicht erst £ anzusetzen. 

£ im Anlaute. Sehon im Urslav. entwickelte sich vor dem £ 
im Anlaute, mochte es welchen Ursprungs immer sein, die Prä- 
jotierung: ein i (ein prothetisches j), das zu einem j führen konnte. 
Nach diesem prothetisehen i, j ging das & schon im Urslav. in a 
über. Das e erhielt sieh aber in Zusammensetzungen, die also 
noch älter waren als die Entwickelung des prothetisehen i, und 
von hier aus machte es sich dann in einzelnen slav. Sprachen auch 
außerhalb der Komposition im Anlaute statt des urslav. ia,ja geltend. 
So z. B. aksl. und urslav. raMb. aus *edmi ,ich esse' neben ct^k- 
’KMk ,ieh werde aufessen 1 , Inf. iscth, russ. aber £ctb, LiaTB, 



92 


Lautlehre. 


, Speise“, ipywh ,Esser“, das alles nach ch4cth u. dgl.; ab. jiem, 
jiesti, Part, jedl (nie jadl), jiedlo, p. jesc, jem , jadto neben jedio, 
Part .jadi, pl. jeäli. Hierher auch aksl. iucah ,Krippe“, und wohl 
auch , Grift“, das wegen des Zusammenhanges mit dem Verbum 
in den betreffenden slav. Sprachen auch das urspr. ja aufgab: ar. 
’fcA'N ab. jed (nie jad). Wenn es auch die Bedeutung von , Zorn, 
Galle“ (vgl. s. 'jed, jed ,Gift, Zorn, Galle“) erhalten hat, so würde 
es nicht berechtigen, nur deshalb mit Fortunatov (AfslPhil. 12, 
S. 100) an eine andere Etymologie (ahd. eiz ,Eiterbeule, Geschwulst“, 
eitar ,Gift“) zu denken, da sich aus der Bedeutung ,Gift“ auch jene 
,des Zornes“ ohne weiteres entwickeln kann, vgl. auch deutsch ,sich 
giften“ == ,sich ärgern“, ,Giftwut“, ,Gifthansl“ = ,der sieh leicht 
ärgert“ usw. Analog ist z. B. auch potio zu poison ,Gift“ geworden. 
Vgl. auch Ha-TpoyTH, -Tpoß*. ,nähren“ und o-tpabhth ,vergiften“ 
(z. B. im Supr. 212. 21—22). Auf ein e geht wohl auch das urspr. 
e in h- ,vehi“ zurück (vgl. lit .joti,joju ,reiten“, wo auch ein langer 
Vokal, allerdings ein 5, vorliegt), Inf. rs-th, doch ist im Aksl. von 
den Infinitivformen nur das Part, praet. act. I belegt in npk-'kiiTiWf 
1. pre-jamse Mat. 14.34 Zogr.Mar. (Ass.u.Ostr. hier np'k-'kpsrb.uje). 
ab. jeti, Praes. h-a*, z- B. np’k-'SA'KM'K hu oh noAiv tnepa Luc. 8. 
22, Mar. (Zogr. u. Ass. hier npk-HAkyTi), ßK3"kAH Lue. 5. 4, Mar., 
ß-k'SAH Ass. (k^ai Zogr.), Aor. raA’t (3. pl. np-k-kA^ Luc. 8. 26 
Mar., Zogr. hier npk-kAouiA), im Inf- wird iax dTH gebraucht, 
wozu auch die Präsensformen belegt werden können, z. B. Imper. 
k^an Lue. 5. 4 Zogr. (Mar. Bus-kAn). 

Zur Wurzel eid 1 ) ,schwellen“ gehört wohl jadra pl. ,Busen“ 
z. B. 'RApm tboixti Psalt. sin. 73. 11, BkH-kApa ib. 34. 13 Bk 
HkApa 78. 12, B'kN-kApkX'k ib. 88. 51 (von solchen Verbindungen 
aus entstand dann NkApa und durch Kontamination mit HApa 
auch ein HiaApa). Diphthongisch war das e (dann ja) wohl auch 
in lassa ,foramen, fovea, vulvus“, raaßHua ,Höhle, Grube“ (H3BTU 
finden wir z. B. in Sav. kn. Luc. 10. 34 in glag. Denkm. k3ßa) 2 ), 

*) Z.B. olöos, Geschwulst“, dazu wohl auch das oben erwähnte ahd. eitar usw. 

2 ) Wenn im Buss. neben nana auch fena vorkommt (vgl. die Belege bei 
Fortunatov im AfslPhil. 12, S. 101, Anm. 1), so kann es vielleicht aus Ver¬ 
bindungen wie *bt.h—■ k3B"k erklärt werden, nachdem schon einmal eine ge¬ 
wisse Vorliebe fiir das e im Anlaute bestand. 



Lautlehre. 


93 


da es offenbar mit lit. aita Spalte', lett. aiza, lit. aizyti .aushülsen 1 , 
preuß. eyswo ,Wunde* zusammenhängt. Zweifellos diphthongisch 
war das e in raciru ,hell, klar 1 vgl. lit äiszkus ,deutlich, laut 1 . War 
dagegen schon von Haus aus im Anlaute ein ioi, so führte es zu 
einem anderen Resultate, wie wir schon oben sahen, nämlich zu 
iei. ii, ji, z. B. im Instr. sg. m. n. h m k (1. jimt) gegen TfcMk. 

Es ist begreiflich, daß man sich dagegen sträubt, mm ,unns‘ 
in uovoysvTig u. dgl. (Tgl. 16,4, wn*) von lat. oinos, unus, 

gr. ovvi'i zu trennen und es von einem reduzierten *ino- abzuleiten, 
wie neuerdings auch P. Lang dagegen Stellung nimmt (Öas. mod. 
fil. I S. 97—99). Es ist richtig, daß die oben erwähnten Etymo¬ 
logien nicht über jeden Zweifel erhaben sind, andererseits muß 
aber beachtet werden, falls man das i auf ein e zurtiekführen will, 
daß man dann auch ein *jedem und nicht jedim erwarten müßte, 
wie Fortunatov hervorhebt (Hob. 6, Heft 4, S. 293). Sonst müßte 
man annehmen, daß jed x ) erst später vorgesetzt wurde, das ist 
aber kaum glaublich. Schwer wäre auch mit *i-oino -, *i-eino- zu 
operieren (dann: *jed-iino-). Sicher ist, daß t€ r \k(m sekundär ist 
und sich erst aus jedino- in längeren Formen wie jed'nogo usw. 
entwickelt hat (vgl. bei den Zahlwörtern). Für unsere Frage kommt 
also ein garnicht in Betracht. 

Auch das Verhältnis von hckäth ,suchen 1 zum ahd. eiscön 
,fragen 1 steht noch nicht fest. Gegen eine Entlehnung aus dem 
Urgerm., die ja im Anlaut zunächst zu einem e geführt hätte, hat 
sieh Berneker ausgesprochen (AfslPhil. 25, S. 491), und zwar auch 
wegen der abweichenden Bedeutung (vgl. auch serb. Uskati, iskati, 
böhm. viskati ,lausen 1 ). So wie in nacTH, nacx, lat. päscö ein 
-sko- vorliegt, so wäre in unserem Falle dazu eine Hebenform mit 
-sqo- zu suchen (vgl. ai. icchämi ,suehe‘). Aber es ist schwer, die 
Worte zu trennen, die abweichende Bedeutung hat nichts zur Sache. 
Aus dem ,Suchen 1 kann leicht ein spezielles ,suchen 1 also ,Läuse 


*) In dem jed könnte, wie Brugmann meint, das alte Neutrum ,id‘ 
vorliegen und das könnte auch in je- (Gen. je-go usw.) gesehen werden (Ber. 
der pbü.-hist. Kl. der Kgl. sächs. Ges. der Wiss. zu Leipzig. Bd. LX, S. 57). 
Dann könnte man allerdings nicht von einem *ta-go, das erst nach tomu, 
form za togo geworden wäre, ansgehen. 



94 


Lautlehre. 


suchen. 1 werden. Ich glaube, man kann die Worte nicht trennen 
und es ist eine Revision dieser ganzen Frage notwendig. 

Das e in den aksl. Denkmälern. Es ist schon erwähnt 
worden, daß in den glag. Denkm. und häufig darnach auch in den 
cyrillischen der Buchstabe e gleichzeitig auch für ja gebraucht 
wird. In der glag. Schrift hat man für ja überhaupt kein eigenes 
Zeichen. Das kann natürlich unter Umständen sehr mißlich sein, 
da man in bestimmten Fällen in Verlegenheit kommen kann, ob 
ein u oder 'S zu lesen sei, insbesondere in den cyr. Denkmälern, 
wenn sie ein k im Anlaute haben. Kommt daneben noch im selben 
Worte noch ein ra vor, so ist die Sache klar, aber bei ar. Quellen 
kann man verschiedener Ansicht sein 1 ). 

Aus der Anwendung des k für a folgt, daß in dem bg. Dia¬ 
lekte der beiden Slavenapostel das e dem ja lautlich sehr nahe 
stand. Noch heutzutage wird im Dialekt von Suchö (östlich von 
Saloniki, der Heimat der beiden Slavenapostel) das e als ein sehr 
breites dem a schon nahekommendes ä ausgesprochen (Oblak, 
Maced. Studien, S. 25) 2 ). Es liegt also nahe anzunehmen, daß sich 
hier etwas altes erhalten hat. Dieser Umstand ist bei der Frage 
nach der Heimat des Aksl. auch von einer gewissen Bedeutung. 
In den anderen macedonisehen und westbulg. Dialekten lautet das 
e meist wie e, das auch in i übergehen kann, wie schon oben 
hervorgehoben worden ist. In den ostbulg. Dialekten wird betontes 
e als ja, also auch offen, ausgesprochen, wenn in der nächsten 
Silbe kein weicher Vokal [e, i, e) oder c-Laut folgt, sonst als e: 
unbetontes e lautet wie jo = V 3 ), d. h. z, wobei der vorhergehende 
Konsonant erweicht ist. 


’) Wenn z. B. im Ostr. in der Regel ’kcTk usw. also ein •b geschrieben 
wird, so meint Fortnnatov es nicht als ra auffassen zu müssen, trotzdem hier 
dreimal n geschrieben wird: ba'mii'u, ba^uihick, ha'u (Cocxaira OcipoMBpoßa 
Enajär. S. 63). 

2 ) Aber auch das urslav. a wird hier nach c, z, £, V so ausgesprochen, also 
als ca, sä", sä. Tä. 

3 ) Man könnte einfach sagen, das -t ist hier zu ja geworden und dieses 
teilte die Schicksale des ursprünglichen ja, konnte also auch zu e umlauten 
(Conev in CäopHEKB 3 a nap. yM. III S.294f.) z. B. fuä, 6't,x6 zu 6'sji ( 6 ^ 411 ), 
■ifeT'i, (A-hx-k) ubw. 



Lautlehre. 


95 


Auf die lautliehe Geltung des 'S ist es nun zurüekzuführen, 
wenn z. B. im Zogr. cahoe st. ckHO« bzw. clcaHOE Mat. 13. 22 ge¬ 
schrieben wird. Allerdings kann hier auch ein bloßer Sehreih¬ 
fehler vorliegen, denn ib. 13. 19 (bis), 20 u. 23 wird c'kanof ge¬ 
schrieben, im Mar. allerdings c-Khos 13. 19 (bis) sonst cUaHoe 13. 
20. 22 u. 23. — Im Supr. KEca^aui’k 363. 23 (es folgt hier ein a, 
könnte ein Schreibfehler sein), catio 126, 8 (kommt später nicht 
selten vor, doch liest hier Severjanov: o ca f a on p h\' o r \ a m t h h m’ k, 
wohl auf Grund des griech. Textes?), u,acapov 192 . 8 (hier folgt 
wieder ein a nach), camapaHL 514. 15 gegen caMap’KH'k 517. 15 
kann auch durch die Doppelheit von -’&hhh'u gegen ranHtm er¬ 
klärt werden. Also sichere Beispiele fehlen hier. Etwas sicherer 
sind die Beispiele inPsalt. sin.: norpauaiA aus norp’knatA 78. 3; 
npaupaTH 77. 44 und npaupaTHiuiA 77. 57, spauna 80. 16, die 
Fälle betreffen also immer das urspr. p'S 1 ). Damit steht auch im 
Zusammenhänge, daß wir in den älteren Denkmälern noeh häufig 
rp'kaa ,Gras‘ finden, wofür dann Tpasa eintritt. Im Mar., Zogr., 
Ass. n. Sav. kn. nur Tp’kua, im Psalt. sin. finden wir neben rp'kßz 
auch sehon Tpauju 103. 14 und rpaua 102. 15. So neben no- 
AP'KJKaa^x Luc. 16.14 des Mar. noApaiKaajf;*; im Zogr. Ass. usw.; 
analog in Luc. 23. 35. Hierher gehört auch np’kA’kA* 1 für npa- 
A’KA' 1 Euch. sin. 176 (obzwar hier auch ein Schreibfehler vor¬ 
liegen kann). 

Daß das e auch noch später offen blieb, ersehen wir aus den 
nach dem Verhältnisse beah : B’kA' R ' r£ aus raaroan : raaroanT« 
entstandenen neuen Imperativformen raaroa'ST’t usw., in denen 
das ’k auch noch zu a werden konnte. Diese Formen werden 
zwar häufig mit U geschrieben, so z. B. im Zogr. raUTt Mat. 6. 7 
(Mar. i’ate, also unklar) gegen räirre Luc. 10. 9 (hier auch Mar. 
so) und 17. 10 (hier auch Mar. so, Ostr. dagegen schon rairrt), in 
der Sav. kn. rakTt 64b und 72 (Ass. an beiden Stellen r/urrt), 
aber daneben haben wir doch auch a, so z. B. schon im Zogr. 
neben HiuTkTf Mat. 6. 33 (hier auch Mar.) auch hujtate Luc. 11.9; 


*) Doch finden wir hier auch den Wechsel zwischen -fc und h: »EA<mk 
(Nom. pl.) 17.13; Rpas-k 88. 52; hosi st. -fc 72. 2; k-e kpobh 26. 5 (et» Kp«B-k 26. 6), 
npioA HM'k gt. Iip'k.\i hack 16.13. 



96 


Lautlehre. 


12. 31 (Mar. an beiden Stellen noch das ältere hihtht(, Ostr. 
Bl. 275b mjuTt, dagegen dieselbe Stelle — Luc. 11. 9 — Bl. 117a: 
Hip’STf). 

In den mittelbulg. Denkm. finden wir ’S anch noeb als e nnd 
als ja. So bat der erste Schreiber im Et. Dobromiri äußerst 
selten ta nnd der zweite überhaupt nicht gebraucht, sondern dafür 
nur 'S, z. B. stu-S 108b. 14 neben stiuwS 15b. 9 (Nom. sg.), mou 
boa’S 112 a. 2. Das 'S wird hier von f genau unterschieden (nur 
pasoyiitHHio 76b. 11 mit e st. ’S, t-Shaacta 179a. 4 ist korrigiert). 
Beachtenswert ist hier caiuio 102a. 3; 140a. 15; 132a. 11.13 neben 
c-SMO 66 a. 10; 87a. 14; 101b. 12; 180b. 11. 

Im Trn. Et. wird nach Vokalen und nach l und r anch noeh 
’S für ja geschrieben: Kpat: Mat. 27. 51, Kov'p’S Mc. 4. 37, pc>A,H- 
TtA-S Luc. 2. 43 usw. Für a nach m: H-SeMTB Mat. 10. 2; i’Sc'k 
Mat. 24. 44; Mc. 6 . 35; Luc. 12. 40 usw. Wir finden hier noch 
Tp’SEA Mat. 13. 26, Joh. 6 . 10, Tp-Ssx Mc. 4. 28, Luc. 12. 28 usw. 
Auch cuij,’S Joh. 9. 15. Daß es sich dem a genähert hat, beweist 
auch nu,aTf st. nsp-STe Mat. 10. 19 (nf^an ca werden wir auch 
im maced. Ap. finden, a hier überhaupt häufig nach 4 ). Wie im 
Et. Dobr. finden wir hier camo und zwar 11 mal, cUmo nur ein 
einziges Mal: Mat. 14. 18. Vgl. noch Tia;fE für ’r S'C’K Mat. 26. 73, 
Bii. MOAHTßia Luc. 6 . 12, ua CTpawra Luc. 15. 14, kt» M^HHuyk 
CHTiajfT). Mat. 13. 33 (nicht Luc. 13. 21 wie Valjavec S. 8 angibt) 
st. b’k maü’S t pn catti, im Trn. Et. chta wie auch sonst, daher 
sollte es CHTajfk heißen. Unsere Form scheint aber ein cht-sx"b 
T orauszusetzen. npocTpra Mat. 12. 13 (ValjaTec S. 8 ). 

Ein ra für ’S finden wir auch häufig z. B. in dem Parimejnik 
des GrigoroTic z. B. aranOTX, Bia, CBiaTii, BH r \ra nocpia^’S 
(Vgl. Verf. Ksl. Chrestomathie S. 105). cßiaTi). auch im SestodneT 
t. J. 1263. 

Für das ja tritt in anderen Denkm. einfach ein a auf. Dieses 
zeigt sich insbesondere nach 4 , dann nach den Sibilanten über¬ 
haupt (und nach p). Zahlreiche Belege nach 4 finden wir im 
macedonischen Praxapostolus, wie z. B. 4 aaobath 24a, 28a, 
43b usw., W 4 ACTHTH 5h, 21a, 26b usw., 4 aao 18b, üaaomav- 
^pkho 80b, 4aha 7b, 55b; kb pli 4 a 73b, iui;& 4 a 60b, bb lubaa4a 
72b, bb ri 0 T 04 a 32a, bb hctohnh 4 a 57 a, bb B T k 4 a 50a, 80b, 



Lautlehre. 


97 


bb HAOß'feHd (s st n) 27b, no naan 8 b, 18a, 72b, 77a, Eh. a*»- 
MdC 4 d 12b, 13a, 13b, 46b, koahuj 60b, p^ud 6a usw., o npo- 
poHd^'h 58a, 75a, Eh ß’SnajfK 49b, Eh ASUHdjfh 17a usw., 
TdUdMH 68 a, KQrtHUdMH 49a, Imper. OEAknATt ca 53b, 57a, 64b, 
heirate ca 51b, phi^dTt 876. 

3ddo 9a, 29b, 68b, H03d (Da.) 26b usw. Loc. sg. KAd3d 74b, 

Hd Tph3d]fh 69b, Eh 1b, Lok. Sg. EA43AME 39a. - 

CdMO (— c’Kmo) 23a. 

Nach p: spaEO 4b, 55b, wKpd38xtjj£ 49a (Gral. 6, 13) neben 
0Epk30BdTH ib-, cTpdH^dx - ^ 18b (Acta 12. 6, Sis.: CTp-KJEapif), 
npiaM^AP® (Wer ra) 78a; im Sisat. Ap. Eh ETEpa BdCh Hebr. 3.13 
sv rivi vacüv, im Mak. : ßh ETsp’fe Eh Bdch. 

Vereinzelt: cB’k 1 d,a»i{iH skeha rro 7b (Act. 5, 2, Dat. abs.); ka- 
poEduiA 23a, Eh EphTnd^h 35a, HcnoEd^.dHH'K 66b. — w 
jfpHcTta 41b (ta), a^m® 48a st. ^-Kemo II Cor. 3. 12. 

Vereinzelt nur d für 'S. (AfslPbil. X S. 121) und h für '& und 
umgekehrt: hebh^’S st. NEß'KA’k [ow. olda) I Cor. 1. 16; k’Ka’K- 
HHEMh st. bha . . . Sch eidovg II Cor. 5. 7. 

Später finden wir auch e für *6. Ein älterer Beleg wäre in 
np(Edd) raiEMh auf dem cyr. mak. Blatte l v , 21, falls hier Sveznevskij 
noch richtig las, Iljinskij konnte hier niehts mehr unterscheiden 
(S. 20). 

Serbokroatische Denkm. Jene, die auf dem Gebiete des 
kroat. Küstenlandes und des nördlichen Dalmatien mit den zu¬ 
gehörigen Inseln — das ist das cakavische Gebiet — entstanden 
sind, weisen häufig ein h st. des ’S auf. Das ist auch ein häufig 
wiederkehrendes Merkmal der Denkm. mit der eckigen oder kroat. 
Glagolica, die eben auf diesem Gebiete gepflegt wurde. So z. B. 
onpHCHAK’ im Missale des Knez Novak aus dem J. 1368 (Verf. 
Ksl. Chrestomathie S. 116f.) neben onp’ScHAKh, noTpHKNO, puhta, 
kaah neben kaa^, cimuh usw. Daneben auch e für k, aber nur 
in cBEipaiuE, oEEipaß’ usw., was sieh überhaupt in vielen as.Denkm. 
wiederholt. Natürlich kommt hier li auch als ta vor (in der alten 
Punktion). Zahlreiche Fälle der Verwechslung des t mit h finden 
wir in dem um das J. 1400 geschriebenen Evangelium von 
Nikolja (Nikoljsko jevandelje) und im Hvalschen Codex ans 
dem J. 1404. In beiden Denkmälern kann nebenbei für w ein m 

Yondr äk, Altkirckeaslavisclie Grammatik. 2. Auü. 7 



98 


Lautlehre. 


und umgekehrt gesetzt werden, so daß hier die drei Laute ’S, h 
und w abweehseln z. B. r^svä ftir r,\ls. Ev. Nik. Mat. 2. 2; 

Youu für KH^ r 'kjfouk ib., 3ßKi3A«>Y • • - ukctouki ib. usw.; bk 
cKopu Hv. Cod. Apoc. 1. 1, cbkiaksteakcteoba ib. 1. 2, KAaro- 
AHTK 1. 4 usw. Im Ev. v. Mk. auch wtkbiipabk, cshpaeactk, 
cKtijMUit, ossipaujs, wie wir im Miss, des Kn. Novak gefunden 
haben und sonst noch finden werden. 

Da das G-rskovicsche Apostelfragment irgendwo im süd¬ 
lichen Bosnien oder der Herzegovina, jedoch nicht in den Küsten¬ 
gegenden geschrieben worden ist, so finden wir kein einziges h 
darin für k. Es kommt hier nur vor: OTBtipaß'K (für OTE’kipaB'K.) 
I, 20; VH, 8 und VIII, 18; c-keeüjaho I, 22; oEtipaBATH IV, 22, 
aber auch Ha bcBh (für bceh) I, 28; et» hUh >K£ IV, 20; na wSh 
ib. 21. 

Ein t für t, das zunächst auf das ostserb. Sprachgebiet jetzt 
hinweist, finden wir in den älteren Denkmälern verhältnismäßig 
selten. Im Ev. des Vukan z. B. y a£K a Luc. 24. 35; selbst auch im 
Miroslavschen Ev.: npeMO 95, ha £ ta für ha’üta Imper. 17. 11. 
Dagegen in BkipaTH mit seinen Zusammensetzungen (insbesondere 
OTs-KipaTH) findet man auch hier häufig ein t st. k, so im zuletzt 
erwähnten Denkmal durchwegs. In der Urkunde des Banus Kulin 
von Bosnien (1189): 3Af ah Z. 10 st. saUah. 

Kussiseh-kirchenslav. Denkmäler. Das e und e waren im 
Buss, ursprünglich auch verschiedene Laute 1 ). Während e unter 
bestimmten Bedingungen zu o werden konnte, ist dies bei e nicht 
der Fall (PI. als gnözda ,Nester' ausgesprochen ist erst 

später durch Analogie hervorgerufen). Die ältesten Denkm. sind 
auch hinsichtlich des e und e noch ziemlich genau, im Ostrom.-Ev. 
findet man etwa nur eine Abweichung hectk st. h'Sctk. Man kann 
zwar darin auch einen strengeren Anschluß an die stidslav. Vor¬ 
lagen sehen, aber identisch waren diese Laute im Ar. nicht. Dafür 
spricht noch ein anderer Umstand. Während das e im Kleinruss. 


*) Im Großruss. und in der Schriftsprache ist jetzt e gleich dem geschrie¬ 
benen e, d. h. beide haben die Geltung von je: in ne und Hferi lautet das 
ne und ne gleich d. h. als ne. Die Schreibweise ne ist daher eine kirchenslav. 
Tradition, sie entspricht nicht der russ. Aussprache. 



Lautlehre. 


99 


meist geblieben ist, ging hier das & in ß über, wobei j die Er¬ 
weichung des vorhergehenden Kons., die übrigens schon da war, 
ausdrttcken soll 1 ). Diese Tendenz des £ zeigt sieh aber auch im 
Nordgroßruss. und zwar speziell im Novgoroder Dialekt. Man findet 
dieses i in den Novgor. Denkm. hier und da seit dem XIV. Jahrh. 
So führt Jagic aus dem Novgoroder Trebnik (XIV. Jahrh.) an: 
CK'kA HHHH TEOHJf’k. 83, npHAHflHJfCA CEH^eHHH TKOHJf’k 88 , HA- 
cahahhkouti. ktvIth 59, pov'V 1 tsoh 89 usw. Aus der Novgor. 
Palaea (XIV. Jahrh.): ECHjfk 104, ca’khahth 106, khaheui« 108 
usw. (KpuT. 3aii. no hot. p. H3. S. 40—41). 

Noch im XII., XIII. und XI V. Jahrh. findet man genaue Denkm. 
bezüglich des 6 und e. Nur in den Silben p'S, n -fc aus der tert-, 
feß-G-ruppe findet man häufig e, was sich jetzt noch als eine alte 
Tradition erhalten hat: cpe^a, upeBo (neben eepep;ä, nep&Bo), npe-, 
npe^t usw. In allen russ. Denkm. findet man ferner den Dat. tek'K 
mit dem G-en. 'reut verwechselt, dann den "Wechsel zwischen r#e, 
3 Ae und ta% 3p;®; letzteres ist mehr nordruss., ersteres kleinr. 

Andererseits gibt es aber doch auch schon im XI.—XII. Jahrh. 
sowohl nord- als auch südr. Denkm., in denen für ein t oder 
umgekehrt erscheint (Beispiele bei UlaxafaTOBn, Ilso.rhioBarde o 
ns. HOBorop. rpaMor% S. 211, CoÖoaieBCKiH, AeKifiH 3 S. 68, Kravh 1. c. 
S. 41—42). So findet man im Novgoroder Stichirar vom J. 1157 
(nordruss. Denkmal): ciuchi, TtcHUH, ha AP'hßf usw.; im südruss. 
Ev. Dobrilos (1164) cbitti, bsch, hsk'eih, Kecu ha itSct«, ha 
MtcTk u. a. Sobolevskij meint auch, daß t von *K — also um¬ 
gekehrt — in den südr. Denkm. gar nicht oder fast gar nicht ver¬ 
treten werde 2 ) (es finden sich hier aber auch solche Fälle mit ’S 
st. e, denen in den neueren Dialekten kein h gegenübersteht, z. B. 
K-SAUMH, jetzt Be-Ms), dagegen erscheine in den Novgor. Denkm. 
’S für e ebenso häufig wie e für ’S 3 ). Seit dem XIII. Jahrh. war 

Über die Chronologie dieses Prozesses s. weiter unten. 

2 ) Abgesehen von jenen Fällen, in denen Mer e zu i («) gedehnt wurde, 
woraus dann i entstand (vgl. die Anm. S. 100), wie z. B. im Christinop. 
Apost. XII. Jahrh.: Tp-fc3E-knHie II. Petr. 1. 6; Gal. 5. 22; cap-tT-kHHie I. Thess. 
4.17; MkAivfcHHis II. Petr. 3. 9; In Dobrilos Ev. V. 1164: SHAwbHhie Mat. 12. 28 
und sonst noch. 

3 ) Z. B. in dem erwähnten Novgoroder Stichirar ans 1157: rnAiipTH, 

KPp*fcHf, nOK-k.Vk-N.ta. NA HES-kcH, Hi KOA^CHHUH USW. 


7* 



100 Lautlehre. 

in den- nordrnss. Denkm. die Verwechslung beider Laute, da sie 
hier um diese Zeit zusammengefallen waren, begreiflich. Anders 
ist aber der Wechsel dieser Laute in den nordruss. Denkm. der 
früheren Zeit und in den südruss. überhaupt zu erklären. 
Daß k mit t verwechselt wird, ist — wie Sachmatov gezeigt hat — 
dem Einflüsse der Aussprache des ksl. k bei den kirehenslavisch 
gebildeten Literaten zuzuschreiben. Das 'S wurde von ihnen mehr 
als ein enges e ausgesprochen, so daß es näher kam dem russ. e 
als dem russ. e. Nur auf diese Art können wir es begreifen, daß 
z. B. in einem Denkmale neben h st. k auch e st. k steht 
o H3. noBrop. rp. S. 211). Auch Jagic hält es für eine künstliche, 
geschulte Aussprache des aksl. k (Kpirr. sani. no hct. p. as. S. 44). 
Je stärker der Einfluß des Ksl. war, desto mehr verwechselte man 
sowohl im Süden als auch im Norden beide Laute. 

Bezüglich des i (ji ) aus J im Kleinruss. meinte Jagic, daß dieser 
Ikavismus (vgl. die serb.-kroat. Denkm.) hier im XIII. Jahrh. noch 
nicht herrschend war, erst in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrh. 
und im XIV. hätte man zuverlässige Belege. Die wenigen Belege 
aus dem XI. Jahrh. wären Fehler: cthhtw in den Hom. des Gre- 
gorius von Naz. (XI. Jahrh.), Bpa3o\fMHHHi6, hcu,hah (dabei auch 
uciyfcAH), oyTHLiuHHra st. -Tkui- Sbor. Svat. 1073, hhmaki ib. 
Auch Sachmatov ist geneigt, erst in den Denkm. des XIV—XVI. 
Jahrh. ein an Stelle des aksl. k stehendes h für den Reflex der 
wirklichen Volkssprache zu halten. Die Belege aus der früheren 
Zeit sollen nur andeuten, daß das k als verengter Laut schon nahe 
dem i stand und daß es daher durch das i annähernd wieder¬ 
gegeben worden wäre (Hae.iSn- S. 168). 

Im XHI. Jahrh. sind die Beispiele häufiger, vor allem begegnet 
man dem Worte cKk^HTfAa, das für das XIII. und die erste Hälfte 
des XIV. Jahrh. ein charakteristisches Merkmal südrussischer Denk¬ 
mäler ist. Um das XIV. Jahrh. kommt schon das i öfter vor und 
zwar nicht bloß aus dem alten e, sondern auch aus dem neuen 
durch Dehnung des e entstandenen ’). Seit dieser Zeit ist es in den 


r ; In Verschlnßsilben wurde me gedehnt und vor weichem Kons, diph¬ 
thongiert d. h. zu e, daB jetzt in den Dialekten meist als i erscheint: Um 
aksl. «amu., kämm aksl. kamiha. Hierher gehören auch die oben in der Anna. 



Lautlehre. 


101 


südruss. Denkm. üblich. In der Volkssprache konnte allerdings 
das i schon viel früher vorhanden gewesen sein. Wichtig ist, daß 
wir in den Denkm. mit i aus e auch umgekehrt & fiir i finden: 
np'RHA'KTi» st. npnH l 4,'STk in Dobrilos Et. 1164. 

a 

Es ist entweder die direkte Fortsetzung eines ursprachlichen 5 
oder geht auf ein ursprachliches 5 zurück. Ein urspr. ä liegt vor 
z. B. in i.uth ,Mutter*, lit. mote ,Weib, Frau £ , lat. mäter. Hierher 
gehört das a der 5-Stämme in folgenden Kasus: Nom. sg. z. B. 
pxKd ,Hand‘, lit. ranhä , vgl. gr. yßocc, got. giba ; Dat.-Instr. du. 
pxKa-Ma; Dat. pl. p^rka-mt*, lit. rankoms (- mus ); Lok. pl. pxka-^t», 
ai. älva-su (*e&uä-su)‘, Instr. pl. pSiKA-MH, lit. ranhomis , got. gibom. 
Weiter das a des Nom. Akk. Vok. pl. der neutralen o-St.: mUcta 
,O rte, Stellen', gr. düga, lat. dona. Dieses a war identisch mit dem 
a der ä- Stämme (kollektive Bedeutung des 5). Das a der Verba 
der V. Klasse [-a-ti), die verschiedenen Ursprungs sind. Uralt war 
das a z. B. in opa-TH ,ackern 1 , lat. arä-re, BivsaTH ,rufen, nen¬ 
nen 1 usw. Ferner sind es Denominativa wie aVaath, a^aabr 
,machen 1 aus A'kAO ,Werk‘, nrpaTH ,spielen 1 aus Hrpa ,Spiel 1 , 
KOTopaTH ,streiten 1 zu KOTopa ,Streit, Kampf 1 . Die Bildungen 
von den ä- Stämmen waren ursprünglich und darnach richteten sich 
dann auch die von anderen Substantiven. Schließlich Iterativa wie 
KAAATH, Ka^AKR ZU KOCTH, BOA 3 ' , Stechen 1 , T'tKATH, T'fcKAKK zu 
TfuiTH, TtKX ,laufen, fließen' usw., mit denen die lit. Durativa 
auf -au, -oti wie h ydau, brydoti ,im Wasser stehen 1 zu bredü, 
bristi ,waten 1 zu vergleichen sind. Auch das a der Verba der 
VI. Klasse wie mhaobath, Kov-nonaTH usw. scheint urspünglich 
das der Verba der V. Klasse gewesen zu sein. 

Ein a aus ursprachl. o ist vorhanden z. B. in aa-th, a^mu, 
Aach, aact'u usw. ,geben 1 , lit. düti, düdu (alt dümi aus *düdmi , 
wie aksl. aamb aus dddmi), ai. dadäti, gr. diätoui ; hierher auch 
AA-hu, aa-tu ,vectigal ! , lit. dü-tis ,Gabe‘ aa-P'u, gr. öG>-qov, lat. 

angeführten Fälle wie Tp-knirfcHHie (eig. -.sa-kukie, da die Silbe geschlossen, sein 
mußte). Vgl. jetzt: 3saniHe , 3po3yitiH8, bsc üe usw. Vor harten 

Kons, ging das (i;c in ö, tco, u oder i über, wobei der vorhergehende Kons, 
erweicht blieb: mfyod, mjud oder mjid, bzw. mid (wohl aus *miwd), aksl. 



102 


Lautlehre. 


dö-nutn ; r \'Kß<i m. ,zwei‘, lit. du aus dvü, gr. Sdiu, lat. dud, ved. 
dvä. Es liegt hier das ursprachliche 5 vor, welches wir sonst auch 
im Nom. Akk. du. der m. o-Stämme haben: bauka ,die beiden 
Wölfe 1 , lit. vilM, gern ( gerü-ju , gerü-du ), gr. XJntca, -d-eco, lat. dud-, 
oka ,beide 1 , lat. arribö. Ein a aus 5 ist auch im Gen. sg. der 
o-Stämme entstanden: bakka ,des Wolfes 1 , r.rkcra ,des Ortes 1 , ur¬ 
sprünglich -öd, eine Ablativendung (im Slav. ist der Ablativ mit 
dem Gen. auch syntaktisch überhaupt zusammengefallen), so lit. 
vilko, got. Adv. galeihö ,ähnlich 1 , ahd. gilihho , gleich 1 , lat. cito , alat. 
Gnaivdd, gr. delph. fot/.co, ai. vrkäd. — Akk. du. des Pronomen 
personale in der 1. Pers. ha ,uns beide 1 , gr. vü (zugleich Nom.), 
dann der 2. Pers. ka, das auch als Nom. und enklitischer Dativ 
gebraucht wird. Diese Formen werden dann der weiteren Dekli¬ 
nation zugrunde gelegt: Gen. Lok. ha-h>, ba-w, Dat. Instr. haiuia, 
BAMA. 

Das 5 ist erst oft durch Dehnung des o entstanden und diese 
Dehnung kann vorslavisch sein wie z. B. im Aor. npo —kact». (aus 
*-böds~) zu kocth, eoax ,stechen 1 , oder sie kommt erst auf slav. 
Boden vor, wie z. B. bei Iterativis wie -hauiath zu hochth ,hin 
und her tragen, mehrmals tragen 1 , pajkaath ,gebären“ zu poahth. 
Das a von iiaahth ,brennen 1 trans. im Gegensätze zu noAkTH 
,brennen 1 intrans. lat. ,uri‘, setzt ein durch Dehnung entstandenes 
Subst. *pölo-, riAAiv voraus. 

Auf slav. Boden führte auch das e nach Palatallauten zu a 
z. B. catuwath ,hören‘ gegen TpanUTH ,leiden‘. 

Berührungen des a mit & und o. Dialektisch ist aus & 
nicht selten ein a entstanden, wie schon erwähnt wurde. Zweimal 
finden wir im Mar. a® statt des gewöhnlichen A d; Job. 7. 3 (hier 
auch im Zogr., so daß es offenbar schon in einer älteren Vorlage 
enthalten war) und 12. 10. Weiter neben aktu auch oktyI z. B. 
im Supr. 508. 21; 516. 8; 523. 11; 543. 19; 546. 22; 548. 15; 
557.16 . . . 570. 8 u. 25. 

Umlaut des a zu e. Das a lautet im Bulg. zu e um, doch 
stammen die Belege aus einer späteren Zeit; so finden wir im 
Chludovsehen Parimejnik (1284—1320): np-koyKpaiufH ca 130 (aus 
-oynpaiuAH 2. Pers. imper.); aoia athkme ib. 19. Noch andere 



Lautlehre. 


103 


Belege bei Lavrov O63. S. 60. In einigen ostbulg. Dialekten wird 
ein betontes ja, wenn die nachfolgende Silbe weich ist, zu e, sonst 
bleibt es z. B. kam für kcny n., dagegen ieemi m.; ist es unbetont, 
wird es zu %: in.Mii (pl. zu juia). Analog verhält es sich bei & 
(vgl. oben S. 94). 


o 

Das 0 ist entweder urspraehlich oder es ist die Fortsetzung 
eines ursprachlichen kurzen a. In einzelnen Fällen kann es auch 
noch anderen Ursprungs sein. 

1. Ein 0 der ersteren Art haben wir z. B. as* 1 ^ ,Haus‘, gr. 
ööfiog, lat. domus; ocme ,acht‘ (nach ;\,£catk ,zehn‘ von ocmt». ,der 
achte 1 gebildet), lit. asztüni ,acht £ , got. ahtau, gr. oxrw, lat. octo 
\*oho). In der Wurzelsilbe zahlreicher Verba der IV. Kl., die als 
Iterativa fungieren, wenn ihnen Bildungen mit e nach der I. Kl. 
zur Seite stehen: boshth ,vehere‘, got. wagja ,ieh bewege 1 , gr. 
foyjh) ,ich lasse fahren, reiten 1 zu B£3i&, koth ,vehere‘ (W. itegh) ; 
eo^hth zu E6CTH, BtAX ,führen 1 ; hochth zu hscth, H£CX 
,tragen 1 u. a. Kausativ ist -aojkhth, -aojkjk , legen 1 zu asjeath, 
ahkä ,liegen 1 , got. lagjan ,legen, hinlegen 1 zu ligan ,liegen 1 ; vgl. 
auch (poQtü) zu (psooj. 

Es ist eine noch ungelöste Frage, ob ~os im Auslaut Ti oder 
-o ergab, was ja für die Erklärung des Nom. sg. der männlichen 
0 - und der neutralen es -Stämme entscheidend ist. Nimmt man an, 
daß aus -os ein ’K geworden ist, so wird man im Nom. toktv 
,L anf‘ aus einem urspr. *tokos einen wirklichen, einen echten Nom. 
sehen. Dann muß man aber annehmen, daß der Nom. caoeo ,Wort‘ 
nicht der direkte Reflex des ursprachlichen *Meuos, vgl. gr. yJ.ijog, 
lat. genus (ans genos ), ai. jänas sei, sondern daß es sein -0 im 
Auslaute unter dem Einflüsse der Pronominalformen wie to jenes 1 
aus *tod, ai. täd, lat. istud ( *istod ), gr. t6 bekommen habe, da das 
0 das Neutrum dem Maskulinum mit -Tv gegenüber besser diffe¬ 
renziert habe. (Vgl. Fortunatov, BB. 22, S. 164 Anm.) Sicher ist, 
daß das 0 der neutralen o-Stämme, wie z. B. u'fccTO ,Ort‘, uro 
,Joch £ aus urspr. *jugom , ai. yugäm, gr. 'Cvyöv, lat. jugiim nur nach 
der Analogie anderer Nom. des Neutrums, deren o lautlich ent¬ 
standen ist, erklärt werden kann, denn ein urspr. -om konnte im 



104 


Lautlehre. 


Slav. über -on, -un nur zu 's» führen. Was hier möglich war, 
könnte auch bei den es-Stämmen eingetreten sein. Viele Forscher 
lassen aber -os in -o übergehen, nach ihnen ist demnach caoko 
der direkte Reflex eines *kleuos und darnach wäre auch der Nom. 
m'Kcto, nro gebildet worden. Beim Maskulinum müßte man dar¬ 
nach allerdings auch ein o haben, also *toko aus *tokos und da 
dies nicht der Fall ist, so sehen sie im Nom. tokt», poim usw. 
einen urspr. Akk. auf -om. Das *toko hätte sich nämlich als 
Maskulinum dem Neutrum auf -o gegenüber natürlich nicht be¬ 
haupten können und so hätte hier die Analogie der u- Stämme wirken 
können. Nach dem Verhältnisse Nom. cuht» : Akk. ckiht» wäre 
aus Nom. *toko : Akk. tokt das Verhältnis Nom. tck'i» : Akk. tokt» 
geworden. Das sind allerdings beachtenswerte Momente, die ohne 
weiteres überzeugen können. Die andere Ansicht könnte sich be¬ 
haupten, wenn man nachweisen würde, daß aus -os zunächst ein 
-us (vgl. im Lat.) werden müßte wie ja aus -on offenbar zuerst ein 
-w« dann -a geworden ist, denn aus o konnte nicht direkt ein > 
entstehen {chbUti neben choUti steht vereinzelt da und ist anders 
zu deuten). Dann hätten wir im Urslav. ein *tokus , das ganz 
regelrecht auch zu tokt». geführt hätte wie ein ursprachl. *sünus 
zu ctuhtsi. Allein dieser Beweis ist nicht zu erbringen. 

Das o der o- Stämme kommt noch in einigen Kasus zum Vor¬ 
schein, so im Instr. sg. m. u. n.: TOKc-uk, «AO-tik (vgl. beiden 
w-St.: cTüHTv-Mk, bei den männl. «- St. : nxTk-ui»), im Dat. Instr. 
du.: TOKO-Md, ctAO-Mä und Dat. pl. m. u. n.: toko-mt» (vgl. lit. alt 
taM-mus, dann takä-ms). Auch im Auslaute des ersten Gliedes bei 
den Kompositis: Koro-4h.Tii.uk. ,d-eoosßrjs‘, Koro-poAHiv» ,#ed- 
totios‘. Als erstes Glied haben wir hier einen o-Stamm Koro-. 
Das o kommt in dieser Stellung auch bei ä-Stämmen vor und zwar 
schon urspraehlich: pXKo-TBOp6H T u xeiQOTcoi.rjTos- Ferner beim 
Suffix -ta (-ota): MpkHO-Td ,Schwärze 1 zu uphin» ,schwarz', bei 
-osiv. MpkaocTk ,ßö£XvyiJ.a L , ,abominatio‘, mhaoctk ,Erbarmen'. 

In einigen Kasus der pronominalen Deklination taucht uns 
ein o (bzw. nach weichen Kons, ein e) auf, das verschiedenartig ge¬ 
deutet werden kann und das bei den Pronomina in den betreffenden 
Kasus eine Analogie zu den o-St. beim Nomen hervorruft: Gen. sg. 
m. n. To-ro, Dat. sg. m. u. n. to-iuov, Lok. sg. m. n. To-sik. 



Lautlehre. 


105 


Bei der Konjugation ist hier das o der 1. P. du. u. pl. des 
einfachen Aoristes: bea-o-kU, kea-o-mt*, fernes des a-Aor.: 
k t Kc-o-k'K, R’Bc-c-MTv zu becth, bia^R , führen 1 anzuführen. In der 
3. pl. des einfachen Aor. eea* und des Praes. bsa^ttv ist ein 
nasaliertes o, während es in der 1. du. u. pl. des Praes., wie schon 
erwähnt worden ist, von t der Formen mit dem Umlaut wie rikmB’fc 
rikieurk, Kp’WHäU'k usw. verdrängt worden ist. Im Lit. ist es noch 
erhalten (als «, aber verallgemeinert): e eiava, veiame r j. Schlie߬ 
lich im Part, praes. pass, bei den o- e-Themen: res-o-mti, eea- 
-o-Miv, lit. vSi-a-mas. 

2. Als die Fortsetzung eines urspr. kurzen a erscheint es z. B. 
ocTpT*.,scharf 1 , lit. asztrüs , gr. ay.oog (mit urspr. £). Kretschmer 
nimmt an, daß das o im Slav. und Balt. zu a geworden, mit ur~ 
sprachl. a also zusammengefallen sei; später wäre dann im Slav. 
aus dem a beider Arten ein o geworden, während es im Balt. un¬ 
verändert blieb (AfslPhil. 27, S. 228—240). 

Hierher gehört der Vok. sg. der ö-St.: pXKO, lit. ranhä (auch 
der Nom. so), gr. vvycpci. 

3. Aus heterosyllab. eu ist schon im Urbaltischslav. ein ov- ge¬ 
worden: HOBT). ,neu‘, vgl. gr. v£[f)og, preuß. naioans (lit. naüjas, 
modifiziert); caobo ,Wort ! , gr. y.U(f)og, vgl. auch lit. tävas ,tuus‘, 
gr. Ts(f)os . Es konnte auch Vorkommen, daß unter dem Einfluß 
nächstverwandter Worte das e erhalten blieb, ja, mitunter viel¬ 
leicht auch wieder restituiert werden konnte, so in A £ KATk ,neun‘ 
nach A ecAT <>. ,zehn ! (vgl. lit. devyni und deszimtis ) 2 ). Neben dem 
Gen. mehe behauptete sieh *teue, bis das i aus dem Dat. tee-ü 
eindrang, so daß teee entstand. War das v erweicht oder mit 
einem sog. I epenthetieum verkntift, so blieb das e: AP f Kd£ ,eher, 
zuvor, vor alters 1 , AP eKrtt Nk, apekehe ,alt, ehemalig 13 ). 


*) Aber auch 3. sg. zez a, 2. pl. vezate, 2. du. veiata. 

2 ) Auch, das d im Anlaut rührt von desftb her st. *nev(tb, also eig. die 
ganze Sübe de-. 

3 ) Meiilet nahm an, daß eu vor palatalen Vokalen geblieben sei (Ke- 
cherches, S. 86). Br muß dann den Nom. pl. ci>moKf (ans *süney : es, ai. sümlvas ) 
als vom Gen. cudesis. u. Dat. sg. (!) c-uh«eh (ans *süneitai, lit. sürmi) beeinflußt 
auffassen, was nicht wahrscheinlich ist bei der maßgebenden Geltung des Nom. 
Eher ist der Gen. ctuhobt. unter dem Einflüsse des Nom. cum«« entstanden 



106 


Lautlehre. 


Umlaut des o. Nach palatalen Konsonanten ging das o schon 
im Urslav. in e über; es ist der älteste Umlaut im Slav. und jeden¬ 
falls ein älterer Prozeß als die Monophthongierung der Diphthonge 
im Slay. (ygl. den oben erwähnten Instr. sg. m. n. huk = jimb aus 
Hoimi, *ieimi neben T'Kf.ih. aus *toimi). So finden wir überall dort 
ein e nach palatalen Konsonanten, wo wir früher ein o angeführt 
haben. Von den zo-Stämmen gehört hierher der Nom. Akk. Vok. 
sg. der Neutra, wie z. B. uojfc ,Meer‘, noAE ,Feld‘; beim Pro¬ 
nomen: I6JKE ,quod‘ gegen to, Moie ,meum‘, hauue ,nostrum‘ usw.; 
Instr. sg. m. n.: MXJKeuk, mop'emb zu MKXh ,Mann‘, Mop'f ,Meer‘; 
Dat. Instr. du. m. n. : iwxsksiua, Mopewa; Dat. pl. m. n.: MiWHieiU'k, 
uopcini. Bei den Kompositis z. B. Boie-KOAA ,Heerführer* ; hh- 
uite-ta ,Armut' gegen A^ro-Ta ,Länge 1 , spkHO-TA ,Schwärze“; 
KOVtecTk ,saevitia‘ Supr. 440. 16 gegen mhaoctb ,Erbarmen 1 . 
Einige der «-Deklination entlehnten Endungen bei den jo-Stämmen: 
Dat. sg. mx>K£kh, hop'ekh; Nom. pl. mxjksbe, bpaueke gegen 
BoroBt; Gen. pl. mxjkebtj. gegen Eoroß’k; das Suffix des poss. 
Adj. -EB*k: KpjAEBTv, kpaaVea, -bo zu KpuÄk ,König 1 gegen eo- 
roBTi. Bei den «-Stämmen: Vok. sg. ^ovuje ,anima' gegen pxKO, 
Instr. sg. A <3 V ui{l * gegen pxkoks. Neben dem schon erwähnten 
Nom. Akk. Vok. sg. lems gegen to noch einige Kasus der pro¬ 
nominalen Deklination und zwar Gen. sg. m. n. iero ,eius', 
HAuiEro ,nostri‘ usw. gegen Toro; Dat. sg. m. n. lemoy ,ei‘, hauis- 
iuioy ,nostro £ usw. gegen tom«y; Lok. sg. m. n. i€Uk, haluemk gegen 
TOMk : Gen. sg. f. i«ia, hauieia gegen toia; Dat. sg. f. ich, hauieh 
gegen toh; Instr. sg. f. lei*, hauiekb gegen tobr; Gen. Lok. du. 
lew, haujek» gegen toeo. Weiter in hsahktv ,quantus‘ gegen toahkti 
,tantus'; Bkcsrp^A ,semper', ier^A ,quando £ gegen rorAA (TTirAh) 
,tum‘. Auch der Gen. sg. n. hsco zu hb-to ,quid‘ gehört hierher, 
indem er auf *&oso zurtiekgeht (urspr. wohl *qosio oder *qoso, ygl. 
ai. Msja, das 6 ist aus dem Nom. Akk. hbto auch in den Gen. 
verschleppt worden, vgl. auch die Neubildung usro aus *£ogo nach 


(aus cuiioaf wurde ein Stamm synov- zugrunde gelegt). Ygl. auch MSL. XIV 
S. 384, wo auch slovese 'berücksichtigt und als von slovo beeinflußt, aufgefaßt 
wird. Neuerdings akzeptiert auch E. Trautmann Meillets Begel und will 
ciüHOEf auf *süno%es zurückführen (G-ött. G. Anz. 1911, Nr. 4, S. 249), 



Lautlehre. 


107 


Toro). Neben heco kam auch muco anf (vgl. oben S. 83), das nicht 
ursprünglich sein kann, denn es hätte zu einem *£bcho führen 
müssen. Der schon erwähnten, im Aksl. allerdings nicht belegten, 
jedoch gewiß sehr alten Nebenform H«ro aus *öogo steht auch die 
Dativform urticnr aus *6omu (vgl. Terror) zur Seite, die schon im 
Aksl. belegt werden kann (Supr. 408. 6). Dazu auch der Lok. hemu 
aus *£owb nach tomk, komu usw., der schon im Aksl. häufiger 
ist als das nach dem Gen. uecoro, Dat. uecomov - gebildete he- 

COMk (nil l ifcor.!ku;f!. 

Im Praes. ursprünglich das s in der 1. Du. n. pl. nur nach i 
oder palatalen Kons, überhaupt: Kkie-ßk, suieuTv; T£ius-ßk, 
Ttuie-iUT»., darnach dann auch HEce-Kk, nece-mt». usw. Im Part, 
praes. pass, Ekieirk, A^aieiuik, rAaroAEim», A^Mk (zu A d_ 
ßTH), EECkAOY ieiuirK gegen hecomt», A KHrHC,Mrfc '> EipoMk. In den 
Infinitivformen der Yerba der YI. Kl. wie z. B. hE nuuuTt- 
eath ,vermuten, meinen* gegen eec6aobuth ,reden 1 . 

Wie man sieht, ergreift der Umlaut sowohl das ursprachliche 
als auch das aus a entstandene o, ja selbst auch das aus hetero- 
syllab. eu hervorgegangene: peux aus *rjovq zu Povth, piOTH 
,brüllen' nach kobx, *koyth ,schmieden 1 . 

Wir haben Belege dafür, daß selbst noch im Aksl. das jo in 
Fremdworten ab und zu umlauten mußte: hepaahe Ps. sin. 113. 5 
(neben HopkAAHk. 113. 3); Kk HipkAANk Euch. sin. 53a. 3; Bk 
EPAUHCTfcH pku,k ,sv rq> jogdüvrj itoxauCp Assem. Mc. 1. 5 (Ostr. 
hier auch H£pA<*HkcnkH, das also sehr alt ist) gegen nopk- 
AUHuciyKh Mar., topAAHkcnki Zogr. eu repkAAUk auch im bulg. 
Zlatoust (aus dem XIII.—XIV. Jahrh.), vgl. Jagic, Bericht üb. einen 
mittelbulg. Zlatoust: Sitzb. 139 S. 27, dann: es. leph-AUHH S. 48. 
Weiter hteta für uota im Ev. v. Deeani Mat. 5. 18 (Zogr. Ass. 
nHCMA, ebenso Ostr. auf Blatt 213a, aber auf S. 229a: hota). Man 
sieht also, daß die Slaven noch in der historischen Zeit ein io [jo ) 
nicht leicht aussprechen konnten. Daher sind die analogisch ge¬ 
bildeten Formen wie MockoMk Zogr. Joh. 1. 17 gegen moceewk 
Mar. Mc. 94 nur dann möglich gewesen, wenn sich hier keine Jota- 
tion vor dem o entwickelte, sonst hätte es wieder zu -«euu umlauten 
müssen. Dasselbe gilt von rtowsi (vgl. oben S. 84). 



108 


Lautlehre. 


Assimilation. Wir bemerken, daß o manchmal in e über¬ 
gebt, wenn die nächste Silbe ein e oder e enthält. Der sicherste 
Beleg dafür ist die Komparativform AfBp’Ks,melius 1 , der zwar nur 
im Zogr. vorkommt, dafür aber dreimal, so daß ein Fehler hier 
ausgeschlossen ist: Mc. 9. 42. 43. 45 (Mar. hier xo&ß’Ze). Im wei¬ 
teren Texte Mc. 9. 47) finden wir auch im Zogr. A^Kp'Ke, wie auch 
noch in Mat. 26. 24. Der Beleg AfßP'k* ist um so beachtenswerter, 
als er sich in einem Denkmal vorfindet, daß noch andere Assimila- 
tions- oder Ilmlautserscheinungen aufweist und zwar insbesondere bei 
den Halbvokalen (z. B. hier ekh-R gegen u'b.H'k, age'K gegen a^ka 
u. dgl., weiter auch ks 30 04a Mat. 10. 29 und H3o oeaaka Luc. 
9. 35), woraus folgt, daß es sich hier, wie wir noch weiter unten 
ausfiihren werden, um wirkliche lautliche Reflexe, nicht aber etwa um 
gewisse graphische Manieren handelt, wie ja auch behauptet wurde. 

So ist wohl auch oif-AEA’fcix.TZ ebenfalls im Zogr. Mat. 16. 18 
zu beurteilen gegen oy-AOAtKETTv im Mar., der eben auch nur 
noch ganz schwache Spuren des Umlautes bei den Halbvokalen 
aufweist. Ein ov-aeaUth bzw. o-aea’üth finden wir noch im 
Psalt. sin. 9. 26; Euch sin. 60b; Supr. 36. 3—4 und oy-aoaIiTh, 
oaoa’Rth in Psalt. sin,. 9. 26; Euch sin. 3b und Supr. 36. 23 
(c-AOA'6). Bezüglich der späteren Denkm. vgl. bei Lavrov Od3opx 
S. 58. Hierher könnte auch 3A-miATfpUTH wieder im Zogr. Lue. 
2. 36 ,bejahrt werden' gehören gegen 3A-MAT©piiTH Mar. u. Ass., 
das noch Lue. 1. 7 vorkommt im Mar. Ass. und hier auch im Zogr. 
Älter ist wohl auch no-nea-n ,Asche' (Mat. 21. 21; Lue. 10. 13 im 
Mar. und Zogr.; Psalt. sin. 101.10, Supr. 483. 21, in den westslav. 
Sprachen gegen r. nenejra, s.-kr. pepeo 4 ). Anders verhält es sich 
dagegen mit ar. a«hth gegen aksl. a««hth (z. B. Supr. A £CH X" K 
297. 15—16; a^chtu 486. 16; im Euch. sin. A fCHTrK 71a, s.-kr. 
desiti] ,finden'. So faßt Meillet, der aechth mit dey.ouat ver¬ 
gleicht, das Verhältnis beider Formen als ein Kontaminationsprodukt 
auf: es hätte ein dositi, dosq und *deseti, desa, desisi gegeben, 
daraus dann ein desa, desiti (fitudes, S. 115—116, bes. MSL. XTV 
S. 338). Man beachte, daß in unseren bisherigen Fällen ein e oder 


i) nfnfrt-b übrigens auch im Sestodnev: 18t (Lavrov S. 68) und bulg. dial. 

pepelta. 



Lautlehre. 


109 


e nachfolgte, was bei desiti — dositi auch nicht zutrifft (vgl. auch 
noch z. B. b. nehet ,Fingernagel', bulg. dial. pl. nekti, nechte neben 
nohti gegen aksl. HoriTk za rsora ,Fuß‘). Im Ar. ist auch A*- 
chth zu belegen (vgl. Cpe3HeBCKii, MaTepiamu jjh caoEapa I S. 655). 

Analoge Assimilations- oder Umlautserscheinungen, bei denen 
der folgende Yokal maßgebend war, bemerken wir auch bei 
einigen anderen Vokalen. So ist das schon angeführte Bank 
gegen BkNk zu beurteilen, umgekehrt wieder tiiu , tiux 
gegen Tkimk; TkHkKk ,dtlnn‘ aus und neben TkHkKk, lit. tenvas , 
lat. tenuis; weiter das oben erwähnte fltOHX gegen Bk rffNk u. a. 
(z. B. pn Bk gegen p’bjsa, pan ex). 

Die hier besprochene Assimilation ist, wie wir gesehen haben, 
nicht gemeinslavisch, sondern es handelte sieh um sporadische 
Fälle auf dem slav., besonders siidslav. Sprachgebiete. Es ist aber 
nicht ausgeschlossen, daß sich auch einzelne gemeinslav. Assimi¬ 
lationsfälle nachweisen lassen 1 )- 

Andere Veränderungen des o. Nasaliertes q (<?). Im 
Inlaute ergab tautosyllabisches on, om wie auch urspraehliches am, 
an den nasalierten Vokal o (geschrieben q) ; desgleichen auch in 
nicht absolutem Auslaut: 3XEk ,Zahn‘, vgl. gr. yöfupos ,Pflock', 
W. gembh , vgl. zebq , zerfleische'; kaxah ,error' Ablantstufe zu 
eaacth, eaaa x > irren'; xrak ,Winkel', vgl. lat . angulus. 

Hierher gehört die 3. pl. praes. der I., II., IH. 1, V. n. VI. Verbal¬ 
klasse: BfAXTk ,ducunt‘ (urslav. vedqti>- aus *uedonti ), abhchxtTv, 
OtfUkBETk, A' K<ldliRT k USW., MHAOtflXTk. 

In nicht absolutem Auslaut: 3. pl. des einfachen oder starken 
Aoristes: necx aus *nesont , vgl. gr. eXuiov (aus *e-lipont , vgl. lat. 
era-nt). Ganz analog würden wir aus -ons im Auslaute, das z. B. 


s ) Anders ist wohl Tsn.rh. neben Ton.vb. nsw. mit seinen Ableitungen zu 
beurteilen. Es dürfte Tiim-h. die urspiingliche Pom gewesen sein (vgl. lat. 
tepidus), dazu dann tciiaoctk (so z. B. totaocthi* im Supr. 516.16), tsimot<i usw. 
Daneben touhth, pactcrhth usw. mit o, das häufig ist bei Verbis der IV. Kl. 
Einerseits der Einfluß dieses Verbums, andererseits vielleicht doch auch eine 
Assimilation, die nur von vaiASTd, thiaocti, ausgehen konnte, führten ein 
Tsns-k. (tooatü Supr. 348. 26, TonA-k ib. 349. 7, TonA»t6 349. 12), toiiasta (so im 
Psalt. sin. 18. 7, desgleichen Ps. Pog. n. Bol.; Supr. 348. 27. 28) und Ten*ecTk 
herbei. Heutzutage im Bulg. nur mit o (Lavrov, OSaopn S. 59). 



110 


Lautlehre. 


als die Akkusativendung PI. der männlichen o-Stämme auftrat, ein 
a erwarten, also *tokq. Das ist aber nicht der Fall, sondern wir 
haben hier bei den o-Stämmen y: toktu und bei den *o-St. <?: 
m,wjka zu tis'Kk ,vir. Man muß demnach annehmen, daß das s 
im Auslaute im Gegensätze zu t in -ons und -ions das Aufkommen 
eines nasalierten Yokals verhinderte. Daher war hier im Auslaut 
noch kein nasalierter Vokal entstanden, als er sich schon im In¬ 
laut z. B. in der 3. pl. urslav. *znajqtb (aksl. 3 HiU*TTv) und in den 
Partizipialformen wie shukklut<i, 3Has;5UijTor usw. entwickelt 
hatte. Jetzt erst wirkte der Umlaut und so wurde aus -ions, das 
sich immer noch behauptete, ein -iens, das nun zu einem nasa¬ 
lierten Vokale: jes, je führte z. B. Dagegen wurde -ons 

zu uns, -uns, -uns, -v,s, ü-s v ), -ü, woraus schließlich ein y ent¬ 
standen ist: toktvI. Ganz dieselbe Erscheinung wiederholt sich 
auch beim Part, praes. act. im Nom. sg. m.: hecw aus *neson(t)s, 
dagegen toua aus *tes{on(t)s , *teson(t)s, *tehn[t)s, aber Gen. sg. 
m. n. TfuisiinTZ, weil der Nasal sieh hier im Inlaute früher ent¬ 
wickelt hatte, bevor der Umlaut wirkte. 

Übergang des o in « bzw. z. Bezüglich des Urslav. handelt 
es sich zunächst um die Silben -om (- on ) und -os im Auslaute. 
Für den Übergang des -om (-on) im -un, ^ haben wir schon einen 
ganz sicheren Beleg kennen gelernt: Akk. sg. toktl aus *toJcom. 
Dazu kommt noch die 1. Person des starken Aoristes ,duxi‘, 

vgl. gr. 'i-cpvy-ov. Der Übergang des -os in -us kann nicht mehr 
so leieht plausibel gemacht werden, da uns bis jetzt kein Fall 
bekannt ist, der unzweifelhaft wäre. 

Neben dem Nom. sg. der m. o-Stämme ist es noch die Verbal¬ 
endung der 1. pl.: -im, die man zwar auf -*mos, -*mus zurück¬ 
führen, aber aueh anders erklären kann. 

Mitunter stand, wie wir voraussetzen müssen, schon im Urslav. 
dem o ein z gegenüber. So in ^otUth neben jfkT"fcTH ,wollen'. 
In den aksl. Denkm. bildet ersteres die Kegel. Ausschließlich ist 
es im Mar. Zogr., im Euch, sin., wo es mehr als 40mal vorkommt, 
ebenso in der Sav. kn. Mit o taucht es nur dagegen im Supr. 


*) Wohl mit Recht wird man Mer die Zwischenstufe -us voraussetzen 
können. 



Lautlehre. 


111 


auf, z. B. Y'kT’KTH 114. 1; \"ivUJTc 153. 7 — 8; Y' KUJTX 169. 3; 
534. 11; \"kT/ft 523. 24. Es scheint hier o ursprünglich gewesen 
zn sein (jedenfalls wenigstens in den jo-Präsensformen), während 
in den Formen nach der III. Klasse vielleicht doch eine wenn auch 
vereinzelte Reduzierung des o zu s unter dem Einflüsse des Akzentes 
vorliegt. Noch näher liegt vielleicht die Annahme der Analogie 
im Infinitivstamme, da die Yerba der III. Kl. 2. Gr. zumeist den 
Halbvokal enthalten, wie etwa hei o-)£PT*mh;kth gegen HfpouTv, 
orATv^HXTH gegen rAov\'Tv. Speziell der Einfluß des *Kk.\UTri 
käme in Betracht (erhalten nur präfigiert), wie insbesondere auch 
der Umstand, daß das Wort vielfach schon zu einem Hilfsverb 
geworden war, so daß in solchen Formelworten leicht Reduzierungen 
eintreten können (vgl. die weitere Reduzierung im Bulg. ste, im 
Serbo-kr. Su, ces usw., slov. lom aus hodem usw.). 

Heben Kor,a,A ,wann £ , Tcr,\a ,dann, damals* finden wir im Aksl, 
K T krp,a, TTkr^a. Hier ist das i aus einem auch schon urslav. 
kbda, nikbda (serb. Jiada, b. hda, Jcdy), wohin es wieder aus 
,wo £ (vgl. ai. Mha ,wo, wohin*, av. hudä ,wo £ j verschleppt wurde, 
eingedrungen. Ursprünglich war ko r^a, wie uns das dazu gehörige 
ter^u zeigt. Diese gegenseitigen Beeinflussungen machen es sehr 
wahrscheinlich, daß auch in Kor,a,a. ein Kontaminationsprodukt 
vorliegt. 

Späterer Übergang des o in u. Es handelt sich um den 
Übergang des unbetonten ein« vor allem in den ostbulg. und zum 
Teile auch macedonisehen Dialekten. Es ist ein dem früher be¬ 
sprochenen Übergange des unbetonten e in i paralleler Prozeß. 
Jagic rechnete hierher das im Zogr. vereinzelte TTvK'kMoy st. 
tti.kti.mo ,et fxtf Mc. 5. 37 (S. xx). Es kommt hier tatsächlich noch 
ein zweites Mal vor: Mc. 9. 9, wodurch es gesichert wird und eine 
Parallele zu dem allerdings Mer häufigeren Übergang des e (a) in h 
(vgl. oben S.'85—86) bildet. Aus dem C1 o z. könnte hierher oyhh- 
ujtaettv II 89 gehören, da wir hier sonst überall othuitath, ohh- 
cthth mit Ableitungen haben (4 mal). Hom. Mih. haben an der 
entsprechenden Stelle auch das ursprüngliche o: WTHiuTAtTk. 
Im Sestodnev, in dem dieser Übergang unzweifelhaft nachgewiesen 
werden kann, kommt auch OYTHipeHHia 216 vor. Einmal finden 
wir in den Hom. Mih. (Bl. 9) oythcthmii., während im Cloz. an der 



112 


Lautlehre. 


entsprechenden Stelle omhcthmt*. (454) steht, oynoyaHTH st. oaoy- 
mhth , illustrare 1 588 (Hom. Mih. hier: 03 aphth) könnte wegen des 
nachfolgenden w ein Schreibfehler sein. Ein analoger Fall auch 
im Supr.: «V)C 0 VA’ K, * U1T£ 327. 21, während einige Zeilen weiter 
unten ojfOYA’k' 6 30 steht. Die Fälle in Cloz. könnten natürlich nur 
aus einer bulg. Vorlage stammen, analog auch jene der Hom. Mih. 
Aus diesen könnte hier noch oyctakhth, während im Paralleltext 
des Supr. octarhth 422. 10 steht, angeführt werden. Im Supr. 
noch BOA'*»- 301. 19 (M. 221. 7) gegen at^aekIj 

250. 27 (M. 183. 9). Wir finden hier das oy aus einem sekundären 
o auch in späteren Denkm. (z. B. im Sestodnev, s. weiter unten]. 

Im cyr. maeedonischen Blatte ist ein unzweifelhafter Beleg, 
der "Lok. sg. HHoyuu neben hhome, den Iljinskij, wohl unrichtig, 
aus einer falschen Lesart der angeblichen glag. Vorlage deuten 
will (S. 13-—14). Lavrov hebt hervor, daß in späteren Texten bei 
diesem Worte immer das h betont ist (so in der Chron. des Manass. 
1348; Oöoopi S. 50). Aus dem Ev. des Grig. XII. Jahrh. zitiert 
Lavrov: HHKoyuoy 30b, Dat. pl. arAOVM-K 45b, poyrHTHCA 53, 
*>Y go Y 5^b, 86b, <>Y EH A'fc' v k 21b 1 ). Aus dem Sestodnev: pa- 
cToyntcf (pacTonuTH) 34b, a^Y^A^h^"« 57, a^Y^A*^ 107, 
A^Y^A^h« ib., k£3aoy?kahi€ 109, cKoy^oY 103, ©YuecTouaHme 
58b, toymoyjka* 142, oyttv 4 I£tht’c( 203, das schon erwähnte 
©YHHLpeHHia 216, KoynHoy 256. 

Aus dem Bol. Ps. führt Scepkin an: bcTpoyn xaTdattjaov 
54. 1, I 6 AHH 0 ©YXÖ (Akk. sg.) 94. 2 und umgekehrt o für oy: 
KTk3'KpaAO(T , K ca 16. 1; Eii3 , hpaA©£ia'k ca 27. 3; cmKEpoiu«(!) 
ca 41. 4; pA3nAP©uiHTk 86. 3; KTi3paA0HMTi 154. 3 (S. 198). 
Und so auch noch in anderen Denkmälern der späteren Zeit. 

Zur Beurteilung des T'kKTvUoy im Zogr. verdient hervorgehoben 
zu werden, daß wir auch im Sestodnev analog KoynHoy gefunden 
haben und daß sich dieser Übergang jetzt noch in einzelnen maked. 
Dialekten meistens im Auslaut zeigt: malhu , tuku, do tamu, cüdu, 
dku, hei Ochrida: malu,, m?iogu (Lavrov S. 52). 


') Umgekehrt hier o für oy. wkppiihb— oEpoyceAvi» 38 b; Tp-kso*Tk. 46, be 
A perx c*eot* 5, Aper« ib.; wt xponHei 7 b, im» 76 naw. 



Lautlehre. 


113 


Dehnung des o. Das im Urslav. durch Dehnuug des o ent¬ 
standene o ergab natürlich noeh a: Aor. npoKdca aus -lödso zu 
kocth, koa» .stechen 1 vgl. l&t.fodio; die Iterativa wie -uatKAUTH 
zu koahth ,führen 1 . 

Wechsel zwischen o und a. poara neben pa3ra wurde von 
orz- abgeleitet (Miklosich, Etym. Wtb. S. 227, aber S. 430 stellt er 
es als zweifelhaft hin), doeh unrichtig. Im Mar. u. Zogr. finden 
wir Joh. 15. 2: p,\3ra und Joh. 15. 5 paatAHE, dagegen haben beide 
Denkmäler in Joh. 15. 4 und 6: po3ra. Nun kommt in diesen 
Denkmälern kein Schwanken bei Worten aus orz- zwischen roz- 
und raz- vor, sondern sie kennen nur raz-. Daraus ersieht man 
schon, daß posra— pa3ra anders erklärt werden muß. Ursprüng¬ 
lich ist wohl po3ra, wie das Wort auch im Ps. sin. 79. 12 (posnu) 
auftritt, und da man vielleicht das Wort mit dem Präfix raz- in 
Zusammenhang brachte, so entstand auch ein pa3ra‘). Schon ur- 
slavisch scheint neben einem roditi auch raditi in der Bedeutung 
, sorgen, sich kümmern' vorhanden gewesen zu sein. Im Aksl. 
haben wir he p©ahth oder he paAHTH aiulelv, naqawbaw und 
zwar kommt im Mar. sechsmal p©A* (Mat. 18. 10. 17; 22. 5. 16; Me. 
4. 38; 12. 14) und zweimal paA- vor (Luc. 10. 40 und Joh. 10. 13), 
im Zogr. im alten Teile nur poA - (viermal) und einmal schon he 
Kp'SJKET'k (Joh. 10. 13), im Zogr. h zweimal noch p©A* [Poka’uiue 
M at. 22. 5, poahuih ib. 22. 16) und zweimal paA- (Mat. 18. 10. 17), 
im Ass. nur p©A~ und zwar sechsmal, in der Sav. kn. nur einmal 
he p©A HTe (Mat. 18. 10), sonst nur he eptiuTH, in Ostr. auch noch 
he paAHTE Mat. 18. 10. Man bekommt darnach den Eindruck, daß 
im Aksl. p©A HTH das ältere und allgemeinere sei, vgl. auch xpoA'u 
,stultus‘, slov. roditi ,sorgen, sich kümmern 1 , ab. neroditi ,nicht 


*) Man hat es mit ai. rajjus ,Strick, Seil 1 {jj aus zgj und lit. rezgü ,ieh 
stricke 1 in Zusammenhang gebracht. — Wo es ein raz- gab, konnte auf die¬ 
selbe Weise aus rozga ein razga entstehen, so z. B. im Slovak. neben rozdie 
auch raidie, razdina, rdzda (vgl. mag. rasgya). Aus dem Ar. hat Sreznevskij 
(Mat. III S. 29) einen Beleg für pa3ra, doeh ist es wohl ksl. Ursprungs, ebenso 
hat er paacAHie aus dem Ostr. Ev. 70.15. 5, Zahlreicher sind hei ihm die Be¬ 
lege für po3ra (p«jKi,ra) und ppjKAme. Jetzt nur po3ra. Wenn man aus p»3rp 
ein p43ra machte, so ist es eine Art Volksetymologie und es lag wirklich 
sehr nahe das Wort so zu deuten. 

Yondrak, Altkirclienslaviscke Grammatik. 2. AnfL. 8 



114 


Lautlehre. 


wollen 1 (beim Imper. z. B. nerod' hlesti ,fasle nickt 1 ). Daß aber das 
ßdAHTH auch schon ins Urslav. hinaufreieht, dafür spricht das 
rnss. paA'tTB, nopaytTi, ,sich kümmern um etwas, sorgen 1 . 

Das schon im Ps. sin. 73. 16 vorkommende 30pia cpavacg ist 
als die o-Stnfe bei einem «5-Stamm von zer- in 3kpKTn, 3kpi» 
,schauen 1 begreiflich. So haben wir hier auch im Ps. v. Bol. und 
in Pog. sop». Dagegen kommt im Supr. neben sopra auch aapu 
(348. 23. 25) vor. Das sap- ist offenbar so zu beurteilen, wie z. B. 
it.ip’K ,aestus, ealx 1 zu Rkpr», Kkp'fcTH ,wallen, sieden 1 , pah, paliti 
,urere ! vgl. po-peh , Asche 1 usw., eine Erscheinung, die sich nament¬ 
lich bei Bildungen von Wurzeln, die auf l, r auslauten, nicht 
selten zeigt. 

Der Wechsel zwischen poBT». und pdETv, po3- und pa3- wird 
noch bei der Gruppe ort- zur Sprache kommen. 

u 

Es ist die slav. Fortsetzung der ursprachliehen Diphthonge au 
(du), ou und eu und ihrer Längen, besonders eu und öw, überhaupt 
aller Diphthonge, deren zweiter Bestandteil ein u ist Ein ur- 
sprachl. au liegt z. B. vor in coyyk ,trocken 1 , lit. saüsas, gr. avog 
für aavaog , trocken, dürr 1 ; in der Präp. oy urspr. ,von—weg 1 (auch 
als Präfix z. B. oy-K ümaTH ,weglaufen 1 ), lat. au- z. B. in au-fero. 

Auch in Lehnworten wird au zu u: KoycHTH ,gustare‘, got. 
hausja ,ich schmecke, prüfe 1 (aus *gous-, dagegen das *geus in 
got. kiusa, ahd. kiusu ,ich kiese, wähle 1 , gr. yevoouai ); ©yc«pAi”k, 
orctp/ji3k ,inauris‘ setzt ein got. *ausahrigga ,Ohrring 1 voraus. 

Ein ou muß in EoyAHTH ,wecken 1 neben kaiocth, kak»a ;r 
, wahren, hüten 1 vorausgesetzt werden: ersteres aus *bhoudh , letz¬ 
teres aus *bheudh (vgl. gr. ntvSoiiai). Ferner im Gen. sg. der 
w-Stämme: cwnoy aus sünoüs, lit. sünaüs, got. sunaus. Der Yok. 
sg. cunov dagegen wohl aus *süneu, lit. sünciü (vgl. KOHte) wie auch 
ein ei bei den «'-Stämmen anzusetzen ist: kocth *). Im Gen. Lok. 
du. aller Stämme: ßoroy, puaKoy, koctuio, ckiNosoy, tok> usw. 


*) Vgl. auch die e -Stufe bei den o - St. im Vok.: kok* gegen *bogo- in 
anderen Kasus, doch wäre auch *mnou (lit. sünaü) möglich. 



Lautlehre. 


115 


Das u kann auch auf eu zurückgeheu: nAoifTH, naoux aus 
*pleuo- u. a., ck oyGa; ,ich zupfe, reiße 1 , got. af-skiuba ,ich verstoße 1 . 
Man hat früher angenommen, daß aus eu manchmal auch ju wird 
(lit. tau), allein es scheint, daß nur aus eu ein ju geworden ist, 
wie auch jetzt Mikkola annimmt (Roczn. slawist. I S. 9) und wie 
es auch schon früher Wiedemann vorausgesetzt hat (Das lit. Praet. 
S. 32, 184 ff.). Belehrend ist in dieser Hinsicht lit. sziaurijs (nach 
Berneker aus j/bjmrio- IF. 10, S. 146) ,Nordwind 1 und clvßtp'k 
aus s{k')euero-. Ferner lit. liäuju , liäuti ,aufhören 1 und b. -leviti, 
obleviti, sleviti, uleviti (aus * leviti), klr. Vivyty ,nachlassen‘. Beachte 
auch HOYA* ,Wunder 1 aus *keudos (skr. cüdo), während xvdog auf 
*küdos zuriickgeht. Nun gibt es einige Worte, in denen im Slav. 
ein ju einem eu im Grieeh. bzw. iu, io (aus eu) im Germ, gegen- 
iibersteht: caioa^*, gaiocth ,wahren, hüten 1 gegen gr. ntvdouui 
,ich frage, vernehme 1 , got. liudan. Man kann hier vom Aor. *beu(d)so 
ausgehen, der saksck ergeben mußte und von hier aus wäre das 
bVu in die anderen Formen mit bu eingedrungen; im Lit. regel¬ 
recht baüsti , baudzü ,zurechtweisen, züchtigen 1 (W. bheudli): a»gt>. 
,lieb‘, got. Hufs ( leubho-)\ awa’k, a io Arne ,Leute 1 , ahd. liut ,Volk‘. 
Hier könnte mit Bücksicht auf das Germanische an eine Sprach¬ 
mischung gedacht werden. Vgl. z. B. rxck ,Gans‘ gegen lit. zasis l ). 

Ein u aus bu liegt wahrscheinlich vor im Lok. sg. der «-St.; 
cuhoy ans *sün6u, womit die im Lit. vorkommenden Lokative auf 
-u und Dat. got. sunau tibereinstimmen (Boczn. sl. I S. 10). Ferner 
in das aus späteren Texten belegt ist, aus *iöu-, vgl. lett. jaut 
,den Teig einmachen 1 , gr. tuu6g ,Brühe 1 (nach Mikkola 1. c. S. 12). 

i) Es entsteht auch die Frage, wie sieh aus dem eu im Urbaltischslav. 
ein %ou, {au entwickeln konnte. Vielleicht ist aus eu (= eeu) zunächst ein eou 
geworden. Ein reduziertes e führte im Urbalt.-slav. zu daher iou, woraus 
iou bzw. j'o«, im Slav. j u. Ungefähr diese Erklärung gab ich für eu in der Vergl. 
Gr. der slav. Spr. I S. 15, jetzt sehe ich aber, daß sie nur von einem eu und 
nicht von eu gelten könnte. Im Lit. ist ein ans eu entstandenes iau auch im 
Praeteritum auf iau vorhanden, wie Wiedemann gezeigt hat. Mehrere Worte, 
in denen sonst noch einem eu im Slav. scheinbar ein ju gegenübersteht, 
müssen durch entsprechende vorslav. Ansätze erklärt werden. Hierher könnte 
auch tnovH ,links 1 gehören. In Fällen wie ksl. nAwurra konnte das j durch 
j nach t hervorgerufen worden sein, daher lit. plaücziai , preuß. plauti. In 
MKiTH .wahmehmen“ liegt kein ju ans eu vor {vgl. axevoi'Tes), sondern k ist 
schon vor eu palatalisiert (die Monophthongiernug trat verhältnismäßig spät ein. 

8 * 



116 


Lautlehre. 


In entlehnten Worten erscheint 5 nicht selten als «: Gonrkj, 
K<MfKT».K( ,Buche', aber auch ,Buchstabe‘, im PI. ,Schrift, Buch'. 
In beiden Bedeutungen ist das Wort germ. Ursprungs: got. böka 
,Buche', allerdings nicht belegt, dagegen bbka f. und bök n. ,Buch¬ 
stabe', im PL , Schrift, Buch', ahd. buohha und buoh ,Buche' und 
,Bnch‘. Vgl. lat .fägus. Auch der Name ^\e>v"nan, ^oytiaKTv ,Donau' 
ist jedenfalls von den Germanen (wohl von den Gothen) entlehnt: 
Das kelt.-lat. ä in Danubius wurde im Got. zu ö und weiter ü, 
vgl. auch Joiipaßig, Jovvavtg bei Caes. Naz. (Verf. in CcMus. 74, 
S. 18ff.); potfMHHTi., poY muckt». gr. qw/xalog, got. Rümöneis. 

Manchmal führte das ü noch zu y, das dürften vielleicht ältere 
Entlehnungen sein: narrkipi» aus *pastürio- und dieses aus dem 
rom.-lat. pastörem, sowie Tun Ts. ags. tun, )f'Ki3Tv Supr. 145. 12 
(hüs) usw. 

War das o vor einem auslautenden n, so ist der Übergang 
selbst auch beim kurzen o möglich: conovun Qeaaalovb/.rj, natür¬ 
lich auch KaNoyi-nj. gr. %avwv, coaomoyht» Zo/.ouiov; selbst auch 
fnHCKCHfrrk gr. Irtiav.ovcog. 

Ein fremdes u bzw. jv erscheint in einer späteren Periode eben¬ 
falls als u ( ju , nicht o oder die weiteren Eesultate): kaio^o neben 
KAW^’k, got. Muds ,Tisch' (hängt mit -biudan ,bieten' zusammen), 
ahd. Met, piot. mTC«pKA k neben cTOY?KA k nnd TC>Y>KA k ,fremd', 
vgl. got. piuda ,Volk‘, ahd. deota, dann got. piudisko Adv.,heidnisch' 
und ahd. diutisk ,popularis‘ und ,deutsch'. 

V 

Über den graphischen Ausdruck dieses Lautes in den aksl. 
Quellen ist oben S. 68 f. gehandelt worden. Allem Anscheine nach 
wurde dieser Laut im Aksl. auch so ausgesprochen wie jetzt noch 
in jenen slav. Sprachen, in denen er sieh erhalten hat. Seine 
Zungenartikulation liegt zwischen jener des u und jener des i. Sie 
wird gebildet durch eine bogenförmige Hebung des mittleren Zungen- 
rtickens gegen den mittleren Gaumen (mixed) 1 ). Die kleinste 

l ) Hus beschreibt die Artikulation des y- ponendo principium linguae 
sub inferioribus dentibus et in medio elevando lingnam per modum circnli 
et simili modo formabit t et poterit dicere iyko, mtyn tyn, hyn (Slav. Bibi. II 
S. 179-180). 



Lautlehre. 


117 


Öffnung zwischen dem Gaumen und der Zunge ist also mehr vorn 
(bei u dagegen hinten) und sie ist überhaupt kleiner als bei u. 
Anvererseits muß sie aber größer sein als hei so daß sich die 
Zunge mehr senkt als hei diesem Vokal. So wird allgemein unser 
Laut nach Bell-Sweet als ein high - mixed-narrow-t definiert. 
Daher erklärt es sich auch, daß dieser Laut im Slav. in ein i 
übergehen, andererseits sich aber auch das i dem y nähern könnte. 
Beide Laute haben dieselbe Lippenöffnung gehabt, daher diese 
Berührungen. Rückte nämlich die Verengung weiter nach vom, 
wurde aus y ein i] so bemerken wir es auch in den meisten slav. 
Sprachen, die das y verloren haben. Es konnte aber auch um¬ 
gekehrt die Verengung des i weiter nach hinten rüeken, so daß 
sich aus i nahezu ein y entwickelte, wie es im Klruss. geschehen 
ist. Eine besondere Artikulation der Lippen, wie sie etwa bei der 
Aussprache des deutschen ü bemerkt werden kann, ist bei y nicht 
vorauszusetzen. 

Das y geht auf ein ü zurück: k-mth, s.-kr. b'iti, b. hjti ,8ein, 
werden', lit. btiti, vgl. lat. füturus, gr. (pva ; .vwr.rk , Rauch', s.-kr. 
d'im, b. dtfm, lit. dümai (pl.), ai. dhümäs, gr. d-Vfiög ,Leidenschaft, 
Mut“, lai.fümus; ctuhtj. ,Sohn', s.-kr. sin, b. syn (sekundäre, bei 
den «^-Stämmen auftauchende Abweichung hinsichtlich der Ton¬ 
qualität), lit. sünüs, got. sunus, ai. sünüij. Eine ganze Reihe von 
Verben hat in den Infinitiv- und manche davon auch in den Präsens¬ 
formen dieses y, wie z. B. kp'kith, Kpuuix ,decken, hüllen', lit. 
hwiju , krduti ,häufen, schichten, laden'; ututh, mkiku ,waschen', 
lit. mduti, ,streifen', preuß. au-mü-snan ,Abwaschung'. 

Hierher gehört auch der Nom. sg. der ö-Stämme wie cucKpuu, 
ai. svasr-ÜS ,Schwiegermutter', vgl. gr. ifJ-tc ,Richtung'. So war 
auch im Slav. *kry ,Blut‘ vorhanden (slov. auch noch kri, ap. kry, 
Ealina, Hist. jez. polsk. S. 230, jetzt kr etc), es ist aber schon im 
Aksl. der Akk. an die Stelle des Nom. getreten: KpivKu. Das -y 
aus -ms liegt nach Zubaty (AfslPhil. 25, S. 355—365) auch in 
dem Suffixe -yni vor, das als -y-ni zu deuten wäre: ßoru hh 
,G öttin', mhaocttjhh ,Erbarmen, Almosen 1 . 

Nom. Akk. Vok. du. der «-Stämme: ctuhtj, lit. sünu aus 
*sürü, ai. sünu. 



118 


Lautlehre. 


Das lange «, das zu y führte, konnte sieh auch erst auf slav. 
Boden entwickeln. So in der Lautgruppe un + Kons., z. B. um ko 
,Bast £ , s.-kr. lik m., h. ly ko, lit. lünkas, preuß. lunkan dass.; Btuk- 
hxth ,gewohnt werden', lit .junkstu ,ich werde gewohnt', ygl. got. 
bi-ühts ,gewohnt 1 . Ebenso im Auslaute bei -uns : Akk. pl. der 
«-Stämme C'bJN'M aus *sünuns , lit. sünus, dangüs , got. summs, lat. 
manüs. Wie aus uns schließlich ein y geworden ist, wird unten 
bei der Erörterung der Kasaivokale dargestellt. Hier kann nur 
erwähnt werden, daß von uns auszugehen ist, in welcher Gruppe 
die relative Dauer des Vokals und Kons, verschoben wurde, da die 
Umstellung des Ansatzrohres für den Kons, eine Verspätung er¬ 
fahren hat. Einen analogen Prozeß werden wir auch in der tert-, 
fort- und telt-, fo/’t-Gruppe bemerken. 

Auslautendes n gab dem vorhergehenden 5 und o eine dumpfe 
Färbung, so daß es zu ü bzw. u wurde. So führte auslautendes 
-bn zu un, -ü, woraus -y, z. B. Nom. sg. Kaum ,Stein' aus *kamön , 
vgl. gr. av-i-uov ,Amboß, Donnerkeil', während aus -on schließlich 
ein -t> wurde. Dasselbe Resultat sollte auch das -dn des Gen. pl. 
ergehen, es ist hier aber bei irgend einer Deklination eine Ver¬ 
kürzung eingetreten, so daß man über -un zu -a kam. Ob die 
Verkürzung schon bei -ön oder erst bei -ün, -ü eingetreten ist, ist 
schwer zu bestimmen 1 ). 

Ebenso wurde auch im Akk. pl. der männlichen o-Stämme 
-ons zu -uns, -uns, -us, -u und schließlich -y: poKm zu pOK T k 


1) Man künnte daran denken, daß die Verkürzung zuerst beim Pronomen 
anftrat; der Gen. Hoisön führte zu *toisü, aber auch der Lok. pl. lautete 
Hoisit, unterschied sich demnach vom Gen. nur durch die Kürze des «. Da 
wäre es möglich, daß beide Endungen dann zusammenfielen. Zunächst kann 
es allerdings in der Deklination des best. Adj. geschehen sein, so daß eigent¬ 
lich {iejsü) und *%oisu {ie%su) in Betracht käme. Dann wäre es beim 

Pron. verallgemeinert worden, so daß Mer der Lok. mit dem Gen. pl. zu- 
sammenfiel. Vom Pronomen aus konnte dann der Gen. auf die nominale 
Deklination einwirken mit seiner Kürze « (z) ans -u n., wobei dieser Prozeß 
von -au (sz) des Lok. pl. aller Deklinationen unterstützt werden konnte, so 
daß das genetivische -ü (aus *-ün, *-5n) zu -u bzw. daun zu 0 geworden wäre. 
Fördernd konnten auch die KasuBverhältnisse des Duals, wo der Geu. mit 
dem Lok. dieselbe Form hatte, wirken. Sonst schreibt man es auch der 
schleifenden Intonation zu. 



Lautlehre. 


119 


Termin*. Bevor jedoch die Verdumpfung eintrat, lautete hier, wie 
schon erwähnt wurde, -ions zu -iens um, das zu -i? führte: 

«paiA. Analog auch im Nom. sg. m. u. n. des Part, praes., also 
H6CTii gegen snaia aus *neson(t)s, *znaion(t)s. Es ist also nur das 
s gewesen, welches das Aufkommen des Nasals hier verhinderte 
(gegen 3. PL Aor. H£c,v> aus *nesont). Vgl. auch oben S. 109—110. 

Auch bei alten Entlehnungen wurde das ü zu y, z. B. jf'MS’K 
,Haus', BTv \"KJ3lv maa’K Supr. 145, 12, hier auch noch )pn3HH4, 
in späteren Quellen auch jpuJKA, im Ab. chyse, nicht ckyze, got. 
-Jiüs z. B. in gudhüs ,Gotteshaus' (zu v.rvSew) ; in späteren Quellen 
TTviHTi ,Mauer', b. tyn ,eingezäunter Ort', zä-tyni ,Wehr‘, anord. 
tün, ahd. zün ,Zaun‘, air. dün ,Burg‘, gall. dünum (z. B. Augusto- 
dünum usw.). Das t spricht dafür, daß das Wort aus dem Germ, 
entlehnt wurde. Das ö im Got. klang den Slaven wie 5, daher 
wurde aus dem got. mota ,Zoll‘ im Urslav. und Aksl. wkito ,Lohn, 
Gabe', M’WTapk ,Zöllner', got. mdtareis\ das ah. müta ,Maut, Zoll' 
kann hier kaum in Betracht kommen. Hierher gehören auch einige 
Worte, die dann infolge des Umlautes ein i ergaben (oben S. 80 f.). 

Eine Anzahl von Lehnworten, die insbesondere aus dem Germ, 
stammten, geriet in die Deklination der ö-Stämme, so daß sie im 
Nom. sg. ein -y hatten: Kcyn-w, EoirnivKe ,Buchstabe', pl.,Schrift, 
Buch, Brief, ahd. luohha ,Buche', buoh ,Buch‘; yopxnü ,Fahne' 
(z. B. Supr. 179. 12), got. hrugga (spr. hrunga) , Stange'; npkKTü 
,Kirche', im Got. nichts entsprechendes belegt, wird hier aber ver¬ 
mutet, ahd. cMrihha , aus xvgiy.r] l/.voiv.os gegenüber xvqcco tdg ist 
aus Papyri und Inschriften belegt, Liter. Centralbl. 1904, S. 736). 
Manche wollen u,pkK r ki aus dem Griech. und das b. cirkev (ab. 
cierhev ) aus dem Romanischen ableiten, was wohl kaum so kom¬ 
pliziert war. 

Durch Dehnung des ^ entsteht auf slav. Boden ein neues y: 
ATuyaTH zu ATvplxvH ,atmen, blasen'; haauumath ,aufblasen' 
zu a^th ,wehen, blasen'; üo-ctuaath, -ctuaakr ,schicken' 

gegen c-kaath, cuabk dass. 

Vor einem i oder i kann im Aksl. auch ein t* als tu erscheinen, 
worüber unten bei den Halbvokalen (z. B. a^eptuh aus a^p^h; 

KU-HHAi aUS KTv HHAi). 



120 


Lautlehre. 


Umlaut des y zu i. Nach weichen Konsonanten wird y zu i 
(analog auch das verwandte Ti zu k). Oben S. 80 ist schon der 
Instr.pl. der o-Stämme np<iH, ux*h, iioah, uopn gegen poK-w, 
yScnu hervorgehoben worden, dann uuhth ,nähen' aus *siüti, 
*£yti, lit. siüti ,dass.‘, got. siujan. So ist auch iiahhxth ,spuere‘ 
aus pl’ynati entstanden. Auszugehen ist hier von (s)pnt-, vgl. gr. 
rcTvoj aus *{s)pjvjo, lat. spuo (vgl. Meillet in MSL. XIV 358). Da¬ 
gegen ist im Praes. nniOKU (z. B. Impf. nAic>’Ry;R Mc. 15. 19 im 
Ass., doehMar. u. Zogr. nAkEAAy;u nach nAkßUTH, das z.B. Mc. 14.65 
im Mar. u. Zogr. nsw. vorkommt) von *(s )pieue auszugehen, denn 
auch ein eventuelles U)piou- hätte zunächst zu piey- führen müssen, 
da der Umlaut des o zu e älter ist als die Monophthongierung 
(vgl. oben S. 106). Das *spieu-, *spiou- liegt auch im lit. spiäuju, 
spiöviau , spiäuti ,speien' vor. Darnach war normal üahh/RTH und 
nAHHOBtNHte, wie wir es aueh in der Eegel finden (z. B. iiahho- 
kehh’Ic Mar. Zogr. Joh. 9, 6, aber riAtoHOimiHia Ostr. Nik.; im selben 
Verse Mar. Zogr. fiAHH/U, Nik. nAWHoy; oahh^ Mc. 8. 23, Mar. 
Zogr. usw.), aber insbesondere in den späteren Quellen taucht doch 
auch nAWHXTH usw. auf, offenbar unter dem Einflüsse des Praes. 
fiAwix 1 ). Von dem in späteren Quellen auftauchenden muß atu, 
ikov'ür, moyieinn (neben jks-eav usw.) kommt auch noch die un¬ 
erwartete Form ncmüupHHM'k Greg. Naz. vor, von der Miklosich 
wohl richtig meint, daß sie für JKoy- stehe (Lex. pal. S. 202). Ein 
das zu zy-, zi- geführt hätte, kann hier nicht angesetzt werden 
(lit. auch diphthongisch ziaune ,Bissen Brot', ahd. chiuwun, zu dem 
man ein hiuuo- ansetzt). Dahin gehört auch kak>ix, kakbath 
,picken', erst in späteren Denkm. belegt, lit. kliüti ,anhaken, hängen'; 
dazu dann kakute ,Schnabel' und kaiowk ,Schüssel'. In diesen 
und ähnlichen Fällen kann kein ü nachgewiesen werden, daher 
auch kein i. 

y in den aksl. Denkmälern. Über die Schreibungen wie 
pHKk, cTKpHTH u. dgl. ist schon oben S. 80 gehandelt worden. 
Ebenso sind schon viele Fälle mit h für m des Cloz., der über- 


*) Im Euch, sin.: nAHH^sid na 3£maw; 33a. 3 neben HhcnAWHH 28a und 
Bh.cnAWH/'KK'K Hd w\3'kjK r k «ro 28 a. ln der Sav. kn. nAJcHoifßTvtiic 117 b und nAw- 
HAvK'k 76 b- 



Lautlehre. 


121 


haupt in der Verwechslung der beiden Laute unter den aksl. Denk¬ 
mälern sehr weit ging, angeführt worden. Aus dem Mar. ist der 
Instr. pl. crapkiyki Mat. 27. 41 u. der Akk. pl. ntHASU Joh. 2.15 
beachtenswert (vgl. n th h'ki, kha^ki u. dgl. im Ps. v. Bol.). 

y in den mittelbulg. Denkm. Zunächst wird der Unter¬ 
schied zwischen tu und h gewahrt und zwar bis zum XIII. Jahrh. 
etwa. Dann tauchen — insbesondere in der zweiten Hälfte des 
XIH. Jahrh. — schon Denkmäler auf, in denen m von h nicht 
unterschieden wird. Es hat also damals schon Dialekte gegeben, 
in denen das tu zu h geworden war (IIIenKBH'i, EoxoHCKaa ncax- 
Tzipt. 1906. S. 193). Eine Eigentümlichkeit vieler mittelbg. Denk m . 
zeigt sieh in dem tu nach 3 in Präfixen, wenn das Stammwort 
mit h anlautet, z. B. im Ev. v. Bojana: hsmae Joh. 18. 1; im 
Trn. Ev. HBkiAoyu Mat. 12. 44; Luc. 11. 25; Joh. 8. 42; H3ki,a,ocTE 
Mat. 11. 7. 8; 26. 55; Mc. 14. 48; Luc. 7. 25 usw.; K'k3 r WA« , sux. 
Joh. 7. 10; 11. 55; 18. 27; ß-kskirpa Luc. 1. 41; ßTiSkJCKATH Luc. 
19. 10; B'k3hJijJ«TTi Luc. 12. 48; 17. 32. Im Ev. v. Decani: bv- 
stua, 6 Mat. 3. 16; H3TviA e Mat. 4. 24 usw.; im Karpinskijsehen 
Ev. h3kia £ Me. 1. 29. 35; Ap. v. Ochrida: c''k3'kiA‘* £ TCA 42b; 
cT^TUAauKTTv 32; im Ps. v. Bol.: 30. 3; 62. 4; rk- 

3'WAuaiH 154. 1; c r k3’Ki,i,ddUJf 155. 3, also auch im Stamme. In 
den aksl. Denkm. wird in diesen Fällen ein h geschrieben. 

Im Dobromirschen Ev. findet man selten Fälle von Ver¬ 
wechslungen des tu mit h und da kann man einfach auch an 
Schreibfehler denken: ckKfiu ca 151a. 4; ghbmjuh (st. rnoßkniH) 
24a. 10; ch (s. cu) 130b. 6; HanAkNHTE (st. -cw) 126b. 12; 

boa° h ® ch cboa 133 a. 8. Umgekehrt: ckEAd3Hki (st. -«■) 94a. 15; 
noßbJßdiÄ 85a. 4; bu noycTUHivi 124a. 6; 140b. 11 (sonst immer 
richtig bk noycTWHH). Wie man noch genau zwischen tu und h 
unterschied, beweist am besten die Tatsache, daß hier die Kon¬ 
ditionalformen des Verbums gtoth mit h, dagegen die Aorist¬ 
formen mit tu regelmäßig geschrieben werden, also ehuia oder 
khujx, dagegen KkicTk, bkiuia, z.B. aips... ehcte bejah 149a. 20 
(Mar. hier etucte infolge eines Fehlers). In der 1. Sg. wird cnyk 
st. und neben eh me geschrieben (Jagic, Sitzb. Bd. 138, S. 52). 

Im Ap. v. Ochrida sind einzelne Fälle wie et». noycT-kiHTvi 36 
(vgl. im Dobr. Ev.); mh st. mn 32; th st. ttu 60; nocHAdEu 



122 


Lautlehre. 


111b; cp^Ki (Instr. pl.) 62 b (vielleicht wegen ii,); beim ersten 
Schreiber rpa^i 1 und rdAi 7 (Akk. pl.); kt* notfcTTUHU 10b, 
was auffallen muß (beim anderen Schreiber und im Dohr. Ev.); 
ch st. ctü 15; oycTH mohuh 11b. Kul’bakin ist geneigt anzu¬ 
nehmen, daß sich die Aussprache des tu dem h akustisch genähert 
hätte, aber zusammengefallen wären noch nicht beide Laute (S. cu). 

Auch aus dem Ps. v. Bol. fährt Scepkin (S. 194) einige Belege 
an wie thckijiav 55. 4, HipaavTT». 9. 4, wT'kpHrdfTTi 26.1, vott».- 
pHTHAV 73. 3, VUKpHA"h 182. 4; npHKpHUIX CA 46. 3; nOKpHKAieMTv 
114. 4; pHKaujCTiL 62. 1; pHKaa^Ai 31. 2 — alles bis auf die zwei 
ersten Fälle mit p» st. pm, wie auch schon in den aksl. Denkm. 
beobachtet werden kann; npH3HKdmv 69. 3; npH3HKd(u’ 28. 2; 
nocHAds; 166. 1 und nocHAAUft 234. 3 (analoge Beispiele auch in 
anderen mittelbulg. und serb. Denkm.). Umgekehrt:. cvca’kiuj'ki 
27. 3; ch nTtH-hUTU 107.4; nTH^'hi 129.1; 143. 4; 166. 3; cpivht 
KdUJHMH 241. 4; Ch KHA^'hl 186. 2. 

Ganz willkürlich wird schon ki und h in dem makedon. 
Apostel gebraucht (AfslPhil. X S. 119), ein Beweis, daß sein 
Schreiber einen Unterschied der Laute nicht mehr kannte. Das 
Denkmal dürfte aus dem XIII. Jahrh. herrühren. 

In einem bulg.Zlatoust aus demXIII.—XIV. Jahrh., aus welchem 
Jagic eine Probe herausgegeben hat (Bericht Uber einen mittelbulg. 
Zlatoust des XIII.—XIV. Jahrh., Sitzb. Bd. 139. 1898), begegnet 
man der Verwechslung des u mit h schon sehr häufig z. B. N(- 
noK'kAhiiUH MSiHHTEAh (st. -ahm hi m.) 195; «TCHAd^x 187a (der¬ 
artige Formen auch in anderen Denkm.); KEC CHTOCTH NaChliphWXAv 
192b; HfEhMkcTHMH (st.- mw) 193b; nacrnpoY’ 195; hh st. hu 
196; AP k >KHMHMh (= MhiMh) 196b; hhh-& 197; 200b; ch EE3Ha- 
HCAhHHMh on«Mh 204b, natürlich auch ckphth 189 a, noKpHBhuid 
193a neben noKphiAV 190b nsw. Umgekehrt: ch noBWH’HhiMH 
186a; cu np'kcnoA’nuMH ib.; nponoBtAU ib. ; obm (st. obh, das 
zweimal vorhergeht) 187a; 5KH3Hhi 187b (dürfte verschrieben sein); 
Bh3ABhi>KEuiH 192a; Hhiaovf 193b; oifMpTBw (st. -eh) 197b; no- 
CTdBMTH ib.; BPATHH4H 3AK0H0np'ÜCTXnHhI 199a: EhCKpCHhl 
(Imper.) 202b; vor temhkih.v 204a. 

Natürlich auch: Bh3hiA* 188a; 193b; kTvSkiae 188a; pA3w- 
Aouis; 185b; bbskickath 194b; Bk3hirpAEMk ib.; H3biAETh 



Lautlehre. 123 

196b; HSWA’K'J'f 202 b usw. Doch auch ks3ha* 204b und osu- 
MtiiuiK 204b 1 ). 

Wir finden hier demnach schon zahlreiche ganz unzweifelhafte 
Fälle der Verwechslung von m und h. 

In einem Oktoichfragment aus der Sammlung des A. Popov aus 
der zweiten Hälfte des XIH. Jahrh. (Rumjanc. Mus. Nr. 2571, bei 
Seepkin, Eoxohck. nca.iT. S. 235 f.) ist der Zusammenfall der beiden 
Laute auch schon durch die Schrift angedeutet: 3ahmh a^ah 
S. 238, nppÜH (= npopoKH) ib., UHorHY’ 239 usw. Ein u kommt 
hier nicht mehr vor. In anderen finden wir das tu auch noch 
aus einer späteren Zeit, wenn auch unregelmäßig gebraucht. Wie 
wir aus den Andeutungen des Grammatikers Konstantin schließen 
können, hat wohl auch Euthymius, Patriarch von Bulgarien 
(Trnovo 1375—1393), den Unterschied zwischen tu und h in der 
Graphik zu beleben getrachtet, so daß sieh dann Hss. fanden, die 
häufiger oder ziemlich regelrecht w und h gebrauchen. Aber es war 
vergeblich. Das tu zeigt sich allerdings dann auch noch weiter, 
aber ganz inkonsequent. 

So z. B. in dem Alexiusleben aus dem XVH. Jahrh. (bei Lavrov, 
OÖ3opi, UpM. S. 15 f.), ebenso in einem zweiten Texte aus dem¬ 
selben Jahrhundert (S. 22 f.). 

Heutzutage kommen Spuren des tu in einzelnen Dialekten vor 
(im westl. Thrakien, Rhodopegebiet, im südöstl. Makedonien), sonst 
ist überall das tu mit h zusammengefallen. Die Anfänge dieses 
Prozesses sind sehr alt, vielleicht kann man sie schon in das 
XI. Jahrh. versetzen (man beachte den Cloz., wobei es sich aller¬ 
dings vor allem um das serbo-kroat. Gebiet handelt). 

In den serbo-kroat. Denkmälern glagolitischer Schrift 
ist das tu frühzeitig im Aussterben. Hier kommt auch Cloz. und 
Mar. in Betracht. Das Grskovicsche Apostelfragment aus dem 
XH. Jahrh. (oder Anfang des XIH.) unterscheidet zwar noch zwischen 
den beiden Vokalen, aber nicht mehr ausnahmslos. So haben wir 
hier caTvHuubt». 114 usw., ok'khhah IV 7 usw. Dagegen schon 


i) Schon im Pa. sin. »tu»i «n «ne 38.10; «t-umst-i. cw, 57. 9; oT-uAuT-k 
cmi 71. 7; oTUAifuiH 103. 29; otumh 118. 22, 39, 43. Dagegen in Kiev. Blättern 
«TkAtH V b. 21, doch auch im Ps. sin. ot-kaih 59. 2. 



124 


Lautlehre. 


KTiCjfHTH YII13 und pacnH^a^cnf ct V 14, nach k: poifKH II16; 
IH 15; fKp’fiHCKH HI 17; cawapHNkCKH VI12; pmvVfcHCKHbA 
IV 17. 

Dagegen kennen die beiden anderen glag. Fragmente: die 
Wiener Blätter (etwa aus dem XII. Jahrh.) und das Mihanovic- 
sehe Apostelfragment (Ende des XII. oder Anfang des XIII.) 
kein tu mehr. Desgleichen auch die Denkmäler mit der späteren 
kroatischen oder eckigen Glagolica. 

In den älteren cyrillischen Denkm. der serbo-kr. Redaktion 
finden wir dagegen das iu noch ziemlich häufig, sie waren mit 
dem bulg. Schrifttum mehr in Kontakt, aber von einem regelmäßigen 
Gebrauch desselben ist hier keine Rede. So z. B. in dem Miroslav- 
schen Et. (aus dem Ende des XII. Jahrh.) neben cn'triHMk, khhih 
usw. auch noch: KWKkUJH, wsmai« usw. 

Analog verhält es sieh im Ev. des Vukan (Symeonsches Ev.). 
Auf eine ältere Vorlage geht der Ap. von Sisatovac (1324) zu¬ 
rück, da hier iu ziemlich genau gebraucht wird; ohne Ausnahmen 
geht es natürlich auch hier nicht ab. Dasselbe gilt vom Ps. des 
Branko Mladenovic (1346). So auch noch in einigen anderen 
Denkm. (z. B. in Nomokanon von Iloviea). Dagegen im Ev. v. Xik. 
(um 1400) und im Hvalsehen Cod. (1404) wechselt n mit ui ganz 
willkürlich ab und nebstbei kann hier auch für 'S ein h oder m 
gebraucht werden. 

Konstantin von Kostenec, der im XIV. und in der ersten 
Hälfte des XV. Jahrh. gelebt hat und in die Fußtapfen des Euthy- 
mius getreten war, suchte wieder den Unterschied zwischen w, 
von dem er ausdrücklich sagt, daß es schon (im Serb.) ausgestorben 
war, und h zu beleben und schrieb nicht vor 1423 einen Traktat, 
der seine (meist von Euthymius ausgehenden) orthogr. Reformen 
und Erneuerungen behandelt (herausg.v. Jagic: öod.slov. rer.gramm. 
S. 95—199, Uber das w handelt besonders das Kap. X S. 113). Die 
nasalierten Vokale hat er hier allerdings schon aufgegeben. Seine 
Bemühungen hatten einen gewissen Erfolg (die Bücher der Resaver 
Schule, die auf den Euthymius-Konstantinschen Traditionen be¬ 
ruhten, waren beachtenswert), aber es war schwer eine Konsequenz 
dort durchzuführen, wo es sich um tote Buchstaben handelte. Der 
Einfluß des russ. Schrifttums förderte auch noeh die Erhaltung 



Lautlehre. 


125 


des u, bis schließlich die Reformen des Obradovic (1738—1811) 
und Vuk St. Karadzic (1787—1864) es ganz und gar verbannten. 

In den Denkm. russischer Redaktion bemerken wir, daß 
nach den Gutturalen frühzeitig t ki zu h wird und zwar findet man 
sehon im Laufe des XII. Jahrh. das kh, rn, pi. Eine Neuerung 
der russ. Orthographie bestand darin, daß man statt tu ein ki ein- 
fiihrte. Das ki finden wir schon in Svjatoslavs Izbornik vom 
J. 1073 (z. B. APÖV rwl,a ) ßrK JKHTHHCKKIHpK, pKI/VlTH USW. ; Vgl. 
die Probe in Yerf. Ksl. Chrestom. S. 165). Ebenso in jenem vom 
J. 1076. Ganz selten ist es in den Menaeen aus dem Ende des 
XI. Jahrh. Dann kommt im XII., XHI. und sogar noch im XIV. 
Jahrh. das to zur unumschränkten Herrschaft. Erst Ende des 
XIV. Jahrh. begann man die russ. Sprache und Orthographie zu 
verbessern, trat mit Athos und Konstantinopel in Beziehungen, also 
mit den Vertretern des bulg. und serh. Schrifttums. Diese schrieben 
ki, weil sie nur den Halbvokal k hatten und so nahmen von ihnen 
die Russen das ki an, das jetzt im russ. Schrifttum zur Herrschaft 
gelangte, oh zwar ohne Berechtigung, da ja die Russen auch das 
'K noch hatten und zwischen Tv und k in ihrer Art unterschieden. 

Die nasalierten Vokale e und q. 

Die nasalierten Vokale im Aksl. wurden zuerst von Vostokov 
im J. 1820 bei ausschließlicher Berücksichtigung des Polnischen 
erkannt. Dobrovsky las sie noch nach russ. Art (z. B. inseinen 
,Institutiones linguae slavicae dial. vet. ! 1822, wo * als u und a 
als ja figuriert). Kopitar war im J. 1836, als er seinen Glag. Cloz. 
herausgab, noch nicht frei von allen Zweifeln und hätte lieber nach 
neuslov. Art & als 6 und a als e aufgefaßt. Die Zweifel Kopitars 
fanden mehr als es wünschenswert war einen fruchtbaren Boden. 
Erst Miklosieh machte im J. 1852 (Vergl. Lautlehre der slav. Spr. 
S. 52 ff.) denselben ein Ende. Er stützte sich auf die Transkription 
der griech. Worte im Aksl. (z. B. iiathkoctk == jtevz£y,oaxrj) und 
der aksl. im Griech. (z. B. ocpevrönXrf/.Tos — ObAT cn atvKTv j ). 
Nebenbei berief er sich noch auf die slav. Lehnwörter im Magya¬ 
rischen, die seiner Ansicht nach nur aus dem Aksl. (er nannte es 

il So lautete nach ihm der Name nur im Aksl.! 



126 


Lautlehre. 


Altslovenisch) ins Magyarische aufgenommen worden wären, was 
unrichtig ist. Seit der Eeise des Y. Grigorovic auf dem Balkan 
(1844—45) ist es bekannt geworden, daß sieh Spuren der Nasalität 
der Yokale in einzelnen maked. Dialekten jetzt noch nachweisen 
lassen. Miklosieh hat freilich die nasalierten Vokale nur fürs Süd- 
slav. und Poln. (desgl. Kasub. und Polab.) vorausgesetzt, während 
die anderen slav. Sprachen nach ihm nie nasalierte Vokale gehabt 
hätten, was auch unrichtig ist, denn sie waren, wie man naeh- 
gewiesen hat, schon urslavisch. 

Die ursprüngliche Geltung derselben ergibt sich aus der Pro¬ 
portion HfCTH : HOCHTH = KAACTH : KAAv^HTH = MACTH : U£- 
thth, woraus folgt, daß a ein nasaliertes e (— e) und jk ein 
nasaliertes o ist. Dieselbe Geltung ergibt sich auch fürs Aksl. aus 
der graphischen Darstellung dieser Laute im Glagolitischen: die 
Zeichen beginnen mit e und o. Bei der gewöhnlichen Transkription 
dieses Lautes nach poln. Art durch a darf man also nicht etwa an 
ein nasaliertes a denken. 

Die Frage, unter welchen Bedingungen sich im Slav. die nasa¬ 
lierten Vokale entwickelt haben, bildet eines der schwierigsten 
Kapitel der slav. Lautlehre. Zu halbwegs einheitlichen Anschau¬ 
ungen ist man hier lange noch nicht gelangt. Man muß zunächst 
zwischen dem Inlaut und Auslaut unterscheiden, weil die'Resul¬ 
tate bei gleichen ursprünglichen Lauten hier verschieden sind, wie 
wir'sehen werden. 

Inlaut, -in-, -im- und -um-, -um- geben vor einem Konsonanten 
(wenn sie also tautosyllabiseh sind) keinen Nasal, sondern es war 
der Vokal gedehnt, nasaliert: -u~, die Nasalität geht verloren 

und wir erhalten: i und y z. B. «hau aus balt.-slav. *ginsla , Iit. 
ffislu, gysla , dial. ginsla (Mikkola, BB. 22, S. 245); A’KIKO ,Bast‘, 
lit. lunkas, preuß. lunkan dass.; k-mknxth , gewohnt werden', lit. 
junkstu, ,ich werde gewohnt 1 , vgl. got. bi-ühts ,gewohnt'. Man kann 
ohne weiteres voraussetzen, daß nicht alle Vokale gleich im An¬ 
fang eine gleiche Fähigkeit, nasaliert zu werden, zeigten. Zunächst 
im Inlaute wohl o und e (zu a und e). un und in widerstrebte der 
Nasalierung. Die Gruppen -uns, -ins oder -uni-, -int- ( t für beliebige 
Kons, nur nicht /) bestanden also noch weiter, als es schon ein 



Lautlehre- 


127 


e und a ( q ) gab, verursachten aber bei der Aussprache eine gewisse 
Unbequemlichkeit. Das hatte zur Folge, daß das n [m) gedehnt 
wurde, so wie es mit dem r, l in der tert-, telt- und tori-, tolt- 
Gruppe geschehen ist. Wie hier wurde auch in unseren Gruppen 
später die Länge auf den Vokal übertragen: uns, ünt , -ins, -int 
(vgl. ags. wind aus wind, engl, kind d. h. kaind aus älterem kind, 
Und, Sievers Grundz. 5 § 845). Jetzt erst konnten die Vokale nasa¬ 
liert werden. So entstand us, üt, |s, \t, aber die Nasalität wurde 
nur in und q (o) erhalten, sonst aufgegeben und so ist daraus 
üs, üt, is, it, schließlich y, i geworden. 

Als Ausnahme muß hier die S. pl. der III. Konj. 2. Gruppe: 
TpanAT'k (urslav. *tbrpqib) und der IV.: hocatti. (urslav. *nos$tb) 
und das dazu gehörige Part, praes. act. TpariA, -nAUiTa; hoca, 
-CALUT4 angeführt werden. Wie aus den Praesensformen Tpn- 
uhluh, rptnuTt usw., dann hochujh, hochttv usw. ersichtlich ist, 
ist hier auch für die 3. Pl. und für das Part, schon von Haus aus 
ein i vorauszusetzen, also *tbrpmtb, *nosintb und im Part. *ibrpin(t)s, 
Gen. *tbrpintid[d), *nosm{t)s, *nosmtiö(d). Man kann annehmen, 
daß das -intb der 3. pl. von der Mehrzahl der übrigen Formen mit 
-ontb (bevor es noch hier zum nasalierten Vokal kam, also z. B. 
*nesontb) beeinflußt wurde und daß hier deshalb ein -intb aufkam. 
Dieses widerstrebte nun eben infolge dieses auch noch weiter 
wirkenden Einflusses einer neuerlichen Dehnung, die sonst auf¬ 
tauchte, bis -intb zu -bntb und schließlich -etu führen mußte. Man 
kann freilich einwenden, warum diese Beeinflussung auch in den 
übrigen Praesensformen nicht stattgefunden hat, also warum z. B. 
aus nosite unter dem Einflüsse von -ete der übrigen Verba (z. B. 
uectTf) nicht aueh ein * nosite und dann *nosbte geworden ist. Dem 
gegenüber muß hervorgehoben werden, daß hier nur durch das n 
eine ganz besondere Situation herbeigeführt worden ist. Analog 
verhält es sich beim Part, hoca, hocauita usw. mit Rücksicht 
auf HtCTtJ, tiscVvLUTA usw., wo man einfach von den obliquen Kasus 
ausgehen und die Nom. Tpan a, hoca nach ihnen entstehen lassen 
kann 1 ). 

i) Anders hat unsere Formen Lorentz erklärt (AfslPhil. 18, S. 102—103), 
Brngmann und Pedersen (er akzeptierte eine frühere Erklärung Brug- 
manns, daß in unseren Formen der Nasal lautgesetzlich geschwunden und 



128 


Lautlehre. 


Daß tautosyll. -m-, -bm- ein g ergab, ersehen wir auch aus den 
entlehnten Worten: KTiHASb. ,princeps‘, ahd. huning, lit. künigas 
,Priester, Pfarrer'. u,ata ,numus‘, got. Mntus ,Heller 1 ; vielleicht 
auch maa° jKind 1 , ,Leute, Geschlecht 1 , germ. kinda, ahd. 

chind-, nur fällt hier auf, daß k zu 6 geworden ist, während wir 
in hat 4, ußKK'hi ein c, also die spätere Palatalisierung haben, 
die wir auch bei ua,a,o erwarten. Durch die Annahme einer älteren 
Entlehnung könnte man es nicht erklären. Weiter irKHASU ,Geld¬ 
stück 1 , ahd. phenning , preuß. penningas-, ck'kaask ,numu8 £ , ahd. 
Shilling , got. skilliggs ; ovfcipArT* ,Ohrring 1 , in späteren Quellen 
belegt, vgl. got. ausan ,Ohr‘ und hrigga ,ßing‘. Analog führte ein 
derartiges vn zu a: qgrim, ugrin belegt in späteren Quellen (z. B. 
KopoAio CAj'ropbCKOMOi' Vita Meth. 8), aus dem Namen der Ungarn. 
Allerdings handelt es sich hier um ein jüngeres -tn-, -hm-. Wir 
müssen noch ein älteres -tn-, -bm- voraussetzen, das zum großen 
Teile auch so behandelt wurde. Sowie aus einem vorauszusetzen¬ 
den ursprachl. r, l ein ir, il (bzw. ur, ul) geworden ist, so müssen 
wir analog bei m, n ein im, in [um, un) voraussetzen. Das im, in 
[um, un) ist aber nicht direkt aus m, % hervorgegangen (was 
übrigens auch von ir, il aus f, l gelten muß), vielmehr muß eine 
Zwischenstufe vorausgesetzt werden, etwa ein i bzw. u unvoll¬ 
kommener Bildung, also etwa ein 'n, 'm ( u n, u m), wobei also das 
n und m zunächst noch silbisch blieben. Sonst hätte ja, wenn es 
gleich im Urslav. ein in, im [un, um) aus n, m gegeben hätte, 
dieses ebenso behandelt werden müssen wie das urspraehliche, das 
oben besprochen wurde und das zu i, y führte. Wohl erst nach¬ 
dem aus b», \i ein vn geworden ist, d. h. nachdem der Nasal 
unsilbisch geworden ist, ist daraus ein Nasalvokal («) entstanden 
(vgl. auch Sachmatov, Kr. hct. 3 b. p. «3. S. 4). In einigen Fällen 
ist aber — wohl durch Dissimilation — der Nasal geschwunden 
und das dürfte noch zur Zeit stattgefunden haben, als das n in ’n 
silbisch war (vgl. weiter unten hei den Nasalen m und n). 


dann nachträglich unter dem Einflüsse von HmqU usw. wieder eingeführt 
worden sei, Materyaly i praee, I. Heft 2. 1903, S. 167—68). Das hätte seine 
Analogie in der Atkusativendung pl. der ä-St. -ans, die ans -äs unter dem 
Einflüsse von -ons usw. entstand (s. weiter unten). 



Lautlehre. 


129 


Diese Fälle müssen nun erklärt werden. So vor allem in cmTo 
,hundert 1 gegen lit. szimtas. Im Slav. ist das m geschwunden und 
zwar könnte es am einfachsten infolge einer Art Dissimilation durch 
einen Nasal der nächsten Silbe erklärt werden. Ein solcher kam 
vor im Gen. pl. *ST>mtün, *nmtun (aus -5m), der ja verhältnismäßig 
häufig gebraucht wurde. Es könnte hier übrigens auch noch 
an den Nom. Akk. sg. mit urspr. -on, -im gedacht werden. Wie 
ein Nasal der nächsten Silbe die Nasalität der vorhergehenden 
beeinflussen kann, ersehen wir z. B. aus p. petnaice (gesehr. 
piqtnaicie ) 15, dievetnasce (gesehr. dziewiqtnascie) 19. Über das 
<* in civTo gegen lit. i in szimtas wird weiter unten gesprochen 
werden. 

Hierher gehören ferner die Präp. : 1. cm ,mit‘, in Zusammen¬ 
setzungen ex- in cxc-fiATs. ,Nachbar 1 , cxnupk ,adversarius‘, vgl. 
gr. <iuu aus *smma (ai. sa-krt, gr. ana%, eine andere Vokalstufe 
in gr. oiLov , zugleich 1 , lat. semel, gr. dg aus *aeug usw.). Im Lit. 
haben wir auch entsprechend sü ,mit‘ (auch mit dem Instr.) und 
als Praefix z. B. sü-vedu ,führe zusammen 1 , das aus su entstanden 
ist. Die Übereinstimmung mit dem Lit. ist hier so frappant, daß 
man es z. B. mit Leskien aus *son, *sun (Handbuch 5 S. 24 u. 40 und 
Gramm, der abulg. Spr. S. 25 u. 50) nicht gern erklären wird. Es 
ist zu bedenken, daß dieses *son als Praep. nie in den Auslaut 
kommen also auch nicht zu *sun (slav. dann so) werden könnte. 
Das son (eig. som) liegt vor im lit. sändora ,Eintracht 1 (neben 
san auch sq) und preuß. san ,zusammen 1 in san-insle ,Gürtel 1 , 
und kaum im slav. sa (cxdj,a,m usw.), obzwar dieses formell 
auch möglich wäre. 2. Bm ,in‘, in Zusammensetzungen x-, 
z. B. xt'kktv ,Weberzetter, xnonmi ,semi-‘, x,4,<Mm, 

,vallis‘, lit. in, \ mit dem Akk. ,in‘ aus n, das im Lit. zu in, l im 
Slav. zu dann *•&, bzw. *an- und schließlich Km, bzw. x- 

führte. 

In beiden Präpositionen läßt sieh der Verlust des n aus der 
Stellung vor Nasalen z. B. *vb-n nast , *nn ny, *mn narode usw. 
plausibel machen. Dazu kommt aber noch ein anderer Umstand. 
Da nach um me ms (aus *mn jernb) ein npu meMK, ebenso nach 
cm HHUb. (aus *sbn jimb) ein 3a hhuk usw. entstanden war, so 
mußte es zu einer falschen Auffassung der Präp. als cm, sm 

Yondrak, Altkirclienslavisclie Grammatik. 2. Auü. 9 



130 


Lautlehre. 


kommen, d. h. der Nasal ging auf diese Weise verloren 1 ). Ver¬ 
einzelt sind Fälle wie BTvH-oymn ero Ps. sin. 17. 7. 

Bei kt«., lit. -{■ und cmTO, lit. szimtas sehen wir, daß der Vokal 
vor dem Nasale nicht iibereinstimmt. Dieser Umstand hat mich 
auch früher veranlaßt, daß ich fürs Lit. und Slav. von einem $, 
m, vor dem sich auf lit. und slav. Boden selbständig die begleiten¬ 
den Vokale entwickelt hätten, ausging. Allein die Zahl der Fälle 
der Übereinstimmung (also in lit. im, in, im Slav. e) ist so groß, 
daß man nicht an einen Zufall, nach welchem sich vor m so¬ 
wohl im Slav. als auch im Lit. dasselbe vok. Element (etwa ein i 
unvollkommener Bildung) entwickelt hätte, denken kann. Das i 
(w.) unvollkommener Bildung ist vielmehr vorslavisch, die Ab¬ 
weichungen sind einzelsprachlieh 3 ). So konnte sich aus einem slav. 
*sbmto- (oder schon ein *s l rn,to -) in dem schon früher erwähnten 
Gen. pl. *sb[m)tü(n), *sb{m)tu{n) leicht ein *sttu, stfo und dann ein 
civTo entwickelt haben 3 ). Zuerst hat es natürlich eine Zeit des 
Schwankens gegeben. Dieses bestand wohl schon, als der Nasal 
m noch vorhanden war. Das Wort TmiCAUiTd ,tausend £ ist offenbar 
eine Zusammensetzung, deren zweiter Bestandteil eben unser Wort 
ckto enthält 4 ) und zwar zeigt sich da noch der Beil ex der älteren 
Form *sbmta-. Damit stimmt auch das preuß. tüsimtos überein 6 ). 
Nun haben wir daneben noch die Form TmicäviiiTA: in das *tü- 
swntiß ist offenbar aus *s%mto das s eingedrungen, was zu ttu- 


*) Man kann diesen Verlust hier nicht durch den Auslaut erklären wie 
etwa den Akk. ag. sym aus *sünum, denn hier gab es eigentlich keinen Ans¬ 
laut, weil die Präp. mit dem zugehörigen Nomen eine lautliche Einheit 
bildete, vgl. eben die Ausdrücke et. Kieme, s-mi-ath ,aufmerken, vernehmen“. 
Der Übergang des m in n in *sm wurde zunächst wohl vor bestimmten Kon¬ 
sonanten durchgefiihrt oder erst unter dem Einfluß von cx,- in cssckAt usw. 
herbeigeführt. 

2 ) Analog verhält es sich bei den Reflexen r und l. 

3 ) Vgl. TtNtKt aus TkHtKt. 

4 ) Vgl. got. püsundi, aisl. püshundract und fränk. thüs-chunde, was als 
,Starkhnndertheit, Vielhundertheit) erklärt wird (mit *tüs- vgl. ai. tavds, stark, 
Stärke 1 ). 

5 ) DaB lit. tukstantis weist wohl eine weitere Umformnng anf. Da das s 
in tiicxuita nach einem u nicht zu ch geworden ist, kann es nur auf b zu- 
rüekgehen, was eben auch für den etym. Zusammenhang mit ct-r« lit. szimtas 
spricht. 



Lautlehre. 


131 


cjRuiTa führte. Während aber CTvTO siegte und ausschließlich 
wurde, behauptete sich T-kicAUiTa neben dem neuen Tnucxurra 
weiter. Beides kommt im Aksl. vor (Mar. hat z. B. nur TTuexurra, 
Sav. kn. nur TTUCAUiTd, t'kicauutuhhk-k) ; s.-kr. iisuca, sIoy. tisgc 
setzen ein *tysqt{ä voraus (bg. hiljada oder dafür das russ. tisjaca), 
russ. tysjaca. Das b. tiiüc, jetzt tisic, setzt neben tysq- auch ein tysq- 
voraus, denn vom letzteren rührt das 4 her, nach welchem das u 
zu i umlanten mußte; das s macht hier auch den Übergang des ty- in 
ti begreiflich. P. tysiqc kann analog erklärt oder besser auf *tys$tiä 
zurückgeführt werden. Wie der Gen. pl., wenn er häufig gebraucht 
wird, die ganze Form des Wortes beeinflussen kann, ersehen wir 
gerade aus den zuletzt angeführten Formen. P. tysiqc, b. tisic, slov. 
tisgc sind eigentlich ursprüngliche Formen des Gen. pl., die erstarr¬ 
ten und dann auch als Nom. sg. gebraucht werden konnten 1 ). 

Bei Kiv wird entweder nach szn jimv u. dgl. auch das voraus¬ 
zusetzende *bnjemb 2 ) u. dgl. zu *wt jemb, *u-tn jemi, KTv HieMk usw. 
geworden sein oder wohl noch wahrscheinlicher unter dem Ein¬ 
flüsse von ßivH'k, K’kH't: (als Präposition) und Emm* (lit. ui). Bei 
KTiHTi denkt Zubaty an ai. vänam ,Wald‘ (Jagic-Festsehrift S. 397). 

Ah.r'kK'k ,leieht ! , lit. lengvas (der Vokal weicht ab), ai. laghM 
,flink, leicht', gr. slayvg ,klein, gering', ahd. Imgar ,flink' hatte 
auch in einzelnen Kasus in der nächsten Silbe einen Nasal, als es 
noch nach der w-Deklination ging und das Suffix ko - noch nicht 
angenommen hatte (z. B. Akk. sg. *hngun ), das t wurde aber er¬ 
halten (das l wirkte konservierend, da es ein mittleres /, nicht i, 
war). Das schon im Aksl. vorkommende rnkck für ,aj > og , seelus' 
(Euch. sin. 78a. 14: && khmu OT’kM'kJiVk. rm-Ck 3 ) OT”k 
Motbk) wird noch zur Sprache kommen. 

In den übrigen hierher gehörigen Fällen finden wir den Nasal¬ 
vokal, im Lit. entsprechend in, im [un, um). 

*) Wegen der Änderung der Form änderte sich auch das Genus, das Wort 
wurde ein Mask., im Slov. noch Fern, und Mask. Im Slov. blieb das Wort 
wegen der Erstarrung meist auch indeklinabel: dva (dve) tisoc, tri tisoc usw., 
eine Erscheinung, die wir häufig auch im Ab. finden. Die Länge in tisic, 
p. tysiqc verrät die Form auch als den Gen. pl. 

s ) Vgl. lit. in, %. 

3) rmck = rnkci. 


9* 



132 


Lautlehre. 


Eine andere vokalische Färbung liegt nur in riAcra fern.,Faust 1 , 
ahd .Just und lit. Mmste (aus *kumpst(e, *pimkstie) vor: im Slav. 
der «'-Vokal, im Lit. w-Vokal, im Gegensatz zn ckto, n r K. Im Lit. 
läßt siet die Abweichung erklären [kumpti, kvzmpas) und es zeigt 
uns, wie eben einzelsprachlich die Änderung des Vokals in solchen 
Fällen möglich ist. Sonst stimmt hier das Lit. mit dem Slav. im 
allgemeinen liberein (slav. e, lit. in, im ): hactti ,dicht 1 , lit kimsztas 
,gestopft 1 zu kemszü ,ieh stopfe 1 ; \ccatu. ,zehn‘, ascatt* ,zehnter 1 , 
darnach A* ßATh jueun 1 , A fßATrk ,neunter 1 , lit. deszimtis u. de- 
szimtas und devyni u. devintas .; ru-MATk ,Gedenken, Gedächtnis 1 , 
lit. minias, got. ga-munds fern. ,Andenken, Gedächtnis 1 , ai. matis; 
(A 3 'UKTi.,Zunge, Sprache 1 , preuß. insuwis 1 ) ,Zunge 1 , also i-mz . . ., 
nz- (anders mußten sich dagegen die Laute bei *imq, ent¬ 

wickeln, wie wir sehen werden). 

Weiter das e in A d A AT ' K ,dabunt 1 , ai. dädati aus *dädnti (urspr. 
*dednti), in der 3. PI. der Aoristformen itKca iiaca, ,\juia usw., 
wo ein t abgefallen ist (vgl. 3. PL Aor. nesa aus nesont). 

Hierher könnte auch eine Eeihe von Infinitiven gehören, wenn 
die lit. Bildungen genaue Entsprechungen des Slav. wären. So 
n ath ,spannen 1 , lit. pinti ,flechten 1 ; iath nehmen 1 , lit.mA,nehmen, 
beginnen 1 (vgl. lat. emere)\ ha-math ,anfangen 1 (vgl. *dcom in hc- 
-kohh) und noch andere. 

In den Präsensformen kommt das -m-, -bm- zum Vorschein, 
da es vorvokalisch ist (mit oder ohne *). So nun*, lit. pinü ; hm* 2 ) 
aus %-bmq, lit. imü ; na-okii*: >kiihi*-5Kath ,ernten, mähen 1 , lit. 
ginü ,ich wehre 1 , ap-gintis Verteidigung 1 usw. Freilich sind die 
Infinitive im Slav. auf Grund dieser Hebeneinanderstellung nicht 
ganz sicher, denn wir haben im Lit. mit einer kleinen Modifikation 
das Präs, mirsztu, im Inf. mirti, im Slav. zwar im Präs, ent¬ 
sprechend Map*, aber im Inf. Mp’KTH, das auf ein urslav. *merti 
(nicht *mnti) zuriickgeht. Das könnte dann auch von rtATH usw. 
analog gelten (es wäre also dann ein m, en im Inf. anzusetzen). 

Ein vor-litu-slav. u scheint sich in A XTH ,blasen, 

wehen 1 , lit. dumiü, dümti , trachten 1 , ai. dhämati ( dhem -) ,er bläst 1 

r l Lies insuvis, Mt. sekundär lüzüvis. 

s ) Ebenso hawth aus *bmati, dessen wn auf ein vorlituslavisehes (vor-bal- 
tisok-slav.) m znrtiekgeht, Präs. «aiai*. 



Lautlehre. 


133 


entwickelt zu haben. Auf eine urslav. Bildung mit *» (dann u n) 
geht auch niHATH ,treiben' zurück (dazu das Präs, JKenx). Da¬ 
gegen kann man bei jfoinTx, ^"otUth oder x'ht’Kth wohl keinen 
urspr. Nasalvokal voraussetzen trotz p. chqc, b. chut, weil wir bis 
jetzt in derartigen Fällen keinen Wechsel zwischen ~o und o hatten. 
Vgl. oben S. 111. 

Hier wäre auch noch ,stnltus‘ (eig. ,incuriosus‘, vgl. 

poAHTH, pa r 4,HTH) anzuführen, da hier möglicherweise die Ne¬ 
gation n- vorliegt, woraus an-, das zu x geführt hätte wie das ara 
aus einem anderen n in xt'uk'K, xnoA'bJ usw. 

Im Auslaute gibt das wn, m aus vorlituslav. m, n ein t: im 
Akk. sg. m. f. der konsonantischen Stämme z. B. KautHk, lit. 
3 Itmeni, gr. av.gova zu kam tu ,Stein'; MATtpa zu Math ,Mutter', 
lit. möter\. 

Die übrigen Fälle, die im Inlaute noch in Betracht kommen, 
sind folgende: 

1. am, an wurde zu a, nachdem a zunächst zu o geworden war: 
xrmv. (xrikATi),Winkel, Ecke', lat. angulus. Auch in Lehnworten: 
X'XACnv ,peritus‘, got. handugs ,weise'; BfASKX^iv ,Kameel', got. 
ulbandus (dieses wieder aus elephantus ), hier ist offenbar Kfaa in¬ 
folge der Volksetymologie (e(ahh ,groß‘) st. *ip,lb-, *uhb- (Meillet, 
Etym. S. HO). 

2. em, en wurde zu <y. aak,*;, aauith ,biegen', lit. lenl-ti, lenkiü 
,biegen', dazu die o-Stufe axitk ,Bogen', Ajkka .palus, sinus, Wiese', 
lit. lankä ,Wiese', i-lanka ,Einbiegung'; Maco ,Fleisch' aus *menso, 
bzw. *memso, got. mimz. 

3. om, on führte zu q: das schon früher erwähnte Asum und 
aavka ; pxKA ,Hand‘, lit. ran hä zu lit. renkü. rinkli , sammeln'. 

4. ein em, en führte auch zu ?: nAct, aus *pensa> Aor. zu nkH%, 
rath ,spannen', vgl. mhck (aus *cUtrt>) und -back (aus *bödsi). 
Den Auslaut betrifft gleichzeitig auch ma, ta, ca Akk. sg. des 
Pron. pers., ai. mäm, tvam (aus *mem ), preuß. mien, tien, sien, sin 
[ie, i = geschlossenes e). 

Allerdings finden wir, daß einem ens ein e gegenüber steht, 
was aber zum Teil sehr weit hinaufzureichen scheint: f.rtcAU,k 



134 


Lautlehre. 


,Monat“, ai. mas .Mond 1 , lat. mensis, gr. ptfjv, got. mena, lit. mente ■ 
aksl. ri'Kc’KK'k .Sand', ai. pqsiä ,Staub, Sand' 1 ). 

Aus dem Slav. wäre Mer das Niehtauf kommen eines Nasals 
wegen s in -om, wie wir seien werden, hervorznheben. Bei *penso 
mußte sath, iia/th, iiattv zu einem g drängen (eventuell konnte 
das $ nachträglich wieder eingedrungen sein). Beeinflußt wäre dann 
auch maco ,Fleisch' (z.B. Ps. sin. 49.13), aber wovon? Etwa wegen 
m: got. mimz? In ^Actik ,Zahnfleisch 1 (bei Joh. Ex. v. Bulg.) kann 
wohl ein *dent-snb vorliegen. Vgl. auch ab. Loc. pl. Vrbcas u. a. 

Im Auslaute ist zu unterscheiden: 

A. Absoluter Auslaut: bloßes m (das zu n wurde) oder n. Der 

vorhergehende Vokal ist 

I. kurz und zwar ist er: 

1. ein i, dann gibt das -im, -in (wahrscheinlich Aber ?, i hin) 
ein t> z. B. im Akk. sg. der «-Stämme houjtk ,Nacht 1 aus 
*noktim, lit. näkti, gr. ücpLV, lat. sitim. 

2. -un {-um) gibt -■» (zunächst wohl u, u): Akk. sg. der «-St. 
ctuhtj. ,Sohn‘ aus *sünum, lit. sünu, got. sunu, gr. Tcftyvv, 
lat. manum , ai. sünüm. 

3. -on (-om) wurde zunächst zu -un und das ergab nach 2. 
ein v. Akk.sg. der männlichen o-Stämme z.B. kakk'k ,Wolf 
aus *ublkom, lit. vükq, gr. Mxov, lat. lupum , ai. vrJcam. 

Der Nom. Akk. sg. der neutralen c-Stämme ist beeinflußt 
vom Nom. der es-Stämme wie caobo und von dem -o der 
pronominalen Stämme wie to aus *tod. 

Hierher gehört auch die 1. sg. des einfachen (starken) 
Aor.: HKTv ,ich trug 1 , gr. z. B. tlcrcov, eeptpov, ai. dbharam. 

4. um, -vn (urspr. mi, %n) eTgab -t (vgl. oben S. 128 f.): Akk. 

Sg. KdMEHh, MdTtph, Hp^KTvEk USW. 

II. Der Vokal war lang. 

1. -am, -an gibt q: Akk. sg. der 5-Stämme z. B. pxux, lit. 
raükq ; Instr. sg. derselben Stämme pxKX, ^ovinx, lit. 


'} Eg könnte auch mucnxth (<^--k4chxth ca ,sicb entsetzen 1 ), ov !KacHTH 
,erschrecken' trans. hierher gehören. Ans *gens zunächst *zem- dann *zens, 
*zes, ias-, lit. gqsti ,erschrecken' (die o- Stufe). 



Lautlehre. 


135 


rankä aus urbaltslav. rorJcam, allerdings ist diese Form 
im Äksl. seltener (im Zogr., Cloz., Ass. und Ps. sin. kommt 
sie etwa zehnmal vor, im Supr. schon häufiger, nämlich 
36 mal), zumeist haben wir hier das nach pronominalen 
Formen wie tokk, cssx gebildete pxKotx, Da 

der Supr. eine schon etwas jüngere Quelle ist, so wäre 
es wahrscheinlich, daß die im Aksl. einigemal verkom¬ 
menden Instr. auf -x nicht mehr das urslav. x (pxKx), 
sondern das durch Kontraktion aus -obr, -tix entstandene 
enthalten. Immerhin muß aber daran festgehalten werden, 
daß fürs Urslav. zunächst nur *rahq, *dusq anzusetzen ist. 

Hierher gehört auch die Endung der 1. Sg. präs. der 
themat. Verba: hscx, Etpx usw. Sie geht auch 

auf -am zurück, das vielleicht einer Injunktivform zwei¬ 
silbiger Wurzelbasen auf -a ursprünglich gehörte, so daß 
man von Formen wie p^sx .ich raufe 1 zu p'eiuth, xkbx 
, ich kaue* zu ikukuth usw. ausgehen müßte. Damit 
wären die alat. aorist. Konj. wie fuam, tulam , ad-venam 
(und - bam ) zu vergleichen (vgl. Brugmann, Kurze vergl. Gr. 
§ 717 Anm. 1 u. § 722). 

Man meint auch, daß in dem -q das urspr. -ö, das im Lit. als u 
fortlebt, zu suchen sei: es wäre daran die Sekundärendung -ro ge¬ 
treten (z. B. Meillet: -<j de v.-sl. berq represente le *-5 du type 
elargi par la nasale de la dösinence secondaire de l re per¬ 
sonne singulier active gr. icpsQov, v.-sl. paä% ,je suis tombA, MSL. 
tomeXIV p. 412). So sieht hier auch Mikkola ein 5 + m, dieses 
hätte ein <? im Gegensatz zu y aus ön in imatu ,Stein' deshalb er¬ 
geben, weil es auf ein m ausgehe (Bocznik slaw. I S. 12). Es ging 
aber m im Auslaute frühzeitig in n über, wahrscheinlich schon in 
der vorslav. Periode (vgl. z. B. das preuß. s-tan). 

Es ist wahrscheinlich, daß das am zunächst ein nasa¬ 
liertes a, das dem o zuneigte, ergab, und erst im Laufe 
der Zeit wäre daraus ein nasaliertes o entstanden. 

2. -en {-em) ergab e: in dem schon erwähnten Akk. iu, ta, 
ca; das Suffix-e der neutralen «-Stämme: upkuA ,Last‘ 
aus *lermen. 

3. -ön l~öm) führten zunächst zu -5 n, woraus (vielleicht über 
w, ü) y entstand: Nom. sg. der männlichen «-Stämme z. B. 



136 


Lautlehre. 


kam'U ,Stein' aus *kamön, gr. av.ucov ,Amboß, Donnerkeil', 
lit akmi (Abfall des n, daher eine geschleifte Intonation, 
vgl. motS, weil in -ter das r abgefallen ist). Von Kurschat 
werden noch dialektische Formen auf - ung , d. h. -vn, wo 
also noch das ältere -on zugrunde liegt, angeführt. Die 
Genetivendung im PI. -on ist im Slav. verkürzt worden und 
ergab -a (vgl. oben S. 118 Anm.). 

B. Nicht absoluter Auslaut, d. h. -n in Verbindung mit -s 

oder -t. 

I. Mit kurzem Vokal. 

1. -ans wurde zu -ons und dann wie dieses behandelt, d. h. 
es ergab ein - y , nach i Uber ens ein e: Akk. pl. der 5- 
und «5-Stämme (auch als Nom. pl. gebraucht) pxKTsJ neben 
AoyuiA. Die ursprüngliche Akkusativendung -Ss (aus 
-ans) wurde unter dem Einfluß der anderen Akkusative 
pl. wie -ons usw. zu -ans, das ging in -ons über und teilte 
seine Schicksale. Analog im Lit. rankäs, gr. ycboag. 

2. -ins wurde, wie schon oben S. 78 und 126 f. angegeben, 
zu -ins, -ins, -ts, -is, -i im Akk. pl. der «-Stämme tocth, 
kocth, lit. aus (-is aus is, weil gestoßen betont), preuß. 
altins, got. austins. 

8. -um gibt analog -üs, woraus ein y werden mußte, also 
wie im Inlaute: Akk. pl. der «-St. ctuhtu aus sünuns, lit. 
sünus, dangüs, got. sununs. S. 118 u. 126 f. 

4. -ons und -ont wurden verschieden behandelt. Während 
aus -ont sich der Nasalvokal a entwickeln konnte und 
zwar noch vor dem Abfall des t\ 3. pl. des starken Aor. 
Hie* aus *nesont, vgl. gr. tyvo-v, elutov, ließ das s in 
-ons einen Nasal nicht aufkommen, so daß hier noch der 
Umlaut io zu ie wirken konnte: Nom. sg. m. des Part, 
präs. act. *nesom aber *znaiens. Sonst hat sich im In¬ 
laute in solchen Fällen der Nasalvokal schon entwickelt: 
Gen. sg. m. n. desselben Part. aksl. shakmuta. Es ist also 
im Inlaute der Nasalvokal älter als der Umlaut des io 
zu {e. Während nun weiter das -iens in *znaiens zu einem 
<i führte: 3haia, trat in *nesons eine Verdumpfung des 



Lautlehre. 


137 


-om zu -uns 1 ) ein und dieses führte wie uns sub 3 über 
us, üs, ü zu y : hecui, lit. vezäs aus *eezonts (im Slay. eig. 
auch *neson(t)s, *znaion(t)s, got. gawigands. Das q in 
3HUKKUITU usw. ist demnach älter als das e in 3HUbft, 
was aber nur dureh das s heryorgerufen wurde. 

Analog verhält es sieh im Akk. pl. der o- und io- 
Stämme: axktü aus *lonkons von axku ,Bogen', vgl. lit. 
taküs, preuß. deiwans , got. wulfans, kret. Im.ovg, dagegen 
KpaiA zu span ,Rand‘. Hierher gehören auch die Fälle 
sub 1, insbesondere wohl auch der Gen. sg. ptuktu-^oyiua 
( westslov. und ar. duie). S. 109—110. 

5. -ens führte zu e, wie eben sub 4 erörtert wurde 2 ), doch 
ist das -ens erst infolge des Umlautes ans ons entstanden. 
Vgl. die Anm. zu 4. 

6. -vnt (ursprachl. ->it) ergab <?, wie schon oben erörtert wurde: 
3. Pl. präs. ^aäat'k ,dabunt', die Aoristformen ßtcA, 
riACA, ^dUlA USW. 

H. Mit langem Vokal: es werden nur hie und da theoretisch 
einzelne Formen so gedeutet, doeh ist eine solche Er¬ 
klärung wenig wahrscheinlich. So nimmt z. B. Mikkola 
an, das a von -ans im Akk. pl. wäre schon in der vorslav. 
Periode gedehnt worden (Roczn. slaw. I S. 12), wie er aber 
dann den Umlaut zu -iens (awuja) erklären will, hat er 
nicht angedeutet. 


*) Es wäre übrigens möglich, daß vor dem Umlaute hier ein -ons ent¬ 
stand, dann ein - iens , -iens, -fö, jf? einerseits und -om, -uns, -uns oder gleich 
-öns, -Uns (sowie -ön, -ün in iMsra usw.) andererseits; -uns führte über -w,s zu 
ü, y. Wenn sich $ in -iens noch vor dem Abfall des s entwickelte, so konnte 
es vielleicht frühzeitig auf einem Teile des slav. Sprachgebiets wegen der 
Abneigung gegen zu e geworden sein, so im Gen. sg. und Akk. pl. 
der ö-St. 

2 ) Leskien nimmt in unseren Fällen eine Dehnung vor ns an (im § 24 
sagt er: Ersatzdehnung lasse sich nur in Endsilben, die auf urspr. -ns aus¬ 
lauteten, konstatieren); im § 15, 6, a nimmt er an, bei urspr. -ins und -uns 
wäre der Vokal zunächst gedehnt worden: *-ms, *-üns usw., was eine Ersatz¬ 
dehnung sein soll. Eine Dehnung vor ns scheint Mikkola schon in der 
vorslav. Periode anzunehmen (Roczn. slaw. I S. 12). 



138 


Lautlehre. 


Wir haben hier bei den theoretischen Erklärungen vorausgesetzt, 
daß es vorübergehend verschiedene Nasalvokale gab, daß sich je¬ 
doch schon im Urslavischen nur zwei erhalten haben: ein q und e. 
Diese gehen dann in die Einzelsprachen über, erleiden aber hier 
mannigfache weitere Veränderungen, die meist den Untergang ihrer 
Nasalität herbeiführten. 

Worte mit q neben u in den aksl. Denkmälern. Es gibt 
Worte, die neben q- auch u aufweisen. So z. B. mxahth und 
moyAhth ,eunctari‘. Mat. 24. 48 im Zogr., Ass., Sav. movj'aht’k, 
dagegen Lue. 1. 21 im Zogr. mx>ka<uuii, ebenso Luc. 12. 45 hier 
mxahtt>.. Mar. Luc. 24. 25 mxa'kha, Zogr. Ass. da¬ 
gegen auch im Euch. sin. 78a, ne 3UMC«f atuho. 

Im Ps. sin. finden wir auch ne suiuixah 39. 18 und 69. 6, dagegen 
Pog. und Bol. 

Da auch die anderen slav. Sprachen ein mud- haben (slov. z. B. 
nemudoma ,alsogleieh‘ und muditi ,auf halten', p .zmuda ,Zeitverlust“), 
so ist hier mud- offenbar ursprünglich und urslav. und dürfte mit 
lit. mauda ,Mühe“, apmaudas ,Verdruß“ zusammengehören. Der also 
nur lokal in einem altbulg. Dialekte auftauchende Nasal dürfte 
durch die Anlehnung an irgend ein verwandtes Wort oder spontan 
bei einer mit m anlautenden Silbe entstanden sein (vgl. p. miedzy 
gegen älteres miedzy , aksl. NUJKAOif). Ein analoger Prozeß wieder¬ 
holt sieh auch bei iru, das in mittelbulg. Denkm. als hx auftaucht 
und im Norov. Ps., der hinsichtlich der Nasale genau ist, regel¬ 
mäßig so geschrieben wird. Scepkin denkt hier an ein nasaliertes 
(Boj. ne. S. 161). Die Nasalität entwickelte sich wegen des an¬ 
lautenden n. Wenn es sich hier so verhält, so dürfte die gewöhn¬ 
liche Zusammenstellung des aksl. ho\\4, h th neben hxahth ,nötigen“, 
,Gewalt, Notwendigkeit“ neben HcnpV'A usw - apreuß. 
nautin (Akk.) ,Not“, germ. *naupi, *naudi, got. naups ,Not, Zwang, 
Gewalt“, naupjan ,nötigen, zwingen“ (vgl. auch naudi-paurfts ,not¬ 
dürftig, nötig“), vorgerm. nauti ,zulässig sein“ 1 ). Für ein urslav. 
nud- spricht auch das slov. nuditi ,nötigen, anbieten“, p. nuda (Lang¬ 
weile“, wynudzic ,abnötigen 1 , daneben aber nqdza ,Not“ (slov. nuja). 


l ) Es müßte ein Wechsel, wie er zwischen Tenne» und Mediae sonst auch 
beobachtet wird, vorausgesetzt werden. Vgl. ai. riädhita ,in Not befindlich 1 . 



Lautlehre. 


139 


Es ist hier also das q schon mehr verbreitet. Das gilt insbesondere 
auch fürs Aksl. Im Zogr. Mar. und Ass. haben wir nur rnd- und 
zwar hjkahtti ca und hx/Kaumhuh Mat. 11. 12 im Zogr. Mar. 
und Ass.; HXjK^aamiTe Luc. 24. 29 im Zogr. und Mar.; hxahttv 
ca Luc. 16. 16 im Zogr. (Mar. fehlt); hxjka^ (Akk.) Luc. 14. 18 
im Zogr. Mar. und Ass.; im Ass. noch HiKiKAAdCTS Luc. 24. 29. 
Erst in der Sav. kn. haben wir neben (Luc. 14. 18) auch 

HOifA HT "'k CA und HOYiKAUNmjH (Mat. 11. 12). Mit der Sav. kn. 
geht hier auch Supr. Neben hxa- haben wir hier auch hov'A - 
z. B. NO\f>KAd 136.13. 16, 20, kurz vorher nxjka*** 3. 12 und 
vor dem wieder kovikatvHCkr 3. 10—11 (hu n©y*A x «a^tt». 
267. 21), hoyAumu 414. 2 (kurz vorher 413. 30 und 

hxjkax^P] 414. 1), HOYA'kMd 365, 14—15. Die beiden glag. 
Denkmäler Ps. sin. und Euch, haben auch nur h^a- und zwar im 
ersteren: herjka^x^ csa 37. 13 (so auch im Bol. gegen hoy>k- 
A<JdY^ ca im Pog.), im letzteren: hxahth 76b,96a usw., 

61a, HStAkWH 102b, hxjkauhti 69b, häjkauhhuh 69b; des¬ 
gleichen im Cloz: hxa hth dreimal und N^JKAfi*. 194, 195 und 
196. Die Bl. v. Chilandar enthalten hxahte ca und das cyr. mak. 
Blatt. hoy^A« 1-19- Dem Einflüsse des Germ, ist es zuzusehreiben, 
wenn im Poln. auch nucic, b. nutiti ,nötigen 1 auftaucht. 

Im Supr. finden wir ruxuidauue ca 365. 18, rnxcaHote 386. 10 
(rNOYcuHdaro 410. 28 und rHOY^NTMA 160, 20—21), rHauu<ueTT>. 
ca 510. 4 neben rN©Ymd4TTi C a 545. 12, rH©Yuiax , 'U 167. 22; im 
Ps. sin. Bk3r(H)xuid cia 106. 18, Bol. auch so, Pog. dagegen kt».- 
3rH©Yiua; im Eueh. sin. he KTvSrHXuidH ca 79a, hh ETi3r(N)jR- 
uidH ca 85a. Die maßgebenden slav. Sprachen setzen auch hier 
ein gnus- voraus; slov. gnus m. ,Ekel‘, gnusiti ,ekelhaft machen 1 , 
p. gnuhny ,faul, träge 1 . Es ist hier auch die Schwachstufe mit 
THb.ca f. vorhanden: A d khiuik OT'kimuiA'k rHEca ott». a°Y 1jua 
moeia Euch. sin. 78 a. 14. Das könnte nur durch eine Vokal¬ 
assimilation aus *rH-kCk erklärt werden. Analog haben wir ja 
neben mtj.a^t». (t.rkAd-k, Cloz. invAaocTk 150, 209), ar. motue- 
Hie st. Mtfliuanie Verzögerung 1 auch mbäi.jhth, Meß-mra MtÄMMrs 
(Ev. v. Jurjev, Codo-ieBcnm .leKn;. 3 S. 89). Sonst müßte man 
voraussetzen, daß sich schon im Urslav. aus gnqs ein gnus- ent¬ 
wickelt hätte, daß daneben auch ein *gmns- aus vorslav. *gn§s 



140 


Lautlehre. 


vorhanden gewesen wäre, in welchem der zweite Nasal verloren 
gegangen sein müßte. 

Neben covmsh'Kth kommt auch cxmivH-kth vor. Im Euch. sin. 
haben wir nur cxMkti'kHne 20a; 68b; ot*k cxnsiiH’Kh’ha trkCTa 
(Goar: «sc uTttoiGvlnxov zönov) 54b; im Snpr. neben sq- z. B. 
cxmh AuiTHijf'K ca 97. 14 auch su-\ E£3Ti coYiütkN'SHHia 98. 19; 
coymiiHHTTj. ca 410. 25. In den Evangelientexten ist c,w-, nur im 
Mar. einmal oycoyt-ikH-lv Mat. 14. 31. Auch hier setzen die slav. 
Sprachen ein su . . . voraus: slov. sumneti ( sumniti ) ,argwöhnen 1 , 
s. se ,mutmaßen', sumnja ,Mutmaßung, Wahn', p. sumienie , sumtiienie. 

Man sieht, daß in drei Worten die Silbe mit einem Nasal be¬ 
ginnt und im vierten folgt er unmittelbar nach. Das konnte das 
Aufkommen sekundärer Nasalvokale fördern oder auch das Ver¬ 
klingen schon bestehender veranlassen. Bei den hier erwähnten 
Worten wird wohl nur das erstere gelten. Das letztere gilt von 
nou ahü\TH neben noM’KHSiTH, das erstere ist wohl ursprüng¬ 
lich, wegen des nachfolgenden n und vorhergehenden m ist die 
Nasalität verloren gegangen, st. *pomenq,ü schreibt man aber no- 
M'Khxth infolge einer Anlehnung an mHuhth, wie Zubaty meint. 
Bei Scepkin (Paseyayieme S. 72—73) haben wir eine Zusammen¬ 
stellung dieser Formen. Danach mah- viermal im Zogr., zweimal 
im Mar., siebenmal im Ass., r.rkfi dagegen elfmal im Zogr., 13mal 
im Mar., einmal im Ass., ausschließlich in der Sav. kn. (viermal). 
Zogr. bewahrt in lautlicher Hinsicht das ältere, daher wohl noch 
viermal uah-. Im Ostr. Ev. auch nur letzteres. 

Die Nasalvokale in den mittelbulg. und aksl. Denk¬ 
mälern. Es ist schon oben S. 38 hervorgehoben worden, daß ein 
halbwegs richtiger Gebrauch der Nasalvokale das wichtigste Merk¬ 
mal eines aksl. Denkmals abgibt. Die Abweichungen sind aber 
doch auch nicht selten anzutreffen und da sie ihren Grund in den 
abweichenden Dialekten der betreffenden Schreiber haben, empfiehlt 
es sich zunächst, eine Übersicht der Reflexe der Nasalvokale in 
den bg. Dialekten, deren Reflexe weit hinauf reichen, zu geben, 
Spuren der einstigen Nasalvokale haben sich jetzt noch in einzelnen 
Dialekten erhalten, so bei Ochrida und in der Umgebung von 
Kostur und Saloniki (Landes?,, pendeset usw. vgl. bei .lanpoB’s, 06- 
3op% S. 13 fl, mitunter auch als ??.). Nasalvokale sind es nicht 



Lautlehre. 


141 


mehr, sondern ein vokalisches Element +■ m oder n, was man auch 
noch in einigen poln. Dialekten nnd im sloven. Gailthalerdialekt 
findet (Oblak, Maced. Stud. S. 18, x erscheint meist als zm. zn nnd 
a als em, en). Diesen Prozeß der Auflösung findet man schon in 
einzelnen mittelbg. Denkm. So z. B. rkHrpaJKAAH« Ap. von Ochr., 
COMKOTd PS. V. Bol., CKJKNA'fcAb.HHK'K Und CKXHUA’ K AHhJ)fk Ap. 
Slepc., A 6 ßA|i A (C ' ÄTl1 Karp. Ev. 27 (zweimal, ah für q taucht 
sporadisch auf vom XIV.—XVI. Jahrh., vgl. Oblak, CÖopn. XI 
S. 526, Scepkin, Boa. ncaxT. S. 165, Anm.). Wenn nun auf Grund 
der aksl. Denkmäler angenommen werden muß, daß schon im 
XI. Jahrh. die Nasalvokale in bestimmten Stellungen ihre Nasalität 
verloren haben, so sprechen, einzelne Tatsachen dafür, daß es 
andererseits noch zur Zeit des mittelbulg. Schrifttums einzelne 
Dialekte mit Nasalvokalen gab (vgl. das oben erwähnte hx, Scepkin 
1. c. S. 161, Anm.). Das sind aber wohl nur Ausnahmen, im all¬ 
gemeinen wird es wohl gelten, daß die Mehrzahl der mittelbg. 
Dialekte keine Nasalvokale mehr hatten, wie man aus den mittelbg. 
Denkm. ersieht; für die zweite Hälfte des XIII, Jahrh. etwa war 
das sicher der Pall. 

x. Was das x anbelangt, so kann im allgemeinen gesagt 
werden, daß heutzutage dafür in den bg. Dialekten ~o, a, o und w 
erscheint. Das z kommt vor in den östlichen Dialekten, dann auch 
in den südlichen von Macedonien (Saloniki, Demir-Hissar, Nevro- 
kop, Kukus, Voden, Lerin, Kostur, Resen, Ochrida [vgl. Oblak, Ort. XI 
S. 527—528]); teilweise auch in der Umgebung von Sophia. Da ist 
t> allgemein. Nebstdem gibt es noch einige Gegenden, in denen <s 
nur in betonten Silben erscheint, in unbetonten aber a (z. B. Vidin). 

So ist auch in den mittelbg. Denkm. das m für x und um¬ 
gekehrt nicht selten 1 ): ct>.kotkuh Ev. des Grigorovic (XU. Jahrh.) 
47, hier aueh axmb. cE'KA’&T^Ah. fol. 19, kxaPt* 50b, 4£TKpK- 
txktv 90b, H3 ua XUJ£ 63b, txuuv 104b usw. (vgl. Lavrov, OG 3 . 
S. 17); ntokaa Sestodnev (XIH. Jahrh.) 190b (h-ujkaa auch im 
Psalt. v. Bol. 90. 2), laAmTTh. 244b für das analogisch gebildete 
HAXTTv; imTrn.Ev. oycaMHHTf Mat.21.21 neben oycxMkH’fc Mat. 
14.31 und oycxMH'EniA Mat. 28.7. Im Oct.Mibanovic (XIII. Jahrh.): 


*; Im. Dobromirschen Ev. kommt noch kein i>. für x vor. 



142 


Lautlehre. 


ATO|JfA, Aki|j£A und axijjsa; tshx und tbha; Bii,A,px;KH und 
K'KAP'kJKH usw. Umgekehrt: CTX3X 9a, 74a, 100a, 103a, ctx3a 
79b usw. (AfslPhil. 3, S. 346—347). In einer Urkunde von 1348: 

CTs-TTi. 

Das a ist hauptsächlich verbreitet in den zentralen Dialekten 
Macedoniens (Veles, Stip, Bitolj, Prilep, Kratovo) und in den sich 
anschließenden westlichen Gebieten Bulgariens: Küstendil, Samo- 
kov, Razlog, Dzumaja, Orchanie, Cepino, übrigens auch in Etropol. 
Im Auslaute selbst auch in einigen östlichen Dialekten. Man findet 
es auch in den mittelbg. Denkmälern, sö in dem schon erwähnten 
Oct. des Mih. (XIII. Jahrh.): ß-K maba; okaahaa mh auTx octh; 

MHOrOAXKABAX rAABX USW.; 1. Sg. EfAHH'fcA St. B8AHHAIX AfslPhil. 
3, 335 f.). Umgekehrt hier auch z. B. TUAtca bauix (st. rauia) 
10b, 24b u. a. Jagic war geneigt, dem a für <? eine allgemeinere 
Geltung zuzusprechen (S. 354, vgl. auch den Titel der Abhandlung: 
»Wie lautete x bei den alten Bulgaren«), was aber nicht richtig 
wäre, wenigstens in diesem Sinne. Auch im Chludovschen Pari- 
mejnik finden wir derartige Belege. Beachtenswert sind auch 
Belege wie der Instr. sg. iiie m xuBcua. Für das a bzw. ra wird 
manchmal 'S geschrieben: caaba-K aus caabaix, wenn auch in den 
Denkmälern Formen mit x (cf.rKpA, hactabx usw.) häufiger sind, 
worüber weiter unten. 

o erscheint nur in Debra (im westlichen Teile von Macedonien) 
und in einigen Bhodopemundarten, in letzteren aber nur wenn es 
betont ist, unbetont dagegen als «; o (o a ) ist in diesem Dialekt 
aus a entstanden. Durch o als Beflex des q, hebt sich der Debra- 
dialekt scharf von allen Nachbardialekten ab (Oblak, Maced. Stud. 
S. 25). In diesem Dialekt erscheint o für x namentlich in Wurzel¬ 
silben, in Verbalformen zeigt sich aber auch hier a. Unter den 
Bhodopedialekten figuriert wieder jener von Cepino, in welchem 
freilich a überwiegt, weiter von Rupcos und Siroka Inka (in diesen 
Dialekten wird nur das betonte q zu o, sonst zu a). 

Will man entsprechende Belege mit o in den mittelbulg. Denkm. 
finden, so ist man in Verlegenheit; Lavrov hat nur etwa sechs Belege 
(S. 21) und die sind fast alle als Schreibversehen zu deuten (es 
folgt ein o nach oder geht es vorher, in Urkunden auch als ein 
unausgeschriebenes ojy]). Der Mangel an sicheren Belegen in 



Lautlehre. 


143 


Denkmälern aus dem XII—XVII. Jahrh. Ist wichtig zur Beurteilung 
zweier glag. Denkmäler, in denen wir solche Belege finden, näm¬ 
lich im Mar. und sehr häufig im Ps. sin. Miletic wollte in dem o 
den Reflex eines Dialektes sehen, was unter solchen Umständen 
kaum angeht. Eher wird man mit Jagic das a des Mar. als ein 
unausgeschriebenes ae deuten, dagegen bezüglich des Ps. sin., wo 
wir verhältnismäßig viele derartige Beispiele finden, meinte Oblak, 
der Schreiber hätte x als o (mit einer nasalen Resonanz) aus¬ 
gesprochen und diese Aussprache hätte er annähernd durch a an¬ 
gedeutet (Cöopn. mhh. XI S. 532). 

Das u für x erseheit hauptsächlich in den nördlichen Gebieten 
Macedoniens und Westbulgariens, die sich in der Nähe des serb. 
Sprachgebietes befinden und deren Dialekte als Übergangsdialekte 
aufzufassen sind, was sich auch in anderen Merkmalen äußert. In 
den ostbulg. Dialekten kommen einzelne Worte mit oy vor, bei 
denen wir auch schon in aksl. Doubletten (mit oy und x) finden, 
wie HoyacAA rnoyceo ; /sornaex ist aus der Kirchen- und Literatur¬ 
sprache eingedrungen. Mtas^oy neben usjkax sind zwei ver¬ 
schiedene Bildungen (eine dritte liegt im ab. mezi, ap. miedzy , 
jetzt miedzy vor). 

Was nun das oy für x in aksl. Denkm. anbelangt, so kommt 
es überaus häufig im Mar. und Cloz. vor. In beiden findet man 
auch umgekehrt x für oy, ein Beweis, daß der Schreiber x als 
oy las. Darin sehen wir einen Reflex seiner Muttersprache, die 
offenbar serbokroatisch war, wie auch andere Umstände dafür 
sprechen. Miletic sah in dem u des Mar. das Merkmal eines 
maced. Dialektes (Ilep. enne. XIX—XX 235), wobei er auch auf das 
o für x aufmerksam machte (vgl. oben S. 19 u. 142 f.}, womit wir 
allerdings nicht iibereinsthnmen können. Die betreffenden wenigen 
Fälle des oy für x im Zogr. erklärte Oblak für Schreibfehler (1. c. 
S. 535). Etwas zahlreicher sind sie im Supr., der aber irgendwo 
auf dem nordöstlichen Gebiete (vielleicht im ehemaligen Dakien) 
zur Abschrift kam und da dürfte es der Reflex des dortigen Dia¬ 
lektes sein. Wir werden es ja auch zahlreicher in den vlacho-bnlg. 
Urkunden finden. 

In den mittelbg. Denkmälern sind diese Fälle in der Zeit vom 
XU.—XIV. Jahrh. nicht zahlreich. In der Zeit vom XVI.—XVHL 



144 


Lautlehre. 


Jahrh. werden sie zahlreicher, was man auf den Einfluß teils des 
serb., teils des russ. Schrifttums zurückzufttbren geneigt ist. Mit 
dem u für x beschäftigt sich Nacov (Jagic-Festschrift 1908, 
S. 486—494) und möchte diesen Wandel als rein bulg. auffassen 
(aus x ist i{ bzw. u n geworden, woraus «). 

Es muß hier auch heryorgehohen werden, daß das u für x in 
den vlacho-bulg. Urkunden etwas ganz gewöhnliches ist: khhtS, 
hcthhS ci Ha3HEato, no kcS^S, saptSuHnH usw. (Yenelinlll, 36, 
37 usw.), wie ja überhaupt hier mehrere sprachlichen Eigentümlich¬ 
keiten Vorkommen, die sich mit den serb. decken. 

Es handelt sich nun darum, wie diese Reflexe des x theore¬ 
tisch zu erklären sind. Man hat angenommen, daß aus x auf bg. 
Gebiete teils ^n, teils an, teils on entstanden wäre und zu z, a oder 
o geführt hätte (Lavrow, 06s. S. 17). Wahrscheinlicher ist es, daß 
aus o zunächst ein a (nasaliertes a) geworden ist, woraus sich 
leichter ein zn und dann ^ wie auch a und seine Reflexe erklären 
lassen. Diesen Übergang nahm Oblak wenigstens für den Auslaut 
an; er war aber wahrscheinlich allgemein wie auch im Poln., worin 
Nitseh einen stärkeren Grad der Nasalität sieht, als in dem Über¬ 
gange des o in i{, wie wir es sonst in einer Reihe von slav. Sprachen 
finden (Roczn. slaw. II S. 42—43). 

a. Der regelmäßige Vertreter des a ist sowohl in den mittel- 
bulg. Denkm. als auch in den heutigen Dialekten ein e *). Beispiele 
sind in den Denkm. zahlreich, ebenso wird hier auch e von a 
vertreten z. B. in Ap. v. Ochr. rnoptH 6 b, ib., Tßopi ib. 

Insbesondere im Berliner Sammelband (aus dem XIII. Jahrh.) findet 
man zahlreiche Belege (Lavrov S. 29). Man findet es aber auch 
schon in den aksl. Denkm. wie Zogr., Euch sin. usw. In einigen 
Hss. finden wir auch r ß, z. B. im Ps. des Grigorovic pxuoBhTH 
123 b, T’kuiKo Manass. Es ist möglich, daß es mitunter als ja zu 
lesen ist, denn wir haben heute noch Dialekte, in denen a als 'a 
erscheint, z. B. im Dialekt von Sncho svat, pat und mäso (Oblak, 
Maced. Stud. S. 20—21), woraus hervorgehen könnte, daß auch im 


l ) Das e kann dann die Schicksale des alten e teilen, es kann, wie wir 
schon sahen, aneh in i übergehen, wenn es unbetont war (in gewissen Dia¬ 
lekten). 



Lautlehre. 


145 


Bulg. der älteste Vertreter des a ein weicher e-Laut war. Auf diese 
Art wäre auch das Wort jazik, äatva, zadno, cado in jenen Dia¬ 
lekten zu erklären, in denen a nicht der Reflex des x ist, nämlich 
aus a = i e, 'a —ja und a (AfslPhil. 15. S. 305). 

Wechsel zwischen a und x. In den mittelbg. Denkmälern 
finden wir, daß naeh bestimmten Konsonanten x für a und nach 
anderen wieder a für x steht. Man nennt diesen Prozeß einfach 
den Wechsel der Nasalvokale. 

Naeh m, tk, u, 41 (jka) und j geht im allgemeinen a in x 
über. Dieses erscheint dann in den osthg. Dialekten als Tv (t«. ist 
hier der Vertreter auch des urspr. x) z. B .j-bzifo> (ix3kiktv im Parem. 
Chlud. 14, im Karp. Ev. 184b). In jenen Dialekten, in welchen 
statt x ein a auftritt, haben wir auch für das neue x ein a z. B. 
in Prilep: jaziko. Analog auch 0 : zotva in Cepino (xxTP.a für 
jkatba in Parim. Chlud.). Dieser Übergang ist in den mittelbg. 
Denkm. allgemein. Nach 6 bleibt in solchen Fällen das e, das auf 
a zurttekgeht, es blieb also dieses ohne Wechsel. Es gibt aber 
doch auch Denkmäler, in denen auch naeh c das a in s über¬ 
geht und zwar ist es der Ap. v. Ochrida, der Ps. von Bologna, der 
Ps. von Decani und der Oktoich Nr. 2897 in der National-Bibl. zu 
Sophia (so nach Conev, Klasifikacija S. 18). Kul’bakin rechnet 
hierher noch den Zlatoust des XIII. Jahrh., mit dem uns Jagic 
bekannt machte, das Original des Berliner Sbomik u. a. Conev 
sieht darin eine Eigentümlichkeit des Dialektes von Ochrida, da 
auch hier hdo st. des gewöhnlichen iedo (ma^o) ausgesprochen wird. 

Der besprochene Übergang des a in x naeh den erwähnten 
Lauten ist als eine Verdumpfung des ursprünglich helleren Vokals 
aufzufassen, die nur dann herbeigefiihrt wurde, wenn mit dem vor¬ 
hergehenden Konsonanten (also auch mit 6 auf dem erwähnten 
Gebiete) ein Verhärtungsprozeß vor sich gegangen war. Daraus folgt, 
daß wir den Übergang auch nach anderen Konsonanten in einzelnen 
Denkmälern finden können. Vgl. das dial. trnoso, naiol (im Trn. Ev. 
npexATC. Es wird auch als eine Labialisierung des § zu q gedeutet. 

Wenn wir in einzelnen Denkm. Verbalformen finden wie npn- 
jfOAXijJH, ckX( l »A xl l 10 Y> RHAXipt, dann jkjhxtbca, TBopXTk, 
KoifnxTk, BH,ä,XTk usw., so handelt es sich hier nicht um einen 

Yondräk, Altürchenslavische Grammatik. 2. Aufi. 10 



146 


Lautlehre. 


analogen lautlichen Prozeß, vielmehr sind es nach der Analogie 
gebildete Verbalformen, die also eigentlich in die Formenlehre ge¬ 
hören (sie sind insbesondere zahlreich im Dobrom. Ev.). 

Nach den überaus weichen Lauten f, f, n, p, S, »?, v (die 
Labiallaute auch mit dem sog. I epenthetieum) geht umgekehrt x 
in a über. Denselben Prozeß bemerkt man auch in einzelnen 
Denkmälern naeh 6 und zwar viel häufiger, als den umgekehrten, 
nach welchem naeh 6 aus a ein x geworden war (Ochrida). Ferner 
auch noch naeh anderen Konsonanten, die stark erweicht werden 
konnten, z. B. nach s. Dieser Prozeß ist selbstverständlich anders 
zu deuten als der früher besprochene. Es handelt sieh in unserem 
Falle um den Umlaut eines o-Lautes in einen e-Laut, der nur nach 
sehr weichen Lauten möglich war, wie es eben die oben auf¬ 
gezählten Konsonanten sind und wie diese Eigenschaft hier und 
da auch das 6 dialektisch erhalten hat 1 ). Man kann nämlich nach- 
weisen, wie Kul’bakin darauf hingewiesen hat, daß in den Denk¬ 
mälern, die unseren Prozeß aufweisen, ein zweiter analoger parallel 
einhergeht. Es werden nämlich die ursprünglichen Verbindungen 
ab, pn, na, bah, bab, mab, iiab (oder bb, rb, mb, na) ge¬ 
wöhnlich in solchen Fällen durch nt, pt, Nt, imt usw. wieder¬ 
gegeben, d. h. das a erfuhr einen Umlautsprozeß, es wurde zu 
einem e-Laut, der durch das t ausgedruckt wird. So wird in dem 
von Kul’bakin beschriebenen Tetraevangelium des Grigorovic im 
Silbenanlaute a geschrieben: bko, rar/io, tuinpHB, AHBßont usw. 
Für ab, hb usw. dagegen nt, Nt usw. und selbst auch ct für 
ca 2 ): Rkct, RkctKk usw. Dementsprechend geht hier ax, px, 
nx usw. in a"a, p~A, tfA usw. Uber: moaa 1 . sg., TKopA dass., ha 
ha (Akk. sg. f.) usw. Für iub, jkb, hb, ipra finden wir hier uia, 
>ka, ha, 141A geschrieben, es hat also bei diesen Lauten ein Ver¬ 
härtungsprozeß stattgefunden und gemäß dem Früheren geht hier 
iha, ha, jka und 1|ja in uux, jkx, h*, ipx über: utuix (Gen. 
sg.), JKX)Kax, HHipxA (Akk. pl.), obhx (Akk. pl.) usw., nicht aber 


ö Dieser Umlaut des o-Lautes in ein e erinnert uns an den in einzelnen 
aböhm. Denkm. vorhandenen, nach welchem z. B. aus muiovi ein muzivi wird. 

*) In solchen Denkmälern kann auch aus tx ein i* werden. So findet 
man z. B. eca st. becbk (Akk. sg. f.}. 



Lautlehre. 


147 


umgekehrt uix in uja usw,, sondern uix usw. bleibt. Es wird 
hier ferner für Mia ein h’K geschrieben: m’Kuix, npHHU, o^mHuie usw. 
und diesem Prozesse entspricht wieder der andere Umlautsprozeß, 
nach welchem aus ix ein ma wird: nndMAijJHCA, nndHAipecA, 
npHTMA Akk. sg. usw. Diese Erscheinung findet man, wie KuF- 
bakin gezeigt hat, in einer ganzen Eeihe von Hss., auch z. B. in 
der Hauptpartie des Ap. v. Oehr. Es kommen allerdings auch 
solche vor, in denen der Übergang von <fx, ix in aa, ha statt¬ 
findet, es geht hier aber auch uja, ijia, jka in uux, ipx, 
(Evang. v. Bojana) über, trotzdem hier in uns, jka die Weichheit 
der Konsonanten durch die Graphik zum Ausdruck kommt z. B. 
HfJiEHd Kdiuti Luc. 10. 20 (wie auch Tkc Luc. 10. 21, vgl. Verf. 
Ksl. Chrestom. S. 89). Das kann natürlich nicht alles in einem 
Dialekt gleichzeitig vorhanden gewesen sein, sondern es handelt 
sich hier um eine teilweise Verbindung von orthographischen Re¬ 
flexen verschiedener Dialekte oder verschiedenen Alters. 

Den Reflex des eben behandelten Umlautes mittelbg. Denkm. 
finden wir aueh noch jetzt in den hg. Dialekten, so in jenem von 
Razlog, wo z. B. der Akk.sg. nedele lautet, weiter davase mu vecere, 
so auch in der 1. P. sg. der Verba der IV. Kl.: da gone, da eine, 
se mole usw. In manchen bg. Dialekten auch netre, vnetre (maced.), 
dem entspricht: kuh ATpa Karp. Ev. 103, in einem anderen aus 

dem XV. Jahrh. ET»HATpk (Starine 19, S. 200). Das setzt ein HixTp- 
voraus, neben dem ein NATp- bestand (daraus jetzt mtre, natre). 

Beachtenswert ist auch z. B. ckca^k im Psalt. des Grigorovic 2, 
3ACTAnnHK r k 44b, fiATtii 77, cettv Sestodn. 182 (im bg. Original 
stand hier offenbar cattk für cjktti), in maced. Dialekten ist seU 
(= exra) gewöhnlich. 

Es gibt noch einfach graphische Eigentümlichkeiten hinsichtlich 
der Nasalzeichen in den mittelbg. Denkm. So gebraucht z. B. der 
erste Schreiber des Ap. v. Ochr. nur x (für x und a), worin Kul’- 
bakin eine Verwechslung des x mit a auf Grund der glagolitischen 
Vorlage sieht. Es gibt auch noch andere derartige Denkmäler. 
Man hat auch Fragmente nur mit a. 

Eine orientierende Übersicht dieser Verhältnisse finden wir bei 
Lavrov in seinem Obzor S. 13—34. Weiter hat sich mit diesen 
Fragen eingehender Scepkin beschäftigt (PaseyaymHie.. S. 72—94, 

10 * 



148 


Lautlehre. 


Boa. nca.rr. S. 135—186), insbesondere aber Kul’bakin (OxpuAeKaa 
pyx. anocxoaa S. lix—lxxxv, daselbst sind dann ancb die weiteren 
diesbezüglichen Arbeiten, insbesondere des Miletic und Coney 
angegeben). 

Es bleibt nun noch übrig, zu untersuchen, wie sich die aksl. 
Denkmäler hinsichtlich der Nasalvokale, insbesondere auch auf 
Grund der eben besprochenen lautlichen Prozesse, verhalten. 

In den Kiever Blättern finden wir nur den Instr. sg. f. ne- 
KeckCKOVHK VIb 7, falls hier urspr. -ckam*. war, wir haben hier 
aber auch den Instr. BtukNOKR V 17—18, so daß das oy als ein 
Schreibfehler für o erklärt wird. Sonst ist der Gebrauch der 
Nasalvokale hier regelmäßig. 

ImZogr. haben wir schon zahlreiche Abweichungen. Es wird 
hier mehrmals e für a und umgekehrt geschrieben: oyaucmui 
(für -uja) Luc. 24. 22; ctt». (für attv oder iattv) Joh. 8. 20; um¬ 
gekehrt: Rh KpkMA cboa Luc. 1. 20 (cboe); Nom. pl. kpbctauita, 
oyiAiuTA Mat. 28. 19. 20, B'hiR’hiUA Joh. 6. 19; A 0KfeAA T ,, k für 
AOBkAfTi». (wie im Ass.) Joh. 6. 7; OTAMABKuiTaaro Luc. 6.30 
(vielleicht Schreibfehler wie BAUiThAhH'h für KEUiTAAhH'h Luc. 
20. 29); MkTo k'üauia t}Kt FÄauia Joh. 10. 6 (für b-kauic . .. 
rAAJUjf). Weil aber in gewissen Dialekten insbesondere unbetontes 
e als i ausgesprochen wurde, wie auch jetzt noch, so wechselt hier 
h mit a ab: mh für ma Luc. 23. 42; ch für ca Joh. 16. 2; hhcth 
für siacth Joh. 4. 44; oy.rkpHTTv Mat. 13. 15 (für oy3kp attv) *); 
umgekehrt: chore balua für c. raluh Mat. 12. 27; raaa für bh^a 
(könnte auch ein Schreibfehler sein) Joh. 9. 7; oc^aattj. für ocx- 
AHTT». Luc. 11. 31, CKRp'hHAT’h Mat. 15. 20 (für -hhttv), c-baa- 
3 attv Me. 13. 15 (für -3 httv). Vgl. oben S. 85—86. 

Wir finden hier auch schon Spuren des Wechsels der Nasal¬ 
vokale: AtJKXUiTSi (für -jkalutx mit nachträglicher Korrektur) 
Mat. 8 . 14; RhCA-knAAtuiTAiMi für -ri akkuitaia Joh. 4.14; Bk- 
3 ema a bb für Bk3EiiJiA Luc. 19. 22; Akk. pl. hwaebk für hioaeia 
Joh. 11. 33; rt«. KAHJKkrfAs; BCH Mc. 1.38 (hier wurde av von einem 


J S Dagegen gehört npHAX’r'a st. np*A*T’k Mat. 6. 28 nicht hierher, sondern 
geht auf einen Schreibfehler im Original zurück, da wir dieselbe Form auch 
in der Sav. kn. finden. 



Lautlehre. 


149 


Korrektor nachträglich aus dem urspr. richtigen mv gemacht, analog 
verhält es sieh mit ima-ssi aus na^aiA Mc. 1. 40). Man findet 
hier also die Labialisierung. rnik st. räA Luc. 18. 2 beruht wohl 
auf einer Verwechslung der Form. Auch Kii3f mAkr würden wir 
nicht erwarten. 

Mit oi' aus x: rpAAoyuiTio Luc. 9. 42; moyAoy Job. 10. 1; 
ott». to va°F Mc. 7. 24; dHAP"Koy Luc. 6. 14 (für -AptnuJ; otti- 
HOi'Aoi'me Mat. 12. 44. Die Zahl der Fälle ist nicht groß, so daß 
man sie schließlich auch als Schreibversehen deuten könnte, wie 
es ja auch geschehen ist, wenn auch jede andere Erklärung, die 
nicht mit diesen Fehlern rechnet, vorzuziehen wäre. Namentlich 
fallen die drei gleichartigen Fälle mit -oyAoy auf. Im Zogr. finden 
wir also verhältnismäßig viele Abweichungen in Bezug auf die 
Nasalvokale, wenn auch dieses Denkmal in lautlicher Hinsicht das 
Alte verhältnismäßig gut bewahrt 1 ). Natürlich kommen Abwei¬ 
chungen auch im jüngeren Teile (Zogr. b) vor: riporN-Rßaß-K cx 
Mat. 18. 3; txxe 18. 19; e-k bh#<inhia Mat. 21.17; np^dAXTii 
Mt. 20. 19 (ist wohl analogisch nach Hec-siT-a usw.). 

Im Mar. fällt der ungemein häufige Wechsel zwischen x und 
oy auf, ein Beweis, daß der Abschreiber x als oy las, was dafür 
spricht, daß das Denkmal auf serbo-kroat. Boden entstand. Wir 
wollen nur einige Beispiele anführen: Tp'Kßx . .. BnMCTdtucy 
Luc. 12. 28; AP<A' r0 Y BR Luc. 27. 35; umgekehrt: lixxx M^APW 
Mat. 7.24; mkkk Koynu Mat. 7.26; kt«. hcu% Mat. 8.5 usw. Zahl¬ 
reiche Beispiele findet man in der Jagicsehen Ausgabe S. 423—424. 

Einigemal erscheint hier o st. x: eoa^ttv Mat. 6. 10; Job. 
15. 4; eoa^tts. Mat. 19. 30; ckKOAfTT». ca Mat. 13. 35; coahttv 
J oh. 3. 17; npHUocHO ca Mc. 5. 27; p^rayo Mat. 9. 24; paAOßayo 
ca Luc. 13. 17; CTviatayo Luc. 20. 40; rÄaayo Joh. 7. 40. Ein¬ 
mal wurde der Fehler bemerkt und korrigiert: cahho Mc. 9. 5. 
Wir haben das o für x oben S. 143 mit Jagic als Schreibfehler 
gedeutet, anders dagegen Miletic und nach ihm Lavrov (Obz. S. 22). 
Aber der Umstand, daß der Abschreiber x als oy las, schließt 
wohl eine andere Erklärung aus. Wollte man wieder annehmen, 


1 ) A,fcw>-n,, das im Zogr. vorkommt, ist wohl ein Reflex der alten glag. 
Orthographie, die nur ein w> kannte. 



150 


Lautlehre. 


daß die o-Fälle schon in dem zur Abschrift kommenden Originale 
vorhanden waren, so würde man auch andere entsprechenden Be¬ 
gleiterscheinungen hinsichtlich der Nasale erwarten. 

Für unsere Erklärung des o für x spricht auch die analoge 
Schreibweise o für oy : EkckHOETk Mat. 17. 15; üomhaoh 20. SO; 
Tpo?KA lllU£ Luc. 5. 5; oseNHKk Joh. 6. 8; Luc. 22. 50; enk- 
noov'uov Joh. 11. 37 1 ) und ein anderer Schreibfehler in rpovEov- 
st. rpoEov Luc. 24. 12; ooyoymath 21. 14. 

St. a taucht selten k auf: ckBk3AßkLUE Mat. 27. 2; rpk r \H 
Mc. 2. 14 (das Wort wird im Dobromirschen Ev., das auch k für 
a kennt, fast immer mit k geschrieben); ckAkuiTimk. Mat. 11.16; 
ck^kTe (st. . . .) Luc. 24. 49. Vielleicht lautete der e-Laut 
als Behex des a anders als das urspr. e und man drückte ihn 
durch k aus. Dann wäre es erklärlich, warum in der ganzen Hs. 
kein e für a vorkommt, wie wir es sonst mit Eücksicht auf ov 
für x erwarten (uFr/K t \dupnH Mat. 5. 6 gehört dem Ev. von Dec., 
das den Text ergänzt, an). 

Für den Wechsel der Nasale haben wir nur einen Beleg: i* 
st. ia {avTovg, ia daher im Zogr.) Luc. 12. 24, dagegen gehört 
whouja st. des erwarteten wnoway (so auch im Zogr.) Me. 14. 51 
nicht hierher, da es auch gr. Hss. mit veavLaxoi hier gibt. Einen 
derartigen Wechsel erwarten wir auch nicht (vielmehr lua zu inx), 
ebensowenig wie umgekehrt rAEK (st. taa leywv) Luc. 18. 2, wie 
wir es auch hier im Zogr. gefunden haben. Es ist also ein Ver¬ 
sehen, das schon in einer der verschiedenen Vorlagen vorhanden war. 

An den Mar. schließt sieh Cloz. an, da hier auch häufig ov 
st. x erscheint: eÖhaoyhehoyi* 28; pasamuaete 138; tajkio 145; 
uxkoy 617; moyka 620 ; oycoyjka^bkuite 654; xtpoeoy 746; 
noYUk 755; moyktj 1153; AP°Y r<5 Y l * Hill; umgekehrt x st. 
oy: OTk cxjyx 261 st. OTk cx&oy evrev-9-ev. Der Abschreiber 
las einfach auch x als oy und er hat auch sonst dieses häufig 
schon aufgeschrieben, den Fehler aber noch rechtzeitig bemerkt 
und korrigiert z. B. in pxkoy 32, wo er ursprünglich poykoy ge¬ 
schrieben hatte. Auch hier verrät das oy für x den Serbokroaten. 


Analoge Schreibfehler s. weiter unten im Assem., wo auch einmal « 
at. x vorkommt. 



Lautlehre. 


151 


Bei a haben wir merkwürdigerweise auch kein e, wie im Mar. 
Ein Fall des Wechsels durch die Labialisierung: 633 st. 

AOYuia tu; ipv'/us und nur ein Fall durch den Umlaut: rÄA (st. 
r/fi* /Jytjj) 877. Das war schon in der Vorlage, daher in den 
Hom. Mih. an der entsprechenden Stelle auch a^Y 111 !©. In caaa- 
uiTaro 37 (st. ck a ■ . .) ist einfach ein Schreibfehler. 

Einigemal taucht für * ein o auf: horoi* (Akk. sg. f.) 30; 
Ä]fÖBTj.HOi* 1128; Kot* H 37 ; NEMorouiTE 180; Bh.c’kKO (st.-*) 
275. Die Akkusativformen sind offenbar nach moi*, tboer usw. 
gebildet, die zwei anderen Beispiele sind als unausgeschriebenes * 
zu erklären. Man sieht es deutlich in yaac* t bctbi - K 568, wo der 
zweite Bestandteil des * nachträglich noch hineingezwängt wurde. 

Im Assem. finden wir nach Crncic (liv) nicht ein einziges Mal 
OY st. * oder umgekehrt (aber auf S. 141 steht doch: ch 3ano- 
ß-fc^dw, dagegen S. 143 ch saruRü^di*), ebenso kein £ für a (in 
BOAkiuE ceiA MOESES Joh, 15. 13 ist ein Fehler aus der Vorlage, 
da hier auch in der Sav. kn. koamjjs st. eoakuia vorkommt). 

Der Wechsel der Nasalvokale zeigt sich in: npHf maatt». Mat. 
17. 25; R’KcriAAHAT'k ca Mat. 24. 30: riAdHAipHH ca Mat. 5.4 und 
nAAMAipH ca Luc. 7. 38; das sind Fälle des Umlautes, der, wie 
wir sahen, sich in einigen Denkmälern auch nach i zeigt Da¬ 
gegen würden wir ihn nicht erwarten in nouaJKAT'k Mc. 16. 1; 
A*kiuAL|i£ Mat. 15. 11 (Zogr. at^jkauite, ebenso Sav. kn., Ostr.); 
AkiKA st. ATvUv* (wie im Mar. Zogr. gr. ro xpsvdog) Joh. 8. 44i); 
nach jk fanden wir eher die Verdumpfung des a zu *. Scepkin 
meint hier doch von der Weichheit des ac ausgehen zu müssen und 
er macht darauf aufmerksam, daß nach m, /K, uj, h?Aj uit und 4 
ia st. a geschrieben werde: hahiauja S. 104, -uha 134, orponiA 
150,168; OTpouiATE 151, hiaao 68,152, miaaa 153; hiaat* 151; 
miactb 84, hsacth 104; nach jk: jkiah;^,* 24; *iA*^,*ipA 87; 
jkiatba 142, jkiatbu 142, >K«ATBk 142 usw.; nach Ul: E'RUJIA 
166; RHAkuuiA 15; bt>.3aujia 51; uioamuuia 120,133; hahiauiia 
134; OKAkuiiA 117; pacniAuiiA 119; pkiuiA 115usw. NaeloKA: 
B , k}KA IA5K A fTr k 24, btiJkaiaaakti 87; nach uit: aejkaiutia; 


>) mpkxA Joh. 21. 6 kann wohl nicht hierher gehören, da es auch im Zogr. 
Sav. kn. und Ostr. vorkommt. Mar. hat allerdings Mjkrax. 



152 


Lautlehre. 


nach u,: TpH MtCAUpA 162. Man sieht hier einfach auch den 
Reflex der urspr. Glagolica, die nur ein se fiir e und je hatte, aber 
Seepkin macht dagegen geltend, daß nach i und jk auch bk. st. x. 
hier geschrieben wird: haokUhiä: 34, npHTkMBK 55, riAAHBKipHH 
CA 139, flAAMBKipH CA 176; B’k.AOJKBK 9, AOKkJKBK 106, MpkJKBK 
177, hoaojkbk 84, 108, 146; npHTAJKBK 82; ctpajkkk 100, cw- 
kajkbk 114. Zu beachten wäre auch: M'teTTv 100, ctuha hao- 
k-K'I'S 61,107,139,143,144, 3dn£MkTknkEkuif 125, nAAuiT'feHHi^x 
14, nAAiuTtHHUti*. 124. Das spräche fiir die Weichheit des h, 
jk, ui usw. und so hätte das x. nach diesen Lauten in a tiber¬ 
gehen müssen, die Labialisierung, die ja doch entgegengesetzt wirkt 
(a wird zu *), hätte unter der Weichheit nicht zur Geltung kommen 
können 'Paacyagt. S.83—84). Es kommt hier aber doch ein Fall der¬ 
selben vor, allerdings nach einem j in ©T’kcTOBKUiTjKBK st. -ctoia- 
ujtjkbk Luc. 24.13, was übrigens auch ein Schreibfehler sein könnte. 

Scepkins Angaben erfordern, um zu einem sicheren Resultate 
zu gelangen, weitere Ergänzungen. Es ist notwendig, das Auf¬ 
tauchen des ia im Ass. auch nach nichtpalatalen Konsonanten zu 
untersuchen. In dieser Hinsicht muß hervorgehoben werden, daß 
in rpA^x, rpACTH sehr häufig das ia hier auftaucht: rpiA,yhi 
S. 2, 8, 16, 85, 96, 98; rpiA^H S. 5, 97; rpiA^AH 8, rpiAp,fTTv 
10, 92, 96, 98; rpiA^JR 22, 37, 76; rpiAA^X^ 25, rpiA^JSiuiTHH 
50, rpiA.ytrre 76, rpsA^xurra 86 und noch andere zahlreiche 
Fälle. Daneben allerdings auch rpA^euiTAaro 16 usw. Nun ist 
zu bedenken, daß z. B. im Ev. Dobrom. überaus häufig rpkCTH, 
rpUp,^, also mit k geschrieben wird (einmal auch im Mar., ygl. 
S. 150). Es könnte hier also ein Zusammenhang bestehen. Sonst 
nach p noch einigemal: ckTpiA« 72; TeopiATk 87, SkpiAuiTC 
119, 3kpiAuiTA 119, oyäkpiAT'k 135. Sehr häufig ist es ferner 
nach n und zwar speziell in den Worten niATk 18, 28, 51, 68, 
76, 101 (viermal), 177, iiiathbk 134 (neben oather 83), iiiath- 
A£Cattv27; dann pacniATaAro 15, pacniATHf 102,122, pacniATH 
117, pacniA ca 118 (bis), 121, 132 (bis), pacniAToyuov 120, 133, 
pacmATTi 122 (bis); EkcniATk 20, 73, 114, 176, ckniAuiTA 105. 
Dann noch cia^h 78, dA^Tk 86, ciA^Bk 94, ciA^kTE (auch 
hier kommt später dann nicht selten ck,4,- vor, was man allerdings 
auch als von ckp,kTH beeinflußt erklären kann); p,tciATk 77, 95, 



Lautlehre. 


15B 


AtciATt 161. Bei der Häufigkeit des ca muß hervorgehoben werden, 
daß es nur etwa yiermal mit ia erscheint: 71, 85, 86, 88; analog 
gilt es von dem einmaligen mia 111. Vereinzelt weiter noch ktv- 
3AiArxrii. 77, ktv3aiash 80, ockAiA 179, opokaiathh 87, otia- 
roHABRTT». 86, naMiATk 89, KkHiASH 119, a* kiattvIia 119. Wäre 
das ia ein Überrest der alten Graphik, so würde es sich hier 
wahllos nach verschiedenen Konsonanten erhalten haben, das sehen 
wir aber nicht. Es fehlt hier nach r \, t; auffallend ist allerdings, 
daß der Akk. pl. des Pr'ön. immer nur bTv ha, ha ha usw. geschrieben 
wird. In einzelnen Fällen mag ja immerhin das ia noch auf die 
ursprüngliche Graphik der Glagolica zurückgehen, aber im all¬ 
gemeinen kann man es hier nicht von allen iA-Fällen behaupten. 

Zur Illustrierung des o st. x im Mar. diene rpAAoiUTaaro st. 
rpA^JR- 16. Namentlich bei oif bemerken wir es hier einigemal: 
Apon». st. AP®Y ri1 8, exkoch (st. -KCAfCH) 9, KonAk (KoynAk) 14, 
k HfMO (== uoy) 29, euo 19, nouHAon 50 (-aoifH). 

Im Psalt. sin. kommt neben x und ia, wie schon erwähnt 
nur ia, kein a vor. Es fällt hier die große Zahl von Fällen mit 
o für a auf: HCKomTf(i)HU'k 55, ockoa’R 71, AOKpoK’fc, rocAfy%. 49 
(von einer fremden Hand!), noporaiuiA 49, moxemtv 38, acktv 
Gen. pl. 191, no>i.rknoiuiA 203, aoktv Akk. sg. 207, noTk 215, 
non 218 usw. etwa gegen 30 Fälle. Daneben finden wir aber 
auch X für o: uhsua 114, xtpxka 71, tokxix 108, npaBAXix 
70,154, xpxxivEiirk 116,33, BTvTopxix 121, etiSxbxttv 156, cx- 
koix 229; noAA mhoix 40 (Ps. 17. 40). Diese Fälle machen aber 
nicht den Eindruck, als ob der oder die Schreiber des Ps. sin. ein¬ 
fach Sv als o ausgesprochen hätten. Es folgt nämlich nach dem 
o ein Sv, so daß schon dadurch die Anregung zu x für o gegeben 
werden konnte. Die zahlreichen Fälle mit o st. x können jedoch 
nicht als bloße Schreibfehler aufgefaßt werden. Man wird sie viel¬ 
leicht so erklären können, daß das x noch als ein schwach nasa¬ 
liertes q ausgesprochen wurde, wodurch es sich schon fast ganz, 
jedoch nicht ganz, dem o genähert hatte. Ein minder genauer 
Schreiber konnte dann ab und zu dafür direkt ein o setzen 1 ). 


l ] In oBAdMdax* 86 ist nicht * st. t., der Abschreiber wurde vielmehr durch 
die vorhergehenden Formen und Tsef-kap; beeinflußt. 



154 


Lautlehre. 


Es kommt hier aber * auch in der Geltung von or vor: p*K* 
TßOfüK. Gen. du. 242 (Ps. 91. 4); hckp^hukmoy (ß'KsrHJK.uiA 282 
kann anders beurteilt werden); daneben auch ov für *: ha hk> st. hi* 
35 (» vielleicht von fremder Hand), cßotw Instr.sg.f. 210, iiaoy'ihma 
239; n Hip ic 155. Bei einem Denkmal, dessen Original, wie ichvoraus- 
setze, serbo-kroat. Gebiet passiert hat, wären solche Fälle begreiflich. 

Wertvoll wäre hier ein Beleg des a für * im Auslaut: bti hi- 
3aoea 210, doch ist es leider nur vereinzelt, so daß man mit 
Sicherheit nicht darauf bauen kann. 

Flir a finden wir hier f: cTviitipH 280, coaP'UJKaujs (soll PI. 
sein), KT».3A0>K«TTs. 130, HdCAliAITTj. 169, T£ 174, 56, OTfrOT'ÜUilA 
98, 3034.AUH 78, f3Tsjpi 2, noipcAHT’k (st. ipiAA- wie Ps. 18.14) 
Ps. 71. 13. Dieses e kann auch in h übergehen: hc Mich BkpTu 
203 (vgl. S. 86). ott». Kf3 r \,h.H’K 3f mah ist wohl der Dat. Ps. 70 
(an einer anderen Stelle allerdings o. k. 3£Maia). 

Umgekehrt: hmianh 156, t$(p)iAMOßH 199. Wir finden hier 
auch den Wechsel der Nasalvokale und zwar zunächst den durch 
die Verdumpfung bedingten: a° Am* (= A°Y UJ;K ) f,0f,A 163 (st. 
Aoyluia); ha ct'ks* npan-kiA 54 [enl zqißov g öixcuovvvr^ Ps. 22); 
HdTpoY i* (st. ia ai’Tovg) 219, ebenso 118 (72. 6, bei Geitier 
schlecht); acchhi;* ero (Gen. sg.) Ps. 19. 7. 

Der Wechsel durch Umlaut zeigt sich in bäiAk st. *A"k 247 f ), 
regelrecht in 3 £Maia Akk. sg. Ps. 64. Mit einigen anderen Denkm. 
stimmt ciArf;A of ' rk 213 überein. 

In öCKßpTiH*TTv (3. PI.) 236 liegt wohl kein Wechsel vor, 
vielmehr ist es analogisch gebildet (nach HecxT-k ubw.) und eo- 
PBKiuthhm'k 83 ist regelrecht und unrichtig von Geitier als eine 
Abweichung (S. xxn) hervorgehoben. 

Die Partizipialformen wie jkhb* 240, 297, rpiAA*i 307 kom¬ 
men auch am besten in der Formenlehre zur Sprache. 

Im Euch. sin. taucht zwar auch o für * auf, aber nur zweimal: 
03 okk st. * 301 * 10b und OTpoG* 83a, aber diesen Fällen kommt 
nicht die Bedeutung jener im Ps. sin. zu, da hier immer ein © nach¬ 
folgt. npoTHßo, das hier häufig vorkommt (11b, 17a, 67a, 69a, 
71a, 89a), ist anders gebildet als npoTHB*. * für o zeigt sich auch 


1 i aus bk fanden wir vereinzelt auch im Zogr. b. 



Lautlehre. 


155 


mir in zwei Fällen: xpxjKH'fc (st. opxjKH-K) 29 und kti31i.mh hxsa 
st. hojka 96 a, wie bald darauf. Auch diese Fälle können durch 
den nachfolgenden Nasalvokal (auch hei hxjka) hervorgerufen sein. 

Vereinzelt taucht auch oy für x auf: btu Aoyipk 54 a, chaow 92 a, 
Knan^ifjic (st. -ijibk.) 21b und cttKipio (st. -ipix) 12 b. Ob nicht 
das eine oder andere Druckfehler sind, bleibt dahingestellt. Die 
sonst als Doubletten auftretenden Worte haben entweder ausschlieB- 
lieh x (hx^hth, nxjkaa HX?KA ,iH ' lk > hxjkabhhk’k; 

BTisrHiSvUJATH ca, cämkh’Khhs mehrmals, vgl. oben S. 140) oder 
Oy (MOYAfHTi, HI3AHOYA' kh<> )- 

* für a: HAH£AbHH4£ 51b (in der vorhergehenden Zeile: na- 
maashmhc), KTvKorüi'Kijjf .... cTvKAAjKNKUJt(?) 22b; das £ wurde 
einmal zu H: tphcaeh^« 49b. Umgekehrt a für f: 3a hajke st. 
H£?K£ 58a, cboe MHAoepkA 1 A st. _ A I£ 82a; ca st. ce 86a. Da¬ 
gegen gehört nicht hierher: hckaujia und 3 akahhaiuia 48a 1 ). 

Wichtig ist a für 'S;: npHMATAATi ca 54b, ha mactIv 65b(?}. 
Einmal auch a für a: moaaijia ca st. -ijia 62a (Druckfehler?). 

Wechsel der Nasalvokale durch Verdumpfung: BTvnaAam st. 
-aiA 68a, nocA’&A^Y 1 *^ 97 a, norwaai* 8a 2 ). 

Durch Umlaut: yoipix cuTEcpHTH BisipiA 46 b (bei r eine 
gewöhnliche Erscheinung). 

Mit B'KnuAABK. usw. steht nicht im Einklänge NfoptcTaiA- 
iutaia boatj 32 a, was übrigens auch (wegen des folgenden a) 
ein Schreibfehler sein könnte, doch finden wir derartiges, wenn 
auch meist vereinzelt, auch in anderen Denkmälern. 

In der Sav. kn. kommt nur ein oy st. x vor: nAWHoyß'ku« 
117 b neben iiaiohxbTv 76b, das man nicht anders deuten kann. 
Ferner finden wir hier B r kBpnrxT"k bk st. ia 131b (Umlaut durch 
Verdumpfung), womit nicht ganz cTOAiptA für ctoaijjx 87 über¬ 
einstimmt 3 ). Abgesehen von einigen offenkundigen Schreibfehlern 


*) Dazu ist als Subj. <sfi\'Hfp-fcH (Nom. pl.) nicht archierej {Nom. sg.), wie 
P. Lang meinte, aufzufassen. Ygl. im vorhergehenden: na het»;ke npHA* ottu 
dann »uia, oyAdpHuia, so kam auch das nächste in den Pl. 

2) A-faKutapf 37 a, das Geitier in der Einleitung S. x auch hierher rechnet, 
gehört zu A-traTH, a-fotcK, ist daher regelmäßig. 

*) Dagegen würde Fää ans rXi» Lue. 13. 37 hierher gehören, falls nicht 
ein Mißverständnis vorliegt: pwenv FaÄ kamt. ... 



156 


Lautlehre. 


(z. B. npHA^Tik Mat. 6. 28, das wir auch im Zogr. gefunden haben) 
wurden hier die Nasalvokale regelmäßig gebraucht. 

Im Supr. fällt die verhältnismäßig größere Zahl der Fälle mit 
OY aus Sv auf, die aber hier anders zu erklären sind als im Mar. 
und Cloz. (vgl. oben S. 143). So haben wir hier: apT'Shovrti 454,3; 
HMHOYKTiinoY 560, 28; roHtBHOYTH 440, 28, hmc>yiiitoyo¥ mo Y 
377. 22 (in der vorhergehenden Zeile: nuxu!T . . .); kujkoyuitoy 
567. 12, covroYEOY A für coY r «>Y EJRls> 453. 13 (noy>ka(i* 173. 16 
gehört eigentlich nicht hierher). Umgekehrt st- A®Y Ui;K 

381, 25: cxuiTX für cäuitoy 227. 6, in beiden Fällen kann auch 
an einen Schreibfehler gedacht werden (wegen des nachfolgenden 
bzw. vorhergehenden *). Beachtenswert ist jedoch ca4hoytt>.kom’ 
41. 19 (wurde zu jk korrigiert), dagegen CAdHOYT’KOM'k 40. 24 und 
crtAHOYTTiKd 41. 24 ohne jegliche Korrektur. 

/W für o: nicht in pXKXix (Instr.) 511. 20; n^ika^** (Instr.) 
414. 1, denn diese Fälle wird man besser als eine Verquickung 
von psiKX. und pxkokk, bzw. hxjka x und Hxa?A fl * auffassen 
müssen. Beide Arten dieser Instr. kommen hier vor. Anders: 
npxTHux 442. 26; peuxLixisi 191. 18; in beiden Fällen handelt 
es sieh, wie man sieht, um Schreibfehler. Umgekehrt: kaaa’kiko 
( st. -x) 509. 21—22 (vielleicht auch 504. 21, obzwar wir hier den 
Gen. erwarten); ap^ao h cov^o 343. 23. Diese Fälle könnten aus 
einer glag. Vorlage herrtthren, wo das ;u nicht ausgeschrieben war. 

Als Wechsel der Nasalvokale durch den Umlaut wäre ctcaa- 
uita st. CT£Af*üiTA 332. 30 begreiflich (allerdings heißt es hier: 
ctakaiuta h cTfd aiuta). Vgl. noch coYr , «Y KO Y bA 0 (Y)CHBU für 
covroYßXi* (wie im Cloz. 939) 453.13 und froYnrkH'wrffiA st. -ti» 
365.17—18. Damit stimmt allerdings nicht KUpovi* st. -ia (Part.) 
504. 22 Uberein. noMATauiA 268. 5 und YAABkHT»iH 135. 6 sind 
Fehler. 

Die Fälle des oy st. x, welche auf dem dritten Blatte des 
Ps. v. Sluck Vorkommen, weisen wohl nach Rußland hin. HAOg- 
soy c 118. 71; norAÖM»c 78, rAtcipf 82 und 3fUAK> 90 (vgl. auch 
(CTk 77, 92, 174). 

Regelmäßig ist der Gebrauch der Nasalvokale in den Blättern 
Undolskijs, in den Blättern von Chilandar, auf dem glag. 
maked. Blatte, auf dem cyrillischen nur: a e P 3h0 Y 1- 21. 



Lautlehre. 


157 


In den serbo-kroatischen Denkmälern erscheint für a ein e 
und für x ein u, die Zeichen flir Nasalvokale finden wir aber ver¬ 
einzelt sowohl in den cyrillisch als auch in den glagolitisch ge¬ 
schriebenen älteren Denkmälern. So finden wir in dem Apostel¬ 
fragment des Grsskovic noch rn r hu jfOY‘ VKH ' w,A III 26—27; 
X’aA'KA’hHCK'wwi IY 17; OKtipasaTH ia (m©y ^ 22, ia st. -ix 
bzw. » ist auf den Einfluß einer bulg. Vorlage zurückzuführen; 
h3eua’K« ia VI 2 (fehlerhaft). Die Wiener Blätter und das Apost. 
Fragment des Mihanovic weisen nichts derartiges auf. 

Unter den cyrillisch geschriebenen Denkm. finden wir die Nasal¬ 
zeichen noch im Ev. des Miroslav, im Ev. des Vnkan (Symeon- 
sehes Ev.) u. a. 

In den russ. Denkm. der älteren Zeit wird x und ix für <>v 
und so und umgekehrt gesetzt; desgleichen a und ia für U und) u 
und umgekehrt, denn aus x ist im Russ. ein c>y, aus a ein ia ge¬ 
worden. So haben wir z. B. im Ostr. Ev. K’h3EX>K 1 a ! x 137, ,\,pxxs 
81, ApxrAia 84, 93, 84 (bis), hckxchttv 107, ctx^e- 

Hh.ua 30(bis), 110; 3 akonx (Dat. sg.); irtpxHTe 48, 54 usw. 

ix st. »: baixa"K 287, KAfavVfc™ 68, 79, 98; aixehti». 96, 
ABK.EHTE 92, IXHCUJX 18, OEOIX 6, 82, 153 usw. 
c>Y für x: roY^x 190, KOYn-kAH usw. 
k> flir ix: H3 XTpawAOY 117, rAaroAio usw. 

Das x behauptete sich in den Denkm. verhältnismäßig nicht 
lange, denn schon in den Menaeen aus dem Ende des XI. Jahrh. 
begegnet es uns nur einigemal. 

Anders verhielt es sich mit a, wogegen ia frühzeitig aufgegeben 
wurde. Es vertrat in den russ. Denkm. das urspr. ta und behauptete 
sich bis in die neuere Zeit und fand auch Eingang in den Druck 1 ). 

Im Ostr. finden wir a flir ta: EarapAHX 183, caMapAHiuHH 
30, EAayx 39, 41, H,\AAUit 34, pauiHpAixTa 80 usw. 

a für a im Nom. Akk. pl. n. ahi^a 26, cpa^aiiA 43, Hör ama 154. 
ia flir h: AP°Y ra,A lä0MV 47, iajke 217. 
h flir ia viel häufiger: laSTUKT». 41, 45, httv 28, ripnraT r a 34, 
XhNta 150, ha« 17, 194. 

a für a: hamaaa 145, rK>Ma;fh 294; po^Hina ca 22, 0 Bau,d 35. 


*) Auch das jetzige * geht auf * zurück. 



158 


Lautlehre. 


In der nur durch ein Exemplar vertretenen böhmischen Re¬ 
daktion der kirchenslav. Denkm. erscheint auch für a ein (j)a, für 
x ein u und umgekehrt. So finden wir hier — es handelt sich 
um die Prager Fragmente — oyAdpmua HA 4, KTi3A0jKHai4 
IIA 17, Ta DA 20, umgekehrt: siU/nirknom HackHivkiuaro guv- 
vaSor’qaavTct ÜB 22—23. ov für x: ßOVA«T(kj I A 10, caurow 
IA 29; andererseits: iiomhaxh jtkh IIA18. 

Die Halbvokale % und t. 

Die schon aus dem Urslav. stammenden Halbvokale gehören 
auch zu den für das Aksl. charakteristischen Lauten. Sie erfahren 
im Laufe der Zeit mannigfache Schicksale und in gewissen Stel¬ 
lungen schwanden sie ganz. Das können wir selbst auch schon 
in der Phase des aksl. Schrifttums verfolgen. Das h verlieh dem 
vorhergehenden Konsonanten einen gewissen Grad der Weichheit, 
bevor es schwand. Ihre Unbeständigkeit ist auf den Umstand zu¬ 
rückzuführen, daß sie nicht die Quantität der normalen kurzen 
Vokale erreichten: sie waren reduziert oder überkurz, d. h. kürzer 
als die übrigen kurzen Vokale. Wegen dieser quantitativen Kürze 
werden sie auch irrationale Vokale genannt (so von Fortunatov und 
seiner Schule). Es waren Vokale der mittleren Reihe (Bell: mixed, 
Sievers: palatovelar), weil die daraus unter bestimmten Bedingungen 
entstandenen vollen Laute den drei Reihen: der vorderen, mittleren 
und hinteren angehören; das k gehörte wohl mehr der vorderen an. 

Das Tv geht auf ein ursprachliches u zurück, z. B. EkA'kTH 
,wachen', lit. ludeti dass.; k auf ein 2: ckkt-Rth ,leuchten', lit. 
szvit&ti ,hell glänzen'; ursl. *uilkom } *u%llcb, aksl. EAkK’k, lit. vükas 
,Wolf‘. Insbesondere ist es auch jenes u und i, das sich in ir, il , 
ur, ul aus dem \ im Urbaltoslavischen entwickelt hat. Das «, 
das zu ’s. führte, konnte selbst auch erst auf slav. Boden entstehen 
und zwar aus o in -om: Akk. sg. eote ,Gott‘ aus *bogom, *bogon, 
Hogun. Das k kann auch auf ein reduziertes e zurückgehen und 
zwar führte dieses schon in der lituslav. Periode zu i. Fälle wie 
nkH&, lit. pinü (vgl. o-noHu) und Mkpx, lit. mirsztu , mini ge¬ 
hören nicht hierher, da sie ein vorvokalisches w, % voraussetzen 
(pn n -r Vokal), dagegen pbzditi, lat. pedere aus *pezdere, lit. bizdiüs 



Lautlehre. 


159 


,Stänker 1 . Es gibt aber Fälle, in denen wir eine direkte Entstehung 
des k ans £ im Urslav. voraussetzen müssen, also ohne die Ver¬ 
mittlungsstufe t 1 ), so z. B. BkHfpa ,gestern 1 gegen KtucpTv ,Abend 1 ; 
das Part, praet. a. I mk^Tv aus *ched -, *ched , dazu \*o r r,Tv ,Gang‘. 
Insbesondere gilt es von dem unbetonten e nach c. s, i, vgl. Imper. 
jKkSH zu attujTH ,brennen‘ (trans.). Aus dieser Tatsache wie auch 
aus dem Umstande, daß das k in gewissen Stellungen in den 
meisten slav. Sprachen zu einem e-Laut wurde, würde sich die 
ursprüngliche lautliche Geltung des k ergeben: es klang wohl wie 
ein sehr geschlossenes, also dem i sich stark näherndes kurzes e. 
Bei "K kann man dagegen mit Rücksicht auf seine heutige laut¬ 
liche Geltung in den verschiedenen bulg. Dialekten an einen ent- 
rundeten ö'-Laut denken, der also ohne Lippenbeteiligung gesprochen 
wurde (vgl. etwa das engl. bird). In einzelnen slav. Sprachen ist 
es auch zu o in gewissen Stellungen geworden. Man kann also 
sagen, daß sich das k ursprünglich zwischen e und z, das t*. 
zwischen : ä und o bewegte. 

Für Dobrovsky hatten die Halbvokale noch keinen selbstän¬ 
digen lautlichen Wert: sie modifizierten nur die Aussprache der 
ihnen vorhergehenden Konsonanten 2 ). Er hielt es daher für über¬ 
flüssig, das Tv ans Wortende zu setzen (1. c. S. 21), sondern behielt 
nur das k, das die Weichheit der Kons, ausdrücken sollte. Er 
schreibt daher z. B. a bo P, aber r ymnk (p. 128). 

Den lautlichen Charakter des Tv und k hat Boctokob'b in seiner 
bekannten Abhandlung iPaesyK^enie o cjobshckostb ä3hkJ« 1820 
hervorgehoben. Er ging von der Ansicht aus, daß es wahre Buch¬ 
staben seien, daß sie demnach auch bestimmte Laute ausdrückten. 

•) Ob Sachmatov (AfslPhil. 31 S. 481 Anm.) auch diese Fälle im Sinne 
hatte, wenn er sagte: »in gewissen Fällen wurde o zu « auf slav. Boden; 
auch i entstand dort unter gewissen Bedingungen aus e«, ist nicht klar. Eher 
könnte man annehmen, daß z. B. *ponUies zu *pontiies und dann nxTkie wurde, 
obzwar dies auch nicht ganz sicher ist. 

*) »Charakteres t* et k, quos quidam literas aphonas (KorAJcnaia) dixere, 
Smotriskius conjunctim sonantes (npHnpASKHWAacHaa) rectius appeüavit, quod 
temperando sono consonantium syllabam aut vocem finientium inserviant. 
Crassius enim et durius sonant literae, quibus -k crassum (Aeceseie) affigi solet, 
tenuius autem et mollius, quibus t tenue (tohk««) appouitur (Instit. 1822 
p. 17). 



160 


Lautlehre. 


Unrichtig war auch der Standpunkt Geitiers, nach welchem die 
in den aksl. Denkm. für na und h anftretenden vollen Vokale älter 
wären: aus a«hu hätte sieh erst ein ,s,b.Hk usw. entwickelt (»Staro- 
bulharskä fonologie . . . .« 1873). 

In neuerer Zeit haben sieh mit den Halbvokalen befaßt: 
Leskien, Jagic, dann insbesondere die russ. Gelehrten Fortu- 
natov, Sachmatov, Scepkin, Ljapunov u. a. 

Beispiele von Worten mit m und a, wie auch die betreffenden 
Deklinations- und Konjugationsformen mit Halbvokalen, findet man 
in Verf. Vergl. slav. Gramm. I S. 136 f. 

Hier ist noch zu bemerken, daß kein Wort mit Tv oder a an- 
lauten konnte, sondern es wurde vor 'k ein u (w), vor a ein i vor¬ 
gesetzt, z. B. KTknmja aus Hpijq (vgl. ß'as-'anHKa); uma- aus Hz 
(woraus zunächst *u^z-), lit. uz ,hinter, Ferner: hiu aus *i-imq 

(vgl. KTaH-aMÄ, RTva-aiux), lit. imü. 

Nach alatalen Konsonanten geht m in a über, z. B. aus *wjo 
entsteht *iigo, dann uro, was übrigens noch zur Sprache 
kommen wird. Gen. pl. .yoyiiik zu ,\,ov'uu gegen pTvißm zu p’ajEa 
(vgl. damit Instr. pl. mxjkh gegen a^ktu). 


Folgen der Reduzierung bei uü, ui, ii, bei türt, tirt, trüt, 

trit usw. 

Die Reduzierung der kurzen Vokale i und u im Urslav., durch 
welche diese ttberkurz geworden sind, hatte verschiedene lautliche 
Veränderungen innerhalb der Silbe zur Folge. Die Halbvokale 
konnten in bestimmten Fällen nicht mehr Träger der Silbe bleiben, 
wenn andere Laute da waren, die durch eine gewisse Modifikation 
zu dieser Funktion befähigt wurden. Als solche Laute sind u, j, 
dann r und l anzusehen; sie konnten durch den Übergang in u, i 
r und l silbisch, d. h. Träger der Silbe werden. Auf einmal sind 
natürlich diese modifizierte Laute in der Silbe nicht entstanden, 
sondern es gab einen Übergang. Als Übergangslaute kann man 
naeh dem Vorgänge Sachmatovs und anderer das u und i mit 
einem Punkte unten bezeichnen: u, i und kann da von einem w 
und i unvollkommener Bildung sprechen. Das l und r unvoll¬ 
kommener Bildung bestand darin, daß entweder vor diesen Lauten 



Lautlehre. 


161 


noch vokalische Elemente erklangen oder nach ihnen nachtönten; 
man könnte es also auch durch Vor- oder Nachsetzung reduzierter 
Vokale graphisch darstellen. 

So wurde aus einem uü, ui ein m, m hzw. m, m: aus krom 
wurde krom , Gen. hroua usw. und das hatte zur Folge, daß Uber 
kurz oder lang das y, wieder in den Nom. Akk. sg. eindringen 
mußte, daher aksl. KpoKTs.; m domu ergab w« domu, das sich im 
Ab. als u domu (u pomoc usw.) erhalten hat; Gen. *uipja ergab 
*uj,pia, ab. noch upu (nach den harten o-Stämmen), aksl. aber 
RTvOAta; prayida ergab praukda, aksl. dann npaKh^a 1 J. 

Reflexe dieser Vorgänge (namentlich mußte ein u entstehen, 
wenn der Halbvokal, wie wir sehen werden, schwand) bemerken 
wir auch noch im Aksl., vgl. oyctASHAt im Psalt. sin., z. B. 89. 2; 
92. 1 statt des gewöhnlichen KTvCf AtNAia i, oa.ovuivr,. Im Stoka- 
vischen Dialekte des Serbo-kroat. wird auch aus b-k ein u. was 
sich vielleicht schon in oyopxjKH des Mar. (Luc. 11. 21) gegen 
K*KopÄ>JKH des Zogr. zeigt, wie Jagic meinte, sicher aber in oyce- 
ach»ik Luc. 2. 1. 

Analog führte *ipma zu aksl. hm»; aus ii>go wurde hgo 

(Umlaut) und daraus i*go, aksl. nro 2 ). Ebenso wurde aus raib, 
das aus ra{z entstanden war, raik, aksl. pan; aus moib ein moi^ 
aksl. moh. 

Einschneidend waren auch die Veränderungen bei r und l. 
Es sind hier zwei Fälle zu unterscheiden, da die Resultate nicht 
immer gleich sind: die reduzierten Vokale konnten entweder vor 
der Liquida stehen oder ihr naehfolgen. Zunächst ist allerdings 
das Resultat gleich. Seine theoretische Erklärung ist freilich nicht 
leicht. Dem lit. szirdis ,Herz ! entsprach zunächst im Slav., wenn 
wir von den Suffixen absehen, sird-. Daraus entstand nun bei der 
Reduzierung des i schon im Urslav. ein weiteres Resultat, aus 


’) Das « war nicht in allen Dialekten definitiv. Es konnte schon im 
Urslav. auf jenem Gebiete, auf dem win v überging, auch zu» werden, nach 
welchem natürlich n, und v wieder zu t* und a wurden: pravbda, krom, vhdova 
(daraus vbdova). 

2 ) Analog h™.,N adel 1 , im Gen. pl. war *ibgh, %egl und darnach ist auch 
jegla entstanden: böhrn. jehla, pol. dial. jegia neben igta, polab -jagla; analog 
polab. jäshra. 

Yoadräk, AltkirelienBlaviBClie Grammatik. 2. Aufl. H 



162 


Lautlehre. 


welchem sich alle slav. Entsprechungen ohne weiteres erklären 
lassen müssen. Dieses nun festzustellen ist nicht leicht. Analog 
verhält es sich z. B. bei dem für die älteste Phase des Urslav. 
vorauszusetzenden *gürdlo , vgl. lit. gurklys ,Gurgel*. Wozu führte 
es dann, wenn das u reduziert wurde? Mit Rücksicht auf das 
Russ. in erster Reihe, das die Qualität der der Liquida vorher¬ 
gehenden (und auch der nachfolgenden) vokalischen Elemente er¬ 
halten hat (vgl. eep^ne, rop.io. also ganz analog wie es die urslav. 
Vokale o und e auch vor der Liquida bewahrt hat, z. B. in ropofln 
usw.), können die reduzierten Vokale nicht spurlos verloren ge¬ 
gangen sein, in welchem Falle wir es dann einfach mit einem r 
und l zu tun hätten. Die Erhaltung der vokalischen Qualitäten 
im TJrslav. brachte es mit sich, daß in gewissen Fällen (vor pa¬ 
latalen vokal. Elementen) der vorhergehende Gutturallaut auch 
palatalisiert wurde, z. B. vspurKi, lit. g'irna ,Mühlstein“, jkarttv, 
lit. geltas ,gelb‘, uptiBh., lit. hirmis , kirmele ,Wurm“, dagegen rpTvAC, 
lit. gurklys. Darnach kann man auch die Qualität des urspr. Halb¬ 
vokals beurteilen. Wären nun die Halbvokale erhalten geblieben, 
so hätten sie auch ihre silbenbildende Eigenschaft bewahrt, sie 
wären silbisch gewesen, wie z. B. das t*. in dem einstigen ktvTo. 
Aber diese Lautgruppe an und für sich hätte sich auch nicht be¬ 
haupten können (wie die ferif-Gruppe usw.), denn wie aus tort z. B. 
im Russ. ein torot geworden ist, so hätte aus twt ein font, aus 
fort ein Unt usw., das allerdings später im Russ. auch dialektisch 
auftaucht, entstehen müssen. Das ö und % konnte also nicht blei¬ 
ben, es konnte aber aueh nicht ganz geschwunden sein. Was dann? 
Offenbar mußten mit diesen Lauten jene Veränderungen vor sich 
gehen, die uns am besten durch die Fortunatovsche Formel 
fort, fyjt, folt, folt erklärt werden, d. h. die Halbvokale sind nicht 
mehr silbisch, ihre Qualität bleibt aber bewahrt, dagegen sind r 
und l silbisch geworden, so daß hier die Schwierigkeit, wie sie 
analog bei der Gruppe tort , tert usw. bestand, entfallen ist ’). So 
geht das russ. eepßge, aksl. auf ein urslav. s^dioe, das 

russ. ropjro, aksl. rpTvAO, böhm. hrdlo auf ein urslav. gtfdlo zurück. 
So müssen wir auch fürs Urslav. ansetzen: ußJa (lit. mlkas), aksl. 

’) Vgl. auch Sachmatov: K iiciopiK sByKOB't pyccu. 33 . S. lf. 



Lautlehre. 


163 


BATiKii oder kabktv; mjJua, aksl. iia^ka; im Rasa, dagegen bojocs, 
Moasa, d. h. vor i ist b meist zu ^ geworden, so daß man hier die 
urspr. Qualität des Halbvokals nicht unterscheiden kann. Theo¬ 
retisch ist man genötigt, die allgemeine Regel auch im Falle, wenn 
die Halbvokale nach der Liquida folgten, z. B. aksl. KpiiEf, rpkMH, 
hatvTh, gelten zu lassen, aber verschiedene Erscheinungen in den 
einzelnen slav. Sprachen (so insbes. im Aksl. und Russ.) zwingen 
uns, anzunehmen, daß in diesem Falle überhaupt eine Ausnahme 
gemacht wurde oder daß es schon im Urslav. zu einer teilweisen 
Restituierung des früheren Zustandes kam. Diese bestand darin, 
daß die Liquida ihre eventuell erlangte silbenbildende Fähigkeit 
wieder an den folgenden Halbvokal abgeben mußte, so daß aus 
kff.Be wieder knve, aus pkgti ebenso phti usw. entstanden wäre. 
Der Grund kann wohl in der Häufigkeit der Silben Kons. + Li¬ 
quida + Vokal — insbesondere im Anlaute — gesucht werden. Es 
gab also zahlreiche Silben wie kri-, kra -, kro-, Icli-, kla-, pri-, pra- 
usw. und unter ihrem Einflüsse ging die erwähnte Veränderung 
überhaupt nicht oder nur vorübergehend vor sich 1 ). 

Unter dieser Voraussetzung ist das aksl. Kp-kßt, hatvTh usw. 
ohne weiteres zu verstehen. Es fragt sich nun, wie ist aus dem 
urslav. (ppdlo im Aksl. rp'kAO, aus urslav. spätes wieder cpk^kne 
geworden? Im Urslav. war der Halbvokal vor der Liquida, im 
Aksl. folgt er ihr nach. Da sich in den aksl. Denkm. noch deut¬ 
liche Spuren finden, daß die ursprüngliche Qualität des Halbvokals 
auch nach der Liquida gewahrt blieb, so kann man annehmen, 
daß die unbequem gewordene Gruppe im Aksl. einfach durch 
Metathese beseitigt worden ist: aus tprt ist tft usw. geworden. 
Eine andere Annahme ist hier nicht möglich, da z. B. die Voraus¬ 
setzung eines t$f>t als Übergangsstufe ausgeschlossen ist. Die 


*) Man kann nicht dagegen einwenden, daß ja analog auch bei den nr- 
slav. Gruppen fort, tbrt usw. unter dem Einflüsse von fort, tert usw. der 
frohere Zustand teilweise hätte restituiert werden müssen, so daß daraus tbrt, 
tbrt geworden wäre, denn diese Gruppe hätte sieh ebenso wenig behaupten 
können wie tort. Es ist übrigens selbst auch fraglich, ob das tort damals in 
dieser Form noch bestand. Ein ans tbrt u. dgl. entstandenes tnt (s. im fol¬ 
genden) konnte nicht analog zu tryt werden, weil ja das r schon vor der 
Metathese silbisch war: r. 


11 * 



164 


Lautlehre. 


Frage der Upt- usw. -Gruppen behandelt sprachgeschichtlich mit 
Angabe aller Quellen E. M. AarryHOBi: JIse.rHoßaHie o ä3bik§ ch- 
Hoaajn.Haro cnscua 1-oS HOBropOÄCKol -liTonHCH. I. 1. Cnö. 1899 
(S. 245-276). 

Die trzt-, tnt-, tht -, tht- Gruppe. Nach dem Früheren 
kamen wir im Aksl. zu einem KpTiBt, nATvTH, rp"kAO, cpk,j,kLi,f usw. 
Seheinbar ist es dasselbe Resultat. Diese Identität bestellt aber 
nur fürs Auge, denn tatsächlich waren hier nur in Kp'küf, riA’kTH 
silbische Halbvokale (also hptve, pfoti), während sie in rpivAo, 
cpkAuite unsilbisch waren (gr~do, yrpchce). Daher können die 
ersteren im Aksl. auch in volle Vokale übergehen: Kpoßk aus 
KpTiBk, KptcTTv aus KpkcTTi, was von den zweiten nie gilt. So 
finden wir im Supr.: KpfCT’kmüHM'k 5. 19 (nur dieser Fall); 
im Zogr. nur KpsutTkUH Luc. 7. SO; im Mar. EpcHHc Joh. 9. 6; 
RiiCKpicTi Luc. 24. 36; im Assem.: KTiCKpeck Me. 16. 9, rptukCKu 
Joh. 19. 20 (123); im Cloz.: KpiCT'k 608, 633, np£CTk'Kuk 142, 
RTkCKpfCTiiiJicMOY 750, KpOKkHK. 313 und 316; im Psalt. sin.: 
upcHM 17. 43; spfHi'k 68. 15; nccKptJKkijjeTTj. 36. 12; 111. 10; 
BkCKpcrk 101. 14; — KpoKH 78. 10; upoßk 93. 21; 104. 29; — 
oyrAfK'k (oyrAkHÄTH) 68. 3; CAf3iv 38. 13; 55. 14; 79. 6; 114. 8; 
cA£3kHA 79. 6; — nAOTk 15. 9; 27. 7; 83. 3. Es sind hier dem¬ 
nach alle vier Fälle tnt, tnt , tht und tht vertreten. Im Euch, 
sin. KpfHH£Mk33a, TpfCTklX 1 ) 50a, TpfCTH’k 54b, CKp£JKkll]T£TTi 
88a, KpecTktN'k 66b, KpECTk'hHCKTü 67a; — upoKki* 29a; — 
ocA£n , kUJ£M r k 32b; (non£3kN , ki 18a), ca£3Ti. 78a; — K£cnA©T"k- 
Hunbk 84a, KfcnAOTkHHH 84a, EscnAOT'kH'kijf'k 88a. Auch hier 
sind alle vier Fälle vertreten 2 ). 

In den Kiever Bl., in der Sav. kn. und im Osti. kommen 
keine derartigen Fälle vor. 

Ferner werden wir bemerken, daß die Qualität des Halbvokals 
bei der letzteren Formel (urslaw. tnt, tnt usw.) im allgemeinen 


*} Trotz des russ. ttjocti. und lit. strustis ,Halm‘, truszas ,Eohr‘, denn im 
Zogr. nur TpkcTk (siebenmal), ebenso in der Sav. kn. und dial. heißt es auch 
im Russ. rpecxi,. 

2 i Später finden wir wieder npi.Kk, kp-vehbk, oatvT'k u. dgl. [z. B. im Ap. v. 
Ochr. Kul’b. S. xci) unter dem Einflüsse von upmi, kpt>bh usw., d. h. es ent¬ 
wickelte sich hier durchwegs ein r, l. 



Lautlehre. 


165 


besser bewahrt wird, als bei der anderen etymolog. Formel. Im 
Cloz. ist bei./ ausschließlich ’s., nur ein Beispiel mit a: npocAKSH 
II 37, wo wir es auch erwarten. Auch im Zogr. haben wir nur 
causa (dreimal); selbst im Bogoslovie des Joh. Ex. v. Balg, wird 
bei l mit geringen Ausnahmen nur 'k geschrieben, aber dennoch 
wieder cak3amh 249 113, cAk3Tv 374 115 u. 20. Kp-kEk wird mit 
■k ausschließlich geschrieben im Zogr. (AfslPhil. 2, S. 204), im Mar. 
(hier nur einmal mit k: Kpaue) und Cloz. (zwölfmal). Auch im 
Bogoslovie etwa 30mal KpuKk und nur einmal Kpaet. Ähnlich 
auch bei nAT^Ta: im Zogr. etwa 17mal mit ’w und ein .einziges 
Mal mit k (Mat. 16. 17), ebenso auch in der Sav. kn. fünfmal mit u. 
(42b, 87b, 96, 107, hatvTh 25b) und ein einziges Mal nnkTk 146b. 
Überhaupt kann bemerkt werden, daß das Schwanken in der An¬ 
wendung der beiden Halbvokale der urslav. trat-, trat- usw. -Gruppe 
insbesondere im Zogr. bei weitem nicht so ist, wie bei der urspr. 
fort-, fort- usw. -Gruppe. 

Es muß nun gezeigt werden, daß die Qualität der Vokale auch 
in der ursprünglichen fort-, thlt- usw. -Gruppe, die zu trat-, trat- usw. 
führte, anfänglich erhalten blieb, wodurch eben die Metathesis 
hier nachgewiesen wird. Leider stammen die uns erhaltenen Denk¬ 
mäler aus einer Zeit, in welcher die Halbvokale in diesen Stellungen 
schon ganz verstummt waren, so daß r und l rein silbisch ge¬ 
worden sind. Wie auch in anderen Stellungen, wo sie nicht mehr 
ausgesprochen wurden, werden sie auch hier oft gar nicht mehr 
geschrieben. Wir können daher höchstens nur gewisse Spuren als 
Reflexe der einstigen Aussprache, die sich in der Graphik der 
Denkmäler erhalten haben und aus denen die einstige Differen¬ 
zierung der vokalischen Elemente und $ in unseren Gruppen 
hervorgeht, nachweisen. 

Das genaueste Denkmal, was den Gebrauch der Halbvokale 
anbelangt, sind die Kiever Bl. Hier haben wir: ckepuhocthh 
I b 14; 0YTBpk,i,H nb 15; IVb 6; Yb 18; VIb 19; oifTEpkAHATv 
VIb 8; TKpk,a,k IVb 17; cpkAkivk üb 15; VHb 12, cpk^k4d V 21, 
APkXMM'k IHb 6. Hier überall erwarten wir auch das n, da es 
sieh um die urslav. Gruppe fort handelt. Dagegen ist hier tv[t, 
ganz richtig vertreten durch csipuEkHi IV 3. Für tnt ist hier auch 
richtig KpivKr H 6. Ferner für folt: HdriAkHtHH II 6 und für tfot: 



166 


Lautlehre. 


R’KnA'KTHTH Ilb 13. Wir finden Mer demnach keine einzige Ab¬ 
weichung. Aus HHp’KK'kKf IV 4 (neben IVb 17) kann 

noch nicht auf ein npuirkue im Original geschlossen werden 1 ). 
Regelrecht wird riAkH- auch in der Sav. kn. geschrieben, wenn 
nicht ein hartes h (als Dental) nachfolgt: Hcnnkjmrk 30b, HcrtAk- 
hiha 10b. 140, HcnAUHEHSi 26b. 108, hchaiihehh 30b, in diesen 
Formen ausschließlich, da das n weich war; daneben auch in: 
HCllAkHH CA 124, 131b, HCnAkHHTT» CA 103,146b, HCnALHHUlA 
ca 137b, 138b(bis), 144, HcnAkHH(ujA ca) 123b, HcnAkH-kA ca 
144b, HcnAhHiaA ca 139 2 , HcriAKMk 105. 119b. —Dagegen: nn'kHX 
164b, nA'kNTi 40b, nA'nuU 39b (könnte auch nAkN'fc lauten), aber 
das r k (bzw. i) war hier nicht gemeinslav., wie wir aus den west- 
slav. Sprachen ersehen. Von hier ans fand das k Eingang in 
einige wenige Formen: HcnA"kHH ca 85, hciiaTiHHTh 45, 148, 
icnATvHHUJA ca 48b, NdfiA'K.HHT'k ca 60. Unter demselben Ein¬ 
flüsse hat schon Zogr. nur fiATvH-. Daß hier nur k ursprünglich 
war, zeigt auch das lit. pilnas. 

Wie Fortunatoy zu zeigen suchte (Aeiruin no <i> 0 HeTincL cxapo- 
cjian... a3HKa. 1888, S. 143—149), ging schon im Urslav. das mittlere 
l in der Verbindung ü vor einem Konsonanten in l über, wenn ein 
Dental überhaupt rorherging und unter dem Einflüsse des l ging 
dann auch k in über, wenn der Dental selbst hart war (d, t); 
war er weich (6, i, £), so blieb das k. So hatte man im Urslav. 

bi, ü und ol und zwar kam ü und yl nur nach Dentalen vor. 
Das Tv in konnte ursprünglich oder ans k, aber nur nach harten 
Dentalen, entstanden sein. So finden wir in der Sav. kn. nur t»: 
AA’kr'u 43b, 44(ter), A^riii 72b, A A ' ,iJK ’ llHHKl1 43b, A A ' h ‘ }K ' {l ‘- 
HHKoy 123, aatj.jkts.hhkou’k 72b, 43b (bis), A'''kJKTiHH 

94, A A ’ I ‘ > KkHH 64b; analog auch im Zogr., hier jedoch schon 
zweimal k: A^arm und AdkJKkHHKOiwk. Mat. 6. 12; vgl. p. dlug, 
b. dluh. ^A’kr’h. ,lang‘ kommt in der Sav. kn. nur einmal vor: 
AA r k3 , t: 64b, Zogr. hat hier jedoch schon A' vk3-| V vgl. p. dlugi, 
b. dloulvy. TA-kU- wird in der Sav. kn. nur mit Ts. geschrieben: 
TA’k.KHJRB'kUm 59, TATiK^iptCMOY 32, 67, 123, TATiHliTf 31b, 


*) Über die Formen mit cirh- wird noch bei der zusammenfassenden Dar¬ 
stellung der aisl. Denkmäler weiter unten gehandelt. 



Lautlehre. 


167 


67,123; desgleichen im Zogr. nur mit t*; vgl. p. tluke, tiuc , h. tluku, 
tlouci. cTmvfi’K wird im Zogr. mit % geschrieben: Mat. 21. 33, 
Mc. 12. 1, Luc. 13. 4 n. 14. 28 (in der Sav. kn. kommt das Wort 
nicht vor), vgl. p. slup, dial. st hip, b. sloup (stloup ) ; ebenso oVTAt- 
CT'fe: Mat. 13.15 (in der Sav. kn. nicht vorhanden), vgl. p. tiusty , 
b. tlusty, r. touctuh ; SATkMk in der Sav. kn. mit Tv: 3A r kMnw. 118b, 
im Zogr. mit k: bakhhbsv Mat. 27. 34. Doch wäre mehr Material 
notwendig! 

Bei jA.A'kr'k jlang* und TA’kK- ist das urslav. ans kl ent¬ 
standen: vgl. lit. Ugas .lang' und ap-tilkes ,behend'; taTvCTTv setzt 
zunächst ein urslav. voraus: lit. tülszti. 

Demgegenüber muß wohl auffallen, daß BAh.K'k im Zogr. u. Sav. 
kn. mit k geschrieben wird: im Zogr. kamitv Mat. 10.16; Luc. 10. 3; 
Joh. 10. 12, KAkKA Joh. 10. 12 und kaku,h Mat. 7. 15, ebenso in 
der Sav. kn.: bauha Joh. 10. 12 (125b), vgl. p. will-, b. vlk, lit. 
mlkas. Auch das Part, kakktv wird in der Sav. kn. ausschließlich 
mit k geschrieben: H3KAkK r kuj£ 131b, OKAkueHA 54b, oKAkMfHTv 
146; auch im Zogr. fünfmal mit k: H3RAkK-k Mc. 14. 47, oKAkutHTv 
Mat. 11. 8; Mc. 1. 6; 5. 15, Luc. 8. 35 und zweimal mit t»: h 3- 
KA'kK’kiüe Mat. 13. 48, okatiKTv Luc. 23. 11 und einmal in Zogr. b: 
OKATvSf ha Mat. 22. 11; vgl. lit. vilkti. batvha ,unda‘ setzt ein kl 
voraus, lit. vilnis, weil aber ein hartes h (als Dental) nachfolgte, 
finden wir hier, wie oben bei nn'kirk, ein t»: Zogr. baTvHtj Mc. 
4. 37, baulHamh Mat. 14. 24; im Mat. 8. 24 läßt Jagic in der Aus¬ 
gabe unentschieden, ob "k oder k (wohl ein Tk); in der Sav. kn. 
fehlt das Wort; vgl. p. welna , b. vlna. — Begelrecht wird im Zogr. 
MAkMATH und seine Ableitungen mit k ausnahmslos geschrieben 
und zwar 13mal, aber in der Sav. kn. mit Ts.: matvHax'jk 74, uatv- 
HAUif 97b, cyiAA KUAiüA 62, oyi.H'kMHTA 44b; hier Ts. wohl unter 
dem Einflüsse des verhärteten s. Im Supr. findet man beides: 
Tv und k; vgl. p. milczec, milknac, b. mlöeti , mlknouti; wo wir hier 
die Resultate eines mittleren l finden, setzt es immer ein ?,/ voraus. 
In der Sav. kn. bautet» mit k: babcbh 139Gen. pl. EAkyK'k 
143, 143b, ßAkyKOMTv 143, KAkyKTd 139 21> , im Zogr. fehlt es, im 
Supr. mit k und ik. Man wird bemerken, daß besonders nach den 
Labialen das l erhalten bleibt (wird nicht zu 7), so daß hier ein 
kl vorauszusetzen ist. 



168 


Lautlehre. 


Das urslav. war vorhanden vielleicht in MAivKa, so finden 
wir es mit -k in der Sav. kn.: 92 und 117, auch matyKhulih 126b, 
daneben jedoch MAkirfcujf 126 und UAkBAipd 36b. Im Zogr. haben 
wir jedoch: makka Mat. 26. 5; 27. 24, mauex Marc. 5. 38, des¬ 
gleichen UAkßHTf Marc. 5. 39, MAb.ßALUTk Mat. 9. 23, maebhuih 
Luc. 10. 41 und nur einmal mit 'k: UA’kBif'&auu Luc. 10. 40. Hier 
kann man das k unter dem Einflüsse der nachfolgenden Silben mit 
palatalen Vokalen erklären und vom Verb wäre das k auch in 
MAkßa eängedrungen; im Mar. ma'kka einmal mit -a und zweimal 
mit k und matlehth nur mit t».; vgl. p. nvncic (aus moho-), b. mlu- 
viti. YATvM'k in der Sav. kn. mit r u: 146b, im Zogr. einmal ifA'kMH 
Luc. 3.5 und einmal jfAkMOMTs. Luc. 23. 30, setzt ein '^chrglnn voraus, 
wohl entlehnt (vgl. asäehs. kolm), b. chlum , p. Oheim. Hierher viel¬ 
leicht auch MATiNHH, kiAivHH, in der Sav. kn.: ma'khh 88, 121, 
MA’k.HHWk 132; im Zogr. ebenfalls ma-rhh Mat. 24. 27; 28. 3, Luc. 
17. 24 und iuiat^hhi* Luc. 10. 18. Da das h nicht ganz erweicht 
ist, ist der Fall nicht sicher. 

Beispiele für das urslav. t-l (nach weichen Dentalen) sind in 
unseren maßgebenden Denkmälern nicht vertreten. Aus den west- 
slav. Sprachen würde p. czotno, iöU, ioity, b. ölun, £luö, zluly und 
r. atojrak (xejtuk), skojithh (xeiTBiä) hierher gehören. 

Ein Denkmal, das hinsichtlich des Gebrauches der Halbvokale 
auch sehr genau ist, konnten wir hier trotzdem nicht zu Kate ziehen. 
Es ist das Ostrom. Ev. In der Sprache dieses Denkmals war 
der Verhärtungsprozeß des l zu l noch mehr vorgeschritten, so 
daß hier kl, pl und 7,-1 zu %i zusammengefallen sind (ein urspr. ti 
ist hier nicht vertreten). Daher werden fast alle diese Worte mit 
* geschrieben. Das urslav. h behauptet sich dagegen auch noch 
im Ostr., d. h. es wird hier nicht ein h daraus. Im Gegensätze 
zu kl wird — und das muß hier besonders hervorgehoben werden — 
das k in der urslav. Verbindung kV iu der Kegel bewahrt, d. h. es 
wird hier n geschrieben, wovon es nur sehr wenige Ausnahmen 
gibt. Daher kann uns das Denkmal ganz gute Dienste leisten, 
wenn wir auch bei r zeigen wollen, daß die ursprüngliche Qualität 
der Halbvokale gewahrt blieb. So finden wir das schon aus den 
Kiever Bl. belegte cupukE- auch im Ostr. und zwar achtmal in 
dieser Form (daneben zweimal CK'kp'kK- und siebenmal CK'kp’ß-]; 



Lautlehre. 


169 


im Zogr. ist cKjJTiK- ausschließlich und kommt hier etwa 16mal 
vor. In der Say. kn., wo das n stark verallgemeinert worden ist, 
allerdings CKpkEk 86b, 87b, cKpkEH 88,105, ocKpuEt 141, cKpkE* 
74, cKpkSAipa 145. 

Im Zogr. und Mar. wird nur 3p'kH0 geschrieben und doch ist 
es nicht die ursprüngliche Schreibweise. Im Assem., der bei l und 
r in der Regel % hat, haben sich bei r noch einige Fälle mit k 
erhalten, in denen das k begründet ist. Darunter finden wir 3pkN0 
dreimal: Joh. 12. 24 und S. 144. Z. 13, spkHOY Luc. 13. 19 (und 
einmal schon spn^HO Mat. 17. 20); so finden wir auch in der Sav. 
kn. nur 3pkNO 42, 3pknc>Y 60 und 3k|pkHo 64 und im Ostr. vier¬ 
mal 3pkN0 und zweimal sapano. Daraus folgt, daß urspr. spano 
geschrieben worden ist, was ein urslav. zyrno voraussetzt, vgl. lit. 
iirnis. 

Zu der nun folgenden Übersicht, wie die Halbvokale unserer 
Formeln in den einzelnen Denkmälern geschrieben werden, kann 
noch folgendes vorausgeschickt werden. Vielfach werden wir finden, 
daß sich der Halbvokal nach der nächsten Silbe richtet, bzw. nach 
ihrem Vokal. So finden wir z. B. im Supr. o Epkcvk 428 Z. 11, 
aber Kp-kCTTv Z. 14, KpivCTa Z. 16, 19—20; ebenso na KpkCTlr 
437. 15, aber Kp'kcra ib. 20; npsirkie 495.10 und 12 (hier auch 
Ha KpkCT’K Z. 11) gegen Hcnp-kKa 20 u. a. Ebenso im Cloz. npk- 
Bke 43, 713, npkBHH 894, 895, npkBt;H£4k 902 gegen HcnpTiBA 
18, 633, npivEOf 44, 900 usw. (vgl. meine Ausgabe S. 19); im Zogr. 
zwar npkß-ke Mare. 7. 27; Joh. 18. 13, npsE-SHiiiH Marc. 12. 29, 
aber auch npkKa'k Marc. 12. 28, npaum 14. 12, sonst bildet hier 
npnkE- allerdings die Regel; A‘'k3t Lue. 18. 4 käme allerdings in 
Betracht. Im Mar. tauigste Luc. 11. 9 gegen tat^hüte Mat. 7. 7, 
sonst noch tatvK- viermal mit 

Eine allgemeine Erscheinung besteht auch darin, daß vor der 
•Gruppe Tpk Präpositionen (insbes. btv) und Präfixe ihr v in k 
verwandeln (Umlautserscheinungen); so in der Sav. kn. Bk t pk hhh 
49b, ßk Tp’kn’kHHH 49b gegen Bk Tpkn’fcHHH 131 (dann dürfte 
TpTvn- 49b vom letzten Abschreiber herrühren); Bk ppscs 65, 84b, 
Bk npKBH 97,110b, 115b, Bk cpA4£ 99, Bk cpkÄftH 89, Bk cpaüh 
37, 138b, 145, Bk cpA4H\"k 48, 67 (bis), 147 gegen bte EpkTO- 
rpaATv 60, b-k kp'keotomehhh 52, btv np^E-ki 93, Bis. npUiEX 121, 



170 


Lautlehre. 


BTk CK|iks;K 86b (spricht für ein ct;p-kEk). Bei l kommt hier diese 
Schreibweise nicht vor (vgl. Verf.: Über einige orth. u. lex. Eig. 
des Cod. Supr. S. 33). Analog im Supr.: Bk npkKKf 219. 10, Kk 
HpkKTvEE 229. 2 (weiter unten Z. 6 gleich: RTv hptvK'kbf); kk 
cpkA’mix’-k 398. 18; Kk npkCH 524. 26; Kk nAkTH 505. 25 (da¬ 
gegen Z. 24: kt* nnkTH) u. a. Hierher auch ckUpkTH 489. 28; 
KtCkupkT'kHAAro 19. 12 u. a. Wenn wir im Zogr. Kk upTiKTiKk 
Lue. 2. 27 lesen, so folgt daraus, daß im Original u,p kKTvKk war. 
Im Cloz. cktipkTk 618 und ckMpkTkH'kJhA 736—737, wo sonst 
Tv vorwiegt. Im Euch, sin.: Kk üipkuk 72a 1, Kk cp 4 H 73h. 21, 
Kk KpkNA 94a 2 n. a. 

Man sieht, daß diese Fälle in der Kegel nicht von den letzten 
Abschreibern, bei denen die Halbvokale hier schon verstummt 
waren, herrtihren. 

Häufig bemerkt man auch, daß in den Gruppen jupu».-, up'k- usw, 
infolge der Verdumpfung (Verhärtung) der Kons, ein Tv geschrieben 
wird. Hierher gehört aus der Sav. kn.: kt* JKp’kHTkKAjfk 89, 
JKpiiTBTd 36, jKpivTKX 139; im Supr. in der ältesten Partie 
jKpTvTEX 460. 21—22 gegen JKpkTirfc 450. 18. Vielfach ist diese 
Erscheinung hier vom Abschreiber schon verdeckt. So finden wir 
JKp’kTH 21. 8, HCkpX, JKpTtTEX 21. 21, JKpTiTB/S« 22. 8, 23. 11, 
jKp’kTK’k 28. 14, aber daneben: iKpkTH 20. 4, jKkpx . . . JKpkTEX 
20. 26—27, jKpkTKAv 21. 25. — Im Cloz. wird nur /Kp'kTEA 443, 
504, 508, jKK’kTK’ki 343, JKpTiTKX 428, 501, 855, 856 geschrieben 
und selbst auch ikptvTB'K 455, 463, 506, 520, 847, wo wir nach 
dem früheren JKpkTE'K erwarten könnten, wie wir oben bei npk- 
Kke usw. gesehen haben; npuiiiiHOt 301. Sonst kommt hier ja das 
k doch auch nicht selten vor. Unsere Schreibweise entspricht jener 
z. B. bei htiTo immer mit 'k u. a. 

Es muß daran festgehalten werden, daß sich in den erhaltenen 
Denkmälern zumeist nur Keflexe einer älteren Schreibweise der 
Vorlagen erhalten haben, die Schreiber der Denkmäler selbst haben 
wohl schon nur ein r, I ohne begleitende vokalische Elemente im 
XI. Jahrh. gekannt. 

Von den glag. Denkmälern kamen die Kiever Blätter schon 
zur Sprache. Wenn wir das Material aus dem Zogr. übersehen 
(Jagic, AfslPhil. II 202—213), so können wir konstatieren, daß 



Lautlehre. 


171 


sowohl bei r als auch bei l das t». zu dominieren beginnt; ins¬ 
besondere bei r. Das k kommt Mer vorwiegend nur in jenen Fällen 
vor, in denen ursprünglich der Halbvokal nachfolgte, also in kpuhhi, 
rpkUkCKTk, ApkKOrtk (r. ÄpeKOJti), HCKpk, KpkCTTk, KpkCTHTH Und 
selbst auch da Ausnahmen (dreimal mit 's., immer onp’kCTkj, cKpk- 
JKkTTi, TpkCTk (urspr. war hier tQ, t p k m h , Tpk\"k, Tpk\*e>Tk 
,Brocken 1 . Unerwartet kommt es nur in KarpkAHOHurra vor. 
Selbstverständlich immer Kp^Ek. In der urspr. t^t-Gruppe wird 
dagegen vorwiegend, manchmal sogar ausschließlich, nur % ge¬ 
schrieben. Letzteres gilt von Ep*kr-, p.p'ks-, KpTv\'-, up-kr-, AP^- 

3ATH, AP^^^H, JKP'kHOK'kH'kl, JEpTiTEa, 3pTiH0, KpiiC-, MpTiK-, 
UpTiTBIv und CkMpTiTk, npikCH, CKEp’kHHT'k, CMp’kAHT’k, Cp”k- 
Akutt, cp'k.n'k (r. eepn%), cTp^kM-, TspTkAU», xp^r-, Tpivn-, utp’k- 
KTiBk, npiiKk, upiinaTH, up^Ta, HtTBp'kT'k. Andere Worte 
werden mit t» und k geschrieben: Epkuna Mat. 7. B; EpkB’kna 
Luc. 6. 41, EpkEnkKO Luc. 6. 42, aber Kp'kBTi.Ho Mat. 7. 4. 5, Epii- 
ßT*Hd Luc. 6. 42; npivB- wird etwa 20mal mit Tv und achtmal noch 
mit k geschrieben. Analog bei npkcnrk, TpkNHf. 

Auch bei l hat sich das schon im Ürslav. nach der Liquida 
folgende k vielfach erhalten: gauuitath, kauex, iiakbath, cak3a. 
Natürlich auch wieder riATvTk (s. oben S. 164). Im anderen Falle 
greift wieder ’k mehr um sich. Auffallend ist es bei ruvkn-, das 
durchwegs mit "k geschrieben wird; bei ta-kk- wäre es, wie wir 
sahen, berechtigt. Nicht selten wird aber bei l noch das k ge¬ 
schrieben, wo wir es erwarten und gerade wegen dieser Fälle ist 
der Zogr. auch sehr wichtig. So wird hier ba ekt* (lupus) ge¬ 
schrieben, ebenso kakk- (kaUvUith) noch fünfmal mit k und zwei¬ 
mal mit k (vgl. oben S. 167), magmate und seine Ableitungen 
(13mal). Bei mauba und uauehth wird k geschrieben (sieben¬ 
mal) und nur einmal Tj.: WA’kBAliAuiE Lac. 10. 40; neben jfA'kM'k 
auch jfAkMOU’k Luc. 23. 30, wohl unrichtig wie auch AAnr-ki und 
AAk/KkHHKOM’k Mat. 6. 12 (sonst mit Ti). Über diese Verhältnisse 
vgl. auch S. 166—167. 

Bei l sind Mer also die ursprünglichen vok. Qualitäten besser 
gewahrt. 

Nur einmal taucht der volle Vokal auf: KptuiTkine Luc. 
7. 30. 



172 


Lautlehre. 


Die Tendenz, die wir im Zogr. bemerkten und die in der Be¬ 
vorzugung des k insbesondere bei r und zum Teil bei l besteht, 
kommt im Mar. noch entschiedener zum Ausdruck: sowohl bei r 
als auch bei l bildet hier % fast die Regel. Fehler sind in dieser 
Beziehung selten: Kpkßs Mat. 23. 35, sonst immer Kpkßk; nnkTk 
Joh. 6. 51, sonst immer riAkTk (je einmal mit k auch im Zogr. 
und der Sav. kn.); CKpkEk Mat. 24. 21, sonst überall CKpkEk. 

Bei der Bevorzugung des 's. fällt es auf, daß sich nach r das 
k nicht selten behauptet, wo es schon ursprünglich nach dem r 
folgte. Die hierher gehörigen Fälle bei Jagie S. 433—434. So 
findet man hier: epkHHf Joh. 9. 11. 14. 15; KpkCTHTH, KpkuiTATH 
29mal mit k, einmal k; siebenmal KpkUiTCHHC und viermal Kpk- 
lUTtHHi, Kp'KCTHTf<\u sechsmal, einmal mit u, OKpkcTk sieben¬ 
mal, einmal mit k; ApkKOAkMH zweimal (Mat. 26. 47. 55), ,\pk- 
KOAkMH dreimal (Mar. 14. 43. 48; Luc. 22. 52); cupkjKtTk achtmal 
(Mat. 8. 12; 13. 42. 50; 22. 13; 24. 51; 25. 30, Lue. 13. 28) und 
cKpkJKkUJTfT'k Mar. 9. 18; HCKpkHk viermal mit ’k und viermal 
noch mit k (Mat. 5. 43; 19. 19; Mar. 12. 31. 33); Tpkcrk sechsmal 
mit k und zweimal mit k (Marc. 15. 19. 36). Mit k auch in an¬ 
deren Denkmälern (vgl. auch im Euch. sin. TpecTkük) trotz des 
r. TpoeTi; TpkMH sechsmal. Bei KkCKpkCHJkTH 13mal ’k und noch 
fünfmal k (Mar. 8. 31; 16. 9, Luc. 16. 31; 18. 33, Joh. 9. 24; Tpk- 
jfkTk l&Ttxöv Luc. 12. 59 wird auch im Zogr. mit k geschrieben, 
wir erwarten allerdings k (r. Tpyxjn.il ,morsch'). 

Wo der Halbvokal ursprünglich vor dem r stand, wird k ge¬ 
schrieben, z. B. bei npkß- 48 Fälle mit k und nur einmal npkßo- 
Ek3AOKCHHk Mar. 12. 39. 

Bei l wiederholen sich so ziemlich dieselben Erscheinungen. 
So haben wir hier: riAkKATH Mar. 14, 65, nAkUAA^ Mar. 15. 19, 
3AnAkKAuiA Mat. 26. 67 (so auch im Zogr.), KAkiuTAiiJTajfk Luc. 
24. 4; KAkHfTk ca Mat. 23. 18 (bis), 20, 21, 22, dagegen schon 
KAkHfTk Mat. 23. 16 (bis), KAkNH CA Mat. 5. 36, KAkHklH CA 
Mat. 23. 20. 21. 22; jedoch immer cAk3A (dreimal). 

Fehler wie riAkTk Joh. 6. 51 selten. 

In den anderen Fällen ist k selten. So wird nAkH- mit seinen 
Ableitungen etwa 50 mal mit k und nur dreimal mit k geschrieben: 
HcnAkHk Mat. 27. 48 (Joh. 16. 6 mit k, nicht k), nAkurm Mat. 



Lautlehre. 


173 


23. 28, HcriAKHh. (Adj.) Mat. 14. 20; mabsa mit k Mat. 26. 5 und 
Mar. 5. 38, mit Tv: Mat. 27. 24 und Mar. 14. 2; ebenso ma'kkhth 
nur mit Tv; maTiMath und seine Ableitungen 16mal so, nur ein¬ 
mal mauhh Mar. 4. 39; tauigste Lue. 11. 9 (vielleicht wegen k 
aus der Yorlage), sonst kommt das Wort in entsprechenden Formen 
noch fünfmal vor mit r k; batikt», fünfmal und immer mit Tv, ebenso 
AAT>-rTv (debitum), A A,,kJK,lHHKT,i nnd A<vk>KkH'k; bats-ha und bat>.- 
NEHHE, 3ATi.4k Mat. 27. 34. 

Den vollen Vokal fanden wir in bpehhe Joh. 9. 6 und BTvC- 
KpECk Luc. 24. 36. 

Selten wird der Halbvokal, der allerdings damals schon über¬ 
flüssig war, ausgelassen: ckkphacutaa Mat. 15. 20, mhaocpaobab'K 
Mar. 9. 22, otf T P HH Mat. 34, Kpc/k Mat. 16. 17 u. a. Es handelte 
sich hier schon um ein einfaches g- ohne jegliche begleitende vo- 
kalische Elemente. 

Die Vorherrschaft des t*. sowohl bei r als auch bei l ist im 
Assem. ebenfalls zur vollen Geltung gebracht. Selbst bei der ur- 
slav. fr&t-Gruppe ist das k selten: KpkMU« Joh. 9. 14. 15 (S. 31); 
CKpkSKkT’k Luc. 13. 28 (77), Mat. 25. 30 (102), CKpkJKkUJTET’k. 
Mar. 9. 18 (93); TpkCTk Mat. 27. 48 (123), TpkCTH Mat. 12. 20 (146), 
Mat. 11. 7 (160); TpkMH Joh. 2. 19, Mat. 26. 61 (106), Mar. 15. 29 
(118), Mat. 27. 40 (123), oYTpkHHun S. 178, HCKpk Joh. 4. 5, hc- 
KpKHHH 10. 29 (72). 

Bei der ftrt-Gruppe ist nur noch vereinzelt k: ckMpkTH Lue. 

24. 20 (in der cyr. erneuerten Partie gegen AP^^ 4 ™ Luc. 24. 16 
daselbst); HcnoßpkJKE Joh. 2. 15; OTupkBE Joh. 9. 17 (31); BUtEpk- 
3"Kte Mat. 22. 13 (59); B'krrpkraBBUJTs Mar. 2. 23 (89), JKpkTBTs. 
Mar. 12. 33 (129); 3pkH0 Joh. 12. 24 (33), 3pkH0 nmeuHMkHO 
S. 144 Z. 13, 3pkHOY Luc. 13. 19 (76). Dieser Fall ist besonders 
beachtenswert. 

Äußerst selten sind auch die Fälle mit k bei l. Zunächst noch 
BAkUlTAUJTAY LuC. 24. 4 (175); SARAkBAUlA Mat. 26. 67 (107). 
Dann HcriAkNHuiA Lue. 5. 26 (64); markhiuh Lue. 10. 41 (130) 
gegen MA'kK'feauiE Luc. 10. 40; KAkyK'ki Mat. 2. 7 (150), mit k auch 
in der Sav. kn. 

Der volleVokal: B'kCKpsck Mar. 16.9; rpEMkCKiu Joh. 19.20(123). 



174 


Lautlehre. 


Die allgemeine Tendenz der glag. Denkmäler, das k durch 'k 
bei r und l zu verdrängen, zeigt sich auch im Cloz. Bei r ist 
noch das k nicht selten zu finden (30mal), wobei man einigemal 
bemerken kann, daß die folgende Silbe daranf einen Einfluß hatte 
(vgl. oben S. 169). Allerdings haben wir hier neben cTiMpkTk 
602 (bis), 604, 620, 652, cnupaTH 617, 657, cnimpkTH 618, cem- 
pb.Th.KK 651, ßfCKMphTie 605, ChMphTEfThllA 736, CTiMpkTkN-fc 
801, MpbTKbua 730 auch schon: c'h.Mp’kTk und rkiupTiTH 315, 
592, 596, 721, EtcKitipTiTTiHOYMOY 621, pp'bTBTiJM'K 642, 848, 
876, -tux*'k 647, 724, 748, 809, 885, 897, 904, 907, -%imh 803, 
C’kMß r kT£NO£ 657, HfCTilUp'KThHU'S 719, MpTvTßMJtb. 733, E£Ck- 
MpikTbie 747 und oy m P^ tbh 782. Man ersieht daraus, wie das Tv 
um sich greift; ebenso neben Kpkcr'kHOE 704 ist KpivCTiv mit Tv 
durchwegs, selbst auch Kp’b.cr'k 696; EphHkf 926 neben Kp'kNhk 
926; weiter mit a: cpbA ll h. eMk 17, cpbAfi” 339, cpb.A*l { 494 (gegen 
cpivAMM 410, cp'KAita 4), cmißhAA II 83, BphKiH 351, ap b >ka- 
lUTAfO 601, OTBpk3l 694, K'kCKphCTi.LUIHM'h. 725, CkMOTph- 
AHBTvHAA 816. 

KpTvKb wird durchwegs mit 'b. geschrieben, ebenso jkptvTba, 
APT»30CTb. 

Noch mehr ist das Tv bei l zur Geltung gekommen, denn wir 
haben hier nur npocAk3H II 37, sonst überall na, also AA'kHSfH'k 
89, 109, 119, 142 usw., Hcnn-kHMTH II 62, 422, Hcnn’h.N'fcTH 837, 
nA'kH'k 449, fiA’KNO 943, matiMahhe 759, ©y m '''k , mth 761, mai^ba 
766, E£3UATißHe 757, 758, 759 und andere Fälle. 

Den vollen Vokal fanden wir in einigen Fällen schon oben 
S. 164. 

Zu beachten sind auch die Schreibweisen npcTiv 588, 591, 
KpcTa 654, 718, Kpcr-fe 685 u. a. 

Im Psalt. sin. ist wieder sowohl bei r als auch bei l das t 
vorherrschend, bei l bis auf etwa fünf Fälle. So ist h auch bei 
r selten: KphBH 9. 13; 50. 16, KphBTU (= KpivEHH) 25. 9; 54. 24, 
KpkBhH 58. 3, wo wir das u nicht erwarten; CKphE£n 33. 7, cKpEEH 
36. 39, cKpbEii. 65. 11 (cKpkKh auch in ar. Denkm., CKep6$TB auch 
im Ev. galiz.); HCKpkuwMOY 11. 3; 14. 3, HCKßkHKKMCY 34. 14, 
Tpknt3x 77. 19 (neben Tpen£3*. 77. 20 usw.); BocupkcHH 131. 8; 



Lautlehre. 


175 


£KpkafKTatuiA 34. 16; weiter cpkAki^H H- 3; AP k}E ‘ 1E ' EH 'ki]C'k 
15. 6, JKpkTKX 26. 6, npkCTii. xovioqtö g 29. 10. Es mag ja sein, 
daß der eine oder der andere Fall noch auf die richtig erhaltene 
Schreibweise des Originals zurückgeht, von allen jedoch gilt es 
natürlich nicht. 

Noch einfacher ist die Sache bei l, wo k nur in diesen Fällen 
vorkommt: HcnAkHHUiH 15. 11, HcnakHH 25. 10; EAkHiv 64. 8; 
weiter: KAkHk^x 61. 5 und CAk3aMH 125. 5. 

Auch hier kann ja etwas altertümliches erhalten sein. Sonst ist 
überall *k. Bei r habe ich gegen 400 Fälle mit Tv und bei l etwa 
110 gezählt. Wie im Cloz. wird auch hier überhaupt "k vorgezogen. 

Die Fälle mit vollem Vokal sind S. 164 aufgezählt. 

Die oben angeführte Form ECCKpkCHH 131. 8 zeigt uns, daß 
der Halbvokal hier keine lautliche Geltung mehr hatte; so auch 
ko np’kKH 29. 10; BOCKp'kCHfTTv 75. 10. Hier handelt es sich um 
Halbvokale, die in der ältesten Phase des Aksl. noch den vollen 
lautlichen Wert hatten; um so mehr muß es von den anderen gelten. 

Auch im Euch. sin. bildet bei l und r das k die Kegel, mochte 
es welche Stellung immer ursprünglich gehabt haben. Selten hat 
sich k erhalten wie in TpkCTk 50 a, gegen die Kegel ist es in 
Kk KpkH/Ä npAB'KA'ki 94a 2 neben kt«, ept^na npAK'kA'ki 97a 
(beachte auch das korrespondierende Bk und kt»), wo wir k er¬ 
warten (vgl. r. öpoHt); erhalten ist k auch in EAkEOTHNU 70a, 
91a; in HcnAkHEHH’k 8a 8 und HcnnkHk 17a. Auffallend sind 
die Fälle: (iaete 3b, 29b, 47a, nakT'kCK’k 3a 13, nAkTkimk 19b, 
36b, KTUiAkTHTH ca 52b, 53a, 54a, 61b, KkriAkipEHHf 30a, 
wobei man an eine Assimilation denken kann. Daneben wiegt 
allerdings riA-kTk vor und zwar kommt es 29 mal vor. 

Die Fälle mit vollem Vokal sind auf S. 164 aufgezählt. 

Auch das Evang. achridanum schließt sich hinsichtlich des 
*k den glag. Denkmälern an: haiiatvOHTE r \$ Joh. 2.7; 

AP'kJKHTt Joh. 20. 23, AP'k^AT’T' ca 20. 23; npivCT-k Joh. 20. 
25. 27. 

Das glag. maced. Blatt weist zwar nur cau^amm I 5 gegen 
EEC r kMpkTkNC«f H 1—2 auf, aber auch bei größerem Umfange 
dürfte es wohl keine Ausnahme machen. 



176 


Lautlehre. 


Im allgemeinen sieht man, daß die Tendenz, t. in allen diesen 
Fällen zu verallgemeinern, wozu man die Anfänge schon im Zogr. 
bemerkt, in den glag. Denkmälern überall zum Ausdrucke kommt. 
Teilweise hängt es auch mit dem Prozesse zusammen, nach welchem 
beide Halbvokale zusammenfielen. Oft bemerken wir, wenn -a 
sonst bevorzugt wird, daß es dann auch bei y und | der Fall ist. 
Unter den glag. Denkmälern bilden die Kiever Bl. eine Ausnahme, 
da sie am meisten den ursprünglichen Zustand bewahrt haben. 

Anders als die glag. verhalten sich auch die cyr. Denkmäler. 

Im Supr. ist der Umlautsprozeß, der sich in einzelnen Vor¬ 
lagen zeigte, vom letzten Abschreiber oft ganz mechanisch nach¬ 
geahmt, jedoch nicht konsequent durchgeführt worden. Das hatte 
zur Folge, daß hier sowohl bei r als auch bei l das k überwiegt 
und zwar bei der urspr. vorvokalischen wie auch nachvokalischen 
Stellung dieser Laute. So wird hier in der Regel nakTh, cAkNkpe, 
cpb.,Ä,Mfe, cuaifikTk (mit den entsprechenden Ableitungen) geschrie¬ 
ben. Dagegen wieder aP^^th regelrecht (wegen des folgenden 
a oder auch des *). Wenn wir die älteste Partie (S. 447—471) 
berücksichtigen, so finden wir hier etwa 77 Fälle mit rb und 71 
mit n>, ferner 41 Fälle mit h und nur 9 mit h. Wie mechanisch 
der Abschreiber vorging, ersehen wir z. B. aus Kp-kT-kink. 451. 
22. 23 und KpTj.Tis.noY 459. 9 ; dagegen KpkTknn 464. 9; KfcnAij.- 
tTjHTjIH 459.3 (gegen ktvII auth ca 459.4); Kfcna'kT'kHOie 462.22; 
dagegen Kecn/\kTkHkiX"k 458.10, KtcnAkTUHTumink 458. 22 (aller¬ 
dings auch KecfiAkT'kH r kiH)fk 463.14). Sonst kommt hier in riAkTk 
regelmäßig k vor: harthix 448. 5. 6 ; 456. 6; kt%. nnkTk 450. 22; 
riAkTk 452. 16; ktj. hauth 453. 28; 455. 30; 456. 1; 458. 16; 
462. 6; nAkTH 456.19; 461. 6 ; 462. 8; 470. 9. Weiter riAkTkCKaia 

449. 23 und die schon früher erwähnten Adjektive. Neben den 
zwei Formen von nATjTkH- mit Tj. ist Mer noch riA'kTH 456. 7 und 
nAiiTHBR. 462. 6—7. Da Leskien im ganzen Codex 102mal nAkT- 
und nur sechsmal iiatit- zählte und von dem letzteren schon vier 
Fälle hier enthalten sind, so folgt auch daraus das größere Alter 
dieser Partie (das zeigt sich auch bei cKpiwE-, das hier dreimal 
vorkommt). Hier auch cAkNku,a 448. 23—24; CAku,ku,t 448, 26; 

450. 9 ; 453. 21; CAkHku.ov - 450. 23 und cAkm^t 454. 10. — AP' k - 
jkath kommt hier zehnmal vor (immer mit t»), aPT^aba viermal 



Lautlehre. 


177 


mit Th, einmal mit h (467. 9). Mit wenigen Ausnahmen wird r v,p-h- 
jkuth durchwegs so im Supr. geschrieben (nach Leskien Th 184mal, 
sechsmal mit h), es rührt also Tom letzten Abschreiber her. Immer 
chMpkTh (achtmal). Mitunter schwankt die Schreibung: Kph.cTcf.rh 
467. 4; KphcTd 468.13; nphCTk 469. 25 gegen upmcToy 456.11; 
KpTkCTOMTh 462. 18, KpihCTTv 462. 24. 

In der letzten Partie des Codex (S. 543—570) ändert sich teil¬ 
weise das Verhältnis. Wir haben hier etwa 72 Fälle mit n, 45 
mit n, weiter 19 mit h und nur 13 mit h. Hier überwiegt dem¬ 
nach ~o sowohl bei l als auch bei r. 

Nur dadurch, daß im Supr. k bei r entschieden vorgezogen 
wird (bis auf deu Schluß), nähert er sich der Sav. kn., wo z. B. 
auch KpKKh, KsphKs usw. geschrieben wird. Er zieht aber auch bei 
l das h vor und dadurch entfernt er sich von der Sav. kn., die 
wieder bei l oft ^ vorzieht. 

Die Fälle aus der Sav. kn. hat Scepkin zusammengestellt 
(Paäcyacßeme . . . S. 214—218). Es geht daraus hervor, daß bei r 
ohne Rücksicht auf die ursprüngliche Stellung k und bei I wieder 
'k vorgezogen wird. So finden wir hier: Ha TpkncHipH 150b, Ha 
rphjKHipHy'k 65b (neben rp’kJK’kHHKOM'k 91b), cßpkEk 86b, 87b, 
CKpkKH 88, 105, ocKphEt: 141, CKpkEA 74, cKpaEAfjia 145 (in russ. 
Denkm. kommt auch cKpkßk vor); npk(c)Ta st. upmua, vgl. ar. 
nnpTH, jetzt uopTH ,Gewand'; rpkanuHipa 139; — ottiKpebehhe 
139b; Kpkßk 94b, 115b, 117, 119b, 129b, KpkBE 134, KpkBH 52b, 
115b(bis), 117, 134b, KpkBOTOMHKata 36b (regelrecht: kptebh 95b, 
Kp'kBOTOUfHHI 52). 

Regelrecht wird sonst k geschrieben wo wir es erwarten, so 
in ßpkr- (häufig), Bpk3-, ßpay-, ^pkacaTH 62b, APtasHTm ca 63b, 
cyAPkaJHMTv 46 b, OAPkJKHMH 54 b, OAPkatA 62, 3pkH© 42, 3pk- 
uoy 60, 3k|pktfc 64, rrpETR-, CkMpkT- usw. (häufig), Tpkr-, TpkH-, 
upkß-; — KpkCT-, Tpk\"k 85. 144b, TpkMH 96 b usw. 

Daneben taucht einigemal m auf: JKp'kN'kBayk 89, JKp'kTß'ki 36 
und >Kp r kTßJE 139 ist schon erwähnt worden; ferner aP^h^ke- 
HHEfurk 140,140b (-uTk); npTvßXi 141 (dagegen npERmi 59b, 93 usw. 
15mal); Tp^nax 42, Bk TpuarüHHi 49b (das ßk setzt rpkn- 
voraus), dagegen Tpknax. 55,78b, TpanHT'k 65, ßk upun^HHi 131, 

Vondrak, Altkirehenslavisclie Grammatik. 2. Aufi. 12 



178 


Lautlehre. 


np'fcTph.ntKTU 47, 87. Die meisten dieser Fälle können aus dem 
Originale stammen. 

Bei l finden wir: MAk-Ha^x, 74, iiATvHuuit 97 b, SsiäAkHAUJA 62, 
OtfMA'KHHTd 44 b; HCfl AkHH CA 85, HCOAkHHTH 45, 148, HCnATv- 
nhlua ca 48b, HAnuTiNHT'k ca 60, nAkHX 164b, nnkHk 39b, 
nAkHk 40b (dagegen HcriAkNenk 30b, NcriAkNsna 106, 140, 
HCOAkHfHX 26 b, 108 USW., HCnAkHHTk CA 103 USW., HCIIAkMk 
105, 119 b); — catiSamh 79 neben cAk3UMH 130. Selten wird k 
st. k geschrieben: cash aus 88 (wohl infolge des folgenden k) neben 
cA-kHk!i,£ 30, cA'kNku.H 69b; nAkTk 146b neben nAkTk 42b, 
87 b, 96, 107, nATkTH 25 b; neben MAkKkius 126, MAkBAifiA 36 b 
auch ÜIATvBd 92, 117, MAkBHUJH 126b. 

Wie wir es auch erwarten, wird hier noch mit k geschrieben: 
BAkKA 125 b; H3BAkKklll£ 131b, OEAkUEHA 54 b, OKAkUEHk 146; 
über A''’ 1 * 1 ” 1 * (debitum) 43, 44 (ter), AAkrki 72 b, A' vt>K 'k HHK 'L 
43b usw., ha A<'T».3 r R 64b, tatvK- (siebenmal; usw., ygl. oben S. 166. 

Eine Vokalisierung kommt hier nicht vor, wie schon erwähnt. 

Eine ähnliche Schreibweise, hei der nach l das k bevorzugt 
wird, während nach r das k häufiger erscheint, seheint in Ost¬ 
bulgarien heimisch gewesen zu sein, denn wir werden sie auch 
im Ostr. Ev. finden und es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß 
das Original des Ostr. von Osthulgarien nach Bußland kam (unter 
anderem: ein Zitat kommt nur im Ostr.Ev. und bei Joh. Ex. v. Bulg. 
in einem bestimmten Wortlaut vor und zwar ist es Luc. 11. 10, vgl. 
oben S. 46—47). Doch kann man in k bei 1 auch r. Einfluß sehen. 

In den Blättern von Chilandar kommt nur k vor: BAkKA 
II Ba 9, BAk-HH II Ab 15; nAkTkHoyMOY I Aa 23, KpkijJEHHEi 
I Aa 7—8, kptvijjshhe I Aa 4 usw.; ckMpkTk IBa 4—5 usw.; 
K'kCKp'kCENHH I Bb 1 —2; Bp-k^V I Ab 18; noarpkTH II Ba 14, 
noJKp'kToy I Ba 19; cpkA(ne) H Ab 5, mpkKki II Ba 18 (vgl. 
Kul’bakin S. 18). Sonst kommen noch beide Halbvokale hier vor 
und werden verhältnismäßig richtig gebraucht. 

Dasselbe gilt im allgemeinen vom Ev. achridanum; hier 
auch tnt. 

Dasselbe gilt auch vom Psalter von Sluck, wo auch nur Tv 
in unseren Fällen vorkommt, trotzdem hier sonst noch beide Halb¬ 
vokale gebraucht werden. 



Lautlehre. 


179 


In den Undolskijschen Blättern aueh nur ix (cA’kH’kne 34, 
K'h.ßp'krXT'K 31, CRpTOKETT». 32, K'kCTp'K^dXLJif 14, KtkCrpTi,- 
rn«TE 14), aber hier kommt k überhaupt nur zweimal vor: ectk 3 
und ra 21 % 

Nur einen Halbvokal haben wir im cyrillischen Makedoni¬ 
schen Blatte und zwar ein k (während in den Und. Bl. ein m 
fast ausschließlich ist). Unser Blatt kann hier daher nieht der 
Qualität des Halbvokals wegen in Betracht kommen, sondern wegen 
der Stellung desselben und in dieser Hinsicht bietet es uns ein 
Unikum. Abgesehen von rpkskcuki a26 haben wir hier: huath 
a 4, Kh.px’k a 4, a<‘P? ,jcthx a 20, A K ß?k a 21, rkpAk b 4, a 1 *- 
AkSKdie a 27. Es erinnert uns an Eigentümlichkeiten der russ. 
Denkm. (s. weiter unten und oben S. 37), zumal das AkdkJKaie 
an das sog. sekundäre Polnoglasie. Es kann aber doch nicht als 
ein Russismus aufgefaßt werden, denn ein Russe hätte unmöglich 
nkrtTH schreiben können, da hier der Halbvokal schon im Urslav. 
nach l folgte (russ. mioTt). Es muß als der Reflex eines wohl 
makedonischen Dialektes angesehen werden. Ähnliches finden wir, 
wenn auch nicht häufig, in anderen Denkm. bulg. (maked.) Pro¬ 
venienz. Der letzte Schreiber des Ps. von Bologna schrieb: rmpAHH 
196. 3, cTvK'h.pKH 204. 1, oYT’kK'kpAH 156. 1, ja auch utvahhav 
216. 3 (vgl. IIIemcHHT»: BoaoHCKaa neaxmpi,. 0u6. 1906, S. 132); 
im Ev. des Grigorovic aus dem XII. Jahrh. A’k'A'kali (vgl. JaBpoB's, 
OÖ3op% S. 43). Pogorelov zitiert auch A' K P Ka aus dem Zlatostruj 
des XII. Jahrh. (BHÖjrioTeica mock. cyH. tu rt. I, 3, S. xxiv). 

Im Ap. v. Ochr. nrk[pTvTH 6 b (Act. XIV 18) allerdings infolge 
der Zeilentrennung wie im Zogr. b: A' h ‘|‘''R r 'R Mat. 18. 32. 

Es ist wahrscheinlich, daß durch die Schreibweisen Uri, Uri, 
Ult usw. ein einfaches irr. usw. ausgedrüekt werden soll, weniger 
plausibel ist ein Urt usw., das sich schon daraus entwickelt hätte. 
Man könnte jedoch kaum annehmen, daß sich die urspr. Stellung 
des vokalischen Elementes in einzelnen bulg. Dialekten noch er¬ 
halten hätte (vgl. talt aus *tolt weiter unten), weil ja hier auch 
nkATk so geschrieben wird. 


*) IIjinskij meint, daß x wegen Raummangel hier zweimal st. -k gesetzt 
worden ist, was allerdings nicht ganz überzeugend ist. 


12* 



180 


Lautlehre. 


Es muß Mer noch hervorgehoben werden, daß das l in einzelnen 
Worten über seine ursprünglichen Grenzen greift. Neben CATUiuaTH 
finden wir so häufig in den aksl. Denkm. cAT»uidTH, daß es sieh 
nicht um einen Sehreibfehler handeln kann, z. B. im Mar. CA'k- 
uiath Lne. 5. 15; oifcA'HuudTH Mat. 24. 6; catvOiaiua Lue. 10. 24; 
cATiuiACTf Me. 14. 64; ca-kujaktv Lue. 7. 9 usw. Im Psalt. sin. 
steht neunmal oyca’kiuh, im Cloz. cauvujath 180. Ygl. auch z. B. 
b. dialektisch mlnär für mlynäf ,Müller 4 . Bei caTvIuath konnte 
die Analogie der übrigen Verba wie TpuntiTH, ^pniHd th, Mk- 
HkTH, BpkT'KTH usw. auch fördernd wirken. 

Mittelbulgarische Denkmäler. Kommt in einem solchen 
Denkmal nur ein Halbvokal zur Herrschaft, so taucht er natürlich 
auch auf in unseren Gruppen. So finden wir z. B. im Dobromir- 
schen Ev. aus dem XH. Jahrh. riAUNd, cAkHanoy, noiupkukuioy 
Lue. 23. 45 usw., weil das Denkm. nur k kennt. Im Trnover Ev. 
herrscht zwar überhaupt k vor, dabei kommt aber u doch auch 
vor und dieser Reflex zeigt sich auch in unseren Gruppen, z. B. 
rp'KA'W'A . . . cpTv^M^d Luc. 1. 51 usw., seltener Fälle wie upt- 
kokti. Mat. 21. 12. 23 usw. 

In den mittelbg. Denkm. kommen auch Fälle vor, in denen der 
Halbvokal vor der Liquida steht, gleichzeitig kann er aber auch 
nachfolgen. Sie kamen bei dem vorhergehenden cyrill. maked. 
Blatte znr Sprache. 

Mit Ausnahme der zuletzt erwähnten Fälle handelt es sich da 
überall um ein r, l, das vielleicht selbst auch hie und da den zu¬ 
letzt erwähnten Schreibweisen ( Urt, tut usw.) zugrunde liegen kann. 
Das tfl usw. war auch schon im XI. Jahrh. vorhanden. Daher 
fanden wir auch einfache Schreibweisen ohne Halbvokale, z. B. trt. 
So auch in den mittelbg. Denkm., wie z. B. im Ap. v. Ochrida 
cpHA 3 b, riAHd 3 b, 0Tßp3i 4, MpTd'kiy’k 7, ppisudy 14 b, kt». 
ppKEd^'k 82 b. Vgl. noch andere Belege aus den mittelbg. Denkm. 
bei KüTbakm S. xcvii. 

Serbo-kroatische Denkmäler. Sie kennen nur einen Halb¬ 
vokal, daher können sie bei unseren Gruppen nichts Besonderes 
bieten. Über Formen wie cnymipc des Mirosl. Ev., CAOi'Hkpe im 
Ev. desVukan (Symeonsehes Ev.), aus Urkunden ßdoyimcnk, oaShh 



Lautlehre. 


181 


usw., vgl. Oblak im AfslPhil. XYI S. 207—208. Es ist eine Eigen¬ 
tümlichkeit, die nur in serbo-kroat, Denkm., nicht in bg. auftaucht. 

Russische Denkmäler. Als Eepräsentant diene uns das 
Ostr. Ev. In der urspr. fort-, frort-, folt-, ^-Gruppe wird hier 
wie auch in den anderen Denkm. rnss. Redaktion statt des aksl. 
tnt, tnt nsw. nicht selten fort, fort usw. geschrieben. Für die 
Qualität des Halbvokals war die russ. Aussprache, deren Einflüsse 
man eben erlag, maßgebend. So finden wir hier z. B. ncmiAHk 
Joh. 1. 14; nkpirki Joh. 2. 20 (vgl. no-rami u. uepKOB-r). Der zweite 
Halbvokal (nach der Liquida) wird oft auch noch hinzagefligt: 
CK'kp'kSk 49, EkpkrXTk 34, SkpkHO 42, C r kA r kHktJ^IO 18, A k P"H~ 
3dH 67*), 243, oder auch nur angedeutet: nkp’ß-kiH, u’ka’kti. Es 
erinnert zwar an das russ. dialektisch auftretende sekundäre Polno- 
glasie, ist aber mit ihm nicht identisch, da dieses erst später auf¬ 
taucht, sondern es ist nur als eine Kombination zwischen der russ. 
Aussprache dieser Worte und der kirchenslav. graph. Tradition 
aufzufassen 2 ). — Bei r wird in der Regel der urspr. Halbvokal 

*) Vgl. hier noch ssp-kTerpAA-k, MkpvrBUHX'k, nkp-kcT-u usw. Die Vorsetznng 
des Halbvokals und auch seine Wiederholung fanden wir auch sporadisch in 
einzelnen mittelbg. Denkm. und auf dem eyrill. maked. Blatte. 

ä) L. Vasil’jev meint dagegen (Oaho coodpajKeirie nsw. im IKypii. mhh. 
aap. npocB. 1909, Cciit. S. 294—313): In vorhistor. Zeit der rnss. Spr. ent¬ 
standen in allen Gruppen w, w, -hl gleichzeitig mit der Entwickelung des 
zweiten e, o in er, or, ol die sekundären Vokale 6, Bei sr entwickelte sieh 
manchmal ■&, nicht t, je nach dem folgenden Kons. Dann in der Zeit der 
uns schon erhaltenen Denkm. — am deutlichsten zeigt sich dies im XE. Jahrh. 
— begannen die Halbvokale * und 6 naeh r {-<, nach fl intensiver zu schwinden 
als nach allen übrigen Kons, (daher z. B. Christinop. Ap. 3kpn» 160, B-fcpn- 
hänfig, ebenso AckpH- u. a.), daher auch im sekundären Voll-Laut. Dabei ent¬ 
standen unter dem Einflüsse von Rkpp, caikpth auch Formen wie Bkpy-k, 
cAikpTHutt, woraus BEpp., cmepthuS. Die erwarteten Formen *Bp£p, *cmp*tb 
fänden wir in KEpEp, ca«pstiu, die aus *Epip, »cmpsTk und Kipp cauptsktl ent¬ 
standen wären (wie ans *npdKAEN-k und npdgEAHA ein npdKEAEN-k hervorging). Es 
ist wahr, daß nach r die Stellung der Halbvokale viel weniger fest war als 
nach anderen Konsonanten. Aber wenn ans einem angeblichen Bkpkp ein 
KkPXTE (dann e*pp) entstand (unter dem Einflüsse von Formen wie Bkpjja usw., 
wo das k nach der Hegel schwand nnd zwar zunächst nach r; ein apkp, 
Rpip wird nur erschlossen), so müßte analog aus stpurk (nach rkpua usw.) 
ein B-kpu-k entstehen. Da dies nicht der Fall ist, muß Vasil’jev behaupten: 
B-kpkM'K hätte sich unter dem Einflüsse der Adjektivs auf -kn-k mit anderem 
vorhergehenden Kons., wie z. B. tp^abh-k, erhalten, dann überhaupt TAwuck usw. 



182 


Lautlehre. 


gewahrt, mochte er vor oder nach der Liquida im Urslav. gewesen 
sein. Es wird hier also KpivBk wie auch cKpT>.Ek und rp'kr'k 
immer mit ta geschrieben (M. KosaoBciriä, Hb&i'&ÄOB. o u 3. oeTpoM. eB. 
Cn6. 1885, S. 105, 107). Sonst erscheint hei r das k, wo wir es 
auch erwarten (S. 106, 107—108), nur in vereinzelten Fällen zeigt 
sich auch t*: jup r kTBAMH 288 neben «pkTR-fc 65, utp-kii'kKAV'k 
(ein JKpii- fanden wir auch in der Sav. kn.); f.ip’K- erscheint hier 
fünfmal mit n»., dann noch pasEpTLiocTA ca, CTEpiiSouJA ca, 
OTTs.ßp r K3T>.UJ8, MSTEpivTTvK. (Daneben natürlich MpsTETi, pa3Rpk- 
34 ia usw.) Sonst ist überall a. 

Das schon ursprünglich dem l nachfolgende n wurde erhalten: 
KAki)JAijj4)fTv ca 206, KAkH- zweimal, nAKEATH viermal, cae34mh 
133. 223, npocAk3H ca 139 ; eine analoge Erscheinung können wir 
teilweise auch in der Sav. kn. beobachten. — Wo der Halbvokal 
ursprüglich vor dem l stand, da wird überall "K geschrieben (1. e. 
S. 108 — 109), also batikt»., matvSath, n.rasrb.. tatvE- usw., so daß 
BAkjfBOM’k 252 hier die einzige Ausnahme ist. In der Sav. kn. 
kommt das Wort auch nur mit k und zwar fünfmal vor. 

Ähnlich ist weiter die Schreibweise im Izbornik 1073. Vgl. 
AfslPhil. I, S. 368—369. Bei r wird dort teilweise a bevorzugt, 
neben rptaTAHiv auch rpkTAHH, cKpaeaMH usw., dagegen ist dort 
bei l das -a ausschließlich. Ähnlich auch in anderen Quellen, aus 
welchen die Beispiele im AfslPhil. I, S. 369—375 angeführt werden. 

Hier verweise ich insbesondere auch auf das Bogoslovie des 
Joh. Ex. v. Bulg. Bei l ist hier k äußerst selten: CAk3AMH 2491 13, 
CAk3Tk 3741 15, 20, cAknAioipAia 311II5, m\kTk dreimal (123 H 4, 
2321 14, 349 H 13), sonst überall mit Ti. 

Bei r wird wieder a vorgezogen, doch in Kp’kKk regelrecht r k, 
nur Kpkßf 3491 3; CKpivEkHO 310112, sonst schon sechsmal mit k; 
APkJKATH (13mal mit k), nur einmal mit Ti: CK'kAP’knuiuov 392110; 
Mpk fünfmal, i.Jkp'k viermal, i.rap zweimal und upn». einmal usw. 


Aber warum sollte dann die Analogie nicht auch in den übrigen Formen 
gewirkt haben? Im Christinop. Ap., ans welchem V. zumeist sein Material 
schöpft, haben wir %. B. A’kM^NM'io I. Cor. 7. 3, warum daneben nfB-kpn«f ib. 12, 
His-kjiM 14, HfB-fejHTüxi. 15, warum nicht auch HfB-fcpkH^-? Außerdem ist hierbei 
der Schwund des angeblichen sekundären -b nach l gar nicht naehgewiesen 
oder der Versuch von V. gar nicht gemacht worden. 



Lautlehre. 


183 


Das Novgoroder Evangelienfragment bietet nur wenig 
Material und das stimmt, was die Qualität der Halbvokale — je¬ 
doch nur diese — anbelangt, mit den ar. Denkm. überein: upu- 
KHfTh Mat. 24. 29, CkupuTH Job. 11. 4. 13 gegen CKp-UGH Mat. 
24. 29 und um^HHia Mat. 24. 27. 

Schwund des t». und k. 

Wie überhaupt alle überkurzen Yokale, konnten auch die 
Halbvokale leicht schwinden, was schon in den aksl. Denk¬ 
mälern beobachtet wird. Aber zur Zeit der Begründung des aksl. 
Schrifttums sind sie an den ihnen zukommenden Stellen in dem 
betreffenden bulg. Dialekte noch ausgesprochen worden, darüber 
kann kein Zweifel bestehen. Wären nicht wegen der Aussprech¬ 
barkeit einzelner Silben diesem Prozesse gewisse Grenzen ge¬ 
zogen worden, so hätten überhaupt alle unbetonten Halbvokale 
schwinden können. Da sich aber infolge des Schwundes in ein¬ 
zelnen Silben zu viele Konsonanten, deren Aussprache schwer oder 
unbequem gewesen wäre, angehäuft hätten, so haben sich gewisse 
Normen entwickelt, nach denen der Schwund der unbetonten Halb¬ 
vokale nur in gewissen Silben stattfand und zwar nur in solchen, 
nach denen im selben Worte (auch bei Präpositionalausdrücken, 
die immer als eine Einheit aufgefaßt wurden) keine andere einen 
weiteren Halbvokal enthaltende Silbe unmittelbar folgte 1 ). War 
dies dagegen der Fall, so blieb der Halbvokal erhalten und konnte 
dann weiteren Veränderungen unterliegen. Fortunatov und Saeh- 
matov nennen die Halbvokale der ersten Stellung (wenn eine 
Silbe ohne Halbvokal nachfolgte) schwach, die der zweiten stark 
(vgl. AfslPhil. XXXI, S. 481) 2 ). Hier schlossen sich die Konso¬ 
nanten der zweiten Silbe (entweder einer oder mehrere) an die vor¬ 
hergehende oder erste an. Folgen mehr als zwei Silben mit Halb¬ 
vokalen unmittelbar aufeinander, so zerfällt ein derartiges Wort in 


J ) Die Geltung eines Halbvokals hat das im Aksl. im Auslaut jund in 
gewissen anderen Pallen geschriebene h, das auf ein -*'& znriiekgeht, [z. B. 
Gen. pl. KscTKH aus *kosU%b. 

*) Man kann auch von einem Halbvokal in schwacher oder starker Posi¬ 
tion sprechen. 



184 


Lautlehre. 


Silbenpaare mit je einem starken und einem schwachen Halbvokale, 
wobei der letzte Halbvokal im Worte natürlich immer schwach ist 

So sind im Worte ckHkMi. und in dem davon nach den w-Stäm- 

12 12 , 

men gebildeten Instr. sg. ctvhiiMTvMk die mit 1 bezeichneten Halb¬ 
vokale stark und die mit 2 schwach (daraus konnte chsm, geschrie¬ 
ben cTvHfuu, und ctHMfM, geschrieben cfHhMtMk, werden). Die 
Präposition wird mit dem von ihr abhängigen Worte als ein Wort¬ 
ganzes aufgefaßt: c4 c'b.HkM'kMk, kt,. Tkiuik. 

Bei der Bildung dieser Silbenpaare mögen wohl einzelne 
Schablonen von zunächst einfacheren Kombinationen maßgebend 

gewesen sein. So z. B. beim Instr. c'kHkM'kMk waren maßgebend 
1 2 

Instrumentale wie A cr - rii,Jh u. a. 1 ) 

Den Ausfall der Halbvokale im Wortinnern können wir, wie 
oben erwähnt, schon in den aksl. Denkm. konstatieren, selbst auch 
im Auslaute (allerdings seltener). So kommen z. B. im Zogr. auf 
mehr als 100 Fälle von k'kto schon 10 Fälle mit kto (AfslPhil. I, 
S. 23). Im Mar. herrschen bei nhk'kto die Fälle ohne k ent¬ 
schieden vor und auch kto kommt hier vor (z. B. Mat. 11.- 27; 
12. 48 — hier mit vorhergehendem k’kto, Luc. 18. 26 usw.), im 
Cloz. kto H 109, 287; häufig in Assem., Euch. sin.; in der Sav. 
kn. kommt kto 40mal vor, hhkto 45mal, hhktojk« 22mal und 
KT\TO nur vereinzelt. Nur im Ostr. Ev. behauptet sich hier noch 
das na. So finden wir weiter ohne den Halbvokal nicht selten For¬ 
men vom Inf. KkpuTH, von ßkck z. B. ßcero, ßcuKT>. u. dgl., von 
rkNATH, a'eea, A'EEk, von a<*nk wie A Hf > A HH usw., -JKhAO 

Z. B. KTiJKA«, 3kAATH, FOn ST^ATs. Z. B. 3AAT0, 3AOAVH USW.| 

iiH-K st. MkHk (in der Sav. kn. etwa 40mal), mhoi* st. mt>.hoi*; 

MH OTT» st. M'kHOr'k; -Mp- St. -Mkp-, Z. B. OYMprrk st. OYMkptTT».; 
JICATH st. OkCATH', CTßOpHTH St. CKTß . . .; MTO St. HkTO USW. 

Ein Verzeichnis derartiger Formen aus der Sav. kn. finden wir bei 
Scepkin: Paseyacßeme o a 3. CaBB. kh. S. 115—126. 


L Für das Abühm. hat A. Havlik (Listy fil. 1889, S. 45 f.) den allerdings 
etwas zu mechanisch klingenden Satz aufgestellt, daß alle Halbvokale an 
geraden Stellen (Silben) — vom Wortende gerechnet — zu vollen Vokalen 
werden (sind also stark), die an ungeraden dagegen ausfallen (sind schwach). 



Lautlehre. 


185 


Während die Halbvokale in schwacher Position im Wortinnern, 
wie wir sehen, leicht ausfallen konnten, werden sie im Auslaute 
noch weiter geschrieben und der Abfall kann hier seltener beob¬ 
achtet werden. Natürlich sind sie im Auslaute nicht etwa aus¬ 
nahmsweise ausgesprochen worden — solange es sich nicht etwa 
um eine gekünstelte Aussprache handelte — vielmehr dienten sie 
hier dann meist zur Bezeichnung der Härte bzw. Weichheit des 
vorhergehenden Konsonanten, so insbes. im Russ. 

Einige spezielle Fälle des echten und scheinbaren Ausfalles von 
Tv und u müssen noch zur Sprache kommen. 

Die Präpositionen K£3’k ,ohne‘, trkS'k ,hinauf, H3'k ,aus‘ und 
das Präfix pasi^- ,zer-‘ verloren frühzeitig in der Komposition ihren 
Halbvokal. Daher traten verschiedene Assimilationen des 3 mit 
dem nachfolgenden Konsonanten ein: EEiuTAA’k (aus EE3-uAA'k) 
Luc. 20. 28, Zogr. u. Mar. usw.; hc-h’Rahth aus H3-n ... Mar. u. a.; 
vgl. auch ES3-OHkCTKO Lue. 11. 8 Mar. u. Zogr., h3-hth ,hinaus¬ 
gehen 1 , H3E4BH Supr. 178. 11; ktvJKaiokaehhi Kiever Bl. Vb 5, 
K’kjkakieaehti.hia ib. V 3—4. Aber auch als Präpositionen ver¬ 
lieren die drei ersten Worte oft ihr t», z. B. eejk uerojKE Kiev. Bl. 
VI14—15; eejk rfsro Zogr. Joh. 1. 3; E£3 HapoA d Lue. 22. 6 Zogr. 
Mar.; E'ks K,uro r \UTk Joh. 1.16 Zogr.; allerdings kommen auch 
Fälle mit der Erhaltung des t>. vor: K£3 r kBp r fcMEHkH0i*. cTiMpkTHi* 
Supr. 86. 30; E-k3'kiapHB'k jke ca 112. 17; H3*k)fOAAUiT£ 267. 5; 
p43 T kBp'k>K£ 501.13—14, doch sind das schon spätereAbweichungen. 
In den Kiev. Bl. haben wir bei K'k3-, hs-, pA3- kein 'k: B'kS- 
BECEAHATi VII 12, ETi3^i,BHrHH V 20, K'k3APACT£T'k IH 14, KTv3- 
MOJKEEJi'k IHb 12; V 7, 23; Vb 4; VI15, et^jkaioe- (s. oben); H3- 
eabh IV 24, HI 23; Vb 14, hskabaehhIe IV 10, h3koah Hb 12, 
H3AP'üni£HH r E II10; pASAP'tuJEHiiE V 15, das schon erwähnte eejk 
HErojKE. Dagegen co-kA^k VIb 10, haat* HI 24, eahbtv hack 
Hb 19. Über die Eigentümlichkeit mittelbg. Denkm. wie hskia«, 
K'k3kiAf, Ek3kicKA usw. vgl. oben S. 121. 

In der Komposition verliert auch die Präposition oktv (oee) 
regelmäßig den Halbvokal vor b, welches selbst verloren geht: 
okaaa^th aus oe-ba . . .; oKAAK’k aus ce-ka . . ., ausnahmsweise 
auch oEkEEThiuAEkiuiM Supr. 231. 12. 



186 


Lautlehre. 


Bei den anderen Präpositionen kommt der Abfall auch vor, 
aber er bildet meist nicht die Regel. So haben wir z. B. im Mar. 
0TKpiv3adTTv Job. 10. 3, analog Zogr.: ©tbpti.3astt>.; OTRpTv 3 E 
Joh. 9. 14 (auch Zogr.), dagegen 0T r kßp , k3H Mat. 25. 11 (Zogr. 
oTKpTiSH); neben ottvUlika- finden wir ©im v v,- (aus ©Tiuk.a,-); im 
Zogr. viel häufiger ©T"K- als ©t- (Jagic. AfslPhil. II, S. 267); ob ©tra 
noATv Joh. 1. 28 Zogr. u. Mar. usw. Daher auch C'KST'kiuay r k (aus 
* oh - vetb $ ackb ) Psalt. sin. 6. 8 und sonst noch, Cloz. 838 usw., okhth. 

Andererseits kommt es allerdings auch vor, daß Halbvokale in 
Konsonantengrappen eingeschaltet werden, wo sie überhaupt ur¬ 
sprünglich gar nicht bestanden, z. B. im Zogr. ©yc'kM'fcH'k st. 
oycM’kHTi. Marc. 1. 6 (Mar. hier oycHH'fcHTv ,ledern*); saktvaa ib. 
Luc. 15.27 (dagegen 15.30 richtig: 3akaa); BesoyiuikAio Supr. 2.16; 
HAß'klK'kNH ib. 243, 19. 

Namentlich in Fremdworten wird häufig ein Halbvokal ein¬ 
geschaltet, z. B. Aß’kroYCTA Zogr. Luc. 2. 1; bha^caia»; ib. Marc. 
8. 22; MTiHACiv Luc. 19. 13 u. a. (AfslPhil. II, S. 268). 

Es ist natürlich, daß derartige Halbvokale nur flir das Auge 
da waren. In den späteren Denkmälern greift diese Unsitte mit¬ 
unter ganz erschreckend um sich. So schreibt man z. B. im Ap. 
ÖiS. nporairKKAi© Rom. X 19, wAh&apm Rom. XI 2; 3 EU)kah Act. 
I. 8, H3p4HAkCk4HH Rom. H 22, ßkCErk^A Rom. I 10 usw. 

In einigen Worten wird der Halbvokal, den man vielleicht 
analogisch oder etymologisch erwarten könnte, nicht geschrieben. 
Etymologisch ist die Schreibweise T’KchT). ,eng* begründet (aus 
*tSsJc-no-)\ so wird das Wort im Zogr. Mar. (Mat. 7. 14; Luc. 13. 24) 
usw. geschrieben. Ab. noch t&shny. Wegen lit. presltas l ) ,frisch* 
ist die Schreibweise onp'kctrku,H ,ungesäuertes Brot* Marc. 14. 1 
und onp’KcH'kKTv Mat. 26. 17; Luc. 22. 1 und Marc. 14. 12 im Zogr. 
begründet. Analog auch im Mar. und in anderen Denkmälern 
(onp’KcH r kK'ki Cloz. 338, onp-KcHkup 372, Supr. 486. 6—7: onp'6- 
CH'KK'ki). Analog aueh p’kcHOTA Ps. sin. 30. 6, 24; 39. 11; 44. 5 
usw., p'fccHOTHGkH'k Kiev. Bl. H. 9; Ps. sin. 85.15 — vgl. lit. raiszMs 
,augenscheinlich*, daher *r(skno-. Hierher gehört wohl auch racm» 
,hell, klar*, vgl. ha iachU ,sub divo* Supr. 90. 1; H3’v&CHkLUHHM'k 


*) Kurschat schreibt fehlerhaft in seinem Wtb. prieskas [ie = tf) st. preshas. 



Lautlehre. 


187 


Euch. sin. 53 a 25; auch bei Sreznevskij findet man zahlreiche Be¬ 
lege aus ar. Denkmälern mit iacn-. Vgl. lit. äiszJcus ,deutlich, laut 1 . 

Andererseits wird in den aksl. Denkmälern regelrecht A ECfr k 
<5ef«5g, ^fcHHua h de£ca geschrieben, ebenso jk tu’S; 3 ms, ,eisern 1 
(nur Ass.: HttA'üskH’kinuH Lue. 8. 29), trotzdem wir im Lit. dessin- 
in deszinS ,die Rechte 1 und gelezin- in gelesinis ,eisern 1 haben. Es 
kann angenommen werden, daß im Urslav. k vorhanden war und 
daß es dann im Aksl. noch vor der Fixierung der Schriftsprache 
aus irgend einem Grunde verloren ging. Fortnnatov meint, daß 
Bildungen mit -sno- (vgl. Aoatecno ,vulva 1 , das auch ohne k zu 
schreiben ist) und -zno- maßgebend gewesen wären (CooTasx octpom. 
eB. S. 12). Auch npncHO ,semper 1 wird in den maßgebenden Quellen 
ohne k geschrieben, so insbesondere in den Kiev. Bl. (viermal und 
npHCHC^VKA zweimal). Das Wort wird aus hctt* gedeutet, also 
*pristno, as. npHCTkHk, slov. pristen. Das im Zogr. Mar. Ass. und 
Sav. kn. ausschließlich vorkommende küctko 1 ) ,Flucht 1 trägt man 
Bedenken auf K-fcJKkCTßo zurückzuführen, da damals hier kaum 
der Halbvokal schon ausgefallen wäre; man denkt daher an *beg- 
sivo > *Mksfvo > b&stvo. 

Das Suffix -stvo ist aber sonst im Slav. nicht nachweisbar, trotzdem man 
sich aufs got. vaurstv (aus vaurkstv) n. ,Werk, Tat 1 beruft. Fortunatov glaubte 
zwar, daß es auch noch in einem voranszusetzenden *kstvo (vgl. mtcTKHie) 
vorhanden war. Allein, hier liegt wohl eher das Suffix -teo vor: *sbd-tvo, 
das zu *s6stco führen mußte (kaum ein -vo an das Part. *«.«<?., vgl. npH- 
uit.cTk.ie, woraus npmuecTHe im Cloz. 793). Ich glaube daher, doch K-fccTse aus 
*hegbstvo, K-fcit.-k.cTKo, *bezstvo, *hesstvo ableiten zu müssen, wobei ich auch an 
das klr. risdofi (aus rozbstvö), bg. junastvo und dial. serb. mnostvo denke (wie 
auch Seepkin, Pa3oy;M. S. 137). 

Neben dem allgemein gebräuchlichen npu 3 ,\kHTv ,leer‘ finden 
wir im Mar. und Zogr. (Luc. 13.7) onpajKHUuT'k bzw. onpafKH'fceT'k. 
(Ostr. onpasHliKri’k 289B), so daß fürs Urslav. wohl neben *por- 
zdmo auch ein *porzno (aus *porzdno- ) anzusetzeu ist. 

Im Mar. wird regelrecht aau-, aah- geschrieben und nur ein¬ 
mal wegen der Zeilentrennung K T b.3AA'k|Ka Marc. 2. 25, ebenso im 


*) K-fcccTKo in der Ausgabe des Ass. Mat. 24. 20 ist ein Fehler, die Hs. 
weist hier nur ein s auf, also bestvo, wie auch in der Sav. kn. an dieser Stelle. 
Im Zogr. und Mar. noch zweimal: Mc. 13. 18. — K-kmacTBo kommt erst in 
späteren Texten vor, z. B. im Nik. Ev. in Mc. 13.18. 



188 


Lautlehre. 


Ostr. Et. 2 , hier jedoch meist mit einem Zeichen über der Zeile *), 
dagegen im Ostr. Et. 1 finden wir K r k34A'kKdTH ca 20a, im Zogr. 
einmal aamauiitu Mat. 25. 44 (einmal auch 4A>,hh Marc. 1. 19), 
sonst im m er A4K- und aah-, in der Sav. kn. überall aa'kk-, aatiM-, 
ebenso im Euch. sin. aatyK-, aatvu- (69b, 89b, 103b, 104a). Es 
hat sich demnach erst allmählich hier ein vökalisches Element 
entwickelt; ursprünglich war hier — es handelt sieh ja um die 
olt- Gruppe — kein Halbvokal; aakkath ist jedenfalls jünger 
(Fortunatov S. 23). 

Neben dem gewöhnlichen -r^a in kop^a (nivr^a), r ror r \a 
(T’Kr'^a: kommt in den aksl. Denkmälern auch -rxV' vor, so z. B. 
im Ps. sin. KorkA^ 2. 12; 7. 3; 49. 22; TorkAA 50. 21 (mit vor¬ 
hergehendem Tor^a), B'KHfr , K^,4 50. 6; im Euch. sin. meist -r^a, 
das ein -n^A verrät. Diese Doppelheit geht vielleicht auf ety¬ 
mologische Beziehungen zurück. 

Unter den Denkmälern, welche am besten die Halbvokale er¬ 
halten haben, verdient neben den Kiev. Bl., die leider nur einen 
geringen Umfang haben, insbesondere das in die russ.-kirchenslav. 
Gruppe gehörende Ostromirsche Ev. hervorgehoben zu werden 
und zwar gilt es speziell von dem zweiten Teile, der mit dem 25. Bl. 
(oder mit dem 24. Textbl., wenn man vom ersten, die Abbildung 
des Evangelisten enthaltenden Blatte absieht) beginnt. Wir finden 
hier nur ein einziges Mal cTRopx 112c, sonst immer CHTBop-, 
weiter viermal cpsnpo 196b (zweimal), 203d, 204a und zweimal 
cpeGßkHHKTi 196b, 196d. Sonst kommen diese beiden Worte hier 
etwa 15mal mit CTvptKp- 2 ) vor. Fünfmal kommt hier -jka<> vor: 
kTvJka® 76a, 105d, komoy>k^,o 84b, koahjka® 63c, 103d, sonst 
immer -JKkA<>, -jkt«.a«. An drei Stellen rrrm^A (also mit dem 
Auslassungszeichen): 103d, 108a, 237b, häufiger jedoch rrar- in 
n^THi^A, irkTHijk, und auch (vvreHkiia, rrkTfHku,A. 

Einmal kommt c'krudem 211c vor, sonst immer mit 'K (z. B. pa3- 


’i «•k3ÄAKdx’k 121 a, 121 d, 151 b, 162 a, KT^a/du 127 b, 161 b, n-ii3MKa 93 c, 
239 b, AAMxijia 121 b, 122 a, 151 c, 152 c u. a. 

2) Da die anderen Denkm., insbesondere Zogr. und Mar., konsequent ea- 
ptKpo haben (nur die Sav. kn. bat cpespe), so fragt Fortunatov, ob man wegen 
des ■v nicht an das lett. sudrdbs neben sidrabs, lit. sidäbras denken müsse 
(1. c. S. 19). 



Lautlehre. 


189 


r’KHXK'k 211a). Ebenso HanviuiT« in seinen verschiedenen Formen 
immer mit t*. Das sind alle Fälle, in denen Tv ausgefallen ist; 
bei k können wir nichts Analoges naehweisen (in -jkao ist % aus¬ 
gefallen, da hier nach jk und ui für k ein Tv geschrieben wird). 
Im ersten Teile ist der Ausfall der Halbvokale häufiger. So finden 
wir hier für Rkc- sechsmal ß’e- und zweimal kc- (allerdings häufiger 
noch Kkc-), weiter siebenmal cTuop- (8d, Ile, 12a, 12b—c, 14b, 
16a, 16b) und nur ein einziges Mal c-k tkcphth 14b, also bei 
der Zeilentrennung, KHHrain«. 9c, KHHP'ki 15b (dreimal noch mit 
KTiHHr-), einmal ttvKMO 13b und viermal tTvKTiMO 3c, 8c, 13b, 
16e (vgl. ^oprynaTOBn, CocTaB r & OeTp. eBanr. ans Cfiopumre ct. 
ueeTi, B. H. AasiaHcnaro. 1908, S. 6 — 9). 

Der ausgefallene Halbvokal wird nicht selten durch einen Strich 
angedeutet, z. B. k’to. 

Wenn wir nun in einem Denkmal einzelne Formen und Worte 
einmal mit einem Halbvokal, das andere Mal ohne denselben finden, 
so folgt daraus, daß der Halbvokal in diesem Falle von dem 
Schreiber, von welchem der Ausfall des Halbvokals ausging, über¬ 
haupt nicht mehr ausgesprochen wurde. Wenn wir z. B. im Mar. 
HTtT'k Joh. 5. 23 neben MkTST'k im selben Yerse finden, MTSVT'k 
i m selben Yerse neben nkTXTTv Mat. 15. 8, so folgt daraus, daß 
der Urheber dieses Denkmals hier nur 6t-, nicht 6vt- ausgesprochen 
hat Wenn er noch häufig in diesen und allen anderen analogen 
Fällen den Halbvokal schreibt, so ist es nur auf eine graphische 
Tradition im Ksl. zurückzuftthren. Andererseits ist es denkbar, 
daß es Schulen des ksl. Schrifttums gab, in denen man es sich 
zur Aufgabe machte, die geschriebenen Halbvokale auch auszu¬ 
sprechen. Natürlich handelte es sich hiebei um eine künstliche 
Aussprache, die in den betreffenden Dialekten der Abschreiber nicht 
begründet war. Yon einer derartigen Annahme geht auch Sachmatov 
aus (AfslPhil. XXXI, S. 486). Allgemein war jedoch diese Tradition 
wohl nicht. Die erhaltenen aksl. Denkmäler sind das Produkt dieser 
verschiedenen, in ihrenWirkungen sich oft auf hebenden Bestrebungen. 
Daher bemerken wir hier oft eine gewisse Inkonsequenz. 

Der Schwund der Halbvokale führte auch in der vorhergehenden 
Silbe des Wortes Veränderungen herbei: wenn gewisse Halbvokale 
schwanden, wurden andere in vorhergehenden Silben zu vollen. 



190 


Lautlehre. 


Außerdem muß daran festgehalten werden, daß das k, bevor es 
schwand, den vorhergehenden Konsonanten merklich erweichte. 

Ersatz der Halbvokale durch volle. 

Sobald die schwachen Halbvokale schwanden, gingen die star¬ 
ken in volle über und zwar wurde aus dem ’K ein o und aus k 
ein t in unseren aksl. Denkmälern, z. B. conty aus c-kirtv ,Schlaf, 
AfNk aus ,Tag‘. Die schwachen Halbvokale werden hier 

auch noch geschrieben, also conk, aber ausgesprochen wur¬ 

den sie nicht mehr (in der wirklichen Sprache!), denn wenn die 
starken zu vollen geworden sind, so ist es eben ein Beweis, daß 
die schwachen schon verklungen waren 1 ). 

Es verhalten sich jedoch nicht alle aksl. Denkmäler diesem 
Prozesse gegenüber gleichmäßig. Am meisten konservativ hin¬ 
sichtlich der Halbvokale zeigt sich die Savina kniga. Es kommt 
hier nur einmal ko^ka® 106b vor (der Text auf Bl. 106—107 zeigt 
überhaupt gewisse Eigenheiten) gegen k'kuj^o, das sechsmal ver¬ 
treten ist (Ostr. 2 ) immer mit Ty, achtmal), dann cmokobhkk 74h—75, 
75 und das verderbte cmokouTyKUUa 88b; khnocobtyI 46 (Mat. 
22. 19, Ostr. hier KHNkckux, Mar. khh'kctyH'ki). e erscheint für 
k nur einmal in cn;R,A, £ AkHHMH U6 neben cKXAkAk 48 und ckx- 
AkAkHHpf (== -ne) 115h, Einigemal haben wir hier in Endungen 
der i- und der kons. Stämme e für a: AWßSMk 147b, AWA f If' k 
32, 92 neben AWAkiun«. 138, 147 und AH>,A,k<fTY 38; HCAtjfk 138 
neben racAk\”k 137b, 138b; Huenetik 126 (zweimal) neben hme- 
HkMk 50b, 52 und HMtNkMTY 35b, 117b; KpUmeNe;f'k 90b; HGcejfk 
29, 29b, 57b, 71b, 73—73b, 125b, 132b, 133b; cAOKecfurk Dat. 
pl. 108. Diese Endungen kommen jedoch in unserem Palle gar 
nicht in Betracht, da sie einfach analogisch erklärt werden können 


1) Wenn in den Denkm. KorAd, r«rAd neben K-KrAd, T-i-rAd auftritt, so darf 
man das « nicht als den Vertreter des -k ansehen, vielmehr war hier das ® 
ursprünglich (vgl. ierAd ans *iogüa ) und das t» ist erst unter dem Einflüsse 
von KTvAd bzw. ktya« eingedrungen. 

2 ) Im Zogr. wieder sechsmal kojkka» (bzw. k»:«a«) und nur einmal ic-kmA» 
(Joh. 7. 63), trotzdem sonst o für hier, wie wir sehen werden, nicht so stark 
vertreten ist. Im Mar. und Ass. je drei Formen mit e und je drei mit ty. Das 
® der Form in der Sav. kn. geht auf eine derartige Vorlage zurück. 



Lautlehre. 


191 


und mit dem Übergange des k in e nichts zu schaffen haben. So 
finden wir hier auch umgekehrt: FAXipkUiv 34b, 137, 142b, 145b, 
146b, 149b und FÜftiji'KM'k 115b fTk = k) neben rnsvijjeM'k 142b, 
143; öpkiuik 25b und 32 neben ontua 30b, 135 und 

oii.¥i.rk 29, 30b, 101; HOXtkUk 96b und andere derartige Formen 
der /o-Stämme mit k oder Tv (s. UfenKHirx, Pa3e. S. 104). Fünfmal 
finden wir hier cc statt Ck: es ect'k HdCi\ - K l 4 , r kHHK'k . . . oinög 
Ictiv 6 vlriQÖvof-iog 46b (Mat. 21. 38); ct etvIcttv ktv rAdßx xrAO\f 
ovxog e'/Evrj{h] dg v.ecfalrtv ytaviag 46b (Mat. 21. 42); ct f CT'k 
chtv moi . .. ot’TÖg ioTw u vi6g (.lov . . . 148 (Mat. 3.17); ct tcTTi 
ov^hhutv . . . oitog eot.lv ö uaHrj^g 141b und 151b (Joh. 21. 24). 
Hier handelt es sich offenbar überall um eine syntaktische Eigen¬ 
tümlichkeit, nach welcher das Neutr. ct statt des Mask. gesetzt 
wurde 1 ). Ganz entsprechend finden wir hier einmal auch to st. 
TTv: troxit AOK-kJK/f., to tcT'k, HM'kTt l ov luv (pilrjoui, adrög 
eotiv, -/.oavr.oars avvöv 96b (Mat. 27. 48). Wir haben hier also 
nur einen Fall des Überganges von k in t und fünfmal o st. "k. 
Wir können annehmen, daß diese Fälle auf Bechnung des Originals, 
das zur Abschrift kam, zu setzen seien. 

In Scepkins Verzeichnis hat Leskien in runder Zahl 880 Fälle 
der Weglassung von ■w und k in der Sav. kn. gezählt (die Beispiele 
von koahjk^o zählt Scepkin nicht alle auf, es wird — zwei Fälle 
ausgenommen — immer ohne t»., k geschrieben), davon entfallen 
in runder Zahl 710 auf sieben Wörter und ihre Formen: ß(k)ck 
,omnis‘ 247, kto 107, MNork 100, hto 95, cteophth 90, uhU 
uhoksi 49, T'ki:uo 22. Hiebei wurden die Fälle nicht berücksichtigt, 
in denen der Ausfall durch ein Zeichen angedeutet ist, z. B. ß’ck; 
die Formen von stvATi sind zehnmal ohne und zehnmal mit ’k (k); 
18mal apATH und fünfmal irkpaTH (AfslPhil. 27, S. 13). 

Die Sav. kn. wird, was die Seltenheit der Vertretung der Halb¬ 
vokale durch volle anbelangt, sonst nur vom Ostromirschen Ev. 
— also einem Denkmale russ. Kedaktion — tibertroffen. Wir finden 
hier cuokokuhhua — also mit o — viermal (Luc. 13. 6. 7; Joh. 


*) Vgl. ct isctk iiAkTt. m«b Supr. 419.15, ct lecT-h kpheh jwo ib. 18 neben 
ch iecTH Kphsb. ib. 20 n. 22; ct ;«t tcri. K-fcMMtuH asHiwr'k Job. 17. 3 im Mar. und 
Zogr. (s. in der Syntax). 



Lautlehre. 


19a 

1. 49. 51), wie es auch in den glag. Denkmälern üblich ist, und 
nur einmal mit Ti (Mat. 24. 32). Die Stelle Joh. 1. 49. 51 kommt 
hier noch ein zweites Mal vor, aber mit cmoktvEhhu (Bl. 128) in 
voller Übereinstimmung mit der Sav. kn. Sonst haben wir keine 
Vertretung der Halbvokale durch volle in unserem Denkmal. Man 
kann natürlich das vereinzelte o für Tv in cmokoeij.hhh 4 nicht dem 
Urheber (dem letzten Abschreiber) des Denkmals zuschreiben: es 
war schon in der Vorlage und selbst auch da ist es nicht durch 
ihren Urheber hineingeraten, da diese Vertretung seinem heimischen 
Dialekte fremd gewesen zu sein scheint. Sonst würden wir ja 
zahlreichere Reflexe im Ostr. Ev. finden. 

Mit dem Mangel an Ersatz der Halbvokale durch volle im Ostr. 
Ev. hängt innig zusammen die Erhaltung der schwachen Halb¬ 
vokale im selben Denkmale, die wir oben konstatierten. Es ist 
der Reflex jenes Zustandes, den wir für die älteste Zeit des aksl. 
Schrifttums, also für die Zeit seiner Begründung und seiner ersten 
Jahre voraussetzen müssen. Der russ. Abschreiber hat also sein 
aksl. Original verhältnismäßig sehr genau abgeschrieben. Das er¬ 
sehen wir auch aus dem Umstande, wie treu er die Eigentümlich¬ 
keiten der beiden Vorlagen bewahrte, so daß man jetzt noch ganz 
deutlich den zweifachen Text im Ostr. Ev. unterscheiden kann. 
Es geht nicht an, aus dem Umstande, daß z. B. die Sav. kn. äußerst 
selten die Halbvokale durch volle, das Ostr. Ev. so gut wie nie 
ersetzt, daß sie nur Tv für k häufiger setzen (nur in bestimmten 
Fällen!), die Sav. kn. nebenbei noch a st. u (aber auch nur in 
bestimmten Fällen), auf ein höheres Alter dieser Den k mäler den 
glag. gegenüber (wie z. B. Cloz. Mar.) zu schließen. Es kam hier 
nur eine ältere Vorlage auf einem Territorium zur Abschrift, wo 
gewisse Eigentümlichkeiten der glag. Denkmäler nicht in der be¬ 
treffenden lebenden Sprache vorhanden waren. Übrigens muß man 
die wenigen Fälle des o-Vokals st. u im Ostr. und der Sav. kn. 
als aus dem Original herrührend auffassen und dadurch muß schon 
die Ansicht bezüglich ihres höheren Alters als weniger plausibel 
erscheinen. 

In den übrigen aksl. Denkm.—abgesehen also von der Sav. kn. — 
finden wir den Ersatz der starken Halbvokale durch volle. Hierher 
gehören zunächst die glagolitischen vom größeren Umfange. 



Lautlehre. 


193 


Im Cod. Zographensis kommt vor (vgl. Jagic, AfslPhil. II, 
S. 265): oycox - 'kii]X Marc. 11. 20; tokuo Mat. 5. 47; 10. 42; itp-k- 
koek (Akk.)Marc. 11.16 1 ); paEOT”kLuc. 12.43; po^,ockMat. 11.16; 
Hapo,a,ock Job. 7. 49; npas^kHHKOck neben npa3^kHHKTi ck Job. 
7. 8; 0Epa3ock Marc. 12. 16 usw.; cMOKOKkHtm««* Job. 1. 49. 51. 
Dazu noch cKa’v r \cakHHu, t: Maro. 14. 13 und Lue. 22. 10, cKX^oak 
Luc. 5. 19 (für sekundäres Tv aus k). koah-R für btiAHU Joh. 13. 5 
und ctÖi Lue. 1. 27 wird noeh besprochen werden. Hierher aber 
nicht: eeso oü)a Mat. 10. 29 und H30 okaaka Luc. 9. 35 (Assimi¬ 
lation, seltener Fall!), c für k kommt vor in int^Tv Mat. 5. 24; 
npHiut^Tv 4. 13; 8. 7. 14; rkujf,i,' kuJ K> Mat. 8. 1 usw.; TfMkHHtjx 
Mat. 5. 25; ßksnes'kuis Joh. 19. 29; npaße.ykH'kiMv Mat. 5. 45; 
npaBt^kHHKa Mat. 10. 41; npaßf,i,kHHHH Mat. 13.17 usw.; A H£Ck 
Mat. 6. 11; no^osemi. Mat. 11. 16; noBHHttrk Mat. 5. 21, 22(bis); 
E’KctH'k Mat. 9. 32; KHCfpii. Mat. 7. 6; TtAfitk Luc. 15. 30; c&Mn^k 
Mat. 7. 4 usw. Natürlich auch in den Kasusendungen: TpEiPk 
Joh. 2. 6 u. a., die nicht in Betracht kommen können: 

Auffallend ist cKXA eAk n HK0ß0 Mat. 27. 7 und cex^JAEhhuh 
Mat. 27. 10, wo sich noch der Reflex des urspr. k zeigt, während 
wir oben auch schon cujs^oAk usw. fanden, was ein sekundäres, 
aus k entstandenes t«. voraussetzt (vgl. c^A c ’ K ’ k im Ps. sin., das 
ein cx^nkKa aus ca^kua voraussetzt). 

Die Fälle sind zwar hier nieht so zahlreich, aber die Bewahrung 
der Halbvokale ist nur der Tradition zuzusehreiben. Daß der Ab¬ 
schreiber geneigt war, t». und k in gewissen Fällen als © und e 
aufzufassen, ersehen wir aus Schreibungen wie A' kß ’ k AkH© Luc. 
22. 38; E3EPTV für tHtpo Luc. 8. 23; EAHcaßkTk Luc.l. 13; BkT , kX"W 
Marc. 2. 22. 

Innig verknüpft mit diesem Prozesse war der Ausfall der Halbvokale, ja 
er ging ihm eigentlieh vorher. Diesen beobachten wir hier verhältnismäßig 
sehr häufig. So wird hier bkc- sehr häufig ohne a geschrieben, z. B. k«<mk 
M at. 4. 4; üdk Mat 5. 18 usw.; Bctux Mat. 3. 15; 4. 23 usw.; poum Mat 5. 17; 
H-fciro Mat. 5. 23; >ito Mat. 6. 25; «nt Mat. 7. 21. 22 usw.; nu,-trs Mat. 6. 31; 
10.19; ntH Mat. 15.27; ncsM-v Mat. 7. 6 gegen nsceMT, Mat. 15.26; puh Mat. 8.8; 
nein« Mat 11. 10; HjncdH* Joh. 2.17; ncs Joh. 1. 46; iithua Mat. 6. 26; iithuh 


r) rpkjfOTB Lue. 12. 59 gegen Tps^aTi. Xsnxov ,kleine Geldmünze“ im Mar. 
enthält nur eine Variante des Suffixes. 

Yondrak, Altkirehenslavische Grammatik. % And. 13 



194 


Lautlehre. 


Mat. 10. 29 usw. (hier war k für -k wegen des nachfolgenden palatalen Vokals); 
cpt.AH6Mk Mat. 5. 8; noBUHn-h. Mat. 5. 22; ksahjka® Mat. 8.19; 10.11 (dagegen 
koahjkba» Mat. 10. 42 nsw.); cA-knui Mat. 9. 27 nnd viele andere Fälle. 

Das t>. ist ausgefallen in AB'k Mat. 5. 41; ab^au Mat. 6. 24; mhosL Mat. 6. 7; 
AON3H Mat. 7.13 usw.; mh«k Mat. 11. 30; Joh. 1. 27; ka‘ Mat. 8. 20; kt* und 
HHKT«ms Mat. 11. 27; ctko,ih\-«aiti Mat. 7. 22; ctbsphuja Mat. 12. 14 und noeh an¬ 
dere Fälle (Marc. 2. 25; 15. 7. 12. 14; Luc. 3.19). 

Manchmal wird der ausgefallene Halbvokal durch ein Zeichen angedeutet: 
n’u-kTe CA Mat. 6. 25. 34; kt’» (st. k’t«) Mat. 6. 27. 

Analoge Verhältnisse finden wir auch im Zogr. b, nur ist hier der Aus¬ 
fall der Halbvokale noch viel häufiger als im ursprünglichen Teile des Zogr. 
o finden wir hier statt t. in upk»bhi* Mat. 23. 35; cawkab-khhubk Mat. 21.19; 
ca!»k»btvnhu 4 Mat. 21. 19. 20; piiK»T-h Mat. 18. 26; vgl. auch koh Mat. 21. 31. 

t in wi.Vfc. Mat. 18. 12. 30; keck Mat. 21. 2; ii(ubeanhkj Mat. 23. 25; npdßfAV- 
Hjr« Mat. 23. 35; »esujtoihuh Mat. 23.30; •kpeMNHHa Mat. 21.5; eecthheni. Mat. 22.16. 

Ausgefallen ist t in bce Mat. 18.26 usw.; Am Mat. 20. 12; mt« Mat. 20. 21. 
32 usw.; AiHHT'K Mat. 22. 42; 3 a* Mat. 24.2; htet'k Mat. 24.15; k«ah>ka« Mat. 
18. 5; 19. 35; ctvkpahh Mat. 18. 20. 

Das -K in x»ujet Mat. 20. 26; kt« Mat. 21. 10 usw.; khhkt.hhuh Mat. 21.15; 
Amern Mat. 20.28; mh«sh Mat. 20. 29 usw.; ctb*ph Mat. 19.4 usw.; ctasath 
M at. 18. 23 und noch anderes. 

In diesem Teile wird nur ■*. geschrieben und wo b auftauoht, ist es 
cyrillisch von demselben Schreiber geschrieben. 

Im Cod. Marianus ist die Vokalisierung viel häufiger vertreten 
als im Zogr. Wir finden hier konts. Mat. 21. 39; 26. 75; Mare. 
11. 19; 14. 68; Luc. 4. 29 usw. Daneben auch kone Marc. 7. 15; 
Luc. 8. 30 usw.; a^A^ Mat. 7. 25. 27; 30aTb Mat. 7. 18; 12. 33; 
16. 4; coTTv (Gen. von ct^to) Marc. 14. 5; Luc. 7. 41; kojktbAO 
Mat. 26. 22; ponTaax’JR Luc. 15. 2 (neben p-MiTaa^ ib. 19. 7); 
coThNHirh. Mat. 8. 5. 8. 13; Marc. 15. 39; cotkhhivk 76a neben 
c’LTb.NHKT» Mat. 27. 54 usw.; oy co X" kujhh 43b; toktbUo Mat. 17. 8; 
tokmo Mat. 9. 21, häufiger tt»ktbMo, ttbKUo; ko-t-k hack Mat. 
8. 13; 15. 28; Luc. 12.12; 24. 33; eo Ktcx cTpaux Marc. 1. 28; 
Luc. 3. 3; ko stein caar-k Mat. 6. 29; Luc. 12. 27; ao kkca ak>ah 
Luc. 9. 13; ao Eb.c'kjf'h. Lue. 9. 48; ao atciMt innp-K Joh. 13. 1; 
ao KtTopaviäR Luc. 12. 38; ao KtcKplviiiiHHi Luc. 14. 14; 20. 33; 
ko A^HH Mat. 24. 37; Luc. 6. 12; ko M'knosh: Mat. 6. 7; ao3tMH 
Mat. 9.6; K03'Knn Mat. 14. 30; BocKpi».« Luc. 9.19; KOcapTkCHÄTt 
Marc. 12. 23; no kockptvchoeihhh Mat. 27. 53, aber auch kochü- 
ktbUHO Mat. 13. 6 (vgl. ckIiattj. Mat. 5. 45 und koahU Joh. 13. 5 
im Zogr.); ko MtN-fc Joh. 6. 37; co3t»aa Mat. 7. 24. 26; 21. 33; 



Lautlehre. 


195 


co3 T KA-n’H Mat. 26. 61; co3 r kp T KAT r k Marc. 4. 29; coh-ku-ki Mat. 

10. 17; coH-kUHi|iH Job. 6. 59; conkMHiUTa Joh. 9. 22; coHkUiuuT* 

Mat. 12. 9; coHkMHUiTHjfk. Mat. 6. 5; 9. 35; 23. 6. 34, Marc. 1. 23 
gegen cTuiUh. Lno. 22. 66, ckH'k.MHUJTi Luc. 4. 15. 16 usw. Häufig 
auch Fälle wie poAock Mat. 11. 6; 23. 36; Marc. 8. 12; 13. 30; 
Luc. 21. 32; Marc. 8. 2; Joh. 7. 49; OKpA30Ck Mat. 22. 20; 

rnaroAOCk Luc. 18. 34; — paKe>T"k Mat. 18. 26. 28; A Clfi0T ' k 
Marc. 3. 25; saoK’KKOT'k Marc. 14. 21. Lautlich liegt dasselbe Tor 
auch in einer Verbalform: mcuketocu (= tioJKfT'k ck) Joh. 6. 52. 

In Suffixsilben: aakoTk Mat. 6. 27; cueupoßk Mat. 10. 35; Kp’fc- 
noKTv Luc. 15. 14; Kpcvrork Mat. 11. 29 ; 21. 5; HAHATOK’k Joh. 
2. 11; 8. 25; onptcHOK’k Mat. 26. 17; Luc. 7. 12; ktv 

AOMOjfk Mat. 11. 8; jkptvHOSTv Mat. 18. 6; csuoKOKkHHiJtx Marc. 

11. 20; cuokok'khhu.a Mat. 24. 32. 

Zu beachten ist: orutpoH Joh. 12. 1; cbatoh Luc. 1. 72 und 
HapHILHMOH Joh. 21. 2. 

i für k: usck (vicus) Mat. 10. 11; 21. 2: Marc. 8. 26; Luc. 9. 
52. 56; 10. 38; 17. 12; 19. 30; 24. 13. 28; Joh. 11. 30. — nick 
(omnis) Mat. 13. 2; 18.30; 21.10; 22.40; Mare. 1. 33; 2.13; 
14. 55; 16. 15; Joh. 4. 53; 5. 22; 9. 34 (seltener ßkck, z. B. Mat 
18. 32. 34 usw.); Keck^e Mat. 25. 29; A eHk fast immer so, z. B. 
Mat. 10.15 usw.; A‘ Hkt Luc. 1. 23 neben A kHHe Luc. 5. 35 und 
sogar A kHkf Luc. 9. 51; a chi ^mh Mat. 27. 40; Joh. 2. 20; A kHeck 
Luc. 2. 11; 4. 21; 5. 26; A kH *-c k shuihti, Mat. 16. 3; n«cTk Mat. 
27. 64; ntcTki* Marc. 14. 1; ckxaea- Luc. 5. 19; Mat. 27. 7 u. 10 
neben CK/KA krtHH iV 6 Marc. 14. 13 und Lue. 22. 10 (vgl. oben im 
Zogr.); 5K£3A-k Marc. 6. 8 (/KTvSaa zweimal); — BkSfiJTk Mat. 17.27; 
Marc. 10. 21; cutuM!». Mare. 14. 55; 15. 1; Joh. 11. 47; cktUMk 
Mat. 26. 59; K’kufu’kina Mat. 12. 20. — hauehTv Mat. 14. 30; 20. 8; 
Lue. 23. 5; 24. 27; Joh. 3. 24; hamehivUiio Mat. 18. 24; ui£A' k Mat. 
5. 24; K-kuitAT». 9. 18; npHtueAT* Mat. 8. 7. 14; 9. 18; 13. 54; 
16. 13 usw.; OT'kuitA'k Luc. 4. 42; npHUJifiiv Joh. 6. 17 usw.; 
npHLue,\ku,4 Mat. 23. 15. Seltener kommt uukA- oder utka- vor; 
npocTtpTi Mat. 8. 3; 14. 31; 26. 51; Luc. 5.13; mfutpu Joh. 11. 44 
(analogisch); ovuspon 12. 1; ovuepouj'k Luc. 7. 12; npHAEirkULUH 
Luc. 10.11; 0 B£ipkHH 4 H Mat. 23.30; afrkKO Mat. 11.30; bushest». 
Mat. 27. 48, K , k3Hf3'kuif Joh. 19. 29; cT«KAkunu,n Mat. 23. 26 

13* 



196 


Lautlehre. 


neben ctekaehhu,h ib. 25; temkhhivk. Mat. 28. SO; Job. 3. 24 ? 
Mat. 25. 36, temehhum Lac. 3. 20. 

In Suffixen: eoaentb Mat. 25. 43; eIjcentv Mat. 9. 32; E'KptHTv 
Mat. 25. 21. 23; rp-kuiEHTv Job. 9. 16. 24; AA-kaKENT* Mat. 28. 18; 
23. 16. 18, Luc. 7. 41; bhmch a Mat. 16. 3; hcthheht». Joh. 7. 28; 

8. 16; MHpeHivLuc. 1. 79; hoehhehts. Mare. 3. 29; no,a,OKf hti Mat. 

11.16; Luc. 6. 47. 48. 49; npASkAEHTi *) Job. 5. 30, np AB r k,A,EN'k 
Luc. 2. 25, dagegen (auch der Regel entsprechend): mpaee^mih 
M at. 23. 28, npAߣ,A,kHHKA, npAESAkHHSx Mat. 10. 41, npaBE^k- 
HH4H Mat. 25. 37; npA3A6Hi». Mat. 12. 44; npmATEH'k Lue. 4. 24; 
npoTHEEHij, Mat. 14. 24; Marc. 6. 48; pABEWk Joh. 5. 18; pdaor- 
MfHiv Luc. 10. 21; CTpAHEHTi Mat. 25. 43; m-bcteh-k Luc. 7. 2. — 
ArHEivk Job. 1. 36; EorouTEiVk Joh. 9. 31; B’fiHEWk Mat. 27. 29; 
Mare. 15. 17; maa^ineht». Luc. 2. 12. 16. 23; ortivk Mat. 10. 21. 
23. 30. 32, Mare. 11. 26, Luc. 2. 48; 6. 36; 10. 22, Joh. 5. 36; 
10. 30; 16. 15; cämeivk Mat. 7. 3. 4. 5, Luc. 6. 42 u. a. — 
teckte Marc. 7. 28; MXjKECick Mat. 19. 4; jkshecktb ib.; baob'E- 
hecktv Marc. 7. 7. — ce-Ktia’k Mat. 17. 5; Luc. 5. 19; — 

oneTTs. Luc. 23. 36; CKpkJKET'k Mat. 13. 42; 24. 51. 

Vor dem Suffixe -ectbhe: oteubctehe Marc. 6. 1; otemtj.ctbhh 
L uc. 4. 24. Dagegen ist h'Kcapectehe Mat. 6. 10; 19. 23, Mare. 
4. 26 als ivEpapscTBEE zu verstehen; analog HUpapECTEHH Luc. 

9. 11 und pcapECTBHt Mat. 13. 19. — Zu beachten ist npU^AUE-H 
Mat. 26. 15 (aus nptA d!Ulk H )- Jagic führt diese Fälle in seiner 
Ausgabe S. 428—430 an. Man sieht, daß ihre Zahl eine bedeu¬ 
tende ist und zwar insbesondere im Verhältnisse zum Zogr. 

Dagegen sind Mer die Fälle des Ausfalles der beiden Halbvokale viel 
seltener als im Zogr. Wie schon erwähnt, herrscht hier nhkt» vor im Gegen¬ 
sätze zu HHKT.TO und auch kt» kommt hier vor, weiter i-au-iimba Marc. 7. 32 
(dagegen rxn»NHB-fceAM» S. 114. 20); ab» Mat. 18.16; Joh. 6. 70; awoi* Mat. 12. 
30(bis); Lue. 4. 7 (dagegen ist S. 57. 5 u. 380, 26 ai-bnoix nicht «hoi*, wie nach 
dem Index angegeben; ähnliche Versehen wiederholen sich noch einige Male); 
MH9SH Marc. 12. 41; .«iiora ib.; <wn«r« Marc. 5. 25; Luc. 5. 6; AtH»rtu Marc. 3. 10; 
MHos-kp*. Luc. 2. 36; awojkbctba Joh. 21. 6; p-BirnA^x Luc. 19. 7; ponTAdx* Luc. 
15. 2; pmnrk Joh. 7.12; t-bkaw Mat. 11. 27 usw. etwa 23mal, dann einigemal 


l ) npABfAfHT. Mat. 1.19 kommt nicht im Mar. vor, sondern in dem dieses 
Denkmal in der Ausgabe ergänzenden Ev. von Decani! Es ist natürlich unter 
dem Einflüsse von npdseABHdAro u. dgl. aus npABBAOfB entstanden. 



Lautlehre. 


197 


tokm« und TkKA«; TK-kM0 Mat. 8. 8; nT(n-kij,ä Lue. 2. 24; nTtH-ku* Mat. 23. 87; 
iithua Lue. 8. 5 usw. siebenmal; imnos Mat. 10. 30, Luc. 12. 6. 24; nTHu<nwk 
Mare. 4. 32 ; iithuaau, Mat. 13. 32 (dagegen n-t.Tnu.-k Luc. 12.7, rikTHo.« Mat 10.29, 
•wo a aus i>). Charakteristiseh ist, daß wir hier nicht einmal ctboph- finden, 
sondern immer nur cstbopm-. Anders dagegen im Zogr., dort finden wir 
cTB»pH- z. B. auch schon in dem den Mar. ergänzenden Stücke (Joh. 21. 25). 

Das k ist ausgefallen in mts, das häufiger vorkommt als meto: mrfcTe ca 
Mat. 10. 19; Luc. 12. 11. 22 (dagegen nkivfev« ca Mat. 6. 34); nccArk, ncn Mat. 15. 
26. 27; HancdTH ca Luc. 2. 3; ncaiic Mat. 26. 31; mmNHux Mat. 13, 29. 30, Luc. 
3. 17; 22. 31; nuuHHUA Mat. 13, 25; mniHHMkH« Joh. 12. 24 (dagegen z. B. nkiut- 
hhujk Mare. 4. 28); Atu-k Joh. 14.10; ct^auia ca Mat. 27.62 ; c-skpahh Mat. 18.20; 
HsspAujA Mat. 13. 48: Kc-fey-t. Lue. 21.17 (Kc-tecro 314.14 ist aus dem Zogr.!); 
■rrer-'k Joh. 5. 23, MTser-h. ib., hth Mare. 10.19; ckNAwuiTH Marc. 6. 2, c-kfiau. Luc. 
22. 66; acha«*« Mat. 22. 24, Marc. 9.1; 12. 36; 13. 30; «Tp-kumja Luc. 19. 30. 
Immer wird hier -»-ba® (-jkka») geschrieben in «»ah^-ba®. 

Man sieht, daß die Halbvokale im Mar. besser bewahrt werden 
als im Zogr., aber ihre Qualität wird nicht unterschieden, da ge¬ 
bührt wieder der Vorzug dem letzteren Denkmale. 

Im Glagolita Clozianus findet sich o für 7k in KpoEkKU 313, 
316; AKSKOBk n 31; AWEOB'kH'klMk 534; HfTKpTvTOKTv II 25; Hd- 
MATOKTi 625. 

Häufiger ist f für k. A EHh 78, 98, 491, 643 (nie A kHt als 
Horn. Sg., sondern als GL PL); AhH<*k 34, 757, 788, 791, 817,' 818, 
819, 820, 823, 825, 828, a^h^t* II33 (auch a^ht»^ 875), a 1 "- 
HfckirRro 427; JK£3ATk 593 (mehh 771); hecte 31, MfcThEK 25 
(gegen ukcTk 439, u-kctk 99, 552); KpfcTTk 608, 633; npnuifATo 
42, npHUiEA 1 ^ 591) 713, 953, npHUiEATkiuio 333, npHuiEATkiuH 335, 
flpHiutcTBtrk 428, npmjuECTHE 793; ckUJEATk 782, ideai» H 92, 
508, KTviiHA'k n 136, uitAT». 345; npoKAEHkun 107; npocTsptk 
696, npocTipn 695; oEEiiiT'kHHK'k 513; nkpf hTi H 20; aat«.:k£ht>. 
89, 109, 119, 142 (dagegen A A 'i»'Ht'kHi 79); axkaueh-u 408; he- 
AXJKfHTvHA H 118; HfnpkCTXnHOf H 14; NEHCTkA’lvHEH’k 907; 
H£c r kM'kicA£H , k 325; cocehaI; (= c'kndekHd’fc) 615; xr'kAfH'k 868; 
MAAA’kHEltk 6, 33; MAdAENEMTv 21; npkBkH£lIk 902, np-kKUHEIUk 
907; HAOBkKOAioKtHk 546; 'fcrHEiik 850; HEfipdEEAkH'ki 773, npa- 
BEAkHHKA 931, npdKEATkHO 641, npaBEA'EHAd 63, npdB£A r kHTd)fk 
63, npdBEA'LHOi 328, 949; beaehte auch npHEUTkiue 75 neben 
npHHM’k 378, 641, 946. 

In der Deklination der «-Stämme haben wir auch e st. k (elf¬ 
mal), was jedoch nicht in Betracht kommt. 



198 


Lautlehre. 


Sehr häufig werden auch die Halbvokale ausgelassen: saa II 91; ab« 
844, 954, ab4:aw 863; KHHnj II 6, kt« n 109, 287; «n«r« II 5, 480, 757, 759, 
760, AtH«r»Mh 407 ; MH»3 - fciWH II 20, AiN»r«t II113, MH«ra II120, 205, «n«3-i; 302 
(Vgl. auch AÖwru 379, Atwr» 759), ammskhtc ca 422; hahatka 224, hamatkta 270; 
n*kcK«A\a 565; t-akm» H 79, 511, tkm» 416. ctboph- wird 24 mal so, also ohne -a 
geschrieben gegen cvtboph-, das lOmal vorkommt; dazu noch cmhpehae 521. 

a ist ausgefallen in: aihatts 337, iioaui/mute II 80, iwaihht'a II131, (mmhhaca 
526, n«AtHHiiiH 668, ncAM-feAp; 858; hcahaima 55, ncANA-fc 673, hcahuiua 149, c-a- 
ncAB'A 711, K-AncAH» 83, 87, MAriCANA 688; eIphai-o 50, s-fepHA 148, B-kpi« 1119; c-a- 
nACN-tn 755; K«ynno 551; ii«a«eha 244, ii«aokn«a\a 406; np«THBHA 470; chan-4h 576; 
qp-AAiaoe 301, k«sovaih-aimh 388; insbesondere häufig, wo zwei h Zusammen¬ 
treffen : EE3AK«HHHK T A 931 J EC3AK«MHUAft 243, 3AK»HHXi* 650, 3AK»HNA 296, 3AK«HH«y- 
Afey 706; EecivfeHHAr» 940; hcthiihj-I; 331, 906, iicbhhha 152, doch wird hier der 
ausgefallene Halbvokal auch durch ein Zeichen angedeutet. Weiter: cpaaue 
494, CpAU‘AtA 148, Cp-AAgA 4; CTJpU,H 3, CTApUA 33, TB«PHA 267, aiaaa1hu,h 45; 
PA3HACTBAE 238. 

Mit Rücksicht auf den geringeren Umfang des Denkmals ist 
die Zahl dieser Fälle immerhin bedeutend. 

Im Psalterium sinaiticum werden die Halbvokale häufig 
durch volle vertreten. So finden wir hier: Konrtk 17. 7 (neben 
KivnAiv 101. 2); corkiyttf 21. 10; bohta 30. 12 usw.; AOJKk 32. 17; 
115. 2; cohta 72. 20; 126. 2; cotta 117. 12(?); 304 r k (Gen. pl. zu 
3’KAO) 87. 4; aoikATk 134. 7; boohja 68. 4, entweder als Bonkkk 
aufzufassen oder von kchiae (17. 7) beeinflußt; noponkTduiMt 
105. 25, noponnipKRTTA 58. 16; hco^Ta 101. 12; kpokta 104. 29; 
nAOTK 15. 9; — Kp’fcnoKTA 7. 12; 23. 8; 70. 7; KporoKTv 85. 5; 
iiata30KTa 34. 6; hah/ZTOKTa 101. 26; 104. 36; n-Ecoirk 77. 27; 
cx^oeta 118. 20. 102 setzt ein cxa'kea voraus (vgl. ca^a/beamta 
118. 108, csä^TaE-R 118. 149 nsw. und cka^oak usw. im Zogr.); 
HPKOBk 25. 5; ctaIHOjck 46. 1; 102. 17. 

Häufig bei Präfixen und Präpositionen: kohtaMh 16. 1; 21.2; 
34. 23 nsw.; bohta3i 31. 4; 40. 7; eoutaBa^Ta 17. 7; 21. 25, bo3Ta- 
kauja 21. 6; bockptaCHä 11. 6; kockptaCh«tta 75. 10; B03kpU 
91. 12; B03kpHTTA 111. 8; bostaMH 27. 9; bo3mätta 90. 12, bo~ 
3TAU-kTt 23. 9; K03rpkmrK 17. 14; coeptaBihtaIPa 16. 14; coav- 
rauiA 17.46; 26.12; co3,A,AUif 32. 9; co3A<*koh 93.9; co3Ta- 
AABIaI 32. 15; ccEkpAüiiA ca 2. 2; cohTaM'Ic 110. 1; cocta)(Aa 
101. 4; boch’R 96. 11 (vgl. ck-KatTa Mar. Mat. 5. 45); analogisch 
kann cobaashh 106. 40 erklärt werden. 



Lautlehre. 


199 


Zu beachten ist auch roh hx (aus rt» hhx) 34, 27; 69. 5 (neben 
r'kihx 15. 8 usw., k’kjhhx 37. 18 usw.), das analog zu beurteilen 
ist wie H3KeACH tia 80.11 und « 03 ,a,akoh 93. 9; np’SMXApOH 
48. 11; np'fcnoAOKkHOH 31. 6; thom asiikHOH 82.11; ionoh 118. 9 
und andere (Geitler S. xvm—xix); weiter auch cktrkpHTo h (aus 
C’kM'KpHT'k H) 9. 30 (10. 9); H3KAKHTO H 21. 9; cTtETO H («TxnA- 
«TTs. H); KTvC^KAAbÄTO H (KTvCyKAAlATTx H) 68. 35; nOIATO H 
77.71; KTiBHicxTO h 106.32; nojKp’Rjfoiiio h (nojuptL^cmiTx h) 
34.25. 

Ferner: ko c'kr'Rt’k 1. 5, ro crmke 11. 6, ko CktipTiTH 12. 4, 
KO MH-fc 16. 3, KO CTkSliJfk 16. 5, (K)0 KkCX 3JMAIX 18. 5, KO 
htxjkc 19. 10, ko Hk 117. 24, ko KpivEH 29. 10 usw., besonders 
fällt auf: KOBk b-Kkti 135. 7 (vgl. ß r kK k Kt kt». 135. 21); co uhoix 

22. 4; 33. 4 usw.; ko mknIl 16. 6; 30. 3; np%a,o u-kHoix 15. 8, 

np'RAO mhokk 22. 5; 72.16, np'KA 0 Hk 71. 9; no^xf!) uhoix 
17. 40; ha^o mhoix 17. 37, EkChMH 77. 32; 88. 8; oto 

CkUpixTH . . . OTO K'k.enonA’kSeHH'K 114. 8, OTO BkCSKOrO OXTH 
118.101, oto c r kB'fc,A,' KH6H 118. 152.157. 

Man wird bemerken, daß die nächste Silbe immer einen Halb¬ 
vokal enthielt. 

Der Schreiber unseres Denkmals verwechselt auch o mit ’k in 
Fällen wie CATiKfca 17. 30; E'kCTajfkM'k 19. 9 1 ); OTMirnTt: 31. 4; 
noKpTvKHTfAk 70. 6; am meisten fällt auf hmo (Satzende) für hui 
(Dat. pl.) 103. 8 2 ). Eine analoge Erscheinung werden wir auch 
bei k beobachten. 

t für k finden wir in: Aeen 7. 3; 9. 30; 16. 12; 21. 14. . .; 
ckutuix 7. 8; 15. 4; 21. 17 usw.; 12; 18. 3; 19. 2; 21. 3 

usw., A eHl1 17- 19 usw., nicht selten auch: Keck 24. 5, Kick 

A«Hk 36. 26; 37. 7 usw.; uecTn 57. 11, wecTkHHKA 8. 3; necTkix 
8. 6, aecTTv 28. 1, necTk 95. 8; 98. 4, uecTkHO 71. 14; AtcTkix 

23. 4; AtcTk 34. 3, necTTv 51. 4; 104. 25; TeukHA 17. 12, TiMkHA’S 
119. 5 usw.; CTiSk 17. 46; «AtSTx 38. 13; neck 58. 7, sogar ne- 
ckiA 77. 45, jedoch: nkcixiA 104. 31; BkuitA'k 117.19, OKnuie- 


*) Vgl. roAMKHKk/Hh, I 27, 29, bu^mi» u. a. auf dem cyrill. maked. Blatte. 
s ) Hierher gehört aber nicht foruuw 11. o, wie Geitler meinte, denn es 
ist das Part. prät. fär das grieeh. toiis unovtas. 



200 


Lautlehre. 


ATvUJ« 117. 11, npmiHAKCTBO u. a.; be3A £ hhe 35. 7 (ygl. kiba^h’w 
76. 17, ursprünglich nur KSSA'UHa); >ke3aTv 44. 7 (bis), vgl. dagegen 
%k3A0iuik 88. 33; BkCKp'fcck 101. 14; KpiHke 17. 43; nocKptJKk- 
4iETTv 36. 12; npAKEA'LH'ki)fk 1. 6; npdBCAkHd 2. 12, npdßtA'k- 
hhka 5. 13 und zahlreiche andere Formen davon; ah**' 11 2 - 7; 
CKS>AfATi 21. 16, CKa\A f AkHHKA 2. 9; 4 pfCTBH( 102. 19 und eaa- 
Atuuectehe 102. 22 setzt die Endung -kCTBke voraus; X’P HK{Tlv 
68. 24; KONEL^k 2. 8; 17. 36; 45. 10; teuere 28. 6; riAAAMiEUk 
(Gen. pl.) cT 0 tfA fHS| 4 'k 54.24; npmukAEiik 38.13; 118.19, da¬ 
gegen ganz regelrecht: npmjuEAkiia 93. 6 und npmuEAkUH 104. 12, 
welche Beispiele instruktiv sind. Dann sehr häufig -fH'k: hemo- 
ipEH'k 6. 3, npaBkAfH’k 7. 12 und npaß'kA«H'k. 10. 7, KOYpfH'k 
10. 6, (np’6)noAOß tH ' h 17 - 20 ! 34. 10 ; 49 - 21 1 70 - 20 > ««nopo- 
MEHTi 17. 30. 33, UkAfN'k 17. 36, HEflOEHHEHTv 23. 4, CHAEHTv 
23. 8(bis), CTpauiEHTv 46. 3 und zahlreiche andere derartige Worte, 
dazu da.Tin auch das häufige KE3AKOH£Hk£. — mopeckt». 77. 27, 
CHOHECKT». 136. 3. 

Dem oben angeführten h3beaoh, npUmuKAP 0 » u. a. entspricht 
hier: ß’h.CAJKA*** 93. 9; BTüLUkHEH 9. 3; 17.14; hhi^ieh 9. 23 (10.2); 
beaeh 46. 3. 8 (neben eeauh 47. 2); dann auch nopxraHEH (Gen. 
pl.) 37. 8. Solche Formen bilden hier die Regel, z. B. ottk 3ha- 
iueheh 64. 9; ottv noKEA’kHEH 118.120; 3anoirfcA £H H8. 131.176, 
onpABT>.AAHEH 118. 141. 145. 155; iiUchsh 136. 3, neben ckp^keh 
ausnahmsweise auch cKp r kßnu 137. 7; A HfH 101.24; awaeh 3. 7; 
7. 8 u. a. 

Was oben bezüglich des o und %. bemerkt wurde, gilt auch 
hier; daher: KkAA-fcnoTA 8. 2 (st. BSAkAtmoTA), ß-UAlinoT^ 19. 6; 
o HkMTi 65. 6 (st. o itEMk), HAAk BkCkMH (ßkCkMu) 137. 2. Wenn 
hier A° koheha 71. 8 geschrieben wird, so können wir es nieht 
als den Reflex der wirklichen Aussprache auffassen. 

Gegen die bis jetzt behandelten glag. Denkmäler sticht das 
Psalt. sin. einigermaßen insofern ab, als es die Halbvokale mehr 
bewahrt. Nur in gewissen Wortformen wird der Halbvokal häufiger 
ausgelassen, sonst geschieht es vereinzelt. 

Das -K ist geschwunden in mh®« 17. 23. 37. 40; 21. 45; 22. 4; 33. 4 und 
sonst noch; häufig auch in M-uier-: aw«shh 3. 2 (bis), 3; 4. 7, oi-a\h®!khuim> 4. 8; 
15. 4; AiHssKTvcTBeM-a 5. 8; oy AUM!KHl '’’ 1 11. 9 und sonst noch in verschiedenen 



Lautlehre. 


201 


Formen, m-Hua 10.1, hthuia 49.11, häufiger jedoch mit h (ursprünglich -k), 
z. B. ntTHUMi 77. 27, nivTHua/wa 79. 2, hkthua 123. 7 usw.; oti. 3/u 33.14, anu 
33. 17; . vereinzelt: Kp-tnuH 46. 10; B-k3Ka)"K 68.5; kto 107.11 (bis) ; cpsapuk 32.9 
cKoHkMdistA 72. 19; 78. 33; einigemal bei cktböphth : cTRspHp, 7. 4, ctb«ph 38.10; 
77.12; 103.24; 108.21; 110.4; 134.6.7, ctbopha'k 39. 6; ctbsphtt, 65. 12, 
cTsepküiwMof 135. 4. Häufiger mit v: c-ktbcphttv 36. 5; cbtboph 70.19; 77. 50; 
98. 4, cvTsapH 85. 9; 114.7; 117. 16 (bis). 24; cbtepphujia 106. 37, c’etbopha'k 
108. 27; 118. 65, c-kTBopHCTt 118. 73, chTBppHyh 118. 112. 126; 125. 3, cBTEppHyu 
118.121, civTBppuui««^- 135. 5. 7. 

Das Bist häufig ausgefallen in ,wfc: 27; 3.8; 16.3; 24.21; 26.12; 29,12; 
30. 5 usw. Häufiger auch zwischen zwei h, wie wir es auch z. B. im Grlag. 
Cloz. beobachtet haben: koakohnhuh 36.28; 103.35, Kf3AK»KHkf 108.14; 124.5. 
Ef3AK0HMHH 118. 150; MACAHHirU 127. 3; nW c VTjIHNTJHA\H 119. 4, irfecBb. CTfntNHd häufig 
(cTmeHkHd nur Ps. 127); a hh 38. 6, ah* 60. 9, A h 6 h 101.24, ahrs 102. 15; 108. 8; 
k«v 40. 8, Rc-fc 55. 6. Vereinzelt nur: k«hu> 40.1. a« konua 43. 24 (23); koaechhua 
67. 18; npdKAd 118- 172; np-fineA*™» 29. 5; npH3p-fe 32,14. 

Man sieht, daß die Zahl der Wortkategorien, in denen die Halb¬ 
vokale ausfallen, viel geringer ist als bei den früher besprochenen 
glag. Denkmälern. 

Während sich das Euchologium sinaiticum, was die Be¬ 
handlung der Halbvokale betrifft, vielfach an das Psalt. sin. an¬ 
schließt ("k für o) und gleichzeitig auch an den Cod. Mar. (Präp. 
und Präfixe mit o st. u), so weicht es doch auch andererseits ab. 
Vgl. das Material bei P. Lang in »Zpräva o cis. kräl. real, a vys- 
sim gymn. v Pribrami« 1888, S. 7—23. 

o für ix finden wir hier in: kohTi. 19b; cohti 37b; cotkhhktv 
51a; cyccn'kujHHM'ii 57a, OYeon’kutaaro 57b, oycomkuiHHjf'k 64a; 
oyTCKAii (vielleicht ovtekat,) 54b; KpoKkix 29a; irtcTO aoetv- 
HOt [%Qavtov Törtog) 50a; secnAOT'kH'kHA 84a, GtcnAOTkNHH 84 a, 
EecnAOT’kH'Mjf'k 88a: hcaoteeno (äxpevdws) 65b; tok’uo 65b, 88b, 
95b, tok'ksjo 103b; ■sroA'k 37a; ko ev-Kkomk a^a^l 12b, 15b, 
17a, ko k’cKko 14b, 82b, bo K’dvyTj. 27b, 106a, ko k’c'Kme 65a, 
98b, ko B’rEjKaraeuaa 16b; ko KT^Topo« 65a, 87b; bo-he 46a; 
co k’cKme 13b, co mhokk 47a; 85b, co mnI; (wohl für mh(, MfHf) 
78a; — H£C03'kps t AH'ki 1b, ott*. coB'kA^HH'k 1b, C03'kA<»HHe 53a, 
56a, co3 r kAAAi». 57b; coK-kpauiA 106b. 

UAKOEnk 15b, nocA’kA® 141 ' 62b, kpotoktv 89b, 99a, cAaAOK’k 
69 b, HoroTiv 36b. 

npoAorock 5a, naoAOck 14a. 



202 


Lautlehre. 


A'Jpox’Ti 98b, aweokiv 11a, 72b, 81b, 90b, aiokoshbr 10b (bis), 
11a, 86b, 92b, 105b, ivkAOßk (salus) 33b, hUaoehkr 33a, cmo- 

KOEH HEnAOAOBHTlJH 35a. 

Vereinzelt: npHCMOH rp"fc;pi 5b und ctoh (= cb-atoh) 17a, 
sonst bildet hier beim Adjektiv -tu (-tui, -tuh) die Regel, während 
im Ps. sin. -oh in diesen Fällen nicht selten ist. Ebenso iiotettu 
7 b nsw. 

Das tv steht für o: rt» Tp'KTTvp'kjf'K (in tartaro) 55b gegen 
TpiiTopTv 54b, Tp’KTOp’kcK’k 51b, 53b, 55a; noA’kK'kN* (st. 

Das t taucht für k auf: uha- und seine Ableitungen 2b, 4b, 
7a, 7b, 10a, 16a, 17b, 18a, 23a, 25b, 30b, 31a, 33a, 34b, 36a, 
38b, 39a (dreimal), 40a, 41b, 53a, 60b, 61b, 63b, 64b, 65a, 67a, 
73b, 81a, 82a, 87b, 95b, 104a, 106b; pucniHuu ca 50a, npo- 
nsH’kuiHHjf’k 101a; mecte 13a, 71a, 79b, 83b, 95b, HscTkHTv la, 
7a, 9b, 13b, 23a, 22a, 27a, 61b, 66b, 78a, 78b(bis), netecthe 
32b, npHMfTKHHKTi 57b, 102a usw.; noutTTU 7b, oymupTiiuAiA 
13b, cnfMtp’kiHaaro 57b, oyMEpTiiUHHMk 98a; nur: H3EMT». 34a, 
npHEM'k 4b, 46b, 75b, 96a, 96b, npHtuiu 13 b, 15b usw., noATi- 
£MT>. 67a, emtv 96a, Bk3£MT>. usw., nie -hmt».; lutmvTAHHt 91b; 
ocAtmvUJtMk 32b, 33b; A tHk 34a, 44a, 48a, 55a, 62a, 64b, 74b 
usw., noAOYAfH’tm» 50b, 59b; bece 3b, 11b, 23b, 57a, 

93b, reck 42b; AEniKin 58b, 78b, 85b, 89b, aek’kkt«. 38a, 100a; 
TEUkHTi 32b, 37a, et», temehhu,« 79a; tokeshe 13a; R’c’fcY’k 
CTE3k 42b, 46a (gegen cte3a 48b usw.); xoai 36a, 54b (»k- 
3A0Mk 52b); abepbmh 41b, ABEpkiny-k 97a, A Kt P kl t dMH 100a; 
AECTkHAd 76b, AECT'kHTUM’k 94a; flECk 91a; OEEMTkNHKA 74a, 
80a; rHECk 78; eesaehhI;: 4a; noA£3kH r ki 18a, bpehheme 33a, 
TpECTHBRÖOa, TpECTH-R 54b; pfEkHHTEAEM'k 60a, flOpEE'kHOyHM’k 
70a, CKpEJEklUTETTv 88a; CA£3*k 78a, pERCkTAHHE 91b, KpECTk’SHTk 
66b, KpECTktHCKTU 67a. 

npaEEAkHTU 2 a, 7 a, 16 a, 59 a, 63 b, 72 b, 85 b, 87 b, 101b, 
102a, npaBEAkHHK'k 49a (bis), 74a, npaßEAkHHTk 64b, HEtipa- 
BEAkHiu 60b, 68b, 72a, 75a, 78a; noAOKECTBHE (aus -kcrßkE) 
10b, rocnoA^TKHE 45b, i^pectehe 62a, eeahmectbhe 74a, 80a, 
BHCECTBkHTU 3a, 52b, 53b, 56b, 74a; poJKA*CTKkHOBR 10b, eah- 
HOfCTECTßkHTi. 61a. 



Lautlehre. 


203 


Im Suffixe -b.u,k: npaROCAOBEHk 2b, 'iKÄfOEEU.k 8a, 14a, 26a, 
63a; A dKC 4 k 8b, TEAEi^k 15b, 90b, cxusnk 16a, arHEHk 16b, 
OT-k cTape^k 49a, R’tHfi^k 50a, 57b, 97b, Tßoptnk 51a, 85b, 
3 R’K 3 A 03 kptnk 54a und viele andere; bei -kH'k: hehchhcaheht!., 
HEH3rrtaroAaHEH'k 4a, eesnahaaeht». 4a, EEC'ki*p , kTSH , k 14a, 58a, 
c'k.U'SpEH'k 14b, 32a, 61b, 89b, 95a, 105b, cTpaHSNTk 18a, no- 
rhhehtv 28b usw.; EpAUJEHkite 103a, EpaujEH’nA 104b, npA3A«- 
HkCTEO 2a, 2b; bei anderen Suffixen: tajkek'e 97a; cr’Ktea'K 
63a; f.!X>K£CK'k, jkehecktv 54a, HAeAtcirk 54a, A’k’ rfCK ' k 104b; 
CKpiiJKSTTk 106b, maaeh’ko 44a. 

H’UUTk.HEH 93a, Bk A kHechHeH A*Nk 95b, npOMEH MHHT». 99b, 
TpETkEH A 4Hk 34a, 44a, 67a, beaeh 3b, 55a (sonst überall- hh: 
ß'k TpETkHH MACk 50a. 

Regelrecht: oehobaeh 5a, noTonAEH 5b, civnoAOEAEH 10b, 
14b, abaeh 13a, 35a, 63b, 65b, bubaweaeh 81a, «3boaeh 10b, 
14a, 15a, nouoAEH ca 47a, 63b, 65b, rtvSaweash 81a, hbboaeh 
10b, 14a, 15a, cvrBoptH 47b, 61a, 67a, pACTEopEH 20b, np-fc- 
kaoneh 28b, 38b, 73b, ck^paneh 37a, hchat^heh 63a, btiBA- 
koheh 80b, a (uj eh 47a (a*chth), ckEpkuuEH 13a, hctomsh 29 a, 
29b, noAOjKEH 42a, 80a, np’kAOJKEH 5b, 84a, ^ojka«h 18a, cbo- 
EOKAf« 5b, ock^luteh 34a, aanp’feuiTEH 35a, nocfeuiTEH 17b, 
m>YUJTEH 47a, npocßkuiTEH 63b, HcnoyuiTEH 30a, HcnoycTEH 
38b, b'ksb'Euiteh 32b. Mit -hh finden wir hier nur einen Beleg: 
RTJ.3AK0HHH 10b. 

Im Akk. des Part. präs. und prät.: cxuiteh 28a, exa^uJTeh 
29a, JKAH5AKBUJTEH . . . TBOpAUlTEH 29b, pACTXUlTEH 34b, JfO- 
AAUJTEH 42 a, ffOTAUJTEH 67b, K-klBTiUlEH 78a, A^BTiUISH 93b. 
Nur in zwei Fällen -hh: pA3rpkA'fcß'kiiJHH 51a, et». HsrAUJKR- 
iuthh orHk 55b. 

Hierher gehört auch ceh (hier nur im Akk. Sg. belegt): flirr h 
n'kCAA’kU'k CEH 11b, CTHJfk CEH 11b, FaETTv fTkCAA'kM'k CEH 

73b; 74b, 76a, 77b (im Supr. dafür chh, das häufiger ist als ck). 

Ebenso im Gen. pl. der «-Stämme: beuiteh la, cBteh 18b, 81a, 
muücaeh 24a, oTk eoaUbheh h ott* cKpkEEH 28a, H£npH*k3HEH 
30b, nSvTEH 36a, 42b, 45a, 46a, 106b, A Kk P‘ H 37a, A HfH 18a, 
AkHEH 104a, 104b, mhaocteh 39b, ak>a«h 44b, mxapocteh . . . 
h KpHnocTEH 45a, rocnc>A eH 51a, bahob’Eaeh 74a, 83b, CEpkEEH 



204 


Lautlehre. 


75b, TKdpf h 65a, nanucTiH 84b, rxc/UH 88a, a ,St£h 89b, m- 
saAiH 90a, 98b, nop5 Tt n 100b. Auf -uh nur zwei: ak>a^h 23b, 
T’kUlTAHkH 100b. 

Im Gen. pl. der neutralen -z/b-Stämme: kF<mk/uheh 19b, 20a, 
21a, c'Kp’KTfHen 26a, np'RT'kiKAHf h 45b, nocTpaiueHSH 45b, ck- 
ß’RA'^n 75a, (tokea'Bhsh 78a, 78b, eesukohch mohjck 69a, cti- 
rp’kinsHfH 86b, noinuiuAEHCH 92a, np’krp'tuueHtH 98b, ncp&ruHtH 
76a, roNfNEH 6b. 

Das -eh entspricht Mer nicht dem -tü (uh) beim Adj., sondern 
dem -oh, das wieder hier selten ist. 

Die Halbvokale fallen hier nicht selten aus, aber bei weitem 
nicht so häufig, wie im Cod. Assem. Oft wird der unterdrückte 
Halbvokal durch ein Zeichen angedeutet. 

So finden wir Mer: ricHl03a, nVausi* 54 a (vgl. H3 m^-rauA 64 b, iibthua 
59 b), a’hsh 38 a, anh 38 a, an*. 38 a, a« moa^-a’i« 38 a, a’hk h hcujtk 73 b, a’»< 
89 b, a’hkk 85 b, 90b, anecb 2 a, 2 b, 3 a, 3 b usw., sehr häufig; b’ca a’hh 8 a; 
Hf3A«EH-t 97 a (sonst wird regelrecht 3t<i- geschrieben, einmal auch NC3h.A«6E» 
97a); /m’h« 59b, 78b, 76b, 77a, 77b, 78a, 84b(bis), 85a, awe 33b, 39a, 47a, 
76a, 77a (auwe kommt hier auch noch vor: 33b, 47a usw.); AiVb 72b, 76b, 
78 b, 89 b, -uni- 36 a, 41 a, 66 b, 74 a, 75 b, 76 a (bis), 76 b, 78 a, 85 b, 86 a, 90 a; 
mn«wl 47 a, 72 b, 76 b (bis), 79 a, 85 a, 85 b; k’t« 48 a, 69 a, 69 b, 83 b, 84 a, 
102 a (mehrmals), 102 b, 103 a, 103 b, 104 a, 104 b, 105 a, 105 b, hhk’tojke 91a; 
>iVo68a, 102 b (mehrmals), 104 a, 104 b; ashaewe 47 a; A\’nkTH20b; regelrecht 
in den Formen von bkck, Bac-iwa, AvT.n«r-K und was davon abgeleitet ist. Die 
beiden ersten Worte werden — bis auf 13 Fälle — nicht anders geschrieben 
als b’ck und b’c4:kt,; Ai-aucn, wurde 36 mal ohne den Halbvokal und neunmal 
mit demselben geschrieben. Zweimal -jka«: koai»y>kao 89 a, ksauoka« 62 a und 
einmal k«aa«y*’a® 106 a. 

ASJKfcNd 4b, 62a hatte im Aksl. überhaupt nicht das k; dann: btauihb 1 a, 
7 b; H3-k'kcHh.ujHHAVB 53a; HenpkcTAH’H» 81 a, 93a, HEnp-kcTAH’Na 95 a; ckkpWho- 
AWBH-k 70 b, heckbp'bh’hx 22 b, neoctokaen’ho 22 a, 58 a; nshsapehsn’nti 52 b, 58 a, 
HfH3rAdr«AdH’Hii 52 a, hcthh’ht» 16 a, 94b, mit -h’h- noch einige; hsiwpob’h« 50a, 
NEnscT-UAHSMK 100 b; npa’BA'h 89 a; Kpknit« 85 b, na>iAT’Ka 67 a, taw’ko 76 a, 
maaeb’k« 44 a, tok’m« 65 b, 88 b, 95 b; KpfcThdtucK-u 67 a, An'kK«n’cTKd 10 a, 65 a, 
96 b; aj’hpw’ctbo 85 a, «tVtb» 102 a; ob’ua 82 b; catvh’u« 4 a, 63 b, 85 b; epa- 
uiin’ndl04a, 104 b; a« KoH’ualla usw., kohua 11 b, 99 b, hptchheaak 38 b, mptehua 
82 b , ntB’uH 101a, b4:h’ua 84 b, LkMo r;'4£ 12 b, 24 b, 39 b, 100 b; ikaiaehe 21a, 
Y«a»e’k 6 89 b, «t’mctb« 102 a. 

Ein einziges Mal ctbcphtt* 102 a und cik>a«bh 81 b, r'ceah 30 a, B’ctdptT-k 
(st. k’ce ...) 46 a, 48 b, b’ciaenaa 1 a, 1 b, 14 b, 53 b, a’mrAd 73 a. 

Im Auslaut: «Y TaHT ’ CA 76 a, cnan-' ca 84a, amaht’ ca 65a, 92 a, necTHT’ ca 
104 b, 105 a, imamet’ 88 a, aehsjkht’ ca 89 a, «yphet’ ca 104 a, rn-badET’ ca, asbht’ 



Lautlehre. 


205 


105 a, noKdfT’ ca 102 a, 102 b, 103 b, 104 a, 104 b, njHRe^xr’ 96 b, hoauahaC ca 
98 a, HAA\*K BfCfAAUITfM’ CA 88 a, <W nMR ’ CA 105 a, I1«KA0N’ CA 61b, CIAfkpHj’ CA 76 b. 
Man wird bemerken, daß in der Regel ein ca naehfolgt, so daß man es 
nicht als einen ungedeckten Wortauslaut auffassen mochte; so auch b’ «A-fext 
64 b, k’ cfK-fc 67 a, 104 a, b’ heaib. 29 a, b’ cer« 46 a, k’ 51 b. Man sieht, daß 
der Abfall in der zweiten Hälfte des Denkmals häufiger ist. Ein ganz an¬ 
deres Bild wird uns in dieser Hinsicht der Cod. Assem. bieten. 

Sehr stark ist die Yokalisierung der Halbvokale auch im Cod. 
Ässemanianus durchgedrungen. Was den Ausfall derselben an¬ 
belangt, so ist er unter den glag. Denkmälern am weitesten ge¬ 
gangen. 

o für "H finden wir in: kohts. Joh. 6. 37; 9. 34. 35; 12. 31; 
Luc. 24. 50; Mat. 21. 39; Luc. 13. 28; Mat. 26. 75; Joh. 15. 6; 
18. 29; 19. 4 (bis); 5.13 (auch S. 132); Mat. 13. 48; aojkb Joh. 8. 55; 
kohcba® J°h- 6- 7; Mat. 18. 35; Luc. 13. 15; cocbua Luc. 11. 27; 
Hds atokta Joh. 8. 25; S. 126; Kp'fcnoK’k Mat. 14. 30; Luc. 15. 14; 
kpctokta Mat. 11. 29; 21. 5; he'Baouj'b (Gen. pl.) Mat. 15. 32; 
khhoc Mat. 17. 25, khhocb Mat. 22. 17, khhocbh'bi Mat. 22. 19; 
cMOKOBUHHi^A Mat. 24. 32; cmokoetvHhi^ebr Joh. 1. 49. 51; rpkobb 
M at. 26. 61; 27. 40; 16. 18, üyjKOB’B Luc. 2. 27; üfpKOBHBR Mat. 
23. 35; amkobb Joh. 13. 35; AaKOTB (Gen. pl.) Joh. 21. 8; bi». 
AOMojpB Mat. 11. 8; MHpoc Joh. 9. 39; NapoAocB Joh. 7. 49; 
oupasocB Mat. 22. 20; p©A® c Mat. 24. 34, Ha p©A®ci» Mat. 23. 36; 
HHenAEMEMkHHKoe Luc. 17.18; paKOTTw Mat. 18. 26; 24. 48, pacoT 
Mat. 18. 28; kaebp’Ktot'b Mat. 18. 29; oi/'mehhkot'b Joh. 21. 23. 

In Präfixen und Präpositionen: cohbmhuitb Luc. 13.10; coSBAa 
Mat. 21. 33; cOETvKoymnuA CA l uc . 24 . 33; b© B'BCKpkiUEHHE 
Joh. 5. 29; bo mh’K Joh. 14. 11. 20; bo— hb Joh. 8. 30; 12. 42; 
KO MNU Joh. 7. 37 (S. 40). 

Bezeichnend ist: oyeh'Km© h Mat.21.38 (S.58) und aejkhto—cb 
L uc. 2. 34. Dementsprechend würden wir hier auch Formen wie 
AoepoH, cbatoh, beaoh u. dgl. erwarten, allein sie kommen 
hier nicht vor, wohl aber die parallelen auf -eh, wie eauiteh Mar. 
10. 43; cTiTBopEH Lue. 10. 37 usw. 

Ungemein zahlreich sind die Fälle mit e st. b: becb Joh. 1. 10; 
4. 53; 5. 22; 9. 34; 11. 50; becTv Mat. 8. 34 usw.; becb (vicus) 
Luc. 24.13, kec'b Luc. 24. 28 usw.; A EHk Luc. 24.13. 21; Joh. 1. 44 
(Aeh), a*» 11 Gen. Pl. Joh. 20. 26; Joh. 6. 22. 39; A tH ' K Jot. 6. 44 



206 


Lautlehre. 


und sehr häufig noch, A £HtMH Joh. 2. 19 (bis), a £H£T Joh. 1. 40; 
Luc. 21.34 (A«Hr— tti); a £HH£ Mat. 24. 22; Luc. 1. 23. 57; A'kHECk 
Luc. 24. 21, A hH£C Mat. 6. 11; A fel «a» Mat. 6. 30; Luc. 5. 26; 
19. 5. 9; TEMkHHi^ai Joh. 3. 24, Temns.NHn;RMat. 22.16; temkhhi^h 
M at. 25. 36. 39. 43, Mar. 6. 28, temuhhiva Lue. 21. 12; tehtkhhuh 
M ar. 6. 27, überaus häufig ist ujea-, z. B. uiea^iuww Joh. 1. 41; 
cts.uiea'ui Joh. 3. 13, npHiiiEA'KUJHHU.ns. Joh. 5. 17; 5. 24, npniuE- 
ATvUJA Mar. 15. 1, huiea'uuia Mar. 16. 8, ckuieatjJ Joh. 6. 51. 58, 
npHUJEA^ Mar. 15. 43; Joh. 4. 54 usw.; npHUJE/vu. Joh. 3. 2; 6. 17; 
Mat. 8. 29; Luc. 4. 34; np-üuiEA'k Mat. 8. 34; iiphujectehe Mat. 
24. 39 (aus -uikcTßkE); 24. 3. 27. 39; analogisch ist npmusAEiYk 
Luc. 24. 18 zu erklären (nach -uieatv und nach den Wörtern auf 
-EHh. aus -b.ua): MEHkuiHH^ Mat. 25. 40. 45 (-HX”k), mentiujh Luc. 
15.12, MEHkLUH Mat. 2. 6, MEHkuimimt Luc. 7. 47; a^ £ P^mh Joh. 

10. 1; a ks P mh Joh. -10. 2, A B{ P k Joh. 10. 7. 9, ak £ P Joh. 10. 9, 
AKEpkHHivk Joh. 10. 3, A^P^MHhH Joh. 18. 16; «EEcrkirfcH Lue. 
14. 8, MECTkHcnfMOY S. 131; aecte Mat. 27. 64, aecthke (aus 
AkCTküE oder nach dem 3STom. Akk.) Mat. 26. 4; ciHfut Mat. 
26. 59; AtrkKO Mat. 11. 30; tectu Joh. 18. 13; A £K P k Luc. 3. 5; 
hamehtv Luc. 24. 27; Mat. 14. 30; 20. 8, hamehkuje Luc. 24.47, 
HAMEH'kiuto Mat. 18. 24; oy^'P^^ Luc. 7. 12, OYMEpTviuaAro Joh. 

11. 39, oYMEpnu Joh. 11. 44; 12. 1, oy M£ P 1 ‘ ui1 >‘ Job. 19. 33 (S. 120), 
0 YM £ P’mua S. 124 (ib.); OTEpnkujH Joh. 11. 2; npocTEpu«. Mat. 14. 31, 
Mar. 1. 41; pacriEHkUiE Mar. 15. 24. 27. 35; Eiv3NE3kuJE Joh. 19. 29, 
E'kBHESk Mat. 27. 48; BTiCtcpECk Mar. 16. 9; et>.3em Mat. 17. 27, 
Kk3fMTv Luc. 10. 35, npiiEM k Luc. 24. 30, Mat. 14. 19; 15. 36, 
npuiM'k! Joh. 3. 33, c'kNEM’k Mar. 15. 46, emiue Mat. 21. 35, emtvüje 
M at. 22. 6, aber auch hmt». 3a pxkx Luc. 8. 54; Mar. 9. 27; ebenso 
34HMii Luc. 6. 35; 11. 5 und saeute Luc. 6. 34 (bis), haemtiNhkti 
L uc. 15. 17. 19 (-MkH-); npaß.EA'KHHK'k Mat. 9. 13, npuEEA’k.HHK'k 
(Gen. pl.) Luc. 5. 32, npABEAumck (Gen. pl.) Mar. 2. 17, npAEEAk- 
HHU.H Mat. 25. 46, npAEEA'kNHKA Mat. 10. 41, npAKEA'kHHME Mat. 
10. 41, npAEEA’KHHHÜE ib., npABEATjkH'WbÄ Mat. 5. 45, HEIipABEA'k" 
II 1 kiEik ib., npasEA'kHHH Mat. 25. 37, HEnpAßEA'bN'hi Luc. 18. 6; 
16.10, npAEEA r kHTjj Joh.7.24; ßHcrpk Mat. 7. 6; iincEp-h. Mat. 13.45; 
cKpTvJKETTi Mat. 8.12; 13.42 (cKp'k.^kT'hMat.22.13); UETEpkAkHE- 
kehti. Joh. 11.39 (analogisch nach -AkHEEkH-w, -a usw. und Adj. wie 



Lautlehre. 


207 


KtipiHTv USW.); Joh. 27. 7.10 (-MH) OEttUTkHHKd Luc. 

5.10; ijtpecTEHt Mat. 25. 34, Mar. 9. 1 (ist aas -KCTKkf entstanden, 
vgl. oben -uucTEHt); ocf at». Lac. 14. 5; d^eTT«. Lac. 23. 36; Joh. 
19. 30; Mat. 27. 34; thtia-e. Joh. 19. 19. 

In Suffixen wie -kue: arHCL^k Joh. 1. 36. 29; EAH3H£i|k Joh. 
11. 16; 20. 24; 21. 2; KOßueJKsuk Joh. 12. 6; CT©YA £ N £ dB Joh. 
4. 6. 11. 12; Luc. 14. 5; OTeu,b. (Gen. pl.) Joh. 7. 22, oreiYk. Lao. 
1. 17; EoroMhTtnk Joh. 9. 31; csvHenk Mat. 7. 34, cxueivk. Mat. 
7. 5; craptnb Mar. 8. 31, Mat. 26. 47 (Gen. pl.); CA-Sneq, Lac. 18. 35; 
E’üHfUb Joh. 19. 2. 5; Mar. 15.17; Mat. 27. 29; AkCT£ii,h. Mat. 27.63; 
np-bK-KNsuik. Mat. 1. 25; Lac. 2. 7; MAdAknenk Lac. 2. 12. 16, 
MAATMunh.Luc. 1.41.44 (-ivk); KOHfuaMat. 24. 31 (bis); Luc. 16.24; 
Mat. 13. 41; pojKf^k Luc. 15. 16; osenk Joh. 10. 26; Mat. 18. 12; 

26. 31; TCAfii^k Lac. 15. 23. 27. 30.-km».: chaihtj. Lac. 24. 19; 

hcthhjntv Joh. 3. 33; 7. 18. 28; 8. 16. 26; Mat. 22. 16; E'ßpcH’k. 
. . . HtE'KpfH'k. Joh. 20. 27; Mat. 17. 17; 25. 21. 23; Mar. 9. 19; 
Lac. 9. 41; ßABctTk Joh. 5. 18; npairkAf« Joh. 5. 30 (S. 11), npa- 
KkAfHTv Joh. 5. 30 (S. 12); Lac. 23. 47; Mat. 1. 19; EAarooEpa3JH'k 
Mar. 15. 43; n©AO K£H,k Joh. 9. 9; 8. 55; Mat. 13. 52; rp’kmtH'k 
Joh. 9. 16; Lue. 5. 8, rpkuuEHk Joh. 9.24; npoTHBtNTi Mat. 14. 24; 
AA'kJKSH’k Mat. 18. 24. 28(bis); Joh. 19. 7; Lac. 7. 41; E'kptH’k 
Lae. 19. 17; CTpdHtirk Mat. 25. 43; KOACHnk Mat. 25. 43; HkcviH'k 
Lac. 7. 2; pa30Y U£H ' k (Gen. pl.) Lac. 10. 21; noEHNfhiv 26. 66; 

27. 24; T’KciH’k Mat. 7. 14; npuiATCH'k. Luc. 4. 24; npHCKß'kEEH’k 
Mar. 6. 26. -eck-: MSiJKtcK'k Mat. 19.4; ?K»ucK'k ib.; cHAOHtcKii. 
Mar. 7. 31. — ce’Ktiatj. Mat. 17. 5. 

Beachtenswert ist das wegen des ersten Vokals schon oben 
erwähnte A £ HE-T"k Luc. 21. 34 und a eH£T Joh. 1.40, das sonst dem 
pdEOTii asw. vollkommen entspricht. 

Weiter cTvTsopeH Lue. 10. 37; oYA^pt« Mat. 26. 68; po;KA £H 
ca Mat. 2. 2, aber auch omohhh Mat. 26. 23 (S. 104). Analog auch 
BiAtH Marc. 16. 4; eoaih Joh. 8. 53; 10. 29; EAUiTtH Mar. 10. 43, 
aber auch eoahh Joh. 4.12; Mat. 18. 1. 4; 23. 11; bsahh Lac. 

7. 16. So auch Gen. pl. A' STeH Mat. 15. 38, Epaum Mar. 5. 26, 
aber auch exthh Mat. 22. 9, ak>ahh Luc. 7. 16, ottv mehaahh 
Luc. 8. 14, BinCHH (Gen. pl. von Bkck); auch noch: cbhhhh Luc. 

8. 32, aehhh Lae. 13. 14 und hhh Mat. 22. 42. 




208 Lautlehre. 

Wie schon erwähnt, fehlt nns hier ein analoges ckatoh, beaoh 
u. dgl. 

Die Halbvokale werden hier so häufig ausgelassen wie in keinem anderen 
aksl. glag. Denkmale. Nicht selten werden sie angedeutet, wie in o’tp Luc. 

24. 17; Job. 2. 4; B’c-fcyk Luc. 24. 27; rIVh-uh Joh. 5. 24; k’tp Joh. 1. 22; Marc. 

16. 3; A\’nor%j Joh. 3. 23, tbk’aw Joh. S. 18, Joh. 6. 22; hhk'tp Joh. 5. 37; 

6. 44 usw. Von solchen Fällen wurde hier abgesehen und auch dann ist die 
Zahl jener überaus groß, in denen der Ausfall unbezeichnet blieb. So das k: 
sehr häufig in den Formen von Ekck, z. B. ech Joh. 1. 7.16; 5. 23, Bckyk Luc. 
24.14. 47, Bc-ftMH Luc. 24. 19; Joh. 3. 31, sek Joh. 5. 20; Mat. 10. 27, bci Joh. 

6, 37, Beere Joh. 4. 42 usw.; ebenso Bein Joh. 3.15, Bckn-k Joh. 6. 40, ac-fcn« 

Joh. 5. 4 usw.; mtp Joh. 1. 47; 8. 46; 12. 27; Luc. 24. 38(bis). 41 usw.; Aurk 
(Dat. u. Lok.) Joh. 1. 27; 6. 37. 65 ; 8.18; 10. 27. 38(bis) usw.; nuiJNHEHPi Joh. 
12. 24, nuieNHu* Mat. 13. 25. 29 (-x). 35; Luc. 3. 17, npETm,. Joh. 12. 26, opasa 
J oh. 12. 19; tau Joh. 12. 35; pycAAtHkuiA ca Mat. 28.17, ainhte ca S. 38, aihht-k 
L uc. 8.18; BHtpa Joh. 4. 52; kpahika® Joh. 14. 13; Mat. 18. 19; 8.19 usw.; cpiEpp 
Mat. 25. 27; 28.15, cpfEp'kNHK'k Mat. 26.15 (dagegen ckpfKppAiPKUH Luc. 16.14); 
HsspaHTd Luc. 23. 35 (hier selten); awaki« Joh. 9.18; 12. 36; Mar. 12. 36; Mat. 
1. 25 (dagegen aohinMh« Joh. 9. 4); eka« Mat. 25. 29; apeua Mat. 4. 18.19; ckpf- 
Ep«AWEUH Luc. 16.14; ctapuh Joh. 12.19; Mat. 26. 3. 59 ; 27. 1. 12. 20. 41; 28.12; 
Joh. 19. 6, ctapua Luc. 7. 3; noynapy Mat. 13. 45; cat^hu« Mat. 13. 43; cpaui Mat. 

6. 21; pbua Joh. 2.14.15; 10. 3. 4. 8. 27; 10.11.16; Luc. 10. 3; Mat. 10.16, 

«BUdA» Joh. 10. 2, »BUAMk Joh. 10. 7, pbuhh Joh. 10. 1. ahjujua Joh. 12. 38; 

epkaphnhuh Joh. 4. 23i); hcthnhp Joh. 21. 24; 19. 35 (auch auf S. 133), HcTHNnkA4-k 
Lue. 16.11, HcTHNHAro Joh. 17. 3 (doch auch hcthh’np Joh. 5. 31. 32 usw.); rp- 
cTHHNHKoy Luc. 10. 35 (aber rccTHNkHHU* Luc. 10, 34); oyrpAMA Joh. 8. 29; ck- 
H-kAH» Luc. 24. 41; ptppeha Luc. 14.19; s-fcpHu Luc. 16.10; 19. 17, B-fepm Mat. 

25. 21; a»spanh Luc. 3. 14; EpkpPEHP Luc. 2.34; MB-kaAipaoia Mat. 19.26, rocnoAH-x 
Mat. 28. 2; kpaha Mat. 25. 44; rpkujNHK'k Joh. 9. 31, rpkuiHHne Mar. 2. 15; noynnp 
Mat. 13. 30; bpauihp Joh. 6. 27 (bis) auf S. 14 und 16; 4. 32. 34, Lue. 3.11; po- 
ACTea Joh 9. 1; cAoyatEx S. 38; npjRA* Luc. 23. 41; rpyAtsp Luc. 3.17; aphhcna 
Luc. 2. 23 (kaum hierher!); ckEtAkTMcrspyi* Joh. 18. 37; 19. 35 (-cteoea), c-k- 
BkAtTfACTBoyeTf Joh. 3. 28, ckskAkTeACTEp Joh. 19.35; 1. 7; 5. 36. 

Das t» fiel aus: ktp Joh. 1. 19; 3. 3. 5; 5. 13; 6. 64; 4. 10; 8. 46. 51 (bis); 
10. 9; 9. 2.12. 36; 12. 26(bis). 34. 38. 47 usw. sehr häufig; nhktp{*() Joh. 1.18; 
3.11.13. 32; 4. 27; 6. 66; 10.18. 28 usw.; mhpk Joh. 1. 27; 8, 29; 10. 9; Mat. 
12. 30 usw.; bei ArkHPr’k: aampttc Joh. 2. 12; 14. 2, auipta Joh. 20. 30; 5. 6; 
6.10; 10. 32; 11. 47; 21. 25, mnp rt Joh. 12. 24, awpsh Joh. 8. 30; 4. 39. 41; 

7. 40; 12. 42; Mat. 8. 1, acip ackern« Joh. 5. 3; a* 1 ^ Joh. 6. 9, arpip Mat. 2. 16; 
KHAsk Joh. 12. 42 (vereinzelt); ethua Mat. 6. 26 (nkTHUA Mat. 8. 20, k aus •e); 
Luc. 8. 5; 9. 58; 13.19; ethuh Mat. 10. 29; etshua Mat. 23. 37; PEpkruiA Luc. 
24. 23; nPC'kAAsuipyAApy Joh. 5. 24, noc-kAARimar« Joh. 5. 30; tAuue Mat. 21. 35; 
PEpirme Luc. 5. 19; pyAupuuA Luc. 7.12, oyAupuipy Mat. 2. 19; tkkaip Joh. 3. 13; 


J ) Fehlerhaft: KcTPEkHNHK-k Mar. 5. 29 mit zwei h. 



Lautlehre. 


209 


Mat. 5. 47 uaw.; npHTMS Joh. 10. 6 ; Mat. 22. 2; Luc. 14.16; 4. 23; Mat. 21. 33; 
S. 137; Mat. IS. 63; S. 142; Mat. 13. 36; 20. 1; HEBSAicrouiA Mat. 17. 16. 

Bei diesem Umstande fällt es auf, daß ctkpph- hier selten ist: cti«pa 
J ok 14.14, cTK$pHTH Mat. 9. 28; ctbpphte Mat. 12. 33, ctboph S. 179. 

Man wird hier bei beiden Halbvokalen Kategorien finden, die in den 
früher behandelten Denkmälern überhaupt nicht oder nicht so stark ver¬ 
treten sind. 

Am weitesten ist jedoch unser Denkmal beim Abfall der Halbvokale ge¬ 
gangen. Man wird bemerken, daß zunächst das i. nach dem t in der 3. Sg. 
u. PI. abfällt: c-kkasaet ca Joh. 1. 43; haut Joh. 5. 24; rpA,MT Joh. 5. 28. rpw.- 
,vt Joh. 11. 20; Mar. 8 . 34; b-baasht Joh. 5. 7; ;khbet Joh. 6 . 63; rAArpAixT Joh. 
7. 26; k-e;«aia;kaet ca Joh. 4. 13; iiphast Joh. 4. 25; Lnc. 7. 8 : Joh. 14. 6 ; npn- 
A*.T Luc. 13. 29; 21. 8 ; paht Joh. 10. 4; Mat. 20. 30; Joh. 9.16; ne- 

ka»hat Joh. 12. 20; khaat Joh. 12. 39; iipccaabht Joh. 14. 13; twcAsyuiAcT Mat. 
18. 15; s'h3H£HABHAHT Mat. 6. 24; Luc. 16. 13 (besh . . .), kteShehakhaat Luc. 6 . 22; 
AP'aHiHT ca Mat. 6 . 24; a»h«t Mat. 6 . 27; «,'ctovaht Luc. 16. 24; ptt-paht Luc. 
9. 39; TBPpHT Luc. 18. 5; c-etkopht Joh. 15. 2; c-etbcpat Joh. 15. 21; 16. 3; 
Xclutet Mar. 8 . 34; Lue. 9. 23; pjsaxhjet Mat. 25. 32; k-echphhaiat Mat. 6 . 5; 
npAAXv Mat. 6.19; pA3oyArkEAET Mat. 24. 15, pA3«|-Arfc£T Joh. 17. 23; nahbhet Mat. 
24. 49; jipa»jkht Mat. 24. 51; km/uht Mat. 25 . 10; c-kkaashat 3a Mat. 26. 33; 
8 'h 3 rAAcHT Mat. 26. 34; aihawhaet Mat. 26. 42; aehawhaat Mat. 24. 35; np-kamAET 
Joh. 14. 17; haixt Joh. 15. 22; c.-et Joh. 17. 10; ocksp-ehat Joh. 18. 18; Isaat 
J oh. 18. 28; eteSeaeet Mar. 15. 24; hapekxt Mat. 4.9; c-kiiacet ca Joh. 10.9; pasaa- 
hat Lue. 6. 22; dpocbetat cia Mat. 13. 43; ppaht Mat. 1. 21; BtA\-kTAi*T Luc. 
3.9; KpivCTHT ca Mat. 3. 13; oy-KpaAET Joh. 10.10; bhaht Joh. 10. 12; kIu-aet 
Joh. 10. 12; «ttehaeet ca Luc. 10. 42; KhcKHoyET ca Mat. 17. 15; raaaet ib.; 
EiEArfccTAT Mat. 19. 11; npciiiAAEKT Mat. 22. 16; pAuiHphiwr Mat. 23. 5; beahmabrt 
Mat. 23. 5: k3hecet ca Mat. 23.12; Luc. 18. 14; bhcat Mat. 22. 40; ooawaht Luc. 

18. 10; c-KAckpHT ca Luc. 18. 14; catuuiht Luc. 21.4; lipcrsoyET Lue. 19. 14; pemet 
L ue. 11. 7; e*a‘t S. 38; Mat. 6 .10; 24.28; 26.2; Joh. 16.16; 14.29; 15.4; 
Lue. 2.10; 10.12; nphEAA'T Joh. 12.46; c-keaaet Joh. 12. 46; eaaat Mat. 6 . 7; 
24. 34; c-beaaat ca Joh. 19. 36. 

Hierher auch hoiat Joh. 19.1; s-esat (3. Sg. Aor.) Joh. 5. 9; iiphiat Luc. 
ö. 26; h 4 >iat Luc. 7.15; aact Joh. 6 . 32 (bis). Es ist möglich, daß das t in den 
Terbalformen überhaupt nicht ausgesprochen wurde, wie die vereinzelten 
Fälle E-kporw, Joh. 6 . 64 (S. 19), iipoaupjbv. Mat. 11. 5 (S. 160), e-ukahe nnd in der 
3. Sg. caa« Mat. 19. 28 (S. 43) zu zeigen scheinen. Der Konsonant war für den 
Abfall nicht maßgebend. Wir finden noch: »hupt Joh. 5. 24; 6 . 33. 63; Mat. 

19. 29; caept Mar. 16. 2; 2. 24; Mat. 27. 81; cs-tr Joh. 8 .12; 12. 35; A-kr Joh. 
8.57; pakot Mat. 18. 28 nnd paeet (— pae-et-k) Mat. 24. 46; spicr Joh. 18.1; 
bti 3 at (Part, pass.) Joh. 20. 1. — In narr Joh. 14. 4 und Luc. 9. 3, EAArPAhT 
Luc. 1. 30 und eiatct Joh. 3. 6 war ursprünglich ein e, aber unser Schreiber 
machte keinen Unterschied mehr. 

Hach a: npmnsA Mat. 8 . 14; Lnc. 8 . öl; 19. 23; npuA Mar. 1. 38; Joh. 
18. 37; uaoa Joh. 15. 16; c-ecaa Joh. 19. 29; kti 3 S£a Luc. 6 . 20; cepkpa M 
Joh. 8 . 36. 

Vondrak, Altkirchenslavisclia Grammatik. 2. Aiifl. 




210 


Lautlehre. 


Nach c einigemal : npHR-fec Mat. 17.16; taac Luc. 11. 27; p«a»c (k) Mat. 24.34; 
Ainp«c (k) Joh. 9. 39; HKenMAteNkHHKoc (k) Luc. 17. 18; aw«c (kJ Mat. 6. 11. 

Häufig nach x und ai: baai Joh. 1. 52; 5. 24; 6. 32; 8. 25; 10. 32; S. 38; 
Mat. 6. 33; 18. 3; 23. 3; Luc. 8.10; 10. 19; 13. 25; 21. 3; Mat. 25. 40 ; 6. 5.16; 
Joh. 13.12; 14. 28; 16. 15. 25; Mat. 27. 17; 28. 20; mm Mat. 6. 12; S. 108; Joh. 
14. 8; Luc. 4. 34; 17. 5; hm (Dat.) Luc. 24. 43; Joh. 8. 12 (S. 40); Lue. 5. 31; 
Mat. 27.17; Joh. 21. 5; Joh. 10. 6; chm (Dat. pl.) Luc. 21. 9; crchm (Dat. pl.) 
S. 61; hap«a»m (Dat.) Mat. 23.1; 11. 7; a'^acai (Dat.) Mat. 23.3; kk rpatoai Luc. 
7. 12; ca'hoihkom Joh. 13. 31; Mat. 14.19; fAHNhAi (Dat.) Mar. 2. 26; Lue. 6. 4: 
NHuiTHHM (Dat.) Mat. 26. 9; KkHAsfAt (Dat.) Mar. 6. 21; haanxiutcm ca Mar. 16.10; 
H3A’kix' <ll * lllTfA ' Luc. 21. 26; KAdreTRopAiuTHHAi Luc. 6. 33; obham Joh. 10. 2; caai 
Joh. 7. 10; 10. 33; ahm Mat. 9. 6; Mar. 2. 26; Luc. 8.39; ot-rtpacacai Lue. 10.11; 
X-cumM Joh. 12. 21; ha«ai Mat. 19. 27; e-rautiai Lue. 5. 5; R-fcpcffAi Joh. 16. 30; 
neAiANxpAi Mat. 27. 63; n<«A\ (Part.) Mar. 10. 32; r-rscai Mat. 17. 27; doch han¬ 
delt es sich hier auch um ein urspr. r: o ncai Joh. 7.7; o h«ai Mat. 12. 36; bt, hsai 
Mat. 21. 33; no mi Joh. 20. 27; na cahnoai Luc. 13. 10; no ccai Joh. 11. 11; RcfAt 
(Lok. Sg.) Joh. 8 . 26; r-r krc(a\ Joh. 17.12; kLm (1 . Sg.) Joh. 7.29; 8.55; rmaxaai 
M at. 18. 29 ; haiaai (1. Sg.) Joh. 4. 17; ccm Aߣfi Joh. 10. 9. 

Nach x '■ ™X Joh. 3.10; Mat. 6. 32; r hh\- Joh. 5. 39; hx Joh. 10. 8; Mat. 
17. 7. 27; Luc. 8. 12; hx*! Luc. 6. 34; nhx Joh. 7. 43; Mar. 3. 5; krcI-x Luc. 9.1; 
T-fcx" Mat. 4. 3; Luc. 10. 36; raujhx' Mat. 6.15; ctoiaujthkx Mar. 9. 1; haiuhx Mat. 
27. 25; KAMuTAiuTAx ca Luc. 24. 4; c-kaurASAikiHx Mar. 12. 33; akhkuihhx Mat. 
25.40; caaiapLnex Joh. 4. 9; meicex Mat. 6.1; am«X Luc. 2.36; paciijkthhx Mat. 65; 
ARkjiHx Mat. 27. 60; cTpax' Luc. 7.16; poavhaorax Mat. 18.23; c-rxpanhx Mat 19.20; 
aioahx' Luc. 9. 40; o\-ko-I:x Luc. 19. 21; R-fcpoRAx Joh. 11. 27; pacTONHjf Mat. 25. 26; 
(MAHX Joh. 18.15; Kp-kcTHx Mar. 1. 8. 

Nach n: £ahn Joh. 11. 49; a*n (hier k) Mat. 17. 22; Joh. 11. 24; oytotokan 
M at. 22. 4; ocajKAfn Joh. 16. 11; nomcrai Mar. 15. 28; iiokaoh (k) ca Mar. 1. 7; 
wiHkN'kH Joh. 6. 9; npAR - K,\£ii Joh. 5. 30. 

Nach r: rhaLr Mat. 9. 2 ; »TRhuiTAR Mat. 24. 1; Luc. 13. 25 (ot-k ....); 
10. 41; R-RCTdK Luc. 5. 25; R-kSkp-fcR Luc. 19. 5; hc.t-mut.ir Luc. 19.5. 

Vereinzelt: aLa Joh. 10. 36; cLaa Mat. 25. 24; rt>3aa Mat. 25.27; bcLk Joh. 
3.15; oym |HHK Joh. 18. 15; üphnhk .Toh. 20. 5; ra-mc Luc. 10. 3; hat Mat. 25. 43; 
A3 Joh. 6. 35; Mar. 10. 38; Lue. 15.17; xaIcr Joh. 6. 31. 32(bis); kauj Mat. 23.9; 
as»p Mat. 26. 3. 

Natürlich auch bei Präpositionen: nptA MAOR-knu Mat. 6 . 1; k cik-I; Joh. 
12. 32; k RAAik Joh. 14.18, k toaiov Joh. 5. 15; 11. 54; 14. 19 usw. ; «t oyqiNHK'k 
Joh. 3. 25, ot T«r« Joh. 11. 53, «t rhacaha-w Joh. 12. 21. 

An die behandelten glag. Denkmäler schließt sieh nur teilweise 
der Cod. Suprasliensis an, denn wir treffen hier nur vier Fälle 
mit o aus Tv an: nwKOK'h.N'ktH 166.21; CMOKOKunnaro 845. 13; 
Kp’tnoK’k 464.13 und jkhac^Ta 496. 7, das man doch wohl mit 
größerem Hechte aus einem als nach der Analogie (nach 

PAKOIUk-pUB1i.Mli, pAKOMTv-pAE'kMTk Und pAKOyA-pAKTiMA) wird 



Lautlehre. 


211 


erklären müssen. Diese Fälle rühren offenbar ans verschiedenen 
Vorlagen her. Darunter war eine sehr alte, wie ich schon früher 
gezeigt habe 1 ) und zwar die auf S. 447 (Mikl. S. 337) bis S. 471 
(Mikl. S. 357). Darin kommt eben auch das np’fcnoK'k vor. 

Unvergleichlich zahlreicher sind die Fälle mit e für k. So 
haben wir hier z. B. teuhhu,h 25.25; 58.7; 64.17; 182.3; 195.21; 
225.6; tem’nhuh 460. 26, temehhuu 58. 16; 72.17: 123.23; 
tem’hhux 6. 23; 71. 23; 71. 28; 72. 1; 75. 14; 125. 9; 136. 30, 
tsmhhivk 58. 2. 5. 26; 70. 7.8; 75.12; 104. 25; 111. 3.5; 116.28; 
130.16; 133.5; 134. 14-15: 138. 29; 139. 6.7.12; 181.23; 
187. 1; 198. 11; Teyt»Hnn,a% 58. 22; tesaehha 134. 10: temhuhk- 
hhktii 17. 12; temmj-ü 26. 15 usw.; aekb 14. 8: 15. 18; 19. 10; 
26. 13; 35. 6 usw., ebenso A kHfCk 27. 4, AEiiECkH 'R.tre 35. 4; 
KECk (omnis) 36. 21; 95. 5 usw.; aeet* 12. 8; npmiiEA’ktUH 4. 28, 
npHiuEA'kum 5.17; 40. 15; c’kn>f,v | ' 5. 22, np-Sui£A’kUi<>Y 8. 30: 
hiuea'MJueua 14. 12, huieatvüie 15. 10; luea^ 16. 5. 14 (iuxyk 
16. 29), mEA'kuit 16. 22 usw.; npHuisirk 20. 2, uiea'k 35. 29; ha- 
uiectbhh 94. 22, npHuiECTSHse 95. 17; r.uc :« 31. 2; s’kSApeE’k- 
HOBdB’k 9. 11, pEBkNIiBliL 28. 28; HAMEH-klUE 31. 28: WUEP'kUJ’k 
(Gen. pl.) 15. 7; ckHEiurk 96. 27 (senatus); ebbenst». 25. 20; 27. 28: 
npmemi 23. 4; npmeukiüA 14. 8; noieMi. 32.10; lewkLüE 40. 17; 
ckHEMUtk 456. 11 usw., aber auch hutv 3a pxüle 468. 17; npn- 
hutv 453. 12. 19;. npo-cTEp-k 27. 28; 34. 27; 38. 22 f-’kaiE); npo- 
cTEp'kiuoYcyYMOY 456. 29. — nkcapECTEHie 12. 27 (aus -kcTBkie); 
npaEEAHdaro 9. 29, npaBEA'kN’kiH 10.1—2, KEnpaBEAkH-fc 13. 30, 
npdBEA HOVMOY 30.9—10 usw.; EAkuiEK'kHAUiK. In Suffixen wie 
-kink: ctCMEitk (Gen. pl.) 6. 9; kohshb 9.24; 36.11; oteiyb 21. 17; 
oTs^k 10. 18; 28. 18; otemkctba 94. 24—25 usw.; -kHTv: AP^- 
kehTv 22. 14; chaeht» 28. 9; 31. 1; HEK'kpSH’k 34. 10; MkCTEH-k 
34. 17, CTpauiEHTv 35. 24 nsw.; -kcktv: MAOS’üMECK’k 10. 10—11; 
MXJKECsrk 78. 25; npaBAfHRCTEO 486. 26 u. a. 

Es bat schon Leskien (Die Vokale t*. und k in den sog. alt- 
slov. Denkmälern des Ksl. 1875, S. 103—1041 wahrgenommen, wie 

l ) Aslov. Studien 1890, S. 2—16. Wie der Abschreiber die Eigenheiten 
seines Originals wahrte, ersieht man z. B. aus rjKKkH-feiiMk. 448. 1 und ■ukrrfcaAi-K 
461. 1, welche Formen eben nur in unserer Partie Vorkommen (häufig im 
Assem.), sonst überall --fc-kMk » oder -i'Mk K. 


14* 



212 


Lautlehre, 


ungleich sich die ungefähre erste und letzte Hälfte des Supr. darin 
verhalten. Während nämlich bis S. 209 (Mikl.) inkl. « in Wurzel¬ 
silben und stammbildenden Suffixen sehr häufig ist (193 Beispiele 
von Wurzelsilben, 116 von Suffixen), beschränkt sich das t von 
S. 210 an fast ganz auf die Stellung vor den Kasussuffixen -Mn, 
-jfu, -MTs. der i- und konsonantischen Stämme und auf ^kurck, 
so daß in dieser größeren Hälfte nur 21 Fälle von e in Wurzel-, 
18 in suffixalen Silben Vorkommen. Die Fälle in Kasussuffixen 
wurden hier natürlich nicht einbezogen. So kommen z. B. von 
Ableitungen der Wurzel uikA- vor bis S. 209 inkl. 73 Fälle mit 
t und 69 mit ’k. von S. 210 an dagegen 13 Fälle mit s und 114 
mit ’k. Berücksichtigt man nur die ersten 72 Seiten der Mikl. 
Ausgabe (nicht ganz 97 der Severjanovschen), so bemerkt man 
darin 24 Fälle mit e, drei Fälle mit m. Leskien meinte, der 
Schreiber hätte anfangs seiner Aussprache in diesem Falle sehr 
stark naehgegeben, allmählich weniger, zuletzt sehr wenig. Er 
bemerkt, daß überhaupt in diesen ersten 72 Seiten das £ in einem 
Maße überwiegend sei, wie in keinem anderen Teile der Hs.; es 
kämen darin allein 104 Beispiele von t in Wurzelsilben, 62 in 
stammbildenden Suffixen vor. Gleichmäßig durch die ganze Hs. 
wäre die Schreibung mit e in den betreffenden Kasus der k- und 
konsonantischen Stämme und in Akiuch, Näher liegt es, das ver¬ 
schiedene Verhalten des Abschreibers dem e aus k gegenüber auch 
auf verschiedene Vorlagen zurückzuftthren *). 

Aus diesen Verhältnissen geht hervor, daß der Schreiber des 
Supr. wohl den Wandel des h. in £, aber nicht des 'k in o kannte. 
In seinem Dialekt hat man KpoTUinv, also das m ausgesprochen. 

Überaus häufig werden die Halbvokale ausgelassen und in dieser Hin¬ 
sicht nähert sich unser Denkmal dem Cod. Assem. Häufig wird der aus¬ 
gefallene Laut durch ein Zeichen angedeutet, z. B. Ai’Nor* 1. 21, M’n«3-fe 4. 4 
neben A*H«r» 1. 5, aihs3h 6. 4. 8; AworoArk. 6, 5 usw.; A’icfcMa 2. 23 neben ab^au 
39. 5 usw.; Ain-b 4. 10; 16. 26; 17. 29 usw., auioi* 34. 15; hhk’t«>ki 10. 30; kt» 
23.21 usw.; m’t« 4.9; 13.9; htc 21.2; 30.7; 32.11 usw.; a<ha 25. 8; Mskax* 
30.8, cxAiNAum ca 36. 8. 9 (-a), cbc&ainaujts ca 37. ö— 6; oy 3 P HTe 36. 11; oth- 
UAAt’ 14. 6 (nkTHu,* 14. 28. — 29); «yn ujCk 5. 5; cran’um 3. 1; B'k3BeA’uiH 3. 24; 


*) Wir bemerken auch z. B., daß erst von S. 354 (467 Sev.) die Schreib¬ 
weise -kte, -ata usw. sehr häufig wird (V.erf. Zur Kritik der aslov. Denkm. (S. 32). 



Lautlehre. 213 

«aho 30.19, tSAHdHi 33. 21, ksanc'Aa’wh 10. 9—10; k’as 4. 15; ot-ho 19. 25— 26, 
otuj 26. 4, otu,a 27. 9; re.imh 33.19, hcthhheht, 34. 2 usw. 

Auch im Auslaute: tb«imt 9. 4; Hapo,\’ 3. 30; n*M«ujTHNHK’ 17. 29 u. a. 

Diese Auslassungen bemerken wir auch, in der ältesten Partie des Denk¬ 
mals (S. 447—471), ja, es macht den Eindruck, als ob sie hier noch zahlreicher 
wären: hto 448.2 ; 458. 20 nsw.; nhmtowe 454. 13; iipkcTxnHHKiv 448. 10; k.\e 
448. 10. 12. 13 ; 450. 29 ; 462. 28 usw.; akoh 450. 13, as<i 450. 15. 16; 452. 15; 
As-fc 450. 18; kto 453. 4 (bis 1 , nhkto;ke 455. 26; e-HSAibTE . . . kha3h 464. 16, 
knA 3H 465. 4. 8 nsw.; .uhhve 465. 29: .uHoroi* 468.2: B-hsnHy-ii 461.21—22, irtann 
468. 15; kcImh 468. 11; tphaheshoh? 471. 5; kec^pamhhkiI 454. 18; 455. 1; kc^-iih« 
450.15; akpHO 452.19, R-bpHa 457.25; erpaHNdr« 454.20.22 u. a., cTpanHoie 458.20; 
R'k'iHHHH 470. 26; cTp.miHov-.'v.u.A- 456. 14; iioK"k,\!ioH5 468. 12; Kpauiiu 470, 26; 
ciekhue 454. 15; obha 470. 21; te,y<o,uov 455. 25. Weiter c hum-k 449. 15 ; 459. 29, 
c HH.ua 458.14; i: teke (st. --fe) 454, 15 ; 461. 22. 

Es kann angenommen werden, daß viele der Auslassungen auf Konto 
des letzten Abschreibers zu setzen sind. Daiür würde z. B. auch das ebahom«,-, 
das wir auch in dieser Partie fanden, sprechen. Unter solchen Umständen 
fällt die Bewahrung der Schreibweise c-ktkcphth (seltener cktb^phth) auf. 

Es gibt dann noch einige Denkmäler, in denen wir nur den 
Ersatz des k durch e, nieht aber jenen von Ti doreh o finden. 
Freilich handelt es sich nur um Fragmente von geringem Umfange, 
so daß die wahre Natur des Denkmals nicht leicht zu erkennen ist. 

Allem Anscheine nach gehört hierher das Evang. von Ochrida 
(Evangelium achridanum). Nach dem hei Geitier (Die alb. u. slav. 
Sehr.) enthaltenen Faksimile und nach Sreznevskijs Ausgabe haben 
wir hier: A E!1k Joh. 20. 19. 26 (Gen. pl); Luc. 24. 29; NUHSH'k Luc. 
24.27: HfKtpfHii, BrfcpiNTi Joh. 20.27; hcthhehTi Joh. 3. 33; 
E.-\H3HfUih Joh. 20. 24. Auch Tpfr.rs Joh. 2. 6. Es sind hier also 
Fälle nur mit t. Das Fragment zeichnet sich auch aus durch Be¬ 
wahrung der Halbvokale. Fälle wie ncaoa Joh. 20. 30. 31 sind 
hier vereinzelt. 

Von den cyr. Fragmenten schließt sich hier an: dasUndolskij- 
sche Fragment mit npnui£,ykUiiE 9, mip/kui« 13. 16, npHUie- 
AiiiiiH 63, npaBE.yk.HH 33 und ckpteJketti 32. 

Ausgefallen sind die Halbvokale in: ovchehhi 37, ktophhk 54, 
kto 68. 71, MNOfk 57. 60, nop,«>GKO 3, uwAOTßopua 43, aUJh 75 
und A H ’ k 53 (vgl. Karskij: .IneTKn THp,o.ttcKaro 1904, S. 21). 

Die Blätter von Chilandar mit: HEMECTtirk II Bb 16—17; 
AOKpOHECT’kHTvf II Bb 1; KE\arOH£CTkH'kH\"K IIBb6— 7; CTvO- 



214 


Lautlehre. 


Kp43fHivIBa24; okiijiivHh^h IAa25; Hf4£CTkiaIIAb24; /VfCTHüsi 
IIBb25 (aus AkCTki*); npnuiecTHi« IAa 24 (aus -inkcTkw). 

Ausgefallen sind, die Halbvokale in: npaß’Aö»* IBa 23; n’uis- 
hhhx HBb 6, nwEHima IIAa 14, iPuiehhuh IIA 19; CKOp’nmi 
IAb 19 (vgl. Kul’bakin: XiMaiwapeKie jihctkh 1898, S. 17). 

In dem glagolitischen makedonischen Blatte finden wir 
zwar keinen sicheren Fall der Yokalisation (cnoRfctjf'k III 6 kann 
nicht in Betracht kommen), doch ist hier schon der Ausfall der 
Halbvokale nicht selten: HSspamH 11—2, ß’cer,a,a I 11—12. 18. 
26, bVr II 31, scfi III11—13, k’ch IV 30. 37, k’ca I 9, ß’cRy’k 
IH 30, kcRka II 11; a’ hh I 9, K'kiMkjKA« IV 17; mhr IV 30; 
Aokoaho III12; Tku’HAA III 28; k£3akoh’na'R III 14; rp’Km’HMf 
111, ... p Rui Ha 119, cTpaiu’Noy II 3, ctpauj’hSvKK 133; t-rmike 
HI 26. Des 'k: lUNora IV 22, iuThosh IV 27; kt o IV 30. 31; 
3Afi r kHBUl£ IV 3, HACAZAHü’uJH CA 1112—13; H3K£AeT’cA II 13, 
HApEMETCA IV 33—34, CTiKHp AlAvTCA IV 27, CkKEpAvTCA IV 35, 
. . . AOS'Hl.iCA III 20, & . . . 3£C£AHM’CA III 20—21, OTßp'k5'RM , CA 
III 31, ckBA'K 4 'RM’cA IH 32-33. 

Es ist daher die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß bei 
vorhandenem größeren Umfange des Denkmals doeh Fälle der 
Vokalisation zu finden wären, zumal wir hier Sehreibungen finden 
wie ßkA'RHk£ IV 17, op;KJKk£ HI 29 (s. weiter unten). 

Das Psalterfragment von Sluck macht eher den Eindruck, 
daß das ganze Denkmal die Vokalisation nicht kannte. Es kommen 
hier selbst auch noch Kasusformen mit k vor: neben ‘ioya^P 1 
118. 27 auch noch cnoßcck^'k 118. 28; riXT'k.U'k (Dat. pl.) 118. 27; 
3anoß'RA k X" k 118* 15 usw., selbst auch cp'kAku/kurk H8. 34. 

Ausfall der Halbvokale kommt hier allerdings auch vor: ßCfMk 
118. 14, b’ca 118. 13, ßcuKo 118. 20, khash 118. 23; npuAnt 
118. 25; 118. 33; ß’ crpa^u 118. 38. 

Aber Schreibungen wie oy HH4kJKeHk6 118. 22; iionoujCNkf ib. 
39, cnac£Hk£ ib. 41, nooyutHkia ib. 24, c'kßliA'kHkia ib. 36 usw. 
machen auch das Vorhandensein von vollen Vokalen oder wenigstens 
von £ statt der Halbvokale wahrscheinlich. 

Übersicht. Wir haben hier aksl. Denkmäler kennen gelernt, 
die die Vokalisiernng überhaupt nicht oder fast nicht kennen. 



Lautlehre. 


215 


Hierher gehört die Sav. kn., das Original des Ostrom, (von Bl. 24 
an war es wohl ein aksl. Denkmal) nnd der zweite Teil des Snpr., 
solche, die nur den Übergang des k in e (mit vereinzelten ganz 
spezifisch gearteten Ausnahmen) anfweisen: Snpr. 1 ) und einige 
Fragmente: schließlich solche, in denen nicht selten o für ’K und 
e für n vorkommt. 

Lokalisierung der Vokalisation. Bei dem Ersätze der 
Halbvokale durch volle spielten gewiß lokale, also dialektische, 
Verhältnisse eine Rolle. Wenn diese auch zur Zeit des aksl. Schrift¬ 
tums vielfach anders sein mochten als heutzutage, so können uns 
die heutigen Dialekte doch einen Wink zur Beurteilung der früheren 
Verhältnisse geben. Auf dem ganzen balg. Sprachgebiete sind na 
und k in einen Halbvokal t». zusammengefallen, daneben aber auch 
in gewissen Fällen vokalisiert worden: n zu e und t* zu o , nur 
sind in den westlichen Dialekten die Fälle der Vokalisation zahl¬ 
reicher als in den östlichen. In diesen gibt es solche, in denen 
fast kein Fall des o für r a vorkommt und e für k seltener ist. 
Nach Conjev (Cöopn. 3a nap. yji. III, S. 309 f. und IV, S. 498 f.) 
wird im Dialekt von Lovec urslav. k immer zu ’k, zu e aber nur 
in Suffixen in starker Position, falls diese bei der Deklination mit 
der schwachen wechselte: mzgli aber sFopec, uven ; in unbetonten 
Silben wird auch dieses e zn i: stäric. Als Ausnahmen von dieser 
Regel führt er (S. 317—318) an: den, ves den, pes, len, lek, lesin 
und die Verba zbm 2 ), dem 3 ), citi l ), zumd'g. Doch für das sonst 
noch bewahrte n kommt o vor nur in toj, tozi, l’ulöv, upuväne 
und im Suffix -%h>, das -ok ergab 6 ) ( hugi und tugazi kommt nicht 
in Betracht). Das gilt im allgemeinen auch für die übrigen öst¬ 
lichen Dialekte, nur daß die Beispiele mit e = n in einigen zahl¬ 
reicher sind. 

In Dialekten von Razgrad, Euscuk, Sumen, Leskovac (östlich 
von Trnovo) wird nur vor dem Artikel h das 'k zu o und nach 
dem Abfall des t kann das Wort auf o endigen. Es hat aber 

!) Und zwar speziell der erste Teil des Denkmals. 

2) JKkHl». 3 ) MkHX. 

4 } m,T*. 5) JKkMX. 

e ) Conev führt als Beispiele an: sT^pök, nzmistbk, Izrcbk (S. 500’. 



216 


Lautlehre. 


selbst an der Donau einen Dialekt gegeben, der auch in bestimmten 
Fällen k in o verwandelte und der schon auf Grund der mittel- 
bulg. Denkmäler des XIV. Jahrh. vorausgesetzt werden konnte. 
Sein Territorium ist von Miletie festgestellt worden (Das Ost- 
bulgarische). Durch Siedelungsverhältnisse ist er amalgamiert 
worden. 

In den westlichen, hauptsächlich aber macedonischen Dialekten 
erscheint o für i». viel häufiger. Oblak notierte aus Prilep: son, 
dos, voska, boöka , toj neben ovaj, selbst odo (ofo), vo , so; Moriovo: 
t.okmo ; Ochrida: son, so, toj, ovoj. Man findet hier auch sonot und 
sono. In Razlog auch sos und fof [m) u. a. (Oblak, AfslPhil. 
XVI, S. 185 f.). Schon im Psalt. sin. fanden wir bobk kuktv 250 
neben b’kk'k bUkts. 351. 

Damit stimmen die alcsl. Denkmäler überein, da in denselben 
das e für k viel häufiger ist als das o für r k. Freilich ist nicht 
bewiesen, daß jedes derartige o und e auch in der damaligen 
Volkssprache seinen Ursprung hatte. Mit dem heutigen Zustande 
der Sprache läßt sich auch der Supr. und die Sav. Im. in Einklang 
bringen, da sie sonst auch mehr das ostbulg. Gebiet verraten, 
während Zogr. Ass. Ps. sin. und Euch. sin. nach Macedonien hin- 
weisen, woher wohl auch die Vorlagen des Cloz. und Mar. her- 
riihren. Nach Scepkin hat es in der ältesten Zeit zwei Haupt¬ 
gruppen von abnlg. Dialekten gegeben: erstens jene mit dem Wandel 
des ^ in o und k in e, zweitens jene, die die Halbvokale be¬ 
wahrte ; aus dieser hätte sieb im Laufe der Zeit die dritte heraus¬ 
gebildet: diese hätte k bewahrt, aber k in e verwandelt. Im 
XI. Jahrh. hätte die zweite Gruppe noch existiert, in den mittelbg. 
Denkmälern des XII. Jahrh. wäre sie nicht mehr vertreten. Der 
letzte Sitz dieses archaisierenden Dialektes wäre nicht 
anzugeben. Dann zieht er auch die serh.-bulg. Grenzdialekte in 
Betracht (PaseyaymHie S. 167 f., Bo-iOHCKaa nc. S. xv). Allerdings 
kann die Frage, mit welchen dialektischen Territorien unsere aksl. 
Denkmäler im X. und XI. Jahrh. in Zusammenhang zu bringen 
sind, noch nicht als definitiv gelöst betrachtet werden. 

Zu bemerken wäre noch, daß die westlichen Dialekte das neue 
ix (aus Tv und k) auch zu einem neuen vollen Vokal später ver¬ 
änderten, meist zu a oder o. 



Lautlehre. 


217 


Mittelbulgarische Denkmäler. Die mittelbulg. Sprache 
hatte nur einen Halbvokal (t*), der bald durch k, bald durch tD) 
bezeichnet wurde. Es gibt aber auch Denkmäler, die noch wahllos 
und regellos beide Halbvokale gebrauchen. Erst den Bemühungen 
desEuthjmius (Patriarch von Bulgarien 1375—1393) und seiner 
Schule ist es gelungen, strengere Regeln wieder zur Geltung zu 
bringen. Radcenko hatte bulg. Hss. moldauischer Redaktion aus 
dem XVI.—XVII. Jahrh. in der Hand, deren Orthographie mit den 
Angaben Konstantins über die Reform des Euthymius genau ttber- 
einstimmt und in der Anwendung des a und namentlich aber 
des Tv und k eine solche Konsequenz zeigt, daß man sich diese 
Hss. nur als das Produkt einer Schule erklären kann. Da kann 
aber nur die des Euthymius vorausgesetzt werden (AfslPhil. XXIV, 
S. 603—604). Xatürlich handelte es sich da bloß um eine ortho¬ 
graphische Tradition, die mit der wirklichen Aussprache nichts 
gemein hatte. Der Prozeß, nach welchem u mit u. zusammenfiel, 
äußert sich eigentlich schon in den aksl. Denkmälern selbst, ist 
also sehr alt. Man kann nämlich schon in diesen bemerken, daß 
das u häufig von r k verdrängt wird (Miletic, 0 clanu u bug. jez. 
S. 34 f., Conjev S. 28 und Oblak 1. c. S. 190—191). Oblak hebt 
mit Recht hervor, wenn die Denkmäler neben t'KMhhilv auch 
TEMHHua -haben, so folge gar nicht daraus, daß ersteres gerade 
so gesprochen wurde wie letzteres. Die einen Dialekte hatten 
T«un 4 d, die anderen T'k!.iHnij,a. das, wie die heutige Sprache 
zeigt, auch wirklich so gesprochen werden konnte. Beides äst aus 
TkWhHHua entstanden, natürlich in verschiedenen Dialekten. So 
ist auch aus ink r ' s - ein me,\- oder uiivV geworden. 

Was nun die Vertretung durch volle Vokale anbelangt, so finden 
wir auch in den mittelbulg. Denkmälern sehr häufig o und e für 
das ehemalige "k und k und man kann nicht von ihnen voraus¬ 
setzen, daß sie alle in Maeedonien geschrieben worden sind oder 
wenigstens auf maeedonische Vorlagen znrüekgehen; es kann selbst 
auch noch der ehemalige Dialekt mit o an der Donau in Betracht 
kommen. Vgl. auch lIIenKHin&: »OrueTi, o npncy^x. npeuriü npou>. 
KoT-iapeBeicaro b% 1895r«. Hier werden insbesondere jene Fälle 


i, Siehe die Anmerkung auf S. 220. 



218 


Lautlehre. 


hervorgehoben, in denen auch im Ostbulg. ein o für k eintritt und 
die wir früher hervorgehoben haben (S. 52 f.). Oblak rechnete in 
diesem Falle mit einer traditionellen Literatursprache (S. 189). 
So finden wir z. B. im Trnover Ev., in welchem k vorwiegt, das 
k aber doch auch noch häufig anzutreffen ist, mit o: HpkKOKk 
Mat. 21.12. 23; Luc. 2. 27, npkKORN'Kaiui'k Luc. 4. 9, mpkuOEHkiMTv 
Luc. 22. 52; aWnobhxiäv Mat. 20. 12; EpTvTon’k Luc. 19. 46; 
onp-EcHOKTv Marc. 14. 12; cmokobhhuu Mat. 21. 20 und andere 
Formen davon; to für avrög Mat. 12. 50; ßkckKO Luc. 1. 40; 
ko mh'B Joh. 6. 35. — Einmal Kd pan Luc. 23. 43, was die sekun¬ 
däre Vokalisation sein könnte, für welche wir allerdings sichere 
Belege erst aus dem XVI. Jahrh. haben *). 

Ungemein zahlreich sind hier die Fälle mit e st. k: spinnt 
Joh. 9. 14; ßtck ■/.(!)in] Mat. 10.11; 21. 2; Marc. 1. 33; 8. 26; 11. 2: 
Luc. 9. 52 usw. Bt ch Mat. 9. 35; Marc. 1. 38; 6. 56; 8. 23. 26. 27; 
Luc. 8. 1; 9. 6. 12; 13. 22; Joh. 4. 5; 6. 5; Kfcfjfk Marc. 6. 36; 
Kick rtäg, ö/.og: Mat. 13. 38; 18. 30. 32. 34 usw.; A,Ktpk Joh. 10. 7, 
r i,RfpH Mat. 25.10; 27. 60 usw. ,,\ßf ptjfk Mat. 33 usw.; attsda 
Luc. 9. 3, Marc. 6. 8 neben JKk3Ad Mat. 10. 10; ascko Mat. 11. 30; 
W£HUiHH ; \-Ts. Mat. 25. 40. 45; cKpt>KtTk Mat. 24. 51; Tt mhhi^h Mat. 
14. 10; 25. 36. 39. 43. 44 usw. BAtMk Luc. 11. 5, nstyk Luc. 
10. 35, osktyk Marc. 10. 16, upHtwk Mat. 27. 49 usw.; uisyk 
Mat. 18. 12 usw.; soAtnk Mat. 25. 43 und noch viele andere Be¬ 
lege (Valjavee, Trnovsko tetrajevandelije. U Zagrebu 1889, S. 5—7). 

Häufig ist hier natürlich auch der Aus- und Abfall des Halb¬ 
vokals. 

Das t und o für k und k finden wir auch in dem Dobro- 
mirschen Ev. aus dem XII. Jahrh., das nur k gebraucht, dem¬ 
zufolge auch nur ki, wie das cyr. maeedonische Blatt, z. B. echt* 
7b 7; 9a 18; 21b 4 usw.; upoKk (für KpkKk) 178a 9, aber Kpusk 


*) So in dem von Valjavec benutzten Psalt. Mihanoviö (0 prijevodu psa- 
lama, S. 188), wo allerdings auch Serbismen stark vertreten sind. In der von 
Jagi<5 (Starine IX) veröffentlichten apokr. Apokalypse sind (oft), caag 
M-kcfgdTk, rp^an», npkgijTk, aber auch in dieser Hs. zeigt sich serb. Einflnß. 
Solche Beispiele in größerer Zahl finden wir auch in dem von Novakovic 
(Starine VI) veröffentlichten Text aus dem Anfang des XVIII. Jahrh., wo aber 
auch Serbismen anzutreffen sind (ad neben b®bk, b«, Oblak S. 193). 



Lautlehre. 


219 


18a 7; AOJKk 1501)14; ponkTaaps, 47b 19; ponTadyat 88b 5, 
ponkTA)fx 100a 17 usw.; cocuna 74a 17, cocuh 116a 2; Tpw 
coTb. 16b 5; coruHHKk 24b 8 usw.; oycoYkiHA; 7b 9 neben oy- 
cküH 7b 11; TOKkMo 4a 2; 43b 16; 47a 13 nsw.; Kk3©nn 99b 9 1 ); 
KpkTonk 7b 1; 103a 6; raaAOKk 39a 9: Kp-fcnoKk 89b 9; AdKOTk 
79a 9, 3dHATOKk 127 a 5, HauATOKk 148b 2, riATOKk 25a 1, 
enpt;cHOKk 17a 7 nsw.; cMOKOßkHHun 82b 5. Zu beachten ist 
der Nom. Ton für tt: toh raTk ecTk 154a 2. 

Am häufigsten tritt der Fall bei den Präpositionen ein: b© kuca 
A 3kiKki 13b 19; B© ßkCAi mo^fSÄ 54b 20 usw.; ko Hk 60b 5; 
127a 8; 129a 15; 133b 15 usw.; ko mkto 78b 19; ko BkTopoek 
80a 9; auch ko «Kot ch 177b 8 (Analogie); B03kMETk 23b 8; 
58b 12; 64b 6 usw.; ko KHASoy 81b 16; ko mn-K 32b 6; 53a6 
usw.; HaAO-Hk 71a 1, na^o-Hk/Kt 124b 13; oto mmork 37a 10; 
cospaTH 78b 3; 85a 6 usw.; coHksamps 42b 12; 49a 13 usw.; 
eo ynoKK. 17b 10. 15; 19a 9 usw.; ospasock 10a 6, unpock 
163 a 22, po^ock 15b 8; 74b 3: 108b 13, raacock 162b 5, HÄHkock 
24b 10; 36b 6; 117ä 8, sogar cToy,a,«NEH©ck 131b 20; paKOTk 
80b 6. 11; 87 a 7 und A £ noTk 125a 11. 

Überaus häufig sind auch die Fälle mit e, z. B. epehhs 151a 20; 
151b 12. 18; EptHHEMk 151b 1; p,£Hk immer so (als Nom. oder 
Akk.), 23b 20, jytimi immer; KE^pk(!) 19a 9; A e| KP k 39a 5, 

AKEpk 154a 13 usw. Kick (vicus) 18b 9; 67a 6. 19 usw.; keck 
( omnis) 7b 4; 20b 1 usw.; KpscTk 4a. 17. 18; 23b 1; 64b 6; 
115b 12; OKpscTk 33b 4 usw., KkcKpick 26a 4, aectu 104b 16, 
dagegen richtig AkCTHKk 16a 10; MEHkuuyk 57b 6; oyusp-kin 
159a 15; 159b 3 (nach oyuEpTi), npocTEpk 46a 18, teuho 75a 11 
usw.; TECTk 174a 3; ui£,a,k 19a 10, ujETkuia 26a 15 usw. uje- 
TkiiiE 9b 14; 17a9 usw.; H3£iak 71a 7; Kk3«Uk 4a. 17.18; 47b 6; 
ckHEMki-H 25a 12, Kk 3asyk 51b 9. 13. 16; 72a 15; mecth 134a 10 
(nach UECTk); A kH ^ k 43a 9; 47b 10, A H£Ck 18b 2 usw. In ver¬ 
schiedenen Suffixen: -au'b., -i»u,k usw. i^pectkhe 57b 16; 62b 13 
usw. setzt wieder -kcTKkE voraus. Weiter A' kTtH 3b 7; ücaeh 
83a 14, A kH£H 103a 14, aioaeh 109a 16, ckhhih 89b 14; Tpin 
71a 12, meh 104b 18, ein 56b 15; 88b 7; 104a 9; 140b 19 usw.; 


*) Könnte ein iscukw. für K-kimi* voraussetzen. 



220 


Lautlehre. 


EOAtH lall usw., neben eoahh 155b 17; 168a 8. 20; 169a20; 
MhHfH 110b 16 neben mlhhh 55a 19, mhh 10a 6, uhhh 55a 19, 
A’feTHi 9a 8 usw. Selten zu h kontrahiert a ,ih (für A ,1HH ) 36a 9; 
46b 12; 59b 7; ßßCH (für bbchh) 46b 16, c».a h 97 a 17, so auch 
Kh upncTßH 110a 9 neben ßß iipßCTBHH 18a 12 usw- (vgl. Jagic 
»Evangelium Dobromiri« in Sitzb. der Wiener Ak. phil. hist. CI. 
Bd. 138. 1898. 1. S. 46—51). 

Der Aus- und Abfall des Halbvokals ist hier sehr häufig (36 f.), 
andererseits aber wird ß dort eingeschaltet, wo es etym. nicht be¬ 
rechtigt war: uocßHtTß 3b 3 usw.; A ßHriiHH 7b 15 usw.; 3ßMHi* 
72b 19; "KBBßßi 70b 12 usw. (S. 42f.). 

Aus einer älteren Vorlage rührt her: cßHfUßi-H (aus CTvHki.rk h) 
25a 12, BHA^ßßi-H 70b 16; 71a 2; noßpßrßi-H 44a 16, npHATß!-H 
Hdpc»Aß 61a 18; HapmidfTßi-H 12a 6, noußTfTßi-H 162a 16; ßß- 
npocATßj-H 123b 16, . . . CAßiurfcp>iuißi-H 20b 10; 43ß!-n (d3ß h) 
145a 7; ßßi ima cbos 138a 10. 

Analog: Kß 3 AWKAH-n 4a 10 (aus ß^SAioKÄß h). Hier seltener 
(S. 46). Derartige Fälle kommen im nächsten Abschnitt zur Sprache ’•)• 


‘} Über eine andere bulg. Hb. ans dem XIII. Jahrh., die nur k und u kennt 
und sieh in der Belgrader Hationalbibliothek befindet, berichtet Lj. Stojanovie 
(bei Jagic, 1. c. S. 78). Mehrere andere Hss. bulg. Rec., die auch nur k kennen, 
sind alle schon aus dem XIV. Jahrh. Der Berliner Sbornik hat auch nur i, 
der Oktoich Mihan. weist überwiegend k auf. Eine ganze Reihe derartiger 
Hss. (meist aus dem XIII. Jahrh.) zählt auch Kul’bakin auf (OxpnacKaa pyic. 
anocr. KOHna XII 1 ). p. XXXV), darunter das Sreckov. Ev., Dragijino Ev. (aus 
dem XIII. Jahrh., im Pantaleonkloster auf dem Athos), der makedonische 
Ap. (AfslPhil. X, S. 108, aus dem XIII. Jahrh.). Es muß aber noch ältere Hss. 
mit nur -t. oder k gegeben haben. So setzt eine solche serb--bulg. Hs. mit nur 
einem k und u der cyrill. Teil der Reimser Hs. etwa aus der 2. Hälfte des 
XII. Jahrh. voraus. Das eyr. macedonisehe Blatt aus dem XI. oder An¬ 
fang des XII. Jahrh. kennt auch nur ein k. Ein h. ist dagegen fast aus¬ 
schließlich in dem Dndolskij sehen Blatte (nur zweimal k). ja schon im 
Zogr. b (k wurde einigemal cyrillisch von demselben Schreiber eingetragen), 
eine Vorlage mit nur -k setzt das zweite Prager Fragment voraus. Fast 
ausschließlich finden wir -k im Ap. von Ochrida (KuFbakin, 1. o. S. xxxv), 
im Apost. Slepcensis (aus dom Ende des XII. Jahrh.), im Parem. des 
Grig. 

Das k faßte man auch auf als eine Eigentümlichkeit der osthulg. Schule, 
das -k wäre dagegen ein Merkmal der südwestlichen (Oblak, AfslPhil. XV, 
S. 347). 



Lautlehre. 


221 


In dem Ap. von Ochrida finden wir z. B. co mnoü, 109, 
111b, co bc'Kmh 26b, 30, koht». (= et». ht») 80b, rAacock 17, 
X'A'ksoc-h. 65b (bis), C03A^ 51b, 106, ßTv3oriH 74, toh 44b nsw. 
HanATOKik 58, 93b u. a. (beim Hanptsehreiber). Natürlich sind 
hier aneh viele Belege für e, worunter beachtenswert EfnAEM-k 95b, 
dann hicth 74b, keuecth 26 b, HsnecTHK’hiHY'k 20b, NfutcTH- 
b'kiumh 79b, oy U£ P ,,ü 69, 92b. Man bekommt den Eindruck, 
daß die Vokalisierung (insbesondere auch das o für t») der Sprache 
der Schreiber, besonders des Hauptsehreibers eigen war (vgl. 
KuPbakin, S. Lxxxvm f.). 

Über KpivBiv 63b (bis), 65b, 66 usw., Kp'kKHix 76, 16b nsw., 
nA'kTiv 28, 34 (dreimal) usw., iiA'kT huk 99 usw., wo wir KpoKTi, 
KposHBS., nnoT'k usw. erwarten möchten, vgl. oben S. 164, Anm. 2. 

Dagegen finden wir Mer aect kuh 53, aectekk. 59b, aect-u- 
stMt 70, rpicTHÄ 83, ß'kckpEC’kHa 107. 

Die Fälle der Vokalisierung im Bologner Psalter hat UlemaiHx 
verzeichnet in Eo-iohcksh nca-iTtipt. Cn6. 1906 und zwar die mit e 
für k auf S. 91—97 und mit o für - k auf S. 97—100. Unter den 
letzteren verdienen besonders hervorgehoben zu werden: nx/rocTi. 
47.3, makocTi 53. 2; 111.2; uAOE'fcKOC'k 224. 2; rpUYork 252. 2; 
MHpocnk 154. 4 usw.; KECOT'k ant, [rcäoavTrjv ...) 91.4; np'kA°-H'h 
118.1; rposo 253. 2 (Akk.) 1 ). Oft kommt hier auch toh avtog 
vor, das Scepkin anders erklärt (auch ceh). Der Pogodiner Ps., 
der das k dem % gegenüber bevorzugt, weist sehr häufig o und e 
für t. und k auf. 

In den Denkmälern serbo-kroat. Redaktion gibt es nur einen 
Halbvokal und zwar sowohl in den älteren glagolitischen (Wiener 
Blätter, Apostelfragment des Grskovie — in beiden nur -k — und 
Apostelfragment des Mikano vic — hier nur k) 2 ) als auch in den 
cyrillischen (hier ein k). 

Der Halbvoval wird seit dem XHI. Jahrh. (in bestimmten Fällen) 


1) cTp-fcjK4ii;(x rp»K« vielleicht ein Schreibfehler, denn auf rposs-T-k dürfte 
es kaum zurückgeheu. 

2 ) In der späteren eckigen Glagolica taueht noch ein Halbvokalzeichen 
mit einem eckigen Grundkörper auf (z. B. im Hissale des Kukuljevic), aber 
regelrecht war hier ein i (wie rüm. Einser) für beide Halbvokale. 



222- 


Lantlehre. 


zu A vokalisiert 1 ). So z. B. im Nikoljsko-Jev. ta aus Th. Mat. 
1. 21, ha aus Hk Mat. 2. 12 usw. 

Selten gerät in die älteren Denkmäler aus den bulg. Originalen 
die bulg. Vokalisation, z. B. im Mir. Ev. co3Aahhw 12. 16; co3aa 
10. 14; co3A‘>h® 20. 26—27, ckrp-fcujfHfH 2. 21; ak>a«h 17. 5; 
niHJH 1. 18; nrijiSH 8. 30; s(o)n;tH 20. 14; keaih 1. 19; 22. 27 
neben koah 7.11). ko Ekceiuk MHp'R im Ev. des Vnkan Marc. 14.9. 
Im Ap. Sis. auch noch HfnpaKfAHkiH I. Cor. 6. 9 n. a. Die späteren 
Versuche, das t wieder einzufiihren, scheinen nicht auf den Gram¬ 
matiker Konstantin zuriickzugehen, da er nirgends darüber spricht. 

In den russ. Denkmälern werden die Halbvokale streng aus¬ 
einander gehalten. Wenn in den ältesten Denkmälern ein voller 
Vokal auftaueht, kann er durch die südslav. Vorlage bedingt sein, 
z. B. hamatokti im Eugenius-Psalterfragment 97. 6 (Komm.). 
Erst im XII. Jahrh. werden die Halbvokale nach der bekannten 
Regel von vollen ersetzt k von t und t» von o. So finden wir 
z. B. in Dobrilos Ev. aus dem J. 1164: tokiuo, Hcnspna, CkMfpTH, 

HAOTk, HCHOANk, KCCk ,vicus‘, TfMHHRIO, OTO CTvIUifpTH, KO MHk, 

co mhoio nsw. (vgl. CoöojreBeKiS, Henn;. 3 S. 57). Ein einziger Fall 
auch im Christinopoler Apost. ans dem XII. Jahrh.: saa pf- 
JKWipf ca (Ap. v. Sis.: caApkucoyijif cf) dloXvCovreg Jae. 5. 1. 

Modifizierte (verengte) Halbvokale. 

Wir bemerken, daß die Halbvokale in bestimmten Stellungen 
und zwar vor einem i oder i und nach einem i anders behandelt 
werden als sonst. So wird aus dobn-fa (Nom. Akk. sg. m.) im 
Aksl. in der Regel a c ' e P’ wh (woraus a c ’ k P" k *)i r. Aoöpnir, poln. 
dobry, b. dobry nsw., im Aksl. aber auch AOKpi'H, ckatoh, des¬ 
gleichen r. npooTofi, cbhtoh 2 ) usw. Analog geht k in einer solchen 


*) Zunächst galten natürlich dieselben Regeln, die wir auch im Aksl. ge¬ 
funden haben, dann machte sieh aber vielfach die Wirkung der Analogie 
geltend, wie wir es vielfach in den einzelnen slav. Sprachen bemerken können. 
Einiges findet man darüber bei Maretic, Gramm. § 57—61. Die historische 
Entwickelung wird hier allerdings nicht dargestellt. 

2 ) Im Großrass. gehen diese Laute in starker Position auch in e und t 
über. Daß nicht jedes y und i im Slav. auf das urslav. y und i zurück¬ 
gehen muß, zeigt uns z. B. auch das Kleinr. nnd Weißr., wo wir y und t 



Lautlehre. 


223 


Stellung in «über (bzw. e ): bahjkiiHhh und kuhjkuheh. In schwacher 
Stellung fallen sie auch aus wie die normalen Halbvokale: russ. 
cbhhm (d. i. svinia), p. hoinia, b. svine. Es handelt sich da um 
eine modifizierte Aussprache, die sehr alt war und offenbar schon 
in die slav. Ursprache hinaufreichte. 

Neuerdings handelte über diese Laute A. Sachmatov: Die 
gespannten (engen) Vokale a und u im Urslavischen(AfslPhil.XXXI, 
S. 481—506). Er nimmt an, daß diese modifizierten Halbvokale 
in den betreffenden Steilungen gespannt oder geschlossen gewesen 
wären. Der Wandel des Ts. zu y und k zu i in den einzelnen 
slav. Sprachen in starker Position erkläre sich aus ihrer Gespannt¬ 
heit. Daß es wirklich auch reduzierte Laute waren, werde durch 
ihren Ausfall in denselben Sprachen bei schwacher Position be¬ 
wiesen (S. 483—484). Sonst wären die Halbvokale in einer an¬ 
deren als der hier in Betracht kommenden Stellung offen (schlaff) 
gewesen, wie der Übergang von i. und k im Serbo-kroat. in a, 
des Tv in offenes o im Russ., Sorb., Slovak. und Aksl. zeige. Die 
Verengung der Halbvokale ist nicht unwahrscheinlich, wenn wir 
die Bedingungen berücksichtigen, unter welchen die Modifikation 
der Anssprache eintrat (ein {, i in nächster Nähe) und ihre Re¬ 
sultate in gewissen Dialekten: y und i. 

Diese Modifikation erleiden die Halbvokale erstens vor einem 
i oder i und gehen gleichfalls auf ein ursprüngliches ü und * 
zurück. Letztere Laute können wieder ursprünglich sein, aber 
auch auf o und e (dobrü-u oder dobn-ik, gosd-ie aus *gost-e{es) 
zurückgehen. 

Hierher gehören: die bestimmte Form der Adj. und auch der 
Partizipien im Nom. Akk. sg. m. und Gen. pl.: Aosp-uin, HCKpamiH, 
daneben auch z. B. hhluteh Ps. sin. 9. 23; Akk. sg. m. des Part, 
präs. aet. kea^iuthh, üs/vwh, ia::n(C'WH ca Mar. Mat. 11. 23, 
omomhh ib. Mat. 26. 23 usw., daneben auch ckatoh Mar. Luc. 1. 72, 
HapmjpisfJioH ib. Joh. 21. 2; oy r \<!pf»i ib. Mat. 28. 2 usw.; Gen. pl. 
.A/C'Kp'ki-Hy'k aus * dolrb-jichib usw. 


kaben, die auch auf 'k und k zurüekgingen, z. B. kleinr. weißr. spuna, r-ibixa-nr, 
großr. spoua, r-soiaTB. 



224 


Lautlehre. 


Die männlichen und sächlichen -ijo-Stämme und die ijß- (bzw. 
Ue -)Stämme in der ganzen Deklination: eojkhh, bojehm usw. neben 
kojkuh, KejKkra und ko>ksh Mar. S. 205. 20; bmhh ib. Mat. 27. 60 
neben buch ib. Marc. 16. 4; tpsthh ; Gen. sg. pUrurk Mar. Mat. 
7. 16, dagegen Zogt, ptnu-k ib. (von p'knmi m. vgl. ab. repi), 
K'kCKp'EUJsnHS neben -ue; cx,,\hh und cjrahia bzw. cx^eia; 
npdTpHH neben spaTpkia. 

Hierher auch die Komparativformen: eoahh z. B. Zogr. b Mat. 
23. 17 neben eoaeh Mar. Mat. 11. 11; kp^hahh neben Kp'Sn/mt ib. 
Marc. 1. 7; uuhhh, eaiuthh, AoyuHH nsw. neben koauh Zogr. 
Luc. 22. 26; beauh ib. Marc. 15. 37. 

Einige Kasus der «-Stämme und zwar: der. Instr. sg. der Fern.: 
kocthkr. und KOCTkraü; hierher auch die Adverbia: Kkuiitup. ,nur‘ 
und T'kHHKK ,gerade, nur ! ; Nom. pl. der Masc.: rocTHie und rocTkie 
(rocTHt und rocTkE); Gen. pl. tccthh, kocthh neben rocTkn, 
koctuh und tocteh, kocteh (hier war das k in starker Position). 

Einige Formen des Pron. ck ,hie‘ (wo i oder i vor { steht): 
Akk. sg. f. chkb neben ceer, Nom. Akk. pl. f. chia neben ckiA, 
dasselbe auch im Akk. pl. m.; Du. m. ch« neben ckta. 

Das Tv der Verbalformen (meist Präsens- und Aoristformen, 
doch nicht ausschließlich) vor » aus *(>> ,eum‘, z. B. hoctaehttü-h 
Mar. Mat. 24. 47 (aus nocTaRnv'k-4); ocv v j,atmv 1 -h ib. Mat. 12.41; 
npHiATm-H Lue. 8. 40; «A ( ” l ' c ''' Ht ' rM ~ H Mat. 28.14; catjAihayomtiI-h 
M ar. 14. 58. Desgleichen Partizipien: ctiNsiuitu-h Mar. 15. 46; 
KHA’kA'hJ-H ecii Job. 9. 37. 

Nun gab es neben noeTAKHTki-n auch noch das gewöhnliche 
nocTABHT'k in anderen Stellungen und das konnte wieder zu 
nocTAEHTTi-H und weiter dann, als die Halbvokale vokalisiert 
wurden, zu hoctaehto-h führen. So finden wir z. B. im Ps. sin. 
(wo wir auch andere Fälle der Vokalisierung des k und k kennen 
gelernt haben): H3 Earhto-h 21. 9, iiO/Kp'k x'omo-h 24. 25 (vgl. 
oben S. 199). 

Analog auch bei k: as’k eamti nph^AMH-H Cloz. 171, aber 
in Mar. A3'k samt». nplv a.,ame-u Mat. 26. 15 (aus npu,\,ar.ik-ii, nicht 
mehr np^AAMk-H). 

Vereinzelt ist hier noch das Adv. aume neben askie (akhe, 
akue) anznftthren. 



Lautlehre. 


225 


Das ’K, das vor i zu na wird, hängt natürlich von der zu¬ 
fälligen Stellung ab. So finden wir z. B. K'u-hhx becs aus irk 
keck Mar. Lue. 9. 56; btu-hhs; ,semper ! Mar. Marc. 5. 5, 
daraus K'kihä», z. B. Zogr. Marc. 5. 5; rtvIua» Lue. 24. 53 1 ); ktü 
net' aus kt*. hc . . . Zogr. Mat. 26. 17; ku hbah (aus ß'K hsaP4- 
hah) Mar. Luc. 7. 9. 

Bis jetzt handelte es sich um k und u vor ■/. Nach Saehmatov 
kann aber A und u auch aus y und i, die vor i eben verkürzt 
wurden (:myiq , myiq. imiq), entstanden sein, was kaum richtig ist. Es 
kommen hier also vor allem die Präsensformen Kpuui», ehe* u. dgl. 
in Betracht. Die urslav. Formen müssen knuy buq usw. gelautet 
haben. Bei KpanrH finden wir zwar im Aksl. durchwegs in (das 
als A aufzufassen ist), aber im Russ. haben wir upoio, Kpoenrt; 
moks, voeuxt usw. Zu ehth wird dagegen schon im Aksl. im Präs. 
KhBK, EkEuiH usw. neben EHix, eheiuh usw. geschrieben (vgl. auch 
im Ab. lies aus bviei, hie aus bue usw.). Der Grund der ver¬ 
schiedenen Behandlung im Aksl. wird wohl in der viel größeren 
Häufigkeit des k im Wortinnem zu suchen sein (vgl. das vorher¬ 
gehende Verzeichnis). Es war hier also viel häufiger ein k neben 
h als 'k neben tu. Unrichtig mag hier nur die Voraussetzung 
eines * und y sein, da das Präs, wohl auf leie- zuriiekgeht und 
ebenso zu biie führte, wie *gosteies zu gostvie. Vereinzelt gehört 
hierher auch chhth, vgl. ck-Karu Mar. Mat. 5. 45 (Zogr. dagegen 
CHtLETiv) und eoch'KK’kujio ib. Mat. 13. 6, das ein E’kCk’EB’huito 
voraussetzt (oben S. 194); weiter eu-ahhth, das als K'kAk’fcTH im 
Zogr. Marc. 2. 22 erscheint (vgl. boahU Zogr. Joh. 12. 5). 

Zweitens müssen wir mit Saehmatov ein fi auch aus ib ent¬ 
stehen lassen: dieses k wurde im Aksl. auch als ein i geschrieben: 
AOCTOHHTi, nCKOHHTk, TAHHT», SAHI-Ik. 3'kAOA'fcHN'k USW. Es ist 
nicht wahrscheinlich, daß durch das h im Aksl. etwa ein h be- 


*) Wenn wir im Ps. sin. bo-hhjk 34. 27 ; 69. 5 finden werden (neben b-unx 
15. 8 usw.), so braucht daraus noch nicht hervorzugehen, daß sich hier im 
Anlaute noch ein jV behauptet habe, denn das bo- könnte auch auf eine 
Analogie zurückgehen, wie z. B. das ce- in c«k/u3hh im seihen Ps. sin. 106. 40. 
Eine andere Präge ist auch die, ob wir es hier nicht mit ji eigentlich zu tun 
haben, wie es wahrscheinlich ist. Dann wäre es allerdings keine neue Kate¬ 
gorie (g. weiter unten beim vok. Anlant). 

Vondräk, Altkirckenslavische Grammatik. 2. Auü. ^5 




226 


Lautlehre. 


zeichnet worden wäre, denn man hätte es dann eher durch n aus- 
gedrückt (das j konnte hier nicht bezeichnet werden, wie z. B. in 
hx’t», Ht.nv), oder hätte man ein eigenes Zeichen gewählt (vgl. ta, 
iß für ia, je). Außerdem sehen wir, daß das k dieses angeblichen 
ijb nicht so behandelt wurde, wie wir es nach der Regel erwarten 
möchten. Es führt in starker Position nicht zu je, sondern zu 
das sich auch noch in der russ. kirchlichen Aussprache erhalten 
hat und auch in die Literaturspraehe Eingang fand: TanneTBo, 

ÄOCTOHHn, B3aHMHBlit, BOHHCTBO. 

Es würde nahe liegen anzunehmen, daß das i auch schon in dem aksl. 
h z. B. in a«ctohh-k zu suchen sei, daß es überhaupt schon urslaviech sei. 
Dagegen macht Sachmatov geltend, das i hätte entweder kurz oder lang 
sein können; ein i hätte müssen imürslav. wieder zu einem b. reduziert wer¬ 
den. Ein * hätte andererseits auch dort wieder anftreten müssen, wo die 
ursprüngliche Verbindung in schwacher Position war: dostöino, mm (meus), 
was natürlich nicht möglich ist, denn in einer schwachen Position konnte 
unmöglich im TTrslav. aus jz> ein langer Vokal entstehen. Es ist daher wahr¬ 
scheinlich, daß auch in diesen Fällen das aksl. h, wie auch in den früher 
besprochenen, ein i. ausdrückt (bzw. hier ein jS). Ein urspr. i (&) ging dem¬ 
nach ebenso vor wie auch nach einem j in £ über. 

Sachmatov führt auch einige direkte Entsprechungen des urslav. ji> in 
Gestalt von i an: großr. aü h (Gen. pl. zu aäuo), aänißHa (aus iaitcbnica), 

3 aüMKa (eine Landparzelle), nsSä (aus ßsMa st. i%st r oba), im Weißruss. 3aüMKa 
,Entlehnung 1 , im Klruss. u3SÖa (neben e3sc6ica). Im Poln. izba, im B.' izla, 
jizba, im Serho-kroat. nba, im Bg. izla, im Slov. izba (neben jezha, jespica). 
Es hätte sieh also auch im Buss. usw. ein £ nach i in ein i verwandelt. 
Sonst ging k vor einem j in starker Position im Großr. in e über: rpeieft; 
hierher auch öefi, neu. 

So wie im Akal. aus %i und %i in starker Position häufig ein 
oj, ü infolge der Analogie geworden ist (ue^TvH st. Kf^'Kin, ov*- 
st. oyA^PHh), ist auch in unserem Falle im Aksl. und dann 
auch in den einzelnen slav. Sprachen ans n ein n geworden, das 
in starker Position wie auch das gewöhnliche k zu e führte 1 ). So 
haben wir im Zogr. noch npH-Him.. Mat. 14.19; 15. 36; 27. 24 usw., 
im Mar. dagegen npn-EM-h. (hier vorwiegend so, seltener npH-HMTi). 
So auch im Supr. hmt». 192. 27; 194, 6; 234. 12 neben leMTiiue 
40.17; npH-HMTv 174.25; 189.22 neben npH-KSM'kUM 14. 7—8. 


*) Über diese Fälle handelt auch Seepkin, Pascy«. S. 158 f. u. 305—806, 
wo auch Fortunatovs Ansicht (er unterscheidet zwischen und >) vorge- 
hracht wird. 



Lautlehre. 


227 


Das alles ist nach Formen wie B'K 3 kU'k-K'iv 3 £M r k, letzteres Mar. 
Mat. 13.31 (Zogr. hier B'ks-kii'k); Lne. 5.25 (Zogr. ETv 3 -ii.u k) nsw.; 
BTvB-EM'kUJH Mar. Mat. 13. 33 (Zogr. Ek 3 kUTvWH), weiter nach 
oTkM'k-OTfM'k usw. entstanden. Auch im Assem. finden wir oft 

«MTk, tUTvlUf, OETvfUTv, läOfUTv, MpHSU'k, H.VEUTvHHK'k 85, NdSUk- 

HHKk ih., HdtuivHHKk 85, KoronpHs&iHa 160, et» 3 d«mnv 64; wie 
zu ovMEpiv, oyuepTviija ein oy ue P’ w gebildet wurde, so entstand 
auch ein npHfinu (Euch. sin.). npHtudTH Ass. 8 entstand unter 
dem Einflüsse von emmaer, ejjuijjh. — Im Cloz. neben npHHUTv 
378, 641, 946, npiiiurkUiH 593, npHHMivi 614, ripHUTv 938 auch 
npn-t warne 75; — KTv 3 kW r k 391. — Im Euch. sin. iinvuie 106a, 
noATvEUiv 67a, npHewk 4b, 46b (bis), 75b u. a., npHEUTvinaaro 
101a, npHewamioiuioy 7a, upmu-ki 13b, 15b usw., np-keurkuiaaro 
83b, etv TdHHOsuiiH'kiY'L 45a, HecycTpoeHTv 54a. Am meisten 
fällt hier auf ne,a,ocTO£irk 69a 15—16 nach Adj. wie cxp.kH'k, 
AOBOdkHTv usw. neben dem älteren aoctohktv 83a usw. Etwas 
analoges finden wir auch im Cloz.: aocto'Lhtv 106 neben 4 , 0 - 
CTOHH’k 2, 941, doch kann man es wohl kaum mit dem serbo-kr. 
dostojan vergleichen, da das a für den Halbvokal erst seit dem 
Xm. Jahrh. auftritt. ne^ocToeinv finden wir auch in dem Ap. 
v. Oehrida: 1. Cor. XI. 27. 28. 

Ygl. im Serbo-kroat. zajam, sajam , bujan , jamac , jamacno. — Slov. bojec, 
sjajen. — Im Großrusg. naEin, 3aöMT,, bö6ht>, noKdeHX. — Kleinruas. näeM, 
aaeM, ae'i»-, näue. — Poln. dostojen, przyem {przejmu), rozjem. — B. zäfem, 
pojem, hyen, vajec (Gen. pl.) zu vajce, vejce. 

Formen des Instr. sg. krarbrrn, gno/Amb führten im Aksl. zu 
oyKpoHMk 1 ) neben oyspoeuk, im Enss. zu icpaeMi. rnoeMb (auch 
amTE.eMi. aus zifbrbmb) unter dem Einflüsse von naaMeuk u. a. Die 
im Aksl. vorkommenden Instr. wie oE-kuixaHHHUk, KauuNHMMk 
(Snpr.) neben OEkuiTaHnseuk, KaueHHieuk können allerdings auch 
durch Assimilation aus letzteren entstanden sein. 

Nach Saehmatov hätte es noch ein anderes t im Urslav. gegeben, näm¬ 
lich ans unbetontem 1 im Auslaute. * wäre durchwegs im Auslaut zu I verkürzt 


1 } So finden wir es wenigstens im Ostr. )Joh. 11.44) und es ist möglich, 
daß es schon so im aksl. Original war. Aus einer derartigen Form könnte 
auch leicht das wkpchavh des Ass. entstanden sein; Mar. Zogr. Sav. kn. haben 

oyKpocAta. 


15* 



228 


Lautlehre. 


•worden und unbetontes » wäre zu i geworden, während sieh bet. * behauptete. 
Daß es eine derartige Verkürzung gab, ersehen wir aus dem Dat. und Lok. 
sg. f. der Pron. und Adj.: top, dobrop (aus topi < tojfii < toiaf), s. Verf. 
Vergl. slav. Gr. I, S. 27, 58 und 2. Pers. sg. imp. daii, stop (vgl. vedl). Hier 
überall sind in allen slav. Sprachen Diphthonge oj, a% usw. entstanden, es 
ist aber nicht sicher, daß die Übergangsstadien analog wären wie bei urspr. 
krau, mojt, das zu kraib, moib und schließlich bei Schwund der schwachen 
Halbvokale zu krai, moj, führte. Saehmatov nimmt dies an, nur wäre nach 
ihm hier ein £ gewesen, das im Aksl. wie in anderen Fällen auch hier durch 
h ausgedrückt werde: caa«, gxah, kimcth, mth, bLch, necfu»H und ähnliche. Vor 
dem Sehwunde der Halbvokale (z. B. im Dialekte der Abschreiber des Origi¬ 
nals vom Ostr. oder der Sav. kn.) las man : caa£, kjkas usw., was dann in den ein¬ 
zelnen Dial. zu s(d\ bqd ’ usw. führte, im Kirchenslav. behauptete sich aber eine 
gekünstelte Aussprache noch weiter. Ein derartiges i {im Aksl. geschrieben h) 
— betont» —wäre gewesen: 1. in der Endung der 2. sg. bei konson. Stämmen 
sl (serb. fisi, bulg. ch, b. jsi, klr. aacir, fiicn) neben -st (iioauck der Kiev. Bl., 
vuez Freis. I 20, in der Moskauer Urk. v. 1433 eso, im Ap. jes, Ah. js, s, Poln. 
■jestes ; 2. in der Endung der 2. sg. der vokalischen Stämme st (dieses würde 
man bei Verben wie lomiti, sspati erwarten, doch wäre wohl schon in der 
slav. Urspr. si von st verdrängt worden) und s ! S; 3. 2. sg. urslav. chocet , 
aksl. x«mTH Supr. 65, serb. xoh, klr. xou; 4. in der Infinitivendnng ti, im 
Großr. erhielt sich betontes ti, dial. auch unbetontes ti; 5. im Imper.; 6. in 
den Formen wie a’bbza^cath, tpha<c*th, cf. russ. iBaanais usw.; 7. in den 
später als abbimg, AP«'f r ®<l»* auftauchenden Adv.; 8. das Wort mati, in b. mäti 
wäre das i von dei entlehnt, russ. jous nach Mars; 9. die Adv. domovt, dotovi, 
urslav. domovt, dolovl ; 10. enkl. Formen mi, ti, si; 11. Part. U. In einzelnen 
Fällen wäre das k schon im Urslav. von i durch die Analogie verdrängt 
worden, so z.B. Dat.sg. kosti ging in kosti über wegen rszi, brnvi; zenamt wurde 
zu zenami nach Vudsmt, kostsmi; synovt, domovt zu synovi, domovi nach golqbi, 
gosti, sädt Nom. pl. zu sädi nach popl, dvort usw. 

Es liegt nahe, anzunehmen, daß es zwischen dem i und dem vollstän¬ 
digen Schwunde des Lautes eine Übergangsstufe, also etwa ein minder ent¬ 
wickeltes i gab, daß es aber ein £ hätte sein müssen, ist nicht so sicher. 

■Wenn nun in den aksl. Denkm. für ein vorauszusetzendes dv, k 
regelrecht ein tu, h geschrieben wird, so braucht daraus noch 
nicht hervorzugehen, daß ein derartiges tu und n identisch war 
mit einem gewöhnlichen tu und h überhaupt, sondern nur, daß 
sieh das 4 sehr stark dem tu und k dem h näherte 1 ), denn wir 
haben wieder aksl. Denkm., in denen statt eines derartigen tu 
oder h ein Tv oder k (bzw. die daraus weiter entstandenen Laute o 

1 ) Namentlich hinsichtlich der Quantität wird ein ziemlicher Unterschied 
zwischen einem u aus urspr. ü und zwischen einem tu = •£ (analog bei % = £) 
bestanden haben. 



Lautlehre. 


229 


und t) stellen, ein Beweis, daß die Identität der in Frage stehen¬ 
den Laute nicht vorhanden war, denn wenn auch hier die Analogie 
wirkte, so hätte sie wohl ein wirkliches tu und h nicht so leicht 
verdrängen können. So aber handelte es sich um Laute, die 
zwischen und ’S. und zwischen h und u standen; da konnte die 
Analogie des ’K und a leichter wirken. 

Es handelt sich nun darum, wie sich die Denkmäler unseren 
Lauten gegenüber verhalten. 

Die oben behandelte erste Gruppe der aksl. Denkm. geht auf 
Originale zurück, in denen es noch keinen allgemeinen Ausfall von 
Halbvokalen und demzufolge auch keinen eventuellen Ersatz durch 
volle gab. Daher waren hier auch die verengten Halbvokale in 
starker und selbst auch in schwacher Position erhalten. Diesen 
Reflex sehen wir in der Sav. kn. Die verengten Halbvokale wer¬ 
den durch tu und h regelrecht dargestellt, z. B. jkhkottv bUmtiHTvI 
('tu aus tü-h) Luc. 18. 18; muhhh Luc. 15. 13 (Nom. m.); hm'Shhs 
15. 13; cbhhhh (Gen. pl.) 15. 15; Kp’knocTHi* . . . noMTUumt- 
HHff.ik Luc. 10. 25; cyrputa 10. 35 usw. Einigemal finden wir 
hier allerdings s: eoam 27 bis (Nom. und Akk.), 102 b (Akk.), 
EAH2KhHhH (Nom. Sg.) 56, HCKpkHkl (Nom. sg.) 56b, nOCA'fc^kKkl 
(Nom. pl.!) 31, nocA'kAkNM (Nom. sg.) 82; — crßopw (Nom. sg.) 
56 b, ov%vtphJ (Nom. sg.) 112, pcukam ca (Nom. sg.) 139 b; — 
Auhu (Gen. Pl.) 88; -na oifrpkia 121 (rubrum); w okamehehu 
(=-hu, -hhh) 74 (llfenKHHT», Pascyam. S. 254). Das alles erklärt 
Scepkin mit Recht aus den betreffenden nominalen Formen und 
überhaupt durch Analogie: nach BOAkiua usw. auch eoakh statt 
eoahh, nach BAHJKkHk, HCKpkrik auch eahikehm, HCKphHU, nach 
cTsopk auch CTKOpai; nach a^he, A kHt )T^ usw. Fast aus¬ 

schließlich handelt es sich hier um starke Positionen, daher ist 
es wohl nicht eine graphische, sondern eine sprachliche Eigen¬ 
tümlichkeit Die vereinzelten Fälle in schwacher Position sind 
anders zu beurteilen: w OKAf.misfTki ist ein Schreibfehler oder 
eine Entlehnung aus anderen Denkmälern, so auch ha cyupkra 
(nicht im Texte!); nocA’RA kHW als Nom. pl. und das auch ver¬ 
einzelt vorkommende heA'S'JK' kH'kA 39 b statt heajüjktvH'kia 
müssen als Fehler angesehen werden (ev. hocaUaehki nach no- 
cA’kA' 1 ** 11 usw.). 



230 


Lautlehre. 


Beachtenswert ist ktjhx 29 und es muß hervorgehoben wer¬ 
den, daß bt» vor einem mit h anlautenden Worte nie mit einem 
k geschrieben wird (vergleiche die Worte hei Scepkin, CaBB. kh. 
S. 159 und Paseyayt- S. 191), was wir auch im Supr. und Zogr. 
finden. Sc. zählte solcher Fälle wie kt», hma in der Sav. kn. 52 
(S. 187). Das zeigt uns, daß hier Reflexe des k'kiha; aus einem 
älteren ktü-hhx erhalten sind. 

Analog verhält es sich im Ostr.: regelrecht hcthhu.ht»ih Joh. 
1. 9, kjkhh 1. 34; no OMHiptHnw Joh. 2. 6, 3HJMfniiiei.ri» 2. 11, 
csfnHEKTk ca 2. 10; AEHie Joh. 21. 3. 4 usw. Dagegen kh^k-kh 
194. 201. 221, ETvC’KaKivH 241 (bis), npHHM'KH 85 (fünfmal), ct»- 
uibatiH 21. 218, o\fMkpT».H 140, nnpnnAfiin»H 156, ocunkH 279, 
cxabht»h 290 u. a. 1 ) statt rha’Kktjh, K’kC’lvAK'kiH usw. ist wie der 
unter dem Einflüsse von KHA’kBT» usw. entstanden. Ebenso mabukh 
statt MAOK'knHH nach MAOK’fcHk. Schreibfeh ler o der Entlehnungen 
aus anderen Denkm. sind die Schreibungen hpkeui* Blatt 215 und 
OKkieMAWTk 231 (Saehmatov S. 487), da es sich hier um Halb¬ 
vokale in schwacher Position handelt. 

Anders in den Denkmälern der zweiten Gruppe. Das 4» und 
i» ist zu einem t» und k geworden und dann in starker Position 
wie die gewöhnlichen ’k und i» vokalisiert worden, so daß wir hier 
vielfach ein o und t finden konnten. Doch wird hier selbst auch 
in dieser Position häufig für diese Laute noch t» und w geschrieben. 
Was aber bei diesen Denkmälern auffällt, ist, daß dieses 
■k und k selbst auch in schwacher Position, wo also die 
Halbvokale eigentlich schon geschwunden waren, für ’k 
und k geschrieben wird. Allerdings verhalten sich die Denk¬ 
mäler in dieser Hinsicht nicht gleichmäßig. 

Zunächst muß hervorgehoben werden, daß wir hier alle drei 
Stadien vertreten finden, also auch noch das älteste mit tu, h, 
z. B. HCTHH’kH’KiH Zogr. Joh. 6. 32, K>KHH Mat. 3. 16; 4. 6 (diese 
Formen erscheinen auch kontrahiert mit -tu und h). Das zweite 
Stadium, das in starker Position auf die Wirkung der Analogie 
zurückzuführen ist, zeigt sich z. B. in ©YA d P KH Zogr. Mat. 29. 68, 
ACym»! Cloz. 227. Dieses k finden wir hier aber auch in schwacher 


!) Vgl. KoäJioBCKiä, IläCÄÄ. o «3. ocrp. eu. S. 56. 



Lautlehre. 


231 


Position: aet>e, houitm*., KpaTkia usw. Da aber die Halbvokale 
in schwacher Position (auch die verengten) schon geschwunden 
waren, so kann es sieh natürlich um keinen lautlichen Übergang 
des % k in t», k, der hier durch die Graphik zum Ausdrucke 
käme, handeln. Man wird wohl deshalb k für h {= fc) (bzw. 'K 
ihr tü = ü) geschrieben haben, weil in dieser Stellung kein Laut 
mehr ausgesprochen wurde und weil man sonst auch Halbvokale 
schrieb, die nicht mehr ausgesprochen wurden. Sachmatov meint, 
daß das k auch die Erweichungsfunktion übernommen bzw. als i 
fungiert hätte wie in der ältesten Phase z. B. in THKfp'kta^kCKa 
Ostr. 15 und in mia, via u. dgl. (z. B. 3£Mkta, 3fMkA, 3£UktK 
S. 488—489); es ist also 3£Ukia als semia aufzufassen (so war es 
auch in der gemeinslav. Ursprache). In den Verbindungen fwa, 
nhju usw. schwanden die Halbvokale und es entstand tm, niu usw. 
Man fuhr aber entweder fort, sie als tija, mju (tum, hhk») zu 
schreiben, wie man auch noch ktvTo, ii kTmj,a schrieb, das war 
dann einfach eine graphische Tradition oder die Wirkung einer 
gekünstelten Aussprache des Kirchenslavischen. Oder schrieb man 
Tka, Hkio usw., was uns noch mehr an irkro, nkTHipi, mkto 
erinnert, sofern es nicht gekünstelt ausgesprochen wurde. In den 
Denkmälern der zweiten Gruppe findet man beide Schreibweisen, 
vorwiegend allerdings die erstere. 

Im Zogr. finden wir im Matth, nur fünf Fälle: p’fcnk'fc 7.16; 
oyEkKRTTv 10. 17; nEkc 13. 21; nk’KHHi^aMH 24. 49; nki* 26.42, 
im Marc, und Luc. sind sie dann (neben Fällen mit h) zahlreicher 
(insbesondere in Luc. 21 sind 23 Belege), z. B. rikus. Marc. 2. 16; 
aukf 1. 20. 29; 1. 43; 2. 2; 3. 6; 4. 16. 17 usw.; B’kAkkTH 2. 22 
usw. 1 ); in den ersten Kapiteln des Joh. noch sieben Fälle: oviik- 
m ca 2.10; 3HaufNk-K 2. 23; ^BHUceNk-fc 5. 2; aKke 4. 51; 
5. 9: K’kCKp’SmfHkE 5. 29, dann noch cktsk 10. 18 und zum Schlüsse 
nichts mehr. THKepk’t.i.kcu.’kUk 21.1 ist nicht sicher (auch Mar. 
TdBopküi t 5 I kcLt'kEJk, Ass. allerdings THBepHJAkcTtMh). 

Tm Zogr. b kommt nur h vor und kein einziges k: 

Mat. 16. 27, cy bheujh 1®- 18, HcnnfTU 20. 23; npcTRHt 18. 3. 23; 


i) Daher begreift man die Form Koan-t Joh. 13. ö. 



232 


Lautlehre. 


19. 14 usw.; HM'kHHf 19.21; hpkokhix 23. 35; kt* K'KCKp'kiueHHi 
22. 28 usw. (Verf. Zur Kritik, S. 32). 

Trotzdem das b in einzelnen Partien des Zogr. häufig ist, finden wir hier 
doch kein kn*), wie schon Leskien bemerkt hat, sondern nur -hh, z. B. b-b 
oTkMkcTBHH Mar. 6. 4; ß'k ... ecxjKAfHHi Luc. 23. 40 usw. und h : n® K-k.3,uxuiTtHH 
Joh. 5. 4; b-k . . . oTkMkcTRH Job. 4. 44; kt» «ctph mma Luc. 21. 24 u. a. Das 
gilt übrigens auch von den älteren aksl. Denkmälern und würde entschieden 
dafür sprechen, daß k in diesen Schreibungen als i aufzufaBsen ist, denn es 
ist begreiflich, daß « (das als bh zu schreiben gewesen wäre) aus i%i (wo der 
Halbvokal schwand) zu einem h führen mußte, wie aus mj»V, bji, pji ein mt, 
bi, pi, ans mis, hib, pib ein mb, bb, pb geworden ist, neben einem m{a, bja, p\a, 
einem mje, b%e, j o%e usw., z. B. siaw, k®pakh, kspaek usw. neben abb«, aiMkia usw. 
im Supr. (vgl. Sachmatov S. 490). Es ist klar, daß in dem h der Verbin¬ 
dungen wie hR i, hi«, Hie kein silbenbildender Laut zu suchen ist, auch nicht 
in dem,'für h stehenden b. Sonst wäre z. B. n «ah fc Joh. 12. 6 statt K-kAH-k 
nicht zu erklären: nur dann ging z in o über, wenn das b nach dem a schwand. 

In starker Position haben wir hier einmal noch hcthhtvIitvIh 
Joh. 6. 32, sonst kontrahiert -’ki, wie z. B. neKCK'M Mat. 6. 32, 
,\povr'ivi 8. 21, HtUTvi 9. 33 usw., was in Luc. und Joh. zur Begel 
wird, von der es nur wenige Ausnahmen gibt 1 2 ). Daneben kommt 
hier noch na vor; mckTbI Mat. 8. 20; 9. 6; HapentHTki 10. 3, ncua- 
pHOTKCKTki ib. ; cxAiBrnki 11. 22; cttA Marc. 3. 29 usw. Das kann 
nicht als tu == y aufgefaßt werden, da dieses hier immer nur so 
geschrieben wird (tj). Es soll dadurch eine selbständigere Geltung 
beider Laute angedeutet werden, da wir hier auch entsprechend 
-ch finden, z. B. ctoi Luc. 1. 72. Allerdings finden wir "kt auch 
in den übrigen Kasus mit -ki ( / v«Bp r kiX”k), und zwar noch häufiger 
als im Nom. Akk. sg. m., so daß sich hier die Keflexe des ur¬ 
sprünglichen ’w-h (zweisilbig, z. B. in acep'ki-h\'%) erhalten haben. 
Vom Part, haben wir hier KT».3Hfc r hJ ca Mat. 11. 23. 

In zweifacher Form kommen auch die io- Stämme vor: koahi 
M at. 11.11 (bis), Luc. 7. 28 und kontrahiert; muhh ib., rsahi Mat. 
28. 2 und iuah Mat. 8. 24; k(c)jkih Mat. 12. 4; 27. 54 und bhTh Mat. 
14. 33; Joh. 1. 34; Tprni Luc. 24. 21. 46. 


1 ) Als ü bzw. bji, dagegen als sf im Nom. Akk. sg. kommt es hier vor, 
d. h. in starker Position. 

2 ) Analog ist auch z. B. npHiAT-B i Lue. 8. 40 u. a. zu beurteilen gegen 
nvcTAKHT’k i Mat. 24. 47 u. a. 



Lautlehre. 


233 


Analogieformen: oy'a^PB 1 Mat. 26. 68 (Mar. -tu), ckTEopu 
Luc. 10. 37 (Mar. -hh), omohki Marc. 14. 20, dagegen omomhi Mat. 
26. 23, rpAA^iUTKi Marc. 10. 30, kaiutm Luc. 9. 48, eoabi Lue. 

22. 26, beau Mare. 15. 37 und cTtb euTei Marc. 15. 39; Gen. pl. 
FJHAOcp'KAM Luc. 1. 78 und sanoBtAW Marc. 12. 29. 

Volle Vokale: croi Luc. 1. 72, upluiAfi Marc. 1. 7, dagegen 
Kp'knAH Luc. 3. 16 und Kpuna'Hi Luc. 11. 22; ornk HeraiuxuiTEi 
Marc. 9. 43. 45. 

Analog im Zogr. b: küubn'bj Mat. 19. 29; B’käAiOBEH'ki 17.5; 
TpETHi 16. 21; kcaih 18. 1, soAHi 18. 4, boahi 23.17 neben soah 

23. 11. 

Volle Vokale: koh 21. 31, kai;iei 20.26, kocteh (Gen. pl.) 23.27. 
Das verengte 'K vor si lautet nie zu k um, daher immer ßiv 
hcthhx Mat. 14. 33; 26. 73; 27. 54 usw.; ß'k hma Mat. 10.41.42; 
28. 19; Marc. 9. 37. 41 usw.; Bk hiix KkCk Luc. 9.56; ß-k hckoy- 
uiEHkE Luc. 10. 4. (Verf. Über einige orthogr. und lex. Eigenth. 
S. 29). 

Aus btj-hhx ist hier durch Kontraktion euu-hx entstanden: 
Marc. 5. 5; Luc. 24. 53, dagegen noch: ktj iicv Mat. 26.17. Hier¬ 
her gehört auch OT'kiMET'k Marc. 2. 20; 4. 15. 25, Luc. 10. 42, 
OT'kiu;BT'k Luc. 19. 26. In den Kiever Blättern dagegen: otbmh 
Vb 21. 

Mar. bleibt fast noch etwas zurück hinter dem Zogr., was die 
Schreibungen kia, ke usw. anbelangt. Wir finden hier ck'fiAT'k 
Mat. 5. 45 (Zogr. ch’Set'k), 3Ubbb Mat. 7. 10, abbe Mat. 8. 32; ro- 
AXEBE 10. 16; OVKkKkTTv 10. 21, BpATph'E 12. 46. 47. 49, opx- 
/KkEUk 26. 55; aioabe 27. 25, m^kabbe 22. 37, aectbek. Marc. 
14. 1, EpkHkt Joh. 11. 14. 15, Ep'kHkEMk Joh. 9. 6. Namentlich 
aus Luc. führt Jagic (S. 435) zahlreichere Fälle an, darunter ak>abe 
19. 48, A^ HIie 19- 4:3; 21. 6. 22; 23. 29; bbeh-b 12. 47. 48, no 
otfEkEHHH 12. 5, mkcTkE 13. 22, ckEB 12. 20 u. a. Sie werden 
dann immer seltener, namentlich gegen das Ende. Auch hier kommt 
keine Schreibung mit bh vor, sondern nur hh und das kontrahierte 
H, Z. B. no B'K3M/BEilTEHHH Joh. 5. 4, ß’k CEOEUk OTkHkCTEHH 
Mare. 6.4, ß'k pojkaenhh ib. Dagegen: ß’k Tp kirkHH Luc. 21.19, 
ß’k i^pcTKH Mat. 11. 11; 18.1; Luc. 7. 28; tpethhei* Mat. 26.44 
neben tpethhi^ew. Lue. 23. 22. 



234 


Lautlehre. 


Zur Beurteilung des unsilbischen Wertes von h und k in hh, 
hui, he . . ., eh, ee . . . diene: eoch'KktiUuio Mat. 13. 6; i^cpe- 
ctbhe Mat. 6. 10; 19. 23; Lue. 22. 18. 

In starker Position ist hier noch -tum nicht selten: jeheott»- 
htuh Joh. 6. 35 (gegen jkhkot'kh’kj ib. 48), AP<>Y rr wH Mat. 8. 21 
(gegen AP«Y r ’ KI Luc. 6. 41 usw.); Marc. 12. 4; 14. 19; cttuh Luc. 

з. 22; 12. 12; Joh. 7. 39 u. a. Auch bt».3hjc’Mh ca Mat. 11. 23. 
Zumeist allerdings tu. So auch in den übrigen in Betracht kom¬ 
menden Kasus. 

Bei den io- st. -hh: beahh Mat. 27. 60; 28. 2; koahh Luc. 
7. 28bis ; ejkhh häufig. — ouomhh Mat. 26. 23; Marc. 14. 20; rpA- 
AXUjthh Marc. 10. 30; Luc. 18. 30. 

Volle Vokale: ctöh Luc. 1. 72; n4pHu,asr.ioi! Joh. 21. 2; cv'ue- 
pOH Joh. 12.1. — beaeh Marc. 16. 4; Luc. 1.15; eoaeh Mat. 11.11; 
12. 16 usw. (15mal noch), ao^meh Mat. 12. 12; eojkeh S. 205. 20; 
KploiAEH Marc. 1. 7; Luc. 3. 16; 11. 22; oYA d P‘« Mat. 26. 68; 
AkNEH (Gen. pl.) Luc. 5. 17 usw., A B *>P fH Mat. 28. 2; Marc. 16. 3; 
ak>a eh Mat. 13. 15; Lue. 7. 16 neben ak>ahh Lue. 2. 31 und ah- 
A«h Luc. 2. 32; khtehcktühmh Luc. 8. 14 und 21. 34; rB03A«H- 
m’hiia Joh. 20. 25. 

Alt ist: btu-hcthhx Mat. 27. 54; Marc. 12. 14; 14. 70; Luc. 
20.21; Joh. 1.48; 7.40; 8. 31. 36; 17.19; bei-hcthhH: Joh. 8.44; 
BTU-HtoAEHY'K Joh. 11. 54; BTvi-HMA'S' Luc. 22. 3; b'ei-h3ah Luc. 
7. 9; btu-hha» Marc. 5. 5; Luc. 9. 56; htu-hmattv (aus h"K hmat'e) 
Joh. 3. 16; 8. 12; uoctaeht'Ijj-h Mat. 24. 47; h3eabht’ei-h Mat. 
27. 43; BTkBAtoEHTTU-H Luc. 7. 42 u. a., vgl. oben S. 224 und Jagie 
S. 426. Das ergab auch tu: a3t» t ß'Etik Job. 7. 29 (lies a3TvI 
p.'kt.ik aus a3'w-h B'kiik); kt». ipoA<>Y (lies KTapOA^V) Luc. 23. 7 

и. a. (S. 427). 

Im Cloz. finden wirregelrecht Eli, ee, eio usw.: nopoJKAEHEE 
882, 897, nopo>KA E Hkio 914; agee 305, 632. Mit t*: pa3ahtt»e 
255; HtE'kiT'kE 556; noiuttvM» 883,884,953; oht»» 4; ocxjka*- 
h'ke 431. Dadurch wird die harte Aussprache der Konsonanten 
angedeutet. Alle hierher gehörigen Fälle werden von Miklosich 
in seiner Vergl. Gramm. I 2 S. 118 aufgezählt. Schreibungen wie 
lYkAOMKAP'kcTBHEMk 406, Y' f ‘A oa '’txTKH'K 568 bilden seltene 
Ausnahmen. Begelmäßig nur: ncpcTBie 117, 700, ncpcTBHt 678, 



Lautlehre. 


235 


707, u/kcpcTiiit 11 50, ncpcTRHw 692 (vgl. Verf. Glag. Cloz. S. 123); 
regelmäßig auch K>Kne 62, kjkik» 80,144, 154, II 14, 723, 856 u. a. 
(S. 98)i). Besonders häufig finden wir hier hh: et». cKUltpiHHH 
42, no ., . ©ystHiH II 41, e'e hm'Ehih II 108, aber auch o no- 
rpEEEHH 753, ejkh 66, 83, 90 usw.; «cmüTasHtii. 240, kahcu,a- 
hhmil 821, Instr. pl. opxjKH II156. Was aber auffällt, ist eh st. 
hh: o iip-E,\,aHKi 248, n ca hei me 55. Sachmatov erklärt es als Neu¬ 
bildungen nach ncdHtf, nptiAANEE (S. 491). 

In starker Position noch einmal hehpabeaehtüh 773, sonst 
überall -tu, z. B. eaajkih'ei 20, 40, 70. Analog aovuih 196, 197, 
optETUuniHiH 807, koaih 445 gegen euTh 66, 83, 158, aov'hh 
203, 208. 

Mit dem Halbvokal: AOifmn 227. 

Voller Vokal: evEpaintH 412. 

Beachtenswert: np-KA dU1 - H 172, naMATHm-K (aus oauiatb 
hwe) 318; KTü-HcnpAKAgHEio 577; E'ei-hciia'ehith 1162. 

Im Psalt. sin. trifft man überall Et;, ew, ee usw. an, in 
manchen Partien sehr häufig, in anderen seltener; namentlich ein 
Schreiber machte nicht viel Gebrauch davon. So haben wir hier 
z. B. ak>ae£ 2. 1; noKEA-kHEt 2. 7; ee3akohe'K 5. 5; EAaroBOAi- 
Hkt; 5.13; tipocTEi* 2. 5 neben i kpocTii* 6. 2 u. a. Heben e 
auch %, wie im Cloz.: AOCTO’kH'k* 2. 8; beban-ei 5. 2; ee3akoh- 
htie 6.9. In der weiteren Partie: ©a^ 11 * 68.12; hekeihte 68.13; 
Imper. npoAEi 68. 25. 

Auch hier findet man eh: bte ^baaehei 68. 31. 

In starker Position r w : i;piE r ki 5.7 n. a., selbst auch jkhe'eii 2.4. 

Volle Vokale: h3E£A©h 80. 11; np-feM^AP®” 18- H ü. a. (vgl. 
oben S. 199); hhipeh 9. 23; keaeh 46. 38, allerdings auch noch 
mit e: eeaeh 47. 2 (oben S. 230); ak>a {H 3- 7; 7. 8. 

Beachtenswert: b’ei-hhs; 37. 18 usw., e'uiix 15. 8 usw. Aber 
auch schon bo-hhav 34. 27; 69. 5, das analog ist dem cTvf.itpHTo h 
9. 30; noiATO-H 77. 71; non;pt:\'ouo h 34. 25 u. a. (S. 199). 

Im Euch. sin. beschränkt sich das e im allgemeinen auf be¬ 
stimmte Fälle. Regelrecht wird eh, ek>, sonst aber konsequent 
hi, n tc, hmv, her geschrieben. Ausnahmen davon sind sehr selten 


*) Im Zogr. haben wir kjkkh (Mare. 15. 39) und im Mar. kmk(h gefunden. 



236 


Lautlehre. 


(vgl. P. Lang, Zpräva o c. k. r. a v gymn. v Pfibrami 1888 S.31f.). 
So haben wir Mer kt» KHA'RHkH 3a, btv n oAQEkH 4b, no komti- 
KankH 11b, na pacriAThH 30 a, bt* upcTBkH TßotMh. 50b und 
oft; ktv noM'knjjAEHkHp». 23b; o . . . HEB’RA’RNkHY'E 62a, © 
np’fcrp’KmeHb.Hpi. 71b; bt>. hpkbh kjkkh, et«. paE-R kjkkh ceme 
54b; ärk eSäTh 88 b, TpcTkH hack 47b, tpeteh a^he 48 a, 
TptTkHUEHK 47a; awaeh TBOH)f'k23b, TkiuTAHkH (Gen.pl.) 100b 
(regelrecht ist hier jedoch -eh (1. c. S. 18) u. a. 

Ausnahmen: BTi Mp’RKopHH 49b, pacn athh 67a, npn hahh 
5b, CHH 3HAMEHABAEMHH 51b, Dat. fem. EBTinpaKCHH, $£TpOHHH, 
OAOMknHH, HfpOHHH 93a, OTTi HET'kip’k CTCAf^HH (OTOlXElOv) 4a, 
Imper. hhhte 46 b. 

kW ist hier ausnahmslos: inv ybaaehew 3b, tboemoy eoa’e- 
HOJKkw la, KTi ß r kBA'W)f‘!iHkw 4a, no tboemoy OY ro>K A fH EW 24b; 
no 0ßpa30V ejeew 98b, ohew 53a, 76b u. a. 

he ausnahmslos: rkTBopEHnc la, 13a, hiaRaehhe lb, 2b, 6a, 
nOMlillilAEHHEMk 3b, AWAHE 9a, EHCHEMk CAOBOMk 19b, CAOBO 
ejkhe 67a; beaheme rAacoMk 43b; nHET'k 20a, o^het’ ca 104a, 
nHEM-k 54a, khet’ ta 50a, 88b, ©yehet'e 102a, sheh-ei 49b, 
GHEHHEMk 49b, oYEHEnaar© 102a; abhe 11a, 11b, 19b, 26b, 95b; 

AH’fcKOH’kCTBO CHE 58b. 

EEAkE 36a ist fehlerhaft für bsaeR und noAOYHEHkEUk 54b 
vielleicht für noAoyAEHE£Mk (Jagic AfslPhil. VII, 129), obzwar das 
auch der Regel widerspräche; AP CK, ‘£ 85a st. AP fK 4E, das hier 
möglich wäre. 

hIj ist auch regelrecht: ott* cost-a^h«' 1 * lb, ot% neetathIi 
3b, E£3AEHH'k 4a, ch-R pasa 10a, 10b, npoAHhTH 20b, npoaH-R 
4a, H3AH-RA’k ECH 64b, ETvCHUET’k 82b, ß"k nnlCH'kCTB'R 54a, 78a, 
CJMUTH BHlwAHUH (ysif.tC 0 v) 44b, BHliAHUEKK. 44b, npHU3Nk 18a, 
AH’Rboa'e 53a, 55b u. a. 

Ausnahmen: MH0ropa3AHHk1i 8b, oT'k h achae'R 15a, 62b, 
HpCTßa E^Kk-R (Gen.) 89a, KpECTk’RN'k 66b; ß’Rp'kl KpECTk-RHCKTA 
67 a; na'kHk-R 2b. 

Bei hja gibt es keine Ausnahme: hahia 15a, 99b, epathia 
hauiaia 26a, EpATpniA 34a, 87a, 89b, 91a, ahahhia 34a, 34b, 
»P’kEHIA 50a, 3MHEA H CKOpTi.$HIA 51b, OT'k MApHIA 52b, 93b, 



Lautlehre. 


237 


H3 MdpHMk 61b, aaakhia 76a; kjkhia 60b, 92a, BßAKHiA 62b, 
91b; koatj CHhft 6a, ha aioahe (!) teoia chia 62b; hh nnwi hh 
■üA'W 34 a. 

her. vorwiegend: napEMHtx. 5a, coahkr 6b, 20b, akiEorhik 
10b, 86b, 105b, EAdroA^Hi* 14a, 15a, 18a, 24b, 25a, 26a, 
29b, 58a, 61a, 62b, 74b, 82a, 95a nsw.; EAarocTHix 20a, 20b, 
62b, 24a, mhaocthkk 24b, ■kpocTHix 27b, 76a, 

koa-rbhhitR. 28a, 30a, 31a, 32b, 35b, 87a, paaocthkk 31a, 90b, 
houithhr. 54a, e jeher 48a, 53a, 90a; chbr 4b, 5 b, 6b, 10b, 
11b, 15b, 19b usw., iihkrujthhmtv 14b, 21a, nHKRumMk 29b, 
42b, hhkruitjrer ROA'fc 29b, hohher (reqnieseo) 73a, 3aehkk- 
uitaia ta 69b, ivSRiv rHHKRUJTHH 67b und viele andere noch 
(1. c. S. 32-33). 

Ausnahmen: ck awrorkkr 11a, 81b, haat«. KßOßki*, 29b, 
pAAOCTkHR 85b, np-ivAi* upkßßkER 66b. 

Saehmatov meint, die Ursache dieser Besonderheit wäre möglicherweise 
darauf zurückzuführen, daß in der lebenden Sprache vor s, t, «, m j n 
hören war, während vor i und ii (so ungefähr wäre » nach Fortunatov aus¬ 
gesprochen worden) j schwand: bratja, brati ; raspft^e, raspftü — daher auch 
der Unterschied in der kirchlichen Anssprache; brati, rasppü wäre nicht 
EßdTH, pacnAT». sondern — gemäß einer graphischen Tradition — kpiteh, 
fMcnATk» geschrieben worden (1. c. S. 494—495). 

In starker Position: hcthhtiHtuh 13b, shamehabuh ca 27b, 
cttjh 37b, noßEA’tR'kiH 40b, Y«Y AhH ’ h,H 51b, UHorooEpA3’k- 
HTviH 53b, hiaob’KahU'WH 56b, np-fccT'kiH 62a, hapekuah 43b. — 
Regelmäßig kontrahiert: hcbu 2b, hebhahm'ij 2b, pA3SHB'kj 5b, 
H3B0AHR'k! 6a, IKiHfT'kl 7b USW. 

Daueben zählt jedoch P. Lang 30 Formen mit ’kH auf (1. e. II. 
1889, S. 71): noBtA’kETvH 13a, 13b, 75b, npHEirkH 13b, EÄriH- 
R'kn 15b, noc’krtART S H 24b, civH 26a, npocrjp'kH 30b, iahho- 
SAATkH 47b, OT'h.E'KUlTAETvH 48a, HfHCAkAEHTxH 61b, Hf3T»A0- 
ehe'KH 61b, cnrkHTkH 64a, B’ceuorkH 72a, 80a, mhaocthbtvH 
72b, 78a, a ab ' eh 75b, 77a, onpaB , kA AE ’ EH 77a, rpkx'OB'kH'hH 
78a, H3ROAHETVH 78b, npOHTjipHE'kH- 78b, EAHHAMkHTvH 80b, 
AXK^HTkH 90a, EAAJKtHTvH 101b, KOTOp'kH 104a, CßHJTfH'kH 95b, 
B'k3 r kEABTi.H 98b, noAARTvH 72b. Da y in unserem Denkmale 
immer mit tu geschrieben wird, so kann man die erwähnten Formen 
als Analogiebildungen mit dem selbständigen Bestandteil HOEiA’KR'k, 



238 


Lautlehre. 


npHEMTi, f,\HHOMAATv usw. erklären. In den übrigen in Betracht 
kommenden Kasus kommt es nicht vor 1 ), sondern regelrecht 'ki 
und einigemal noch tmh: AP^KHirkiHrJTk (Dat. pl.) 64b, bhah- 
M'klHMH 6a, CTvnpOKA/RTTüHlUH 84b. 

Analog: bt* TpeTh.nn hack 50a, npkHcncAANHH 53b, nocAk- 
Aehhh 64a, etv3akohhh 20b (die einzige Partizipialform) und 
kein h, dagegen auch chÜv ütkH 88b; TpsTkH 34a, 44a, 67a. 

Mit vollem Vokal: npncHOH rpkjf'k 5b, cbatoh 17a; Ek ab- 
NEChHCH a {H| 1 95b, npoueH 99b, BkiiukHEH 93a. 

Bei Partizipien regelrecht: oehöbaeh 5a, noTonAtn 5b, Ck- 
nc>A 0EAfH 10b, 14b, dßAeH 13a, 35a, 63b, 65b, eksaweaeh 81a, 
H3E0AEH 10b, 14 a, 15 a usw. sehr zahlreich (vgl. oben S. 203 und 
P. Lang 1. c. S. 72). 

Auch im Akk. cxuiteh 28a, EXA^iUTtH 29a usw. zehn Belege 
gegen: pAsrpkAkB'ktuHH 51a und Bk HerauiiäKuiTHH orrn» 55b. 

Hierher gehört auch een 11b (bis), 73b usw. (S. 203). Die Gen. 
pl. wie beluteh la, ckTtH 18b, 81a usw. gegen awabh 23b, 
TkUJTAHkH 100b und ETOABAEHEH 19 b, 20a, 21a, CkpkTEHEH 
26 a nsw. sind oben S. 203—204 aufgezählt. 

Beachtenswert ist: buh* la; 75a; 76b; 95a, aber auch 
BTvHHX la4, was uns an hobeaietiH, eaajkehtih usw. erinnert. 

Mit diesem Prozesse hängt es auch zusammen, daß in unserem 
Denkmale immer et», geschrieben wird, wenn das nächste Wort 
mit h- anlautet: Bk hi.ia 39a, 44a(bis), 46a, 59a, 59b, 77b, 97a 
(siebenmal!); et», hcthh* 51a, 65a, 81b, 86a, 90a; et». HHkHO- 
89b, BTv uro 100a. Sonst finden wir nicht selten Eh,, selbst auch 
wenn kein palataler Vokal nachfolgt, z. B. Ek HdCAkAkH 65b, 
BE npABkA'ü 79b, bk nsTh 99a. 

Im Assem. habe ich das einzige Beispiel: ioae-Kha S. 127. 24 
gefunden (nicht im Evangelientext), sonst wird hier überall Hk, 
he, hw usw. geschrieben, selbst auch THBEpHAAkCTkMk Joh. 21.1; 
daher auch nHETE Joh. 6. 53; Mat. 6. 25, rtH£Tk Joh. 4. 14; 7. 37; 
Lue. 5. 30; Marc. 2.16; iiHEMk Mat. 6. 31, mit* Luc. 17. 8, hheuih 
L uc. 17. 8, Imper. hhh Luc. 12. 19 usw., ebenso auch otfBHEUiH 


*) Ein einziges Mal nur cbattlh)- , k 2 a. 



Lautlehre. 


2S9 


Mat 19. 18 OYKHfT'k Job. 8. 22, ov'kheuo h Mat. 21. 38, oyßHMvT'k 
Mat. 24. 9; Joh. 12. 10, Imper. ovkhh Lac. 18. 20. Seheinbar 
haben wir hier denselben Zustand wie im Ostr. und der Sav. kn., 
wo auch regelrecht he, u-fc usw. geschrieben wird, aber im Ass. 
ist es eine neuere, gekünstelte Rekonstruktion, während es in den 
vorerwähnten Denkmälern Reflexe der ursprünglichen, alten Ori¬ 
ginale sind. Es ist schon oben S. 205 erwähnt worden, daß wir 
hier neben ovtehemo h Mat. 21. 38 auch ein AOKpon, cbatoh usw. 
erwarten würden; dagegen kommt hier kauiteh Mar. 10. 43, eoaeh 
Joh. 8. 53; 10. 29, cetkopeh Luc. 10. 37 neben eoahh, omohhh, 
,yfcTEH neben eixthh, aio,i,hh usw. vor (siehe oben S. 207). 

Beachte noch K'whx Luc. 24. 53 (S. 36) und Mat. 18. 10 (S. 41), 
jedoch ke hcthhx, Joh. 17. 17 (S. 114). 19; ke hma Joh. 14. 13 
(37) und 14. 14 (ib.), in einer Partie, wo fast nur k geschrieben 
wird; weiter oyEHBSvTTvH-i Mat. 17. 22 (S. 54); aluts ttj ech 
K , k3AA r ki-H Joh. 20. 15 (S. 176); str.rki-H {scio eum) Joh. 8.55 
(27) für skUH-H (= K'kME h). 

Supr. zerfällt, was die Sehreibung e für h anbelangt, in zwei 
ungleiche Teile, von denen der erste, der größere, bis zur Seite 467 
reicht (Mikl. S. 354), wie ieh schon in »Zur Kritik der aslov. Denk¬ 
mäler« S- 32—33 konstatierte. Im ersten Teile taucht k seltener 
auf, h wiegt hier entschieden vor. Sachmatov, der die ersten 
300 Seiten eingehend untersuchte, fand außerdem, daß sich unter 
den 77 Fällen mit e in dieser Partie (bis S. 300) eine größere 
Kategorie bemerkbar macht, in der die Schreibung von e (in drei 
Fällen sogar von te) anstatt h nach einer Silbe mit "k und e statt¬ 
findet, was darauf schließen läßt, daß hier eine graphische Be¬ 
einflussung seitens der vorhergehenden Silbe stattfand (1. e. S. 491). 
Diese Kategorie umfaßt 58 Fälle, von denen sich 35 auf das Wort 
TTiHEiäv beziehen (zweimal t'eh'ekk. geschrieben: 65 und 108). 
Die anderen hierher gehörigen Fälle sind: kpectekhowe 95, 98, 
KpECTEHITE 101. 30, KPECTEHHE 131, KpTvCTEEHiU, 111, KpECTEM- 
MECT’kH 105, ■OEMEiaHTv 228, O-EMEGIHA 228, ■OEMEHNHUSi 297, 
«'EUkKH'E 220; AWEEKkKK. 54, 84, 251, 273, CEpTvEEKK. 195, 
CEMpETkliK 136, HpTvEEI* 77; ^EHEW 289, UpTkEEEC 238, P.-E 
nptnAAAEHEie 172; KkrikiäunTA 137, B r E3'Enki*. 240; mit 'e: 
B'ELU'EÜK 30. 



240 


Lautlehre. 


Die anderen Fälle (22) sind: 0Y T P kB 19» H6 (neben ha ov- 
TßHta 46), KßATnta 255, KpATkA 113, ßpATki* 114, 279, na no- 
MeuuTkta 151; BAACTki* 37, caMOYOTki* 273, EAAroA’kTM*. 251, 
APT» 30 CTküR 194, no^Tv onaujki* 134, MATipkt* 44, 80; ha- 
cHakte 33, leA’noraackie 69; sAKOAWEkio 110; AkiaKoaa 265, 
269, EkKElüTA 50, O^KkieHH 68, AEkie 78. 

Ans der folgenden Partie (bis S. 467) könnten noch angeführt 
werden: Koiikie 308, ckiaixuiTOY 324, rpo3HOßkie 335, Kktikhx- 
uitov 336, ckUHHia 345, NiTkA’KNkta 349, unoK-KKOAioEkie 372, 
409, TTiUlTICAABkia 373, EkKSHHW 386, (lkEKTTi 388, CkBK 394, 
416, Ei30Yiuikia 398, HfpasorMkia 401, npUcT^nkienkie 402, 
MAAOCAOBkia 405, E£30Y MH,€ 411. 20, 3AKOA£Hkl€ 437, KOnkieMk 
438, E£30YMEta 444, EkieT-k 449, uiATANkie 467, cma 467. 

Von S. 468 gestaltet sich die Sache anders. Schon auf dieser 
Seite finden wir: TßpkAki* 468. 2, op*?Kkie 13; auf S. 469: 
3ana'kBaHkia 6—7, A' k Y HClK£Hk,€ 8, oYA^P^Hkia 8, npHEkieH’k 16, 
ocxjKAfHkte 17—18, px.KonHcaHkie 23, Konkiew’k 25, Konkie 30 
(daneben allerdings auch ko n Hie 29, noc*JKAiHHie 18, OTßpk- 
cTHie 19 nsw.). 

Wie das k hier häufiger wird, ersehen wir z. B. aus aiikie, das 
in der ganzen größeren Partie nur einmal vorkommt (S. 78), da¬ 
gegen in der viel kleineren etwa 20mal (Verf. 1. c. S. 33). Daneben 
kommt hier allerdings auch noch AEHie vor. Auf S. 545 kommen 
z. B. zehn Fälle mit k vor: np-kA‘' HkB 1, «Y 4£HkB 1» ßiAHMAHkia 
12, 14, B , k3rp , kA'k Hkia 16» naAiHkie 17, BkSHtciHkie 20, npc- 
OEpasoBAHkia 22, noMAHOBiHkia 27 und nHcankie 27 und nur 
zwei Fälle mit h: jkhthh 13 und kpotocthek 24, allerdings auch 
c'KU'kpiHHHM'k 20. Manchmal wird das k durch ’ angedentet: 
AE’ie 525, HcnpaKkteN’ta 520 n. a. 

Das h in diesen Verbindungen ist selbst auch im ersten Teile, 
wo es häufig ist, nicht silbenbildend; noch weniger im zweiten. 
Das beweisen Fälle wie npHuncTEHie 95, 156, haiuictehh 94, 
H’kcAptCTBHHä 19, 88, e(3Aihhi<i 77 u. a., wo das k zu f nur 
dann werden konnte, wenn das fi. vor le, a ausgefallen war. 
Auch hi t hhi* 42 und kpaabhi* 237 kann nicht der Reflex einer 
normalen Aussprache sein, in der Silbe vor -hi* sollte der Halb¬ 
vokal vokalisiert sein. 



Lautlehre. 


241 


Während wir mm im Supr. kia, kie, mo usw. finden, läßt sich 
hier in diesen Fällen kein kh nachweisen: in cKOEO^an 5 ; 469, 
CKTROpkH 473, np-SKiiiiuivH 469, npHCHocaüiiTkif 480u. a. handelt 
es sieh um den Ersatz des £ durch k in starker Position (infolge 
der Analogiewirknng). Sachmatov erklärt es wieder durch Kon¬ 
traktion des ü zu i: vgl. B”k opx;K u und ähnliche (1. c- 492). Das 
k fungierte als i in dieser Stellung und wenn hier auch 'k auftrat 
(st. k, z. B. T’kM'kKK, E’k.uj'kKk), so soll dadurch die Verhärtung 
des Konsonanten (vor dem i) angedeutet werden. 

Es wäre wirklich möglich, daß aume, np'kK'kßHKE und dgl. 
einfach Wiedergaben der Originale sind, während dEkm und dgl. 
vor allem vom Abschreiber herriihren würde. Dann wäre damit 
auch das allmähliche Seltenerwerden des 1 epenth. im Denkmal 
zu vergleichen, worüber weiter unten. Wenn das ? epenth. aus¬ 
fiel, wurde im Supr. (und auch in anderen Denkmälern, jedoch 
nicht so häufig) der Halbvokal k f-k) geschrieben, vereinzelt auch 
h, so daß wir es mit einer analogen Schreibweise zu tun haben 
wie bei den modifizierten Halbvokalen. 

Wie ich auf Grand der Miklosichschen Ausgabe konstatierte 
(Über einige orthogr. Eig. S. 7), behält die Präp. R’k immer ihr t*, 
wenn das nachfolgende Wort mit h anlautet, also rts. hhx 20 usw., 
unk hma, Eli hho, Eli hcthhAy usw. Im ganzen etwa lOOmal. 
Später hat sich herausgestellt, daß es eine einzige Ausnahme hier 
gibt: Ek hma (Severj. S. 322. 17). Das sind noch Reflexe der 
ursprünglichen Aussprache. 

Wichtig sind auch die Fälle wie noroyEHTu-H (= noror- 
ehtti h] 164. 4-5; H3royK/»T'w-n 404. 12 — 13; bhaHbu-h 
192. 1; analog auch a3Ti Kauis. np'fc,j, dM ' w - H 407. 28; 412.4. 
Das Original enthielt ripk^aMH-H, dem Abschreiber war aber diese 
Aussprache fremd, er führte hier wie in anderen Fällen die Schreib¬ 
weise -Miw wieder durch, behielt aber ih. 

Im Ev. von Ochrida kommt kein k in unserer Stellung vor, 
sondern nur h, z. B. ohhuitühhio Joh. 2. 6; 3HUMiHH r k Joh. 20. 30, 
doch ist das Material zu gering, um daraus Schlüsse ziehen zu 
können. In starker Position noch z. B. E'tikHiviH Joh. 20. 31. 


*) Analog auch »'AfifrkH 157, Ki.3BeAT»H 179, .-.uxfirkH 276, ukct-kh 244 u. a. 

Yondrak, .Mtkirehenslarische Grammatik. 2. Aufl. 10 



242 


Lautlehre. 


Erhalten ist hier noch: rnaroAXT-ki-H ;khfu Luc. 24. 23. 

Das Undolskijsche Fragment weist keinen Fall mit k auf, 
obzwar sieh hier die Gelegenheit dazu bietet. Dagegen haben wir 
einige in den Blättern von Chilandar: 3H3 ahma IIBa 5, he- 
uecTkta IIAb 24, a^boa,» IIBa 12—13, 3Mki€ßTj IAb 13, ha- 
ii'hiufNkie IIBb 20, cricinkHMk IAb 6. 

In dem glag. mak. Blatte finden wir: EkA'üHkE IV 17, epx/KM 
III 29, npocßlupENkE II 9—10, np-RAkAojKEHkEMk 113—14, no- 
nnaHkk 116, II7, TpkGOBdHkk IV 9, BkCKp'RiuENkio III 22, eaa- 
roAHTkhav II 5 und a^boatv IV 33 neben ah’Kböa'k IV 23—24. 
Nur in HtnpHteHHHA IV 13 und HcnpHksuHHAMA IV 26 ist h ge¬ 
blieben (F. A. HaBHiieKiir, S. 20). Es muß aber noch besonders der 
Nom. pl. m. KpackHkH 11 (bezieht sich auf ca^OBe) und derlnstr. 
sg. EAdroBOAiHkiyk (von -KOAtHkf) III 25 hervorgehoben werden. 

Die Fälle aus dem Psalterfragment v. Sluck sind oben S. 214 
erwähnt worden. 

Merkwürdig verhalten sich in dieser Hinsicht auch die Kiever 
Blätter. Es kommt darin kein Fall der Vokalisierung der Halb¬ 
vokale vor, aber wir finden hier: mhaöctmay IV 4—5; IVb 8—9; 
VI13, VII16 (neben mhaocthkr II19, Ilb 16, III 22, Vb 22—23, 
VIb 9), noMoukKK. V 17, msctmä Ib 5; 1120 neben zahlreichen 
Fällen mit h, wie z. B. eiiJKaweaehhi (Loc. Sg.) Vb 5, ßkAHTHk 
116—7, H3EAEAEHHly IV 10, H3AP’KLUfHHt II 10, lUUpHIA VII 5, 
Mdpm Vllb 17, M&HEHHk Ib 8, mjuhehhi (Loc.) II 2, HtnpH'k- 
3HHHT>. IV 17, OEkUkHHf IVb 23, OBtHUNHU II8—9, omhluuenhe 
V 15—16, OMHUiMEHHk III 13, npÜCTAßAfNH'R VI 5 — 6, np’fccjMIJlHU 
lb 16, III 1, Illb 5, Vb 6 — 7, VI 9, pasAP'tuiEHHE V 15, poeahhia 
Ib 10, ck-APdEHf IV 11, ckriACEHHE III To 4, Vb 18, -hu Ilb 13, 
oYnkKAHHf Ilb 21. Man sieht, daß sich das k in schwacher Po¬ 
sition nur auf eine Kategorie (den Instr. Sg-. der *-St.) beschränkt. 

In starker Position haben wir hier: cm npHNOC-k Illb 1 (gegen 
upHHOCk ck IV 9), cw A'JP'b VI 2 und saiiobhaki (Gien, pl.) 
VIb 19 (gegen 3Tj.ahi von 3ivAk, cuupkHocTm Ib 14 und ak>a hi 
II18). Vgl. auch OTkMET’k Vb 21 (ottiIMetb im Zogr.). 

Das hohe Alter des Denkmals mag es erklären, daß wir hier 
noch kein e und o für k und % finden, da es wohl auch in den 



Lautlehre. 


243 


Vorlagen nicht zu finden war, trotzdem die damaligen westbnlg. 
Dialekte es wohl schon kannten. Schreibungen wie ckh, nouou,ki*. 
sprechen auch dafür, daß das Denkmal in der erhaltenen Form im 
Süden entstand oder richtiger: es kam hier eine Vorlage, die ur¬ 
sprünglich im Norden entstanden war, zur Abschrift (vgl. Verf. 
>0 püvodu Kijevskych listu . . .« 1904). 

Mittelbulg. Denkmäler. Die Schreibweisen kie (kt), an (kn) 
usw. sind ganz aufgegeben worden, so daß rar nur ausnahmsweise 
vereinzelte Fälle in den mittelbulg. Denkm. finden. So z. B. im 
Trnover Ev.: amkikA (Zogr. SAkiHüs») Mat. 27. 34; mp'kEkM 
Job. 19. 24 (Zogr. mpHsHiA), ja sogar ^scatm ol St/.a Mat. 20. 24 
(st. ,a,ecathh, wie in Zogr. b und Mar.). Es wird regelrecht nur 
nie (He), hm (ha) usw. geschrieben. Dieser Prozeß ist schon, wie 
wir gesehen haben, im Assem. und Zogr. b entwickelt, in gewissen 
Stellungen auch schon im Euch. sin. Es handelte sich hier offen¬ 
bar um eine traditionelle, nicht volkstümliche Aussprache, wenn 
überhaupt das h ausgesprochen wurde. 

Im Ap. v. Ochr. nur ahökohoy 10b, aa^hei 35b, hchuthx. 
2b, /Khthh 75b, hbkabaeiihe 4b, 88b usw. Neben 

-he beim ersten und dritten Schreiber auch ie: meaehic 105 b, 
oyuENie 10b, aste 8b, 13b usw.; ivENOBEHieirk 98b, HieAHHoro 
5 b. Da wir hier aber kein ovuehh oder oyuEHie haben, folgt 
daraus, daß ie als eine Ligatur für h und t aufzufassen ist. Hier 
auch btüho 9b, B'mcthhx 6b, aber auch noch btü hcthh* 48b, 
33b, 50; ejkeh 65 usw.; eoaeh 55b, 108, ceh 80, noyoTEH 98b; 
AoctoehTv 19, 29 usw. (Kul’bakin S. xcvii—c). 

Auch in den älteren Denkmälern serb.-kroat. Rezension findet 
man nur vereinzelt diese Schreibweise, sonst bildet auch hier das 
Hie, hb usw. die Regel, z. B. AktLEACMk in den Wiener Blättern 
neben hphhouiehh'S usw. beuitt». ckm Act. 5. 4 im Ap.-Fragm. 
des Grskovic. 

In den russ. Deiikmälern, insbesondere in den großrussischen 
und nordrussischen, ist Hie, uta usw. regelrecht. Nur in einzelne 
ältere Denkmäler fand auch das kie, kB usw. aus den südslav. 
Denkmälern Eingang. 

So finden wir z. B. im Eugenius-Psalterfragment: cncsHkE 
97. 2.3 (auch im Komm.); EAroA <1Tl11 * 9L 2 (Komm,); BH,yKHkie 

16 * 



244 


Lautlehre. 


3 (Komm.). — Im Tolstojschen Psalter z. B. ß'kcßpcf hm 107. 3 
(Komm.), Hcnoß-RAdHiiie 107.4 (Komm.), ßmaßaHkie 107.4 (Komm.) 
n. a. Im Reimser Et. z. B. mapmä Mat. 1. 20, 

Es gibt aber doch eine Gruppe von russ. Denkm., für welche 
diese Schreibweise charakteristisch ist: es sind die südruss. und 
besonders südwest russ. Denkmäler. So haben wir z. B. im gali- 
zischen Tetra-Ev. vom J. 1144 (Kryloser Ev.): ijpckie BJKivie 
Luc. 17. 20 (bis). 21; coyniH- üHM eMk Luc. 17. 20, ahuks 22. an^h 
22; anale Mat. 14. 27. 31; UTpkto ib. 8; dri ßfkkH ib. 33; natür¬ 
lich auch nkAjfoy Luc. 17. 27. 28 u. a.; in Dobrilos Ev. (aus 1164) 
3NdM£Hkte Mat. 12. 38. 39, BNawuHkia 12. 39, nponoßiiAAHkfe 41; 
im Ap. von Kristinopol des XII. Jahrh. pojKHkra Act. 28. 3; spa- 
Tkia Gal. 4. 28 (ßpaTHia 31) usw. 

Noch ein anderes hierher gehöriges Merkmal ist für diese Gruppe 
charakteristisch: oyrAemvi-H Mat. 28. 14 galiz. Ev.; neu steth-h 
Ev. v. Jurjev (um 1120) 24d; «€magth-h 113d u. a.; oytoahmtj-h 
199a usw. (vgl. Sachmatov, AfslPhil. YII, S. 75, ferner A. Kolessa 
ib. XVIII, S. 473 f.); uc>AAyoy"ri-H Mat. 14. 36 galiz. Ev., oifKHH- 
mtj-h Mat. 21. 38 ib. u. a. 

Verdumpfung des k jui nach den s- Lauten. 

In einigen aksl. Denkmälern bemerken wir, daß nach den Lauten 
6 r , z, 6, St und &d oder nach einigen davon t» st. k mit größerer oder 
kleinerer Konsequenz geschrieben wird. Zunächst hatte P. Lang 
wahrgenommen, daß im Euch. sin. nach $ in der Regel Tv st. k 
gesetzt wird (Zpräva o c. k. r. a v. gymn. v Pribrami 1888, S. 8). 
So in hauit» und Gen. pl. i a,°Y iu ' k ; worin das Euch, mit der Sav. 
kn. und dem Supr., wo nach S ebenfalls konsequent k geschrie¬ 
ben wird, übereinstimme. Den Gen. ,\oyujTv belegte er siebenmal, 
z. B. Aiu k 15a, 27 a, 91b usw. haute erscheint hier 70mal regel¬ 
mäßig mit t».: 4b, 5a, 5b usw. Sonst sporadisch auch: BTiKoy- 
unuuio 22 a, K'kßoyuj'k 50a, oT'kßp’krkiu'k. ca 51b, c’kupoYui'k 
63b, Hcnpouiiiiut 57a, pA3AP0Y Uf ' KUj,HHIl, ' ,5 ■ 52b, c’krpuunxiua 
32b; rp'KUJ’kH'k 8a, 9a, 14b, 17b, 39a usw., aber auch rp-KuukHT«. 
(Analogie nach anderen) 28a, 32a; ß r kiui'kH r k 52a, 90b, aber aueh 
BunuikHk 2b, 9a, 16a, 22b usw.; ykHHunkCK'ki 80b, 86b, 87a 



Lautlehre. 


245 


(aber MkNHUikCKAAr© 90b); etvIuitiUIkj 98b; MTjui’kHEKR 55b. 
Merkwürdig nun, daß hier kein uu’K^,-, sondern nur ui «a- (35 mal) 
und iiHvCTBokäth 33 b, 34 a steht. Es sind auch noch weitere 
derartige Fälle mit Ti nach uu hier. 

Auch nach jk: noJK'kp-RTe 73 a, nojKTkp/E 77 b, caov ! 'jk'kkx 9 a, 
72a, c/ioipK'EK'fc 99b, cacapktveamh 16a, cAoifatTiKoix 51a, apa- 
103a, kpajk'kaoy krujt<1 34 a, TAarkuoiik 38a (tajk’k© 
76 a), TA5K r KKOCp’KA H 73a, TAJKTvK© 69a, K'kHHHt'kHHK'k 49 a 
(KTiHHJKkHHK'K 49a), HE^XIK'kH'k 43b, 84a (H( t A,XJKkH’k 26 a. 
29a, 40a); NHJK’kH’k 2b (HHatkirk 2b), npHA£/KT\NO 68a, 82 b 
(npHAfjKkHC* 88a); MHoarkCTBC 30a, 53a, 63b, aber MHOjKkCTß© 
39 b, iiHOKkCTEOMk 39b; Y' s 'A 0JK ' 1iCTK ® 95 a gegen ysiAOjKkCTßCt 
63b (in solchen Fällen wirkte wohl die Analogie); tajetuliaia 
91 a, CKp'kJK'kTAHHf 54b (CKp r k>K£T'k SAiKOUTk 106b): KOM«Y>K'kA® 
17a, 65a, 71a (KOMMpskA© 67b), K-kark^o 83b, koah/KTs.a«' 
72 a (bis), 78 a. 

Leskien vervollständigte diese Wahrnehmung dahin, daß im 
Euch. sin. zwar nach z, i ein t», aber nicht nach 6, st, zd erscheint 
(AfslPhil. XXYII, S. 31—32), es wäre s, & zunächst hart geworden, 
während <5, st, zd wie aueh c, dz noch weich geblieben seien. Es 
behauptete nämlich Scepkin, daß in der Sav. kn. nach s, z, 6, st, 
zd das k in \ übergehe (Pa3eyzcA. S. 150—169), aber auch nach 
s, z. Das von Leskien (1. c. S. 15—16) angeführte Material spricht 
gegen den Umlaut nach s, z (und e). 

In der Sav. kn. kommt regelrecht Wk,a,- vor als ui'kA' K 29, 
33, 41b usw., tu’kA'k’UU 38, 84, uu'kA’ku« 36 (bis) nsw. im ganzen 
mehr als 90mal, dann ujt».cteh£ 60b, npHuinkCTEHf 47b, 88, npH- 
mTvCTEHta 86b; npnunvATi 82b, 96b, 104, npnurkAH 82, Hin'kA'k. 
106b. Dagegen nur viermal mit k: npHuikA’kiUE 77b, npnuik- 
ATviUK» 59, npmukcTEH£ 88b, 89. Im suffixalen Teile konstatiert 
es Scepkin 26 mal und nur fünfmal k (S. 151). Regelmäßig in Baun». 
(13 mal) und haute (fünfmal) und nur ein einziges Mal hauie 72 b, 
weiter ß'K3rAaiu , k 50b, EkKoyim». 118b, tsA'kiU'k 40. 

Bei jk: KOAHJKkAo 100 b gegen KCAHJKkA© 78 (gewöhnlich 
-jkao), ufkSAA 53b, at'kHKR 91, iK’kHHiT'k 33b, dann sonst noch 
in suffixalen Teilen 47mal und 11 mal k. Im Auslaut nur tu: 



246 


Lautlehre. 


K r k3A©}K'k 57, K’kHAnrk 53, ijiäjktj. 396, 53b usw. (achtmal), 
hojktv 96 b (bis), 110. 

Nach 6 sind die ’k-Fälle nicht mehr so zahlreich: 43mal ’k 
(MTiTO 98, 99b usw., ßkH'kHex’k 33b usw.) und 15mal u: KkMk- 
HfT"k 63b, K’kMkHXT’k 60b USW. 

Nach it ist 17mal ’k und 20mal k, also schon in der Majo¬ 
rität, nach £d 14mal ’k: RH/KA’k 83 (bis), Aaut^'k 41b usw., aber 
auch khjka 1 » 73b, 74b, a^A 11 66h, 67b, a^^A* 1 62b und im 
suffixalen Teile nur k: pojKA hCTE ® 136b usw. (4mal). 

Nach z und c bildet das ’k eigentlich eine Ausnahme und das 
k die Regel. 

Auch im Supr. bildet das k nach s die Regel: uitvA- (neben 
ui«a-, ab und zu inkA-) usw. Auch nach m, m wird oft ’k gesetzt, 
vgl. auch OTAHCkHHAa 485. 12, nojK’kpcuiH 460. 12 u. a., wo vor 
weichen Silben ’k steht. 

Im Cloz. wird nach <5, i, z, id, it (z ist in meiner Ausgabe 
S. 18 Z. 30 zu streichen) nur ’k geschrieben und das ist ein charak¬ 
teristisches Merkmal dieses Denkmals. So haben wir hier z. B. 
Hdiu’k 511, 542, II 31, II 33, ßpauj’kHd 265 usw., aber wieder 
nicht uikA-, sondern uua- (vgl. oben S. 197). mtvTO 39mal, nie 
HkTO usw. 

Nach s bleibt k erhalten: ck ,hic £ etwa 18mal und nur einmal 
rk 923 und A'tH’krk 875, ebenso oft nach z, z. B. npoBkpkTH 
II 120, 3kpA II 44, II 67, 3kp - tTH 165, 3kpn 182. Allerdings 
auch ß’k3 r kU£T'k ca II 86 neben E’kSkU'k 391 usw. 

Spuren der Verhärtung des kznk nach m, ui, jk, ujt, jka> Hi 
s sehen wir auch im Mar.: iiaurk, uaurk immer so (gegen40mal), 
ß’kca>KA’k, n’kHAS T k(8mal), K'ivHASk (8mal) u. a. (AfslPhil. XXVII, 
S. 335-337). 

In den anderen aksl. Denkmälern kann diese Erscheinung nicht 
konstatiert werden, insbesondere nicht im Zogr., der in den Mer 
in Betracht kommenden Fällen regelrecht k schreibt. 

Unter den Denkmälern anderer Redaktion ist es das Ostrom. 
Ev., welches diese Erscheinung auch kennt: hier wird nach s, zd 
und 6 dann auch z oft ’k geschrieben, insbesondere häufig arkA- 
(bei Kozlovskij S. 38—40 mehr als 100 Beispiele). Da das.Denkmal 



Lautlehre. 


247 


sonst die beiden Halbvokale verhältnismäßig streng unterscheidet, 
muß die besprochene Schreibweise auch in der Aussprache ihren 
Grund gehabt haben. Es handelte sich hier offenbar um eine Ver¬ 
dampfung der -s-Laute (vgl. Verf. Vergl. slav. Gr. I, S. 371) 1 j. Be¬ 
kanntlich folgt nach diesen Lauten (6, s, i) im Poln. y st. i, ebenso 
im Nsorb. (i, z) und Ab. Damit hängt auch der Wandel des je, 
se, ze in /«, sq, zq im Bulg. zusammen (vgl. oben S. 14ö). 

In einigen Denkmälern bemerken wir nach r etwas Analoges. 
So im Euch, sin.: pT».UH 93a, pTkivkink 59a, 95b, 96b, 97a, 
p’ktyfcTt 46a, 106a und einmal HApnu» 40a. Im Cloz. p^un 
sechsmal: 340, II101, II114, II 148, 361, 478 und nur einmal 
Pm;h 193. Leskien meint, daß es durch das Hartwerden des r 
erklärt werden könnte (AfslPhil. XXVII, S. 40). 

Überaus wichtig wäre es nun, das Territorium dieses Prozesses 
und auch die Zeit seines Auftauchens wenigstens relativ zu be¬ 
stimmen. Hach dem jetzt vorhandenen Material sind diese Fragen 
nicht leicht zu lösen. Wenn wir im Euch. sin. kein urk.v neben 
sonst so häufigem urk aus luk, sondern nur uit.s,- (umcTKOKATH 
vereinzelt), desgleichen im Cloz. nur ujf/i,- und im Supr. iuf,\- 
neben uiTvA- gefunden haben, wenn ferner andererseits die Sav. kn. 
und das Ostr. Ev. kein uit/i,-, sondern nur uj'kp,- (um/*,-) aufweisen, 
so ist es klar, daß der Prozeß der Verdumpfung der «-Laute mit 
der Wandlung des nachfolgenden k zu t* und der der Vokalisie- 
rung der Halbvokale nicht gleichzeitig nebeneinander auf demselben 
Gebiete bestehen konnten. Wenn aus einem in k r v,- ein UJtA- ge¬ 
worden ist, konnte ja daraus kein urk,v- mehr entstehen. Aber 
auch umgekehrt: aus urk,*,- konnte kein ine,*,- mehr werden. Es 
paßt also das uimA- nur in den Rahmen eines Denkmals, das 
uifA- als gleichzeitiges oder älteres Produkt nicht kennt, in un¬ 
serem Falle ist es die Sav. kn. und Ostr. Hun kam die Vorlage 
des Ostr. Ev., wie so manches dafür spricht, aus Ostbulgarien. Mit 
dem ostbulg. Gebiete, freilich in seinen äußersten nordöstlichen 

ö Wenn Scepkin meint, der Grund wäre nicht in der Verhärtung des 
c, s usw. zu suchen, und es durch die Schreibweise u. .kht&hhu.r, Bkaui-k zu 
begründen trachtet (S. 155), so wird man sich kaum damit befreunden. Er 
nimmt nach den betreffenden Lauten eine Labialisierung des k an; es ist ein¬ 
fach eine Verdumpfung (Verhärtung). 



248 


Lautlehre. 


Ausläufen, muß auch die Sav. kn. in Zusammenhang gebracht wer¬ 
den. Diese Umstände würden dafür sprechen, daß die Verdumpfung 
der i-Laute zunächst in Ostbulgarien aufkam und daß sie erst dann 
im Laufe der Zeit zum Teil auch das Gebiet erreichte, auf welchem 
die Halbvokale in gewissen Stellungen schon in volle Vokale ver¬ 
wandelt worden sind. In Ostbulgarien wäre der Prozeß sehr alt 
gewesen, er könnte hier ebenso alt sein wie jener der Vokalisie- 
rung der Halbvokale auf dem anderen Gebiete der bulg. Dialekte, 
ja unter Umständen selbst auch älter. 

Umlautserscheinungen bei den Halbvokalen. 

Der Umlaut besteht darin, daß einerseits k in k übergeht, 
wenn die nächste Silbe einen palatalen Vokal (*', % e, 3, e, je) 
enthält, mitunter selbst, wenn sie mit einem palatalen Konsonanten 
anlautet (insbes. n ), andererseits i» in ’K, wenn die nächste Silbe 
einen nicht palatalen (also harten) Vokal aufweist 1 ). Die erstere 
Art des Umlautes äußert sich im Wortinnern, in Präfixen und bei 
einzelnen Präpositionen. Daß es sich um keine bloßen graphischen 
Eigentümlichkeiten, die für die Aussprache gleichgiltig wären, 
handelt, folgt aus folgendem. Wenn es sich hier um eine bloße 
graphische Analogie handeln möchte, die etwa ihren Ausgangs¬ 
punkt von Fällen wie Kk3hMtTTi. Supr. 42. 21 genommen und dann 
auch bei verwandten Vokalen der nächsten Silbe zur Anwendung 
gekommen wäre (vgl. z. B. ßunH,Ä,tT r K Supr. 2. 29), so wäre kein 
Grund vorhanden, weshalb man auch nicht analogisch z. B. bk 
hma, Bk hcthhx usw. schreiben sollte. Allein, wie ich darauf 


’) Mit Rücksicht auf einzelne Denkmäler (insbesondere Zogr., wo z. B. 
nur b-b tfh geschrieben wird, kam Leskien zum Schluß, daß der Prozeß, den 
wir Dmlant nennen, nur bei und k in schwacher Position vorkommt, was, 
wie wir sehen werden, unrichtig ist: er konnte auch hei -b und b in starker 
Position anftreten und so finden wir auch kb dh z. B. im Supr. und Sav. kn. 
(vgl. das jetzt noch dialektisch vorkommende vesmi aus mzimi und dieses aus 
rnzimi). Hach Leskiens Erklärung wäre dagegen dieser Umlaut unmöglich. 
Kul’bakin, der sie nicht akzeptiert, meint dennoch, daß der Umlaut nur bei 
•b und b in schwacher Position Vorkommen könne (ilpciine-nepKOBiiocjoB. asuici. 
I S. 96). Selbst Fälle wie des Ps. sin. sprechen, wie wir sehen wer¬ 

den, entschieden dagegen. 



Lautlehre. 


249 


Mngewiesen habe 1 ), wird Her immer ku vor einem mit h an¬ 
lautenden Worte geschrieben (eine einzige Ausnahme Eh hma 
322. 17, vgl. oben S. 241). Ebenso im Zogr. (S. 233) und in der 
Sav. kn. (S. 230). Das sind nun alles Denkmäler, in denen gerade 
unser Umlaut stark zur Geltung kommt. Es handelt sich hier also 
offenbar um eine Erscheinung, die ihren Grund in einer wohl dia¬ 
lektischen Aussprache hatte 2 ). 

Die in Betracht kommenden Denkmäler weisen den Umlaut 
nicht in gleichem Umfange bezüglich der einzelnen Umlautskate¬ 
gorien auf. In der Sav. kn. finden wir: eeahts 70, 90b, 95b(bis), 
Eb^UAU 89, KhAAijie 137b, Bb^/MpA 59 (gegen euaht« 89, 
KU r ykAU 59b); immer Kann-, wie ßbimitTU u. a. (14mal), dagegen 
immer nur EU3urm- (bzw. einmal ßb3unH) nnd zwar lömal. 
3b.AU 46 b, 111 (gegen suaU 111, 3uasi 67b, 123), AWEbß« 99b, 
103. 109, AWEbEH 103 (bis), cnbAA3b 46. Dann fällt auf iiktiU 
52, 60b, 98, 110 gegen buhu 27b, 53, 61 usw. 14mal; allerdings 
KUHHra mit seinen Ableitungen immer so (über 30 Fälle), ebenso 
KTkHA3h mit Ableitungen (zwölfmal); das Präs, von iiocuakk. hat 
nie b, wie auch das von cuiih-, Die sechs Formen von cbTk- 
hhku und ckTtifh nur mit u; sechsmal der Lok. cunU, immer 
mit u im Gegensatz zu ekhU : buhu. 

bu wird als ßa geschrieben in Fällen wie Kh kcbakhx 54 3 ), 
ßb bUku 25, 82b, 93b,151, ßh bUkui 72b, 101; ßb MHpu 52b, 
82b, 106b, 108(bis), 127(bis), 130b, ßb UHpU 99, 107, 107b(bis, 
108, 127b, Rb Htro 83b, ßb neu 137, ßb hajki 58, ßb awekrh 
103, ßb AMAf\"b 32, 92, ßb Ato^bj^T». 38b, ßb h£K( 31b, ßb 
Hanes 53b, 59b, 89, 89b(bis), 90b, 109 neben bu hu 28, hu Hb 
28b, 54, 127(bis), eu heik« 109 u. a. Man findet zwar auch su 
EfHfp’b 121, Ku jkhbotu 71, aber solche Fälle sind entschieden 
in der Minorität. 


9 Über einige orthogr. und lex. Eigent. des Cod. Supr. 1891. ;Sitznngsb. 
Bd. 124.) 

-) Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß Abschreiber den Umlaut, 
bzw. das k, mechanisch dann auch in andere Silben übertragen, wo es nicht 
berechtigt war, z. B. cbtbpphth u. dgl, zumal wenn sie in ihrem Dialekte 
seihst den Umlaut nicht kannten. 

3 ; Im Zogr. Mar. und Ass. dagegen noch bt, k(3,vbh«. 



250 


Lautlehre. 


Es muß aber auffallen, daß sich, diese Erscheinung nur auf die 
Präp, KTv beschränkt. Von den anderen haben wir hier nur aus¬ 
nahmsweise ca HHUk 73b, 75, 120 und in np-kA'k hhiuih 48 b war 
urspr. k. 

Dann bei den Präfixen K'k- und E"k3-, z. B. BkßfAH 72 b, 123, 
KkßfAoyoM’k 70b u. a.; BkaHAfTTi 127, BksnwBAiÄ 25b, 101 b, 
Bk3AWKHUJH 30, 55b u. a.; KkSkM-k 76b, ßkäkiuifuiH 108 u. a. Auch 
hier finden wir Schreibweisen wie BiiKt ah 60, 110b, kt*3ath 30, 
KTja'kiun» 48, 48 b, 56, 56b, aber sie sind in einer kleinen Mino¬ 
rität vorhanden (das Material bei Scepkin, Pa3cy>xc,r. S. 186 f.). 

Leskien meinte, daß in bk, bks-, rkohth, RkN-fc, KK^tiTH, awkkrh zu akku, 
also in der übergroßen Zahl der Fälle, dem alten i. ein Labial vorangeht. 
Man könne daher annehmen, daß die Wirkung der weichen Silbe auf die 
vorhergehende irgendwo und irgendwann unter der Bedingung stand, daß 
diese Silbe labial anlautete; das ständige r’ks'kiihth neben KknerH, bk, bks- 
neben stets bleibendem ck, k-k bleibe auffällig (AfslPhil. XXVII, S. 39—40). 

Der umgekehrte Umlaut (k m ij ist in der Sav. kn. nicht so 
stark vertreten. Hierher könnte man rechnen trupaTH, das vier¬ 
mal hier vertreten ist neben gewöhnlichem EpaTH, z. B. ckepath 
57, rkEpa 140b nsw.; etkaoka BTs-A^mo* neunmal nur so; 
npAKk,A,A vor harter Silbe dreimal mit "k, einmal mit k, entschieden 
aber T'kf.u 33(bis), ttiLix 35b u. 91b gegen Tkwrk 43b (fivquov 
aber auch T'kMU 29, 149b sv OKorlq ); dagegen behält Uk3A<J sein 
k: 125b, 133, nikBAun 38, 71, tikbA* 30h, 31, 37, 38, 71b, 72, 
73, 150 b. Freilich kommt umgekehrt Ti st. k auch vor einer 
weichen Silbe vor (42 mal). Die Umlautserscheinungen sind dem¬ 
nach in der Sav. kn. so inkonsequent durchgeftihrt, daß sie un¬ 
möglich in der Sprache des letzten Schreibers vorhanden waren. 

Im Supr. ist der Umlaut noch mehr ausgeprägt. Zu den schon 
von Jagic (AfslPhil. I S. 53—55) angeführten Beispielen 3k<rk- 

3-kA'k (ATkCKTvI-AkCTU), EkH’k-BTiH’k 1), AkB’K-A'kBA ist noch CkETi 

hervorzuheben. Wir haben hier; ßk ckHk 294. 5; 295.16; 299.18. 


4 ) Über die Etymologie dieses Wortes handelt jetzt Zubat^ in Jagic- 
Festschrift S. 396. Darnach wäre hier selbst auch ein urspr. nn- möglieh, 
so daß sich BKHk mit ai. vdne ,im Walde* wie k-khtv mit vdnam ,in den Wald“ 
lautlich decken könnte. Daran muß aber festgehaiten werden, daß ewk im 
Slav. ein B-kH-fc voraussetzt. 



Lautlehre. 


251 


22; 306. 14 (o CkH-fc); 434. 14; 536. 5.15; Kt ckKkjpk 434. 14—15. 
Dagegen: ort etwa 294.18; 543.19; ctNa 469.29; ctHt 63. 23; 
313. 28; 314. 13; 372. 13; 389. 22; 439. 9; 469. 28; 487. 28-29. 

Von der Regel weicht ab: ekHOiik 78. 2, ckHOMt 79. 16; ckmi 
366. 28; 523. 11; 536.16; ckH-k 487. 10; 488.17. 

Zu aii/Ui. ist zu bemerken, daß die Schreibungen mit unbe¬ 
rechtigtem t erst etwa in der zweiten Hälfte der Hs. zahlreicher 
werden (Verf. Über einige orth. u. lex. Eig. S. 20). Das gilt auch 
Ton den Formen des Kkck ohne Halbvokal (S. 21). 

Mit geringen Ausnahmen kommt hier vor: Bk Hk 11. 23; 94. 10 
nsw.; Bk H’tHJKt 19. 8 usw., ßk trkK-bJ (mehr als 60mal und nur 
etwa 7 mal Et k .. .), Kk 3fttki% 2. 23 usw. (alle diese Fälle vgl. 

I. c. S. 2-5). 

Ausnahmen wie Bt CA-K^t 283. 2; Bt BfAHKXi* 283. 3, Bt 
Bf ahu'Rh 283. 6 u. a. sind auch vorhanden (kt*. Tltjf'k 33. 24 und 
KTv kaute 151. 20 bei Miklosich entfällt jetzt, da Severjanov 
hier Bk hat). Andererseits anch: Bk tome 26. 25; 506. 27 u. a. 
(Bk ordk bei Mikl. 2. 7 entfällt jetzt, die Hs. weist et, o . . . auf). 

Weiter sind zahlreich Fälle wie KkHH r \,fTU 2. 29; 10. 24; 
74. 19 u. a. 

Ebenso bei BU3-: BkSßUCTHiiiA 6.12; 59. 2; 182. 22; 184. 12; 
292.7 usw. Zahlreiche andere Formen dazu mit k (bei mär S. 9—10); 
Kk3HAf 11.25; 452. 12 u. a. Ausnahmen: KU3HTH 282.4; bu- 
3H,A,f 478. 29. Mit überwiegender Majorität wird auch bb3<äth 
und seine Ableitungen mit k geschrieben (S. 10). 

Allerdings auch bbsko^ah 79. 17; Bk3Mo>Kf 197. 21 (bbctc- 
skirkiHM-k 181. 6, EkcjfOT’K 209. 19 bei Mikl. entfällt jetzt, in 
der Hs. t) u. a. Im Gegensatz zur Sav. kn. haben wir hier aber 
auch den Umlaut bei der Präp. et: regelrecht ck hhmh 7.21; 

II. 23—24; 36. 5 u. a.; ck Hfßtcf 6. 15; 55. 2 u. a. Ausnahmen 
gibt es nicht viele. Zahlreicher sind die Ausnahmen mit un¬ 
berechtigtem k, wie: ck pdA 0CT H' iR 90. 15; Ck arrfAki 91. 8; 
348. 12; 542. 30; ck TEapkUH 190. 3 u. a. (S. 13). 

Dann finden wir hier häufig OTk in Fällen wie: OTk Hft* 
13. 24; 525. 22—23; otk NHjft 24. 16 u. a. Doch sind hier schon 
zahlreichere Ausnahmen, in denen ©tu gebliehen ist (S.15). Ebenso 



252 


Lautlehre. 


OTb MtHf 505.12; 524. 28; otu TtKe 250. 4 ; 528. 18; otk T't)fb 
443. 3; OTb HtuHCTaaro 519. 29 u. a. 

Bei np’K l 4,'b: np-fcAb 22. 20 u. a. nc>Ab NHMb 276. 3; 

no^b c&Hb 353. 23. Einigemal auch Kb : Kb hhu'k 27. 15; 129. 30 
(Kb HHMb); 180. 4; Kb rffMoy 249.2; 319. 1, doch sind es nur 
Ausnahmen, regelrecht wird ick bei diesen Formen geschrieben. 
Dann noch kk csk-r 170. 30, dagegen Kb rip-kno, 1 ,o k k h oyoy li oy 
bei Mikl. 151. 9 entfällt jetzt (es ist hier kt*). 

Es wird hier selbst auch die adversative Partikel h'k als hk 
vor einer palatalen Silbe geschrieben. Zahlreiche Belege hei mir 
S. 17-18. 

Der Umlaut des b zu t* ist vertreten durch irbpaTH. das 
häufiger ist als KbpATH, ivbpaTH, 3 'kaath usw.; durch tTvMA, 
TTiMTU usw. gegen Tbf.rk; A'bciTbi gegen ,\,kcTt:. 

Ferner uphcT-k 428.11; 431. 9; 437.15; 469. 25; 482. 6; 483. 8; 
484. 28; 495. 11; 505. 3 ; 535. 27. — Dagegen: upivCTa 437. 20 
(Z. 15: KpbCTli); KpTvCT’b 427. 30; 428. 14; 481. 1; 537. 22; 
Kp-bCTOLm». 462. 18; KpTvCToy 456. 11; ch Kp r bCT’ki 529. 23; vgl. 
auch noch: npUKpbCTHBTi 515.14; iipUupbCT« 516.11; upbcTHTT. 
483. 8; npliKpbUJTdKv 516. 16; KpacTbuoie 567. 30; kpuctukihh 
537. 21. 

Unberechtigt ist im Sinne unserer Regel das k in: «pbCTOMTi 
427. 28; 467. 4; KpbCT'b 428. 5; 481. 28; 533. 23; KpbCTa 431. 5. 
Allerdings war es die berechtigte ursprüngliche Schreibung vor 
dem Umlautsprozesse. Nicht vorhanden ist der Umlaut in Kp’b- 
CTbHOl* 554. 27. 

Soweit wie Supr. ist der Zogr. nicht gegangen, was die Zahl 
der Kategorien des Umlautes anbelangt, wenn er auch sowohl im 
Wortinnern als auch bei der Präp. rrn und cb3- vertreten ist. 
KWkTH wird hier nur mit b geschrieben (Ostr. hat 'b). Weiter 
3bAT: Mat. 15. 22; Luc. 3. 19; Joh. 18. 23; skah Mat. 12. 33 gegen 
BTvAik Mat. 10.11; 3 r bA0 Mat. 7.17.18 usw.; KbN’k Mat. 12. 46.47; 
26.69; Marc. 1. 45; 11. 4; Luc. 1. 10; 8. 20; Joh. 18. 16 gegen 
K'bH’b Mat. 13. 48; Marc. 8. 23 usw.; AbB’h Marc. 5. 13; 6. 9 usw.; 
AbBUMA gegen A'kKa usw.; nbTHiyb und ribTliHbUA Luc. 2. 24; 
12. 24; osbA« Mo. 13. 21: Luc. 17. 21, 23. Doch bleibt % in 



Lautlehre. 


253 


K’kHHrd und seinen Ableitungen (93mal), in den Kasus der «/-St: 
-Tj.Kf, TxEH, TiKk (45mal), in A’kuiTH (24mal), in E'kB'knHTH (23mal), 
ckabr und seine übrigen Präsensformen (19mal), »TkNASk (17mal), 
Präs, rann- u. ßnannTH (13mal), .vkam nsw. Zahlreiche Fälle wie 
ßk ÜH)C'k Mat. 11. 20; Mare. 15. 40 nsw.; ßk Hi» Mat. 7. 2; Marc. 

11. 2; Joh. 6. 21. Ausnahmen: et», ii'k Mat. 10. 11; Marc. 7. 15; 
Luc. 8. 30 nsw. wird hier immer so geschrieben (nicht Bk Hk); 
Biv HtkJKf Marc. 4. 24; Luc. 19. 30; Joh. 4. 53; ß-k hajke Luc. 
13. 14; KT» HfHt Joh. 6. 56; andere Fälle: ßk scehax-Tv Luc. 1. 42; 
ßk ip'fcßt Lu. 1. 31. 44 usw. 

Die Belege für Kk bei Jagic AfslPhil. II, S. 246—247 und 
vervollständigt bei mir S. 27—29; hier auch die Ausnahmen. Es 
muß auffallen, daß wir hier nirgends ein Gk b’Kk'k oder Kk K'KK'ki 
finden, sondern immer nur et, e-Rktv und etv kIck-ki. 

Auch in Zusammensetzungen ist Zogr. nicht so weit gegangen 
wie der Supr. So liest man hier noch B'kA r K3 r kuioy Mat. 8. 23; 
ETvAtee Mat. 13. 2; Marc. 8. 13: Luc. 8. 22. 37; B'kA'fccTH Mat. 
14.22; K’kA’fcS'kiUAMA Mat. 14. 32; E'kA’Bs’kiiJe Luc. 5. 3. Das¬ 
selbe gilt von K-k3- 

Der palatale Konsonant (außer h) scheint keinen Einfluß auf 
den Umlaut ausgeübt zu haben. So finden wir hier nur ß-k jkh- 
KOT’k (bzw. -U) Luc. 16. 25; Joh. 4. 14; 5. 24: 6. 27; 12. 25 usw., 
wo also eigentlich zwei Faktoren wirken sollten; et», huto Luc. 

12. 22 usw. Überhaupt muß hervorgehoben werden, daß ein 
schwaches k der folgenden Silbe nicht auf das ’k der vorher¬ 
gehenden wirkt: BT>. AkNH, ET^ BkC», A^^A 1 *) AAKTiTk, T'kUlTk, 
A'K*k, c’kTkNHK'k, ktwKkao, cAOVX'kMk u. a. Außerdem bleibt 
Tv in et*. vor h und jotierten Vokalen: ktv hcthhjk, bt>. t3tpo 
(lies iezero ), im Mar. steht aber in diesen Fällen auch ßk: ßk kM» 
Mat. 15. 14: Luc. 6. 39; ßk sahhx Mat. 20. 6, Marc. 16. 2, Luc. 
17. 12, Joh. 20. 19; ßk 'fccA’kjf'k Luc. 2. 7, ßk hwa*** Luc. 2. 4, 
sonst steht Bk, und daß vor h kein ßk im Mar. stehen konnte, 
ersehen wir aus R’ki hcthh» (-Mt), btj hhjk u. a. (vgl. AfslPhil. 
XXVÜ, S. 345 und oben S. 234). Auch im Supr. findet man Ana¬ 
loges: ßk E\'Ar'iAHA)f'k, ßk wn», Kk kab neben kt* tau» usw. 
(S. 489); ßk e3epo 78. 18, bk leAHHUv (S. 501). 



254 


Lautlehre. 


Vom Supr. weicht Zogr. weiter insofern ah, als der Umlaut 
hier bei ck nicht vorkommt; in dieser Hinsicht stimmt er wieder 
mit der Sav. kn. überein, ck hebece Mat. 8. 11 ist unsicher. Da¬ 
gegen erscheint ca in einigen Compositis (1. c. S. 250). Wie im 
Supr. kommt auch hier np'h r \a einigemal vor: ripHAk hhmuLuc. 
1. 17. 75; 5. 18; np’K^a h'hmh Marc. 9. 2; npHAk AH»,sMk Marc. 
1.2; Luc. 2. 31 und np'kAk ha^luteh Luc. 18. 38; npIxAkciy- 
A^HH'R Luc. 20. 46, sogar auch np'kA h haxuite Luc. 18. 38, ja 
auch np'fcA kn «''ArdiiKT'k Mare. 8.6; np’fcA k X'C'A'äuJ'™« Mar. 11.9, 
np’EAhCTctiAiiJTHHLi'k Luc. 19. 24. 

Vereinzelt: HUAk hei* Lue. 4. 39; otk ßVkjpv Luc. 21.17; 
OTk hh\"(v Marc. 14. 52, otu. käA'ü Marc. 6. 2 ist unsicher, nt 
TEKk Mat. 14. 28, dagegen ist uk memov Mat. 13. 36, Marc. 2. 4 
und Kk ov'mehhkomtv Luc. 12. 1 unsicher (k ist von 'k hier nicht 
zu unterscheiden). 

Der Umlaut des k zu Tx zeigt sich hier neben den angeführten 
Fällen noch in folgenden: K'kc,Y v vü Marc. 1. 45, ifkc-v.ACV' Luc. 
9.4; 19.43, sonst ßkc-. Hier wird TkMktio, TkMkHmn mit k, 
aber rixiua, ttxMx, Tki.iui.rk konsequent mit Tx geschrieben; in 
TkMIi behauptet sich das k noch viermal und fünfmal zeigt sieh 
Mer auch schon r u. Weiter etxPath, a^P^th, stxAath, nkpaTH, 
cttxAuth (im Ostr. noch EkpuTH, A h P dTH ) crkA4TH; 3TxAath 
schreibt allerdings auch Ostr. mit 'k, aber im Bogoslovie des Joh. 
Ex. v. Bulg. ist es noch häufig mit k: CTx3kAANTx 118. I 7, ck- 
3kA4TH 175. II 11, 3kAHTEUk 287. II 19, C'k3kAA 288. I 15, 
einigemal auch mit Tx und auch ohne Halbvokal, auch der Assem. 
zieht k vor, doch ist auf ihn hier kein Verlaß), weiter etxAObu, 
BTxAOßHUA (achtmal); mtx3a<* mit Ableitungen (14mal, Mk3A4 
viermal, AfslPhil. I, S. 40). Bei -k<\- wird Tx geschrieben, zumeist 
wenn in der nächsten Silbe ein a, ©, w oder x. steht: ockAk, 
cKUTkA’k, aber kottxAOMTx, ockAA, cßkTTxAO, ceUttxA», (Jagic, 
AfslPhil. II, S. 255). Dasselbe gilt auch von dem Suffix -kA<» und 
-kAL also npußTxAa, npußTxAC>k*., npaßTxATxi, npdß’kA^, aber 
npußkA'k, onpaßkAHUJH, npAßkAkHUx, npußkAkHHKTx. Analog 
auch bei -uhti, -kuo (S. 258—261), bei -ucktx, -kCTßo, -kitk, -kun, 
-kiti. ix wirkt aber wieder nicht auf ein k der vorhergehenden 
Silbe, daher ß’SpkHTx, npocrkpTx, A kH,k (Gen. pl.), A' KTkCK ' k - 



Lautlehre. 


255 


Außerdem bleibt das b unverändert nach 5K, m, ui. ujt, jka, u,. 
wenn auch harte Vokale nachfolgen: muco, -jkuao, taskukci, pe- 
JKAbtTßo; natürlich auch nach a und h: KCAbwa. Die Wirkung 
der palatalen Konsonanten erstreckt sich auch auf das vorher¬ 
gehende b. (bei m, ui, ujt, u, s, h”, ä): KONbua, obu^x, das -bUi- 
des Part. prät. Vom Schreiber des Denkmals rührt der Umlaut 
nicht her. 

Ganz deutlich sehen wir den Umlaut auch im Cloz. So haben 
wir hier saa'k 1148, 51, 66 gegen 3 - kao 1147, 52, 65 usw.; ab- 
skee II 11; weiter: ek nkike 644, Eb HEMbjKE 721, 861 (gegen 
ET» HHJfTv 1163, ET* Hb 433, ETv Kb}K£ 259), Eb CHOHlv 841, 885, 
Eb cHOHOß'k 860, ßb rüHb 851, einmal auch noA h hhuh 79—80; 
EbCHATb 179, Eb3HMdEUJH 232, Bb3AlHA 355, Bb3bpH 634, Bb- 
SHpdJfb 851, BbCKpkCbHOE 720, CbNIH (st. CbHHTlH) 754, Bb3HA* 
904, EbHHAt 923, EbCfrttHXiTfi, 1176; 234 und 837. Beachte auch 
cbMpbTb 618, cbMpbTbH’bJUÄ 736 — 737; so war auch b in ße- 
cbMp'bTbw 747. Mit Rücksicht auf cehih 754—755 zeigte sich im 
Original der Umlaut auch bei cb wenigstens als Präfix. 

Der Umlaut des b zu Tv : es kommt hier TTvMa nur mit Tv vor 
in den Formen tTvMTvI 150, ttvMX 787, aber auch schon TTvirfc 
97, II 184, 801, 805; MTv3A'bi II122, 710. Auch Kp'bcT'b sechs¬ 
mal, aber auch sehon Kp'bCT’fc 696, doch noch upkcnvuos 704, 
was ein KpbCTbNTv voraussetzt. 

Mitunter ist es nicht leicht, zu entscheiden, welches Ursprunges 
das Tv aus b sei. In ntvTO, das hier sehr häufig ist und immer 
mit Tv anftritt, kann das Tv dem m seinen Ursprung verdanken, 
aber auch dem o, denn es kommt hier noch mkctk 439 (allerdings 
schon gegen m-kcttv 99, 552), muten ke 554 (gegen mtvT II 25) vor. 

Weiter kann der Umlaut im Euch. siu. wahrgenommen werden. 
Es wird hier regelrecht EbA’üTH geschrieben: nekkaaijieix 38a, 
ncßbATvTH 47a, EbAATTv 67b, 82b; kuaa 68a, 72a, KbAAt|ia 
94b; EbAUHKEiAb 84a, EbA’äNHc 82b gegen ktvAaiphhutv 82b, 
AbJKA SBkHHK • • • A h ^A k • • ■ oa^-kaabuttv 2a. Eine auffallende 
Übereinstimmung mit der Sav. kn. zeigt sich in ßbriHTH 16a, 16b, 
27b, 43b, 62a, 66b, 84b, 86a, 86b, 87b, 101b und nur B'briKix- 
uiTaaro36b, dagegen wieder ETv3TvnnTH 43b(bis), 50b (Eb3Tvn...): 
AbHTv 36b gegen a^noix il>-, ßp’knbUHH 77b gegen Kp'kn’bKOtx. 



256 


Lautlehre. 


24b; AioEkKt 9b, 90b, AioßkßH 11a, AWEkßk 9b; weiter: 8k 
ch/vK 77b, ßk n/vKH-K . . . ßk TtuikHHUH 79b; ßk Hk 95b; ßk ch 
vack ib., ßk BpkHA 94a 1 ) usw. Allerdings auch Fälle wie 8k 
HdCA-kAßH 65b, ßk npaßkAt; 79b, ßk nxik 99a. 

Häufig auch bei btr- und ß'k3-insbesondere bei letzterem 

als Präfix, wie z. B. bubhckath 66b. 

Aus einzelnen Partien des Denkmals ersehen wir ganz deutlich 
den Umlaut. So finden wir auf S. 95b folgende Fälle: ßk ck 

HAC’k 2 ) . . . Kk3AK>KAkllJt . . . ßk A kH£ £ kH£ H • • • ß'k3 t A 1 PA,A t <nf HU ' k 

ca h ßusßccfAHiui’k ca ßk Hk . . . bt* EAdroA'feTk. Die Verteilung 
des bk (ßk3) und ßk (b-k3) ist nicht zufällig. Ähnliche Partien 
finden wir sonst auch in der Hs. 

Es muß hervorgehoben werden, daß für einen Umlaut ck sieh 
hier keine Anzeichen finden. 

Der Umlaut des k zu *k liegt vor in: 3'k^ATH lb, 52a, 57b, 
94a, 98b, non'kpATH 29 a, 56h, 63a, E’kpATH 7b usw., A' k P*»TH 
51a usw.; yk3AA 83b, 89b, 104a; ttvIua 2b, 33a usw.; npA- 
ktj.ab 16a, 18a, 57b usw., onpaßTyA^TH 58 b, 77a gegen npa- 
ßkA'k 79b, 96b, 99a, npAßkA £ HTi 95a, npaßkAHßoe 60b u. a. 

Auch hier verrät der Umlaut nicht die Mundart des „letzten 
Schreibers. 

In den anderen Denkmälern sind die Spuren des Umlautes 
nicht so klar erhalten. So im Mar. Daß Fälle wie Bk Hn\"k 
Mat. 11. 20; 27. 56 usw., ßk rfciik Mat. 10. 11; 21. 33 (neben bt»); 
Joh. 6. 56 usw. zahlreicher sind als solche wie ß-k HHjfk Marc. 
15.14; Luc. 24. 4 usw., ersieht man aus der Zusammenstellung 
bei mir S. 30. Belehrend sind Fälle wie: ßk ck b Uktv hh bt* 
exa^ijuth Mat. 12. 22; ßk CA’RA'k ist in der Majorität. Auch 
die entsprechenden Formen mit ßk-, ßk3- sind zahlreicher als die 
mit Ti. Hach der Zusammenstellung Leskiens (AfslPhil. XXVII, 
S. 339 f.) kann man schließen, daß Zogr. und Mar. endlich und 
letzlich auf eine Quelle zurückgingen, die den Umlaut des ’k zu 
k kannte. 

*) Beachte auch: rr upker 72a 1, rk cpruh 73b 21, aber auch kr c-rmp-rt-r. 
74 a 1, wo also nicht das erste ’r, sondern das zweite 'R, recte r, ma߬ 
gebend war. 

2 ) m war Mer noch weich, daher kein -r nach >i (vgl. oben S. 245;. 



Lautlehre. 


257 


Zu beachten wäre: ca linuk Luc. 10. 37, ck rptiu'kHHK’ki 
Luc. 15. 2 (sonst überall et); nptv^a ,k hhuh Joh. 12. 27, np-k;»,K. 
ahücm'u Lue. 9. 52. Aus dem Index wird man auch ersehen, daß 
z. B. Akß'fc 14mal und A^ßt nur siebenmal vorkommt, nur At- 
ßcw (-kr), a^-ba häufig, A tKa nur einmal. Beim Umlaute des k 
zu Ta. wirkt ein t der folgenden Silbe in sehwacher Position auch 
nicht auf das r der vorhergehenden: a*' h ' 1v oder A EHr >» (Gen. pl.), 
npoiikHtuif (zweimal) u. a. Die Infinitivstämme von EtpATH, 
AtpaTH, rrkpaTH, cttiauth, 3'KA^'Th werden regelmäßig so ge¬ 
schrieben (gegen 60mal), nur ctERpaujA, c'kKkpaA'k, ctERpa; 
MiiBAd und Ableitungen 13mal, urbaa dreimal; tts.M'K siebenmal, 
einmal Tkurfc, sonst Ttya u. a. zwölfmal (AfslPhil. XXVII, S. 339). 

Noch mehr verdeckt sind sie im Assem. Für das einstige 
Vorhandensein des Umlauts spricht z. B. btj er mehü h a.3k Et 
ßact Joh. 14. 20 (S. 109); er mrhIc h asr kr Tfßt, m h t-ri 
E t hack Joh. 17. 21 (S. 114). Vorwiegend ist et», hh^’r u. dgl. 
und er HHj("k Luc. 2. 9; Joh. 9. 16, er HtMt Joh. 7.18 usw. ist 
schon selten (bei mir S. 31). Man beachte auch ca turnt Marc. 
2. 26 (S. 89), Mat. 26. 47 (106), Joh. 9. 40 (28), Mar. 1. 36 (90), ck 
hhmh Mat. 25. 19 (101), ck i! nt.it Mar. 2. 26 (89); 1. 36 (90), Mat. 
26. 47 (106), aber auch ck coeobr Joh. 12. 8 (97), ck opxt'HH 
Mat. 26. 47 (106). Das ck ist hier sonst zahlreicher. Kk.ykTH 
kommt siebenmal vor. 

Allem Anscheine nach sind Spuren des Umlautes auch im 
Psalt. sin. Auf S. 294—295 finden wir z. B. folgende Schreib¬ 
weisen: EkHHA*v ßk CIAO 131. 3, Ek3At3/R 131. 3, ET». £<[>pA NTt 6 
(Ansnahme), Kt noAHjft 6, KktiHAtMt er ciao 7 (fällt auf, vgl. 
oben), kt*. horch 8, Et npaßtASv 9, Kt3AP<*A c ’Y KKT ’ ,t 9, kk 
PUchotx 11. 

In einer anderen Partie: kr ciina^t 19. 7, et* op;R 2 Kti)ft 8, 
ETv hisa 8 (wie wir es auch erwarten, so auch 19. 6), rtvCTa- 
jftut 8, B r k3ApaA 0 V EMrk 20. 2. — Oder: Et saßtTt 104. 10, 
Bk HtH 12, Bk Mk3tIKt 13, Bk A!OA H 13, Kt pAEOTXi 17, ET* 
©Kostet 18. Man kann etwa mehr als 50 Fälle zählen, in denen 
das Bk unbegründet ist (wie z. B. Bk Körnt 4. 9, er pxKCAf 31. 33), 
abgesehen von er hkr 34. 8; 56. 7, er hbrjki 108. 19 und er Nt 
(hh) 117. 19. 20. Bedeutend größer ist aber die Zahl der Fälle, 

Yondrak, Altkirckenslaviselie Grammatik. 1. Aufl. 17 



258 


Lautlehre. 


wo h. begründet ist. Kk3~ kommt mehr als 80 mal in berechtigter 
Stellung vor, dazu kommt noch eii3ai<ckhth (etwa 15mal), mehr 
als 30mal ist das h nicht berechtigt. 

Bei ck kommt merkwürdigerweise der Umlaut wieder nur aus¬ 
nahmsweise vor: ch.Bh f v&T£Ae 34. 11, ckiui'fcpRdjfk 34. 13, nicht 
berechtigt: ckmopH 10. 3, ck mmoi*. 108. 21. Daraus können 
wir schließen, daß auch im Original des Ps. sin. der Umlaut des 
c r k zu ck nicht vorhanden war (vgl. Zogr., Sav. kn. u. a.). 

Vereinzelt kommt hier vor: kk T£K'k 27. 1 und ua,i,k ßkckMH 
(St. KkC'SfjlH) 137. 2. 

Während hier vorausgesetzt wurde, in A^ßA und wären 
wirklich einmal die Halbvokale u und k gemäß der schriftlichen 
Darstellung ausgesprochen worden, hat Leskien schließlich eine 
andere Vermutung ausgesprochen (AfslPhil. XXVII, S. 345 f.). Er 
meint, das, was uns als Umlaut in der Schrift erscheine, sei der 
Ausdruck für gewisse Konsonantenveränderungen und beruhe auf 
einem Spraehzustand, wo die schwachen Vokale an den Stellen, 
in denen sie als umgelautet iu der Schrift erscheinen, überhaupt 
nicht mehr gesprochen wurden 1 ), nkca- stehe lautlich altem 3k aa 
(vgl. präs. nainai und shjka*.) völlig gleich; nun werde im Zogr. 
beständig .tkaath, aber nicht *n r kCATH, sondern nur uca- und 
n’ca- geschrieben 2 ). Überhaupt habe man es mit orthographischen 
Manieren zu tun. Er könne nicht glauben, daß jemand, der MNork 
(so wird es etwa 90mal im Zogr. und etwa 20mal r.rkHcr r k ge¬ 
schrieben) für LTviiorTi. sprach, noch rkAATH und nicht caatii, 
noch MkH-RTH und nicht mhUth gesprochen habe, weil er sich 
keine gesprochene Sprache denken könne, in der ein und dasselbe 
Lautverhältnis ganz willkürlich, bald so, bald anders, behandelt 
werde. Trotzdem werde beständig cuaath und mit einer Aus¬ 
nahme konsequent mkh’Rth geschrieben. In uucr-k und mkh’Rth 


*) L. setzt das, was wir Umlautserscheinungen nennen, nur bei ^ und i 
in schwacher Position voraus, wie oben hervorgehoben wurde. 

3 ) Allerdings gibt er zu, der Schreiber habe in seiner Sprache nur rwcr™ 
gekannt und hätte an einem nkcare oder rrtcaTH als in keiner Beziehung zu 
seinem mca-ra stehend Anstoß nehmen können. Daher schrieb er überall das 
von ihm so gelesene nca-rn (S. 346;. 



Lautlehre. 


259 


hätte man demnach nur eine orthographische Manier des Schreibers 
oder eines seiner Vorgänger zu sehen. 

Zur Zeit, als die schwachen Vokale noch gesprochen wurden, 
hieß es ve'nna und venni (wobei durch ' die schwache Erweichung 
des Konsonanten durch den folgenden palatalen Vokal bezeichnet 
werde); als das k geschwunden war, wäre v&ma, verm geblieben. 
In v&rna wurde das r durch das folgende harte n entpalatalisieri: 
vima. In Nachahmung der Vorlage konnte jemand, der v&rna 
sprach, K’fepb.Ha schreiben, dagegen irkpuum, wenn er seiner 
Sprechweise folgte, für verm aber KUpnnn behalten, d. h. für ihn 
wären t» und n nur noch Zeichen der Härte oder Weichheit des 
vorangehenden Konsonanten. So begreife man die Tatsache, daß 
im Zogr. immer k-k vor einer Silbe mit k, das nicht vokalisiert 
werden konnte (also ausfiel) geschrieben werde und nie nu, also 
ßiv AuüE. aber nicht nn A kiif > dagegen wohl Sk A k < 1k (neben 
K r k A KHk ans älterer Vorlage). 

Verlege man den »Umlaut« in eine Zeit, wo das k in st» am«, ev akü» 
noch gesprochen wurde, so könne die nmlantende Wirkung auf -k doch nur 
von der gesprochenen Silbe Ak- ausgehen, und man müsse sich fragen, was 
der Unterschied zwischen Ak- in Akt« und in AkNk sei, daß es einmal wirke, 
das andere Mal aber nicht 1 2 ). Erst dann komme ein Unterschied heraus, wenn 
man einen späteren Lautzustand einsetze: vz-dne (weiter entwickelt daraus 
to-dne) und v-dbn (weiter v-den ), der eine wäre = vz-dhe, der andere vde'n, 
d. h. in der Schrift e-k Akt« und Bk Akttk (aehk), und so analog: = dm, 

AkB-t = die, 3-k,w = zio , 3k,vt = zU nsw. Wenn nnn beständig in K-kHm-a, 
caakcTH, c-krmT-k nsw. und überall da, wo dem alten -k ein k oder c voran¬ 
geht, kein k erscheint, obwohl nach der früheren Annahme hiiga, slesti, spit 
gesprochen wurde, so gehe daraus hervor, daß hier k und s hart blieben. 
In cA-kAi» handle es sich um eine alte, ursprüngliche Gruppe, daher = i'ied 
(vgl. sä cA-kAt»). Tatsächlich trete im Zogr. k st. t» nach b, e (EkA-imt, Kknt, 
bk, Bk3), nach s (3kAH, 3k.rt), nach d (AkB-fc, Akn-kAu) auf, d. h. die Gruppen 
b, v, z, d + Kons, wären erweichbar gewesen. Allerdings wäre solche Er¬ 
weichung weiter gegangen. 

So wäre es auch begreiflich, warum -r-kAck und a-ka^Ai-tre, c-kH-kAtHumS) 


1 ) Warum es so geschehe, werden wir weiter unten sehen. Würde das 
Denkmal von einem Schreiber herrühren, in dessen Dialekte der Umlaut hei¬ 
misch war, so könnten wir hier auch nicht kt» Akne haben, falls er seinem 
Dialekte Konzessionen machen würde. 

2 ) Mar. ist hier altertümlicher, ersehreibt: s-k3- Bk3-'kAuvk neunmal, trk- 
3kA«AVk einmal, a-k3- (ska-j kM-krt siebenmal, B-k3 -(bo3-, sk3-) kAw neunmal, hsa- 
Atevk einmal, H3kAiH dreimal, oTkAtm, einmal, im ganze:: 31 Fälle; mit -k; 

17 * 



260 


Lautlehre. 


scheinbar gegen die angenommene Umlautsregel geschrieben werden könne: 
es wäre tma, tme, vizmete, smmiite gesprochen worden, d. h. in den Gruppen 
tih, zm, nm wären z, i, n von der Erweichung des m nicht ergriffen worden, 
daher werde nach ihnen t» geschrieben. 

Leskiens Hypothese, die wir hier ausführlich wiedergeben 
mußten, ist bestechend; sie scheint so manche Schwierigkeiten, 
denen wir bei den Umlautserscheinungen in den Denkmälern be¬ 
gegnen, zu beseitigen, aber bei näherer Prüfung stellt sie sich als 
unhaltbar heraus. Es muß zunächst hervorgehoben werden, daß 
die Umlautserscheinungen des Zogr. nicht von seinem letzten 
Schreiber herrühren 1 }. Wir haben überhaupt kein aksl. Denkmal 
mit Umlautserscheinungen, die von seinem letzten Schreiber her- 
rühren möchten, sondern sie sind älter und sind ans früheren Vor¬ 
lagen herübergenommen worden. Der Schreiber des Zogr. kannte 
nicht den Umlaut, er sprach das 'K in starker Position als o aus (daher 
KOAH'fc u. a. S. 193 u. 232). Daher erklärt es sich, daß er nirgends 
Kt vor einer Silbe mit i», wenn dieses in schwacher Position war, 
schrieb, also et» aber nicht er A k!tE > weil er ko r \,ne sprach, 

■iv faßte er als o auf und so konnte er nicht in einer derartigen 
Silbe h schreiben. So hat er hier regelrecht et», ne und et» hrjee 
(29 mal) geschrieben, et» rtirt {t-kitr), et» r.iktrk (mrK, m’hh, 
elfmal), ebenso aakt»ti», tt»ujti», ct»ti»hhkt» usw. 

Analog wurde ein n in starker Position als s ausgesprochen und 
so konnte der Schreiber ein i» vor einer ein schwaches r i» ent¬ 
haltenden Silbe nicht zu t» machen oder richtiger es aus dem 
Originale so herübernehmen, da er eben hier i» als t auffaßte: 
daher schrieb er nponurkiut und nicht-in»H-, weil er ripormnue 


bt>3- (bb3-) •baeet-b dreimal, a-Ba-BAiEun» einmal, ro.3- (bk»-) 'baeh zweimal, hs-baiett» 
einmal, em-baeh einmal, also acht Fälle. Steht -bae- vor einer harten Silbe, so 
wird regelmäßig -b geschrieben: bt»3'bae;k einmal, k-b;i- (kk3-) -baext-b viermal, 
h3*baiae zweimal, c'bh'baeaa^a» einmal, nur einmal k-bhbaeatii Mat. 16. 11. Während 
ferner im Zogr. 30 mal c-bhivaehuite steht und einmal chhbaehuite, haben wir 
im Mar. 30 mal cbm- (c«h-) baehiute und nur sechsmal cb.h- (com-) t>.aehiute. Daß 
hier im Zogr. eine Manier vorliegt, die nicht in der älteren Vorlage bestan¬ 
den haben kann, müssen wir Leskien ohne weiteres zugeben (AfslPhil. XXVII, 
S. 345). 

*) Leskien zeigt ja selbst, daß Mar. und Zogr. auf eine Vorlage zurück- 
gehen, die den Umlaut hatte. 



Lautlehre. 


261 


las, ebenso oVMkp'kuik, r \kii'!v (Gen. pl.), Ek3Mk3 r K Marc. 15. 36, 
B'k3Hk3 , k Mat. 27. 48; Tpk\"k, AWAkM'k nsw. Die Tollen Vokale 
haben wir im Mar., wo wir Fälle finden wie ko aknh Mat. 24. 37; 
Lue. 6. 12; so kkc£H Mat. 6. 29 und zahlreiche andere (vgl. oben 
S. 194 f.j; ebenso Kk3He3Tv Mat. 27.48; K T k3K£3'kUje Job. 19. 29 u.a. 
Daher wirkt auch im Mar. ein u. in schwacher Position auf ein 
vorhergehendes k nicht ein, aber umgekehrt schon: bk ksvch, Hk 

Hk, Ek ,\kH£\"k, Kk T'kUt USW. neben ETi A^H«, ßr R ß k, B’k 

y'kH't usw. (und neben dem erwähnten so a KHI 1 nsw.). Das 
könnte so erklärt werden, daß in einer Redaktion zunächst der 
Umlaut vorhanden war, also Kk durchwegs oder fast durchwegs 
in den betreffenden Fällen. Es schrieb diesen Test jemand ab, 
in dessen Dialekt wieder die Vokalisierung herrschte, er schrieb 
daher oft o oder t k, das für ihn als o galt, behielt aber häufig 
das k aus der Vorlage. In diesem Zustande kam dann der Test 
zur Abschrift auf serbo-kr. Gebiete. 

Der Schreiber der Sav. kn. sprach nie k als o aus, daher 
konnte er eher den Umlaut seiner Vorlage erhalten und so schrieb 
er ßk HkJKe 53b, 59b, 89, 89b(bis), 90b, 109 und Kk a’iii 81b(bis), 
ßk A tHH 88b(bis), bk akkkJC 3 * 139b usw., allerdings auch R'k 
h-k 28, ß'k Hk 28b, 54, 127(bis), R'k Mknu 109, was vielleicht 
auf sein Konto zn setzen ist (in der Vorlage war wohl k). Des¬ 
gleichen im Supr, regelrecht kk Hk (15mal) und ßk fikJK« (neun¬ 
mal, vgl. die Belege bei mir S. 2), weiter Belege wie ßk ßkct^-'k, 
ßk EkCH usw., ßk ß k ckH’k, Ek Tku-fc (dreimal, bei mir 

S. 5), ek MkH'K, Bk ckwu u. a. Nehmen wir nun Bk A ßHH ! so 
müßte nach Leskien das Ganze als i dm aufzufassen sein, d. h. 
das dh hätte noch auf das b hinübergewirkt, was nur dann mög¬ 
lich gewesen wäre, wenn dazwischen kein vokalisches Element 
vorhanden gewesen wäre. Nun ist aber in ßiv (kk) hier das 'K (k) 
in starker Position, es konnte nicht ausfallen; wenn hier ein k 
erscheint, so kann es nur direkt aus einem % entstanden sein, 
d. b. wir haben es hier mit einem wirklichen Umlaute zu tun. 

Unhaltbar ist auch die Erklärung, bei tma, tme werde das t 
von der Erweichung nicht ergriffen, daher darnach ein 'k: T-kiJ-fc 
geschrieben, denn da war ja nichts mehr zn erweichen. Aus ur¬ 
sprünglichem tbme hätte doch nur tmi, d. h. in Leskiens Sinn 



262 


Lautlehre. 


TkM'R entstehen können. Mir ist überhaupt die ganze Theorie, 
nach welcher ein halbweicher Konsonant auf den vorhergehenden 
durch Ausfall von Halbvokalen mit ihm in direkte Berührung ge¬ 
kommenen Konsonanten erweichend wirkte, für unsere Denkmäler 
recht unwahrscheinlich. Wenn das halbweiche l in 3kah auf das 
z erweichend wirken sollte (== zli, geschrieben skah), so hätte es 
um so mehr ein ganz weiches V tun müssen. Wir haben aber ge¬ 
rade im Zogr. nur: ßk3AWKHUiH Mat. 5. 43; Mare. 12. 30. 31; Kk- 
3AKSKH Joh. 15. 9; 17. 24; Kk3AKSGHT r b. Luc. 16. 13; Kk3A"lOKHUjA 
Joh. 12. 43; ßk 3 AtoßncTi Job. 16. 27; Kk3A wka£HTv Joh. 14. 21; 
Gk3AiöKA£H r Ki Luc. 20. 13. Mit %: ktvsJiok- Mat. 3. 17; 12.18; 
Mare. 1.11; 9. 7; 12. 6; Luc. 3. 22; 9. 35 usw. Ausnahmsweise: 
ktj.jkak>ka;k Joh. 14. 21. So haben wir auch im Mar. nur z und 
zwar wieder teils mit k. teils mit ’k; weiter im Supr. nur 2 und 
zwar mit k (mehr als 30 mal, siehe bei mir S. 11), nur einmal mit 
’w: ßT». 3 AioEM€HHM£ 317. 13—14; in der Sav. kn. ausnahmslos 
mit z und regelrecht mit k (nur zweimal 'k, vgl. bei Scepkin, 
S. 192 und 194). Man kann nicht bei Leskiens Annahme ein¬ 
wenden, hier überall wäre ursprünglich ß'kJKJiOK- (bzw. ßkJKA'WK-) 
gewesen, so wie wir es in den Kiever Bl. 1 ) finden, und wäre 
dann unter dem Einflüsse von rt^- in anderen Fällen von den 
Abschreibern wieder zu rtiSaiok- (kij3akmi-) umgeändert worden. 
Wenn sich nämlich der Schreiber des Zogr. so empfindlich für die 
assimilierende Erweichung der Konsonanten gezeigt haben soll (vgl. 
das obere 3kAH als zli gedeutet), so hätte er auch in unserem Falle 
ein i schreiben müssen (also rtvJKaiok- oder KkJKAWK-) oder zum 
mindesten ein z (ß'k3kAWK-, bzw. uk3kAK>K-). Er blieb aber bei z! 

Welchen Sinn hatte aber weiter die Schreibweise Kk3AioK- 
(mit k), die wir hier so häufig fanden? Wenn das z nicht er¬ 
weicht war, konnte ja das ß auch nicht erweicht werden. Dann 
muß aber das k hier doch einen anderen Sinn haben. Es mag 
ja sein, daß später die Halbvokale aueh zur Bezeichnung der Härte, 
bzw. Weichheit der Konsonanten dienten, insbesondere im Auslaut, 

Hier: ß'hw/MOKiieHHi Vbö; V3—4; hier auch kok Nfrsrns 

VI 14—16. Im Zogr. findet sich noch kck niro Joh. 1. 3, «npaHiH-kiTTv Luc. 
13. 7 — Mar. auch «nppatH-kaT'u — (während Ostr. hier onpa:-m-kK;Tiv hat) neben 
dem vereinzelten kt*>k1iokap:. 



Lautlehre. 


263 


aber daß unsere sog. Umlautserscheinungen auf dieses Prinzip 
zurückzuführeu wären, ist nicht wahrscheinlich. Wenn wir bei 
Tollen Vokalen Umlauts erscheinungen gefunden haben (vgl. insb. 
im Zogr.*) das Mare. 9. 42. 43. 45, H30 osajka u. a. oben 

S. 108 u. 193), so konnten sie ja auch bei den Halbvokalen auf- 
treten. Schon oben haben wir einen alten Umlaut in TpkCTk (bzw. 
TpicTk) konstatiert (S. 172). 

Für den Umlaut der Halbvokale als eine lautliche Erscheinung 
sprechen auch die Belege wie cxaog'u aus cai^TvETk (zu c.v v \kKa , 
das viermal im Psalt. sin. vorkommt (Geitiers Ausgabe S. xvxu) J ). 
Analog haben wir hier r;£3,i,£HH£ aßvaoos 35.7, das auf ein - r i,kHHf 
(oder eig. -AkKke, urspr. - r i,'küke) zurüekgeht 3 ), dann auch im Supr. 
77. o —6 neben Eis. kssalhhh 153. 30 (also auch schon mit k). 
Weiter das in mittelbg. Denkmälern häufig vorkommende Btnuk 
(Lavrov, Oösop'k, S. 39), in der Sav. kn. auch schon Kkn.\k 90,143b, 
wie auch im Supr. Mit Rücksicht auf das russ. Bepxern. müßte 
auch Bp'kTon'k im Ps. sin. 56. 1 (auch noch Manass. 74 b) hier an¬ 
geführt werden. Unter den angeführten Fällen finden wir Belege 
für den Umlaut der Halbvokale auch in starker Position. Wer 
diese Art nicht anerkennen will, muß zur Analogie seine Zuflucht 
nehmen und von der schwachen Position der Halbvokale in den 
Casus obliquis ausgeheu 4 ). Weiter unten werden wir auch noch 
dialektische Formen anführen, die auf dem Umlaute beruhen. 

Es fällt allerdings auf — wie auch Leskien darauf hingewiesen 
hat —, daß z. B. häufig tmork ohne T k, dagegen MkHlvTH, muhbr. 

l ) Also in einem Denkmal, das eben auch bei t. und k starke Umlauts- 

erseheinungen aufweist. Allerdings müßte man voraussetzen, daß die meisten 
dieser Fälle schon in der Vorlage waren, und zwar nicht bloß bei den Halb¬ 
vokalen, sondern auch bei den Vokalen überhaupt. 

3 ) Sonst auch wird hier immer c.ka'kks ’z. B. exA'ks-w 17. 23 usw.) und nie 
-kEa geschrieben. 

3 ) Ursprünglich war nur seaAima (so haben wir cesA^Hs Luc. 8.31 im Zogr. 
Mar. Ass. — im Evang.-Texte kommt das Wort nur an dieser Stelle vor — 
ebenso im Cloz. 928), vgl. .vkir und lit. dugnas für dubnas und bedügnis m . 
.Abgrund 1 * . Im Gegensätze dazu haben wir im Ps. sin., wo allerdings ’k und k 
keine Regeln mehr befolgen, schon ss3akhu 76.17, und noch wichtiger ist: 
Sk Ki3AkHx rkhhth Lue. 8. 31 in der Sav. kn. 

4 ) Oben S. 84 n. 109 haben wir mit dem Umlaute t-kau ans tkau u. dgl. 
einen analogen Prozeß in rwN* aus fiwx. verglichen. 



264 


Lautlehre. 


usw., also mit dem Halbvokal geschrieben wird, ebenso mtc>, da¬ 
gegen SKTX usw. Bei Verbalformen wie MkNift, >ikrxusw. könnte 
man, wie ja auch schon geschehen ist, an den Einfluß der Iterativa 
wie -MHHaTH, -mhtuth usw. denken. 

Leskiens Hypothese wurde auch von Fortunatov bekämpft 
(Uhu. XIII, 2. Bd. 4f.); vgl. auch Scepkin (Pasc. 209 f.). 

War nun der Umlaut wirklich ein lautlicher Prozeß, so ent¬ 
steht die wichtige Frage, wo er vor allem zu lokalisieren ist und 
in welchem zeitlichen Verhältnisse er zu den anderen Prozessen 
und zwar speziell zu der Vokalisierung der Halbvokale steht. Da 
er vor allem sehr intensiv im Supr. und in der Sav. kn. vertreten 
ist, könnte man daran denken, ihn nach Ostbulgarien zu versetzen. 
Aber dagegen würde das Ostrom. Ev. sprechen, da sieh darin keine 
Spur des Umlautes zeigt 1 ), trotzdem die Vorlage offenbar aus Ost¬ 
bulgarien stammte 2 ). Dann müßte man außerdem voraussetzen, 
daß die Vorlagen aller der behandelten Denkmäler, in welchen 
sieh Spuren des Umlautes zeigen, aus Ostbulgarieu kamen, was 
einigermaßen doch gewagt wäre. Würde man sich für Macedonien 
entscheiden, so hätte es so manches für sieh. Freilich auch mit 
dieser Annahme sind nicht alle Schwierigkeiten überwunden, ins¬ 
besondere das Verhältnis dieses Prozesses zur Verdumpfung des 
k zu nach s usw. ist nicht leicht festzustellen. Es muß vor 
allem folgende Tatsache berücksichtigt werden. Im Supr. haben 
wir eine Homilie derselben ursprünglichen Übersetzung wie sie im 
Cloz. enthalten ist; es sind nur einige geringe Differenzen vor¬ 
handen, die, wie ich gezeigt habe 3 ), auf der Differenzierung der 
späteren Denkmäler überhaupt beruhen. Im Supr. ist eben die 
spätere Überlieferung vorhanden. Trotzdem nun diese Überlieferun¬ 
gen räumlich (Cloz. auf serbo-kroat. Boden, Supr. an den äußersten 
nordöstl. Grenzen des ostbulg. Gebietes) und wohl auch zeitlich so 


4 ) Nur Fülle wie stjaoth, was übrigens auch im Kuss, bei ao/wifi gegen 
BÄ»™ konstatiert werden kann. Andere dial. Merkmale, wie z. B. hpka-, haben 
sieh Mer erhalten. 

2 ) Der größeren Partie dieses Denkmals und zwar vom Blatt 24 der Hs. 
an lag höchstwahrscheinlich, wie schon erwähnt wurde, direkt ein aksl. 
Original zugrunde. 

3 ) »Altslov. Studien« und »Glag. Cloznv«. 



Lautlehre. 


265 


weit voneinander abstehen, haben sich doch in beiden Sparen des 
Umlants erhalten, die mittelbar anf dieselbe ursprüngliche Vorlage 
zurückgehen. So gleich im Titel: CIoz. hat ckWH (korrumpiert, 
aber doch ca-) 754—755, Supr. ckhhthh 447. 30; im nachfolgen¬ 
den Texte sind dann hinsichtlich unseres Prozesses einige Ab¬ 
weichungen, so hat z. B. Cloz. cksiHTkE 795, Supr. aber cknhthks, 
dann aber finden wir im Cloz. Kkctacfixi* 837 und ebenso im 
Supr. 450. 9: Cloz. Rk ciohU 841, Supr. ebenfalls ßk chohü 450.13. 
Auffallend ist im Cloz. ETk na-kTk . . . ßk r&Nk Bk3HpapR 851 
und ebenso: ß r k nakTk . . . Kk cüirk KkSHpaapi Supr. 450. 
22—23; c'kKAsas'kuje im Cloz. 853 und im Supr. 450. 24 ohne 
Umlaut; dann wieder Sk chohokU rpa,yk Cloz. 860 und ebenso 
im Supr. 450. 29; Kk sssukme Cloz. 861 und kk usiuike Supr. 

450. 30; ohne Umlaut ist geblieben: irk pliUH Cloz. 878 und Supr. 

451. 16; ohne Umlaut K'kcnaeuiTH Cloz. 879. Supr. 451. 17, ebenso 
ktj. ßiTkirkoLnv Cloz. 884 und bt* rh&aessjh Supr. 451. 21; srk 
KHTka*KfiH Cloz. 892 und kt* KHArtceu-k Supr. 451. 29. Dagegen 
K'kHH^s Cloz. 901 und ukHM^f Supr. 452. 8, doch wieder Kk3H,\s 
KTv irkic .. . Cloz. 905, Kk3HA£ K'k KTiiiu . . . Supr. 452. 12; üu- 

Cloz. 923 und Supr. 452. 29, dann allerdings B'kHH.y 

Cloz. 924 gegen buhii^e Supr. 452. 29—30. Die Übereinstimmung 
ist doch so auffallend, daß sie nur durch die Annahme zu erklären 
ist, daß beide Denkmäler endlich und letzlich auf eine Vorlage 
zurüekgehen, die eben diesen Umlaut schon aufwies. Diese Vor¬ 
lage muß einerseits schon sehr alt gewesen sein, wenn zwei so 
alte Denkmäler, die auf ganz verschiedenen Gebieten entstanden, 
darauf zurüekgehen und obendrein noeh mittelbar, so daß Zwischen¬ 
glieder vorausgesetzt werden müssen. Andererseits scheint sie in 
Westbulg. oder Makedonien entstanden zu sein, da ja in dieser Partie 
auch das schon oben (S. 210—211) erwähnte Kp'knoK'k (464. 13) 
vorkommt, also ein Wort mit o aus n>, was eher für diese Gegenden 
und nicht für Ostbnlg. spricht, und es wird kaum das Wort mit den 
Subst. auf -ok, die wir auch im Ostbnlg. antreffen (vgl. oben S. 215 
Anm.) auf gleiche Linie zu stellen sein. 

Nun sind hier aber Belege, die dafür za sprechen scheinen, 
daß in der Vorlage auch die Verdumpfung des k zm>, nach den 
s-Lauten vorhanden war; für die des Cloz. muß es als.sicher gelten. 



266 


Lauüehre. 


Einige Belege des Supr. berühren sich nur scheinbar mit jenen 
des Cloz. Vgl. jUiB^pov-uLiTv Supr. 448. 24 und Cloz. pa3, , . r p'Kuj r i. 
784; 3<uu'fa.Ao Supr. 453. 21 und dass. Cloz. 948; ߣ3imsi>K , i>.H%H 
mxjk'k Supr. 451. 27—28 und dass. Cloz. 891; B’kHTurHiH Supr. 
451. 12—18 und Cloz. 874—875; pojßA'k cav Supr. 

451. 25 und dass. Cloz. 889. Aber so überzeugend sind diese 
wenigen Fälle nicht. Häufig finden wir nämlich im Supr. noch u, 
wo im Cloz. r iv steht, so nplurkiujkHHH Supr. 449. 14 gegen npu- 
ktüutkhhh Cloz. 807; RTiiuüviif!e Supr. 450. 3—4 gegen ß'kiui’KHfc 
Cloz. 830; HHO^oYiukuo Supr. 456. 25 gegen uio AoyurkHO Cloz. 
854; KlvUkH'kibft Supr. 448. 24 gegen B’kM’kH'kJiA Cloz. 784; npt- 
ypaukHÄ Supr. 448. 27 gegen np-kMpaM'kNXi*; Cloz. 787, so daß 
das t». nach tu, ;k, jk js, vom letzten Schreiber des Supr. herrühren 
könnte. Dadurch wird es nicht leicht zu bestimmen, wo die Über¬ 
setzung ursprünglich zustande kam. 

Schwer ist auch das analoge Verhältnis im Mar. im Gegensätze 
zum Zogr. zu erklären, da, wie wir sahen, Leskien gezeigt hat, 
daß beide Denkmäler endlich und letzlich auf eine Vorlage zurtick- 
gehen, die den Umlaut kannte. Nun kommt im Mar. auch die 
Verdumpfung des k zu Ti vor. 

In den jetzigen Dialekten hat man auch Spuren des einstigen 
Umlautes gefunden und zwar in veetni, vezeli u. dgl. (aus Bk3kMH, 
Kh.3iftAH und dieses wieder aus E^skiuiH, etv3<äah). Diese Dia¬ 
lekte betreffen jetzt nur die südöstlichen und nordöstlichen Distrikte 
des südwestlichen bulgarischen Sprachgebietes (in der Nähe von 
Saloniki und bei Sophia, vgl. Scepkin, Paacyaetp;. S. 209 f.). Ein¬ 
mal konnte diese Eigentümlichkeit zum Teile auch anders verteilt 
gewesen sein, aber an diese Gebiete war sie jedenfalls auch da¬ 
mals schon gebunden. Für die Priorität des Umlautes der Voka- 
lisierung des t* und h gegenüber kann man das schon erwähnte 
k£3A*hhi, BenA'k und den Gen. pl. ckaob" 1 * aus dem Psalt. sin. 
anführen. Allerdings haben wir hier auch Formen wie ko.tmiih 
27. 9, B03is.M'kT£ 23. 9, die gegen das Vorhandensein des Um¬ 
lautes sprechen, da sie bk3kmh , Kiv3kU'kT£ lauten sollten. Es 
könnte sich hier um die Reflexe verschiedener Dialekte handeln, 
denn der Umlautsprozeß braucht sich natürlich nicht auf demselben 
Gebiete abgewickelt zu haben, auf dem die Vokalisierung des t» 



Lautlehre. 


267 


und u. stattfand. Zunächst konnte der Umlaut im Texte dureh- 
gefuhrt gewesen sein, dann konnte der Text auf einem Gebiete zur 
Abschrift gekommen sein, auf dem 'k und k vokalisiert wurden 0. 
Minder wahrscheinlich wäre eine Analogie, nach welcher ein Kk3 
u. dgl. nach ß«3- bzw. schon nach ut* 3- wieder verallgemeinert wäre. 

Wichtig wäre es zu konstatieren, wie weit sich hier dialek¬ 
tische Eigentümlichkeiten der Schreiber des Ps. sin. (es hat we¬ 
nigstens drei gegeben) äußern. Da es hier keine großen Diffe¬ 
renzen gibt (bezüglich des -kf und -hs verhielten sie sich nicht 
gleichmäßig), so dürfte unser hier in Betracht kommendes Material 
meist schon in den Vorlagen gewesen sein. Jedenfalls würden 
wir ihnen das o für 'k und e für k znschreiben können, falls es 
schon in der Vorlage überhaupt oder in dem Maße, wie es im 
Ps. sin. vorliegt, nicht enthalten war. 

Aus diesen Erwägungen würde sich ergeben, daß der Umlaut 
der Vokalisierung des ■ 'k und k vorherging. Auch Scepkin hält 
den Umlautsprozeß für älter als die Vokalisierung (Eo.ioneKa u 
neaxTiipn, S. i, Anm. 1). Allerdings gibt er auch die Umlauts¬ 
prozesse nur in schwacher Position zu, so daß er Formen wie 
vezmi aus Kk3kUH durch den Einfluß von Bk3ATii, Kk3A\"k usw. 
erklären und sonst auch die Analogie zu Hilfe nehmen muß (Ot- 
ueT'B o npneysyi;. npeir. npo*. Koraap. ui 1895 r. S. 48 f.). Ebenso 
soll zunächst ein Kknnta, Kknnw usw. aufgekommen und von hier 
dann das k auch in KkiiAk (mittelbg. ßfiuk) eingedrungen sein. 
Wenn wir den Umlaut von einem allgemeineren Standpunkte be¬ 
trachten und an Fälle wie debrfy'e, udeUti, ribS u. dgl. (vgl. oben 
S. 108—109) denken, so wird es uns kaum begreiflich, warum sich 
der Umlaut in K^nuia usw. und nicht gleich in KTvü/tk geltend 
machen konnte. Man denke auch an ftoiim aus r'ttHX (S. 84). 

Wichtig ist aber zu konstatieren, daß die erwähnten Formen 
wie veze, cezelo , vezmi und andere derartige nur in der südwest¬ 
lichen Dialektgruppe anzutreffen sind (S. 49). 


*) Es konnte auch Dialekte geben, wo nnr die eine Art des Umlauts 
ausschließlich oder nur mit geringen Ansätzen zum zweiten vorhanden war. 



268 


Lautlehre. 


Zusammenfassende Charakteristik der aksl. Denkmäler 
hinsichtlich k und t. 

Der Gebrauch der Halbvokale ist in den aksl. Denkmälern, 
wie wir gesehen haben, durchaus nicht in jeder Hinsicht einheitlich. 
Die Halbvokale erfuhren mannigfache Veränderungen, die in den 
Denkmälern zum Ausdrucke kommen und die teils durch terri¬ 
toriale, dialektische, teils durch zeitliche Verhältnisse (durch die 
in der Zwischenzeit seit der Fixierung der aksl. Schriftsprache 
eingetretenen lautlichen Prozesse) bedingt waren. Es konnte in 
gewissen Stellungen ihr Verlust eintreten, ebenso das zu o und 
w zu e werden, unter gewissen Bedingungen ging t in i Uber 
(wobei im allgemeinen zwei Fälle zu unterscheiden sind), anderer¬ 
seits aber auch % in k; schließlich sucht einer der beiden Halb¬ 
vokale überhaupt die Oberhand zu gewinnen (meist ist es 'n, doch 
nicht ausschließlich), der andere kann auch ganz verdrängt werden. 

Will man den ursprünglichen Zustand, wie er zur Zeit der 
Fixierung des Aksl. durch die beiden Slavenapostel als Schrift¬ 
sprache bestand, kennen lernen, so kann man sich nicht einfach 
an das eine oder andere der aksl. Denkmäler halten, man muß 
vielmehr durch vergleichendes Studium den ursprünglichen Zustand 
erschließen, denn er ist nirgends unverändert wiedergegeben. 
Allerdings gibt es Denkmäler, die sich ihm mehr nähern, andere 
wieder, die sich mehr entfernen. Zn den ersteren gehören ins¬ 
besondere die Kiever Blätter, der Zogr., die Sav. kn. und aus einer 
anderen Gruppe leistet uns auch das Ostrom. Ev. sehr gute Dienste 
hei dieser Frage. Doch gibt es auch Punkte, wo die anderen 
Denkmäler ebenfalls berücksichtigt werden müssen. 

In den Kiever Blättern werden die Halbvokale richtig ge¬ 
braucht, insbesondere auch im Auslaute. Ausnahmsweise nur k%- 
ckjfh. VII10 und 22—23. In E'kp’kcHH Vb 8 und frkcNOTHKkHak 
II 9 ist nach dem Früheren (S. 186) kein w zwischen c und n zu 
erwarten, ebenso in npHcno V 6, VII17, Vb 10 usw., in kijk hj- 
rccKf VI14—15, K'K3M<»KfW'K Illb 12 usw.; hukukh IV 24 usw. 
Dagegen immer ott».-, z. B. oT'K^uaiv IVb 10, OT'KU£ r \f Vb 12 
bis 13 usw. cvrßopHTH kommt hier in verschiedenen Formen 
sechsmal vor und immer mit h, Ebenso immer k in verschiedenen 



Lautlehre. 


269 


Formen von ßkck, ^kbl. Es kommt hier kein voller Vokal st. 
•k und k vor 1 ), auch keine Verhärtung des k zu *k vor einem 
nichtpalatalen Vokal und nach ui oder m, jk (R’kKcrriMiÄS*: II15 
u. dgl., immer HAUik II 7, IV 16, IVb 5, irctk Ib 7, ulcth II1 
usw.); ebenso kein Umlaut des u zu k vor weichen Silben, daher: 
SHk SkCTH II 1, ETv ß-Klb.H’ÜMh. II 22, KTv IlA'kH'k IVb 12, KTi- 
ahth'K II 6—7, ß’kp-fccHH Vb 8, ß r k3ABHf’HH V 20, ß'kcKp'kcn 
IV 19, stiAhh IV 5. k in schwacher Position erscheint hier einige¬ 
mal als k: mhaoctksä IV 4—5, IVb 8—9 usw. (neben uhaocthkr) 
nur im Instr. sg. der z-Stämme. In starker Position: SArioßliAki 
IVb 19. Die Verhältnisse bei r und \ sind oben S. 165—166 be¬ 
sprochen worden. Dazu ist noch tä,iirki"k:?f VI 4 und nHpK'knalv 
IVb 17 zu erwähnen, in welchen Formen ich Reflexe des Pan- 
nonisch-Slovenischen sehe; circuvah finden wir in den Freisinger 
Denkm. II 35 und cirkva wird noch heute in ganz Zivilkroatien 
und in der Murinsel gesprochen. Auch im Ps. sin. haben wir i*h- 
pliKOBk 78. 1. 

Der Zogr. nimmt in lantlicher Hinsicht unter den aksl. Denk¬ 
mälern einen hervorragenden Platz ein und was den richtigen 
Gebrauch der Halbvokale anbelangt, folgt er gleich nach den Kiever 
Blättern. Allerdings können hier sehon einige lautliche Prozesse 
konstatiert werden, von denen sich in den Kiever Blättern keine 
Spur findet. So ist hier der Umlaut des k zn t» und i zu h 
vertreten (s. oben S. 252—255). Dagegen zeigt sich keine Spur der 
Verdumpfnng der m-Laute; es wird nach ihnen hier k geschrieben 
und dadurch sticht Zogr. von einer ganzen Reihe der anderen 
aksl. Denkmäler ah. Die Vokalisierung ist hier spärlich vertreten, 
das e für k beschränkt sich meist auf bestimmte Fälle, noch sel¬ 
tener ist das o für "k (S. 193). Diese Fälle scheinen vom Urheber 
des Zogr. herzurühren, da er Tv als o und k als e in bestimmten 
Stellungen auffaßte. Das k in schwacher Position wird auch als 
k geschrieben, aber diese Fälle sind im Denkmal ungleichmäßig 
verteilt (S. 231 f.). Beachte hier etühx, kt-j iicr; oT'kustT'k, •£ in 
starker Position einmal als -"km, sonst kontrahiert als •«, daneben 
auch "ki (vgl. ctoh Lue. 1. 72); Kp-fennln neben Kp'ßnAH. Be- 


i} Vgl. npäRhMnvfc V 7—8, npMkAUJ’kHX’' 1 VII b, VII b 10. 



270 


Lautlehre. 


züglich der trzt-Gruppe bemerkt man, daß sowohl bei r als auch 
bei l das h. zu dominieren beginnt, insbesondere bei r. Das k 
hat sich noch am ehesten dort erhalten, wo es schon ursprünglich 
dem r und l nachfolgte (S. 170—171). Der Ausfall der Halbvokale 
tritt hier verhältnismäßig häufig ein: stc, ii'Rmto, MNorn. usw. 
(S. 193—194). Im Zogr. b haben wir nur H, das k ist, wo es auf¬ 
taucht, cyrillisch geschrieben. 

In der Sav. kn. werden die Halbvokale ziemlich genau ge¬ 
braucht, nur nach m bemerkt man in den Kasusendungen und in 
der 1. sg. der kons. Yerba ein Schwanken zwischen Ti und k. 
z. B. ,5,at.ni für Sonst wird das k im Auslaut noch bewahrt, 

so insbesondere bei den »-Stämmen und io- Stämmen. Nach den 
ui-Lauten ist die Verdumpfung des u zu m eingetreten: Nauru, 
m-kto. Beide Arten des Umlautes finden wir hier vertreten, jedoch 
so, daß man ohne weiteres zugeben muß, daß er nicht vom letzten 
Schreiber, sondern aus einer Vorlage herrührt. Von den anderen 
aksl. Denkmälern sticht die Sav. kn. dadurch ab, daß hier die 
Vertretung der Halbvokale durch volle so gut wie gar nicht vor¬ 
handen ist, insbesondere fällt es auf, daß hier e für k nur in Kasus¬ 
endungen vorkommt, was einfach analogisch erklärt werden muß 
(S. 190fi). Die verengten Halbvokale werden durch 'ki und h dar¬ 
gestellt, letzteres in schwacher Position in Fällen wie hmUhh« usw.; 
nur oya<»PW nach <nfA<»pk, A kHU (Gen. pl.) nach A kHk - In der 
tn>t-Gruppe wird bei r ohne Rücksicht auf die urspr. Stellung k 
und bei l wieder t k vorgezogen. Ausgefallen ist der Halbvokal oft 
in Mnorix, ß(b)ck ,omnis‘, kto, mto, ctkophth, muh, mhc* usw. 
(S. 191). 

An die Sav. kn. schließt sich Supr. an, wenn er auch hin¬ 
sichtlich des richtigen Gebrauches von k und h etwas zurückbleibt. 
Unberechtigtes k für r k ist im allgemeinen seltener, z. B. muho3h 
201. 14—15; 268. 9, tuuNora 338.19, tukmo 502.18, natu ckth 
539.29, ckTd 518.12, regelmäßig rikßd: rikKdmiHiurk (Instr. sg.) 
382. 16, nkßatiHie 409. 28, nkiidTH 409. 27 (so auch im Ps. sin.); 
3kßdNHra 280. 4, ckcoy 312. 8 und andere vereinzelte Fälle; einige¬ 
mal im Suff, -’kß’k (24mal): KpHnkK'k 28. 9; 329. 2; KpHnkKddro 
232. 18; CAdA^Kd 227. 30; 351. 8 usw., KtTk^'kiH^Tv 371. 7—8, 
BtTkjfkijf'k 487. 23 usw. Wenn z. B. 3kAo 211. 22 und der- 



Lautlehre. 


271 


artige Formen mit k Vorkommen (etwa 20 mal), so kann man an¬ 
nehmen, daß es aus 3uah und 3kA'fc verschleppt ist. 

Nicht so häufig ist auch Tv für k, z. B. K'kc’kKoro 49. 22 ; 
kTiCKk’ 160.1; KTvCkKo 240. 20; ktvCUmh 99. 25—26; et*« 354.7; 
K'kC'KM'k (Dat. pl.) 278.29 (K'kcx^oy gehört natürlich nicht hierher, 
ebenso K'kC/Svj. Das T k taucht auch in Suffixen wie -kH r k, -kCK'k, 
-kCTKO auf, doch gehören die Fälle nur dann hierher, wenn die 
Silbe nach k (urspr. k) einen weichen Vokal enthält. 

Hinsichtlich des Auslautes ist zu bemerken, daß im -i.n» des 
Dat. pl. etwa 50mal k statt Tv vorkommt 1 }, darunter kein Dat. pl. 
der Fern, auf -a, daher ist es dem Schwanken der Schreibweise 
im Instr. sg. zuzuschreiben, wo "K liberwiegt, wie auch im Lok. sg. 

In der 1. sg. ist wieder k dem "k gewichen, selten ist das k 
in iecuk 47. 4 (hier ist ”k zu k umgeändert, so auch 86. 12); 
E-fiMk 336. 3; HcnoBUMk 359. 15 (vgl. dagegen S. 354—55, wo 
diese Form elfmal mit Tv vorkommt) und Hücuk 428. 28. — Bei 
den «-Stämmen wird k in der Regel bewahrt: 900 Fälle mit k, 
nicht ganz 40 mit Ti, darunter 24 mit uit und m, die allerdings 
nicht hierher gehören. Nach dem -cte dieser Stämme vielleicht 
auch lecTk, Bkcrk, HUcTk, EiucTk, A*»CTk, nc>A<icTk, die einige¬ 
mal Vorkommen; sonst nur ocoahte 260. 1 (ftir npnAevk 12. 16 
hat Severj. 16. 20 npHA«T"k). 

Übereinstimmend mit der Sav. kn. haben wir hier das % nach 
den uj -Lauten (nach in, ;k und *i). — Auch im Supr. finden wir 
beide Arten des Umlautes und zwar zeigt sieh der des Tk zu k in 
zahlreicheren Kategorien, als es sonst in den aksl. Denkmälern 
der Fall ist (neben Bk, Kk3- auch bei ck, Hk, «Tk, nptAk, n©A k )- 
Der Umlaut rührt aus den Vorlagen her. 

Von der Sav. kn. unterscheidet sich Supr. hauptsächlich da¬ 
durch, daß wir hier t für k auch in Wurzelsilben finden (z. B. 
,i,aik), das Material ist verschieden verteilt. Dagegen ist o für t«. 
nur in vier Fällen vorhanden. Das alles dürfte aus den Vorlagen 
herrühren. Das k für k in schwacher Position zeigt sich hier im 
Gegensätze zur Sav. kn., jedoch ungleichmäßig. Damit stimmt 
auch die Labialverbindung, z. B. -Mkia, -Ukie usw., überein, doch 


ö Auch T-l-Aifc. als Bat. 443. 14. 25; 210.28, offenbar nach dem Instr. -rkak. 



272 


Lautlehre. 


wird Mer andererseits u nicht durch h ersetzt wie bei & (nur 
einmal: npHcrauHieHH). Beachte auch B'k hhx, B'k hm usw.; 
dann norcYBHT’w-n, H3rov'K/<\TTvi-H, weiter npHAaM-w-H irrtüm¬ 
lich statt np’Kp,aMH-H. In der tnt -Gruppe wird bei r entschieden 
das k vorgezogen (erst gegen den Schluß nicht), wodurch sich 
das Denkmal auch der Sav. kn. nähert, doch wird oft auch bei 
l das i» vorgezogen und dadurch weicht wieder Supr. von der 
Sav. kn., die bei l das ’fa. vorzieht, ab. Ausgefallen ist auch hier 
oft das -K und k in iuinor-, usw., muh, uto und zahlreiche 
andere Fälle. Vieles davon hat wohl der letzte Schreiber ver¬ 
schuldet. Für eine Differenzierung des r u und u hatte er keinen 
Sinn mehr und in schwacher Position existierten die Halbvokale 
nicht mehr in seinem Dialekte; er hat sie nur mechanisch ge¬ 
schrieben, wobei er ab und zu höchstens einer gekünstelten Aus¬ 
sprache folgen konnte. Oft wird dasselbe Wort mit h und gleich 
darauf mit k geschrieben: khash 212. 17 und kuask ib. 18; ck 
tHmh 213.1 und ch tHmh ib. 2; curu 312. 3. 12 und ckcoy ib. 8; 
Tkiv\a ib. 8 und Tnrp,a ib. 16; kh^e 448. 8 und k^e ib. 10. 
12. 13. usw. 

Im Mar. kann man im allgemeinen ein Übergreifen des %. auf 
Kosten des k überall bemerken, nicht selten hat sich aber auch 
das k noch gerettet. Wenn auch selten, kommt hier z. B. noch 
-KkpaTH vor, vorwiegend ist hier allerdings n (häufig auch ohne 
Halbvokal). In bhaobu, ehaobhuü natürlich nur mit m, so auch 
in 3 t*p,uth und chstiAuth. Aber auch in Ruck ,omnis‘, 
oYSkpHTH erscheint nicht selten h; im Instr. und Lok. sg. haben 
wir neben älterem k auch h; ck ,hic‘ wird manchmal auch c k 
geschrieben. 

In der 1. sg. kommt -uh und -t.rk vor und infolgedessen auch 
in der 1. pl. der kons. Verba. Mit dem Zogr. hat der Mar. die 
unrichtige Schreibweise oYMkp'kTH gemein (Luc. 8. 54 und viele 
andere), hier auch OYM'kp’fcT'k Luc. 8. 49; Marc. 15. 44. Die 
richtige Schreibweise kommt hier überhaupt nicht vor. Dasselbe 
gilt auch von npocTpUTH (npocTkp’kcTE, npocTkpH). 

Spuren der Verhärtung des k zu ’k finden wir hier nach s, ui, 
jk, uiT, u,, s; ebenso des Umlautes. Für k kann in starker 
Position e und für h o stehen. Man kann mit Recht schließen, 



Lautlehre. 


273 


daß der Urheber der Vorlage k als o und k als t in diesen Fällen 
anffaßte. Hier auch -kt, -kt: nsw.; ctÖh, keaeh; Bki-HCTHHX, 
H'ki-HuaT'k; K T K3AioKHT'ki-H und andere. Sowohl bei r als auch 
bei l bildet k in der trjt-Gruppe fast die Kegel. Der Halbvokal 
ist hier verhältnismäßig nicht so häufig ausgefallen wie im Zogr., 
die Qualität der Halbvokale ist aber besser im Zogr. erhalten. 

Im Cloz. erscheint k für 'k seltener: fcTk 46, KkfTk 822, 
Bkrä^k 90, öitfHk (Dat. pl.) 92, cßkTHAkHHKOMk (Dat. pl.) 166; 
BdMk 216, HdKklKNEMk 287, BklUJkHHMk (Dat. pl.) 267, HCKpk- 
HHUk (Dat. pl.) II 78, B'k3NCHdBHA’KBk 136, KpECTktHk 142, no- 
BHHTkHk 201, rddck 425, npocTrpk 695, hcthrhb 865, a^atejck 
901, HiHCTkdt:HfHk 907, irtpu 910, nfHddiHk H 72. 

Dem gegenüber fällt auf jene große Anzahl von Fällen, in 
denen k von k verdrängt wurde: sechsmal ßku,», <vkcth 859, 
CkHkMI 103, BkSkMETk II 86, ©EkUlTHTH dreimal, A'kHfE'k- 
H-kiM'k 561, BTvCfro 630, ck ,hic‘ 923, A kH «k H 33, A^Hkck 
875, n*Kcdpk 40, nkcHk 27, ndkTk 909, mukCTk 658, Kpkßk 
415, rk mehrmals, Bkutpa achtmal, im Lok. und Instr. sg. er¬ 
scheint schon achtmal k (mehr als 90 Fälle mit k) u. a. Hier 
auch npocTkptTH H 28; orHk u. a. 

Die Verdampfung des k zu k zeigt sich hier nach h, ui, je, 
jka und uit. Nach c und 3 bleibt hier das k regelrecht erhalten. 
Den Umlaut sehen wir hier auch noch ganz deutlich, natürlich 
rührt er nicht vom letzten Schreiber des Denkmals her. Die Halb¬ 
vokale werden von e und o vertreten (letzteres nur in fünf Fällen, 
ersteres sehr häufig). 

Hier finden wir -kt, -kt;, -kn usw. regelrecht und das ist ein 
charakteristisches Merkmal des Cloz. Für k kann hier auch k 
stehen: »EEkiTkE 556, HOuiTki*. u. a. Seltener ist -he, hw. Vgl. 
iipkAdtii-H 172, Bki-HcndkHiTH II 62. Die Halbvokale fallen 
sehr häufig aus. In der tnt -Gruppe wird auch das k dem k vor¬ 
gezogen und zwar sowohl bei r als auch bei 1. Bei r finden wir 
das k noch 30mal, wobei man bemerken kann, daß die folgende 
Silbe einen Einfluß darauf hat. Bei l ist nur einmal ein k. 

Im Psalt. sin. ist auch die Neigung deutlich ausgeprägt, das 
k dem k gegenüber zu bevorzugen und zwar im Inlaut wie im 
Auslaut. Dabei haben sieh Archaismen aus alten Vorlagen erhalten. 

Yondrak, AltklrehensXaviselie Grammatik. 2. Aufl. 18 



274 


Lautlehre. 


Während im Zogr. K’kpdTH geschrieben wird (Umlaut), haben wir 
hier noch mehrmals k: coKkpauibft 2. 2; 103. 22; H3Kkpa 32. 12; 
77. 67. 68; 134. 4; coßkpa 40. 7; rkEkpa 106. 2, H3Kkpa 75. 4, 
h 3 Ekpatia 88. 20. Hier ist es also altertümlicher als Zogr. Natür¬ 
lich auch Fälle mit tk und zwar etwa elf. Auch noch TkM’ki 3. 7; 
67. 18; 106. 14, TkMX 103. 20 (ük Tkmrfc 106. 10 kann anders 
beurteilt werden) neben T’krax 17. 28, T'kiia 54. 6, t-ki-lu.iii 
67. 18; CTK3a noch neunmal mit k und nur einmal mit ’k: cttvBia 
43. 19; äkp'kTH wird in seinen verschiedenen Formen und Zu¬ 
sammensetzungen vorwiegend noch mit k geschrieben und zwar 
etwa 38mal, selten mit ’k: ci'a’kpiA'i 'k 39. 4; 106. 42; npH3’kpH 
39. 14; oYB’kpHT’k 48. 10; npU3TvpH 54. 2. Auch im Zogr. fand 
es Jagic nur an drei Stellen mit ’k (AfslPhil. I, S. 37). Merkwürdig 
ist es, daß hier einigemal mvEUTH mit k geschrieben wird (vgl. 
oben im Supr.): o\f nkKilHT{ 4. 6, 0Y nkKaHHf 4. 9; 13. 6, ©v/m- 
itanEipiH 5. 12, -eh 33. 23, ©Y r,KIiaHf ' L l JK ’ 4, OY nkKd, * l M IAkft 
16. 7, ov'nkRap». 7. 2; 15. 1; 37. 16, ©Y" kKll )f ÖMk 32. 21, -eu-k 
32. 22, oYrikSAi*, 43. 7; 55. 4. 5. 12, ©Y nkß ‘' 56. 2; 59. 10; 60. 4; 
61. 8. 11; 64. 6 (im Zogr. nur ©yeivkath Mat. 12. 21; 27. 43; Marc. 
10. 24; Luc. 11. 22, Joh. 5. 45). Daneben wird hier allerdings das 
Wort auch mit ’k geschrieben und zwar etwa 60mal. Sonst auch 
erscheint es oft scheinbar ganz unberechtigt. Soll das k in ßk,\e>- 
EHu,K 67. 6, Ek^Oßa 108. 9 noch alt sein (dreimal mit *k: 77.64; 
93.6; 131.15, im Zogr. u. Ostr. immer mit ’k AfslPhil. I, S. 16—17)? 
Unrichtig ist SkEAHTvE 5. 2, -kt 9. .13 neben npH3’kßaY'k 30. 17, 
KOSTvEa 33. 7; B’kßa 49. 1; npH3’kKAUiiA 52. 5, K©3’kKaY'k 54. 17. 

Sonst auch sind derartige Fälle selten: cx.Tk 10. 5; luior^Tk 
35. 13; ECTk 10. 5; 35.10; ©Y nkKd X' 0Hk 32. 21, ocraKHMk 73. 8; 
Dat. pl. A kHtMk 135. 8, np’kcTOAk 10.4, iab kikk 15.9, Hp. 34.17, 
©YCTk 35. 4, Kk 94. 7; im Inlaut: KkTO 10. 5, upTiKkEH 10. 4, 
häufig Ukwork. und seine Ableitungen wie MkHOJKkCTKO 5. 11; 
9. 25; 36. 16; 39. 11; 118. 165; 119. 6; 122. 3; 129. 7, oY** k N°- 
jkhth 3. 2; 49. 19; 64. 11. 14; 106. 38; 118. 69; 137. 3, MkHO- 
JKH 4 EBR. 128. 2 (bis). Daneben auch ’k; vgl. auch 3kAoua 7. 10, 
3kua 14. 3; 70. 24 (über solche Fehler im Zogr. vgl. AfslPhil. II, 
S. 250). Das k in -Mk der 1. sg. hat sich noch erhalten: Hcno- 
K'kMk 27. 7; 108. 30; 110. 1; 117. 19. 21. 28(bis); 118. 7. 19. 63. 



Lautlehre. 


275 


64. 125. 141; noK'SUk 74. 2, ov-Rtuk 118. 125, teilt 68.30; 69.6; 
80. 11; 90. 15; ghmk 80. 15; 118. 92; ^aut» 131. 4; 

115. 3 (12). 5 (14). 9 (18). Für den Instr. und Lok. sg. haben wir 
noch zahlreiche Fälle mit k, aber sie beginnen erst mit cnHttMk 
27. 8, o HEMt 32. 21, natTtut cßonuk 36. 7, in der früheren 
Partie nur -t: huati ciohcu'k 2. 6 usw. 

Sonst wird im allgemeinen das t vorgezogen. In Ktc- ,omni8‘ 
finden wir sehr häufig das t», z. B. K’krkKX 6. 7, KtcR 8. 6. usw. 

Nach weichen Kons, finden wir hier auch häufig t>, wie z. B. 
mpkjkti 5. 7; MHCOK’kCTKOU'k 5. 8, houit’k 6. 7; Hauit 8. 2. 10; 
MivTo 8. 5 usw. und es wäre möglich, daß hier Spuren der nns 
bekannten Verhärtung der ui-Laute zu suchen sind. 

Eine Altertümlichkeit des Ps. sin. dem Zogr. gegenüber zeigt 
sich in der Schreibweise npocTp’kT’k 54. 21, pacnpccTp'k 104. 39, 
ncjKp'KTT*. 105. 17, no/Kp'kjfOMc h 34. 25 (im Zogr. nur npocTtp-k 
dreimal, npocTkp’ST'k zweimal, nocTtp'kcTt einmal, im Mar. auch 
MtpliTH). Mit dem Zogr. stimmt Ps. sin. bezüglich co3Tv\<* 67. 69; 
88. 13; 89. 2; 103. 26 ; 3V'. aujl '?' 95. 1, coatA^HHt 102. 14, co- 
3'kA<*c’>'f H8- 73) 3'kA dHHH X" k 128. 6 (auch co3aaboh 93. 9). 

Spuren des IJmlautes haben wir im Ps. sin. auch gefunden. 
Ungemein häufig finden wir für t und t ein e und t, was zum 
großen Teile vom letzten Schreiber herrühren könnte, da er % als 
o und k als t auffaßte, wie wir sahen. Das t und k hat er nicht 
mehr ausgesprochen. Das -tk, -kio usw. trifft man hier überall an: 

Vgl. H3KEA0H, HHL|IEH, Rf/lfH ; R'kl-HHX, aber auch C'kU’fc- 

pHTO-H USW. 

Die Halbvokale werden im Ps. sin. mehr bewahrt als in anderen 
glag. Denkmälern: nur in gewissen Wortformen werden sie häufiger 
ausgelassen. 

In der tnt -Gruppe ist sowohl bei r als auch bei l das k vor¬ 
herrschend. 

Auch im Euch. sin. beginnt das t» dem k gegenüber zn domi¬ 
nieren. So ist hier k für k seltener, z. B. utak.vcKkic 97a, b«lvki 
cAdABK'ki 2b, Kp'KnKii,Hn 77 b (kann aneh dnreh den Umlaut ge¬ 
deutet werden). Im Dat. pl. tritt einigemal k auf {nach dem Lok. 
Instr. sg.): TtMOMk 24b, iri sroMk 3-sbg tüv dem 1 und sonst 

IS* 



276 


Lautlehre. 


noch (Lang S. 10); auch in der 1. sg.: naß’krniUkCTBOYeMk 15 h; 
K K,A,pu 47a, npUA^Hb. 69a, ecrk 69b u. a. 

Häufiger ist ’k für k: E'KBKUfTTv 90a; 104a; ii3 ,r KMH 31b, 
B'kS'kMH 96 a, BTvS-KHliU’h. 98a, B'k3'kMliTf 106 b, EkH’kMH 11b, 
62b, 77a, B'kN’kM’RM'k 11b, 96b, p-knii 93a, pnui/Kun». 59a, 95b, 
96b, 97a, pi^tTf 46a, 106a, T'kivfcM'k, c’vr’kpHM’k 98a, w- 
HTs.3M. 76a, ciiA £ ,hie‘ 106b, cE-KT-kAHiia 39b, cmpT^u 49a; 
88a, Hf'rwp'kMH 4a u. a. ct». ,hie‘ 14a, 72 b, bcuL (= EkCk) 24b, 
43 a, 100 a u. a. 1. sg. icmt». einigemal 41b, 62 a, 75 a usw. So 
kommt auch im Instr. sg. mehrmals k für k vor. Das fehlerhafte 
ripocThpIvTH findet man auch hier 40 b (kurz vorher steht die 
richtige Form npocTpUTH). 

Interessant ist es, daß hier nach s, £ für u wegen der Ver¬ 
dumpfung 1 » geschrieben wird, aber nicht nach 6, st, zd. Außer¬ 
dem können hier auch die Umlautserscheinungen nachgewiesen 
werden; bei der Präp. civ nicht. Das rührt aus der Vorlage her. 
Ungemein häufig wird ’k von © und n von t in starker Position 
vertreten und man bekommt den Eindruck, daß der Schreiber des 
Denkmals dieses ’k überhaupt als o und wohl auch das k als i 
las. Vereinzelt npucwoH, ctoh, B’kiurkHfH, npeutH, noToriAfH 
und zahlreiche andere Fälle, ctn (im Supr. chh = ckh), Gen. pl. 
KfuuTf h, c-kp-RTcHtH. Das k fiir C schwacher Position beschränkt 
sich auf -lh, -kW, sonst wird konsequent -ne, -hU, -hia, -hi* 
geschrieben. Beachtenswert: b'uhx regelrecht, aber auch B-kHH*. 

Das ’k und k fällt häufig aus, selbst auch im Auslaut geht es 
verloren, doch wird es meist durch ein Zeichen angedeutet. 

Auch in der tn>t-Gruppe bildet das ’k bei r und l die Regel; 
das k ist hier selten. 

Im Assem. sind schon so manche Abweichungen enthalten. Bei 
KkpaTH finden wir 20mal k und achtmal ’k und man weiß nicht, 
ob das k noch aus einer Vorlage stammte, die den Umlaut nicht 
kannte; so wird auch in 3k^ATH k vorgezogen. Sehr häufig noch 
SkpIvTH und nur einmal npn3 r kp-R\' r k; nur R r k3'kUH und B T k3'k- 
i.ixttv mit ’k, sonst in zahlreichen Fällen (ß’k3ku*. c'kHkunum 
u. a.) noch k. Nicht selten wird k von ’k in Wurzelsilben verdrängt, 
häufiger nur in bestimmten Fällen, so namentlich nach b (ß’kck 
,omnis‘ 185mal mit ’k, etvCu ,pagus‘ zweimal, t \ß'kpk dreimal, 



Lautlehre. 


277 


cbTvTUth zweimal, natürlich auch Rk,s,08a siebenmal. Eine Eigen¬ 
tümlichkeit des Ass. bildet das t> nach k und r, daher kktc, kk- 
HHJKivHHUH, Kk^E, TkKkMO, SAKkAA, 3AKkA4Ak, (HKkUlOtj', im AuS- 
laut: maok'Kkk, pekk, die Präp. kt* regelmäßig mit k (244mal); 
rkHduiA (Marc. 1.36], ckikuxLEk (Luc. 4. 20), nara usw. 

(Leskien zählte k nach k im Inlaute 97 mal, im Auslaute ebenso, 
abgesehen von der Präp. Kt, k nach r im Inlaute 19mal, im Aus¬ 
laute 45mal). Auch nach 3 wird k dem k yorgezogen: Sksarn 
35mal, BkAk 42mal (3kEJTH finden wir merkwürdigerweise auch 
im Ps. sin.), häufig auch bei c (ckaaTH 28 mal, cknarn 18 mal, 
daher auch ck = ck ,eum‘ 47mal, in der Kompos. 140mal). Die 
fehlerhafte Schreibweise oyM’kp’S'rH (viermal), ovukp'kTH zwei¬ 
mal), «YMkp'kT'k (fünfmal), oy m ' k P’ 6t ' 1 '- (zweimal), OYMkpkuiA 
(einmal), npocT'kp’K, npocTkpkTk, onupkuiA bildet hier die 
Regel. 

Im Auslaute wird k von 'k häufiger verdrängt als im Inlaute 
(abgesehen von -Kk, -rk). In der 1. sg. haben wir -Mk 47mal und 
nur dreimal -Uk, im Instr. sg. in der Regel -Mk; bei den «-Stäm¬ 
men neben 353 Beispielen mit k schon 134 Fälle mit k. Nach m 
32 Fälle mit k und nur fünf mit k, nach u, 197mal k und 19mal 
k, nach uu zwar 24mal k und nur 12mal k, man kann hier aber 
trotzdem nicht von einer Verdumpfung des k zu k nach den ui- 
Lauten sprechen. Dagegen haben sich Spuren des Umlautes er¬ 
halten. Die Vokalisierung des k zu o und k zu e ist hier sehr 
stark vertreten; hierauch oyghemo-h, utJKHTo-ck, ckTßopfH, ov- 
AapeH usw. Im Text wird hier ein £ in schwacher Position nir¬ 
gends als k geschrieben; daher auch nurre, nuexk usw. Beachte 
SklHXL, OVSHIXTkH-l, Kklikl-H für (= fiTjUSkH). Der 

Aus- und Abfall der Halbvokale ist hier unter allen aksl. Denkm. 
größeren Umfangs am intensivsten vertreten. 

In der fraf-Gruppe ist das k sowohl bei r als auch bei l vor¬ 
herrschend. 

Bezüglich der kleineren Fragmente muß an den betreffenden 
Stellen oben nachgeschlagen werden. 



278 


Lautlehre. 


Ablaut. 

Unter Ablaut versteht man. den Wechsel der vokalischen Ele¬ 
mente in Worten, die zur selben Wurzel gehören, z. B. heut*, 
Hkhcth ,blühen' und iJ,ß’KT'k ,Blüte'. Wesentlich ist aber bei diesem 
Wechsel, daß er schon auf urspraehliche Zustände zurückgehen 
muß, also nicht etwa auf lokalem Boden durch andere Umstände 
hervorgerufen werde (z. B. ,ykKa, aber Aach). Er kann mannig¬ 
fach sein: er kann sich auf die Qualität des Vokals beziehen, 
z. B. BfA*, KfcTH ,fahren‘ und B03'b. ,Wagen‘, lit. entsprechend 
veiü , fahre' und väiis ,kleiner, einspänniger Schlitten', oder auf 
die Quantität: Kfp*, Kapaun ,nehmen'; piK*, pcixiTH ,sagen‘ 
und p-Ruh ,Rede, Wort' aus urspr. *reki- (hier ist also der Wechsel 
e und e). Im ersteren Falle nennt man den Ablaut qualitativ, 
im letzteren quantitativ. Der quantitative Ablaut wurde dadurch 
hervorgerufen, daß in einem mehrsilbigen Worte nur eine Silbe 
betont sein konnte. Sie behielt infolgedessen den ursprünglichen 
Vokal (Vollstufe = V), während in den unbetonten Silben die 
Vokale reduziert werden (Reduktionsstufe = R) oder selbst auch 
ganz schwinden konnten (Schwundstufe = S). Unter bestimmten 
Bedingungen konnten auch ursprünglich kurze Vokale gedehnt 
werden (Dehnstufe = D). Beim qualitativen Ablaut handelt es sich 
hauptsächlich um den Wechsel e: o (e:d). Dem Ablaut im Aksl. 
hat Meillet eine eigene Abhandlung gewidmet (Los alternanees 
voealiques en vieux slave in MSL. XIV, S. 193—209, 332—390), 
auf die wir uns werden oft berufen müssen und die man zugrunde 
legen kann. Das e kann von verschiedenen Lauten begleitet sein, 
die im Slav. weitere Veränderungen herbeiführten, so daß man 
hier mehrere Ablautsreihen unterscheiden kann. 

1. Auf e folgt in der Normalstufe (e-Stufe) ein Konsonant (außer 
m, n oder r, l ), z. B. ptHH, pfK*, -pauaxH, p’Rkath, ptsk, poK-u; 
heb*, K03HTH, B03Ti. Hierher gehört auch c'Ra'Kth ,sitzen', 
caA'u, czahth (« aus 5), denn die Wurzel war sed-, vgl. BTvct ahth 
, ansiedeln' (aus cfao, sedlo, dazu auch irkCfAfNnra r oh.ovuivt] 
,die Welt'). Mit regelrechter Palatalisierung des Gutturals vor e : 
-Ht3H*TH, HuiTf3n*TH, -3ath (aus H3-uf3 . . .) ,verschwinden', 
dazu KA3HTH ,verderben' (vom Nomen *kaz~o aus *közo-), npo-KA3A 



Lautlehre. 


279 


ILrqa ,Aussatz 1 ; no-UJTA,v6TH (aus -sied-) ,verschonen, schonen 1 , 
uiT«APTv ,harmherzig 1 , cKV v yk. ,karg, dilrftig 1 , ckx^'Sth ,gering 
werden, ausgehen, sterben 1 . 

3d-KseHXTH (3. sg. Aor. 34 -Karn«) jVerschliessen 1 , KAfnaTH 
,anstoßen, andeuten 1 , sa-KAoniv ,Schloß, Riegel 1 . 

Et^Ai, K£cth ,führen 1 , iter. ko^uth, dazu -K4 JK,i,4th (aus vö- 
■dm-), andererseits Aor. cLct. (aus *ceds7>). 

Eo^,a ,Wasser 1 , Bk AP© vöoia ,Wassereimer 1 , etjap** Fisch¬ 
otter 1 , lit. üdra, vSqa ,Wasserschlange 1 setzt die Stufen: ßed-), 
ued-, iiod-, (xd-), üd- voraus. 

2. Dem e folgt der Nasal ni oder n, der heterosyllabiseh ist: 
aiy>, urspr. *aux, vgl. R.t. 3 -kfjsi, iath ,nehmen 1 , (€Makk, hmath 
( eig. wieder *maath, vgl. etj-h-kmath); mmika:, iihMkTH ,meinen*', 
no-UAHAvTH, no-U'kHXTH ,gedenken 1 , m1;hhth ,meinen 1 ß hier 
ans oi, wie in der Regel bei der IY. Klasse); 3KkHliTH ,tönen 1 , 
aacH'k ,Schall 1 ; ntHX, hath ,spannen 1 , c-nona ,Vorhang 1 , rxto 
F essel 1 , iter. -iihnath ; nsfux, r-kiuTH ,treiben 1 , iter. roHHTH, 
davon no-ramaTH. 

3. Dem e folgt ein tantosyllabisehes m, n: kaa^x, gaacth 
, irren, schwatzen 1 , ea;ka hth ,irren 1 , KAV.,r,’k noqvsia-, ha-aaks;, 
-aaoith ,anspannen 1 , -axhhth ,trennen 1 , axk"k ,Bogen 1 , ajeka 
.L ist 1 ; 3 aex ßzeti) ,zerreißen, zerfleischen, ausreißen 1 , säet. 
,Zahn‘; tathaith ,ziehen 1 , tajeekii ,schwer 1 , Tatra ,Beschwer, 
Angst 1 , TaijKHTH ,Angst haben, sich ängstigen 1 (auch trans.). 

4. Dem e folgt r oder l allein (bzw. mit j): Ktpat, EkparH 
,nehmen 1 , iter. -EHparn, sptMA ,Bürde 1 (aus *ber-mß)\ CK-Eop*k 
,Versammlung 1 ; uapat, upkTH ,sterben 1 , iter. -unpaTH, upkTCk 
,tot‘, c'K-LipkTk ,Tod‘, nopT. ,Pest‘, <nf" M0 P HTH ,vernichten, töten 1 
(iter. ov-uapaTH), b. mariti vernichten 1 (aus mör -); noatTH tren¬ 
nen 1 , n aahth (aus *pöl~) ,brennen 1 trans., no-iUAT»., ni-ntAT. ,Asche 1 ; 
E4AHTH CA ,sich Wälzen 1 , E’kAAHTH (Meillet KTvAATH, S. 374) CA 
,herumgeworfen werden 1 , katvHA .Woge 1 , okat (*ob-vh) ,rund‘, vgl. 
lit. ap-vdlüs', M£Aia r i,k .Gesinde 1 , koaüho ,Stamm 1 . 

5. Dem e folgt r, l mit Konsonanten oder mit 11 (nur nicht 
mit i): MpkTarn ,schreiben, ritzen 1 , aber KpaTT^mk .kurz 1 (aus 
*kort-)-, OT'kRp'kcTH (-Kpk 3 At) ,öffnen 1 , *nc-EpkcAO ,Garbenbani ! , 



280 


Lautlehre. 


nö-Ejuat. ,Strick 1 ; upbkhxth verfinstern', mpaitb ,Wolke'; 
Bn-kKx, ka'Rluth ,ziehen, schleppen 1 , Part, babbt*, babka’b, bab- 
heh*b, die o-Stnfe in baauhth, baakt». in oeaakt» ,Wolke'; aP’Keo- 
-AP'Era ,Banm ! , lit. clervä. 

6 . Dem e folgt ein heterosyllabisehes« (j): kbbk, ehbk, khth 
, schlagen 1 , ehub ,Peitsche 1 , -eoh in pa3-eoh ,Raub, Mord 1 ; iihth, 
iiivhAv. nur* ,trinken 1 , hohth ,tränken 1 , dazu iter. -riAtaTH, -non 
,Getränk 1 ; jkhkx, mchth ,leben 1 , *ron, tohth feilen 1 . 

7. Dem e folgt tautosyllabisches i: ubbtjb, ii,rhcth glühen 1 , 
HKüTTv ,Blüte 1 ; eabuitath ,glänzen 1 , kabchx.th. Dazu iter. 
KAHCipiTH, GAHCTATH CA, EAHCKATH CA, lUih, ,Blitz 1 (im Aksl. 
nicht belegt); b'bckpbchxth ,auferstehen 1 , ktvckp’Uchth ,auf¬ 
erwecken 1 ; cßBTkTH ,leuchten 1 , ckbhxth, ckhtath, cr-Rtt» 
,Licht 1 , cßkTHTH; riiiiix, bhcRth ,hangen 1 , kRcmth ,hängen 1 . 

8 . Dem e folgt heterosyllabisehes u (u ): n aobaü (aus *pleuq) 
urslav., doch im Aksl. nicht belegt, Inf. iiaoyth ,schwimmen, 
schiffen 1 (Aor. nnoy Supr. 428. 21, np'tnAOYß'EuiE Mat. 14. 34 Sa?, 
kn.) wohl auch aus *pleuti , die 3-Stufe liegt vor in haabb ,Schiff 1 , 
nAAßHTH ,schiffen 1 trans. (haabath schwimmen 1 dagegen iter. zu 
riAOßx, z. B. toy BopABAH np'KnAABAKR.TTv Ps. sin. 103. 26; JKH- 
AOß{ . . . ETv rARKHHk HEpA30YUBia HAAßAApü Supr. 401. 4); im 
Russ. auch ii.ihtb, immy, wo wohl vom Inf. auf r Bi (urspr. ü) aus- 
zugehen ist, vgl. b. plynouti , p. ptynqc; *phv- liegt vor im ab. 
ph&ti ( vosk , jene pUi ,fluit‘), dazu das Iter. -plytati. Analog: 
cAOßiK, caoyth ,heißen 1 , russ. dazu wieder cabiti., c-iHBy 1 ), b. sly- 
nouti , caoBO, caaba. Zu dieser Wurzel sleu eine Weiterbildung, 
die in die nächste (9.) Reihe gehört: sleus in catuumth ,hören 1 , 
Schwundstufe in shc/a, b. siech und po-slechnouti ; oa-Stufe in 
caoyy 711 ,Gehör 1 , caoyiuath ,hören'. 

riAiot*, (lABBATii ,spucken 1 , lit. spiäuju , spiäuti , ein ü liegt vor 
in nAHHXTH, nAHHOBEHHie aus *plfü-, unter dem Einfluß 

von nAiOKK. manchmal auch iiaiohxth. 

kp'bith, Kp'BiBS. ,bedecken 1 , npoß’B. ,Dach, Haus 1 . 

9. Dem e folgt ein tautosyllabisches u. Einige Fälle kamen 
auch schon früher vor. Sonst noch z. B. E'BA’kTW ,wachen 1 , ß'R3- 

J ) Ein langes ü auch z. B. in gr. xXv!h, xXvts. 



Lautlehre. 


281 


-K'kNävTH ,aufwachen“, die eu- (eig. ezr-Stufe aus dem Aor.) ka»ax, 
kakscth ,wahren, hüten, Zusehen 1 , K'kAP'k Runter', die ow-Stufe 
in koya hth ,wecken“; A^lfN^™ ,atmen', iter. a^X“ 1 ™» h. p. 
deck aus dvclvb, ygl. lit. düsas, die tut-Stufe in A°'f)C' K ,Geist 1 , 
Aoyuia ,Seele 1 , lit. daüsos ,Luft f (eig. ist die Basis *dheues, vgl. 
lit. dvesiü, dväse usw.). 

10. Die Ablantstufe e:o in A-Eax, .vKcth ,schreiten, steigen“, 

iter. -AA3HTH (aus los -); p’S jux, p-saarn ,schneiden, hauen“, pasi». 
,Schlag“, 0K-pA3Tv ,Bild“, no-pA3HTn ,draufschlagen, treffen, nieder¬ 
werfen“ (man vergleicht damit forjyvvui sqq&yrjv und pa3Ty mit 
fovj£). Die Schwundstufe kann in A e:K A x (aus *dhe-dh{a)ie-) und 
c&jsyh. (*sq-d(a)o~) zu A' Kmth ,legen“ vorhanden sein. 

11. Die Ablautstufe 5: o (bzw. Null) in ctuth (vgl. lit. statt), 
ctahx (dazu würde ein Inf. ctakxth gehören, der kam aber erst 
in den Einzelsprachen auf). Dazu die a-Stufe: cto-ix, cto-mth 
( die Reduktionsstufe wiegt bei Verbis der III. Kl. entschieden vor, 
vgl. weiter unten). Völliger Schwund des Vokals in npo-cTU 
,einfach“. Analog in 3. PL a^-A-atu gegen A ATtl , A iMk ,geben“ 
(mit a aus 5, vgl. lit. dilti 1 ). 

12. Die Ablautstufe va (urspr. wohl ud): y (ans uo — Reduktions¬ 
stufe —■ das zu ü führte) so in »mark ,Sauerteig“ Cuyrj und bv 
-kuchäth ,sauer werden“, ktucKau ,sauer“ (Euch. sin. 14a, auch 
ab. kys<U ); ykathth ,erwischen, ergreifen“ (Supr. 232. 17), iter. 
Ybatath (Supr. 554. 10) und ^TvIthth ,rapere“, y'kiTp'k ,listig, 
geschickt“, urspr. wohl ,schnell“, ;pk*TpocTk ,Kunst, List“. 

Ab. nb. kvapiti ,eilen“ und kyjieti ,aufwallen, anfsieden“, kym'tti 
(*kyp-n . . .) ,gähren, aufgehen“, KuntTH ,aufsprudeln“ (u. nora- 
TkcTKOUk v.ouüv ,prunken“ Supr. 278. 20), ksl. k%i npu ,forami- 
nosus“, ab. kypry .emsig, frisch“. 

Verteilung der Ablautstufen. In bestimmten Wort- oder 
Formenkategorien finden wir auch zumeist bestimmte Ablautstnfen. 

So kommt die normale Vollstufe oder e-Stufe der e-Reihe 
beim Verbum vor: 


i) Ein Schwund eines Reflexes des langen Vokals liegt auch in dem 
snb 10 erwähnten a»;kax vor [de-d-iq] zu a^th ,legen, setzen“. 



282 


Lautlehre. 


Im Präs, der themat. Verba, welche der ai. I. Klasse entsprechen 
und je nach dem Infinitiv im Slav. zu verschiedenen Klassen ge¬ 
hören. 

So zu 1,1, wie naerx-iUfCTH, mctav-mecth ; 

rpAA^-rpACTH, cAA^-c'fccTH. Abweichend ist koao-kocth 
, stechen 1 und käa^-K'wth. 

Zu I, 2: HfC/k-H£CTH, Bf3Ä-KfCTH, TpACAV-TpACTH. 

Zu 1,3: rptesi-rpeTH; 3 aex, *3ATh, teiix-teth, nA-feEX- 
-n,rkTH. 

Zu I, 4: ntKXv-ntUITH, ptKSt-ptUJTH, JKErSv-JKEUJTH, AArx- 
-Af UJTH ; AAKAv-AAUJTH, BA’kKÄ-BA'RUn’H. I, 7: flAOEAv-nAeyTH; 
TpOBAt-TpOYTH, CAOBAi-CACYTH; pOBÄ (pfBA^-pOyTH (piöTH). 

Zu Y, 3 das Präs.: ßtpx, A f P x , ntpx, jkehx; jkha^-JKMA™ 
(im Supr. auch schon jkka^ neben jkha».). 

Vgl. gr. (peqw, ai. Ihärati , eöu, cpevyco, leifto) usw. 

Im Präs, mit dem Thema auf -jo ) -je, der Inf. dazu hat regel¬ 
recht die R- oder S-Stufe oder c- Stufe: zu V, 2 gehört: -CAt- 
nAi&, -catoiath (eig. nrspr. cako-); nAiiJKSv-nA'h.3aTH (hai>. 3-), 
CTfAKk-CTkAATH, leMAßW-HllATH (aUS kMATn); nAEUJTX-(IA£CKATH, 

cT£HKR-CT£HdTH ,seufzen 1 , KA£fiABK-KA£nATH (anstoßen) ,andeuten‘, 

TIUlSv-Tf CATH, HfUIX-HECATH ; 3HJKA x -3kAnTH (3 r kA‘»T’H), nHWX.- 

-nkcuTH; cTpoYntst-tTp-krATH, AHJK/R-AH3ATH; das Präs. eig. zu 
V, 4: nAIOKK-nhkBATH, EAlÖBSi-KAkEATH, IKoyKR-IKkKdTH, KAWBK.- 

KAUBATH. 

Von I, 6 gehört hierher ausnahmsweise U£abSv-ma'Kth. 

Im Infinitivstamme finden wir die e -Stufe bei den Verbis der 
I. Kl. 6. Gr.: yp-tTH-Mkpx; np-fcTH-nkpx ,stützen 1 , -crpliTH, 
npocTp-KTH-cTkp* ,ausbreiten, streuen 1 , sa-ßp-KTH-ßkpx ,clau- 
dere 1 , Hp'kri-Hkp^; CKßp r RTH-cKßkpAs (pAcitßp'kTH zergehen lassen, 
schmelzen); ntplSTH (z. B. no-JKp’KyoMo h xaxa-nLvziv Ps. sin. 
34. 25) -JKkpai, dagegen ein zweites Verbum im Aksl. JKpkTH 
(z. B. Luc. 22. 7, Zogr. Mar.) -iKkpv, ,opfern 1 . 

Die Schwund-, bzw. Reduktionsstufe zeigt sich: 
im präsentischen Stamme der themat. Verba der I. Kl., wenn 
ursprachlich der thematische Vokal e, 6 betont war, wie in nßkTX- 
-Hkhcth ,blühen 1 , ukTX-uHCTH ,sammeln, lesen 1 , rknx (coyTH) 



Lautlehre. 


,spargere“, im Ai. ist es die VI. Klasse; insbesondere wenn ur¬ 
sprünglich eine Basis mit ere, eie , eme. ene (oder auch mit erte, 
eite, das t flir einen Verschlußlaut überhaupt] Yorliegt. Das sind 
insbesondere die schon früher erwähnten Verba der I. Kl. 6. Gr., 
die im Inf. die e-Stufe haben, wie Ukpx, nnpx, crapx nsw. 
En’üuiTH ,ziehen, schleppen 1 hat im Aksl. im Präs. baTkx und 
nur die Part. prät. haben ba-uktv, ba-bkatv, BA'kMtH'k, was sich 
übrigens auch bei einigen anderen Verben wiederholt. taTiKX- 
-TA-fctuTH ,schlagen“. 

Bpnrx-sp’KujTH ,werfen“; Hpknx-up'kTH (no-Hp'knkTf Joh. 
2. 8 Mar. Zogr., Supr. nc-sp-kT'K Joh. 4. 7 Zogr. Mar., Inf. no- 
-sp-STH Supr. 551. 4 ,schöpfen“. 

Ferner im Infinitivstamme der Verba der V. Kl. 3. Gr.: es- 
pATH-uepx, nkpaTH-n«px ,treten“; A k P<*TH-A £ px (pababPATH 
,zerreißen“ Ev.), r”kHATH-}K£Nx; bt^bath-bobai, jheaath-skhaje 
( jKkAx); CTs.cATH-cfc.cas, ,saugen“ und tts.kath-tts.kx ,weben“ haben 
diese Stufe auch im Präsens. 

Einige Infinitive, deren Präsentia eigentlich nach V, 4 gehen: 
riAisKATH-nJwiäK ,speien“, ka^rath-bakm*. ,erbrechen“, jkbbath- 
,kauen“, kakbath-kaicw. ,picken“. Einige Infinitivstämme 
der Verba der V. Kl. 2. Gr. : cTkAATH-cTtAix; huath (aus *IsUath, 
Vgl. KTs3fcUATH] I6MAIX, 3kAATH-3H)KAX ,bauen“, nkCATH-IlHUJX 
und noch andere, die schon wegen der e-Stufe im Präsens ge¬ 
nannt worden sind. 

Die Verba der II. Klasse haben häufig die lieduktions- oder 
Schwundstufe, insbesondere wieder, wenn in der Wurzel ursprüng¬ 
lich ein nachvokalisches bzw. vorvokalisches r, l enthalten war: 

ApB3HX-APk3HXTH, -KpkCHX, -KpkCHXTH; -AbHX, -Ak(n)HXTH, 
MAkKHXTH, UpkKHXTH, UpkBHXTH, TATsKHXTH, TpkTHXTH, 

-T’kKHXTH, cfc-rTsHXTH (iter. nuEATH) ,zusammenrollen“ (Luc. 
4. 20), (oy)-c'k.HXTH Einschlafen“, oy-rnkHXTH (aus yhbn .. ., 
oifrneETs. aus ovTAkK-k Aor. Ps. sin. 68. 3 und ovtatsEix zu ov- 
TAkEATH ib. 68. 15) ,lunr<yvvo-d-cu, infigi“, AW'«*™, HkBHXTH 
(z. B. BTs-Hk3HXTH ,hineinschlagen, -stoßen“, Supr. 2. 23), c*k- 
-\*hxth, B k3-E'kHXTH Supr. (aus fojd-n zu Ibditr, ,excitari“. 

Nach der Analogie dieser Verba sind auch Denominative ge¬ 
bildet worden von Adjektiven, die vollen Vokal hatten, so o-ypfc- 



284 


Lautlehre. 


MHSiTH (o^'p’kMJK e%ti\avav Ps. sin. 17. 46) zu Ypouii ^landus 11 ); 
o-CAknHXTH (ocAknHAiuiA Snpr. 323. 5, ocnknt ib. 413. 9) zu 
cA'Kmi, analog auch o-rA'kjfHXTH in ksl. Denkm. ,taub werden 1 
zu rnc>YX' rk ,taub‘. 

Unsere Stufe liegt auch vor in -k-kichxth ,sauer werden 1 
(S. 281); Aß HrHXTH > -hhkhxth mit schwer zu bestimmendem i . 
Gedehnt ist sie in -r'kiKNAVFH (vgl. -ptukath und na-royKh) Ein¬ 
kommen 1 , cthfhjith. Vereinzelt kommen auch andere Vokale 
vor: KOCNXTSi, TC>(n)H/KTH, G'ivTH/RTH, -CArHXTH. 

Bei der IIL Klasse 2. Gruppe haben wir in der Kegel die 
Schwund-, bzw. Reduktionsstufe: K'n^'kTH-K r i»?KE,^ ; wachen‘, 
KpkT'fcTH-ßpkUJTSi, -ßkAUTH, -KkAAT'k, ßkp'KTH-ßkpBK, ,gieden‘, 
rpkfJlliTH-rpkMABR, AfLJKATH-^pkJKX, 3KkH'kTU-3KklllA\ (Part. 
3BTvHAl|JH I. Kor. XIII. 1 Ap. Ochr.), 3kpHTH-3kpKK, AklTliTH- 
-AkfiAKk ,haerere‘, MUkiATH-MAkH/Si, Mpk3'kTn, MpkJK.sk ,abominari‘ 
(MpkS’R mh Ps. sin. 118. 163, yp'k3lia]fs; «rk ib. 55. 6), M'kiATH- 
-M’kH/R ,iactare‘, MkH'kTH-MkHi*, nAkS'RTH-nAkiKs; (Part. iiAk.3A 
Supr. 173. 25), nkp-RTH-rikprsk ,streiten 1 , cßkTtvTH-cßktuTSk 
feuchten 1 , CKp'kii'kTH-cKp-kKAwv ,bekümmert sein 1 , cMpkA"6TK- 
-cMpkJKA«, cTvOAk*.- (Inf. rknaTH), rpkirüiui-rpkHAKk. Nicht 
belegt ist in den älteren Denkmälern (aber nur zufällig) p'kA'kT u~ 
-pTs.n<A^ ca. Hierher sind auch drei ursprüngliche iVo-Verba 
geraten: EAkuiTATH-KAkUiTAk, AkiuTATH-AkuiTSi ,glänzen 1 und 
TTiiur ath-ttvIuta» ,streben, eilen 1 . In k khiIvTh liegt nach dem 
früheren auch eine Keduktionsstufe vor, desgleichen in catuuiath 
(urspr. ü, vgl. Meillet in MSL. XIV, S. 356), c t uu Ak t h - c t r ki ;k a s; . 

EHA’ßTH gehörte in seinen Präsensformen ursprünglich zur 
athem. Konj. (vgl. noch den Imp. khjkau; und der Vokal des urspr. 
Präs, wurde verallgemeinert; so noch cltA'KTH-c'KjKA^ (vgl. lit. 
sedmi), KfAHTH-BtABK. (vgl. lit. -velmi), ropliTH-ropi* (vgl. das 
Part. präs. ropsuiiTf Luc. 12. 35, Zogr. Mar. vgl. b. horouci neben 
ropAUJTA usw.). Auch koi3TH-eokk weist eine andere Vokalstufe 
als das Lit. (bijotis Schwund- und läirne o-Stufe) auf. 

Als denominativ faßt Meillet koaHth-koakr auf, während no- 
AtTH unter dem Einflüsse von uaahäth (ursl. *poln ...) wäre (S. 203). 


b Vgl. obenS. 110—111 jrii.T-fcvH neb-xoT-kni u.bezügl.eÄrwn- bei Meillet S. 204. 



Lautlehre. 


285 


Die Verba der IV. Klasse haben, soweit sie iterativ und kausativ 
(letztere jedoch nieht allgemein) sind, die o-Stufe: kp«ahth (später 
belegt, doch alt), eoa hth , koshth, avchth (aksl. a £ chth), kao- 

flHTH, -AOHtHTH, MOMHTH, -H03HTH, HOCHTH, npOCHTH, -pop,HTH, 
TOHHTH, TO'äHTH, X^A»™! TOHHTH, KAOHHTH, AOMHTH; KA*- 
AHTH, -rpAv3HTH, KpXTHTH, -AX1HTH, MXTHTH, UXMHTH, 
np*JKHTH, -CMÄxAHTH, CXHHTH, TXJKHTH; BOAHTH, MOAHTHJ 
KOpHTH, MOpHTH, TBOpHTHJ EAAMHTH, TAACHTH, BpATHTH, Kpd- 
THTH, tIpA3HTH, MpAHHTH; -rOHTH, KOHTH, I1ÖHTH, CTpOHTH; 
E'kCHTH, -KpkCHTH, A’kllHTH, -M’KJKHTH, CKkTHTH, CA'fcnHTH, 
TtUJHTH; AOKHTH; BCHfAHTH, -rOY^HTH, KpOV'UJHTH, pCAflUHTH, 
CTOYAHTH, CCAftUHTH, TpOYA HTH , OY HHTH '> AA3HTH, PA3HTH 
(analog caahth), kaahtii, taahth. Es ist nieht immer leicht, 
die denominativen Verba hier zu unterscheiden. Bei diesen ist 
der Vokal sonst natürlich identisch mit jenem des Subst. selbst: 
TAHTH, CK-BpkllJHTH, CTpdlUHTH, nAENHTH USW. IfKCTHTH 
,reinigen* kann nicht direkt zu hhctt». gehören, davon ist nur 
shcthth abgeleitet worden, es muß vielmehr ein cesto [vgl. 
lYkcTA 1 )] vorausgesetzt werden. 

Bei Kausativen ist hier einigemal auch die Dehnstufe o zu¬ 
grunde gelegt worden, insbesondere wenn die Wurzel auf r oder l 
ausging: kaphth ,kochen* (trans. und ,Koeh sein 1 , z. B. BapHTH 
und caoy*hth kpathh Supr. 284. 7), vgl. EhptTH, baahth, ka- 
ahth, iiaahth, napHTH (vgl. b. mafiti neben mofiti), nAdKHTH 
(später belegt, doch alt), -EdßHTH (z. B. h3-eabhth); -vachte; 
ka3hth (vgl. H3-ME3H.V.TH) könnte denominativ sein, wie es wohl 
caabhth sein dürfte. 

Unter den Substantiven fällt insbesondere die große Anzahl 
der Fälle mit der o-Stufe bei den männlichen o-Stämmen auf, 
Z. B.: -EOp-K, EpOATv, B03TJ., TpOET», KAOHTi, HA-AOr’E, pOK'E, 
TOKTi, 3S0HTi ; EAXA'k, 3AF.£T\ (Adj. CKA\AT»), UOpT».; UpAKTv, 
3pAKTv, KAAKI. (z. B. auch in OEAAKTv), npd\"K; EOH, THOH, AOH, 
POH, CS’kT'K, üBivTTv; rAOY\"k. C’Y K ' k i CM"* 1 - 

Ferner auch bei den 5-Stiimmen: Ks>k 2 -soaa. ck-sopA (später 
belegt), o-noHA, po3ra (po>KA H£ ) zu lit. rezgü; axka, mxka, pxsa. 


Oder ist das Verb direkt von u-kcra abgeleitet worden. 



286 


Lautlehre. 


wrj; p'Kka; ctpaha, £paHA (davon jfpdHHTH); A^fUM, ß O''ra, 
cKUiuTd. Seltener kommt die 0 -Stufe bei den neutralen o-Stäm¬ 
men vor, wie z. B. nnrn-o, xike. 

Bei den «-Stämmen ist die Schwundstufe nicht selten: upkßk, 
nphcn, cKp'kGh, TEptAK, Ktck, 3'KAk, insbesondere beim Suff. 

-Tl>: rp'KCTk, AkCTk, lUkCTk, flAkCTk, riAUvTI», nphCTk, CpkCTk, 

c-kiupkTk, TkCTk ,socer‘, MkCTk. Selten die 0 -Stufe, z. B. *kom 
in hckohh, noch seltener die Dehnstufe, wie pkua, vgl. gr. drgi g 
,Streit 1 , got. wegs ,Woge‘. 

Häufig auch bei den urspr. adjektiv. ««-Stämmen: AkrkK’k, 
TkH’kK'k, Mpk3'kK'k, nAk3'KK r k, KAkr'kK’k. 

Die Dehnstufe kommt im Slav. bei der Bildung der Itera- 
tiva zur Geltung und zwar jener, die nach der V. Klasse 1. Gruppe 
konjugiert werden: mIvTath zu metx.-m(cth- hochth -(iipn)HA- 
iuath. Diese Dehnungen wurden dann auch auf die erst auf släv. 
Boden entstandenen Halbvokale ausgedehnt: KkpaTH und (c'k)-un- 

PATH, AT‘M^-A r UIMATH. 

Es ist oben hervorgehoben worden, daß wir auch bei einigen 
Kausativen der IV. Klasse die Dehnstufe o finden, wie iiaahtii, 

BApHTH, -KAßHTH USW. 

Ursprachlich ist die Dehnung auch heim s-Aor. ohne Binde¬ 
vokal: (npo)-KACTv, p’k\"k usw. 

Vokalassimilation (Umlaut). 

Darunter verstehen wir Veränderungen der Vokale, die durch 
gegenseitige Einwirkung (meist Angleichung) der Vokale in be¬ 
nachbarten Silben hervorgerufen werden. Im Gegensätze zum Ab¬ 
laut sind es auch jüngere Erscheinungen; sie sind überhaupt an ein 
Alter nicht gebunden. Im Aksl. können wir sie häufig beobachten. 
Hierher gehören alle jene Fälle mit e aus o, wenn die nächste 
Silbe ein e oder «1 enthält: A fK fk f ; ovaeaIcth, 3AMATip1iTii (vgl. 
auch a° cTapocTH MATtpkCTKA Ps. sin. 70. 18) gegen 3amato- 
pkTn usw. (s. oben S. 108). Weiter Kk 'riiiit, Bk h kJKf usw. 
(S.248f.) ; TktiA gegen Tki.it (S.250); piiK-k, pnKupk gegen p'kika, 
P'kiK^. (S. 80). Ferner auch K£3o opa Zogr. Mat. 10. 29 und hso 
okaaka Luc. 9. 35 (S. 108). Dagegen dürfte auf Ablautverhältnisse 



Lautlehre. 


287 


zurüekgehen: MfTBöpT», z. B. in stTEopiinf kr Luc. 19. 8 im Zogr. 
Mar. und ‘»TBtp’k ,yiererlei‘, z. B. in MiTBp’kAkHfKkH'k ,quatri- 
duanus 1 Joh. 11. 39 im Mar. Zogr. Im Mar. haben wir KOTcp'w. 
daneben auch KOTipaaro Luc. 11. 11 (im Zogr. hier KOTopaaro), 
gr. xozcoog, lit. katräs ,welcher von beiden 1 . Im Supr. Kcropa 
,Kampf, Streit 1 , im Cloz. KOTopaTH (KCTopatriv 682), in späteren 
Texten auch Konpa, KOTtparn. 

Andere Arten der Assimilation finden wir auch in Endungen, 
wobei wohl auch Akzentverhältnisse maßgebend waren. Zwei- und 
mehrsilbige Wortteile, die als Suffixe aufgefaßt werden konnten, 
wurden nicht mit jener Genauigkeit ausgesprochen wie die Stamm¬ 
silben. Einzelne Laute konnten ganz vernachlässigt werden, so 
insbesondere das i (/) in der Deklination des best. Adjektivs und 
bei der Konjugation der Verba der V. Kl. 1. Gr., der VI. Kl. und 
der III. Kl. 1. Gr., mitunter auch noch bei anderen Verbis. So 
wurde aus A c ’ E P J i€ro ein A^putro und daraus A^puaro, ans 
AOßpoyjeMoy ß iu a« k P®Y 0 V mo Y; aus A 0K P’k-i€Mk ein AOKP'fctiuk, 
dann A® K P'k"kMk, A^up'kauk. Ebenso aus riöACKämT'k zunächst 
noAOE'KT'k, d ann noAOßaaTTi, ans paAOY* €T ' K über puA 0 Y tT ' K 
ein p4A0Y°Y T ' k (Mar.): ebenso auch B'kpoyoyTt Joh. 3. 12; 6. 29. 
36 nsw. im Mar. Hier auch eytr&aT'k (ans oyii'kiTTk) Joh. 7.15; 
oyirkaTt Luc. 11. 13; 12. 56; weiter auch OA'kaT'k Luc. 12. 28; 
c-kaTT». Marc. 4.14. 

Es wird also der folgende Vokal an den vorhergehenden assi¬ 
miliert, so daß er mit ihm identisch wird (aus -fK- wird natürlich 
-’kia- und dann auch -ka-J. 

Kontraktion. 

In den so assimilierten Formen trat dann eine Kontraktion ein. 
z. B. AP c, Y rdro Mat. 6. 24 Mar.; ETviß'kuiaro Luc. 8. 56; ucKpk- 
u-kro Mat. 22.39. Weiter: K’kiB’kuncMov Luc. 24.12; ß’kwkHoyuoy 
Marc. 3. 29 nsw. Dann NOE’bMk Mat. 27. 60; Hfeeciykuk Mat. 
11 . 11 . 

In den Kiev. Bl. haben wir Genitivformen nur auf aro: Kaa- 
JKEHaro Ib 3, BkukHaro VI8, CKtftTaro II5 usw., Dat. auf oyuoy: 
EaajKfHeyuoy Ib 12, 20, Lok. auf uuk: ß-kMkii'kuk II. 22. 



288 


Lautlehre. 


Im Nom. sg. kann aas -’wh ein -'w werden: Luc. 7.41; 

9. 61 usw.; pcaL\«H'bJ Job. 8. 6. 8 usw., dann auch in anderen 
Kasus: MpTvTETü)f r K Joh. 2. 21; 22. 10. 17 usw.; CKbftT'kHjf’k 
Kiev. Bl. VIb 12 usw.; ToysiUT* IVb 11. Unter den Verbalformen 
vgl. npkK’WKdTf Supr. 33, 28; OT’KKUipdKdUJH Sav. kn. 97b (Mat. 
26. 62); KAdN-KTt ca Ass. Joh. 4. 22 (S. 25). 

Hierher gehört auch npHTH aus npH-HTH und in seinen Formen, 
z. B. npHAfTTv Cloz. 68, npap,*. II 157, 842, npHp,* 233 usw., 
npHA’tiTf 744; in den Kiev. Bl. nprnuH VIb 10 und 13 neben 
npHHMH IIIb 2, IV 8 und 14, Vb 4. 

Hiatus. 

Die aus der Ursprache übernommenen Mittel zur Tilgung des 
Hiatus kamen auch zur entsprechenden Anwendung in slav. Neu¬ 
bildungen und zeigen sich daher auch — soweit es die graphischen 
Mittel erlaubten — im Aksl. Diese Mittel ergaben sich insbesondere 
aus dem konsonantischen, silbenverbindenden i und u der ver¬ 
schiedenen ei- und eM-Basen. Vgl. z. B. ekkr., Kkieuin zu ehth 
,schlagen 1 , dazu auch z. B. Gen. sg. kob zu eo-h (urspr. *£ojo-), 
PA3-EOH /Raub, Mord 1 ; Bk er, eher. lit. vejü, ai. v&yämi ,ich webe 1 
zu khth; iiao (aus *pley,o-) ,schwimmen, fließen 1 zu nnovTH 
(plyti) ; Gen. sg. ciwnpkis-s, ai. h>alrüc-as zu CBtKp’ki ,Schwieger¬ 
mutter 1 , ai. svasrm\ KpTvKf zu hry (aksl. schon KpiiBk). 

Wenn nun im Slav. zur Gruppe der auf der Basis lei beruhen¬ 
den Worte eine Neubildung hinzutrat, so ist es klar, daß bei ihr 
ein etwaiger Hiatus durch i getilgt wurde. So müssen die aller¬ 
dings auf einem älteren Prinzip beruhenden Iterativa auf -ati be¬ 
urteilt werden, daher -khiüth einerseits und no-up'kiBATH anderer¬ 
seits. Ebenso OYinuBATH, nplvK'kiKATH gegen rmraHkCTßo (z. B. 
im Euch. sin. 68a 18 und 22 usw.). Aber dieses Prinzip wurde 
doch auch durchbrochen. Aus den Iterativen wie npüKTUBATH, 
noKp’WBATH usw. wurde das Suffix -eath abstrahiert und wurde 
dann auch dort angewendet, wo wir ein i erwarten (vgl. F. Sommer 
JF. 11, S. 203 und Lorentz, KZ. 37, S. 332). So z. B. hseh- 
baksTi Supr. 388. 20, ovtihkath ca ,inebriari‘ Luc. 12. 45 Mar. 
Zogr. (allerdings hahahth z. B. Luc. 13. 15, weil es im innigen 



Lautlehre. 


289 


Zusammenhang zu ha-iiohth = na-pojiti stand). Beachte auch 
B r k3AHBdb?v Luc. 10. 34 Mar. Zogr. gegen et»3ah1v Marc. 14. 3 usw. 

In den aksl. Denkmälern haben wir nur ^aiarH, ,\,a ran me usw. 
mit dem Präs. das nach stiix, got. tcaia, cRkr. lit. seju, 

got. saia- usw. gebildet ist; zu diesem Präsens entstand wohl dann 
auch der Inf. a^hth. Später aber stellte sich das Bedürfnis nach 
einem ausgeprägten Iterativ ein und so entstand aabath, das im 
Aksl. noch nicht belegt ist. Wir würden erwarten, daß die Qualität 
des hiatustilgenden Konsonanten (* oder u) nur von der Qualität 
des vorhergehenden Vokals abhängig sei und daß sich zunächst 
nach einem i ein i, nach einem u {>j) ein y, entwickele, aber dieses 
Prinzip ist, wie wir sahen, auch durchbrochen worden. Nach 
einem o erwarten wir, da es dem u zunächst verwandt ist, ein u 
und das finden wir z. B. in den Partizipien wie A KH >'HOBiH , k und 
dgl., die wohl slav. Neubildungen sind, wie auch 3AK’kKen T k, c-k- 
Kp'KBSH'K, oiiiTuBEHTi. So haben wir auch pskobiath Ps. sin. 
128. 7 und pxKOBATk Supr. 249. 29, daneben aber hier schon 
auch psvKOiATi. ,manipulus‘ 368. 6 (hier konnte sieh auch der 
Einfluß von wth geltend machen). 

In den aksl. Denkmälern kann man bemerken, daß das i in 
gewissen Stellungen vielfach schon geschwunden war. Regelrecht 
bleibt es noch in den Kiever Bl.: B r KH*TptH T fe r k m 19—20, kti- 
Vb 16, Ktuh.HA'R III 6, 3t masckj - !» IV 22—23, uhao- 
CTHBAil II 8, HEKECkCKA’t IV 22, npABKAkNA'ti V 7—8, ptCHOTH- 
EKMAt II 9, cBATA-k V 13, uHp-kK'kHA'fc IVb 17, keine einzige 
Ausnahme. Ebenso b’kahth'K II 6 — 7, h3Kabaehh , K IV 10, H3- 
APtuiEHHU II10 usw. Dagegen im Mar. schon z. B. stliaa Mat. 
12. 35 (neben r \OKpA'K), im Zogr. hier zwar b-baa-K, dafür aber 
AOBpaa, mit Mar. stimmt Ass.; ferner Luc. 16. 25, hier auch kaa- 
taa, im Zogr. eaapaa, aber B’kAaü usw.; A^m* Marc. 6. 7 (Zogr. 
AaHauie; neben AAliiüE (sechsmal, zweimal A a ' fe,iliie ) usw., im 
Euch, sin.: uop’kckaa 2a, kUhuhaa 10a, KOTopaa 103a, 104a usw.; 
ktbsa^ath 67 b (gegen ott^a 4 ^™ 25a; ctapaafo 3'kaoa’Ka 63b 
gegen 3 r kA0A r h’ 6 37b, OA'fe’S 73a). 

Wie man sieht, kommt es zum Schwund des i in ofa, nach 
S. 287 in a{e, uie, <${e. Dazu kommt noch %e. z. B. im Lok. sg. 
m. n. HCKpkHHHiäb. aus *ish'bniierm. 

Vondräi, Altkircienslavisciie Grammatik. 2. AufL. 


19 



290 


Lautlehre. 


Behebung des vokalischen Anlautes (Prothese). 

Da im Urslav. kein Wort auf einen Konsonanten ausgehen 
konnte, so mußte in zusammenhängender Rede hei einem nach¬ 
folgenden vokalisch anlautenden Worte ein Hiatus entstehen, der 
womöglich gemieden wurde, wie wir eben gesehen haben. Daher 
finden wir Spuren, selbst in den aksl. Denkmälern, daß der voka¬ 
lisch e Anlaut im Satze ab und zu gemieden wird und zwar selbst 
auch bei Worten, bei denen er sonst in anderen Stellungen er¬ 
halten bleibt. So z. B. im Mar. m Hipe Joh. 9. 22; h Hum 
AioEHTf Luc. 6. 32; h Huite haä» Joh. 14. 3; h "Rehe ripoKaäd 
othae Luc. 5. 13; EHnpoiu;«, h H3H ktu Marc. 11. 29. Im Snpr.: 
i€ch taniTE 475. 22 (hier schließt iecn sogar den Hauptsatz ab). 
Sonst kommt nur uiute, aehe vor (nur Ps. sin. auch Hum im 
Anfang des Satzes, z. B. 18. 14). Bei gewissen Präpositionen (kh 
und c'k) kam es vor, daß der ursprüngliche Konsonant im Aus¬ 
laute sich erhielt, wenn das folgende Wort mit einem Vokal (auch 
selbst mit einem jotierten) begann: kti.h oyiuii rro Psalt. sin. 17. 7; 
vgl. auch ckN-HMb., BTiti-fUk usw. Die einzelnen Worte mit ur¬ 
sprünglich vokalischem Anlaut konnten dann selbständig in jener 
Form gebraucht werden, die sie in der zusammenhängenden Rede 
nach einem Vokal erhalten hatten, d. h. mit aufgehobenem voka¬ 
lischen Anlaut. Im Wortinnern wurde, wie oben dargestellt, zur 
Vermeidung des Hiatus ein i und u verwendet, wobei ursprünglich 
der erste Vokal maßgebend war und zwar gilt es speziell von i 
und u (tj). Im Wortinnern waren aber diese Verhältnisse konstant, 
während in zusammenhängender Rede verschiedene Vokale vor 
ein bestimmtes vokalisch anlautendes Wort treten konnten. Wir 
können daher theoretisch voraussetzen, daß ein solches Wort bald 
ein i (/), bald ein u (v) bekommen konnte. Bleibend war hier 
nur der anlautende Vokal und bei der Festsetzung des propheti¬ 
schen Konsonanten wird jedenfalls die Qualität dieses Vokals ma߬ 
gebend gewesen sein, d. h. es entschied die lautphysiologische 
Verwandtschaft, wenn auch Schwankungen bemerkt werden können. 
So setzte sich bei o und u (yj vor allem auch der gerundete Laut 
«, aus dem v geworden ist, fest, bei i und e (4) der verengte pa¬ 
latale Laut i (dann /). So ist die Prothese zunächst eine Art 



Lautlehre. 


291 


Sandhierscheinung, bei der dieselben Faktoren wirkten, wie auch 
bei der Aufhebung des Hiatus im Wortinnem. Kur waren im 
letzteren Falle die zusammentreffenden Vokale im selben Worte 
natürlich konstant, während bei der Prothese nur der anlautende 
Vokal immer derselbe war. 

So konnte das Wort, wenn es selbständig gebraucht wurde 
oder im Anfang des Satzes vorkam, mit einer Prothese behaftet 
erscheinen, und wie der Hiatus gemieden wurde, so mied man 
auch den vokalischen Anlaut, wenn auch nicht mit derselben Kon¬ 
sequenz. 

Daß die Gestaltung des Wortes im Satze auch auf seine selbst¬ 
ständige Form von Einfluß sein kann, zeigt uns z. B. im Ps. sin. 
noch 'fcAP'k TKOHjfTv 73. 11 neben an KtvApa 34. 13, kt* h-Kap- 1 
78. 12; ß'u u üap'K\'U' 88. 51 1 } und darnach im Ps. von Sophia 
schon NtrAPT». tboh^’k 73. 11 (vgl. oben S. 92). Im Aksl. noch 
■üAPA z- B. im Cloz. 9. 11. Zum Teil trifft es auch zu hei den 
Pronominalformen hefo, hemov, hemb, nhmb, h’h\"k usw., die auch 
nach anderen einsilbigen Präpositionen gebraucht werden (außer 
bei cti und kt», wo das n nrspr. etymologisch berechtigt war): 
Ao Nfro usw. 

Die angegebenen Sandhierscheinnngen waren aber nicht die 
ausschließliche Quelle der Prothese. Sie mag bei einzelnen Vo¬ 
kalen auch dadurch zustande gekommen sein, daß der Exspirations¬ 
strom noch vor der genauen Artikulation der betreffenden Vokale 
herauskam. So konnte z. B. insbesondere vor a und u ein h auf- 
kommen, wie wir es in einzelnen slav. Dialekten nicht selten an¬ 
treffen. 

Schließlich kommt die Weichheit (Palatalität) einzelner Vokale 
und zwar des e, & und i in Betracht. Sie erweichten bis zu einem 
gewissen Grade den vorhergehenden Konsonanten und konnten 
daher auch im Anlaute von einem prothetischen i leichter begleitet 
werden. Die Prothese konnte sich also leichter vor diesen Vokalen 
entwickeln. Prothetiseh war hier das i jedenfalls, denn einen 
solchen Grad der Weichheit hatten diese Laute nicht, daß sie 
sehon von Haus aus das i enthalten hätten. 


V 1 Auch im Supr. bb H-bAp-tpi 244. 26. 


19 * 



292 


Lautlehre. 


Über die einzelnen Vokale mit der bei ihnen vorkommenden 
Prothese läßt sich folgendes bemerken: 

Das a erscheint im Aksl. als solches oder als ja (geschrieben 
als *K oder dann ra in eyr. Denkm.) und zwar hat Sobolevskij 
durch Vergleichung mit ar. und anderen Abschriften ursprünglicher 
aksl. Quellen festgestellt (Jagie-Festschr. S. 204—205): das Aksl. 
hat a oder ra im Anlaute nur dann, wenn das a, ra einem urslav. 
3, ja entspricht. Es gibt keine Fälle, in denen das aksl. a 
neben ja im Anlaute einem urslav. £ oder je entsprechen 
möchte. So finden wir im Aksl. au r u, amo, uka'h.ko, abhth, 
arHM;k, asm, ahiii (analog auch imlnlaute: Moa, BUvHoaan^ usw.). 
Das aktu (ein Merkmal der späteren Redaktion) ist in den be¬ 
treffenden aksl. Denkmälern (z. B. Supr.) regelrecht, auch z. B. im 
Euch. sin. 47 a, der älteste Beleg im Zogr. Luc. 22. 31 (Mar. und 
Sav. kn. kennen es nicht); erst später auch rau-w. Die ältesten 
Texte haben regelrecht taue. Im maked. cyr. Fragmente finden 
wir schon zweimal aKOJKt 1. 19 und b. 27. Regelrecht auch tauo 
in den älteren Texten, später auch atuo (vgl. kamo). Im Mar. 
bilden die Fälle mit taKH- die Majorität, immerhin ist hier auch 
das abh- zahlreich, z. B. abh ca Luc. 22. 43; abhctj ca Mat. 18.3; 
abattj. Joh. 3. 21; 9. 3; aste 11. 54 usw. (mit "k fiir ra 25mal, 
mit a 20mal). Analog etwa ist das Verhältnis im Zogr. Im Cloz. 
wie auch in der Sav. kn. 1 ) nur weh-, im Euch. sin. wieder abh-: 
lb, 2a, 2b, 4b, 8b, 13a, 14a, 17b, 19b, 20a, 24a, 25a, 26a, 
35a, 39b, 47a, 65b, 66a usw., aß’K 66b, 88b. Auch im Ass. 
abh-, selten Hbh-. Im Cloz. haben wir rarnku,k 324, 325 neben 
ArHfu.iv 850, letzteres im Mar. Im Aksl. ferner a3Tj. (ia3Tv einmal 
im Mar. nach h, vgl. oben S. 290), auu,c Luc. 11. 12 im Zogr. Mar. 
Ass. Sav. kn. (Nik. Ev. hier ’knua), wo das a auf ein ö zurück¬ 
geht. In den Kiev. Bl. %kc VI7, Hkojki IV 3, IVb 3, VIb 6; VII14, 
kirkHate V 2; Vb 2. In diesen Fällen kommt nie in ar. Denk¬ 
mälern ein £ für das a vor (auch nicht in den anderen Denkm.; 
in den aksl. ist hier r k natürlich als ra anfzufassen). 

*) Hier auch ta3Ka, BAIOJKf, ia(>HAUHHK-K. laCrtH, niCTH (HMK, MCTTv usw. neben 
■kw«, tA.-KiuHjfh. wo das -k wohl direkt oder indirekt auf 

glag. Vorlagen zurückgeht), natürlich immer bk» und bk»»«. Im Ostr. immer 

a, dKHf, d3Tv, dHU», dIJIS. 



Lautlehre. 


2S3 


Dagegen haben wir im Aksl. immer ta, wenn im Urslav. ein 
e. ie vorlag, und es ist in diesem Falle nie ein a zu finden 1 ). 
Daher ß^pa (Gen. Ps. sin. 73. 11, 'SAP 4 Cloz. 911), «3- 

Ahth, h^x (z. B. 8K3--K r i,H Luc. 5. 4 Mar., ß'iv-’K r \, H -iss., tps 
hier Zogr.) und apTH, bth; Htu-acTH ,essen“, ha 1 »' ,Gift“, 
raäBa, «3^ ^(STÖuayog 1 u. a. (bei diesen Worten haben wir ins¬ 
besondere im Ar. t: t;3Ba, -Rax, sonst auch 'kus; desgl. r. fax). 

Da in den älteren Texten immer aua, rapTv, racHiv. tapsus. 
geschrieben wird (nie mit a), kann man das « nicht auf ein ü 
oder ja zuriiekluhren, sondern auf e [ie), wie z. B. in racAH. Die 
späteren mittelbg., serbo-kr. und selbst auch russ. Denkmäler (diese 
seit dem Ende des XIY. Jahrh.) können nicht mehr in Betracht 
kommen. 

Auf Grund dieser Verhältnisse kommen wir zum Schluß, daß 
im Urslav. das a im Anlaute nicht allgemein präjotiert wurde 2 }, 
denn es wäre nicht zu begreifen, warum sieh die Präjotation bei 
ja aus e, je erhalten, bei ja aus 3, iä dagegen nicht. Man müßte 
denn annehmen, daß je in ja erst dann überging, als j vor a aus 
ä und iä sehon vielfach geschwunden war, und dann wäre kein 
weiterer Schwund eingetreten, was nicht wahrscheinlich ist. 

Noch unempfindlicher als a zeigt sieh u gegen die Prothese. 
Wir finden eine Beihe von Worten mit bloßem u im Anlaut: oyuR. 
ovmhth, orjfo lit. ausis, Präp. oy, Präfix oy-, z. B. oy-Korx, vgl. 
au-fero , preuß. au ,weg, ab“, ©yupoyru, wf&’h, oycTa usw. Ja, 
es wurde häufig die Prothese dort aufgegeben, wo sie einst im 
Urslav. gewiß vorhanden war. Wir finden z. B. K»Kf Mat. 5. 28; 
14.15 usw. im Mar. und zwar mehr als 30 mal, dagegen aber auch 
schon oyjKe Marc. 6. 35; 15. 44(bis); Luc. 14.17; Joh. 15. 3 (Zogr. 


*) Daher könne auch das a im Impf. und «mn nicht auf ein ur¬ 

slav. e He) zurückgeführt werden, aber es ist doch fraglich, oh der Sehluß 
auch im Inlaute erlaubt sei, wo keine Nebenformen in der Komposition mit 
•fc gegenüberstanden (vgl. o.«a usw., dessen j durch * in cvH’fcwk usw. kon¬ 
serviert werden konnte). Man bedenke, daß auch in A»spaier» das j verloren 
ging, weil der Zusammenhang mit rer« verloren ging; daher dann A»&pAnr«, 
AOEparo. Letztere Form ist z. B. schon in den Kiev. BI. ausschließlich. 

*) Fälle wie a* ’twri (vgl. oben S. 290; sind natürlich keine eigentliche 
Prothese. 



294 


Lautlehre. 


hier to;«e, dagegen oy;Kt auch noch Luc, 12. 49 und Mat. 24. 32); 
in der Sav. kn. zwölfmal mjks und sechsmal schon oyme; im Cloz. 
wjk* 47, 335, 374, 403 und oyjKf 182; vgl. auch Nf k> ah Mat. 
15. 17 (Zogr. hier oy); Marc. 8. 17 (Zogr. hier auch oy), dagegen 
schon Hf oy mehr als 15mal im Mar. usw.; neben wTpo Mat. 
16.3; Marc. 11. 20 usw., schon viel häufiger oyTpo. In wirk, 
kMik.ii>. »HoiUA kommt erst später auch ein oy- vor, wie auch 
bei toru. 

Ganz ablehnend verhält sich o gegen die Prothesis: oko, ornk, 
OH'k usw. Ausgenommen ist nur kohh ,Duft‘ Joh. 12. 3 (gegen 
ch'tuog, animus, got. anan, vgl. auch xyaTH ,riechen“). In oca 
wurde das urspr. ?? (vgl. lit. capsä ,Bremse“, ahd. toefsa) selbst auf- 
gegeben. 

Bei e hat sieh wohl regelrecht im Urslav. das i entwickelt und 
das glag. e- dürfte als je- zu lesen sein (vgl. oben S. 67). Dafür 
sprechen auch die cyr. Denkmäler. Im Supr. regelrecht iß-, selten 
e-, z. B. 475. 20 gegen ie^,a 475. 21. In der Sav. kn. finden 
wir neben le^a 123 auch noch (M und zwar 15mal; das ic ist 
hier überhaupt noch selten (vgl. bei Scepkin S. 171 und 172); es 
ist noch der Einfluß der Glagolica, der sich hier äußert. Meillet 
konstatiert übrigens, daß z. B. «ct ,ecee‘ im Anfang des Satzes 
und w.cf im Satzinnem und nach einem Satzteil stehe; (M leitet 
den Satz in der Begel ein, daher ohne j (,Sur l’initiale des mots 
vieux slaves tct et a‘ in CöopHiiKi. no e-iaBHHOBky&mio II. 1907). 

Schwierig gestaltet sich die Sache bei t-, da die aksl. Denk¬ 
mäler bekanntlich nur h schreiben und man das/? nicht ausdrücken 
konnte. So weiß man nicht, ob i- oder ß- zu lesen sei. Im Ur¬ 
slav. war jedenfalls jt- wegen der oben hervorgehobenen Palatalität 
des j und dann sprechen noch einzelne Reflexe in verschiedenen 
slav. Sprachen dafür. Wo es sich um ein urspr. jo?, j ei im An¬ 
laute handelte, mußte selbstverständlich ein n daraus werden (also 
z. B. Gen. Lok. pl. ncla, aksl. ny’k). Da sich im Aksl. das je im 
Anlaut noch erhalten hat (im Supr. regelrecht mro, leuoy, lecuk 
usw., in der Sav. kn. erst vereinzelt, siehe oben), so kann man 
schließen, daß es wohl auch bei jt- der Fall war. 

Das f im Anlaute ist so wie e zu beurteilen, d. h. es war hier 
ha Urslav. urspr. nur je. Daß dies auch noch vom Aksl. galt, 



Lautlehre. 


295 


haben wir oben S. 67 Gründe aus der Beschaffenheit des ur¬ 
sprünglichen glag. Alphabets angeführt. Dafür spricht ferner auch 
die Orthographie des Supr., wo im Anlaut regelrecht je geschrie¬ 
ben wird. 

Wegen des regelmäßig auftretenden i vor e im Anlaute habe 
ich früher ka3<ith .binden* von 2R3'i>,K'k ,eng‘ getrennt, allein es 
dürfte doch zusammen gehören (vgl. Meillet, MSL. 369—370). Das 
k in KA3.tTH wäre von u-qztJa verschleppt worden und daß es 
in letzterem Worte einmal auch wirklich vorhanden war, beweist 
das poln. wqzki (schon im Ap. z. B. naujisszsza droga Bib. Zof. Jud. 
4. 6; icgskoscy drog ib. 7. 5). Hierher auch ov'-ka3X, -eactm 
,krönen* Supr. 335. 8; 256. 20 und 319. 4). Bei x können wir 
wieder eine Analogie mit o bemerken. Wie wir bei letzterem 
Vokal äußerst seifen ein ß belegen können Kenia;, so auch bei 
x im Ksl. Aber wir finden es in den einzelnen slav. Sprachen 
so häufig, daß daraus auf ein häufigeres Vorkommen im ITrslav. 
geschlossen werden kann. So mußten wir es auch bei x3TiKTv 
oben voraussetzen; so haben wir EX3d Supr. 442. 27 (npxTHBX 
KX3t wohl für npoT. KX3ii saptHHie Ssauü Ihpw, aber 

das ß ist hier gesichert). Im Evangelienteste sonst X3a ^ dsauös, 
ebenso X3hahuite nnd xjkj, xikhk<i, es ist aber zu beachten, 
daß wir z. B. im Ab. pri-mzny ,verwandt* (z. B. bei Stitny, Uc. 
52a nnd sonst), moto-vüz ,zona* (Klem. Ps. 108. 19 nsw.) haben; 
«11-3X311 jYmculum* auch im Oloz. 533 und Supr. 424. 2 neben 
CK-X3H 400. 14, KX3T». im Cloz. 533. 

Sonst finden wir im Aksl. einfach x, wo sich in den anderen 
slav. Sprachen nicht immer derselbe Keflex zeigt, z. B. xrame 
,Kohle*, xr'k.t'k .Ecke 1 , xpo^Ti ,töricht*, xyain, x\\ihhi€ gegen 
KO Uta usw. 

Mitunter muß der Schwund des u vor x selbst dort voraus¬ 
gesetzt werden, wo es etymologisch war. So finden wir in späteren 
Quellen (im Aksl. nicht belegt) oyc'k (aus *qso) ,Bart‘, vgl. preuß. 
wanso ,Bart*. Mit diesem Worte hängt wohl auch rxckNHua ,Raupe* 
(eig. ,das behaarte Tier*) zusammen, so z. B. im Ps. sin. Bon. Pog. 
usw. 104. 34 (irrtümlich für ßcovyßi .locusta*); daneben kommt in 


*) So auch im Cloz. 784, 824. 



296 


Lautlehre. 


späteren Quellen auch ov'C'KHHu,d (aus xcRh ...) vor und einzelne 
siav. Sprachen setzen auch ein vqsenica voraus. Das g scheint hier 
sonst auch vorzukommen, vgl. slor. vgz neben gz und ggz ,Natter, 
Schlange*, vgl. preuß. angis, lit. angis ,Schlange 1 , voza und goz fe¬ 
rnen*, dazu auch oza .Strick* usw., p. gqzwa ,lederne Eappe am 
Dreschflegel* (zu cyz-). 

Das g taucht als prothetischer Kons, nur vor einem x anf. 

Mit einem Halbvokal konnte nicht ein Wort anlauten, sondern 
es entwickelte sich vor n ein (: ans *mbo-, *bine- wurde *ibmo-, 
* ibmc -, das im Aksl. als hux, hmeiuh nsw. erscheint (vgl. oben 
S. 160), vor % ein u: an8 *bpiti wurde k-TvP.hth , rufen*, vgl. noch 
B’K3-’knHTH (oben S. 160 n. 161). 

Auch mit y kann kein Wort anlauten, sondern es entwickelt 
sieh hier ebenfalls ein «: HU^pa ,Fischotter* gegen lit. udra , gr. 
i'äga , Wasserschlange*. 

Pedersen sah in dem Umstande, daß die Prothese nie fest ist 
(a und ja, u und ju, o und co, a und va), einen Beweis, daß sie 
eigentlich ein Hiatuseinschnb sei (KZ. XXXYIH, S. 312). Vielfach 
war sie es wohl, aber ausschließlich ist sie nicht darauf zurttek- 
zuführen, wie wir sahen, wenn auch ihre Mittel fast ausschließlich 
dieselben sind. 


Auslaut. 

Da nur offene Silben möglich waren, so ist es klar, daß kein 
Wort auf einen Konsonanten ausgehen konnte. Hierbei ist zu be¬ 
merken, daß m im Auslaute zunächst in n überging (und zwar 
wahrscheinlich schon in urbaltoslav. Zeit). Ein -ob wurde dann 
zu -m und -on zu -ün modifiziert. Über andere Veränderungen 
wurde bei den Nasalvokalen gehandelt. 



Lautlehre. 


297 


Konsonantismus. 

Die aksl. Konsonanten lassen sieh lautphysiologisch folgender¬ 
maßen gruppieren: 


Momentanlaute 
/Verschlußlaute, Explosivae) 


Dauerlaute 

'mit Engenbildung und Reibungsgeräusch) 


Affricat&e 
tonlos; tönend ! tonlos! tönend 


Spiranten 
tonlos: tönend 


Liqui- 

dae 


Nasale 


Guttural (velar) 

* ff 

. . . j ... 

eh 


Palatal .... 


i i ! ■•• 

\ s 

J 

Dental .... 

t d 


\ s 

z 

Labial . . . . 

\ P \ b 

| ... j ... 

1 (/) 

: » 


r\ r 

r, l 


ri («) 
n 
m 


Das f kommt nur in Fremdworten vor, z. B. tffc n s otTv $ii- 
hhk'k tu ßata twv rpoivi/.cop ,Palmenzweige' (Joh. 12. 13 Mar.}. 
Das gr. ft wurde zunächst durch t wiedergegeben: Teo$H,vK 
&eöcpilog. 

Über die Geltung der Affricatae auch als Dauerlaute gibt z. B. 
die Assimilation in khh^hhh Supr. 135. 25 (yn ans g6) Auskunft. 
Sie zeigt sieh auch in anderen Denkmälern. 

Für das Aksl. wie für das Slav. überhaupt sind die palatalen 
Konsonanten charakteristisch. Palatal können aber nicht bloß die 
in der entsprechenden Keihe oben angegebenen Konsonanten (die 
übrigens diese Eigenschaft auch verlieren können) sein, sondern 
auch die übrigen. Palatalisiert (erweicht, mouilliert) können die 
Konsonanten in der Regel vor palatalen Vokalen (e, ?, e, i, s) und 
vor i werden. Bei der Aussprache der palatalen Vokale erhebt 
sieh die Vorderzunge zum harten Gaumen (oben S. 75). Wenn 
nun bei der Aussprache eines Konsonanten vor einem derartigen 
Vokal neben seiner eigenen Artikulation noch jene des letzteren 
antizipiert wird, so erklingt der Konsonant als ein palatalisierter 
oder erweichter. Zwei Artikulationen, die aufeinander folgen 
sollten, werden zu einer gleichzeitigen gemacht. Die Palatali¬ 
sierung kann demnach verschiedene Grade haben; am meisten ist 








298 


Lautlehre. 


sie entwickelt, wenn die Artikulation des Lautes mit der größten 
Engenbildung zwischen dem karten Gaumen und der Zunge anti¬ 
zipiert wird, nämlich des i oder { {/). Mit dieser haben wir es 
im Slav. auch am häufigsten zu tun. Man könnte demnach auch 
sagen, daß bei der Palatalisierung eines Konsonanten derselbe 
gleichzeitig mit einem i (j) artikuliert wird. Das hat zur Folge, 
daß sich seine Artiknlationsstelle ändert, indem eine Verquickung 
derselben mit jener des i (j) stattfindet, wo es überhaupt möglich 
ist (das kommt vor z. B. hei der Erweichung der Dentalen), oder 
beide Laute werden unabhängig voneinander gleichzeitig artiku¬ 
liert, wo eine Verquickung der Artikulationsstellen unmöglich ist 
[z. B. bei der Palatalisierung der Labialen). Bei der Palatalisierung 
kommen also zwei Teile der Sprachorgane in Betracht: die Vorder¬ 
zunge und der harte Gaumen; hierbei ist die Zunge aktiv, der 
harte Gaumen natürlich passiv. 

Die bei den palatalisierten Lauten immer vorkommende Engen¬ 
bildung zwischen der Vorderzunge und dem harten Gaumen bringt es 
mit sich, daß sieh bei der Anssprache von palatalisierten Momentan¬ 
lauten an das betreffende Explosionsgeräuseh oft noch ein Reibungs- 
geräusch anschließt, das zumeist wohl jenem des spirantischen j 
entspricht (zum Teil kann es durch den vorhergehenden Laut mo¬ 
difiziert sein). Diese Geräusche erlangten in der slav. Lautbildung 
eine große Bedeutung, da daraus neue Laute hervorgehen konnten. 

Abgesehen von den von Haus aus palatalen Konsonanten werden 
die gelegentlich palatalisierten im Aksl. in der Regel durch die 
Schrift nicht näher bezeichnet. Ausdrücklich geschieht es manch¬ 
mal bei den Gutturalen in Fremdworten, so z. B. kecapt Luc. 3. 1 
Mar. und Zogr. neben Kecapt Luc. 2.1 im Mar. (Zogr. hier kecapa). 
Hier wird also auch das erweichte f durch die Schrift angedeutet. 
Weiter: arrsaa Supr. 1. 6, arrsa'K 3. 2. In der glag. Schrift ist 
für r" ein eigenes Zeichen, z. B. htciia usw. (S.52). Ferner haben wir 
oben gesehen, daß k häufig einfach die Erweichung des vorher¬ 
gehenden Konsonanten bezeichnete. In Silben wie A f , A H > te, ’ rH 
kann man nieht ersehen, wie weit die Palatalisierung ging, aber 
bis zu einem gewissen Grade war sie gewiß vorhanden. 



Lautlehre. 


299 


Die Gutturale k, g, ch. 

Ein slav. k ist 1. die Fortsetzung eines ursprachlichen rein 
velaren k {q): Kp’UKk ,Blut‘, lit. Jeraüjas dass., lat. cruor, gr. v.q£uq 
.Fleisch', ai. krams ,rohes Fleisch'; 2. eines labio-velaren k’‘ (q%): 
KTvTO ,wer‘, lit. käs ,wer, was', lat. quis, gr. vis, ai. käs ,wer‘. 

Das g ist die Fortsetzung 1. eines rein velaren g: xriAT» 
,Winkel', lat. angulus ; 2. eines aspirierten velaren gh: rocTh. ,Gast‘, 
got. gasts, lat. hosiis: Msrna ,Nebel', lit. miglä, gr. oßßty, ai. me- 
ghäs .Wolke'; 3. eines labio-velaren rß : ß'Kr'k ,Lauf', -G’LriiXTH. 
G'kn;.\Tn,laufen', lit. begu, begti ,laufen, fliehen', gr. tptßouca ,fliehe', 
(püßoe ,Flucht, Furcht'; 4. eines aspirierten labio-velaren (ßh : re- 
P'kTH .brennen', preuß. gorme ,Hitze', gr. d-eqgös, lat. formus, ai. 
gharmäs ,Glut‘; cnUrTv ,Schnee', lit. stiSgas, got. snaiws , gr. vicpa 
Akk. ,Schnee'. 

ch ist ein gutturaler (velarer) tonloser Laut-, der sieh in den 
meisten Fällen auf slav. Boden aus einem ursprachlichen s unter 
bestimmten Bedingungen entwickelt hat, z. B. jOhr', lit. ausis, 
got. ausö. Doch geht nicht jedes ch auf ein s zurück. Es ist 
z. B. auch aus ks, wie wir sehen werden, entstanden. Ygl. weiter 
jfXAorTi. ,peritus‘ (davon yxAcuKkCTEHie ,%exva(sga, ars' Cloz. 568), 
got. liandugs ,weise'; tjnvnn\"n ,Mönch', ahd. munih (dieses wieder 
aus *monicus ). So müßte auch in pphivhi statt des k ein ch Vor¬ 
kommen, wenn es dem ahd. chirikha entsprechen würde. 

Veränderungen der Gutturale. Die Gutturalen unterlagen 
einer zweifachen Veränderung, die durch die nachfolgenden Vokale 
bedingt und zeitlich verschieden war. 

I. k, g, ch wird zu c, I, s vor e, q, e aus e, i aus * und ei, 
vor b , desgleichen auch vor j (?j. Während jetzt in den slav. 
Sprachen z. B. ein ki möglich ist, war dies früher nicht der Fall. 
Das hängt zusammen mit der Änderung der Artikulationsstelle 
unserer Gutturale (Velare). Früher wurden die Laute derart artiku- 
[, crt, daß sieh die Hinterzunge zum weichen Gaumen hob und ver¬ 
schob, so daß die Vorderzunge nicht mehr in Aktion treten konnte, 
um die erwähnten palatalen Vokale zu artikulieren. Um dies zu 
ermöglichen, mußte die Artikulationsstelle mehr nach vorn ver¬ 
schoben werden. Hierbei ist aber aus dem k ein f', aus dem g 



300 


Lautlehre. 


ein d 1 und aus dem ch direkt ein i-Laut geworden 1 ]. Es kam 
also Mer auch ein Palatalisierangsprozeß zustande, wie darüber 
oben gehandelt worden ist. Es ist hervorgehoben worden, daß 
es dabei zu Engenbildungen zwischen der Vorderzunge und dem 
harten Gaumen kommt, was die Entstehung von Geränschlauten 
zur Folge hat. In unserem Falle erklang nach dem f, d' ein -i (.s) 
oder z (i), also ganz analog wie bei dem Übergang des t{, di in 
tl, dz (siehe weiter nnten). Aus diesen Lauten ist dann schon im 
Urslav. ein H d. h. <?, i (älter rf i) geworden, so wie später das aus 
tl di entstandene Fs, dz in manchen slav. Sprachen zu 6, & führte. 

Wenn jetzt, wie schon erwähnt, die Aussprache eines Id, ke usw. 
möglich ist, so folgt daraus, daß sieh die Artikulationsstelle der 
Gutturale verschoben hat. 

Beispiele der Palatalisierung der Gutturale vor e: HfAta,i, k Ge¬ 
sinde', r.ue.ioBta,Mensch', aksl. haor'Rk'u, dagegen koa’üho ,Knie, 
Geschlecht', lit. kelys ( kelis ) ,Knie‘, kütis ,Geschlecht 1 ; HST'kipe ,vier‘, 
lit. keturi dass.; }K£Ak30 ,Eisen 1 , lit. geleiis, gelzis, prenß. gelso, gr. 
Xtx'Uös ,Erz'; skeatj ,testudo‘, gr. yjlvg ; jkeha ,Fran‘, prenß. genna, 
got. qiriö ,Frau‘; cpuiiEHh. ,Homiß', lit. szirszü. Im Yok. sg. der 
männlichen o-Stämme: kakm« zu kauktv ,Wolf; kojke zu son». 
,Gott‘; A°V ult zu AO'iX k ,Hauch, Geist', lit. vilke, gr. Iwe usw. 
In den Präsensformen der Verba der I. Kl. 4. Gr.: nsHEum. nt- 
setti. usw. zu nEKJU ,ich backe'; mojkeuih, uojkettv usw. zu uor,w 
.ich kann'. Hier auch in den betreffenden Aoristformen: uehe, 
nssETE usw. und im Part. prät. pass.: iuhehti usw. 

Vor ?: ha-hath, KTk-MATH ,beginnen', gegen hon - in KOHknu, 
hc-kohh ,anfangs 1 usw.; jkath, KkMX ,drücken', gr. ytgco ,voll 
gedrückt sein'; jkath, nt k m ia» ,hauen, mähen', lit. ap-gintis Ver¬ 
teidigung', ginü, ginti ,wehren, schützen'. 

In Mpk-, jKpk-, MAk- und atAk- war die ursprüngliche Lant- 
gruppe *ker, *ger + Kons, oder kel, gel + Kons., z. B. Mpk^A 
,Herde', lit. kefditts ,Hirte', got. hairda; JKpkKA ,Füllen', gr. ßgecpog 


P. Wislicenus bemerkt: Der Übergang des kj in tj ist leicht zu ver¬ 
stehen, wenn man bedenkt, das k durch Anpressen der Hittelzunge an den 
Mittelgaamen entsteht, das Anpressen des vorderen Zungenrückens an 
den Vordergaumen dagegen ein t ergibt (IF. XXIII, S. 302). 



Lautlehre. 


301 


.Fracht im Mutterleib 4 ; ikaT^hua ,Glatteis 4 , lat. geh, gelidus gegen 
rcAOTk ,glacies“. Hierher gehört auch das Lehnwort uiA'KU'k .Helm 4 
(z. B. I. Theas. V. 8 Sis.j, got. hilms. 

ke, ge, che wurde zu de, ze, Sc [de, ze, se), woraus da, za, ia 
entstand: mact. ,Zeit“, preuß. Msman Akk. sg. (ä = e); saßT in 
MapoKAHHie und uapoA'köHHie ,Zauherei‘, lit. keriü, kereti ,Böses 
antun, verzaubern“; uA r \Tv ,Rauch“ gegen ka 4 ,hth ,räuchern“ (aus 
kdd ~); mapTv in no-JKApTv ,ineendium‘ gegen rop'STH ,brennen“. 
Hierher gehört aueh das Infinitivsuffix der Verba der III. Kl. (-Art): 
MAkMdTH .schweigen“. ApumuTn ,halten“, BfTT».ujdTH ,altem“; das 
Impf, der Verba der I. Kl. 4. Gr.: nsHaayTv, ucxAAy'k usw. Das 
Komparativsuffix -ej: thujah ,stiller“ zu THjfk ,still“; U’kHoasan 
.mehr“ zu M’kHor'k ,viel“. Hierher gehört auch das Suffix dno-, 
das Stoffadjektiva bezeichnet: pO/KAirk ,xeQunv6$ corneus“ (z. B. 
rAACOMk TpxK'ki pojK’KH'ki Ps. sin. 97. 6 ). Es gibt auch noch 
andere Suffixe mit e aus e. Die Silben hi, gi, cM ergaben di, st, Si, 
wenn das i auf i oder ei zurückging: ho-hhth ,ruhen“ gegen no- 
-koh ,Ruhe“; atuBT* ,lebendig“, lit. gyvas, got. qius. 

Hierher gehört auch das Infinitivsuffix der Verba der IV. Kl. 
-hth: ckomhth ,springen“, -aoxhth ,legen“, thujhth ,beruhigen“ 
zu THjfk ,still“. Andere Suffixe, wie z. B. -ina: ,a,poy>KHHd Be¬ 
gleitung“ gegen p.povT'k ,Genosse, Freund“ u. a. 

hb, gb, chb führte zu 6b, 6b, sb: p'Ruk ,Rede“ aus *rek-i -; uk-TO 
,quid“ aus * hi -; AT»?Kk ,Lüge“ aus *lugi- (aueh at^jka im Aksl.), 
ahd. higl ,Lüge“, lukki lügnerisch“; uuuik ,Maus“ aus *müchi-, 
ahd. müs, lat. raus ; ujk r yk Part. prät. act. I (aus *clibd-, *ched-, vgl. 
y 04 , hth) zu hth ,gehen“, analog LUkAT. (aus *cktdlo-). In Suffixen 
wie bsko-, wto-usw., z. B. kctkckTv ,göttlich“, sAOBlmkCK'k mensch¬ 
lich“, rp-KuikHT. ,sündhaft“ usw. 

Das k begleitet ein n, m, r, l, das auf ein ursprachl. n, tp, r, I 
zurüekgeht: vielleicht no-skHX, ne-saTH ,anfangen“; upktTk 
,schwarz“, preuß. kirsna dass.; upkEk .Wurm“, lit. kirmis dass.; 
upkTA ,Strich“, lit. keriü, Mrsti , hauen“; JKkpx, SKptTH ,vorare“, 
gr . ßogü, ai. giräti, gilati ,er verschlingt“; Xkp», XtpkTH (a?ptTH} 
,opfern“, lit. giriü, girti ,lohen“, prenß. po-girrien Akk. ,Loh“, gr. 
yegorg ,Ehrengabe“, lat. graius\ mpkH-ki ,mola“, lit. ,Mühlstein“, 
let. dzimm, ahd. qidrn ; SKAkT'k ,gelb‘, lil geltas. 



302 Lautlehre. 

Schließlich führte auch ki [kJ], <ji ( gj ), chi {chj) zu £, z, i: naaMk 
.das Weinen- aus *plakjo -, vgl. nAJKATH ,weinen 1 ; r \ovuia ,Seele 1 
aus *e iu-chiß, vgl. ,\«T K ,Hauch, Geist* (doch wäre auch möglich, 
daß hier schon *dusiß vorlag, das ebenfalls zu ^oviua führen 
müßte). Adjektiva wie HAotrfcHk,menschlich* aus *clovekio n-fcujk 
,zu Fuß 1 aus *pSch{o. Die Komparative zu ahuihh zu <\h\'Tv über¬ 
mäßig*, Aoyumt ,besser* usw. Die Präsensformen der Yerba der 
V. Kl. 2. Gr.: naaux, naascuiH usw. zu dajkath ,weinen*; atiJkx 
zn aTvraTH .lügen*. 

Vereinzelt kommt es vor, daß in der Verbindung ckv ein nach¬ 
folgender palataler Vokal über das e (u) hinaus auf das ch ein wirkt: 
Vok. sg. n/VMUKE Supr. 111. 21 zu KA'k\'K-k ,Zauberer* und das 
Adj. EA'hiu’kcKUMH ib. 257. 9 (statt K/vkiuKkCKaMH). Analog wer¬ 
den wir auch die Form K.vkcuH hier (257. 9—10) finden. 

Etwas modifiziert wurde das Resultat, wenn ein s (z) dem Velar¬ 
laute vorherging. Es kommt hier nur sk und sg in Betracht. 

Aus sk mußte zunächst in den angegebenen Fällen ein s6 wer¬ 
den, woraus durch Assimilation s6 entstanden ist. Das §£, welches 
einmal gemeinslav. war, hat sieh noch im Ress, und Pol. erhalten 
and war einmal auch im Ab. vorhanden. Im Aksl. wurde dagegen 
daraus ein il (es wurde also die Gruppe sfs, als welche man das 
sc auffassen kann, vereinfacht) 1 ). 

Beispiele: iutaA'Kth ,sparen, schonen*, dazu auch LUTf^p-k 
,misericors, inagnanimus* (Supr.), lUTt^pöTa gegen ck.y.^Uv ,karg, 
dürftig*, ckx,j,'Hth ,gering werden, ausgehen, vergehen*. Das 
Präsens zu hckath ,suchen* lautet huitx (neben hcky. z. B. Mar. 
Joh. 8. 50), hiutjuih usw. EAkuiTUTH ca ,glänzen* gegen *bUskh 
(♦ka-Scktv) ,Blitz, Glanz*. 

Im Russ. haben wir jetzt noch iS, z. B. nmy, nmeuis, iiiueTi zu 
HCKäTB .suchen*, doch wird in den ar. Denkmälern nach ksl. Art 
uit bzw. tp geschrieben. 

Ans sg wird analog zunächst zz und dann durch Assimilation 
ii. Zwischen zwei s wird ein <T eingeschaltet (vgl. aus 

*) Leskien formuliert die Regel: Wenn t, d zwischen gleichen Sibilanten 
‘«-artigen Lauten* stehen, so geht der nach dem t, d stehende verloren. Sind 
sie ungleich, muß zuerst der erste an den zweiten assimiliert werden (AfslPhil. 
I, 58, Handb.t§31). Es ist eine Art Dissimilation. 



Lautlehre. 


303 


*iz-d-iena und dieses aus *iz-senq), so daß wir ein zdz erhalten. 
Auch diese Gruppe wurde im Aksl. durch Abfall des zweiten z 
vereinfacht: ,v*oKA k ,Regen 1 aus *duzgio~; uo/Kaunt» (in uojk- 
A-ihtj ueuvahuHivo: ,medullä impleta 1 Ps. sin. 65. 15) aus *moz- 
geno- zu U03rk ,Hira ! ; ,Reisig, Zweige 1 (z. B. 

Joh. 15. 5 Mar. Zogr.) zu posra (pa3ra) ,Zweig 1 . 

Statt des aksl. hca aus zg finden wir in sttdruss., insbesondere 
in siidwestruss. (galizisch-wolhynischen) Denkmälern jkh, und es 
ist dies ein sehr wichtiges dialektisches Merkmal dieser Denkmäler. 
Es muß aber hervorgehoben werden, daß wir das hier nicht 

bloß für ;u,y aus zg finden, sondern auch für ;k,\, aus uiauc (bei 
Präfigierungen mit auslautendem 3 vor einem mit £ anlautendem 
Worte, wie z. B. hs>;keh%, *izd£ena, stidwestr. iz&ena) und auch 
für ;«a aus zdl '). In den älteren Kiever Denkmälern kommt 
dieses Merkmal nieht vor, so daß es den Anschein hat, als ob es 
hier später aufgekommen wäre. 

So finden wir in dem galizischen Tetraev. vom J. 1144 (Kry- 
loser Ev.}: A' k:KMt Mat. 7. 25. 27; A' k >K t,H 'i' !i Mat. 5.45 u. «>A' , » ^KM,, 
Luc. 17. 29 (aksl. poacukie Joh. 15. 5; hikmehetk (für 

HJKA*ufTk) Marc. 7. 26; Joh. 10. 4; hukmehete Mat. 23. 34 usw.; 
E'kjKHEAtieTs Luc. 17.22 (jKinkTH), K'k5KHfnH\*'k Luc. 22.15 usw.; 
HiKMiK’mi (-jkhth), Marc. 5. 26; hikmik’ulin Luc. 15. 14; k'kjkha- 
AA\"k ca Mat. 25. 35. 42 (-jkaauth). Im Christinopoler Ap. aus 
dem XII. Jahrh. ebenfalls z. B. A^^Hh Act. 28. 2; unomkCTBO 
pciKUhta ib. 28. 3. Im Cod. Hankensteinianus der Wiener Hofbibi, 
(aus dem XIII. Jahrh.) auch HfKKHorrk (vgl. flrmre, Mertipe Kpirr.- 
na.i. craTU.'. S- 87). 

In seinen »Studien auf dem Geb. der rutb. Spr.« zitiert Ogo- 
nowski S. 76: OA'fe.eiKA'^'T». (Kt. Stat. 258) für OA’k«>»LVKdn'k ,er 
reiste ab 1 . Jetzt finden wir im Ruth, zu Tsahth das weitere Iter. 
Tätern! und das Subst. Tsnaceiie ,das Fahren, Reiten 1 . Dagegen 
muß hervorgehoben werden, daß wir auch jetzt noch hier äouw 
und pinmte finden (Ogonowski, l.e. S.75—76). Ebenso im Weißrnss. 
dosi oder doU, poln. auch deszez (ans de£d£, gen. didzit, pl. didze), 


ij Es muß also immer ein = vor dem g bzw. J ursprünglich vorhanden 
gewesen sein, wenn hier ein ii auftauehen soll {also : s-rj, s + i+i bzw. ~ +■ di )■ 



Lautlehre. 


304 

ab. deü, nb. desi, ab. dsiiti, nb. dstiti ,regnen', r. sm&>. Jagic 
hebt mit Recht hervor (1. c. S. 85—86), daß wir in den Denk¬ 
mälern konsequent ;k>i und nicht ujh oder einfach ljj finden; viel¬ 
leicht würde durch das h ein dem serb. | (mag. gy) ähnlicher Laut 
ansgedrückt. 

Dem sttdruss. jkh entspricht in den Alt-Novgoroder Denkmälern 
ein atr. So zitiert Sobolevskij (XeKifiii 3 S. 22) aus der Mineja vom 
,1. 1095: npHrKOJKrtHTi 128, 130. Desgleichen ist es dann ein 
Merkmal des Pskovsehen Dialektes. Im Apost. von Pskov aus 
dem J. 1307 finden wir A®*rk, haa^*™™, npHrKOHtrauie, 
pcoKrkta (vgl. Yerf. Xsl. Chrestom. S. 157). Über das nordische 
:f;r für ;ka auch N. M. Karinskij: Kami, UcKOBa h ero oöjtaeTH 
bi. XVb (insbesondere S. 178—179}. Vgl. auch Jagic 1. c. S. 88. 

Man kann im allgemeinen sagen, daß sh und zg vor den in 
Betracht kommenden Vokalen zunächst zu denselben Resultaten 
führte wie ein sf% und zd% woraus auch zuerst ein sß nnd zdz 
geworden ist, worüber weiter unten (bei ti und di). 

II. k, g, ch wird zu c, dz (z), s. Dieser Wandel trat erst später 
ein, allerdings aber auch noch im Ursl. Dieses spätere Eintreten 
der Palatalisierung erklärt sieh einerseits daraus, daß sie vor Vo¬ 
kalen vorkommt, die erst in einer späteren Zeit palatal oder halb¬ 
palatal geworden sind. Es ist zunächst das J, welches aus einem 
Diphthong (cm, ai , ai) hervorgegangen ist, und dann das i, welches 
ebenfalls auf diesen Diphthongen basiert. Falls die jüngere Palata¬ 
lisierung erst vor dem e und i stattgefunden hätte, so würde 
zwischen der älteren nnd jüngeren Palatalisierung der Prozeß der 
Monophthougierung liegen, der, wie alle Anzeichen dafür sprechen, 
verhältnismäßig spät im Urslav. durchgeführt wurde, nachdem schon 
andere lautlichen Prozesse vorüber waren (wie z. B. der Umlaut 
des iß zu je). Das ist aber kaum wahrscheinlich, eher wird man 
voraussetzen können, daß der Prozeß in einem Übergangsstadiom 
des Diphthongs stattfand (als darin e-Laute auftraten). Daß der 
ia Rede stehende Prozeß jünger ist als der früher besprochene (mit 
i aas k, £ aus g usw.) folgt übrigens ans den Lehnworten mit diesen 
Lauten im Slav. 

Beispiele: ii/Kat, ,heil, ganz', preuß. kailüstiskan Akk.,Gesund¬ 
heit', got. hrih\ ahd. heil-, u.'Sha ,Preis', lit. Jeaina dass., gr. moivr] 



Lautlehre. 


305 


,Entgeld‘, dzelo, z&lo vehementer', lit. gailus ,scharf, bissig', ahd. 
geil ,ausgelassen, üppig'. Im Lok. sg. der o-Stämme: pauk zu 
poK’k ,Termin', uosk zu kot-k ,Gott‘, p,oy c k za A c *\fr k »Hauch, 
Geist', ukttk zu ukuo ,Lid'. Im Lok. pl. derselben Stämme: po- 
Hk^i», Kosky-k, r t > °V'ckX’ r k, Bkitkjpk usw. — Im Dat. Lok. sg. 
und Nom. Akk. du. der 5-Stämme: pxifk zu pxtia ,die Hand', 
ttosk zu ttora ,der Fuß', uov-ck zu uoy;fa ,Fliege'; ebenso im 
Nom. Akk. du. der neufr. «-Stämme: HSk zu uro ,Joch‘. 

Das aus ot hervorgegangene t mit unserem Lautwandel liegt vor 
im Nom. pl. der männlichen o-Stämme, wie pot^H, kosh, 

(zu pouk, Kor-k, weiter im Sg. Imper. der Yerha der I. Kl. 

4. Gr.: nkpH. im PL dagegen k: iibHkTt zu ntus., iijüith ,backen': 
pku,n, pMikTt ,sage, saget'. 

Unsere Palatalisierung trat auch ein nach den Vokalen b, t, e. 
Da wir sie aber hier nicht durchwegs finden, suchte esBaudouin 
de Courtenay durch den Akzent zu erklären (nach der Analogie 
des Vernerschen Gesetzes): das k, g, eh werde zu c, z, s nur in 
der betonten Silbe, also russ. mmo, kjhh&ti., aber arncr, rauKaTH. 
Die Abweichungen, wie russ. cTapna, cöjtime, oTapnKa usw., erklärt 
er durch die Annahme von Akzentverschiebungen (IF. IV, S. 45—53;. 
Allein damit kommt man kaum aus. Es mag ja so manche Analogie¬ 
bildung aufgekommen sein, aber das russ. eomme stimmt mit s. 
sünce, ebenso russ. cTäpeux mit s. stdrae, sturea ,Greis' überein, so 
daß wir es hier mit dem urslav. Sitze des Akzentes zu tun haben. 
Analog verhält es sich in vielen anderen Fällen. Wir können hier 
daher eine Akzentwirknng kanm zuiassen. Richtig ist es dagegen, 
daß der enge Vokal einfach die Artikulation des Gutturals beein¬ 
flußte (vgl. ach, ak gegen ich, ik). Es handelt sich hierbei um be¬ 
stimmte Fälle. So ist auf diese Art das Suffix -kHk, -kup zu er¬ 
klären: OTh.uk ,Vater' aus einem "‘oTkK'k, Dem. zu *ofo, das auch 
dem Adj. OTkH'k zugrunde lag: K>Hku,k. toHb.ua Junger Stier' zu 
toH’b Jung', vgl. lit. j'aunikis, Gen. jaunikio ,Tierjunges, Bräuti¬ 
gam'; irknku,k,Kranz', lit. noeb vaimkas ; cpky,ku,t ,Herz‘, cAkHkite 
,Sonne', wobei als Grundwort *srbdi, *srbdb (ein neutraler f-Stamm), 
*shno vorausgesetzt werden müssen. OKkun ,Schaf 1 , -hu,a : uoro- 
poA«na ,S-b6toxos‘, AkaHu,a (russ. serh. djevicaX) ,Mädchen, 

Jungfrau'; TkUkHHU,a ,Gefängnis'. 

Yonärak, Altkirckenslavische Grammatik- 2 . ku&. 


20 



306 Lautlehre. 

In zwei Worten trat die Palatalisierung nach h in der Wurzel 
auf: -AkSd in iic-aksa Vorteil, Nutzen 1 ; ctesa ,Pfad ! . 

Nach einem t: nun« ,Gesicht* aus *liko, Gen. ahmscs, Hmi,k 
,pronus 1 , CHita neben chktv ,talis‘; vielleicht auch Suffix -üie (aus 
üce) neben -isko. Nach einem <•: u-fcCAHk ,Monat 1 , lit. menü, lat. 
memis] saiAUk ,Hase‘, vgl. auch k'khasu ,Ftirst‘ weiter unten 1 ). 

Während wir im Suffix -ica den Lautwandel fanden, ist es auf¬ 
fallend, daß sieh in -ik« das k behauptet, was natürlich bei der 
Frage nach dem etym. Ursprünge dieses Suffixes zu beachten ist. 
So haben wir ein ^A’kJKkHHKI., K'kHHJKkNHK’k, lAS’klHkNHKTv, 
npAKkAaHHK’k, HAHMkHHKTy usw. Dazu als Fern, nicht -t'/i«, das 
nur vereinzelt vorkommt und auch männliche Personen bezeichnet 
(>tk<KHKA .Verwandter 1 , eahikhka ,Verwandter 1 Snpr. 135. 12), son¬ 
dern das eben hervorgehobene -ica. Daß der vorhergehende Vokal 
maßgebend war, ersehen wir ans den Suffixen in HK’ST r kK r k, eah- 
3'kK'k, X3'kK'k, ktucokt», kamuktv usw., wo unser Lautwandel 
unterblieben ist. Und daß es auch das i war, welches denselben 
hervorrufen konnte, ersehen wir ans arhsath (z. B. ktsSAKhsaiah 
P s. sin. 112. 7) zu ^rhpna^th ,heben 1 , hahuath schreien 1 zu 
KAHKiv, kahkhxth Supr. 43. 25, HHitATH .germinare* (Cloz. I 722) 
zu HHKNAiTti u. a. Am auffallendsten ist es bei -mar.vTH gegen 
-jkhsath, so z. B. Mat. 13. 40 im Mar. und Zogr. c'ktKHsntstT'k. 
dagegen c’knmrjevT-k ca im Ass. und Ostr., vgl. auch rcKska- 
raeuAA Euch. sin. 16 b; Rkc£Ck;Kara(e)MA Ps. sin. 19. 4, wo wieder 
auch pam.yHSJfT'k cia ckpfEpo 65. 10 vorkommt; -JKaraTH auch 
im Supr. neben -jkh3ath; ferner bei -phuath, z. B. npo-pHpuTH 
.prophezeien 1 , dagegen -p'Ekath, z. B. in np’S-p'kKATH ,wider- 


*) In keck, Bkciro ist das s (s) nicht naeh unserem Prozesse zu erklären, son¬ 
dern es ist aus m>c-k<uk, esc« usw. verallgemeinert worden, daher sec^aie, ee- 
ctMi., KEftp. usw. und daher darf man hier keinen Gegensatz zu oseuh, othuh 
nsw. suchen, wie eB Kul’bakin tut (üpeBHe-uepK-cjtoi>. H3.1, S. 75). Als das h 
vor diphth. i hzw. » in c überging, gab es noch Formen wie hfom. sg. *otbto, 
Gen. *nt--J:a usw. (neben dem Lok. sg. *otbce, pl. *oU>cecfo>). Jetzt erst wurde 
das k auch vom vorhergehenden t beeinflußt: oUct, oUca . . und gleichzeitig 
gerieten derartige Worte in die Deklination nach den jo-Stämmen, daher Lok. 
«Tut», eTuowv. In kece war schon das s verallgemeinert War aber ein *otbcoi, 
-«*’> -et da, würde die Akzenttheorie in visi auch keine Stütze finden. 



Lautlehre. 


307 


sprechen' (Mat. 16. 22 im Mar. np’itp'KKJTH, im Zogr. dagegen npt- 
piiupiTH ; hc-t-Skath (HCT’KKawTTk Supr. 251. 7} neben hctIc- 
4,ath, das in späteren Quellen belegt ist, wie auch noch häufiger 
hcthujth .hervorquellea ; . In späteren Quellen auch hacmhcatm 
ca gegen Hacu'K^aTH ca. Daraus ersehen wir, daß das e im 
allgemeinen in unserem Falle nicht palatalisierend wirkte. Das 
würde auch begreiflich sein, wenn man annimmt, daß das U ur¬ 
sprünglich offen war, zumal jenes das auf ein ? zurttekging (p*t- 
kath, TtKdTH). Wo kein verengter Vokal vorherging, ist die 
Palatalisierung unterblieben, daher no-MaraTH, no-aaraTH; pnu- 
kath (im Supr. phkath 61. 24: 166. 20, ebenso Ps. sin. 21. 14; 
37. 9; 103. 21 und Euch. sin. 76a : puraTH (Ps. sin. or'k-pHra- 
rr k 18. 3). Freilich konnte selbst auch da die Analogie wirken: 
es konnte das c, c gewissermaßen als ein Merkmal des Iterativnms 
insbesondere bei präfigierten Verben angesehen werden: Hainapa- 
Käu’k Supr. 373.11 — 12; neben dem im Ksl. gewöhnlichen ttukath 
finden wir bei Danicic (Rjeenik) auch t-kiii,jth (vgl. auch im Ab. 
myeeti). Bei haaai^ath spannen 1 Psalt. sin. 77. 9 kann schließlich 
auch das a in Betracht kommen, ebenso bei ha-iipasath dass. 

Es hat im Urslav. noch eine Zeit gegeben, in welcher die Form 
*otbkb gebraucht wurde. Davon hat sich noch der regelrecht ge¬ 
bildete Vok. 0Tk4f erhalten. Weiter liegt diese Form zugrunde 
dem Adj. otrhrckr (sowie z. B. uaok’Khrck'k von saok'Kk'r ge¬ 
bildet wurde). 

Für eine spätere Zeit dieser Palatalisierung spricht auch der 
Umstand, daß sie sich auch in Lehnworten, die eben in späterer 
Zeit im Slav. aufgenommen worden sind, zeigt. So in ppamki 
,Kirche“ (vgl. oben S. 299 ; p'fccapk ,Kaiser“, wohl eine alte Ent¬ 
lehnung aus dem Romanischen (gegen die Entlehnung ans dem Got. 
kaimr spricht das s, vgl. roHf3HXTH aus got. ganisan .genesen“); 
u,ata ,Geldstück“, got. kintus ,Heller“. Hierher gehört auch das 
Suffix -asr, -A3R in einer Reihe von Lehnwörtern, das dem germ. 
-ing entspricht: k'Khasr .Fürst“, vgl. ahd. chuning (jedoch gern, 
germ.); nijHASk ,Geldstück“, ahd. pfenninc ; ckaasr (Mat. 22. 19 


*} Vgl. HOVAHHHX IK'BtA’fc II4CTJEKTH IW K.VKAHAKmTH pfis'lilt Ha HAT»HMI > CTS'k 

Supr. 2. 26. 


20 * 



308 Lautlehre. 

Mar.; Zogr. b.: cK-kAAS'k) s j ,Münze“, got. skilliggs, ahd. scilling 
,Schilling“ n3w. 

Es weicht haa® ab, falls es das deutsche Kind sein sollte. 

Bei sk und zg haben wir hier auch Modifikationen zu unter¬ 
scheiden wie oben S. 302 f. 

In jenen Fällen, in denen k zu c geworden ist, erhalten wir 
aus s& ein sc, z. B. im Dat. Lok. sg. A K£ H'k zu A hCK4 ,Brett“. Das 
sc kann auch vereinfacht werden (dureh Verlust des zweiten s in 
sts — sc) und ergibt dann st. Das sc ist im Aksl. natürlich älter: 
es kommt in den Kiev. Bl. vor (nur ein Beleg: HEGECkcu.'fci Dat. 
sg. f. III b 23), im Zogr. fast ausschließlich (ein einziges Mal: 
r\iAH<vfcHCTlvUk Mat. 15. 29, im Zogr. b schon dreimal st ] 2 ): st- 
uiiCTHH 17. 25, Mop’kCT'kH 18. 6; tAtoH’KCT'E 24. 3, doch kommt 
auch hier noch häufig sc vor: hkc^-ümtv 18. 1; heccu)'Km'k 18. 1; 
EAfOH’kcu'tii 21. 1, AWA^fBHi 21. 23). Im Mar. ist vorwiegend 
sc, einigemal aber auch st (Mat. 12. 41; 18. 6; 21.23; 23.23; 26.3; 
Luc. 5. 33). Es kommt hier auch vor, daß der Schreiber zu dem 
schon geschriebenen st noch ein c, sei es in der Zeile, sei es über 
der Zeile, hinzusetzte: Hic f VHCTH'fcH Lue. 1. 65; EAEOHiiCTu,-kn 
Luc. 19. 37. Das Denkmal ist auf serbo-kroat. Boden geschrieben 
und da sc, wie wir sehen werden, im Serb. mehr beliebt war, ist 
diese nachträgliche Korrektur hier begreiflich. Im Euch. sin. finden 
wir auch noch sc: ApjfhAkcnHH 4 a, f upUHcnHH 16a, jkh,a,®khchh 3) 
und hjoa'Khcuhh 49a, r\A,kcnHH 59b, no nacu,t 10a, ann'kcivSH 
23b, koymhp’kchUh 60b, AW,a,kcn'KMk 61a. In der Sav. kn. ist 
nur sc zu finden, desgleichen im CIoz. Im Ass. dagegen kommt 
nac(i,t in Überschriften vor, daneben aber nacT’K und in anderen 
Worten haben wir hier nur st (vgl. Verf. Zur Krit. der aslov. Denkm. 
S. 28). Beides kommt auch im Ps. sin. vor. Im Supr. kommt nur ein 
einziges Mal sc noch vor: pvuHHHkcut: 16. 15, sonst überall st*). 


*) In der Sav. kn. cki-aask. im Ar. i}ha,»h», uieAAra. In der Könne, des 
XIII. Jahrb. (Mikl. Lev. pal.) auch ctka,»3i.. 

*) Daher hier such z. B. HcrfcAH ans Hc-ivfcAH Mat. 21.14. 

3 ; Wohl für »:HA«KkcnH. 

*) Daher hier auch KAHCTAHMSM-a 462. 14—15; HcvtAHT-k 115. 6 neben Hiek- 
AttTH 115. 4. 



Lautlehre. 


309 


In den miitelbg. Denkm. finden wir regelrecht st und nur noch 
vereinzelt sc. So ist st allgemein schon im Dobromirschen Ev. 
(XII. Jahrh.), wo man mit sc nur das Beispiel nacivfc 28 a, 20 zum 
Nom. nacx - -! findet (Jagic, Ev. Dobr. S. 56—57). Aus dem Ap. 
v. Oehr. führt Kul’bakin auch nur Formen mit st an |S. cix), ein 
sc wäre darin nicht mehr vorhanden. Auch im Psalt. Bon. nur st 
(Scepkin, Box ne., S. 212—213). Yom Trn. Ev. sagt Valjavec, daß 
darin ziemlich häufig st für sc eintrete, er führt aber Belege nur 
mit st an (S. 22—23), darunter auch sahctahhhii'r Lue. 11. 36; 
BAHCTAAipH CA Luc. 17. 24, EAHCTAbft CA Luc. 9. 30 *). 

In den serbo-kroat. Denkm. wird sc vorgezogen. So finden 
wir Im Miroslov. Ev. nur sc , woraus manchmal c wird, doch nie 
st: rfHf3apeTUH'R 15. 1; tAHOHkivtn 9. 4; ass^eru 10. 5; 22. 6; 
MopuivfcH 7. 14 nsw.; demnach auch hivKahth 14. 21; hrUah 
9. 23 usw. Im Ap. Sisat. (1324): raAHAtwUcitHH act. 1. 11; H3pAsi- 
AkCku,nn J 2. 22 usw. Ebenso im Ev. Nik. (um 1400): hahs- 
rAAHAtLHcivfcH Joh.2.11; epoycaAHMcivK Lnc.24.49: raAtA-EcutLUk 
Mat. 4. 18; tAHOHkCHi; Mat. 24. 3; Aio r \kci;n Mat. 27. 1 usw. 

In den russ. Denkmälern finden wir zunächst den Kampf 
zwischen sc und st. Im Ostr. kommt sc noch zwölfmal vor (ak- 
,v,kcuH 162, riMtscApeTkCHt: 89, «pAAHkci^kH 254, HfpAANkcivkH 
255, HfpoycaAHUkcivfc 45, HOVAfHCR-fcH 254, rAAHAtcivü 243, 
HHne,i,HMHnciVi; 288, nau^HAkcnAH 255, cHHAHCn’fcH 262, th- 
sepHta r \,kcii, 263, dazu noch kahch.ua ca 283), das st schon 14mal 
Aiep^kCTM 196, aioaecthh 155, 163; eAfOKkcrfcH 81, 140, 143, 
HoyAfHCTlCH 251bis, 280, cHAoyaiikCT'fc 38, «JAOK'tukCT’fcH 134, 
EABYAOHkCTUftlk 247. rdAHAfHCT’KSUk60,THBfpHA r \kCT'K£Mk209. 

ndCH'E hier noch 209, 218 (dreimal) 226, 240 usw. im Kalender, 
im Text: luark 184, 220, 256 iIümoiscKiä, HhexÜÄOB. o ac3. octdom. 
es. 1885, S. 52—54). 

Frühzeitig macht sich hier der Einfluß der russ. Sprache gel¬ 
tend, der darin bestand, daß das k unverändert blieb. Schon im 
Izborn. 1076 uopkCKtH. Dann haben wir Belege aus dem XII. 


__1 Bei Job. Ex. v. Balg, einigemal noch sc: «pKrimxn-fcH Bog. 176. II 9; 

>tAEMk.ca-t Seat. 141 b. 10. Regelrecht ist bei ihm st. — In Kopitars Triod. 
XIII. Jahrh.) scheint nur sc vorzukommen {Pyccn. mi.i. Eiern. 1900, S. 212). 



310 


Lautlehre. 


Jahrh., das k wird immer zahlreicher and bleibt dann überhaupt 
unverändert *). 

sg führte in analoger Weise zunächst zu zdz, woraus zd wurde: 
Dal Lok. sg. Supr. 12. 8 von r \p/A 3 ra .Wald'. 

Es ist schon erwähnt worden, daß im Südslav. und Euss. die 
Erweichung des k, g [ch] erfolgt, auch wenn ein v zwischen dem 
Velarlaut und Vokal steht und zwar handelt es sich hier nicht 
bloß um ein diphthongisches e und das analog entstandene i. So 
haben wir im Aksl. iSiidslav. überhaupt) und Buss. ij,u - 1ttv ,Blnme, 
Blüte' i'Zogr. Mat. 6. 28 und Luc. 12. 27 für v.olvov, lilium) gegen 
poln. kwiat, b. kvSt, daneben auch heut;*, u,khcth ,blühen' (z. B. 
npe-nskTX. Ps. sin. 89. 6, Aor. npo-UKHCA Cloz. 840), p. kicisc, 
b. kvisti. Später belegt hkhaKth ,plangere‘, hr Iahth ,affligere‘ 
gegen p. kwüic, kwielic , b. kvüiti. 

Für ckv zu so haben wir nur den Beleg eakceh Supr. 257. 9. 

Weiter 3 bU3,j,u (Ps. sin. noch ,Stern 1 , r. 3Bfe r i,a. da¬ 

gegen p. giciazda , b. Jtvezda. 

Es muß hervorgehoben werden, daß dieser evident spätere Prozeß (weil 
nicht gemeinslavisch; mit dem e und s aus ä und g dafür spricht, daß der 
Übergang des i in c und j in : (da) auch dort relativ ein späterer ist, wo er 
noch gemeinslavisch war im Gegensätze zu jenem, nach welchem aus h ein 
i und aus g ein z geworden ist. Daher auch unicrx, ushcth, nicht *cvbtq, 
wie wir es wegen k und i (aus ei) erwarten möchten. Vgl. dagegen 
das oben S. 802 angeführte isA-aurne. Physiologisch ist der Übergang des ä 
in e, g in z (dz) und eh in s analog zn erklären wie der des h in c usw. Auch 
Mer ist zunächst k in t und g in cC Ubergegangen, wegen der Engenbildnng 
an der Zunge erklang aber nicht mehr ein s, s, sondern ein s, £, ts (eig. % 
ergab ein c, dann c und tii ein dz; ch ging direkt in s, hzw. dann s über. 

Über den Übergang des k in <?, bzw. c und g in z, bzw. dz, s 
vgl. E. Lenz: »Znr Physiologie und Glesch, der Palatalen« in KZ. 
XXIX, S. 1—59, instruktiv auch J. Storm, Engl. Phil., S. 291—295. 

Einzelspraehige Palatalisierungen der Gutturale. In 
den akBl Texten finden wir noch ein drittes Stadium der Er¬ 
weichung unserer Yelarlaute. Es sind dies die Halbpalatalen k, 
g, ch, die natürlich nur in Fremdworten auftreten konnten: kscap'S 
Lac. 3. 1 Mar. und Zogr.; urrYvj Supr. 1. 6; arreo'k Supr. 3. 2; 


1 Ohne s kommt das k vor e noch nicht im XII. und XIII. Jahrh. vor, 
sondern erst im XIV. und XV. Jahrh. und zwar eben nur vor e. 



Lautlehre. 


311 


kt». ra3cxj>ov',\HKnb¥. Zogr. Marc. 12. 43, Mar. hier: kt» 

KiiKR (ohne Erweiehungszeichen); papiH.ik Snpr. 386. 13. Das 
kommt äußerst selten vor, regelrecht ist es ohne Erweiehungszeiehen 
in den Evangelientexten. Für das r hat inan auch in der glag. 
Schrift ein eigenes Zeichen (oben S. 52), das z. B. im Zogr. regel¬ 
mäßig gebraucht wird. Dieses Zeichen entspricht auch dem se¬ 
kundären griech. y, welches in der intervokalischen Stellung auf¬ 
kam (z. B. TcccQaoxevy/j yvqtvystg usw., aksl. napacKfEkhn und -hh, 
offenbar ein dem j schon nahe stehender Laut, vgl. AfslPhil. XIX, 
S. 176—177). Bei dieser Erweichung handelt es sich überhaupt 
wieder um eine Verschiebung der Artikulationsstelle nach vorn, 
so daß man sich wieder der t-, (7-Gruppe stark genähert hatte 
oder sie ganz erreichte. 

Dialektisch kann es dann weitere Modifikationen geben. Im 
Dobromirsehen Ev. finden wir: chuchj ertpa KiepHHfU 115b 11 
und KiopHHH» 34b 17 (23a 28 noch KifpHNtio), wodurch offenbar 
ein c ansgedrüekt werden sollte (Jagic, S. 58) ! ). Die neuen Laute 
gehen in einzelnen slav. Sprachen und Dialekten leicht in f. d' über, 
wie im Russ.; vgl. S. 308 Anm. 1: ctkaask. 

Die Gruppe kt (aus nrspr. kt und gt). Folgt ein nichtpala¬ 
taler Vokal nach, so ergibt die Gruppe ein t-). So in a(t k ,Flug‘, 
darnach auch arr'kTH ,fliegen', lit. dagegen lekiü, lekiaü, Ukti 
dass.; aksl. nnrn», naoT-k, onafT-k und oiincn» ,Zann‘, dann 
nasrx .ich flechte 1 , narrXTTv ,sie fleehten 1 , darnach auch na«- 
TfuiH, narrtr-k usw., dagegen lat. plecto, plico , ahä.flihtu, gr. 

.c/.i/.ir ,Seil, Netz', iiati .der fünfte' (lit. penktas , lat. 
quintus aus *guinctus) und davon auch nATk ,funf. Vielleicht 
auch nork ,Schweiß', vgl. (ukx, nsuiTH ,backen'. 

Wenn ein palataler Vokal (oder {) nachfolgte, so wurde in den 
einzelnen slav. Sprachen dasselbe Resultat erreicht wie hei nrslav. 
fi (s. weiter unten). Es muß also schon im Urslav. eine Ver¬ 
änderung mit der Gruppe kt vor sich gegangen sein, die zu einem 
i führte wie eben das fi schon im Urslav. in t überging. Wahr- 

i; Im selben Denkmal auch noKjrkcTH 131b 1 statt rw-i,vt-cTn (Fehler?). 

ä ) Wohl k&ajn durch Assimilation, wie z. B. it. notte [noctem], diritto [di¬ 
rectum], frz. lütter [luctari], weil auch noch auf slav. Boden aus tt ein st ent¬ 
steht (vgl. die Infinitive auf -sti aus -t-ti). 



312 


Lautlehre. 


scheinlieh trat zunächst auch eine Assimilation ein, da aber das 
t vor dem palatalen Vokal einen gewissen Grad der Palatali¬ 
sierung erreichte, mußte es auch mit dem zu assimilierenden k 
geschehen. Im Urslav. scheint hier nur die /-Stufe möglich ge¬ 
wesen zu sein. Mit diesem stark palatalisierten / ans k mußte 
das nur wenig palatalisierte nachfolgende t ausgeglichen werden: 
ft' woraus f, das (dem Effekte nach gleich einem nrspr. ti), wie 
wir sehen werden, wegen der Engenbildnngen zu ts oder fs und. 
im Aksl. schließlich zu st führte. So haben wir den Inf. ntuiTH 
.backen 1 aus *pek-ti, vgl. run;& ,ich backe 1 ; uoijutk ,Naeht‘, lit. 
naktbs, got. nahts , lat. noctis (Gen.); uoujtk ,Macht 1 aus *moktis, 
*mogtis, vgl. uorx ,ich kann 1 ; ,\t».ujth ,Tochter 1 aus *d%kti, *dugti, 
lit. diiJctc, got. dauhtar , ai. dulntär-. 

Ein urspr. Mi liegt vor in iiAtuiTf, Gen. nAsiuTu (z. B. Mat. 
28. 4) ,Schulter 1 . 

Daß ein cht vor palatalen Vokalen analog wie kt behandelt 
worden wäre und ein st ergeben hätte, ist nicht ausgemacht. Ein 
Inf. Kß'KuiTH zu Kpnyx ,ich dresche 1 , den man immer auf Grund 
des serb. vreci ( vrijeci ) anftihrt, ist nicht sicher. 

Ausführlicher hat zunächst Miklosich die Ö-Gruppe behandelt: »Über 
die Lautverbindung kt in den indoeuropäischen Sprachen« (im »Festgruß an 
Otto von Böhtlingk .. .« 1888, S. 88—91). Darnach wäre aus kt in unseren 
Fällen ein jt geworden vgl. frz. conduit, nuit), durch Umstellung dann tj usw. 
Anders erklärt auch Brugmann unseren Lautwandel (Kurze Vergl. Gr. § 253, 
Nr. 5 : Jagic AfslPhil. XXII, S. 35). Leskien läßt nach der Palatalisierung 
das Ti in W ebenso schwinden wie das k in kt vor nichtpalatalen Vokalen 
(Handb.5 S. 61 und Gramm, der ab. Spr. 56—57;. Dagegen könnte vielleicht 
eingewendet werden, daß es hier überhaupt kein erweichtes Ti gab, sondern 
gleich schon ein aus k entstandenes t. 

Einige weitere Konsonantengruppen mit h. ks führte, 
wenn kein t unmittelbar nachfolgte, zu oh und zwar dureh die 
Vermittlungsstufen kch , dich, z. B. Aor. pltjf’k ,ich sagte 1 aus *reks%, 
zu ptuiTH; 

in Mt fiel dagegen das k aus: 2. p. pl. Aor. p'kcrf ans *rekste; 
iiactil (später belegt) ,Faust‘ ans *pmkttis (urspr. *pnkt-}, lit. 
Mmste ans *kumpste , *punkste , mit einem anderen vok. Elemente 
als Begleiter des ursprüngl. »). 



Lautlehre. 


313 


Ebenso in skt: Tkcro (später belegt) ,Teig* ans *tiskto zu 
tisk- in tia{k)nati ,drücken*, vgl. got. daigs zu deigan ,kneten*. 
Vielleicht gehört hierher anch das Suff.: -utvo aus *uktvo. 

Weiter in skn : ttvUjtatm ca (z. B. TTvurrjaun ca Cloz. 249) 
,emsig, beschäftigt sein, dringen* aus *tbsketi, dazu ttvChxth ca 
( später belegt) ,eilen, streben*. Hierher auch das oben S. 186 er¬ 
wähnte TttcHTk ,eng‘, ksl. noeh TUcirkErk, wahrscheinlich zwei 
Suffixe: no- und -wo- (dieses analogisch entstanden), ab. auch noch 
teskny, ebenso tieshi (jetzt tesny und tisen), ferner onp'KcH'kK'k 
und pücHOTa raon» (vgl. oben S. 186—187). eakchjkth (eauchh 
P s. Pog. 143. 6) ,erglänzen* gegen *EAUcKk .Glanz, Blitz*. 

Die Dentale t, d. 

Das t ist die Fortsetzung eines ursprachl. t : to aus *to-d .jenes, 
das*, gr. «5, ai. tä-d (lit. täs ,der‘); cTkp.v., crptTn (npo-cTkp,v.) 
.ausbreiten*), got. stravjan ,streuen, breiten*, lat. sterno, dazu auch 
c'rpdHA ,Seite, Gegend* aus *sfor-nä ; im Suff. -(o)-ta: ^at^ota 
,L änge* zu A/Vkrii ,lang‘; -tb aus -tis: mouite ,Macht* aus *mok- 
-tis, *mog-tis, got. mähte ; ,i,aTk ,Gabe‘; naMATk .Andenken*, lit. 
at-mintu ,Gedächtnis*; Infinitivendung -ti: E'm-th ,sein‘, lit.£»<»; das 
Partizipialsnffix -to: OT’k-EpkCT’k ,geöffnet* zu -ßph.3*, -Ep’KCTH. 

Selten entspricht es einem urspr. th: uatx. macth und kx- 
thth ,turbare‘, lit. mentüre ,Quirl‘, ai. mänthati ,er rührt*. 

d ist 1. ursprachlich: ^icate ,zehn‘, lit. deezimtis, gr. <5 exa; 
, 1 , 0 El k ,Haus‘, lat. domus , gr. douos; P'kjajtee. p'kj,\,ubR,wehklagen*, 
lit. rauda Wehklage*, ahd. riozan ,klagen, weinen*. 

2. urspr. dir. ,\Ekpk ,Tür‘, r % RC *P' b ,Haus, Hof, lit. dürys, gr. 
■&vqu. daiQoi, lat. foree: A.'kuiTH ,Tochter*, lit. dukti-, gr. &v?&t r.g\ 
.Honig*, gr. uidv, ai. mddhu. Suffix -de: K'k r \,f ,wo‘, ai. 
kuha. aus *kti-dhe ,wo, wohin*. 

Veränderungen der Dentale. Urslav. ti, di ergaben in den 
einzelnen slav. Sprachen verschiedene Resultate, die jedoch ver¬ 
schiedene Übergangsstufen noch im Urslav. voraussetzen. Im Ur¬ 
slav. ist daraus zunächst t, d\ d. h. erweichte Dentale entstanden. 
Wegen der Engenbildung zwischen der Vorderzunge und dem 
harten Gaumen entwickelte sich hier ein Reibnngsgeräusch, das 



314 Lautlehre. 

sich bei i dem S oder s, bei d' dem z oder £ näherte (vgl. oben 
S. 298 und 300', je nach dem Grade, den die Verschiebung der 
Artikulation bei dieser Palatalisierung erlitten hatte. Aus einem 
*$vetla aus *sretiß (vgl. ce’Kttj. ,Lieht“) und *vid’zq aus *eid{q 
zu RH,ytTH ,sehen‘) ist durch Antizipation des s, I ein *svesftut, 
*eild'zq und nach Verlust des zweiten J, z l ) endlich das aksl. 
ciiUWTu .Lieht“ (als Lichtquelle) und khik,\x ,ieh sehe“ entstanden. 
Diese Formen setzen ein svesfa, vizd'a voraus. Aus der aksl. Ortho¬ 
graphie kann man noch die Weichheit dieser Gruppen erschließen. 
Später wurde daraus einfach st und zd. Dieses so entstandene st 
und zd ist eines der am meisten hervorstechenden Merkmale des 
Bulg. und da es in den aksl. Denkmälern regelrecht anzutreffen 
ist, zeigt es am deutlichsten, daß das Aksl. in die Gruppe der 
bulg. Dialekte gehört (vgl. oben S. 3 und 38). 

In den westslav. Sprachen ist aus dem ß ein c, aus dz ein [d)£ 
geworden, später r, s. Aus dem fs. dz ist (neben dem angeführten 
Resultate im Bulg.) noch entstanden: im Serbo-kr. c und ct (gif), 
im Sloven. £ und/, im Russ. 6 und z. Leskien meint, daß viel¬ 
leicht fürs Urslav. is, d’z anzu9etzen sei, im Serbo-kr. wäre dann 
der urslav. Zustand am getreuesten erhalten: c, cl: das Russ. hätte 
£, £ in £ verwandelt (Gramm. S. 38). 

Im Anlaut kann scheinbar neben dem regelrechten Vorgang auch noch 
eine Modifikation stattfinden: neben der Antizipation des f kann das t mit 
dem nachfolgenden f zu £ verschmelzen, ein Vorgang, den wir sonst anch im 
Sloven. und Russ. überhaupt bei ti regelmäßig finden. So haben wir uitm,-- 
»;ah. ,fremd‘ aus *tiud{<>- (vgl. got. piuda .Volk“), daneben aber auch uoipKAs. 
In *tßdio- speziell wirkte das zweite j dissimilatorisch auf das erste, so daß 
auch ein entstand, das zu ts^jkas führte. Aber auch das id in ihto\-- 

das regelrecht entstanden war, wirkte dissimilatorisch auf das st im 
Anlaute, so daß auch noch ein ct«|tkaii aufkam. So kommt das Wort iu vier 
Variationen vor: ujtoi-ikak. >io\,-ika 1 ', und ct^-was. cToysKAfc. kann wohl 

als die jüngste Form darunter angesehen werden. Im Mar. ist T«fjKAt aus¬ 
schließlich, ebenso im Ass. und in der Sav. kn., im Zogr. ist tmpkak in 
Luc. 16.12, Joh. 10. 5, daneben aber im selben Verse uitnjkak; im Zogr. b ist 
wieder TmpnAfc (Mat. 17. 25 u. 26); im Cloz. ausschließlich to^tkas (361, 362, 
364, 367;, wie auch im Ps. sin. (17. 44. 46bis; 18.14; 43. 21; 48.11; 53. 5; 
68. 9; 80.10; 108.11; 136. 4‘, im Euch. sin. vorwiegend tc^-jkai, (68b 5—6: 
77 b 6; 102 b 10.19; 103 a 7. 22; 104 a 6), einmal auch ct«pkaa 68 b 3—4 (gleich 


*) Vgl. ans *izdzenq, *iz-d-ienq. 



Lautlehre. 


315 


darauf T«f»AM; in den Kiev. Bl. nur to«,-3h.m-k V b 10—11. Von allen diesen 
Denkm., die also ausschließlich oder vorwiegend T«y*M haben, weicht nur 
Supr. ab, wir haben darin nnr uiT«f*At. etwa 14mal und cto^-jkaa siebenmal. 
Die Belege in »Zur Kritik der aslov. Denkm.« S. 35 {775 . l ]. In den späteren 
Denkm. {im Trn. Ev., Ps. v. Bol., Pog. Ps., Ap. v. Ochr. u. a.) finden wir T«y- 
*Ak. In Kopitars Triod. {XIII. Jahrh,’ kommt endlich ujomsa« 44 vor neben 
t«-3kah.uh 70b und «-t^»ab«k e* lb (PyccK. *h.i. nicra. 1906, S. 214). Es fällt 
nun auf, daß wir in den aksl. Denkm. wtkas nicht finden, obzwar es jetzt 
im Bnlg. ganz gewöhnlich ist. Es maß demnach in einem Dialekt und zwar 
vielleicht in einem Grenzdialekt vorhanden gewesen sein und von hier ans 
ist es dann allgemein geworden. Es kann in den vlacho-bulg. Urkunden und 
später dann häufiger belegt werden (JlaBpom, Ofoopv, üpiraonc. S. 174'. In der 
bg. Laibacher Hs. (XVII. Jahrh.) lesen wir z. B. nw.-kahhuh 39a (Je«)?). Des¬ 
gleichen ist es auch in den gerb. Denkm.: mexAk (Danicic, Kjeen. III, S. 479). 
Das ist das einzige Wort, welches hier noch in Betracht kommen könnte. 
Wenn neben «nrrayrHTH vereinzelt ou^-thth vorkommt 2 ;, so könnte man es 
vielleicht mit uo\-th in Zusammenhang gebracht, haben, da ja das Wort ver¬ 
loren ging, eventuell könnte es ans demselben Dialekt herriihren wie MoyatAk. 
In den aksl. Denkm. finden wir nur <mut«-thth. Es wird also fiir den Anlaut 
kaum eine Ausnahme zu beweisen sein. 

War vor dem ii, di eia s oder z, so sind diese Konsonanten 
vor ß, dz palatalisiert worden, so daß man direkt zu iß, bzw. 
zd'z kam, woraus wieder st, zd wurde, z. B. Na-oyujTATii iter. zu 
Hd-ovcTHTH ,überreden 1 ; analog novniTUTn zu noycTHTH ,lassen, 
schicken': ß r krN'fc;KAkUJK>Moy ca (rHt3AHTH ,nidulari‘) Euch, 
sin. 56a. npHrsoacA f H’K Part. prät. pers. zu npH-rK03A«TH ,an- 
nageln'. Im Westslav. ist aus sc [sti] sc geworden, daher in den 
Kiev. BL ohhuiu£hh< V 15—16; III13, wie auch für das aksl. st 
aus sk: sjiuuhthth sechsmal und in den Prager Fragm. na coy- 
AHU1MH IIB 21. 

Folgte das i auf ein tr , dr, so konnte derselbe Prozeß trotz 
des r, das natürlich zunächst zu r erweicht wurde, vor sich gehen; 
C KUoujTpa; Supr. 332. 30; pacEJaiUTpUyTy 301. 3; ckMouiTpaayjt; 
184. 8; OKAurrpeHHie 330. 29; oyuavatAP'KfT'k Ps. Bon. 145. 8, 
doch war dies nicht allgemein, daher im Ps. Pog. an unserer Stelle 
oyuxAP’fcsTk. So auch neben den früher erwähnten Formen mit 

1 ToyatAeponsAiHHie 375.15 {490.14 Severj.) ist zu streichen, da es dem 
griech. to buoyevis entspricht. 

-j Miklosieh zitiert Vergl. Gramm. I 2 S. 221 ans einer späteren Quelle 
«moT-kuie; das daselbst zitierte ««usthiu,» Mat. 24. 39 aus Ass. ist unriehtigj 
das Denkm. weist die richtige Form auf. 



316 


Luntiehre. 


iir im Supr.: cküATpA’me 88. 29: c'kiieTpaAUJf 92. 17; cTi.yc>- 
TpiHH!6 313. 13; cTiUcrptHk« Cloz. 794; H3MX < i,p-KBaax'^. 399. 1 
neben np-KmixiKApATH ca Snpr. 21. 24. 

Auch durch ein u wurde der Prozeß nicht aufgehalten: oy- 
«piiUiTKiHO noKaaHHf Euch. sin. 73b; oytipTkiuTBkuiAAro (Part, 
prät. act. I) ib. 39b zu oy-MpkTEHTH, -upkuiTRABR; oyupTv- 
ujtbeho (sollte eig. — wie auch oben — oyMpkUJTKAENO heißen, 
das kommt aber nicht vor) Supr. 561. 26—27, oyiupkuiTBENHiB 
561. 1 neben oyupkUiTttJH 349. 9 und oyupkuiTfH’k 456. 6; oy- 
upivipKUfisH tcu’k Ps. sin. 43. 23 (so auch Ps. Pog. und Bon.); 
oyup'kuiTBeH'kiy'k 78.11 (so auch Pog. und Bon.); 101. 21 (so 
auch Pog. und Bon.). 

Doch auch hier war die Erweichung nicht notwendig: EAAro- 
cAoßfCTBfHHCi Supr. 493. 18; KAaroAupkcTB-Eauie 300.21 n. a. 

Das it, zd findet Eingang, wo es ursprünglich nicht berechtigt 
war: pcska^ctbo ,Geburt 1 st. po,\,kcTEiO i) unter dem Einfluß von 
pojKpAN'kj potKAfHHie usw. Über den Bohemismus p03kCTE0 im 
Mar. und Cloz. vgl. oben S. 13. Miklosieh zitiert auch ein crpa- 
;tc r \uKu ,passio‘ aus Pat.-Mih. (auch im Lex. pal.). 

Formen wie npHyoA'fcayx st. -yo^Aiaayai Supr. 568. 25 und 
paAtayx ib. 180. 2 sind analogisch (nach III 2) gebildet. In den 
späteren Denkmälern findet man dann nicht selten Formen wie 
KHAA (f. KHJKA^), pOA eMJ ; nOcaAEHO, OTArOTEHTi, 3anp1iTAH0 
u. a. (Lavrov, Odsopx S. 98). 

In späteren Denkmälern, die nach Makedonien hinweisen, wird 
uit und ;ka von erweichtem k und f vertreten, wie wir es auch 
heutzutage in den dortigen Dialekten finden (1. c. S. 97). Es wurden 
auch bei der Frage nach der Heimat des Aksl. Zweifel ausge¬ 
sprochen, ob überhaupt die maeed. Dialekte, die ja bei dieser 
Frage zunächst in Betracht kommen, unser ujt und jka gekannt 
haben 5 ). Allein in der unverfälschten Volkssprache des Debra- 


*) So z. B. ott, poAcvea Ass. Joh. 9.1. Im Cloz. neben p»3acT8o und p«- 
iKA-kcTB« auch pojK-kcT«« 881. poAkcvEo finden wir auch im Euch. sin. 10 b- 
- Auch Miklosieh machte gegen die »macedonische« Theorie geltend, daß 
die maeed. Mundart des Bulg. nicht einmal das als entscheidend angesehene 
et nnd zd t'esthalte und neben dem ersteren h, fcj, neben dem letzteren g, gj 
gebrauche Altslov. Formenlehre in Paradigmen. Wien 1874. S. xxx). 



Lautlehre. 


317 


gebietes und in der nördlichen Umgebung von Saloniki fand man 
st und zd, was auch von Oblak (Maeed. Studien S. 64} bestätigt 
wurde. Die Mehrzahl der maeed. Dialekte hat allerdings k, r, 
wodurch dort ein Übergang zum Serbo-kr. gebildet wird. 

Serbo-kr. Denkmäler. Die serbo-kr. Sprache hatte ein 6 für 
aksl. St und für zd ein ct, aus welchem sich auch ein j entwickeln 
konnte (so im Kroat. und Cakavischen). In den älteren serbo-kr. 
Denkmälern wird nun zunächst das aksl. lut und >ka regelmäßig 
geschrieben und zwar sowohl in den glag. als auch in den eyrill. 
Denkmälern. So finden vrir z. B. in den Wiener Bl.: Hacmp’kujf 
ct Aa 6, cA*K3Ei|i£ ib. 13, iiomoijjh ib. 13; nop,ajK r VK Ba 13, 
Tpe\ , 'JKp v a(£M)'k Bb 9 usw. Ebenso im Grskovicschen Apostel- 
fragm. und in jenem des Mihanovic. So finden wir es auch dann 
in den späteren glag. Denkmälern, für jka tritt hier aber nicht 
selten ein j ein, das entweder als nr *) oder h geschrieben wird. 
So z. B. npufie = nptJKAf Luc. 22.15 im Missale des Kn. Novak 
(fol. 84); uetno = ut^A" 5 ib.; pohctko = pojKA tCTßC> ,natalitia‘ 
(Bercic, Dvie sluzbe S. 35 und 36). 

So war das uit, jka aueh in den älteren eyrill. Denkmälern, 
z. B. im Miroslavschen Ev. Hier kommt auch fi vor, aber nur für 
das griech. g vor palatalen Vokalen. Dieses Zeichen, das unter 
dem Einflüsse der Glagoliea zunächst in Bosnien in die Cyrillica 
Eingang fand (vgl. oben S. 66), wurde zunächst für (t gebraucht, 
später auch für c. So kommt es im Nikol’sko-Ev. zwar für das 
griech. g vor, z. B. aufifuk Mat. 1. 24, 2, 13 usw., aber auch für 6: 
cv'MffcsMk Lue. 5. 5; KktiffiHTE Lue. 5. 4; Uffimik Joh. 19. 24. 

Außerdem findet man, freilich zumeist in den mehr selbständigen 
Äußerungen der Sprache wie z. B. in Urkunden, nach der griech. 
Aussprache des und y vor palatalen Vokalen auch ein k und r. 

In den russ. Denkmälern haben wir zunächst St und zd, für 
letzteres kommt aber schon im Ostr. Ev. nicht selten einfach jk 
vor, entsprechend der russ. Aussprache: 3asrtai>K'kiuHH j '(T». 56, 
3JBASiJK'kuiAiA 55, npHyoauR 23 (neben npnjfoJKA^ 30, 289, 
npn)fo?KAaauu£ 114, 238, npHyo/KAAa\'X 9, HcpjKAaain« 233, 
254, 255, 282 usw.), np'kJKe 52, 119, 146, 174,181, npta« a« 1 ^* 


*) Vgl. üfBäntiAHcTK (Bercic S. 38 . 



318 


Lautlehre. 


Ht 7, 34, 47, 174, pomtcTBO 216, 251, 277 usw. (alle Fälle bei 
Kozlovskij S. 113 — 114). Das uut ist hier dagegen fest (meist 
als 4 i*), doch kommt auch uit noch vor: aurrs 25, euite 206, 
hliitiuih 208, iiapfiiiTii ca 118, vgl. Kozlovskij S. 10). Neben 
dem Ostr. kommt uit nur in einer geringen Anzahl von Denk¬ 
mälern vor, so z. B. in den Pand. des Ant., in den XIII Red. des 
Greg. *), in den Menaeen. Als Regel gilt i|i schon im XI. Jahrh., 
und wenn uit später (im XII. Jahrh.) auftaucht, ist es eine große 
Seltenheit. Es wurde als iS ausgesprochen. Diese Aussprache 
verrät sieh manchmal auch in der Schrift, allerdings sehr selten, 
z. B. kTj. ujHXJKAd’p». iidiucTa\'Tv (= ipoi'mp.dy'k) in XIII Cjcobx 
rparopia Bor. 78« 6 , hier auch noch Formen wie hmxuiue, ot- 
ß-EiuMd, HuihHWTk Ev. v. Luck (XIV. Jahrh.) 88 b. Im Gegensätze 
zu m für mp, behauptete sieh 41 mit größerer Zähigkeit. So zitiert 
Buslajev \'chetk, p.’kHEpt für yoqiETu, p/tupepiv erst aus dem 
Ev. vom J. 1807 (Polykarps Ev., Ilerop. rpastM. pyccK. as. 5. Aufl., 
S. 71). Neben der gekünstelten Aussprache als iS wurde es also 
auch schon nach russ. Art ausgesprochen. 

Die böhm. Redaktion äußert sich durch u, für i|J und z für 
mp,. So finden wir in dem Prager Fragm. K’kn’kwut st. Bm- 
n'ivKRipi IIB 22, HackHivEuuro IIB 23, TdiAnaro ca HB 15—16 
usw.; ferner: oyTKpkBEHHSIB22, p03'kcTB0IB 16—17, po 3 Tico(!) 
IB 10. Ein 41 oder mp, kommt hier überhaupt nicht vor (cor- 
P.hui'ih IIB 21 gehört natürlich nicht hierher). So finden wir auch 
in den KieverBl. ausschließlich u und 3 (vgl. oben S. 29), was 
entschieden als Bohemismus zu deuten ist. Vereinzelt finden 
wir auch in den aksl. Denkmälern Formen mit z (insbesondere 
p03kcTK0 oben S. 13), bzw. mit 4 (Psalt. sin. oben S. 22). 

Schwierigkeiten bereitet die Erklärung des 3 auiTHii,diA im 
Supr., wo es zweimal vorkommt (oben S. 35). 

Aus tt, dem auch dt zugrunde liegen kann, entwickelte sich 
zunächst tut, in welcher Gruppe das erste t verloren ging, so daß 
ein st entstand: mscth aus *met-ti ,werfen 1 , kecth ,führen 1 aus 


! ; Deshalb behauptet sieh qi, weil man es als einen besonderen Laut 
gekünstelt anssprach. 

- Z. B. CK’fciJlTJ 38 S, ÖK|UU1TJ CA ib. usw. 



Lautlehre. 


319 


*ced-ti. Hierher gehört auch die 3. sg. A dC ' r ' K ,er wird geben 1 
aus *död-ti\ hctt». ,er ißt“ aus *jad-ti ; Rtccr-k ,er weiß“ aus 
*ved-H ; die 2. du. r v,acTj, hctj, irkcTa; die 3. du. und 2. pl.: 
AUCTt, tacTt, KtcTt. Bei der Stammbildung: Eaarra ,Macht“ aus 
*cold-tü; caacTK .Süßigkeit, Wonne“ aus *sold-tis {vgl. caa^kK'k 
.süß“ aus *sold-bki); n-kcTca-trk .paedagogus“ (später belegt) aus 
*pet-tuno- (vgl. iihtUth ,nähren“, iihtomti ,gemästet, fett“). 

Analog müßte dd ein zd (urspr. dzd) ergeben, doch haben wir 
im Äksl. keinen sicheren Beleg. Diese Prozesse sind aneh schon 
vorslavisch. 

Da es im Slav. sehr viele Infinitive auf sti gab, wie bictm, 
micth, rnfcTH .kneten“, rpACTH .kommen“, konnte sti leicht als 
eine Infinitivendung aufgefaßt werden und auch dort eindringen, 
wo aus lautlichen Gründen im Inf. nnr ein -ti war, trotzdem die 
Verbalwurzel konsonantisch war. In den aksl. Denkmälern kom¬ 
men zwar derartige Inf. auf sti noch nicht vor, sondern wir haben 
hier Inf. wie upKTn (Supinum noHp'kr'k Joh. 4. 7 im Zogr. und 
Mar.) ,sehöpfen“, nc-uptTH Supr.551.4, no-rprrH Zogr. Mat. 8. 21. 
22; Lue. 9. 59. 60 und auch in anderen Denkmälern. So schon im 
Ev. Dobromiri (XII. Jahrh.) noupUcTH eo,i,w 131b 1 (bei Jagic, 
Ev. Dobr. 76 kein Druckfehler: noupUcTH). Später drang auch der 
Kons, wieder ein. Lavrov zitiert schon aus dem Ev. des Grigor. 
XII. Jahrh.) 13 ein norpeukCTH, ferner nonpnnkcTH, noupkECTk 
aus dem Sevast. Sborn. (OÖ3op'B S. 191 und IIpHioa:. S. 139). 

Im Nik. Ev.: norpicTH Mat. 8. 21. 22; Luc. 9. 59. 60. Die 
Formen mit dem Labiallaut sind jünger (solche führt auch Daniele 
an in seiner IIcTopnja oö.niKa S. 246—247); das ersehen wir z. B. 
auch aus dem Böhm. 

Vor s geht t und d verloren. So schon in der oben erwähnten 
Gruppe sts: uicth aus *metsti\ Aor. B'Sck ,ich führte“ aus *vetsT>, 
*vedsb ; r \,acn ,dabis“ aus *dödt> t; Katen .Bissen, Stück“ ans *kontso-, 
*kondso-, vgl. lit. kemdu, kqsti ,beißen“: Hwcao ,Zahl“ ans *eitslo 
zu ikTX, mhcth ,zählen“; txcah pl. ,Zither“ aus *gqd-sli zn ra;,\,,v., 
rxcTH ,citharä canere“; hcah pl. Krippe“ zu Jad in iauk, bcth 
,essen“. 

Analog in tm und dm-, ocu’k ,der achte“ aus *ostmo- (vgl. ai. 
astati und a^tamds ,der achte“, lit. asztum ); r \,aiJL ,dabo“ aus *dödmi\ 



320 


Lautlehre. 


pwuliH’k ,rot ! (Snpr. 133. 8) aus *rudmeno-, vgl. pOYA d ,Erz, 
Metall 1 {Supr.j; natu-a ,Stamm 1 aus *pledmen, vgl. naoATk,Frucht 1 . 
In ci.vu'k ,der siebente 1 und ci,i,wu ,sieben 1 war urspr. *sebdmo-, 
daher ist das dm geblieben. 

Wie im, dm wird auch tn und dn behandelt: ckuhäth Auf¬ 
leuchten. Tag werden 1 , vgl. crktüth ,leuchten 1 ; npH-cKANjuTH 
,verdorren, verwelken 1 (Aor. npHCBA^f Marc. 4. 11, Mar. Zogr., 
np«CKAHX\'k Ps. Pog. 101.5); K'kn-ETuwrH Aufwachen 1 gegen 
G'kp.’STH ,wachen 1 . 

In den Gruppen tl und dl ist im Südslav. und Russ. die voll¬ 
ständige Assimilation eingetreten: nAtai* Part. prät. act. II zu 
narra; ,flechte 1 (b. dagegen pletl, p. plotb), ebenso naak. zu na/t,*, 
n.icTH ,fallen 1 ; hioahth ,bitten, beten 1 , r. mo-ihtl (b. modliti , p. 
modlic); paao ,aratrnm £ (Lue. 9. 62 Mar. u. a.) aus *or-dlo (b. rädlo); 
ciao i) , Acker, Gehöft, Dorf 1 (ans *$ed-lo). 

Dentale werden eingeschaltet: sr wird zu str , z. B. in 
ocTpk ,scharf 1 , lit. aszrüs, daneben dial. asztrüs, gr. uy.gog ,spitz 1 ; 
mvCTp’k .bunt 1 ans *pxs-ro-, vgl. flkcuTH schreiben 1 , gr. mnv.ü.og 
.bunt 1 ; ctcTpa ,Schwester 1 aus *sesra, lit. sesu, gen. sesers; CTpotfta 
,Humen 1 (Supr. 57.18 und 476. 28), o-CTpoR T k ,Insel 1 , vgl. gr. qbsi 
,er fließt 1 , ai. srävati dass., lit. srot6 neben dial. strovö ,Strömung 1 . 

In N«3ApH ,nares‘ zu noc% .Nase 1 und aiasapi (später belegt) .membrana 1 
ist wohl nicht ein i gegen die Regel eingeschaltet, sondern es dürfte sich 
hier um ein eigenes Suffix, wie man annimmt, handeln. 

Aus nr wird ndr: mxa.P’U ,weise 1 . 

Die Labiale p, b, v (m). 

Das p geht 1. auf ein urspraehliches p znrück, z. B. nATk 
.fünf 1 aus *periktis , lit. penki, gr. rckvxt, ai . pänca\ npo-(und npa-), 
lit. jor«-, pro, got. jra, lat. pro, pro, gr. tcqö, ai. pr&\ 2. ein urspr. 
ph (sichere Belege ans dem Aksl. nicht vorhanden). 

h ist 1. uraprachlich, z. B. so/Thh ,größer 1 , vgl. lat. de-Ulis 
.kraftlos, schwach 1 , ai. bälam ,Kraft, Stärke 1 ; 2. geht es auf ein 
bh zurück: Ktpx, KkpaTH ,lesen, sammeln, nehmen 1 , got. baira, lat. 


1 Vgl. damit lat. seih aus sed-la, got. aber sit-l-s ,Sitz‘. 



Lautlehre. 


321 


ferö , gr. tpiou. ai. bhdrämi; KpaTpTi, Epark ,Bruder', lat. fräter, 
gr. (pQüTuo^ ipQÜTrß. ai. bhräiä. 

Das labiodentale spirantische o entwickelte sich aus dem bi¬ 
labialen nichtspirantischen u (auch w geschrieben) unter bestimmten 
Bedingungen und zwar 1. im Anlaut vor Vokalen: ßt3*, kicth 
, vehere‘, lit. ve£ü , veiti dass., got. ga-wiga, gr. %x°$i «i- tsäkämi; 
Kack ,Dorf', lat. vicus, gr. folxog; ß.ikK*K ,Wolf‘ aus *uilko- (ur- 
sprachl. *nlko-], lit. eilkas, got. vmlfs, ai. rfkas *). 

Aber vor einem r, I, das nicht silbisch war, ist es geschwunden 
und zwar wahrscheinlich schon im Balt-Siav.: pCTJ ,Eid‘ (dav. 
poTHTH ca .unter Flüchen etwas beteuern 1 ;, el. poärocu att. dijroa 
.Vertrag 4 , ai. r ratTim .Gebot, Satzung 4 ; P’Rujhth ,lösen', lit. rttzü, 
riszti , binden', got. icruggo ,Schlinge 1 ags. wrinzan ,fest zusammen- 
drehen', W. ureik'\ pc.v'k .Geburt, Geschlecht 1 , ai. trädhani- ,empor¬ 
steigend, großtuend 1 . Vgl. Liden »Ein balt.-slav. Anlautgesetz• 
(Göteborg, 1899) und Meillet MSL. IX, S. 142 f. 

2. Intervokalisch: hobt». ,neu‘ aus *ne%o-, gr. vefog, ai. ndvas ; 
Nom. pl. CTJHOK6 ,Söhne' aus *8üne^es, ai. sünavas , vgl. gr. r-deeg 
,suaves‘; Gen. sg. der «-Stämme: cBeupTkRe zu cEfitp'u Schwieger¬ 
mutter 1 und in anderen Kasus; das Part. prät. act. I hei vokaliseh 
auslautenden Verbis: eh^-rktv ,der gesehen 1 , .i.aß'k ,der gegeben 
hat 1 ; die Endung der 1. da.: Et^tB'S ,wir zwei führen 1 , vgl. lit. 
veda-va. 

3. Postkonsonantisch: nach b, p ist es schon im Urbalt.-slav. 
gesehwnnden, während es sieh nach anderen Konson. als v behauptet, 
z.B. OEAaK'b.,Wolke 1 aus *ob-uolko-\ ok<vR;«th, OKA-kKxfgalyUiTH) 
,induere‘; okht’R.sk .Wohnung, Herberge 1 , vgl. bhtath .sich nieder¬ 
lassen, wohnen, einkehren 1 ; okhth, okhss ,einwickein‘ (zu shth 
wickeln, winden 1 ); trky'k Aor. aus *blnßcht>, *iuecln zu *bheu 
(ktüth ,werden 1 , auch im Konditional z. B. ehu'k .wir wären 1 ). 
Auffallend ist auch der Ausfall des w in cscrpa .Schwester 1 , ebenso 
in lit. sesä, sesers dass., got. dagegen stoistar , ai. sväsar , lat. soror 
aus *sueror, *$iioror. In cuEHpTO ist das v erhalten (also auch 
nach einem s und vor einem e). 


’) Über st. E’kcfA£nj3 im Psalt. sin. n. dgl. vgl. oben S. 161). Das u 

st. a-k ist insbesondere auch eine Eigentümlichkeit des stokavischen Dialektes. 

Vondräi, Altkirehensl&visclie Grammatik. 2. Auä. 21 



322 


Lautlehre. 


Nach anderen Konsonanten bleibt es: A BK P bk ,Tür, Aßop'k ,Hof, 
Haus 1 , gr. &vqü ,Tttr‘, &aiQÖ$ .Türangel'; 3Btpk ,Tler [ , lit. iveris 
.wildes Tier 1 , lat. ferus, gr. SrjQ; MpkTB-k ,tot‘, lat. mortuus ; im 
Suffix -tko: -mkcTBO in npmukCTBO, npmukCTBHie Ankunft' 
(aus *Sbd-ttio), skatba ,messis‘, moahtbj .Gebet'; es ist auch ein 
Bestandteil des Suff, -kctko : ,r,'RßkcTiio ,Jungfrausehaft', poaCAk- 
ctko .Geburt 1 . 

4. Prothetisch entwickelte sich vor einem k und y im Anlaute 
immer ein u {/■), mitunter auch vor o und x. und anderen: iitvIihth 
gegen i’.'ka'kfiHTH .rufen 1 ; KTv ,in‘ (vgl. S. 129 u. 296); ßmicoirk 
.hoch 1 (aus *T/psoko-, vgl. gr. ihpi ,hoch : ; roh« ,odor‘ gegen gr. 
uvmoi (vgl. oben S. 294); K^sa und eassath (S. 295). 

Hier wäre noch zu bemerken, daß für urspr. eu ein -ov- ein- 
tritt (S. 105). daß ferner ein intervokalisches y, mit unmittelbar 
nachfolgendem i zu einem u wurde, so daß «-Diphthonge, die 
natürlich später monophthongiert wurden, entstehen konnten, z. B. 

,link ; , ai. dagegen savyäs aus *se-u{o- (Verschiebung der 
Silbengrenze: *sey-%o-, *seu-io~). 

Über m wird im Kapitel Uber die Nasale gehandelt werden. 
Hier kommt es nur wegen einer Eigentümlichkeit, die es mit den 
übrigen Labialen teilt, in Betracht. Darüber gleich im folgenden. 

Das sog. epenthetische 1. Aus pi, hi, v{, mi wurde pV, ll\ 
vl', mV, z. B. aus zemia entstand 3EI.1AH, aus kupiq KOVnAiw. usw. 
Das r ist als ein Gleit- oder Übergangslaut aufzufassen, der hier 
während des Überganges aus der Artikulationsstelle des Labials 
in die »-Stellung mit nachfolgendem Vokal aufgekommen ist. Statt 
einer bloßen Annäherung des vorderen ZungenrUckens an den harten 
Gaumen kommt es zu einer vollen Berührung (der Vorderzunge mit 
dem Gaumen), wie ja auch bei der Aussprache der Labiale gleich¬ 
zeitig eine Berührung (Verschluß) der betreffenden Organe statt¬ 
findet Durch die gleichzeitige, momentane Eröffnung dieses Ver¬ 
schlusses längs des ganzen Artikulationstraktes wird offenbar auch 
eine größere Mouillierung erreicht. Die Gelegenheit zur Entstehung 
dieses Lautes bietet sich hei io- und jä-Stämmen (z. B. RTinÄk 
,E.uf\ 3£üA0 ,Erde ! ), daher auch bei gewissen Komparativen wie 
kp'Riia'mh zu uptmvK'k .stark' und Possessivadjektiven wie 0 KOßAk 



Lautlehre. 


323 


.Jacob! 1 , in der 1. P. sg. der Verba der III. KI. 2. Gr. ;z. B. tpmiabr 
zn Tpkfi'RTH .leiden ;, in der 1. P. 8g., im Impf., im Part. prät. 
act. I, im Part. prät. pass, nnd den davon abgeleiteten Verbal¬ 
substantiven der Verba der IV. Kl. (z. B. aokakk, A0EAB4\"k, aokak, 
.\OEAi€H'k, AOKÄH5:-uiie zu AOP.HTH Jagen 1 ), in den Iterativen wie 
octakahth zu ocTAEHTH ,zur1ieklassen‘, in den Präsensformen 
der Verba der V. Kl. 2. Gr. ruKA«*., r’MKAKUim usw. zu nuKATH 
.zu Grunde geben 1 ). 

Die absl. Denkmäler 5 ) verhalten sieb im allgemeinen nicht 
gleichmäßig diesem l gegenüber. Kur in den Kiev. Bl. finden wir 
es überall dort, wo wir es auch erwarten und so haben wir hier: 

et»;kakeasm'!!.hmi VS — 4; H3KJKA(HH't IV 10 ; npHiMMATV V 4; VI19; np-kcTA- 
KAtHH-fe VI 5—6. npHS.MAI*Hf III 12. npHf.UAH V 6. 3«AlAkCKA’k IV 22—23 ; 3iiUAh- 
cK-v.H\-n. V 22. Fünfmal steht es hier also vor «. dann je einmal vor h 
und k. 

Im Zogr. fehlt das l häufig im Part. prät. act. I, einigemal 
vor h und t. 

Wir haben hier nämlich: askiua ca Luc. 9. 31; ahrkuje ca Lee. 20. 26; *pi- 
EkHHiAVK Mat. 5. 21. 33. AP«k»HM-k Mat. 5. 27; .ifAi-kHujck Marc. 4. 31; nepask Mat. 

4. 22; 14. 82, ttepjsk Mat. 9. 1; 13. 2; 14. 22. 24; 15. 39; Mare. 8.10; Lue. 5.11; 
«cTAKk Mat. 4. 13; 13. 36; 16. 4; 26. 44; Marc. S. 13; 14. 52; «ctaiuim Mar. 4. 
20. 22; Mare. 1. 18. 20; «cTAKkiu« Mat. 26. 56; Mare. 7. 8; 12.12; 14.50; Lne. 

5. 11; 10. 30; 20. 31; npHcrxm (-ifk) Mat. 8. 2. 10; 25. 24 : 27. 58 ; 28. 2; Marc. 
12. 28: 14. 45; npHCTxnkiua Mat. 26. 60; npKcTxrikuK Mat. 13. 10; 14. 12; 15. 12. 
23; 16. 1; 26. 50. 73; Mare. 6. 35; 10. 2; Lne, 8. 24; npiKTxnuiMM'k Mat. 26. 60; 
npacT xhmiih Mat. 28. 9; Lne. 8. 44; optwA«, Mat. 14.19: c-kn»,vsK-uii«H Lne. 20.36. 

Demgegenüber zeigt sieh das / vor k: akpaaaiak Mare. 12.26; 19.9; e-a- 
3A»EAk Job. 13.1; E-kriAk Mat. 25. 6; .\sif!.A»Kü\"k Lue. 9.8, APHsSmuip, Lne. 9.19; 
lasAsiÄkius.« - !, Lne. 1. 74; rbtesä. Marc. 12.26; Job. 4. 6; KtpaeÄk Mat. 8.32; Mare. 
6.45.47.51; 18.13; Luc. 8.22.37; Joh. 6.21 (bis;. 22: 21.3; wnAk Mare. 15.46; 
K*n:.utiA<r* Job. 2.16: n»ra.-KAk Lee. 15. 3; necTABAkuie Joh. 8. 3: npHcrxn.Sk Mat. 
25. 20. 24 ; 26. 49; Marc. 1. 31; Lne. 10. 34. npHCTxn,u> Mat. 25. 22; 28. 18; Lne. 
7. 14; npHcTxuÄkuiA Lne. 9. 12. 

Fast analog sind die Verhältnisse vor i. Ohne h atiSu Mat. 8. 6; 25, 25; 
Lne. 14. 35; am« Mat 5.13; 6.19; 9. 26. 31; 10. 15 bis, 29. 34; 13. 23; Mare. 


*; eak'.vx usw. wird bei den folgenden ZusammensteHungen natürlich nicht 
berücksichtigt, denn hier blieb das l fix als in einer Wurzel befindlich an- 
lantende Silbe); ebenso in riAkiuvH, rakm*, KAkBOTHtru u. dgl. Jetzt noch im 
Bnlg. 6xmm>, mtos, Sunaaii, Smboui usw., dagegen ist in den suffixalen Teilen 
das l epenth. fetzt im BuSg. im allgemeinen unbekannt bis auf Grenzdialekte,'. 

21* 





324 


Lautlehre. 


2.10; Luc. 5. 24; 8.15; 11.2; Joh. 8. 6; k«paeh Mat. 4. 21; 14.13.33; Marc. 
6. 21; 8. 14; nepABHua Luc. 6. 2; KepjsHH» Lue. 5. 3. 

Für l gestaltet sich hier das Verhältnis etwas günstiger: 3 im&i Mat. 6.10; 
13.8; 27.46; Marc. 6. 47; 8.6; 9.201); 14.35; 15.33; Luc. 8.8; 12. 56 (simHi); 
16.17; 18. 8; 21. 23. 25; 23. 44; Joh. 6. 21; 8. 8; 12. 24; 18. 6, 3 (mah Mat. 11. 
24. 25; 15. 35; 16.19(bis); 28.18; Marc. 4. 20; rkraBÄH Luc. 1. 33; k»paeäh Lue. 
5. 7, KäpAK.iH Joh. 6. 23; K«paEAHU(.»k Joh. 21. 8; aptnÄH Luc. 3.16, aptnaHi Luc. 
11 . 22 . 

Vor e ist das l nur einmal ausgefallen: npHcTABSHw Lue-5. 36; baafocao- 
BtHii Mat. 25. 34, KAaracAOBoci. Joh. 12. 13, carBmAAro Marc. 14. 61, EÄrcetHa Luc. 

1. 28 u. BArceora Lue. 1. 42 kann nicht anf gleiche Stufe gestellt werden, da 
wir dieses Wort ohne l im Ass., in der Sav. kn., durchwegs so im Euch. sin. 
nsw. finden. Aus der Abkürzung im Mar. ist nicht ersichtlich, oh das Wort 
mit oder ohne l zu -verstehen sei. Mit l haben wir es im Ostr. (z. B. Mat. 
21. 9). In diesen Formen ist also das l frühzeitig geschwunden und zwar 
offenbar wegen des vorhergehenden l in der Silbe slo, so daß wir es hier 
mit einer Art von Dissimilation zu tun haben. Im Psalt. sin. ist vorwiegend 
EAArocAOEicTBiNTi, z. B. 17.47; 27. 6; 30.22 ; 71.17.18.19 nsw. Wir werden 
noch andere derartige Fälle kennen lernen (wie bti3ai«i;J£n-b, vcaakaeh-k usw.). 

Unvergleichlich häufiger ist hier das l: ABpaaatM Luc. 16. 22; Joh. 8. 33. 37; 
ABAfNMe Marc. 4. 22, txSeNhi Luc. 8. 17, aba(hhi Bl. 129 b, asitHkt Luc. 1. 80; bb- 
3iA»AiuiH Luc. 19. 21; Joh. 10. 24; R-kaÄKu.ttii-B Joh. 14.21, rti3ak>eÄ(hu Mat. 3.17; 
12.18; Marc.1.11: 9.7; Luc.3.22; 9. 35; 20.13, B-h3Ä»EÄ(HddroMarc.l2.6; B-aenpH- 
(AtAffitLuc.23.41; AP(BA«Mat.ll.21;Luc.9.59.61;10.13; (Atam Joh.5.38.47; 8.45, 
(AtAm Joh.8.24.46; 10.38; (ai.kt'r Marc.11.23; Lue.9.39; hskjr.üh-k Marc.10.45; 
H3K4«ffiw Luc.1.68; 21.28, HSEdB.iiHht Luc.1.38; KopaKÄtatH Marc. 6.32; Ko.vkKAfAvu 
Mat, 11. 7; «ptnAfi Marc. 1. 7; «cajsi!(na Marc. 2.3; scMzAiHofiMar Mat. 9.2; Marc. 

2. 5. 9; «AAKA(N»-At«v Mat 9. 6; Luc. 5. 23. 24; qcaaeawb Mat. 8. 6; 9. 2; Luc. 
5. 18: ocAABAfH-w Mat. 4. 24; Marc. 2. 4; ocAAE&Nt<AtB Bl. 129 a; octasawm Lue. 
1. 77; oT-iiAun-k Luc. 16. 3; vttictaraofk Luc. 16. 4; nsruEÄrr-k Mat. 5. 29; 
n«<MXm Mat. 5. 32; 24. 40. 41; Luc. 17. 34; npHtatÄm Marc. 11. 24; Joh. 5.43, 
npH£AtA(T« ib.; npB(AtÄivTv Mat. 7. 8; Marc. 9.37 (bis); Luc. 9.48(ter); 11.10; 15.2; 
Joh. 4.36; 7. 23; 13. 20, npHtatAfn* Mat. 10. 40(ter) ; Joh. 13. 20; npocAAKÄm-a 
Joh. 7. 39; npHCTABAWikt Luc. 5. 36, npHcTARAsrntt Marc. 2.21, npHcT aeashh Luc. 
16.2; nptnoAoBAfHBs Joh. 7. 14; oyflpdKÄ(H*B Luc. 9. 62; »ip-ERAtuoix Mat. 27. 28; 
tEAfHB« Luc. 24. 23 (vgl. auch astam). 

Vor den anderen Vokalen finden sich keine Ausnahmen. So haben wir 
hier vor t /= a) nur l: ABata-ri, Mat. 24. 27; abÄ hcr-K Mare. 14. 64; agpAdAtÄt 
Luc. 20. 37; Joh. 8. 39, aspaAtÄt ib.; EAdracAVBÄtaiin Luc. 24.51; BAdcBHAtÄtauH 
Joh. 10. 36; EkN(AȀtT( Luc. 12.1; 20.46 ; 21.34, ameMatTi Mat. 6.1; 7.15; 
10.17; 16.6; Luc. 17.3; AHBitaj* Mat.7.28; 12.23; 13.54; Marc. 2.12; 6.20; 
6.2.51; 7.37; 10.26; 11.18; Luc. 9.43; 11.14; Joh. 7.15, AH8Ät K x Marc. 1. 22; 
(AAatn Joh. 10. 37, (AtätTi Joh. 14.11; 3sa»Ät Mat 4.14.15; 5.18; 13.5; 24.35; 
27.51; Mare. 4. iS; 13.31; Luc. 21. 33; HcTptKati* Marc. 17.19; ntt:or„?t Mat. 


*; 9. 3: tu staut, über dem t ein cyr. h. 




Lautlehre. 


325 


27.66; Mare. 3.17; 5.37; 16.1; Luc. 6.16; 20.37 ; 24.10; uuA.A-kn-k Jod. 7.2.3; 
xopaEÄt Mat. 14. 29; Marc. 5. 2; 6. 54; Lue. 5. 3. 7; Joh. 6. 19. 22: Kp-kn.vk.um ca 
L uc. 1. 80; 2.40; 22.59, Kp-knA-k^x* ca Lue. 23. 5; «osAiaim Joh. 11. 5.36; 
13.23; 19.26; 20.2 : 21.7.20; AfA-keS-katue Luc.10.40; HfB-kijs'TMHM.?-fc Mat. 4.15; 
ec-raBÄtrH Luc. 11. 42, »cTasÄ-ti*. Joh. 14. 27; 16. 28; oc-raBÄ-kduif Marc. 1. 34, 
ocTani-feiTTL Mat. 24. 40. 41; Luc. 17. 34; Joh. 10. 12; ocTAS.ckiAvk Luc. 11.4; 
«ctbsüiti Marc. 7. 12; ocT4E.vkiA-.T-K Luc. 17. 35. 36; iicvcs.vkfT-fc. Mat. 13.22; 
nc,vdE.i-ki.s.r-K Mare. 4. 19; Luc. 8.14; p.ccf>a.«,H».-;-K ca Mare. 12.6; hcctasa-Iikt-k 
M at 5. 15; npHCTBEÄtn-k Mare. 2. 21; Luc. 5.36; npoTHBÄ-k*umi ca Luc. 13.17; 
21. 15: pHAotim Joh. 11. 48; cAAKÄ-iuuif Luc. 13.13; CAMÄ-kAy*. Marc. 2.12; Luc. 
5.26; 7. 16; cAMÄ-kj.*; Mat. 15. 31; cA.\eAt,it Luc. 17. 29; c.\\c.w,vknfAn> Luc. 
10. 12; cpAAtÄ-kta ca Luc. 18.2, cpjjiA-ki* ca Luc. 18. 4; a\-Ep-fcri.vfciA Luc. 22. 43, 
«j-cpiAiA-kiAT-K Luc. 20. 13; -knÄ-kmiH Joh. 2. 18. 

Eine einzige Form haben wir, in der vielleicht kein 1 enthalten war: 
HAAvtae = Hfp«rc4AHAvtHf Marc. 1. 5. 

Bei wi ist keine Ausnahme: caiaa Joh. 5. 24; 3 im,?a Mat. 12. 40. 42; 13. 

5. 27; Luc. 10. 21; 11. 31; 21. 35; Joh. 12. 32; 21. 8; kmiaa Lue. 22. 44; kahiaa 
J oh. 12. 33; 18. 32; 21. 19; k«pjeäa Joh. 6. 24; npHCMAA Mat 13.20; Joh. 12. 48; 
opHfMAAi Mat. 10. 41; Joh. 13. 20, iiphcaiaah Mat. 10. 41; npHfM.iAi Joh. 13. 20. 

Ebenso auch bei : abpajma»; Luc. 13.16; Ek3fA*.\w. Luc. 19.22; eksiawbbt-k 
Marc. 6.8; stctkakkax. Joh. 14.21; KkCAin.vsniiTA!*; J oh. 4.14; t-kieax Luc. 15.17; 
r-uEABBuiTff Joh. 6. 27; fMÄixT-t. Luc. 8.13: 3fMÄtR Mat. 5. 5. 35; 14. 34; 25. 18; 
Marc. 4.31; 6.53; Luc. 8. 26. 27; 12.49.51; 13.7; 24.5; zimXx. Mare. 4. 26; 
Luc. 22.44; Joh. 9. 6; 21.9.11; KAnAHuuTAiA Luc. 22. 44; KeynÄs Luc. 19.13.15; 
a»b ,?* Joh. 14. 31; 21. 15. 16. 17; hik-k4’taaha\aek Mat. 4. 13; »EfA»Äwrr-k Luc. 

6. 44: «KkfMAHiT-k Mat. 7. 16; «ctaeäw. Joh. 14. 18; scunA* Luc. 13. 8; »TAMÄts- 
ujT4Aro Luc. 6. 30; otemaebuitioaioy Luc. 6. 29; norotfKAjK Joh. 6. 39; rus£.«.u*r-k 
Luc. 17. 35. 36; i-.octakav, Mat. 25. 21.23; npHfMJ*r-k Marc. 4. 16.20; 6.11; Luc. 
8. 13; npnf.«ÄiAT-K Luc. 9. 5; 10. 8. 10; npHf/nAHsum Joh. 5. 44; npiUMÄK Joh. 
5.34; npHfAUix Joh. 5. 41; npccAjKA* Joh. 12. 28; n®KxnÄxT-w ca Mac. 7. 4; cn- 
mamax. Joh. 9.11; caabaix ca Joh. 8. 54; c-kniaw*t-k ca Joh. 18. 20; Tp-knlx 
Marc. 9.19; Tp-knÄ»; Luc. 9.41; oytioa®eäw Mat. 7.24; 11.16; Luc. 7. 31; 13.18; 
oyT»A»EjiiK Luc. 13. 20; -kEAi*) Joh. 14. 21. 

Vor k>: EopAE.?» Mat. 8. 24. 

Im Zogr. b ändert sich die Sache, da hier das l anch schon 
vor anderen als den früher erwähnten Vokalen fehlen kann. 

Vor k (hier v steht es noch in arpmia-k Mat. 22. 32, dagegen fehlt es ia 
3t/»-kcTm 17. 25; rfcKOE-k e-k; 22. 32; «ctae-k 21. 17; ecras-kuit 22. 22; npHtTxn-k 
18. 21; npHCTBKn-k 19. 16. 

Vor h kommt hier ohne l vor; :«■"» 18. 18‘bis). 19; 23.9. Mit l keine 
Form. 

Vor e nur ohne l- b-k3ai«e<hu 17. 5; H3E4EfKHf 20. 28; npKfAirrk 18. 5. 

Vor e = ia nur einmal l: AHtA-kayts, 19, 25, sonst nur ohne : .viifkjiuf 18.28; 
AyI.V 22.33; CCTAK'kiT'k CA 23. 38; ®CTBB*kf Vf 23. 14; CAT,A!.'Al-;A,T-k 21.37; 
-fcs-fcrre ca 23. 28. 




326 


Lautlehre. 


Vor * auch nur einmal l: KsynA&K 22. 5, sonst nur ohne: auti* 23.35; 
RfüiiMt*"!"». 17. 25; njjHi.M.TUjiii 17. 24. 

lai Mar. fehlt wieder das l häufig vor h, wozu eine große 
Reihe von Partizipialfonnen gehören: 

AHEklllf CA 290 APUKHHHAI'K 13, AJJfRkHH^'K 234, AP'RkHHH^'k 235, AlUB-kHHHACk 
12, ai.w-kHUHi 127, 3i<u-kH-u\-k 129, sfm-kcuHH 60, eppaek 23, 25, 42, 50{ter), 54, 
126, 139,bi»;. 145, 211, 337, 400, KepAE-k 139, 145, 229, 231, pctaek 145, 176, 
213, MTdRkiiH 80, 141, 163, 176, 211, kctmum 347, npHCTAink 21, 23, 58, 63, 
67. 76. 93, 94 ter), 101, 110, 111, 113, 118, 165, 176, 221. 224, 304, npHCTxnkiM 
103, 234. itfHCTxnMiH 42, 49, 52, 53, 54, 59. 102, 104, 138, 164, 229, 290, np H - 
cv.*nhii!fA(t 103, npHcTxnkiuH 27, 112, 231, nptdeMk 310, np-kAPAi-k 49. 

Mit / dagegen: aepamak 81, 165, arpaaaaak 284, ß-ka.ireKAh 371, s-kriAk 92, 
»«AlATiCKA-k 89, H3KABAkU!tA»'k 196, H-feEPRAk 81, 165, 325, KppAEAk 337, 400, ROfHAk, 
KpyiiAkHAArs 320. octabae 45, 55, 75, 101, pctaraeiiia 117 (bis), pctarakuie 102, 244 
291. npre^’KAk 267, rknp,i,»KAkU)in ca 291, ■feEAkuiA ca 236. 

Vor * fehlt es hier häufiger als im Zogr., wobei freilich nur die Form 
3«mh in Betracht kommt. Man findet sie hier: 15,16, 25, 28(bis), 30, 32, 36(bis). 
42. 44, 56 (bis), 63 (ter), 83, 94, 109, 113, 121, 127 (bis), 128, 139,144, 148, 15o' 
181, 197, 208, 213, 220, 226, 228, 246, 258, 267, 272, 279, 295 (bis), 306, 337, 
347 (bis), 368, 384, 388, eopaeh 50, 132, 211, kcparhua 210, eppaehhip 210. 

Mit l haben wir hier nnr 3eaeah 54 (Mat. 15. 35), 175 (Marc. 14. 35), hLeprah 
192 (Luc. 1. 33), eppaeah 49 (Mat. 14.13), 145 (Marc. 8.14), 337 (Joh. 6. 23). Von 
diesen sechs Fällen stimmen vier mit Zogr. überein (nur eppaeah Mat. 14.13 
nnd Marc. 8.14 nicht), was bervorgehoben werden muß. 

Im ieisen Gegensätze zu Zogr. ist das l vor e hier nie ausgefallen, so 
daß wir hier nur Formen finden wie abpaaiai 273 (-a»äi), 350(bis), abaenhe 182, 
310, arachhh 187, ARAiHH-t 196 (EAArocApRAiHA kann hier nicht angeführt werden, 
da es als Abreviatur ohne l geschrieben wird, ebenso die anderen Kasus 
davon' 1 , Rk3eA\AtiiM 285, 359, Riv3«MAfTe 233, br3aiorAn'r 376, Rk3A»sAttnj 38, 58, 
117, 204 (K'k3-J, 289 (RTv3AK>sJerki;, Rk3ABEAfHAAro 163, ETi3Al«EA(HUH 237, RTvCEipHE- 
AiAtR-k 306, ApfRAf 35, 239, 240, 241, emaets 334, 335(bis), 349, 351 (bis), 360, 
375'-;, EAlAET"k 237, 3EA1Aft* 13, H3EABAEHHE 72, 158, 195, 295, HSEARAEHH’k 200, KP- 
pARAiMk 138, EPAtEAEAiu 34, KphnAin 116, 203, 248, p c a a e aeh py e ae wf 25, pcAAEAEHoyMay 
25, 120, 121 (bis), 213, ocaaeach-k 22, 25, 120, 212, pcaaeaehu 120, ecAAEAfn-keAik 
114, 186, PET AB AEH*k 271, «TKAWIVk 271, nprklEAEM-k 24, ElPruBAEAlk 130, 229, 
ncruEAtTf 259, nor-kiEAET-k 12 (bis), 294, 336, nofMAn-i. 13, 90, npmAtAfTe 161, 322, 
334'(bis), npHiAtAir-k 19, 33 (fünfmal)*), 61, 152(ter), 238(ter), 247, 267, 325, 328, 
344, 372 (bis), rphctaeaihhi 214, -hhh 271, -mrfc 26, 122, 214, npocAABAEtck 345, 
tljriAPAMINHH 311, EipkoPAPBAEHHE 343, np'fccTXnAfHHH 114, OynpARAEWk 240, MP^KEACHO» 
107, -tcAfHKf 228. 


b Hier werden die Seiten der Ausgabe angegeben. 
Hier iaiacti. 

*) Einmal -mait-e (Mat 10. 40). 



Lautlehre. 


327 


Weiter ist dann die Übereinstimmung mit Zogr. vollkommen. So wird 
vor i — ja immer l geschrieben: abaI-ate ca 85, --kAT-k ca 89, 117, AHpAAiA-k 291. 
SSO (bis), EAArOC.WBA'feAlUf 155, -urfaui 312, BAACKHMA-kaT-k 25, MAC^HMA-kiBIH 860, 
akM(.«.vtT* 14, 31, 55, 252, 274, 292, 296, e^heaeaets 19, ,\AK,vkiiiE 64, AHBA-kajf* ca 
68, 117, 121, 132, 134, 139, 144, 156, 207, 238. 247. 343, -m*x* ca 21, 39, 47. 
81,161, (MA’kTi 360 (bis 1 , acHtA-ta-Tv 341, sEAEA-fc 42, 90.109, 129,171, 296, HCTp-fc- 
BA-k«* 142, Hl-KMA-t 110. 125, 134, 183, 216, 291, 3«, k^aba* 50, 130, 139, 
210: big', 211, 337 (bis), K^kiu-kAius ca 196, 200, -iwkAjfjE ca 303, AtoKAkauiE 361, 
373, 395, 397, 402, -KA-fcun 401, MA-kEAtams 245, «ctasaFtee 250, -BA-kt* 377, 383, 
-BA'klUe 119, -BA-klT-k CA 86, -KA-kfAA-k 246, -KARATE 83, 141, -EA-kATk 90, 91, 262, 
358, -BA-künT-k 278 (ter), rK-AJE.itET-k 44. -EA-bsT-k 128, 227, necpAAMtKT-k ca 163, 
«IpKCTAKA-iiAT-k 26. 122, 214, npOTHBAiüWUTIH CA 260, 294, pHAlA-kw« 364, CAAKA-idlilt 
260, -E.vkcc.R 222 (bis , -K,rk\A; 55, 121, cC',\c,u 1 vktE£AE-k 241, -AVA‘knk 278, cpa.viA'kiA. 
ca 279, -Ai.rkiA ca 272. c^-Kp'LnA’kiA 300. «’CjiA.wA-fcaiT'k ca 77, 289, kiA'kdL'H 321. 

Ebenso bei k'kpeai va 316, eaiaa 332. beaea* 41, 42. 127, 170, 210, 242, 
249. 285, 293, 324 (ter;, 401, 3ea»aa 369, kahaa 300, kaum* 369, 391, 402, ko^abaa 
377, kca-haa 140, njiHfAiAA 44, 370, nßHCAAAA 33 (bis;. 372. 

Desgleichen bei jq : akpaaeaiae 260, Bi,3s,MAi»T-k 135. K-kcnpHSMAKT-k 15, 16, 
r-uKABK 269, r-WKAistuTE« 338, 8AiAi»T-b. 227. :)f.'A,v!.v. 32, öl, 86, 93, 129(bis, 139. 
229 (bis), 257 (bis(, 259, 300. 308, 324, 353, 401, HcTunAKiT'k 267, KAnAmurr* 300. 
kca-hak 78, Kcyn.ix 2S4, 285, ,e»gahe 402 (ter), ckeak-.ia.t-\ 20, 219, «ctaea« 376, 
eCkäKÄ» 259, eTEAEAKUiTBAEOy 217, -AEAlXHITAAf-0 218, IttroyEABK 339, IlOruSABKVk 27, 
nsEAtAKT-k 90, 278 (ter), risKx.nAisKT'k ca 140, iioctakahk 94 (bis), «pheaeais; 333, 334. 
-AjABKT-k 60, 128 (bis), 227, 233, 241 (bis), -AtAi*um 334, -,viA!*i{ieH 60, npscAABAs» 
368, CHA AE'.l A\AbY, 353 (bis), CAABAI* CA 352, C'kHEAEAHRT’k CA 278, 389, Tp'knYYY, 59, 
150. 238, o^n«A«KAi* 20, 35, 223, 260, 261; -isAix ca 376. 

Wie im Zogr. haben wir hier vor/«: k®paea» (Mat. 8. 24. 

Wie das l überhaupt im Mar. seiten durch ein eigenes Zeichen erweicht 
wird, so sind uns auch bei epenth. I nur vereinzelte Belege dafür vorgekom¬ 
men: 3EAIAA Job. 12. 32, E,M.?STI Joh. 14. 11, IlflHEAWfT-k (Mat. 10. 40, EkSABSfolfk 
Job. 14. 21, rksAesiwu Luc. 20. 13, aepaaeäs Luc. 16. 22; 3eae,euk Mat. 10. 34; 
25.18, i-KÄtv. ca Joh. 14. 21. Vorwiegend war es vor « der Fall, das an und 
für sich das l nicht erweichte. 

Analog verhält sich Glag. Cloz, 

Vor k fehlt einigemal das l: e-kSAKEk H 126, Apickirea 839, 3MVkiru 901, 
AEAlBCEd'k 466, AC'AiK 378. 

Vorhanden ist es noch in rkKPSAk 112, ocTASAkuis 649, Frae 714, 716, 814. 

Das i kommt hier nur in 3eaeh vor und da fehlt immer das i : 179, 361, 
362, 367, 644, 758, 789, 797, 808. 

Sonst kommt l überall vor und zwar vor e: r^saweaesaa 541, apsbas II107, 
592, 3SAAAE1SS 790, 311, I3EABASHBE 859, HCIipdEASHkE 741, 507, -Hk» 577, »CTAKAENkE 
383, njHEAtASAVk 531, -AJAETTk 631, 887, 890, npOTHKAEHkE I 19, CkpEEpOABEAENkE II 144. 

Vor e: rcv^EA-tacs. ca 252, sema* 563, 683, 761, i3EAEA't«T"k 637, icnpABA-fc- 
eiuh 505, KAnA-k 928, npi A'knrfciAi 1132, cksuroynA'fcHUirrc 534, •fcsA’kET’k I 60, 642, 
-kzAfki* 68, 866, 871, 873, 876. 



328 


Lantlehre. 


Yor jf. 3iaeaa 162, 798, 862, kjeaa 928, bbssaeaa 680, hpieaeaa 578. 

Vor ja: ssasax 422, 787, 798, 3-ucaauiiti 683, KoynAx 235, nocTdEAx II 20, 
nfie»AX I 75, npiiAuxTiv 441, -AiAsuiTH-k 452, -uiTtr 435, 438. 

Das l ist hier nicht mit einem Brweiehnngszeiehen versehen. 

Assem. weicht insofern ab, als schon in jedem Falle der Vokal¬ 
arten vereinzelte Ausnahmen (also ohne l) Vorkommen. 

Natürlich zunächst vor k: af.MMuj 6, 99, 3<mi.hih 53, kopakk 13 (bis), 44, 
48(bis;, 51, 52(bis), KopdK-k 13, 46, 62(bis), 136, »ctab-kujc 63, npHcT&nkiiiH 71, 
125, -mm« 53, 107, np-k.vsMK 104, --k 4, c’KBi,Ko\'nkm£ 4. 

Mit /: aspAAMAi» 81, Bknak 101, Vaeabae 42, Tjkcbak 24, KopdEAk 13, 70, 177, 
-EA-k 63, »y.iwk 14, -üdkHddr« 7, octabai, 157, -Tk 65, 105, -’kuja 44 (bis), -bauije 
57, 72, 106, ndcTdEAik 53, npHCTxnab. 45, 65, 72, 101 (bis), 102, 106, 124, 125, 
129, 156, 171, --k 46, 126, -iidTviUd 106, -ndkuis 106, 136, -na-uus 142, np-taoAiA-k. 
51, ■kBAklüAWi 150. 

Yor i fehlt es in: seaeh 33, 41 (bis), 48, 49, 50, 58, 64, 66, 74, 86, 88, 89, 
91, 93, 114, 123, 126, 140, 149, 166, 169, kopaeh 13, 44, 52, 63, kspaehueae-k 117, 
KdpdEHU» 63. 

Mt l: seaeah 13, 52, 67, 102, 113, 119, h^kobah 163, chaoaaeah 31. 

Yor e fehlt es in BkSAroKEH-k 37,109, ocAdEmoyaiov 64, (EddrccdoBEHTk 129,168). 

Es kommt dagegen vor in: dspddAiAf 23 (bis), 68, abaenhe 3, BcrodSdENHS 154, 
155, 179, K-h.3AI«EAIHaar« 10, BTk3AI«EAEHU 146, -EAfHUH 156, 171, 179, K-k3iA\fli!IIH 
83, B-kanpHiMAfE-k 119, 123, apsbae 73, saeaete 12, 13, 26(bis), 30, eaeaet-b 72, 3eaeae 
150, H3E48AEHHE 95, 168, -hui’ 160, KOd’kEAEAl-UH 160, Kp-fcllAEH 153, 154, 155, »KkE- 
aeaett, 138, »cAdEAEHd 90, -HoyAtoi,' 48, 49, 64, 91 (ter), -h-k 46, 48, 63, -nta 91, 
eCTdgdtHHE 104, 154 (bis;, OHp-kKAEHCER 122, ner-klEAEATk. 136, IKEAEAE . . . 61, -MAET 
100(bis), npHEAtAETE 12 (bis), -aeaett, 6, 8, 21, 25, 43, 49 (qn&ter), 84, 112 (bis), 
148 Iquater), npocaaEAEH-k 40, iipidOMAEHHE 4, -aeaehhh 175, nptnoAOBAEHHE 21 (bis), 
np-kcTABASHHE 136, «fiipASAiH'k 73, 'Ibaehhe 69, 168. 

Yor e fehlt es: EdarccdeB-kuiE 35—36, AioE-fcaiiis 95, AtA-kB'feujE 130. 

Dagegen noch: AEA-fcEuiH 7, -BAtET-k ca 99, dKpjdAi.rt 23,24,147, BAdc^'BHAiA'fcEVk. 
49, EAdCBHMA-kEUJH 30, ETkNEAlAiTE 80, 82, 86, 87, 135, 138, 170, BkHEAEA-fcTE 137,138, 
146, ABEA-kdjf* ca 21, 44, 57, 72, 92,127,166, taiA-bTc 109, aEAia-t 61, 86,100, 123, 
133, 157 (bis), H-ku»Bd*fc 14, 95, 124, 175, mpcÄÄu'kH'k 21, HEpcAAia-tHc 154, nanat 
106, Eptna-tuis 152, 160, 168, KopaKA-k 13 (bis), 52, 63 (ter), 177, AioEA-kauiE 39, 96, 
120, 132, 164, 176, 177, «cTMA-ti* 110, 112, -EA-kiT-k ca lOO(bis), 128, 129, 
-Bki-IM-k 88, nC.E,dBA-kl*TT, CA 67, tWCXABA'klKX'k 133, npCTHBA-kuKUITEH CA 135, 
-Eak mJUlTEHl 75, CAABA-kdiUE 74, CAiKA-kdJ.X. 64, 65, CpAAEA'kläE CA 81, -dldklA CA 81, 
«•rKA.OEA'kw.T-k 169, OV-Kp-kriA-fclA 105, OVCf.dAtAklKT'k CA 58. 

Es fehlt vor ?: 3 eaea 146, 177. 

Dagegen: b-baeaiaah 156, ema* 11 (bis), seaeaa 8 (bis), 34, 63, 86, 143, kaeraa 
39, -n.MA 116, KCpdSAA 13, npHEAEAAH 49 (bis), tipHf.MA/kT"!, 53. 

Es fehlt vor jq: EA(arocAo)BK 168, bb3aioes; 37, rkHEXuiXEE 16. 

Dagegen: ab au; 143, abpaaaeai* 75, B-kadwEdi* 109, btvSeae.mx 83, B’kcd’faidi*- 
uiTAi* 24, r-ucAK 85, iaeaektt, 67, 3baeauk 7, 31, 52, 63, 69, 101, 105, 127, 129, 
151 (bis), 175, 177 (bis), kahaueuita 105, koe-hae* 55, 83{bis), aweai* 39{ter), 110, 



Lautlehre. 


329 


«CTAEAHE 109, R®r«V-Kfll» 16, [KCTABAHl 101;bis), IlflHCAtAI* 12 (bis), -AlAAT-k 67, 
-.MAKT*k 128, -.«ALkUJT! 12, -MABUUTIH 53, np»CAAKAiS 33, CHAAAMAI* 31, CAJSAIK 27, 
ctNi.wAw,T'k 115, Tiihah; 72, Tp-knai* 53, 93, ®yn»A«tAi* 44 (bis), 76, -tKAx 37, 
•fcc.UAi 109. 

Vor Ja nur: hLc-cea» 14. 

Das Euch. siu. schließt sich mehr an den Zogr. und Mar. an, 
da hier mit Ausnahme der beiden ersten Kategorien das l sonst 
nicht fehlt. 

Vor e fehlt es in: soukH-i; 84a, -'ehaa 20b, -isu,«» 14b, 17b, -■ENuyk 13a, 

13 b. 45 a, -kH-uyn 55 a, hactareiucaie 52a, »ctjb-euih 23 b, necTAgk 38 b, «eTffcsk- 
uifAtk 52 b. 

Dagegen: abpaaiae 40a, aeae 14a. -EAkuiAAr« S9b, -kaeuim ca lb, Bk3AMEAk 
43a, -eaeuia 10a. -eaeuie 9öb. apcraehhh 70a, -nuei» 79a, -hLa la, -sriAro 79a, 
79a(ter), imaiAkiiMar» 81a, i«Tp-kEAE 25a, eui«R«unMtk 53 a, «AMKAEuiAr« 
36a, »ctasae 102b, «ctasaemaia 80b, ccTAaiAkUiAi* 51b, »TtcTxiiAk 705. ncrcy- 
eaeusc.we 52 b, n®T® iiAkuiHH.uk 52a, npec.uEAk 31b, -KAEuiAjr» 29b, np-kcTawiAEWAAr» 
85a, c-kcTJEAk 4a, 56b, c-ER’H>:»-nAku.ii» ca 9 a, cBn».\»EH!uc ca la, w-a»eae 63b. 

ei-Kp-tnAkniHHAck 61a, oyn«AssAk 8b. 

Vor i ist es nur die Form sc.uh, die ohne l vorkommt: 3a, 4b, 12b, 13a, 
18b, 30b(bis), 33a, 41b, 42a(bis), 44b, 55b, 58a, 58b, 64a, 65b, 72a, 101a. 

Mit l die Formen: abjiaaacah 57b, 58a, 65b, hFkokah 57b, 58a, 65b. 

Vor e fehlt das l nur in apcbec 86a, das uns an die Schreibweise des 
Supr. und der Sav. kn. erinnert Außerdem noch kÄFeiha 16b, -rcnjej* 60b, 
EAATscAOEttiHf (auch gekürzt) 7a(bis), 5b, 8a, 9a(bis), 12b, 13a, 14b, 17a, -bi- 
hhcaak 20a, 81b, -kchem 6b, -sch» 15b, 19a, 21b, -echt, 2a, 15b(bis), 16a, 17a, 
18b, 58a, 81b. Es ist schon oben S. 324 hervorgehoben worden, daß dieses 
Wort eine eigene Behandlung erfahren hat. 

Dagegen: akaih ca 35a, 63b, akacchkaie 2b, aeach» 2b, -cHA8b, -cna 26a(bis , 
-chch 19b, 20a, 21a, skECMAer-k 104a, -aaactc 38b, resameach 80b, -eacha 83b, 
-EACHAAT» 63b, -EACHI 84a, -EACMHCASE 10a, -EACHTU 3&, A'tTArMfKACHH’k 68a, CAtACTTv 
45b, 3ACTAUIACHHC 57 b, -HWk 62a, H3EAEACHHC 2a, 94a, -HEM 5a, -HHH 85a, -NEH36a, 
36 b,bis), 60 a, -hh 86 a, -h-k 22, hchpaeache» 99 a, HcTp'EEAHHif 21a, EpenAtHilf."AE 
20a, »ehokach 5a, »khokachhIe 68a, u’S’eaoeacn'e 76a, ockp'eeacna 28a, 32b, ecA-k- 
n.uh-t 53a, »ctakachhi 46(bis), 60a, «»aceachhL 54b. nc necpAAUcH-v 27b, 72a, n»- 
TonACH 5b, nimiAiAevk 69a, 88b, 97 a bis . -cum 83a, 84s, 90b, 96a, ophctaeac- 
HkW 64a, npSCAAEACHO 19 a, np-kcTAKAem« 57 b, 65b, np”tCT AA 1 ACHHCA 1 K 52 b, 60b, CpA- 
ASASH'k 101b, rkB-kKO\,TlACHHC 53 a, -HACHEH 9 b, CEKeynAEHHC 95», CEnOA«EACH 10b, 

14 b, -CHkH 60 b, ^"AABACHHNA 104 b, »"njSAEACH-E 91a, OycTp-E.HAiKH-k 38», Hp-kBAC- 
n«t* 49 b. 

Vor e nur 1: ABA-fecT-k ca 2b, 69b, -w.ijiaia 6a, -kiA 14b, 24a, 54a (bis), 
3»M.vt 3a, 12b, 45b, 50b, 82b, 85b, H3 easaFeecjm 24b, hrkakaFea 27b, 90b, 
HcnpiBA-kiA 26a, -KA-ttt.T'k 87 a, hact araLbe 26 a, -BA-kiMpicAMy 91b, »ehaeaFi» 69a, 
-KA'tUT’k lb, -KA-klA 20a, [»CTAKA-küK 67b, CipHA’fcnA-fcjfX CA 75b, npOCAAEA-kCTTv 27b, 

29a, 30a, 30b, 34a, 35a, 35b, 36b, 39b, 43a, 45a, 48a, 47b, 49b, 50b, 51a, 



330 


Lautlehre. 


99a, 40a, cjU.u.vfciA SSa. cknoA«KA-kTH 23b, ckcrjBA-fetAv^ 64a, ogA«- 

AA-ktTi. 97 b, 47 a. 

Desgleichen vorj'f: uatAidAH löa, 25b, 31b, 3 m,m la, 53a, 56b, 96a, 
»fr’ks.iA 35b, »a^eaia* 32a, npnE,u,M 48b, hpheaiaah 85b. 

Ebenso vor jq: akpaaeah; 15b, BkNSAiABU|iH 79a, 101b, r-ucAtKiiiaar« 78b, 
«AVAi*itiHH)fk 48a, -qiirfe 49 b, Wb, 3 eambs la, 2a, 4a(bis), 32b, 33a, 34b, 
47.:. 51b, 52b, 55a. 55b bis;, 57b, 61b, 62b, 75a, seaöabk 4a und 12b; ko^haur 
106 a, aiokai* 87a, nor-uBAi* 83b, n«A«dtAi*i|jddr» 82 a, -i|i»A»i|'7 a, 83 a (bis), 
8 b, ««cTaBAis 83 a, npHfAtA«u|i4 40 b, 88 a, -uiwAi«,- 34 a, 93 a, -ijje 16 a 
-i|KH öa, -i|ihha»k 61a, -i|i( 87 b, ct.no, s, , kEAtA!*i|jHHA\'k 7 b, Tp^nAi* 87 a. 

In der Wurzel vor ju: saweti. 103a, h3kaio(T'k 103a, «EAioETTk. 105a, s-k- 
c iiakhh 28 x welche Fälle wie eaiocth natürlich nicht in Betracht kommen 
können {vgl. S. 323 Anm. 1). 

Ein eigenes Erweichnngszeichen fanden wir zweimal bei seai’abk, doch 
steht es in der Ausgabe über dem At. Beachtenswert war auch die Schreibung 

,\pf AM. 

Wie auch sonst, kommt bei tu kein l zum Vorschein: o^wp-KipneHo 73b, 
ot'AiptuiKtujAAro 39 b, ovAip-»i(iE-kiAH 25 a, 57 b, ogdip’kniB'kET'k 50 a. 

Psalt. sin. hat schon zahlreichere Abweichungen. 

Vor k. fehlt das 1: Ai><BkHw>iA 201, SBAikcKd’k 151. 

Dagegen: seaia«™ 150, i-kK»8Ak 162, 188{bis), 209, --k 99(bis), H-bK»8Ak 192, 
tUCTAKAkUHOA»^- 300. 

Vor i fehlt das 1 in 3 eaih 17, 19, 23, 62, 95, 99, 115, 135, 160, 236, doch 
sind diese Fälle gegen seaiah in der Minorität. 

Mit l : 3emah 3, 9, 11, 12, 65, 87, 98, 99, 100 (ter), 101, 118, 119 (bis), 120, 
127, 128, 148, 150. 155, 156, 158, 162, 168, 171, 173, 175, 180, 184, 186, 195, 
£00. 201, 208, 211, 214, 215, 217, 219, 220, 229, 230, 232 (bis), 233, 244, 250, 
252. 253, 255, 265 (bis), 273, 277, 297, 301, irbnsAi 230, ko/meah 228, KopdEAijfk. 241. 

Vor f fehlt es nur einmal: rdoyAcwHH’fc 273. 

Dagegen: dapddAiAE 100, 230, Bk3Ap - fcA\AET-k 286 {bis), BkäAioKABHd 137, -kaehu 
107. 291, KTiSAWKdfHd 186, -eaehi 124, -eaehil 55, -säen« 246, -eaehii 244, -EAEH-kAVk 
95. aP'bae 148, 3dEAtAfT-k 77, 3dK«H«npi:cTonAfHpe (!) 219, -ctxiiaehhe 75, 3dcr,vn,\ENM 
41, 245, -ndfHif 185, 187, 198, 3emae»e 76, h3kabaehhe 251, 293, -eaehii 239, -baehh 
289, -EAEHki 103, H-fcKOBAE 42, HCnpdBAEHlE 214, NEHCTdBAEHkk 85, OCTdBAEH’k 17, 
-BAEHd 77, «3'kAOEdSHk’k 29, 95, -KAEH’k 80, 237, IWrOlfEAEH'k 59, nOA'kEAlAET'k 77, n«- 
CTAEdEH-k 2, nplEMAET-k 104, -MAEU1H 106, nptvROAOKAEHkE 222, CpdMAEH'k 159, oyCTp’k- 
«dEHkt 98. 

Vor h fehlt das I: 3i*vt 44, 63, npscddakhaB 196. 

Dagegen: rd« 1 'AiA'kd)gk cm 164, 268, -Awfcdiue 265, -AtA-kp(!) ci* 139, asAiAt 
26, 64, 98, 99, 132, 135, 136 (bis), 143, 151, 159, 162, 165, 190, 197, 202, 207, 
213, 214 (ter), 217, 227, 228, 232, 236, 254, 270, HcnpABA-kuis 219, .tKosA-fc 255, 
HkitsBA-k 36, 45, 93, HSEdBA’kw. 70, -KA-fci*iiiK>Moy 9, -BA-fcbtiH 107, KdnA’fc 149, -nAkjfk. 
131, HdnpdBd-tjCk CIA 278, nOCTdKA-ktA 31, nOTp-kEA-felKT-k 79, ndCpdMA'felERT'k CWl 69, 
72, 87. 139, 143, npiA-fau-kn 155, -nA-k^x 48, npoTHBA-fcdjgk n* 260(bis), «fAGHAk- 
BlUH 249, -KA-kET-k 279, -BA-küKT-k 104, WCTABA-ködllTip, 269. 



Lautlehre. 


331 


Es fehlt vor je in: 43, suu 182. 

Dagegen: seaeaia 1. 3, 7, 17, 26, 39, 43, 68, 90, 99. 101, 110, 122, 125, 
131 {bis}, 132, 135,148, 157 (bis), 173,181,183, 188,190. 211. 212, 215, 216 (bis:, 
218, 222, 224, 227, 229, 233 (bis?, 247, 253. 297, rbwEAi* 165, «t<mauu* 99. 

Es fehlt vor jq in: sww*. 26, hskak-eia; 31, irhc«cH& 100, «^ta-vek 140. 

Dagegen: aea* 206, kasimakiuti 29*0, besawkax 27, b-eheaeabhhte 293, b-e- 
p-.icr.MAo. 62. 34, 75, 76, 77, 78 79, 92, 104, 105, 123, 179, 190, 222, 

226Ibis], 230, 231 (bis), 236, 243(bis', 2.56 (bis), 273. 286, 289, 297, 298, 300, 
3i, was; 43 (bis), 149, useasaw 106, 205. -SAtixijiAr» 223, nactasaw 62, »‘nkfAuuc, 
162, wt-mamxt'e 15, aeruEAKTi. 77, noraisyMAiK cia 164 bis], 272, iwctaeaw, 107, 
ncTp'kKAw. 220, 236, opacaabai* 191, 205, npuAiAixum 207, ckpeea» 140, -eaa; 58, 
Ck.IGMA»; 161, CknSAOEAE 53, Tp-MiA.V 1 11, 'k K A tA, cm 89, 107, 

Einmal fehlt es vor ju: H-kiwBkKj 191. 

Dagegen: H-kK«RAi« 181, 294,bis). 

Als auffallend müssen wir hier die Schreibweise 3<*n>-t, 3E- 

«w, hskae-kb;, .-ieai-m* im Gegensätze sar Sav. kn. und Supr., wo e geschrieben 
wird, bezeichnen. Doch kommt hier auch noch das e zweimal vor: eseaieia 
182 Und H'kKAEKIC. 

Zahlreicher sind schon die Abweichungen in der Sav. kn., 
namentlich in gewissen Kategorien, so insbesondere vor e. 

Vor k fehlt auch hier häufig das l : 3eaaehhi 41b, seaikck-e 88, kopaee 37, 
40, 40b, 41, 54b, k»paeie 34 b, 40b, «cruskuid 32 bis), iiphctauie 56, 90b, 91, 96b, 
121, 148, -na 122, -ijeuia 111b, -nuu« 66, 96 b, 98 b, 112 b, -nuntM-k 97, -n-ktufw-k 
111b, -nkuiw 36b, 52, 121b, ppkApAik 39b. 

Dagegen noch: KAArocAeaAk 94b, buiae 90, 143b, kopaeae 32, 36b, cctaeae 
84 b, 96, 149 b, -bauhi 46, 56, 97, bkamuaa ca 139 s b (Mat 2.7). 

Vor i beschränkt sich der Ausfall auf die bekannten Fälle seaeh 26, 
29b (bis), 37b, 38b, 40. 48, 49, 49b, 57b, 69b, 72b, 73, 76b, 78b, 91, 107, 
109b, 119b, 122, 123, 123b, 132b, 138; kopaeh 32, 41, kppaehueaee 164, 

Dagegen: hakpbah 151, np-kiiAH 146, np-kuABi 147b. 

Man sieht hier also, daß vor i überhaupt nicht das l geschwunden ist, 
sondern, daß es sich in diesem Falle nur um spezielle Formen handelt. 

Vor e fehlt das l häufig: be3aichwe 25b, 101, b'esaiokbhu 142, 148, ocaa- 
e(na 37, 76, -swk 35, 48, -chica-aica- 37, 37 b, 48, 76 (bis), 76b, -beh-ei 76, np»CA4- 
eeh’e 28, 117, ckehhe 51b. EAArscAPEtHT, 124 und -beha ib. kann nicht 

in Betracht kommen. 

Dagegen noch: akpaaeae 50b, eawste 25, eaeast-e 55, ueaeae 140b, h3kaeaehhe 
81, -BAIHHH 189*1», UPEAAAET'k CA 89,1)16), DpHEAlAET’k, 31b, 37 b (biß), 38 (Wß), 67, 
123, CtylipAISAEH'E 57. 

Vor £ fehlt es in: eihsaAtc 69b, 130b, ncpcAAi-feuE 146, Auas-kuiE 126. Ebenso 
3EMEH S8b, 120, 149b (bis). 

Dagegen noch: akpaaeaF 135b, BEHEAEA-kTt 64, AHCAk^v, ca 32b, 47, ööb, 
76b, 124, emaFte 100b, 3B»A-k 47b, 69b, «opaKA-fc 41, up-bnA-tuu ca 139b, 144, 
AioEA-kuM 81, 83, 129, 141b, 151b, 164, he^etaahmaF 149b, «cTAgA-kts 101b, 
-SA-fcET-k 89(bis), 125, -KA-fcEAVk 72b, 124, -BADETE 140b, IWCTABAiET-E 51b, DATA- 



332 


Lautlehre. 


n.vfcTH CA 41, ncTJIuiw.TT, CA für n5,\JI!A'kl»T'k CA) 49h, npVTKBA-fclSljlfl CA 58b, 
130b, CA®,vtil!( 58, -BAijA 76 b, «fKp-fcnA-fcAl 95b, BBA'fcfT’k CA 88. 

Es fehlt vor jt in: 3i«kA 128, 164, bk 3 £avai 148. 

Dagegen: 3<a;aa 70, kaiiaa 95b, kahiaa 113, 128, 141b. npneAiAA 1, 35, 
37 :> ter, 38, cpamaa ca 84b. 

Vor jq nur in: 3uikiA 41, 90b, 125. 

Dagegen: abpaamajr 58b, Ek3(.«.\j,T-« 41b, 57b, BkSiMAxtjm 41, bk3awkax 25b, 
101b, sau» 36, 37, 95 b, 142 b'bis', 164, 164b, kaiiaxiiia 95 b, «ctub/uk 25 b, 
101, 106b, aksbaa 27, 102, 141 (ter), iwctabajk 91 .bis), npwAnvxT'k 49, 53b, np®- 
caaba*. 26b. 127b, TpkRAs (Tp-k-) 42, 55, 78b, oifn®A®Eiu; 32b, 60b, bbax 25b, 101. 

Einmal vor ju: kc3o),‘,ubabi® 57 b. 

Der Zustand, welcher in den letzten Denkmälern angedentet 
war, ist im Snpr. noch mehr ansgebildet. Hier bildet das l in 
allen Kategorien eigentlich schon eine Ansnahme und zwar kann 
man bemerken, daß es in den weiteren Partien im Abnehmen 
begriffen ist. Ich habe alle Fälle zusammengestellt und fand im 
ersten Drittel (Mikl. Ausg. bis S. 150, Severj. 203) 52 Formen mit 
1, im zweiten (S. 300 bzw. 402) 27 und im dritten 18, also immer 
weniger (Zur Kritik S. 11—12. Sitzungsb. 112. Bd. H. Heft S. 751 
bis 752} i). 

Nach Kategorien geordnet finden wir liier vor b kein l in: kb3ahekui£ ca 
33, KkSAWEkUlf 97, B'kCTAEkEUH 317, AP‘EkNAB 450, 3eMN4dr« 154, 425, 3£MTiNAdrO 257, 
3«»kHdAr» 429, 471, -n®« 55, 322, -hh!479, -ntjhjtv 55, 332, 484, -'khiph 452, 504, 
-•vH-iiiA 148. 320, 322, -ecthh 102, 250, k®pabk 150(ter), 151(quater), 152, 154, 
282, 294, 400 (ter), KphnkuiHHjck 329, cctabkiija 513, -skiue 80, -K'kint 488, -bbuih 13, 
«CTAB-k 38, -B’kUlA 23, -ETklilKH 196, OOCTABkUIH 317, npHCTXJlkUJA 7, 203, -nklllA 12, 
npccAABkUiAAr® 232, npicT-nnkuiOHA 40, c'k/iA.ukikH 317, ckcTABkniA 342, lAKkiuiiVy-k ca 
54, -Bku».«-k. ca 54, »Bk ca 473(bis); bbhh ca 458 (verengtes k vgl. oben S. 239). 

Mit l: E«3w«'ik 183, bmA 304, 369, 372(ter), 461, BknXkAck 276, rpxE.lkH 378, 
AC6&.H® 92, A«B,?kCTSd 83, 3CMAK 317, K.'pJEAk 400, OCAAEAk 467, »CTABAklUf 84, UpH- 
cTanSk 456, bbä» ca 260. 

Vor i ist die Zahl der Kategorien mit Ausfall des l nicht groß: a»bhh 
98, 105 (ter), 109, 111, 113, 277, 3f «H 5, 17, 28, 39, 51, 61, 62, 63, 64, 65, 94, 
107, 108, 123, 135, 137, 144, 149, 188, 189, 191, 211, 220, 237, 239, 242, 251, 


•) Damit stimmt auch die Tatsache, daß die Fälle ohne l wieder zunehmen, 
Oreskov hat das Denkmal in der Mikl.-Ansgabe in sieben Teile eingeteilt 
und fand im I. (bis S. 65) 76 Fälle ohne l, im II. (S. 66—121) 80, im III. 
S. 122—189) 89, im IV. (S. 190—241) 91, im V. (242—297) 87, im VI. (S. 298—353) 
92, im VII. ,S. 354—412) 91. Im Vereine mit der von mir hervorgehobenen 
Tatsache ergibt Bich daraus, daß die Abneigung gegen das 1 allmählich”größer 
geworden ist, oder daß hier der Dialekt des Schreibers immer mehr zum 
Durchbruche kam. 



Lautlehre. 


333 


255, 259, 260, 264, 268, 295, 321, 322'bis), 358(bis}, 366, 383, 388. 418, 419.ter'. 
437, 448 (bis,;, 449, 455, 456, 464, 467, 478, 480, 484, 490, 496. 505, 508, 520, 
523, 529, 530, 533, 535, 541, 550, 554, 555, 557, S59;bis], 560 (bis!, k«o«* 66. 
151{quater), 539, rmcKOYnH (Poss. Adj.: r,-k n. rpAA’k) 170. hbhh 458 ist bei k er¬ 
wähnt worden. 

Mit l dagegen: cow,-Mk.iH 27, 29, 322, a»eähh 59, 85, 102, 159, -eaih 63, 
-K.?HHA\-K 520, BKARAH 389, KOyOAH 518, »CTdKAHH 458, 459. 

Ungemein zahlreich sind die Fälle und Kategorien ohne l vor e je): 
KAArecA«B(H-k 32S, meist: -caobkkhi, 5, 112, 119,161, 163, 229, 326, 327, 328;bis;, 
329 (quinqnies', 330,332, 341 (ter), 341—342, 342 ter), 403, -cAOBMerotra 207, 209, 
298, -cA«skHäHHie 120,205,224, 225, -bu6nhT 19, -emsnhh 123,446, -bbibnh» 340, -Ek- 
I6HHHAITV 322, KOrOCAPEklSNHIG 324, E»r<5tdEkl6MH0l 287, Kk3AWEklSH44 479, -EkK5N( 495, 
-Kki«HHie 343. -GkKHHH 154, 31S. 321, 323, 328, 340, 345, 346, 347 (bis), 353, 384, 
399, 405, -BkieHHMe 317 ter), -satemi« 486, -skiemiH 56 (bis), 315, -smgh-ui* 454, 
K-k34MBk«5KS 496, -KhKHH 320, -GklEHHMf 317, -KkHSHHHS 346, BT»CTdRkl6HHI6 307, RTv- 
cKp-kAikien-k 96, rpjRkieHku 570, A«Bkie 175, 213, 253, 274, AoskiecTkH-fcHuiHHAiH 161, 
AeEkiscTH 274, AptEkie 110. 482, 560, 34cT*.nki«HHie 50, 103, -nkiefima 544, 3 cmbisk 
464, H3K4BU6HHI2 461, -BkieHHie 244, 347, 450, -bm€hh 80, -EkieHkie 483, HcnpdRKWHd 
(Ten .. .) 494, -BM6HB 520, -kmehk 544, -BkieNHie 514, -Bueimie 423, 489, -bmbhhhaO 
360, -EkieHHHACk (Tc . .560, -beKiNhhx'k 545, -EkieHkia 521, -kkhur 513, 521, 523, 
-Rkt6HMO 541, KOpAEkieAl-k 152, K(l-fc.,«M<5!IHU,H 384, KdtfnklEHOIE 327, AtOk'lCHHHi 491. 
ASÖEWSHHUH 5, 219, HdCTARtHHH 277, HE3'kISkt€AV0 570, ®Ed8kl€NHH 299, «EdBkEEHkM 
530, OE«»BklSHHHAt-k 268, or.UBkteHHH 268, SS'hASKktEHXX 248, »CKEpkHABklBHA 396, 
orKAAEkiemne 240, »cKAdEkiSN'k 47, pcaaeeieehu 57, -KkieiMdrs 323, -EM6Hpyo\-Aioy 457, 
oc.vknkkmmfi 217, -nkiennT 4, -nkieH* 322, ocpdAikKHHie 161, ocTdBkisNd 81, -skiENdd 
546, -KkieHHi« 353, 359, 419, 431, -Gki«iio\- 455, octakihoi,- 218, -skien-k 80, 485, 
546 (bis), »TpdsfHd 212, [»rov-Kkieno 217, -Ekieume 215, -EkiSEkta 526, n«Hoski«HHH 
239, -EklSitHI« 315, ndCpdAAklEH-k 96, -A*-klEH-klH)fk. 524, n»CTdEkl6Hd 117, 566, -Ekie- 
hhi 6 286, -EkiSHHH 202, -EkieHTd 92, -BkienuH 555, -KkjRH'k 119, 202, 214, 286, 287, 
302, nswAE'ssAck 360, nowAikieT'k 361, npAKki«NHB 280, 383, npHicatkM-rr-k 103, 228, 
377, 382, 383, 436, 438, 451, 496, 522, npHBiwkieuiH 335, npnAKiEkieHHid 356, npn- 
tTdgmsHH 14, iipHCTdEbieH-uHp. 15, npncTsnkiGHka 499, -nktenHio 390, npscAdEkrem 
81, -EkKHo 551. np-kA'bnocTdBkreH-wHX' 1 ' 524, np'kncASBkreHma 550, np^kcTdEkieHkte 
487 (bis), -EkiSHKie 465. nptcTxnkieNkse 402, -nkieNHiuM'h 396, npheAtkieM« 296; 
pd3rpdKkl6Hkie 539, pd3A»Ai£HUW. 218, pdCKpKBklfiNA 561, pdCAdEklEWk 552, -KklSHddrj 
387, 518, cAdBkffiHHa 403. c-kF.'kEARnkfHHrd 54, 200 bis). ckKcviikiGikurc 434, -nueno 
425, ckn»A«Eki6HTi 82, -EkieH-kiHAfk 495, -EkieN-kH 519, ck .... eeishu 531, 557, 
Ck . . , KklSHkB 541, CkCTdEkiSHd 380, Ck . . . BkffiHHH 327, Ck . . . Rklßirk 503, CTdKkESirkl 
398, cTdskieHHH 539, to.uehhi« 161, TeAiMSHHie 1, TpxEkieHHH 372, c^-rsTeBkieHd 
395, -Ekteno 259. «'AdSki«Kn» 425, ^aoeehhie 119, -eeiehh 223, -ekreH-u 496, -sne- 
HoyoyAioy 328, o\-n»A»EkieHd 381, o\-r«paRki6KHH 272, 283, -KkieHHHM-k 277, -EkteHme 
273, 284, 380, -BkieHwa 278, o^-npAEkieNTi 546, cv'ctaek^hhh 185, 440, -RkieKHio 189, 
«,-CTp-kA»iieHH16 76, 558, 566, -AlklSNklS 557, -MH6HHHMT. 55S, 0yV«AEkl€mslb9l 11, 
HpkBkieHH 543, BEkWHHie 212, 278, 361, 367, 4S9, -skieHHHAE-h. 203, HKkEHHB 26, 
B8kie»ka 529, -ho 558, -htjh 238, -H-k 437, -h» 521. 



334 


Lautlehre. 


Gering ist die Zahl der Fälle mit l: AMEHHieAck 186, 8k3EAiAsum 415, ek- 
n.ifM-K 569. a»kä« 62, asjee.« 460, 3sauebk 129. 469, 3-kiKÄc.u® 570. canÄET-k 360 — S51, 
cpkAMiHMie 323, npiHSMiiyk 166, 277, 510, np'ktCArirr J 187, ckE^no^-naEN® 318, 
EkKwnätKHie 84, ayicfbiaEHoarx 67. 

Vor i fehlt das l nur in KpkirkH 64 für np-knÄHH ,vgl. Kp-krikumHif-k 329 und 
KpimtH im Zogr. Mare. 17] wohl fehlerhaft nach a^p^h usw. (dann allerdings 
*krip%iai]i\\ in Fällen wie K,\ar®,vipcTBi-au)6 300 tritt hier kein l anf. 

Mit / haben wir hier dagegen: REnl-fc 108, AHsa-k^x 18, 52, ASKA-kr« 161, 
Aoej'kHuiHH.w'i. 542, :u.v..rk 97, KanÄ-k.uH 51, necTas.i'fciA 49, npscun.i'tAek 319, ck- 
B-kK^-nA-kk» 7. c kKkKPA'e.i’kAp, 66. 

Es füllt hier die große Zahl der Fälle mit l vor k auf gegen den ver¬ 
einzelten Ausfall des l vor demselben Vokal. Beides ist eben eine Tradition 
ans den glag. Vorlagen: das l für ja und das l, es wurde also beides erhalten, 
oder beides aufgegeben {für e dann b). Damit stimmt auch z. B. überein, daß 
nach erhaltenem l nnr « geschrieben wird (glag. Vorlagen), bei Ansfall des l 
wird je (re) geschrieben (mehr als 70 mal. nur etwa drei Ausnahmen}. 

Häufiger wird b geschrieben und da fehlt das l in: aBpa.MkB 250, kaap®- 
CA®BkBCVA 5, 8k3AHBkH 565, ßTxCTAEkBUIE 307, -EkHieVk 206, 402, roTOBkHlUE 191, 
300. 399, AHBkta^* 134, A®&kH 197, A»Kkiar» 115, 272, EnHCK®gnkia (f. -CKo^-nSa Gen. 
sg. des poss. Adj.) 233, 3tAikB 322. 448, 495 (bis;, 503, 555, H3E<iskiafArk 46S, 
H3KASkBT-k 269, *!3 . . . EkBUKUITJ 4, HCnp4EktälA 316, HCTARkBkÄH (fÜT HCTjnkHkÄH) 400, 
>»K®BkB 325, EAnkB 453, KOßAEkB 60, 400, 428, Kp®nAA(H 390, EpTiAlkHlUS 214, Kpk- 
nkuvw 175, A»Eku);*. 138, 568, A»Kkonu£ 383, 562, NanpaEkraBKT'k 318, nactariihiik 
473, oKAKkHie 242, -txtiiTaar® 566, srnakebuje 473, -bebia 190, «KpkxktaiA 280, ®nk- 
MktaiüE 476, -AtkBHST"k 477, ®CKp'kEkBb% 553, -KkBBfnUTHIjfk 14, OCAAKkBUIE 33, ®CAA- 
skbwi 289, »cA-knkH);* ca 399, -nkaievk 439, »cpamkEi-xT’k 259, octaeehth 549, 
-KkaieTk 89, 358, -bebia 144, 316, -ekbix 290, -BkHixT-k 211, -EkBixuiTEAi'k 96, 
-uiTHHAOk 537, -uiTHHx'k 407, -uiT®^-®ij-,u®y 293, iwroii-KkBT'k 377, -Ekiaievk. 377, 
-EkHIA 28. -EkBÜK 269, -SkBBUUTA4l'® 370, n®CpdAlkBl*T'k 118, nSCTABkiaieT-k 190, 
491, -kiuh 49, 158, -BkMtw 357 (bis], npHr®T»BkBius 569, npHKcynkMiiKum 424, npH- 
AoyEkEUlE 214, npHWAlkBUlE 274. np®C.UEklBMH 81, np«THBkBkk CA 516, npkcVABkaT'k 
238, pH.vikMHE 539, cAaBkBCTj 139, -Kkiajx 18, 322, 551, 566, 569, -KkauiE 113, 218, 
511, C®A®AEkBB£ 485. CTJKkläTH 543, -RkMUJE 192, 240, 548, -R(k]rauj£ 203, -BkBTE 403, 
-BkraMs 510, -EkiaicTE 403, -Bkaren. 344, -Rkajjx 30, 401, 566, -bebia 548, 650, 
-EkBMlH (s. HCTJEkraMl] 400, -EkBER 508, CpAMkBH CA 251, -AlkBISTE CA 116, -l€T T K 
445, -i«iuh 161, -b» 2, -ix 503, -ext-b 310, 402, rkA4A<kBkA 553, c-kn«A»KBHäMH 431, 
TCMkBuiE 240, ®r,\®EkaieT-k 251, otfKpknkBjfx 256, -nkaieAvu 557, -rikBiA 517, «\-aa- 
RklSISMHH 496, -EkOKAE® 496, -EkHMl 223, «A’npAEkBlXT'k 375, -BEBBÜUITOlf 169, ®g- 
CpAMkBH 227, -AEkHHTE 116, -MkBWT-k 118, OlfCTBKkHIA 430, «tfCTpkAlkHUJE CA 558, 
BEkOT-k 338, -EkHMAU 568, -Ataa 569, -ai® 511, -KEBieT-k 449, 50S, -kebuie 81, 92, 
414, -KkakA 385, 451, 551. 

Mit l vor ra: a®eaah 96, A®saiami[HHACk 533, A®KABHiiiHi\"k 83, h£p®\-c4ahaiab 
337, sp*k«A»&n-H 188, «pmeaiABaujs 383, bbabi6 368, hkabia 352. 


So sind auch die Komparaiivformen A®KÄ’kmuHHAt r k 542 und A®KABHuiHHM’k 
533. 83. 



Lautlehre. 


33o 


Vor j\ ist das l ausgefallen: s<mm* 89, 111, 271, 293, 301 .bis', 320, 353. 
401, 418, 449, 451, 470,bis), 515, 517, 523. 524(bis;, 535, 555, 557,' 566. 567. 
H3I.K4« 426, kahua 453. Kp-»AtkMi 373. 428, sT'kNSAtkiAH 331, npHie,«k.i* 281, 286. 
297, 437, -«kkaH 481, 482. 

Verhältnismäßig häufig hat sieh hier das l erhalten: aoeaa 82. simäa 106, 
129, Kai!: A 388, KPpABAA 161, AH AH 378. IKWAMA 291, 567, npH!6AlAA 92. 
-MAAH 116. 

Vor jq fehlt es in: E.urocAogkw 158, 298[bis], 379, usmuikt^ 406. 421, 
-MklttSUTf 54, -<UkKtUT«\- 361. -MkMUnTHHjfk 421, -AtkHilUTflC 280, SkHlAlkkS.UITHH.in, 
423, (kCTm» 311, suumk 2. 6. 7. 8, 9, 17, 52, 65, 58, 80, 87, 96. 111, 114. 
128. 132, 137, 166, 176. 232. 238, 249, 257, 258, 262, 352, 397,420. 437, 448 bis., 
449 ;ter. 464. 458. 458, 469. 478. 484, 485 bis', 505. 509. 529?ter), 630. 553, 560, 
566, st aus: 128. nuskuMuri ca 399. K'UKkLv.KTi.u'k ca 89, 3usk«iuroy 563, hska- 
ltk»ttktl!T<S 4. HURASkUK 162, 512, MHt.HMSUITt 430, HCnjMKklJK 469. KillkHkUlTHH 327, 
Kß*KA\ktiK 505, iHOKküf. SS, «RkWAIkUKT-k 885, «tKHBkUA 263. «C.vfcnkU 554, «CTARktK 
7. 259, 302, 375, 423, «T'kHf.ukMkurr'k 297, «T>cTxnkK> 230, 235, ner^tki* 12, 
104, 112. 176. 181, necTABkK 1, 222, 376, 424. npiiie.Aiki*. 13, 231, 510, hiubti 
118. 262, 335, 406. 446,492. -AtkBsurrcv 381, 563, -su.i*uiT«-^-Ato\-457, -mt&uiTM 
341, -MLHkATHH 244. • AlkBklUTHHAt'k 94, npite.U’hGkUlTCV' 246, CAAK«CA«EkHk 261, CAJ- 
Bki*i 5, 115, ckiieAtkt» 554, c-kTp-kiikb*. 253. Mp’fcnkBuiiTt 398, \-Aiikts.iuTt 135, 
kiKkiS, 240. 

Mit l: B"kStA!.iA,üiTt 216. rH-kslv. 242, aheax 151, ssmaa 62, 128. 129. 134, 
137, 167, 3fAtABK 131, KanÄAUlTA 51, Kftk.MÄA 519, KCV'IM.Y. 55, npHK-AÜs; 87. llßH- 
leAtäsiT-k 83, iemIattl 134, i«AtÄAuiTt 174. 

Vor ju fehlt es in: a«»«.««- 193, kahuo 499, Kepjskic 151, 400. 

Dagegen mit l. Etsok-MkAio 2, 153, 356, 425. 

Auffallend ist im Supr. der so häufige Gebrauch des k an Stelle 
des ausgefallenen ?: ocTaEktetTK, stMkia, sesikMi usw. Fälle wie 
EAdrOCiYÖBfH’k 326, OCTdKtHOy 218, OTpdRfNd 212, »UCTAKtHHH 
277, oynpaKtäut 212 (ncueu’ieu'k 360), paSAOUHiuM 218, to- 
UEHHH3 161, oraoEiHHie 119, KponauH 390, seukr 128 sind Wer 
vereinzelt. Das k V: linden wir mehr oder weniger nur vereinzelt 
in anderen Denkmälern, so im Euch, sin.: ApcKke 85a, im Ps. sin.: 
rAWti'MHH’K 273, 3Hivfc 44, 63, sarki* 26, H3u,tK'khv 31, 3<- 
Mkbk 182, 3 eu~kla 43. H'kKOKkio 191, dann in der Sav. kn. (vgl. 
oben S. 331—332). In manchen Denkmälern bietet sich dazu keine 
Gelegenheit, da hier vor den betreffenden Vokalen das I nicht 
ausgefallen ist wie im Zogr. (nur npHCTafieHkf und mehrmals 
EArcESH’k), Cloz. Mar. Dagegen bot sich im Ass. einigemal die 
Gelegenheit und es wurde kein k (V; gesetzt. 

Schon in der oben S. 332 erwähnten Arbeit habe ich die Ansicht 
ausgesprochen (S. 14 bzw. 754), daß dem k in unseren Fällen keine 


me 


Lautlehre. 


lautliche Geltung zukomme (vgl. GfHkiaunHa 367) und wenn da¬ 
neben auch die Schreibung npHCTUKHteHH 14 vorkommt, so sei 
sie so zu beurteilen wie hj c>\fTpkia 19 neben na oirrpHia 46 und 
daß das i in solchen Fällen gewiß nicht überall ausgesprochen 
wurde wie eben in npHCTdKmeHTk (S. 34 bzw. 774). Es hängt 
also zusammen mit der schriftlichen Darstellung des verengten k 
in schwacher Position (es wurde als k und als t« geschrieben zur 
Zeit, als es nicht mehr ausgesprochen wurde; vgl. oben S. 239 f.). 

Mit der oben S. 230f. behändesten Schreibweise des modifizierten (verengten) 
k in us, eie usw. deckt sich auch tatsächlich jene der Labialverbindungen 
.«us, /Mi»«...,, nha, ntie... nsw., wo das b wohl ebenfalls als i (selbst vor 
iotierten Lunten !j fungiert. Mur vor % und b taucht wieder dieses b nicht 
auf (vgl. Verf. Zur Kritik S. 13}, offenbar auch deshalb, weil das jY und j's 
ein i nnd & ergab, daher pAcunH 22 (nicht pAc-umm), bi, kapash 151, kapasb 150, 
151, 294, aber hc KApaska 60, eb HHcKAynH rps^k 233, aber H3 rpaAA enHCKcynka ib. 
Allgemein sonst: taaibhshhk:, n»cTSBM*. kaubia 499, SfAiktv nsw. 

Die Verbindungen Atue, atkta usw. unterscheiden sich aber von den früher 
behandelten, die ursprünglich ein £ enthielten, dadurch, daß in ihnen das k 
nur ein einziges Mal durch h ersetzt wird: npHcTasmsHH 141) (neben npHcTAEk- 
tsuuHp, 15, das bei Miklosich S. 260. 2 enthaltene h3saehaiu£ war nicht ur¬ 
sprünglich im Texte, s, bei Severjanov S. 352 Anm.). Der Schreiber oder 
die Schreiber des Supr. konnten diesen Unterschied machen, da es neben 
npwkKkis schon lange anch eine gekünstelte Ansspraehe iwek-behek geben 
konnte, was bei 3iMkia, das erst wohl durch den Ausfall des V aufkam, nicht 
der Pall war. Schreibungen wie npncvaKw6NH konnten daher nur durch mecha¬ 
nische Vermengungen entstehen. Theoretisch würde man eine verschiedene 
Aussprache dieser Fälle nicht erwarten. Man kann auch voraussetzen, wie 
es Sachmatov (S. 493) tut, daß die Schreibweisen akhic, hbcthbk, Konme usw. 
Reflexe des Originals sind, während caabbi* 115, 3iaibh; 114, aakbbfa 115 nsw. 
ein c.ubabk, 3f.wAi*, aasabpa usw. des Originals voraussetzen. Diesem entspricht 
wohl auch 3fA«x 62, 128, 3 <maa 129, apeahh 59. 

Die Schreibungen ha «|-aab(hhi6 119, VAAtmme 161, octaksnay 218 usw. sind 
in Zusammenhang zu bringen mit Schreibweisen wie npHie«AST-k. 166, 510, ct,- 
E-kK«fnAiHo 318, Kk3fAiAiuiH 415, wo das Erweichungszeichen ansgelassen wor¬ 
den ist (sonst seltener: aakaab 96, Ef3oyMkAH 29). Unter dem Eindrücke solcher 
Formen konnten Schreibungen entstehen wie actae(hav nsw. Im Sinne des 
Supr. ist CTvB'BKAynk!6HHH 200, TA.Ukieiime 1, EAdrOCAABkHJH'k 326 und AWETxtEHHUH 5 
(mit ’b st. k)-j. Dagegen hiiden einen Übergang: c’kB'-b.KoynkeHHB 54, H3EAEktHkie 
483, HcnpAKkmkM 521. Ein Schritt weiter führte zu «,-AostNHie usw. Die Schrei¬ 
bung 3£,«i* 128 steht ganz vereinzelt da. 

V 1 S6epkin führt ans Ps. Boa. anch ein 3 <a»hjk 140.1 an (Eoaohck. nc. S. 205). 

Vgl. noch HSEdB’kia'n, 3. sg. 269, np-fci6At*BH:u)TAy 246, nocpdArkieH-kiHyk 524. 



Lautlehre. 


33? 


Zu erwähnen ist noch, daß kein l auftaceht, wenn vor den 
Labialen noch ein Konsonant steht, daher oyHaßfHTv 86, cobeitu 
nnd a3BiHn 436, MfupkiuTBCMH 495, o^'upnuiTßiHO 504 (es kann 
aneh das a ansfallen: «fiipkUiTSHTUi 479. 30; oyupkurrtHH 349. 9: 
«YupTiurrsHO 561. 26—27), KAarop.apcTB'fcAuiE 300, ovupkujrßk- 
HteTiv 479. 

Kamen die aksl. Denkmäler auf einem Boden zur Abschrift, 
wo das l-e p. heimisch war, so wnrde es natürlich mehr erhalten, 
was teilweise im Cloz. und Mar. beobachtet werden kann. 

"Wir bemerken, daß sieh unter dem Mer aus den verschiedenen 
Denkmälern angeführten Material einige Erscheinungen wieder¬ 
holen, so daß sie einen mehr allgemeinen Charakter haben. Auf¬ 
fallen muß zunächst der häufige Dat. Lok. sg. 3 emh. Im Sapr., 
Cloz., Euch. sin. und in der Sav. kn. ist diese Form ausschließlich, 
ein seuah kommt hier überhaupt nicht vor. Im Mar. kommt letztere 
Form nur zweimal vor und 3ef.iH rund 50mal, im Assem. 3 suah 
sechsmal nnd 3 euh 23mal. Anders ist das Yerhältnis im Zogr. 
und Ps. sin. Im ersteren ist 3 smh dem 3 euah gegenüber in der 
Minorität (17mal 3 euh, 26mal 3 euah), und noch ungünstiger ist 
das Yerhältnis für 3fUH im Ps. sin. (zehnmal semh nnd 57mal 
beuah). Bei dem altertümlichen Charakter dieser Denkmäler (im 
Zogr. insbesondere hinsichtlich des m nnd k nnd anderes) muß 
man 3 eiiah für die ältere, ursprüngliche Form halten. Sie war 
also die regelmäßige Form zu 3 emah. Als eine nach den »-Stämmen 
gebildete Form wird dagegen unser siuh dnreh 3fiiktK im Snpr. 
257. 28 illustriert und die letztere wieder durch 3 emiii& im Ap. 
v. Ochrida Bl. 112 und zwar ganz unzweifelhaft. Es kamen also 
in einzelnen Kasus Formen nach den t- Stämmen auf, wohl als das 
l schon zu schwinden begann, so 3eukBSi, so 3 emh. Dann konnte 
hier natürlich kein 7-ep. bleiben. Früher nahm ich an, daß der 
i-Stamm seit altersher im Slav. neben dem fs-Stamm vorhanden 
war. Allein er scheint sekundär zu sein. So haben wir z. B. 
schon im Ab. einen G. sg. zemi (nach dem i- Stamm. Belege bei 
Gebauer III1, S. 208], aber nicht, wie es scheint, den N. A. sg. 
zem, sondern Gebauer belegt es erst aus der Kralitzer Bibel (S. 207). 
So mag auch sekundär sein das ksl. 3 £Uk (vgl. im Sestodnev des 
Joh. Ex. v. Bulg. Bl. 168 b Kol. II1, eig. 172 b II1: wpoyEktaieuTi. 

Yondrak, Altkircieaslaviselie Grammatik. 2. Aufi. 22 



338 


Lautlehre. 


3fUk rcaqaie^vdfisd-a yfv\ auch Sreznevskij hat einen Beleg au» 
dem J. 1375: ha 3«hk, das er als einen Fehler für na 3£mk auf¬ 
faßt, MaTep. I S. 975 und 977, vgl. jetzt im Russ. o 3em>). Es 
hat also zwei Formen nebeneinander gegeben: 3 £Mah und das neue 
3fiiH, das offenbar mit analogen Formen der t-Stämme in Zu¬ 
sammenhang gebracht wurde (vgl. 3fMkEk). Es ist begreiflich, daß 
die Form 3iuh frühzeitig siegen mußte, sobald sieh eine gewisse 
Reaktion gegen das l bemerkbar machte 1 ). 

Analog verhält es sieh mit 3£MAkci:Tv (und 3«u,\kn r k) und 3£- 
tikcK k (3fUkHTi). In den Kiever Bl. ist nur 3£MAkCK"k zweimal. 
Sonst sehr vereinzelt: so einmal im Mar. (3£MA'kcKa'k neben 3f- 
U-kCHHH. 3£f4TvH'kllA Und -!4'kH r k.'klX"k}, im Ps. Sin. (3f MAkCTH 
neben 3 £MkCKAls), in den anderen Denkmälern nicht mehr vor¬ 
handen, sondern nur stunden und 3£MkHi». (je einmal z. B. in der 
Sav. kn., 3fUkCKTi selbst auch im Ostrom. Ev. 146). Es ist be¬ 
greiflich, daß ein 3£MkCK"k, 3fMki-n» leicht aufkommen konnte, 
sobald neben einem 3fUAia usw. auch ein 3£un aufgetaucht war. 

Mehr oder weniger analog scheint es sich mit KOpaEA'k ver¬ 
halten zu haben; so finden wir es noch häufig im Zogr. (elfmal), 
auch in der Form kopaeah (zweimal) und KOpaEAHueMk, im Mar. 
(zweimal, kopaeah dreimal), Assem. (viermal), Ps. sin. (kopaeah 
und KopAEAHjfk), Sav. kn. {kopakak zweimal) und selbst auch im 
Supr. KcpaEA'k einmal. Es muß nun noch einen i -Stamm KopaKk 
gegeben haben. So ist noch im Ab. koräb , korabi Fern, (ein i-Stamm, 
vgl. Gebauer, Hist. ml. EI 1, S. 91, auch im Poln. ein Fern, korabi, 
korabli, neben hör ab, -bia), der Genuswechsel konnte hier erst 
später eingetreten sein. So würden wir das frühzeitige Auftreten 
der Formen wie KopdEH, KopaEHU,k, wie wir sie oben hänfig ge¬ 
funden haben, begreifen, falls nicht’ der Lok. sg. entcheidend war. 

Anders geartet war der Schwund des l in EAarocAOB£H%, der, 
wie oben S. 324 erklärt wurde, als ein Dissimilationsprozeß wegen 


*) In den anderen Kasus bestand zunächst diese innigere Berührung nicht: 
Gen. 3imam> und 3£aih usw. Hier konute also die Beeinflussung nicht eintreten 
oder sich geltend machen. — Auch Kul’bakin hält denlnstr. sg. 3 emhx des 
Ap. aehr. für eine Analogieform (S. cx). Ein zweiter Beleg für einen der¬ 
artigen Übergang ist auch der Instr. sg. eimtphhk, spaTpu* Mar. Zogr. Luc. 
21. 16, SjUTHläK Ass. 



Lautlehre. 


339 


des vorhergehenden l aufzufassen ist (im Supr. z. B. fast imr eaato- 
c.teskfH’k usw., im Ostr. nur -cAößAieH'h). Eine analoge Erschei¬ 
nung kann auch hei ccaakai beobachtet werden: im Ass. einmal 
schon ocAJKtHeyuov, in der Sav. kn. schon nur ocAAKfH’k eifmal, 
ebenso bei K'kSAtoEAfH’k, R'k 3 AWK,\k usw. srk3AioKk schon im 
Cloz. (II 126), im Ass. KkSAKstHk zweimal (wie auch das ein- 
rqalige ocAAKtucviioy} und fünfmal noch -KAtH'k; in der Sav. kn. 
schon nur irkSAWKfHk (viermal), wie auch ocaakihti. So vielleicht 
noch andere Worte (vgl. das im Ps. sin. einmal vorkommende 
U’ktHH’k 273). 

Bei den Mer besprochenen Formen, die zn jenen gehören, die 
am frühesten das l verloren, konnten wir das 1 in altertümlichen 
Denkmälern immer noch nachweisen. wenn auch mitunter nnr ver¬ 
einzelt. Wenn wir nun mit dieser Tatsache noch eine zweite ver¬ 
knüpfen, daß nämlich desto seltener das l ausfällt, je genauer, 
je altertümlicher das Denkmal ist — wobei insbesondere an die 
Kiever BL, wo überhaupt kein l ausgefallen ist, und an den Zogr. 
zu denken ist —, so kommen wir zum Schluß, daß zur Zeit der 
Begründung des aksl. Schrifttums der Gebrauch des 1 noch regel¬ 
recht oder nahezu regelrecht war 1 ). Das war wohl noch im Laufe 
des IX. Jahrh. in den damaligen bulg. Dialekten allgemein der 
Fall, im X. Jahrh. hat es aber schon zu schwinden begonnen und 
dieser Prozeß war in den damaligen Dialekten jedenfalls sehon 
mehr vorgeschritten, als wir aus den erhaltenen Denkmälern aus 
jener Zeit schließen könnten®). 

Der Schwund des l mag sieh vielfach nur als ein Ausgleichungs¬ 
prozeß geäußert haben, da ja neben den /-Formen meist noch 
andere desselben Wortes ohne / vorkamen. So insbesondere beim 
Verbum. Namentlich im Part. prät. act. I der Verba der IV. Kl. 
mußte das l als ein unbequemer Laut empfunden worden sein, 
nachdem der Halbvokal Mer geschwunden war. Daher bemerken 


*) Wie es im Urslav. war, ist eine Frage, die uns hier nicht beschäftigen 
kann. 

5} Auch Jagic meint, daß im Bulg. ein nachträglicher Schwund des ^-ep. 
anzunehmen ist, der im Verlauf der Zeiten zunahm und möglicherweise dort, 
woher die aksl. Sprache bezogen wurde, im 9. Jahrh. kaum erst in Entwickelung 
begriffen war (Zur Entst, 2. Hälfte, S. 56’. 


22* 



340 


Lautlehre. 


wir, daß hier frühzeitig auch das l zu schwinden begann (vgl. die 
Formen asauid ca, ocTJBk, -EkLua, -Kkuif, npHrrxnk nsw. schon 
im Zogr.). Daß speziell das k oder h auf den Schwund des l 
direkt einen besonderen Einfluß ausgeübt hätte, kann nicht nach¬ 
gewiesen werden. Wenn wir sehr häufig 3 (Uh gefunden haben, 
so ist der Grund, wie wir sahen, wo anders zu suchen. Im Supr. 
finden wir Lab. + Fi häufiger als z. B. Lab. + l'e. 

Das hierher gehörige Material sammelte P. Oreskov aus den 
Denkmälern: »OTHOinemwTa na oTapoÖMrapcKHTi naareTHHim ktstb 
eneHTeraiHO . 1 « in IIsbücths Ha eeMHHapa no eaaß. «HioaorHa npn 

ysHBepcHTeTä m. Comh, kh. II, 1907, S. 1 — 64 ’). Daselbst ist auch 
die nähere Literatur angegeben. Darunter verdient insbesondere 
Scepkins Abschnitt über diesen Gegenstand in seinem Pa3eyKs. 
S. 257—269 hervorgehoben zu werden. 

In den mittelbulg. Denkmälern finden wir noch das l , es 
wechseln auch beide Formen mit und ohne l ab, doch dürfte das 
l seine Erhaltung zumeist nur der graph. Tradition, zum Teil 
vielleicht auch einer gekünstelten Aussprache zu verdanken gehabt 
haben. So finden wir es noch z. B. im Ev. Dobr. 

Einmal mit iiberschriebenena a: ha 3fiW'Hl47a3, sonst nur 3 imh (16 mal), 
3«/wfc 108b 15 neben stau’fc 15b 9, 151a 19, 181b 4, 3 £«bk 129b 18 neben 

3f«.«K 46a 10, 60a 7, 81a 11, 82b 7, 3!.«% U2a8,118a 4; 3fA<* 109a 3,130b 7, 
162b 8, daneben noch 3 (maa (bzw. -«) 45a 19, 69b 13, 74b 13; nur iwfUEk 
45a 18, 59b 8, 61a 9 usw., ebenso be ... kopask 139b 15, 140a 3, neben Kopac,« 
45 b 1, 181a 16, du. 46 a 10, 45b 16; k«pakhua 45 a 14. Nur 112 a 7 und 
KaiMBEiuH'fc ib., KafnAi* (Akk.) 101a 3; neben ap'bas 67 b 8, 69 a 5 auch ApfKi 
67 b 14 und neben «mpaAiAt 105 b 12, 149 a 19, 161b 9, abpamahs 83 a 16 und 
AspaAi,« 149 a 4, 12 auch abpaau (sc. aoh«) 93 a 17; Kp-knAin 73 b 14 und np-tms 
40 a 8. Neben ceAOMAiN(A»k 68 b 18 auch 'ipcÄXi-kuk 144 b 16. 

ln den Partizipialformen finden wir es auch noch vertreten: cctabae 
20a 11 und cctabaeuic 70b 14 neben octaeeiiie 9b 10, 20a 7; ripHcrxnAfc 54b 11 
neben npHcrxm, 71a 3; npHCTxnAuue 2b 16, 59b 13, npHCTxnABiuH 61b 11 neben 


*) Manches ist hier unrichtig. So S. 21 durchwegs KAarecAOBAfNA usw. zwölf- 
mal aus dem Mar., dort wird aber das Wort immer in einer Abreviatur ge¬ 
schrieben, aus der nicht das l erschlossen werden kann. Der Autor richtete 
sich nämlich hier einfach nach dem Index in der Jagidsehen Ausgabe, wo 
dieser Fehler auch vorkommt. Die Schlußfolgerungen sind infolgedessen 
nicht immer richtig. Dagegen schrieb auch rpyacKiä in 3tMHH. 1908, Juli, 
Oreikov antwortete ihm in PyccKiä «na. bücxh. 1909, Nr. 1, S. 97 — 110. 



Lautlehre. 


341 


n^HCTXHum Sb 16, 63b 6 u. a. octjkwhi 34b 9, ek npiAOAumro 120a 8; dann caaex 
( für ciuia»! 150b 9, ufeaiMx. (für -um) 162b 1, «tu (für •um' 168a 14, nptuAuc 
für -au«. 137 b 8, 138a 6 gegen t«A»; 167b 10, i-ueabk 90a 1 n. a.; neuen ;ftir 
KMAierk.; 66 a 1, imiti 138 a 1, 138 b 1 usw. 

kaai-5c*58hth wird in aliea Formen ohne * gebraucht: E<uroc»B-t«jui 3b 13, 
-K-irn« 121a 8, -RWE 32b 4, 34a 1, 85a 14, 161a 19. -sau 31b 4, 32b 3, -uhmt» 
21a 3 (vgl. Jagic, Ev. Dobr, in Sitznngsfe. 138, S. 54—56;. 

Verhältnismäßig häufig finden wir das / auch noch im Ap. 
v. Ochr. Kul'bakin hat heim Hanptschreiber 26 Fälle ohne l und 
aber 100 mit l gezählt, darunter ein beträchtlicher Teil mit u und 
überschriebenem .i (S. cu—cm). 

So haben wir hier summ 46 b usw., nocpaAtiHUHj-i. Bi. 88, raaiuecmi 92 usw., 
k-k3a»e<k-u 81b, «»'iiihh 60b, n'EH«E(MK5 23b, wehabbug.wv 9Sb usw. Daß das l 
nur mechanisch gesetzt wurde, dafür spricht ap'e3he'8,uhh! 70b, wo wir kein l 
erwarten. 

Häufig ist noch das l im Et. v. Bojana: neben 3i*tn auch noch »imah 
6b, 100a, 109a, 109b; neben auf 27a noch cs.u.vfc 42a, 72a. 78b, 94a; 98b, 
k«PAeak 11b, K«f»4EH 2b, KepaEAk 2:i bis). 2b; neben njtHcTxni, 4b noch npHcTät- 
oae 12b, 96b, npHCTjuiAkuif 9b usw. (Knl’bakin, Manepiara lapaai. cpejue- 
äs. X, S. 54—55). 

Im Ps. v. Bol. finden wir Formen wie 1. sg. c-eiia 16. 2, imaoea ca 40, 
H3EAB«tma 80.1 nsw. ibeim ersten Schreiber}, coa 161. 4, fao^aia ca 193. 3, ««- 
Paka (Akk. pl.) 177, 2, KcpAKHx'E 177.1. 2, HScaEfHHf usw., häufig (beim vierten 
Schreiber). Hier auch fehlerhaft npocAasAA-n. 141. 3; vgl. auch 3 (.«hx 140.1 
Süepkia, Boje. nc,, S. 203—205). Häufig auch noch das l. 

Anch im Trn. Ev., wo z. B. noch k«pjeae vorkommt: Mat. 14. 22. 32; 
Marc. 3. 9; 4.1. 37; 6. 45. 47.51; 8.10; Luc. 8. 22. 37; Joh. 6. 21 neben k®paek 
M at. 13. 2; 14. 24; Mare. 5. 18; 8. 13; Joh. 6. 22; 21. 3; k»paeah Marc. 4. 36; 
Luc. 5. 7 neben kspaeh Mat. 14.33; Mare. 4.36; 5.21; /«E'katui Joh, 11.36 neben 
A!eE.vkiuii Joh. 11. 5; 13. 23; 19. 26; 21. 7. 20; «er aus. Maro. 14. 52: Lue. 5. 28 
neben «ctaeae Mat. 26. 44; Marc. 8.13; 14. 52, «ctabauim Luc. 10. 30; sipktwA«- 
samt Joh. 7. 14, npHCTxnuiH Mat. 18. 9, npnrr.sm.iiif Mat. 13.10; Marc. 10. 2, doch 
auch njsHCTsuMt Mat. 18. 21; 19.16; 21. 30; 26. 49; 27. 58 ; 28. 2; Marc. 1. 31; 
Luc. 7.14: 10.34: 23. 52; npHCTxnAuats Luc. S. 44 usw. — 3 jma Mat, 13.5; 14.34; 

23. 35; 25.18 usw. neben 3 cmaa Mat. 12.40; Marc. 4. 5 usw., :«Mh Mat. 9.26 nsw., 
aber selbst anch 3 imah Mat. 9. 31; 10. 29; 11. 25; 13. 8; 16. 19 bis ; 18.18 bis.'. 
19; 25.25 ; 27. 45 usw.; 3 c.ut.cthh Mat. 17. 25, 3 cmha Joh. 3.12, simhaä Mat. 

24. 30, stMH-ujfT. Marc. 4. 31 (Yaljavec, Tm. Tetrajev., S. 22;. 

Es sind auch Versuche gemacht worden, das l in der Schrift 
zu restaurieren, aber ein Reflex der wirklichen Volkssprache war 
es nicht mehr. 

In den serbo-kroat Denkmälern bildet das l natürlich die 
Regel. Vom Ev. Mirosl. sagt Lj. Stojaaovic, daß das l darin nie 



342 


Lautlehre. 


ausgelassen wird (Spomenik XX, 1893, S. vrn). Sehr häufig wurde 
aueh zwischen den Labiallaut und das l der Halbvokal gesetzt 
(wie aueh in anderen Gruppen): 'fcBkAtNH'fc Apost. Mih. Ephes. 1.16; 
3fiäk.\H Ap. Sis. act. 1. 8; 2. 19 neben 3(Uah 8. 4; 10. 39 usw.; 
jp.u;kAanj 2. 11 usw. (vgl. KJBoymaH der aksl. Denkmäler wie 
Supr. und Sav. kn.). 

Auch in den russ. Denkmälern wird das l regelrecht gebraucht. 
Aus dem Ostrom. Ev. kann nur KopAKHpa 90, KOßABHpcM'k 210, 
KopdKHUtcv ^ UQ d 3iUkCKAa 146 angeführt werden; sonst ist hier 
z. B. regelrecht 3jmah, KopaßAk (nie anders), octakak, npHCTxriAk, 

ßliBAICKAk USW. 

In Texten, die auf böhm. Boden entstanden oder abgeschrieben 
wurden, geht das l auch verloren. In den Prager Fragmenten 
haben wir nur np’fcnoAOBAtHm IA7, dagegen np’fccTAfUHHt IB25, 
31 MM» I B 26, npO’RB'fcBAUH IIA 10—11. 

Vgl. auch k ocAABkHH in dem mehr böhmisch als ksl. ge¬ 
schriebenen Nachworte zum Beimser Ev. 

Labiale mit anderen Kons. Aus pn und bn ist schon im 
Ural, ein n geworden: ovcunxth ,einschlafen‘ aus *u-s%pnqti, vgl. 
oyckNXjfk Ps. sin. 3. 6, orc’kHX 4. 9, Euch. sin. 73 a, 74 a, ebenso 
ruHiv .Schlaf 1 aus *sipm, vgl. gr. vrcvog; kahxth ,tröpfeln 1 , vgl. 
Aor. ka hx ui Mi Ps. sin. 67. 9 neben KanaTH, nanAix dass.; ckrTv- 
hxth ,plicare‘ (vgl. c’kr'kHXB'k Luc. 4. 20 ,zusammenrollen', ein 
Buch) gegen npt-rwEATH ,umbiegen 1 (nptn»iBAKK.iUTf kcaUhj 
,beugen' Marc. 15. 19). 

Häufig wurde jedoch der Kons, wieder aus anderen Formen 
eingeführt: ocAknuxiuA Supr. 323. 5 (ocAkiu oyMou-k ib. 413. 9, 
urspr. *o-slmqti, erblinden 1 ); noru khxth ,zugrunde gehen 1 : noru- 
KHiT’k Supr. 402.15, noi-kiKHx 1. sg. präs. Euch. sin. 84a, ebenso 
regelmäßig norwKHXTH im Ev.-Text, z. B. Lue. 13. 33; 16.17 usw. 
(elfmal); im Aor. nonußf und im Iter. nor r kiK4TH. 

Aus ps und bs wird s: btucok-k ,hoch ( aus *üpsoko-, vgl. gr. 
vipi ,hoch ! ; Aor. no-rpkck aus -grebsb zu rptex, rpiTH ,graben, 
rudern 1 . 

Die durch den Verlust des Halbvokals entstandene Gruppe ps 
wird mitunter dialektisch gemieden und zu sp umgewandelt: c’naHa 



Lautlehre. 


343 


st. ncdtu aus iiecaha za nacATH ,schreiben* Zogr. Joh. 21. 25; 
chanc Joh. 8. 17; nac’ndHbt khh'w Marc. 15. 26 (gleich daranf 
folgt HdU CdHO). 

Aas pt und bt ist i and aas M ein d geworden: no-npItTM 
.schöpfen* (vgl. Sup. ne-nptT’K Joh. 4. 7), Präs, no-spanx; uo- 
-rpfTH (z. B. Mat. 8. 21), -rptEX ,begraben‘: «amti. »siebenter aas 
*sebdmos, vgl. gr. eßdouog (aas *eßäuos, *septmos). 

Die Liqaidae r, r and. I, l. 

Nach der Graphik der Denkmäler könnte man nur ein r, f and 
7 , l fürs Aksl. voraussetzen. also ein anerweichtes r und ein er¬ 
weichtes, dann ein mittleres l and ein erweichtes. Allerdings kann 
man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit annehmen, daß es im 
Aksl. auch noch das dritte nrslav. I gab oder wenigstens seine 
Reflexe, nämlich das harte l (vor nichtpalatalen Vokalen, darunter 
konnte später das t* auch verklingen). Das l kommt zustande, 
indem die hintere Zunge gegen den rückwärtigen Ganmen gehoben, 
so daß der Zungenkörper zurückgezogen wird und dort einen Ver¬ 
schluß bildet, bei dem beiderseits an der Zungenwurzel der Ex¬ 
spirationsstrom entweicht. Doch kann es mehrere Abarten geben. 

Bei der Aussprache des l verflacht sich die Vorderzunge und 
bedeckt als eine Fläche teilweise den harten Ganmen. Diese flache 
Bedeckung des harten Gaumens seitens der Zunge oder wenigstens 
ihre Annäherung (dorsaler Verschluß oder Artikulation) ist über¬ 
haupt charakteristisch bei palatalisierten Konsonanten {ä, i, n, bei 
6, i, i). Zn einer derartigen Annäherung kommt es auch bei der 
Artikulation des f im Gegensätze zu jener des r. 

Das r und l erscheinen im allgemeinen im Slav. als Fort¬ 
setzungen derselben Laute aus einer älteren Periode: Efp» ,sammle, 
nehme*, got. laira, lat .fero, ai. bhärämi ; Kp"kBk (urspr. kry) ,Blut*, 
lit. kraüjas ,Blut*, lat. cruor\ urcaa ,Nebel 1 , lit. miglä, tnyglä, gr. 
otuylr .; cao so ,Wort‘, gr. yJJog, ai. Irmas ,Ruhm*. 

Die Liquidae konnten nicht in beliebiger Stellung im Worte 
Vorkommen: die Stellung nach einem Vokal mit gleichzeitig dem 
r oder l nachfolgenden Konsonanten war ursprünglich unmöglich. 
Dagegen waren die Liquidae im Wort- und Silbenanlaut überhaupt 



344 


Lautlehre. 


möglich und zwar entweder allein oder mit unmittelbar vorher¬ 
gehenden Konsonanten, z. B. pxaa ,Hand‘, aUrtv ,link‘; crap-k 
.alt 1 , /KiA’kTH ,trauern“; Kp'kUAa ,Nahrung 1 , haamk Weinen“, 
,weise 1 ', hka-k ,der getragen hat 1 . 

Die früher erwähnte, im Aksl. ursprünglich unmögliche Stel¬ 
lung 1 ) mußte in eine der möglichen umgewandelt werden. Dabei 
sind mehrere Kombinationen möglich, die wir durch folgende For¬ 
meln ausdriieken wollen: ort-, olt -; ert-, eit-', tort-, tolt- und tert-, 
telt- und schließlich die fort-, folt- und fort-, feh'-G-ruppe, wobei 
an die Stelle des t auch andere Konsonanten kommen können 
{nur nicht j). 

Die Gruppen fort-, tüt- und fort-, folt-, welche schließlich nach 
der Umstellung der Liquida mit dem iv oder u zu einem r , bzw. 
I führten, sind schon oben S. 160 f. behandelt worden. 

Muß nun bei diesen Gruppen mit Tv und k eine Metathesis 
vorausgesetzt werden, so ist sie auch bei den anderen von vorn 
herein wahrscheinlich. Bei der ort-, o/i-Gnippe habe ich übrigens 
auch schon früher die Metathesis angenommen, wenn auch nicht 
fürs ganze Sprachgebiet (Yergl. slav. Gr. I, S. 297), allein sie war 
hier offenbar allgemein. 

Ein ursprüngliches ort-, olt- mit steigender (gestoßener) Into¬ 
nation 3 ) führte fast auf dem ganzen slav. Sprachgebiete durch die 
Metathese zu rat-, lat-, wobei ort-, olt- und vielleicht auch noch rot-, 
löt- die Übergangsstufe bildete. Bei einer steigenden Intonation kam 
der Nachdruck auf den zweiten Bestandteil des Diphthongs, hier 
r und l, welche Laute unter einem derartigen Akzente eine Deh¬ 
nung erfahren konnten, wenn ihre Aussprache in dieser Stellung 
gewisse Schwierigkeiten bei der Aussprache zu verursachen begann. 
Yon ihrer Dauer konnten sie leicht etwas an die vorhergehenden 
Yokale abgeben, so daß diese gedehnt wurden: ort-, olt-. Solche 


*) Erst später als die unbetonten Halbvokale in gewissen Stellungen ge¬ 
schwunden waren, ist es aueh zu dieser Stellung gekommen: B-fcpH» Supr. 
462.19; .VAupun Ass. Luc. 7.12, «fmepiuef Hat. 2.19; n«i\si ib. Job. 12.19, a«- 
«esHH Luc. 3.14; »mm Mat. 25. 44 usw.; T6»puk Cloz. 267 usw. 

a j Diese Intonation verrät einen ehemaligen vorbaltisch-slav. Langdiph¬ 
thong: ör, öl; sie erhielt sich noch als der Diphthong die Länge verlor und 
zwar aueh im Lit. 



Lautlehre. 


345 


Wirkungen von tantosyllabischem r, l finden wir sonst auch in 
anderen Sprachen. So z. B. ags. äld. wind, ward aus den Grund¬ 
formen ald, wind, word, engl, mild, d. h. ma{ld ans mild und dieses 
aus mild (Sievers, Grundz. der Phon. 5 § 845, vgl. auch lat. forma 
usw., Solmsen, KZ. XXXr\ r , S. 23, Kretschmer, Griech. Vasen¬ 
inschriften, S. 42, Anm. 1). Bei einem oft, olt *) wäre eine solche 
Übertragung der Quantität auf den vohergehenden Vokal leichter 
möglich und daher würde sich der gemeinslav. Charakter dieses 
Prozesses {mit einer geringen Ausnahme, wie wir sehen werden) 
erklären. So haben wir iUiuth ,hungern* (neben «imiKJTH;. 
s. ldkom, slov. läkati ,hungern*, läkom ,gierig 1 , r. läkomyj nasch¬ 
haft', p. laknqc .hungern*, ab. läkati ,heftig verlangen*, lit. alkstu , 
älkti , hungern*; pattu .uvr^ieiov, Grabdenkmal. Grab* (Mat. 23. 29 
Zogr. Mar. usw.’, s. rdka ,Grahhöhle‘, slov. räka ,Gruft*, r. räka 
,Sarg, Keliquienkasten*, b. rakec .Sarg*, lat. area, ahd. archha {neben 
archa)\ pn.to ,aratrum* Supr. 396. 1), hg. rälo, s. r'äln, 

slov. rälo ,Halbpflug*, r. rälo, p. radlo .Hakenpflug*, b. rädlo, lit. 
ärklas ,Pflug 1 , dazu auch paTon ,agricola* (Supr.), s. rütaj (auch 
rdtär) ,Ackerer*, slov. rätaj (und ratär }, r. rätaj 1. Ackersmann, 
2. Krieger (dieses zu pjTa), p. rataj, h. rataj, ratej , Ackersmann', 
lit. artößs ,Pfliiger* zu ariü, ärti (aksl. opaTn) s ) ,pflügen*; patso 
(Du. paut Luc. 15. 5 Mar. Zogr. usw.), später ksl. pau-a ,Schulter“, 
bg. rämo, s. räme, rämena, slov. räme, r. rämo , p. ramiq ,Arm*, 
b. rämi ,Arm, Achsel*, slovak. rameno ,Arm‘, lit. ärms ,Vorderarm 
am Wagen*, lat . armm, ahd. ararrt, arm ; pdTk ,Kampf (Supr.), 
s. rät m. f., Krieg*, r., klr. ratb ,Streit, Krieg, Heer*, vgl. gr. $Qig. 

War die ort-, o/t-Gruppe geschleift {fallend), so wird im Süd- 
slav. daraus rat, lat iort im Aksl. ausnahmsweise zu rot- und olt 
auch zu alt-), im Buss, und Westslav. (b. p.) zu rot, lot ; das Slovak. 


n Natürlich nicht im Fortunatovsehen Sinne, der hier von einem nrspraeh- 
liehen oft, olt ansgeht, was allerdings nicht erwiesen ist. 

s ) Zn derselben Wurzel aber mit einer anderen Intonation gehört das 
später belegte paahh, paahh ,«o»eo«, arvum*. slov. räl, rali ,Banfeld, Joch, Mor¬ 
gen*, kroat. räl m . .auch ral, rali f.) .Joch' (Feldmaß!, r. (»ahm, jioam .Acker¬ 
land* (ar. pAAHie, paahb ksl. Einfluß, hier auch p‘m> m. .Ackerfeld*, das dem süd- 
slav. ral entspricht und eventuell auch eine steig. Int. voraussetzen könnte, 
p. rola, b. role, polb. rüfa .gepflügtes Land*. 



346 


Lautlehre. 


hat nicht selten auch schon das sttdslav. rat, lat. Es bildet also 
in dieser Hinsicht einen Übergang zum Südslay. Man muß wohl 
zugeben, daß die Beseitigung der ort-, olt-, fort-, fo/t-Gruppen 
nicht auf einmal geschah, sondern daß man sich längere Zeit hin¬ 
durch mit den unbequem gewordenen Gruppen abfinden mußte, 
bis man Mittel fand, sie zu meiden. So dauerte es -vielleicht auch 
lange, bis es zur Bildung der Nasalvokale kam und auch da sind 
nicht alle Kategorien derselben gleichzeitig entstanden. Während 
dieser Zeit nun ist auf einem Gebiet der slav. Gemeinsprache das 
r und l bei der Schwierigkeit, die seine Artikulation in dieser 
Stellung bereitete, gedehnt worden *) und die Dehnung analog wie 
früher auf den vorhergehenden Vokal übertragen worden. Durch 
weiteren Prozeß kam man dann auch zu rat , lat 2 ), während auf 
dem übrigen, größeren Teile des Gebietes es nicht zu einer Deh¬ 
nung kam, sondern einfach zu einer Metathesis: rot, lot. Wo sich 
beide Gebiete berührten, gab es auf ersterem auch Dialekte, die 
bei ort keine Dehnung hatten, sondern ebenfalls zu rot führten. 
So haben wir ad;\HH (so im Mar., im Zogr. ßt. aa^hh Marc. 1. 19) 

,Schiff', bg. lädija, s. ladja, slov. lädja, r. lodya (ladtjä) neben 
Udbja, klr. lädja, lodb, plb. lüd'a, ab. lodi, dann auch die Neu¬ 
bildung lod, lit. eldija ,Flußkahn 1 ( aldija ); AdKTvTk ,Elle, Ellen¬ 
bogen', bg. iäkat, S. /Skat, -kta, slov. lakat, -ktä, -ktü m., lakdt, 
-Mi fern., r. lokotb, UM ja, plb. HMt, b. lohet , slovak. neben lokei auch 
Iahet, p. lohiec, lit. alküne, elküne ,Ellenbogen, Unterarm, Ecke, 
Biegung, ülehtis ( ölektis , olaktis) f. ,Elle‘, pr. alhunis , Ellenbogen'; 
aahh ,im vorigen Jahr' fu>Th ajhh Ap. Sis. II, Cor. VIII10), hg. 
Uni , po-lani ,vorletztes Jahr', s. läni (südl., lane östl., läni westl.), 
slov. läni r. loni, klr. loni , p. loni, b. loni, slovak. lanajsi ,vorjährig', 
vgl. alat. ollt (aus *olnei) ,tunc‘; paKT* ,Sklave, Diener', pasa 
,Sklavin, Magd', paKOTa (kt«. — rx npo^aH-K btüctti elg dovlov 
l;C(jä&r i Ps. sin. 104. 17), Supr. auch poK-a 3 ), das erinnert an den 


*; Wie es schon auf dem ganzen slav. Sprachgebiete bei dem früheren 
ort, dt geschehen ist. 

-j Auf einem kleineren Teile dieses letzteren Gebietes blieb es einfach 
bei der Dehnung in der Gruppe olt, so daß sie alt ergab. 

*) Im Zogr. pwk, pAK-* Job. 15.15. Auch bei Yenelin p»e-v 273, Urk. vom 
•T. 1618 und in späteren Denkmälern. 



Lautlehre. 


347 


serb. Einfluß (wie auch uora, iera n. a. S. 34), denn im Serb. 
haben wir wider Erwarten auch rob, roba 1 ), was wieder der Be¬ 
rührung mit dem übrigen Teile des slav. Sprachgebietes zu- 
geschrieben werden muß, da wir hier sonst räbili, räbim ,fröhnen ! , 
räbota, rabotati haben. 

Von hier auch im Bulg.: rob, röbat, robe, daneben räbota Arbeit*, 
rabotja ,arbeiten*. Analog auch im SIov.: rob, röba ,Sklave', gegen 
räba i. ,Gebrauch 1 , ,das Tun und Treiben', räbiti gebrauchen, 
machen', rabota ,Frohndäenst‘ u. a. Im Ar. kann man poETi, poua, 
pcKora usw. am ehesten in echt russ. Texten finden (Cpe3HeBcidH, 
Mut. III, S. 125 f.), paK'h., paua, paucTa u. dgl. dagegen zumeist 
in ksl. Texten. So heißt es hier nur pana kojkhh (ib. S. 6), pasa 
KOJKHta, paua XpHCToua, p. TocnoAHta (ib. S. 6f. und 1); ab. rob, 
roba, robota u. a., slovak. rab, rabstto neben robii ; p. rob, roba, 
robic, doch auch wieder rab, insbesondere wieder rab boiy, also ksl. 
Einfluß; ns. rolis, os. robota, ahd. ar[a)beit, got. arbaips ,Arbeit'. 
Es fällt auf, daß einerseits bei den Südslaven rob, andererseits 
bei den Kordslaven und Russen rab so stark vertreten ist. An eine 
spontane Entstehung dieser Formen in den betreffenden Gebieten, 
wo sonst alle anderen Bildungen derselben Wurzel den Vokal a 
aufweisen, wird wohl kaum zu denken sein. 

Weiter: pacTH, pacTX ,wachsen', s. rästi, rästem , slov. rästi, 
rastern, ar. rosti, rostu, daneben ra&ti, rastu, p. roäc (rose), b. rästi 
(aus rösti'j rostu, slovak. nur räsi {riasi}, rastlina (im Osten wieder o), 
so auch pacTTi. (vgl. KT*3- l a,-pacT r k ,aetas‘ Zogr. Mar. usw.), s. rast, 
rästa, slov. rast m. und rast, rästi f., r. rost, p. rost, b. rost; pa3- 
,dis-‘ (Supr. auch po3-}, bg. s. slov. raz-, r. roz-, raz- (ksl.), klr. 
roz-, plb. ritz-, p. ns. ob. roz-, b. roz-, slovak. raz- (auch ros-); 
paghH'k , gleich, eben', bg. raten , s. rät an, slov. raten, r. römyj 
[rämij ksl. ,gleich'), rovnina ,Ebene', rovesnik ,Altersgenosse' (zu 
rovesnyj .gieiclialterigy, klr. ritnyj, p. roicny, ns. rowny, os. runy 
{aus röiony), b. rovny, pr. arwis ,wahr‘. 


ij In den as. Denkm. wiegt allerdings, wie wir sehen werden, (mct* usw. 
vor, aber das kann der Einfluß des Aksl. sein, denn wenn psn’k im Serb. nicht 
sehr alt wäre, könnte man sich kaum sein Anftauchen in dieser Sprache 
später erklären. 



348 


Lautlehre. 


Noch einige Worte wären in beiden Gruppen anzuführen, doch 
sind sie nicht im Aksl. belegt. 

Bei der Gruppe olt haben wir bei beiden Betonungsarten zwar 
immer die Dehnung, jedoch manchmal nicht die Metathesis ge¬ 
funden. Die näheren Belege sind: im Mar. immer aak-, so aa- 
nxuiTa Mat. 25. 37. 44; aahauutsh Luc. 6. 21, aatavUitaia Luc. 

1. 53; Kk 3 A<\'kKA Marc. 2. 25; btsSaaka Mat. 21. 18; Marc. 11. 12; 
Lue. 6. 3; bt».3aaka Luc. 4. 2, et»3aaaka Mat. 12. 3, bibbaaakath 
J ob. 6. 35, K'k 3 a.vKa\"k ca Mat. 25. 35. 42, k ksajakalua ca Mat. 
12. 1, BTiSaAMiTf ca Luc. 6. 25. Im Zogr. haben wir nur B'k- 
3 AAK 4 -, desgleichen Ps. sin.: aasavUit« 106. 5, AAuxipx 106. 9; 
kt>.3aakauiia 33. 11; K^AAT* 49. 12; B'kSAAUA.T'k 58. 7. 15. 
Im Assem. dagegen wieder aak- (btsSeaaka Mat. 4. 2; Marc. 

2. 25: Lue. 6. 3 usw., aatxujta Mat. 25. 37); so auch im Euch, 
sin.: AATiKAHHe 69 b; aaTiKATh 90a, 103b, aaTsHctTs. 104a, in 
der Sav. kn.: AATiS/Ripa 70b, 71, aatsH Aips 125, 133, etvSaatv- 
KajfT». 70b, 71, B’k3aA'kKa 73b, 148b, im Supr.: aaNiht». 123. 20; 
AASTvEA 280. 26; aa’hiiEA 53. 23; aA’sxiuTH-H-Y'k 398. 22; aa- 
h Af.rki 430. 27, AA’KAB'k 518. 21—22; selbst auch im Ostr. Ev.: 
B'k3AA , KAX"k 121a, 121 d, 122a, 151b, btvSaa’ka 127b, 261b; 
etsSaaka 93 c; aa’ma 239 b, AA’nxipA 121b, 122 a, 152c, 161c, 
BTi3AA'KKATH 20a. 

Es gehören hier also nur Zogr. und Ps. sin. zusammen, 
die auch z. B. kahuath erhalten haben (kphhath dagegen Mar.). 
Umgekehrt hat wieder Mar. nur aaa«h: aa^hke Marc. 4. 37; 
Joh. 6. 17: aa^hh Mare. 1. 19.20; 4. 36, aa^hia Mare. 4. 36; 
aaahhpa Marc. 3. 9, aaahhujb Marc. 5. 18. Im Zogr. daneben 
auch BTi aa’^hi Marc. 1. 19 (gleich darauf E T k aa^hi Marc. 1. 20); 
ebenso im Supr. ETv aaahh 428. 21; 522. 8 (aa’atj = aa’atih). 
In den anderen umfangreicheren aksl. Denkmälern kommt das Wort 
nicht vor. In den späteren kommt auch noch aahhh, aaeheh 
neben aahhh ,cerva ! (vgl. aahu) vor. 

Wir fanden hier nicht selten das Ts. in aat».k-, natürlich hatte 
es keinen lautlichen Wert (im Mar. daher auch noch in der Eegel 
ohne Ts, wie auch im Ass. und Ostr.). 

Daß hier die Gruppe alt ohne Metathese gehlieben ist, muß 



Lautlehre. 


349 


— wie auch das analoge toll st. flat ans tolt — dem Einflüsse 
einer fremden Sprache zugesebrieben werden. 

Bei ort ist immer die Metathese eingetreten, die Dehnung aber 
manchmal unterblieben. Allerdings beschränkt sich diese Er¬ 
scheinung mehr oder weniger auf den Supr. und wir haben sie 
oben zu erklären getrachtet. So haben wir hier poE'k (ifcoKTv p.) 
106. 5 (kurz vorher Z. 1) pasn» . . . jfpHCTOca; 239. 19 (auch die 
hierher gehörigen weiteren Ableitungen: posHH, posoTa usw.}’); 
po3-: poärfc 401.4 : 556.29 ; 559.22; pcnunpuTH 535.4; p®3- 
khth 522. 8—9; pocTßopHB-k 554. 26—27; po3AH3 shhh 524. 24; 
p03AHMkH'klHMH 556 17; p03K0HHHKTv 558. 9; -KOU'k 559. 17 J ). 
Man sieht, daß sieh diese Fälle hauptsächlich auf eine Partie des 
God. beschränken. 

Leskien rechnet hierher auch noch po3ra ,Rute“ Zogr. Joh. 
15. 4. 6, pa3ra 15. 2, 15. 5 (an denselben Stellen ebenso 

Mar.); po3ra Ps. sin. 79. 12 (Handb. 5 S. 34). Wir haben oben 
S. 113 gesehen, daß das Wort nicht hierher gehören kann. 

Für ert, eit ist wenig zuverlässiges Material vorhanden. In 
späteren Denkmälern, insbesondere auch in ar. haben wir atse^k, 
r. lebedb ,Schwan', slov. lebed, bg. lebedo, ahd. elbiz, doch auch olb 
mit steigender Intonation: s. labud, slov. labpd (neben lobpd und 
dem erwähnten hl Id), p. labqdz, ab. labud, jetzt labul (wir erwarten 
läbuä, (vgl. albus , dltpög ,weißer Ausschlag“). Dazu gehört auch 
r. lebedd ,melde“, klr. lobodä, p. os. loboda , slovak. loboda, slov. 
loboda, lebeda, s. lobdda, bg. loboda , b. lebeda ; — r. leiina ,Eller, 
Erle“ aus *elJina zu olbcha, ksl. leAkjfa, p. olcha, olsza, b. alse, lit. 
elhsnis ,Eller“, ahd. ,elira“, lat. al[s)nus. p’E^'kK'k ,selten“ gehört 
kaum zu lit. erdcas ,weit, breit, geräumig“. 


*) Später können wir es allerdings dann auch in den mittelbg. Denkm. 
finden. So zitiert Lavrov i»sk aus dem Ev. Grigor. 7, aus dem Karp. Ev. 43 
und ans anderen noch späteren Hss. (OSäopi. S. 59). Daß rob jetzt allgemein 
im Bg. ist, haben wir erwähnt, ebenso haben wir das perk-paK-K aus Zogr. 
Joh. 15.15 schon zitiert. 

*> Das bei Leskien, Handb. 5 S. 34, zitierte paskH-k gleich neben paskH-u 
500.13 ist unrichtig, es heißt Mer: AonAtsn« ums K-fcpoakHxa; am:fpx (nicht Hamrk 

poakH.vw,; ?e>£ ay xgairet.e xrv rr; ;i Uti; tae äyxvgav. 



350 


Lautlehre. 


Da wir bei oll-, ort- mit steigender Intonation auf dem ganzen 
slav. Sprachgebiete ein einheitliches Besultat haben (bis anf alt, 
das neben lat im Aksl. auftritt) und desgleichen auch bei olt- und 
ort mit fallender Intonation (bis auf die Dehnung und alt neben 
lat im Aksl), wenigstens was die Metathese anbelangt, die ja hier 
vor allem in Betracht kommt, so folgt daraus, daß ort, olt früher 
beseitigt worden ist. als tort, tolt und tert, telt, wo wir nicht mehr 
die so einheitliche Metathesis finden. Die Beseitigung des ort, olt 
mit steigender Intonation fällt wahrscheinlich schon ins Urslav. 
und gleich darauf erfolgte die des ort-, oll- mit fallender Intonation. 
Eine analoge Erseheinung haben wir auch bei den Nasalvokalen 
voraussetzen müssen, da auch dort die Tatsachen dafür sprechen, 
daß sie sich nicht gleichzeitig entwickelt haben. Bei den Gruppen 
ort-, olt ist es auch leichter möglich gewesen als bei tort usw., 
denn es vertauschten nur o und r ihre Plätze. Bei trat ( trot ) 
aus tort ist zwar auch dasselbe eingetreten, aber es kamen schon 
drei Laute dadurch zueinander in eine andere Stellung, so daß die 
Änderung mehr durchgreifend war. Bei rat, rot aus ort wurde 
auch der vokalisehe Anlaut des letzteren, den man ja mied, auf¬ 
gehoben, was auch von einem gewissen Einflüsse sein konnte. 

Im IX. oder VIII. Jahrh. wirkte dieser Prozeß einzelsprachlich 
— nur so wäre es ja damals möglich gewesen — nicht mehr, wie 
uns das rom. Wort oa’tap's, (auch AATapt Ps. sin. 42. 4), das wohl 
damals aufgenommen worden ist, zeigt. Ferner das entlehnte 
ap'^H-, dann kommt auch hopaaht»., «paah-k in Betracht. Vgl. 
dagegen z. B. pam'Knrckti ,armenus' Supr. 281. 22, das älter sein 
kann. Allerdings auch ApuetnvCK'k ib. 278.17. Auf allen Ge¬ 
bieten mochte es allerdings nicht gleich gewesen sein. 

Wir kommen nun zu den tert-, telt- und tort-, to/t-Gruppen. 
Diese behaupteten sieh länger oder mußten sich länger behaupten, 
weil man nicht gleich einen bequemen Answeg fand. Darunter 
gab es wieder solche, die eine steigende (gestoßene) und solche, 
die eine fallende (geschleifte) Intonation hatten. Bei den ersteren 
kam es auf die sehon angegebene Weise zn Langvokalen: tert-, 
telt-, tört-, tolt- *}. Aber auch in der zweiten Art kam es, da sich 


s ) Zunächst zu tert, telt usw. Die Inton. förderte ihr Aufkommen. 



Lautlehre. 


351 


die Gruppen, wenn sie auch unbequem waren, länger behaupteten, 
zu einer Dehnung der Liquidae und dann zu einer Übertragung 
der Längen auf die Vokale, so daß man ebenfalls zu tert-, teil, 
tört, tolt kam, nur unterschieden sich diese Gruppen von den 
früheren durch die Intonation, die immer gewahrt blieb. Das ent¬ 
wickelte sich wohl alles noch im Urslav. Dann gehen die slav. 
Sprachen auseinander. Das Südslav. beseitigte diese Gruppen 
durch die Metathesis, so daß man zu trit, tllt, trat , tlat kam 1 ). 
Das geschah aueh im Böhm, mit dem Slovak. Im Buss, ent¬ 
wickelte sich nach der Liquida ein svarabhaktischer Vokal von 
derselben Qualität wie der vorhergehende: teret , feiet, torot , tolot, 
was man als den russ. Voll-Laut (noxHoraaeie) bezeichnet. Die 
Längen gingen hierbei natürlich verloren. Im Po ln. trat die Meta¬ 
these ein, die Längen gingen verloren oder es erhielten sieh nach 
bestimmten Gesetzen Reflexe derselben in einer verengten Aus¬ 
sprache der betreffenden Vokale: tret, tlet, trot, tlot. Das e und 
o in dieser Stellung zeigt sich auch im Sorbischen. Im Polab. 
haben wir tret aus tert, tlot aus telt und tolt, aber aus fort ist 
tort ( tärt ) geworden; das o wird, wenn es unbetont ist, meist als a 
geschrieben: gord neben vdgard, Vgl. noch: chorna ,Nahrung 1 , 
gorch , Erbse 1 , auch das vereinzelte stdrna , Seite 1 usw. 

Beispiele aus dem Aksl.: sptuiA ,Bürde 1 aus Her-men, vgl. 
(f io-uce ; up-fcTH ,sterben 1 aus *merii; Eptna ,Abhang, Ufer 1 aus 
*bergo-, ahd. bürg, got. bairgahei, Berggegend, Gebirge 1 ; eaUuith, 
ka’Kkx ,ziehen, schleppen 1 aus *velkti, vgl. lit. velkü, mlkti ,ziehen*; 
TAtiuTH ,klopfen, schlagen*; — EpauikHO ,Speise 1 aus *borhno, 
got. bariz-eins ,ans Gerste, Gersten-, lat. Gen. farris : cTpana ,Seite, 
Gegend* aus *stor-nä (vgl. st er- in CTptTH, CTkpx ^trecken 1 ); 
rpj r yk .Burg, Stadt 1 , lit. gafdas ,Hürde*; upairk ,Wolke 1 , vgl. 
HpkKHXTH ,dunkel werden*; Rp.\Ta ,Tor‘, lit. vartai dass, zu (3 a)- 
-Bp'fcTH, -ßkpx ,schließen 1 ; rAaroA-k ,Wort‘ aus *golgolo-\ roack 
,Stimme 1 aus *golso-\ kaath, koabr ,stechen, schlachten 1 : ceaakTv 
, Wolke 1 aus *ob-vlakb, *tolko- zu ba-Skai, ka’Kuuth. 

Schon im Urslav. machte man in einem Falle bei tolt von einer 


*) Und zwar trat die Metathese wohl noch bei ö, e ein: trat, tlot, tret, tlet; 
nach ihr konnte e und 5 als e und ä einzelsprachlieh erscheinen. 



352 


Lautlehre. 


allerdings etwas modifizierten Metathese Gebrauch: in *modliti, aksl. 
MOAHTH ,beten, bitten 4 gegen lit. maldaü, maldyti, bitten' und meldzü, 
mehti dass. Man wollte es yon *mold-, aksl. maa,vu und seinen Ab¬ 
leitungen scheiden (im Lit. dafür jäunas ,jung‘, pr. allerdings maldai). 

Daran sind noeh einige Bemerkungen zu knüpfen. Zunächst 
finden wir im Aksl. neben tUt auch tlat. So haben wir neben 
atAtCTH, .bezahlen, büßen 1 (z. B. t£ahhx j\<\ JKA , fcA e '*’'L 

ct^uopo cs.i.pjHUfi* Supr. 360. 13 aus II Keg. 12. 6) auch jkaacth, 
ikaaa», z. B. h« hmatt». mhmti jkaacth Supr. 494. 4 und uonu 
. . . jkaacth ib. 5 und jkaaa* ckup’THKK ib. 9; neben jka-KAIiBa 
,B uße, Strafe 1 auch jkaaakka, z. B. Supr. 422.14. Neben ha- fein». 
,articulus‘ in späteren Denkmälern belegt (z. B. in dem stidr. yon 
Kaluzniacki herausgeg. Ap. XII. Jahrh. ha’Kh'uuh Ephes. 4. 16), 
auch haanTh (z. B. in Ap. Sis. Dat. pl. haahchuk Hebr. 4. 12). Hier 
ist nicht etwa daran zu denken, daß wegen eines etwaigen i das 
e zu o geworden wäre und aus *zold-, *6oln - wäre dann wie in 
der tori-Gruppe ein zlad-, ölati- entstanden 1 ), denn das o hätte 
aus e noch yor der Dehnung entstehen müssen, also in einer Zeit, 
wo es noch nach <5, £ usw. überhaupt unmöglich wäre. Vielmehr 
ist hier in 6U, ile wegen der sehr weichen Laute 6, z das l dia¬ 
lektisch zu einem f geworden und wie in dem analogisch ge¬ 
bildeten Imperative rAdroAlJTi aus Tö ein Ta entstand (rAdro- 
AATf), so auch in unseren Formen. In CA-Kira usw. war das l 
nicht derartig erweicht und so blieb das ö. Auch im Böhm, ist 
ilal neben zieh , ölänek neben ölen, zldsa analog zu erklären und 
daß eine andere Erklärung ausgeschlossen ist, ersehen wir aus 
der Differenzierung des harten und mittleren l in der Kralitzer 
Bibel und in anderen Quellen. Hier ist nämlich das l in unseren 
Fällen nicht hart, also z. B. ilal, ilapati nicht ilal, ilapati , iläb- 
kove Sir. 9. 3 (nieht ilal. . .). Anders im Poln., wo das e wohl 
schon vor der Metathese in o liberging wegen der hier damals 
eingetretenen Verdumpfung des 6, z, i. 

Es gibt Worte, die den Eindruck maehen könnten, als ob das 
Polnoglasie auch im Aksl. aufgetreten wäre, so z. B. leneHb. ,Hirsch 1 
fz. B. Ps. sin. 41. 2: «ash-k, Dat. pl. caehcm'k 103. 18), lit. elnis, gr. 


*5 Vgl. Meillet. Gotting. Gel. Anz. 1910, Nr. 5, S. 372. 



Lautlehre. 


353 


eXcupog aus *ety-bho$ zu tllig aus iXvo-, dazu das r. laut ,Hirseh- 
kuh‘ aus *olni- (o-Stufe). Das ist nur scheinbar, denn ie,una ist 
ein »-Stamm und die Form ist so zu beurteilen wie kjiiehl, ko- 
pEHk, cTfniHk u. dgl., das zweite e ist also vorslaviseh {aus 
eien- ist auch ein- hervorgegangen, das in anderen Sprachen vor¬ 
liegt). Im Aksl. haben wir iieaeha ,Windel 1 (z. B. Cloz. 622, 887, 
888), bg. pelena , s. pelena , slov. aber p!?m, plerdea jauch pelna, 
pelnica), b. plemi , plenka [plena ) ans *plena, p. pielucha , r. pelena , 
klr. auch pelena {pelenJea), aber auch piljuchy (peljusky), poljida 
, Wickelkind 1 (und opeltnok dass.}. Offenbar liegen hier schon im 
Urslav. zwei Bildungen vor: pel-na (vgl. slov. und h., dann lat. 
pellis, gr. -tß.la, U aus ln) nnd pelena mit weiteren Modifikationen. 
Ebenso nEAtCk ,grau, dunkel 1 , später belegt, dem das gr. nileia 
entspricht (vgl. Bohae in Lfil. XXXV, S. 438), dagegen setzt das 
in allen slav. Sprachen vorhandene nAtcm» ,Motte, Schimmel 1 
(später belegt) eine schon vorslav. Wurzel ple (aus pele) voraus. 

In aCEAta©, !KEA - fc3H'k (im Zogr. Mar., im Supr. z. B. 438. 17) 
aidrjQoc liegt mit Rücksicht anf das Lit. (e/eliis und gele-is, preuß. 
gehe, lett dfelfis, gr. yak-z-ös) schon ein vorsiavischer svarabhak- 
tiseher Vokal vor; er wurde hei der Entlehnung (man weiß nicht 
woher, doch handelt es sieh um ein Kulturwort) als 8 gehört 1 ). 
zelizo ist urslav., denn es liegt allen slav. Sprachen zugrunde. 
Dagegen kann man einen svarabh. Vokal in cKtptm» ,wild‘ (Supr. 
häufig), das allen slav. Sprachen zugrunde liegt, kaum sehen, daun 
wir hätten hier dann eher e nnd nicht (. Im Poln. liegt zwar 
hier e vor {swiersepa, iwierzopa ), doch dürfte es anf i zurtickgehen, 
denn auch im Ab. haben wir letzteres (z. B. svefdpicS in der Kn. 
Kozmb. häufig). Die Ableitung von *suerp- ist also fraglich. 
Miklosieh zitiert zwar in seinem Etym. Wib. ar. sverpt, aber bei 
Sreznevskij (MaTepiaau) findet man weder dieses noch ein cespn-, 
worauf es zurückgehen müßte. 

HAA^kHE n. ,Mittag, mittags 1 (z. B. Euch. sin. 50b 3) setzt kein 
*polodbne voraus, sondern ist aus *poltr-dme, *pol-dme (also toll) 
entstanden. Das r k war zwar in starker Position, ist aber nach 


*) Oder kam das 1 zuerst als eine Art Eraatzdehnang für den verlorenen 
Halbvokal a anf in anrfcsHi. (vgl. oben S. 187). 

Vosdrat, AIikirdä«Bslavis<:lie Grammatik. 2-Aal. 


23 



354 


Lautlehre. 


anderen Bildungen, die gewiß vorhanden waren, wenn wir aneh 
bei Mikl. nur noAVAHHKOHi», no<Vkcn;*;,a, H,€ > noAt.A ,iHkH Hiu 
finden, geschwunden. In einem *poM%nb hätte es allerdings regel¬ 
recht schwinden müssen 1 ). Im Böhm, ist aus pohdme regelrecht 
poledne entstanden, dial. dann polodne (naeh holomräz, drlohlav, 
bratrovrak usw., dann auch pololänik , pololetnS , polonahy usw.). 

Analog verhält es sich mit •KTBp’feAa.HkßkH'k pstaQtalog quatri- 
duanus“ (-AEHfKkHk Joh. H> 39 Zogr., -AantK'kHT!. Mar.), das auf 
Setverlz'jdbHWtm zurüekgeht. Kegelreeht wurde seTBtpo- und Hf- 
Tßopo- in Zusammensetzungen gebraucht 2 ). Analog verhält es sieh 
mit uiTKp'SHor’k usw. 

Während es im Aksl. rkptEpo 3 ) heißt, finden wir in einzelnen 
Sprachen Formen, in denen Beflexe des Polnoglasie gesucht wurden. 
So in dem einigemal im Ar. auftauchenden cp’kEpo (CodoaeBCKin 
AeKifiH 8 , S. 23), doch ist zu bedenken, daß in der ksl. Gruppe trit 
und UM aus tert und telt in russ. Denkmälern häufig i für 'S ge¬ 
schrieben wird und so konnte analog auch umgekehrt in cptEpo 
hier und da ein geschrieben werden. Die Belege sind nicht 
zahlreich. Sreznevskij hat nur einen (III S. 479); vorwiegend ist 
im Ar. cfpfKpo, dann cptEpo und selten ckpiEpo. Das im Klr. 
vorkommende cpie.io erklärt Fortunatov 4 ) für eine Entlehnung des 
poln. irebro (im Ap. srzebro , z. B. im Ps. Flor., dann irebro und 
irebro , jetzt srebro), wobei zu beachten ist, daß im Klr. daneben 
aueh noch epeßpo vorkommt (und cepeßperiinos, eepeÖpneTo-ÖtiHH usw.). 
Es bleibt nur das b. stfibro übrig. Im Ab. haben wir stHebro (z. B. 


l ) Sonst haben wir auch noch n»MfAuu, z. B. Ps. sin. 36. 6; 54.18 und 
90. 6; im Ab. auch poluden. 

-} Vgl. im B. ctvernohy und civerondhy. Einigemal setzt Mikl., Lex. pal. 
S. 1114, >ifra<p«- an. in den Sehlagworten, aber er führt keinen einzigen Beleg 
dafür an, sondern es sind nur Kombinatäonsformen aus tver und tvre und 
eine solche wäre schließlich auch teere, sollte es wirklich Vorkommen. 

s j Das -v ist gesichert: so immer im Zogr. (neunmal, AfelPhil. I, S. 28), 
Ps. sin. 11.7; 14.5; 65.10, Cloz. zehnmal, Ostr. 16mal (und sechsmal hier cpiep», 
das ancb ausschließlich in der Sav. kn. ist), daher denkt Fortunatov hierbei 
an die Verwandtschaft des lett, sudrabs neben sidrabs (lit. sidäbras, preuß. 
airaplis, Akk. sirablan, got. silubr n.}. Das z. B. im Snpr. auftauchende caprcp® 
hat das a wohl unter dem Einflüsse des « der nächsten Silbe (Umlaut). 

*) CoeTäBa, OcrpoM. es. 8.17 Anm. 1. 



Lautlehre. 


355 


mehrmals im Wittbg. Ps., doch finden wir gerade auch hier z. B. 
dritte st. drhe und das Aufkommen des e ftir e in solehen Fällen 
wiederholt sieh auch sonst 1 ). 

Bei HAOK’tK’h glaube ich immer noch, daß es auf idovekt (ins¬ 
besondere mit Rücksicht auf uf«vta,r.k zurüekgehe und daß darin 
das e ausgefallen ist, wobei ieh insbesondere an den Vokativ denke, 
vgl. im B. Sloede, trie, im P. czhk, r. ’ie.teK st. des gew. ue.10Bt1.-r. 
(Vergl. slav. Gr. II S. 532). Daß daher im polab. clätak (geschrie¬ 
ben: islatak, czlacak, schlatack) eine Kontraktion des Selo- zu ilö- 
eingetreten wäre, ist ganz unwahrscheinlich. Ein ilovik müßte hier 
auch nicht als *dätak erscheinen, wie Fortunatov annahm, wegen 
tut. räda usw. Er leitet das Wort von ieh- und weiter iolr- ab 
(CocTaB-s OcTp. es. S. 30, Anm. 1), woraus man aber kaum unsere 
Formen erklären könnte. Auch ein k cblo- möchte ieh hier nicht 
voraussetzen, wegen des ab. r ciovece , Je iloteku nsw. 

Daß in Fremdworten tere entweder als ter oder tri. toro als 
tör oder trö- und zwar je nach dem Akzente gehört und ent¬ 
sprechend wiedergegeben wurde, darf nicht befremden; man kann 
es ja selbst auch beim r. Voll-Laut bemerken. 80 ist das später 
belegte rp-feu-k ,Turin' aus rtgeitvor entstanden, weiter cpupi- 
HHH-k. .Saraeenus' (z. B. Supr. 559. 18; 566. 25 ; 569.15); aneh das 
fremde Jearal, Carolus wurde als kor% korl gehört und führte zu 
Kpan'k ,rex‘ (z. B. in der Vita Meth. cap. IX vom mähr. Fürsten 
Svatopluk zweimal, der griech. Kaiser heißt hier dagegen ifRcupk 
im Kap. XIII). Es ist bezeichnend, daß in der Evangelien- and 
Psalterttbersetzung das Wort noch nicht vorkommt. Allerdings Mit 
es auf, daß dieser Prozeß damals, als das Wort anfgenommen 
wurde, also etwa im VIII. Jahrh., noch einzelsprachlich wirkte. 
Das würde es wahrscheinlich machen, daß die Metathesis damals 
im Inlaute noch nicht stattgefanden hat, sondern daß man erst bei 
fort, tolt usw. war und daß erst dann daraus die verschiedenen 
Resultate hervorgegangeu sind. Oder hörten verschiedene slav. 
Stämme das Wort karal in der ihrer Gruppe entsprechenden Weise*). 

l j Über die verschiedenen Formen des Wortes im Sorb. vgl. bei Mucke, 
Hist und vergl. Laut- und Formenl. der ns. Spr. S. 62. 

*) Ich habe früher bei der Erklärung unserer Gruppen unter anderem den 
Fällen, in denen einerseits urspr. ierei. Ulet seheinbar zu tret, tlet führte und 

-23* 



356 


Lautlehre. 


Mittelbg. Denkmäler. Wir finden in diesen Denkmälern 
Reflexe, aus denen hervorzugellen scheint, daß die Metathese nicht 
auf dem ganzen späteren bnlg. Sprachgebiet durchgeführt wurde 
und zwar wohl unter dem Einflüsse einer fremden Sprache, wie 
z. B. auch im Polab. fort, blieb {wohl unter dem Einflüsse des 
Deutschen). So kommt in den Schriften des Joh. Exarch, v. Bulg. 
kua’thhtvI SeBt.66 (eig.67)al 21 vor, cf. kaato ,Sumpf 1 , ein Reflex 
dessen auch im Rum., wo wir balt~o ,lacus, stagnum 1 finden, mac.- 
rom. H.rä/.Ära; weiter: uaa’AHHHie (vgl. uauat». ,jung‘), caahocti». 
(vgl. cAaini .salzig, gesalzen 1 ) und nan’r'k (vgl. AfslPhil. XYHI, 
S. 598 und XXII, S. 32). Aus der von Konst, v. Bulg. herrührenden 
Übersetzung der Reden des Athanasius von Alex, gegen die Arianer 
(Hs. aus dem XY. Jahrh.) zitiert Pogorelov 3 aat apHHTv ! ) ( %qvoo - 
XÖog, Eiiö-uoTeua mock. cvhox. thii. uacT 1. ntin. 3, S. xxrv). Hierher 
gehört offenbar auch 30aTj.ta aus dem Psalt. sin. 71. 15, nur ist 
hier die Dehnung unterblieben und so ist dieser Fall einigermaßen 
verdächtig. 

Es muß auffallen, daß alle hier erwähnten Fälle nur die tolt- 
G-ruppe betreffen, denn damit stimmt schön überein, daß auch nur 
alt- im Anlaut in gewissen Denkmälern blieb (aa’kath, aa’ahh usw. 
oben S. 348). Dagegen kann die oben S. 179 erwähnte, in den 
Hss. vorkommende fort- und fzIf-G-ruppe, wie oben auch hervor¬ 
gehoben wurde, nicht als ein Seitenstück dazu gelten. 

In den serbo-kroat. Denkmälern bemerken wir noch die Ab¬ 
hängigkeit von den alten Originalen. So finden wir hier noch 

in denen andererseits dieselben Gruppen bei Entlehnungen dasselbe Resultat 
ergaben, eine große Bedeutung zugesprochen (Vergl. slov. Gr. I S. 306). Allein 
sie sind unzuverlässig, außerdem sahen wir, daß bei der fort-, Ult-, fort-, 
Ult- Gruppe im Aksl. eine Metathesis unbedingt vorausgesetzt werden muß, 
weil ja die Qualität des Halbvokals in den Denkm. noch vielfach gewahrt 
erscheint, was anders nicht zu erklären wäre. Ist aber hier eine Metathese 
eingetreten, so kann sie auch bei tort- usw. zugegeben werden, zumal sie ja 
auch bei ori, olt ziemlich klar vorliegt. 

i; Man darf hier nicht wieder eine ,uepecTaHOBKa‘ suchen, wie er es tut, 
denn wo die Metathese schon stattgefunden hat, wurde sie nicht wieder rück¬ 
gängig gemacht, im Gegenteil, sie machte Bich auch dort geltend, wo sie 
eigentlich unberechtigt war, wie das eben auch von P. zitierte hj dusm-kfa 
(ly ai/f.ais- in den Pone. des Kyrill v. Jer., übrigens auch hei Mikl., Lex. pal. 
S. 11) zeigt. Yor allem spricht aber jä’imth u. dgl. dagegen. 



Lautlehre. 


357 


«SiVKdTH. So z. B. selbst im Nik. Er. AAk>ticuiT.i Mat. 25. 37. 44 
and a.tkMwiuTft Lac. 1. 53, nur Lue. 6. 21 hat es .taiwuiTf (hier 
übrigens auch Zogr. aauxujTtH, sau . . . Mar. and Ass., so auch 
ein Paralleltext des Nik. Er.). Mir. Et. aahwuja Mat. 25. 37 
wiederum entsprechend dem Zogr. 1 ). Dagegen haben wir im Nik. 
Ev. nur aa^hh, aa^hiia. 

In den älteren Texten (Mir.) und selbst auch im Nik. Er. finden 
wir nur pam», pjKa usw. (nicht poKTi). Doch konnte Danieie 
auch schon poKk belegen (St. 25; Sa. 7; P. 10), wie auch pokhö, 
poKHie, pOKkCTBO usw. Zahlreicher sind aber seine Belege für 

pAKk USW. 

In den russ. Denkmälern ist der Einfluß des Aksl. auch in 
dieser Hinsicht mächtig. Daher kommt es, daß im Evangelientexte 
des Ostr. Er. noch kein Polnoglasie vorkommt, sondern nur im 
Nachworte zweimal: HOEt ropo r yK nnd EOAOAHMHpa und einmal 
im Kalender nfpir'kHXK’k 265. 5. Im Izb. Svjai. 1073: nopocATf 
251; noAOHEH'k für npac-wrf, nAktueirk. So findet man dann 
anch weiter vereinzelte derartige Beispiele, aber das Ksl. behauptet 
sich zäh nnd seihst auch jetzt noch gibt es in der Schriftsprache 
kirehenslav. Formen (vgl. EycxaeB'B, Her. Tpasi. 5 I § 29 und Coöo- 
aeBCKin, JeKuiu 5 , S. 22 f.). 

In telt trat eine Verhärtung des l zu l ein und das hatte zur 
Folge, daß das vorhergehende e auch zu o wurde, wenn kein pala¬ 
taler oder erweichter Konsonant vorherging: Mt, das dann Mot 
ergab, z. B. EOA©K\f, iioaoko, noAÖH'k ,Beute'. War der Kon¬ 
sonant palatalisiert, so blieb zunächst e, aber als svarabhaktischer 
Vokal trat o nach 1 auf. So finden wir im galiz. Ap. christinop. 
HfAOHCU'k Hebr. 4.12 (Dat. pl. aksl. MA-kHOU'k), uiaomti (wohl für 
uitAOUTk, ksl. ijuvKut» ,Helm £ , vgl. got. Mimt, ahd. heim) I Thess.5.8. 

Oben S. 99 ist auch bemerkt worden, daß in der ksl. Gruppe 
tret aus tert [für teret) und tlet ans telt (für telet} in den r. Denk¬ 
mälern seit den ältesten Zeiten häufig f st. U geschrieben wird 
(und auch jetzt). 


*) Auch Danicic hat in seinem Kjeenik einen Beleg: Mk'tw't“ M. 110, wie 
auch für JuktiEi D. 8. 



358 


Lautlehre. 


Zu einem silb. r, l kam es im R. nicht. Ans KKpjc'k ist Bepxi, nsw. 
geworden. Es muß sieh aber hier ans tert [tert ) schon ein teret 
entwickelt haben, als aus twt ein tert wurde, denn dieses war 
jetzt möglich, früher aber nicht. Das sekundäre Polnoglasie [twbt, 
hnt nsw. ans twt nsw.) ist schon oben (S. 181) zur Sprache ge¬ 
kommen. 

Die hier behandelten r-, /-Gruppen mit ihren verschiedenen 
Resultaten in den einzelnen slav. Sprachen wurden mannigfach 
erklärt. Eine Zusammenstellung aller hierhergehörigen Fälle haben 
wir von Tore Torbiörnsson: Die gemeinslav. Liquidametathese 
I 1901 und II 1903. Seine theoretische Erklärung ist unrichtig 
(nach ihm wird aus *pors$ zunächst *prose ); Endzelin in C6op- 
hhk% des Fortunatov (vorwiegend das Kasubische betreffend), Jagic 
(AfsIPhil. XX 48 f.}, Brückner (KZ. XLII, 1908, 39), nach dem 
in einer Sprache fast alles möglich wäre, also eine durchaus nicht 
engherzige Philologie! Insbesondere auch Sachmatov Rn hct. 
3ByKOBi> pyecK. as. 0 noanoraaciH (in den IDbüct. otä. YII u. VIII). 
Bei ihm werden vor allem Fortnnatovs Arbeiten berücksichtigt. 

Veränderungen des r, l. Das r, l konnte, wie wir sahen 
(S. 165 f.}, schon im Aksl. in den Gruppen Int, tht , tn>t , tht rein 
silbisch werden: trt, ttf. Desgleichen war dies der Fall auch im 
Mittelbg., wie auch im Serbo-kroat. Das hier aus tlt hervorgegan¬ 
gene Hut, das im äußersten serb. Süden zu lokalisieren ist, haben 
wir schon oben S. 180—181 erwähnt 1 ). — Durch ein nachfolgendes 
i wurde l und r zu l und f palatalisiert; die Aussprache dieser 
Laute ist oben S. 343 beschrieben worden. Diese Erweichung tritt 
in allen jenen Fällen, wo sich auch bei Labialen das sogenannte 
epenth. I entwickelt hat, das ja anch palatalisiert war (oben S. 322), 
auf. So haben wir z. B. zu paaopHTH ,zerstören' die Formen: 
pa3opw, p43opta4X' , K ) P J3c, P k und pu3opEH'k; analog ZU KOAHTH 
,wählen': boaiss, boaba^t», boau und BOiftHi». 


’) Aus tlt wird später t u lt, wobei dann l in o übergeht: tuot, das zu tut 
führte, sicher in langen Silben. In kurzen konnte vielleicht auch direkt aus 
l ein « bzw. o werden. Übergangsformen finden wir im XIV., XV. und wohl 
auch XVL Jahrh. Im Auslaute geht das l einfach in o über (vgl. Jagid im 
AfsIPhil. IV, S. 386 f. und Oblak ib. XVI, S. 202 f.). 



Lautlehre. 


359 


Fremdes l and r wurden in der Kegel — namentlich, im Aus¬ 
laute — als l, r gehört. Wir haben es schon oben bei pnu-k 
,Rom‘ gesehen. Ferner OA’Tapa ,Altar 5 , iffecdpK ,Kaiser-, Adaap'k, 
aßf ik ,Abel‘ usw. 

Liquidadissimilation. Sie kommt insbesondere vor, wenn 
zwei aufeinander folgende Silben ein r oder l enthalten. So kann 
aus r -j- r ein / + r werden: sehen im Assem. {im Kalender) pah- 
rop'id und rAnropa S. 143 und letzteres auch S. 158; rAHropna 
auch auf den ündolskijschen Blättern Z, 43. Auf Bl. 181 a nennt 
sich der Schreiber des für Miroslav gesehr. Ev. rAHrcpk und ein 
zweites Mal rAHropme (auf BL 179b dagegen rpHropntt}. 

Auf dieser Dissimilation beruht vielleicht auch die Entstehung 
des slav. Suff. -TfA'k ans -ter- zunächst in Worten wie ncpkTidk 
.Opferer 1 , opaTfA'k ,arator\ wo also urspr. *zbr-!er-. *ora-ter - ge¬ 
wesen wäre. Hier konnte es nicht zu l + r kommen, weil die 
Wurzel mit dem r als Träger der Bedeutung erhalten werden 
mußte. Von hier aus dann r \’K.wt-T6.vk ,Arbeiter 1 usw., vgl. gr. 

dÖ-TtjQ. 

Es wäre möglich, daß KpHHdTH nsw. durch Dissimilation des 
I + l zu r + l entstanden ist, wobei von klikh zu kühudi aus¬ 
zugeben wäre. Jedenfalls macht kahuath, kahkhxth den Ein¬ 
druck des älteren, im Aussterben begriffenen Verbums, das jetzt 
in den westslav. Sprachen (sorb. p. b.) nicht mehr vorkommt. Ab. 
nur ein Beleg für kliceti ,rufen 1 (Gebauer, Slovn. II, S. 49). Im 
Zogr. und Nik. haben wir noch kahhauuta Marc. 5. 38, im Mar. 
dagegen schon KpHHAUiTA. Im Ps. sin. kommt nur Mik- vor 1 ). 
Man beachte auch, daß wir im Lit. nnr klykti , klykiü und Mykauti 
,schreien 1 haben. 

Aus l — l wird, wenn möglich, auch l + Schwund: EAdrocAo- 
KiH-k und andere derartige Fälle (s. oben S. 338—339). 

r und l in Gruppen. Die Liquidae konnten sieh fast an alle 
Konsonanten im Anlaute oder Inlaute anschließen. Diese besondere 
Fähigkeit äußert sich auch darin, daß sie, wie wir sahen, silbisch 
werden konnten. Die Zahl der Mer auftretenden ursprachliehen 


*} KTkCKAHKH-fcT* 46. 2; -N*fcM’k 94. 1J K'VCKAHKHOKCM'ki 26. 6; KC BkCKAHKHOSINM 

46. 6; K’fccKAHtvkHkfM’k 32. 3; KkCKAHi^dHmy'v. 43.13, kahkho&chic 88.16. 




360 


Lautlehre. 


Kombinationen wurde dann im Aksl. durch die Metathesis in den 
tort-, tert- usw. -Gruppen noch bedeutend vermehrt; desgleichen 
auch bei den urslav. fort-, folt- und ttit-, fo/Z-Gruppen. Im An¬ 
laute konnten Mer selbst auch die Gruppen: er, 61, zr, zl, Sl ent¬ 
stehen. 

In er, zr ist ein t bzw. d eingeschaltet worden (vgl. oben S. 320). 

Die Nasale m, n, n (n, n oder nj). 

Das n ist ein palatalisiertes n (vgl. oben S. 297). Das m ist 
die Fortsetzung eines ursprachliehen m: Math ,Mutter', lit. maß 
,Weib, Ehefrau', ai. matä aus *mäte{r) .Mutter' (das r schon ur- 
sprachlieh abgefallen). Das m kommt auch vor z. B. im Suffix 
-men-: kamu, KdliCHf ,Stein', lit. akmu, akmens, gr. dy.uuv, dann 
KptUA, Kp’KueHt ,Last‘, gr. cpzQua ,Leibesfrucht', ai. bhänman 
,das Tragen 1 ; im Suffix -mo- des Part. präs. pass.: seno-UTv, lit. 
veia-mas ,gefahren werdend'. Weiter finden wir m in einer ganzen 
Reihe von Kasussnffixen, wo eine Gruppe von Sprachen Keflexe 
eines ursprachl. bh aufweisen. Die m-Endungen kommen ins¬ 
besondere den balt.-slav. und germ. Sprachen zu. So im Instr. sg. 
aller m. undn. Substantiva: poiso-Mk, ctAO-Uk, cTJHivUk, rocTkUk, 
KaucHkUk, CAOßiCkMk usw. Diese Endung geht auf -mi zurück, 
das wir im Lit. nur bei den i- und «-Stämmen finden. Ebenso 
beim Pron.: Instr. sg. m. n. rkuk. Weiter im Dat. pl. aller 
Subst.: pOKOMTi, CSAOMT», pTAEdlTk, KOCTkUTi, C'klN’kM'k, KAUf- 
Hkuok, cAOKKkM'k usw., lit. takäms usw., auch beim Pron.: rku t, 
lit. tems\ Instr. pl. der a-, i- und «-Stämme: p-kiEAUH, roeTkUH, 
koctkuh, ctühtiUh, lit. mergomis usw.; beim Pron. t1v-uh, lit. 
tomis f. (m. tau). Schließlich im Dat. Instr. du. aller Stämme: 
pOKOMd, CtAOUA, pTJEAMA, TOCTkUA, KOCTkMA, CUHTiMA USW., 
ebenso beim Pron.: T'Kma, r \'kß'tUA, lit. rätam, rankom, dvem (als 
Instr. dvem). In der Endung der 1. sg. der Verba ohne themat. 
Vokal: p,A-Uk ,ieh werde gehen', iec-Uk ,ieh bin', lit. es-mi, gr. 
dpi usw.; in der 1. pl. aller Verba: ,wir führen', vgl. lit. 

miame. 

Auch das n ist die Fortsetzung eines ursprachliehen n: hiko 
,Himmel', ahd. nebul ,Nebel', lat. nebula, gr. viepog ,Wolke', ai. 



Lautlehre. 


361 


nabhas ,Nebel 8 ; im Suffix -no- and -eno- des Pari prät pass.: 
o-A'Kh'k ,bekleidet', NtctH'k .getragen', dann: ou'KB-*h , k ,abge¬ 
waschen' zu o-utüth, got. bitans ,gebissen'; im Suffix -wo- zur 
Bildung der Stoffadjektiva: SAaTWK ,golden' (Supr.}, vgl. lit. äuksi- 
nas dass.; im Suffix -nt ans -nis: aa-hu ,Gabe‘, npaHb. ,Kampf' 
ans *bomis , lit. bamis ,Zank‘. 

Hier mag auch das sog. euphonische oder epenthetische n zur 
Sprache kommen. Damit wird der pronominale Stamm j\ versehen, 
wenn er von einer einsilbigen Präposition abhängig wird: ott» 
Htro, K k Htuor, a® rftro, a® tfHjfK usw. Es hat mehrere Prä¬ 
positionen gegeben, die ursprünglich auf einen Nasal ausgingen, 
wie kt», aus urspr. «, lit. in, > (vgl. S. 129!, ei», .mit' ans 

*shm und dieses aus ursprachl. *sm, *sn, lit. sv, gr. aua und vielleicht 
auch kt» ,zu‘, vgl ai. käsmzi kam .zu wessen Gunsten?, für wen?' 
und r. analog mhL-ko, MHi-ua ,mir‘. Vor vok. Anlaut wurde das 
n l ) zu dem davon abhängigen Worte gezogen: *u--b-nemb, bi» HHik, 
rk iIhuh usw. In diesen Verbindungen hat es sich erhalten und 
von hier ans wurde der Gebrauch nach der Analogie aueh auf die 
anderen einsilbigen Präpositionen ausgedehnt: ,\® Htro, a® hh^Tv 2 ;. 
Man hat das n als Bestandteil des Pronomens angesehen (vgl. Job. 
Schmidt, Zur Geseh. des idg. Vokalismus, 1871 und J. Baudouin 
de Courtenay, rjoTroxorKecKis . . . aaartTKit, Bim. 1. Bopoueai 
1877). Miklosieh hielt es für einen »parasitischen« Einschub (Yergl. 
Gramm. I 2 S. 214). Dieselbe Eegel gilt auch von den übrigen 
Ableitungen von unserem Pronomen: a® Hi»A fIK * ,so lange, bis', 
z. B. Mat. 9. 15, doch kommt auch A® ha*** vor, z. B. Luc. 22.18 
Mar. (Zogr. hier a®ha***); R’vtftrA* ,als‘ (vgl. hspaa;, z. B. Euch. 
73a. 76b, ot’uhiäa'ü 'o&tv' Euch.53b,57a,... OTii.HKSiA0Vib.54b: 
A® Hs.i1»:Kf .bis wann, bis' (Sav. kn. Luc. 17. 8) und A® »ffAHatt 
.solange, bis' Supr. 378. 8; ott» hcah** (Luc. 7. 45); notfctu ,da‘; 
3ahi und 3AHtxt ,da, weil'. 

Das cnH-, k'kh- zeigt sich auch als Präfix bei einigen Verben 
und bei den damit etymologisch zusammenhängenden Subst.: sn»- 


’} Über den Übergang des m in « in unserem Falle vgi. oben S.130 Anm. 1. 
*) Regelrecht ist dagegen oKp-kcr» tr» xixt.'.-i eitov Ps. sin. 17.12; np-tasA« 
iero .vor ihm' Supr. 14. 14; no cp-fc** H)-k Mat. 18. 2; Ri syi MiTtpa. 



362 


Lautlehre. 


MATH. KTiHkUX and K'h.Hh.tUTH, KT>.H«UAKK. , merken auf 1 ; c*k- 
hath, -tu*; and ctvHhmath jZusammennehmen 1 , cTyUkUT, ,Zu¬ 
sammenkunft. Synagoge“, ckHkiixum Versammlungsort, Synagoge 1 , 
cTkHATHt ,8ynedriunr, selbst auch btiSHATH im Ar. (ein Beleg 
bei Sreznevskij, Maxepiaiu I, C. 367), sonst in der Regel K’kbath. 
Gegen otath, orkUJK. ,wegnehmen 1 der Ev.-Texte finden wir im 
Supr. auch ottvHath, z. B. Aor. cts ha 32. 18 und otti.hi>ux 
512. 21, oT'kHkUtu'k 141. 4 neben den gewöhnlichen Formen. — 
Bei cknhth ,descendere‘, c'kHHTH ca ,convenire‘, b'khhth ,in- 
trare“ (dagegen natürlich: ha-hth, npn-HTH, ot-hth usw.). — 
Vereinzelt: c khhckath (eolligere, acquirere) Euch. sin. 87a, 4. — 
CkHtCTH, C'KN’kMk, iter. CtH’t^ATH ZU HCTH jeSSen 1 , C’kH’fc^k 

,cibus‘ Euch. sin. 12b, cTvHtA KH0 ßotbaiuov Luc. 24. 4L — 
Außerdem noch in BTiNXTpa ,innen 1 (ins Innere hinein), doch 
anch B-kSvTpb. Euch. sin. 19b, b Tk n xt p h kr a ® V ,von innen heraus, 
drinnen 1 , z. B. Euch. 19 b. 

Oben S. 290 haben wir auch noch hervorgehoben: et».» oyum 
«ro Ps. sin. 17. 7, weiter: BkH ovuihw Luc. 1. 44. Mar.; Bk h^ap« 1 
Ps. sin. 34. 13, Bk H-tAP' t X' k Supr. 244. 26 (oben S. 291), dann 
auch selbständig N’KAP’k TBOH^'k Ps. v. Soph. 73. 11, im Aksl. 
noch 'SAP* 1 ) “AP- 1 (Oloz. 911) ,Busen 1 . 

Die Resultate des ursprachl. in und § sind schon teilweise 
S. 128 zur Sprache gekommen. Hier muß noch einiges hinzugefügt 
werden. Sachmatov meint, daß das vokalische Element, welches 
das silbische f, / und in i)i nach der Ansicht Fortunatovs begleitete 1 ), 
schon in der baltisch-slav. Periode silbisch geworden wäre (« = i), 
weil die folgenden Liquidae und Nasale unsilbisch geworden sind. 
Dafür spräche insbesondere das lit. ir, il , in, im und das slav. ? 
(AtcATk), was wohl kaum eintreten würde, wenn die Nasale nicht 
ihre silbische Kraft verloren hätten (Kr. hct. 3ByK. S. 4). Fortunatov 
glaubt dagegen, das urslav. ty^t, tßt usw. setze schon ein lit.-slav. 
tigt, tßt usw. (daraus lit. tirt, tilt) voraus (ib. S. 2). Saehmatovs 
Ansicht hat aber mit einer großen Schwierigkeit zu kämpfen. Zu 

l ) Fortunatov bezeichnet es mit es ist ein reduzierter Vokal ans o 
oder t entstanden, also tart, talt usw., aber anch *katur, *azdhi (vgl. gr. ni- 
cvqk, tafrt, mit letzterem würde ich das aksl. hctw, hcthhi vergleichen, was 
die Beduktion des e in der Wurzel <s anbelangt). 



Lautlehre. 


363 


dem auf diese Art entstandenen im, in ,bzw. um, un) kam ja aueh 
noch das nrsprachliche im, in. Nun hätten diese Gruppen ein 
gleiches Resultat ergeben müssen, das ist aber, wie wir sahen, 
nicht der Fall (z. B. ,i,icATk, aber 5KH.\a, hcto usw., vgi. oben 
S. 126). Als sich das nrspraehl. i. u in in, un in der oben von 
uns angegebenen Weise im Urslav. änderte, konnte es hier aueh 
noch kein in, un usw. aus urspr. n, m gegeben haben, sonst hätte 
es ja analog behandelt werden müssen. Damals ist auch aus i, u 
noch kein k. -k entstanden, da ja diese Laute in den nrspr. Gruppen 
in, un aueh Eingang gefunden hätten und dann wäre es zu einem 
anderen Resultat gekommen. Ich glaube daher aueh mit Fortu- 
natov, daß es in der urbalt-slav. Periode — wenn es überhaupt 
eine solche gab — noch ein silbisches », m, r, l gab, daß sich 
aber darin schon die ersten Ansätze zn einem begleitenden voka- 
lisehen Elemente entwickelten. Dieser Zustand bestand auch noch 
einige Zeit hindurch im Urslav. Die begleitenden vokalischen Ele¬ 
mente sind schwer zu bestimmen, man könnte sie etwa ein kurzes 
* und u unvollkommener Bildung nennen. Erst später gingen sie 
einzelsprachlich sowohl im Lit. als auch im Urslav. in ein i und u 
vollkommener Bildung über, wobei natürlich das n, m, r, l un¬ 
silbisch werden mußte. Daun kam im Urslav. die Periode, in 
welcher aus i ein k und aus u ein t» geworden ist, was auf unsere 
Nasale und Liquidae nicht ohne Einfluß bleiben mußte. Mit einem 
k und r k in der lituslav. Zeit möchte ich nicht operieren. Es muß 
allerdings das Aufgeben des f, l, m, n nnd die Rückkehr zn diesen 
Lauten, das Hin nnd Wieder, einigermaßen befremdlich erscheinen, 
aber es handelt sich ja hier verhältnismäßig um geringe Nuancie¬ 
rungen der Laute. 

Setzen wir für die älteste Periode des Slav. und Balt noch 
ein silb. f, (, », m mit begleitenden Vokalen unvollkommener Bil¬ 
dung voraus, so lassen sich daraus die Divergenzen, die wir ab 
und zu gerade bei den begleitenden vok. Elementen im Lit. einer- 
und im Slav. andererseits bemerken ’), leichter erklären. Ein Vokal 
unvollkommener Bildung, der selbst nicht der Träger der Silbe 
ist, unterliegt leichter einer Änderung, die durch benachbarte oder 


*} Vgl. oben S. 130 cvr© gegen lit. szimtas niw. 



364 


Lautlehre. 


folgende Laute beeinflußt werden kann. Man beachte auch rv 
hath zu jkehx: es kann doch nur auf slav. Boden entstanden 
sein, wenn es hier noch ein silb. p gab, wenn auch schon mit voka- 
liseher Begleitung, also etwa ein *g*päti zu *gene- im Präs. Aus 
irgend einem Grunde (folgendes o?) trat eine Verdumpfung des 
vokalischen Elementes ein, g^päli, was dann zu r'kHdTH führte 1 ). 
Natürlich konnte es auch vor Vokalen silbisches m, p, r, l geben,: 
wie es hier in unserem Falle bezüglich des p vorausgesetzt werden 
muß. Der Verlust des n, m durch eine Art Dissimilation, wie wir 
ihn oben bei ckto vorausgesetzt haben, konnte vielleicht auch eher 
in dem Stadium des p eintreten. 

Veränderungen des m und n. Das m ging im Auslaute schon 
in der vorbalt.-slav. Per. in n Uber: der Akk. sg. der m. und der 
Nom. und Akk. sg. der n. o-Stämme auf -om, das zu -on, dann 
-un und -'S. wurde, z. B. bask'k, lit. mlka; ebenso der Akk. sg. m. 
beim Pron. : T"k, lit. dial. tan, ton , schriftlit. tä, preuß. s-tan ,den‘ 
(hier sieht man also ganz deutlich den Übergang), ai. tä-m. Auch 
das m in *sbm wurde zu n: sbn-jimb dann als ck hhmk ,mit ihm', 
ebenso ctvHhth ,zusammen kommen 1 (vgl. oben S. 130 Anm.). Eine 
Nuancierung erlitten die Nasale durch die Palatalisierung, wenn 
ein i nachfolgte. Aus m{ + Vokal wurde ein ml’+ Vokal, z. B. aksl. 
schäm ,Erde, Land', worüber oben S. 322 f. Ein n wurde dagegen 
zu n, also analog behandelt wie die Liquidae r und l. Das trat 
in den analogen Kategorien ein, in welchen das sog. /-epenth. auf¬ 
gekommen ist, z. B. komm ,Duft ! , vgl. got. w-anan ,ausatmen', gr. 
ÜvEuog , Wind 1 , lat. animus ; kohk ,Pferd 1 , nAkHBR ,fülle 1 , nAkmaajfk, 
Part. prät. act. I nnkifk, pass. nAkHEH'k zu [iakhmth ,füllen'. Kotfk 
(z. B. Supr. 221.18 und koht* Ps. sin. 31. 9) hat also ein anderes 
h als z. B. r \AHk und es ist z. B. im Gen. u. Dat. sg. aahh anders 
zu lesen als z. B. in kohh^Tv im Psalt. sin. 19. 8 (die Erweichung 
bleibt nämlich häufig unbezeichnet, wie hier). Andererseits muß 
aber daran festgehalten werden, daß in der Silbe ni, nb das n doch 
nicht ganz hart ausgesprochen worden ist, ein gewisser Grad der 


J ! Das glhiäti konnte auch gleich primär gewesen sein. Mit gen, gbn usw. 
könnte man hier nichts aasrichten, denn als es ein a gab, gab es auch schon 
die Palatalisierung des gr za i. 



Lautlehre. 


365 


Palatalisierung war auch liier (ebenso wie in li, ri, ne, le, re). Da¬ 
her war es möglich, daß Worte wie z. B. ©ruk .Feuer 1 , die ur¬ 
sprünglich zur t-Dekl. gehörten und daher nicht ein palatalisiertes 
n enthielten, doch auch ein solches bekommen konnten, so daß 
sie dann nach den /«-Stämmen dekliniert wurden: orma usw. 

Im Inlaute hatte insbesondere das Wort rkHHra ,Buchstabe* 
und alles, was davon abgeleitet wurde, dann hhkä ,Acker* (so z. B. 
im Zogr. Luc. 12.16 und Joh. 4. 35, desgleichen im Supr. 388. 9} 
ein n. Tautosyllabisehes m und n gehen mit bestimmten vorher¬ 
gehenden Vokalen in Nasalvokale aber, worüber S. 125 f. In der 
Regel auch das einst silb. » m). 

m und n in Gruppen. Wie in pn und In der Labial ursprüng¬ 
lich geschwunden war (vgl. S. 342), so bemerken wir dasselbe auch 
in mn , wo also das m schwinden muß. So z. B. t’Uhk .Schatten' 
aus *tem-nis (vgl. tuij ,Finsternis 1 nnd lit. usz-temü ,Verfinsterung); 
tath, tuhx ,hauen, spalten*, gr. vüpvo ,ich sehneide 1 aus tmno- 
(Miklosich führt Lex. pal. den ar. Beleg an: autt kt© TktifTk 
ATtAJKkKHTa Izv.601, allein da bei Sreznevskij, MaTep. III. C. 1106, 
nur ein ar. tath, tkhS vorkommt, so handelt es sich in unserem 
Falle offenbar um einen Schreibfehler oder Druckfehler); thha 
,Schlamm, Schmutz 1 (Supr. 193. 13; 507. 28), daneben aber auch 
THU’ttHO .Schlamm, Morast, Schmutz 1 (z. B. Ps. sin. 39. 3) und th- 
uThhe (ib. 68, 3, daneben auch TkUtHo und TkMU hhi), thha 
geht also offenbar auf *timna zurück (Suff, na-, wie z. B. in 
cTpa-HA). nm führt (durch mm hindurch) zu m\ hua .Name 1 aus 
*nmen , *iunten. 

Von urspr. rm hat Pedersen angenommen, daß es in rv Über¬ 
gehe, wenn die vorangehende oder nachfolgende Silbe mit einem 
Nasal anlautete: npnen*. .erster 1 nach npkKkH-k, es würde daher 
zu lit pirman , nicht zu ai. pürtas gehören; npairk ,Sitte, Art 1 (aus 
*norvo-), ai. narmäs ,Scherz 1 ; upasHÜ ,Ameise 1 (später belegt, aus 
*marvo-'j, gr. uvourz: MpkKkH'k und HpkUkH’k ,rot‘, HpkKk ,Wurm‘ 
(vgl. Zubaty, IF. XI, S. 156), lit kirmis, ai. krmi.j (lautgesetzlich 
wäre demnach upkKkNTv nnd upku-}; ck^paK-k. gesund 1 i*-dorva-), 
ai. sudharman (KZ. XXXVIII S. 372), allein die Sache scheint wenig 
plausibel, vielmehr liegen hier verschiedene Suffixe vor. 



866 


Lautlehre. 


Die dentalen Affrikatae c, dz (s) und Spiranten s, z. 

Darunter haben wir Laute von verschiedenem Alter. Das c 
ist aus k vor diphthongischem e und i, dann in bestimmten Fällen 
nach palatalen Vokalen wie im Suffixe -aut, in -phhath (s. S. 3(J4) 
auf slav. Boden entstanden. Ursprünglich war es ein weicher Laut 
(also c), wie wir auch aus der Graphik der aksl. Denkmäler er¬ 
sehen. Der Reflex des einstigen älteren Zustandes zeigt sich noch 
ziemlich gut in den Kiev. Bl. Hier haben wir nur einmal cpa- 
V 21, sonst immer H'K: cpkAuiVk Ilb 15—16, VIIb 12; 
ferner oEHA-'S'H'fc Ilb 9, OEluvtvHHt IV b 23, oK'Kn’kHHt II 8—9, 
oKkiftAiv IIIb 11, orpiAAA'iVK Ib 2, was derartig nur hier vor¬ 
kommt. Einmal auch yoaataiahm Ib 11 (ein hov' kommt hier nicht 
vor). Anders im Zogr., wo -u,a geschrieben wird, z. B. cp'kA’HA 1 ) 
Mat. 15. 18. 19; Marc. 3. 5; 7. 21, Luc. 1.17, 51 usw., aobeha 
M at. 4. 19, oha Mat. 4. 22; 5.45; nkuieHHHSi Mat. 3. 12 usw., 
dagegen noch op» Mat. 6. 6. 18 usw.; caTvHku,» Mat. 13. 6, Marc. 
16. 2; CAUnanio Joh. 9. 17 u. a. Das hm bildet hier die Regel 
wie auch hm usw. (siehe bei diesem Laute). Im Mar. auch nur 
HA, und selbst auch schon häufig uoy (z. B. ottshoy Marc. 7.11; 
Joh. 5. 45; OTnoy Marc. 15. 21; Job. 16. 28; cpAHoy Mat. 12. 34 
u. a.) neben dem noch vorwiegenden hm. Im Ass. h*°: oteh» 
Mat. 6. 6. 18; caeheu» Marc. 16. 2; cpÄHM Mat. 12. 34. 

Im Gegensätze zu den Evangelientexten haben sich in dieser 
Hinsicht im Psalt. sin. Reflexe eines sehr altertümlichen Zu¬ 
standes erhalten. Es wird hier zwar regelrecht ha geschrieben 
(*. B. ahha 1. 4; 21. 25; cpAHA 7. 10; 36. 4; 39. 9, kohuha 9. 19), 
daneben aber noch ahh^ 50. 13; 67. 3, EAHCH’SHkH 17. 13, A*~ 
CHHH’k TKot: 17. 36; B'kCKAHH’kHkcu'k 32. 3 (neben KkCKAHHA- 
HtHjf'k 43. 13). Regelrecht hm: ahh» 41.3.12; 44. 13; 118. 58; 
cp-kA^H* 5 9. 38 (10.17); 72. 7; cpkA'kU*« 19. 5. Regelrecht anch 
H*: 3-kHHHX 16. 8; akhhh& 88. 43; 89.12 usw. Analog werden 
wir es auch bei den c-Lauten finden. Im Eueh. sin. haben wir 
nur ha, dagegen regelrecht hm: oh» 6a, 10a, 32a, 33a, 36a, 
55a usw., MAAAEHkHM 8a, HÄKOA»skHK> 17b, cpHM 19a, 92a, 


1 Obzwar regelrecht %■ B. out. Mat. 5. 48 6. 4 usw. 



Lautlehre. 


367 


Hß'kHkiiie 36a, 80b, AH410 101b; ferner 41 *: 3Lhhu,b*. 53a. 
n ATk,i,€C ATkHHUtftv 59b, EAJATvl*IHU,KK. 61a, ka^a^hhu* 79a, 
A<ctiH4K 85a, np'£r^A kHH UW> 94a, mahthhuk 97a, 99a, Mp r a- 
hhukk 105a, TpoHitw. 66b, 67 b, tpacaehhur 44b, doch auch 
AfcHMu,*; 50a; auch Hbf, kommt vor: KpMÄ* 93b (doch auch cia 
29a, hu bk 25b, mia, so daß es Reflexe älterer Vorlagen, die nur 
bk enthielten, sein könnten). Im Cloz. ist ausnahmslos u,a: kah- 
CHAHHUk 821, EpAiyAHklv 51, AHIH 10, -TBOpkUA 519, UpkTKk44 
730, HApHUAfT’k 519, HApHi^AfU'kl II 93, Ollä 87, 554, CpTvAUA 4, 
c.’.’kHb.uiA 783, TKepkHA 930, 932: ausnahmslos nie: 04» 83, 864, 
908, CA'KH'ki^i« 329, 852, cAkHi.410 333. Weiter: ov'KHu,At. Wie 
wir auch bei den /-Lauten sehen werden, hat sieh hier nichts alter¬ 
tümliches erhalten. 

In der Sav. kn. wird, wie wir aus dem Index des Äcepkin 
ersehen, nur 04a (mehr als 30 mal) geschrieben, dann A*kB H 4*> 
cA’SnkUA (dreimal), cpA44 usw., dagegen wieder regelrecht <54» 
(19mal), cAHiibnio 83, cp4» 39. Dann wieder 4*.: cKpHHHii,At 
85b, K kAOKH4*. 66, A fcHH 4 Ä 117 nsw. Noch ungünstiger steht 
es im Sapr.; in der auf das älteste Original zurückgehenden Partie 
haben wir nicht einmal 10 nach 4, sondern nur oy: cAkHk4©y 
450. 23: AH 4 oy 458. 1 (dasselbe werden wir auch hei den ^-Lauten 
sehen), natürlich auch nur a: ca sh k ha 448.23—24, arnkii,a 450.21, 
©Tk4A 451.3; 454.26; 455. 23, TKOpkt^A 453. 5. 7; kom 144467.12; 
AM4A 469. 6. Auch hei anderen Vokalen keine Jotation: natcH- 
HH4*. 459. 27, TkUHHi^At 461. 12—13*). So finden wir auch in 
den übrigen Partien des Supr. kein 4». 

Es muß hervorgehoben werden, daß wir auch im Ostr. Ev. 
nur CA-kHk4io 18 haben, sonst immer nur 40V (Kozlovskij, Ibe.röA 
S. 33), ferner nur 4A, für das a in vier Fällen * : ahu,a 26 . cpk- 
A k 4A 43, flATkHHl^A 36, HapHHAieUlüH 4L 

Das s ist entweder 1. ursprachlieh -): cuH"k .Sohn 1 , lit. sünäs, 
ai. sünüs oder geht es 2. auf ein palatales k, bzw. kh zurüek: 


i) Dm auf S. 170. 22 u. 370.16 verkommende «ist ist ein Lok. sg., wie 
auch im Cloz. 128 'also nicht als */z;> zu lesen!.:, dagegen r«auu 454.22 494.19. 

*} Nicht allein slavisch ist auch das in t + 1 und d 4 -1 aufgekommene s, 
s. B. mcTH ,fallen' ans *pad-ti, vgl iat. rosirttm aas *roä-tr.. 



368 


Lautlehre. 


OCUfe. .acht 1 , lit. asztüni, got. aktau , gr. dxrcb; cpa^KHf ,Herz‘, lit. 
szirdis, gr. zuQÖitt. Schließlieh kann es 3. im Slav. aus ch ent¬ 
stehen und zwar unter denselben Bedingungen, unter welchen c 
aus k entstanden ist: Lok. sg. A c V c1J von A^fX"* 1 > Geist 1 . 

Bei der zweiten Art des s ist zu bemerken, daß auch ursprach- 
lich sh und ks über ss zu s führen mußten. So c-fcHt f. ,Schatten' 
zu ckHTH, CHiaKU ,glänzen, aufleuchten 1 , gr. (r/.icc, got. sheinan 
.scheinen, leuchten 1 , also eine W. shei; iucth, nacx , weiden 1 
(cunacTH ,bewahren, retten 1 ) zu lat. päseo, also auch mit urspr. sh; 
AscH'k ,dexter 1 aus *dehsno-, lit. deszini ,die Eeehte 1 mit urspr. hs. 

Hier kann auf den Wechsel zwischen palatalen und velaren 
Gutturalen hingewiesen werden: rxcn 1 ) ,Gans', gegen lit. Zqsh 
(im Slav. würden wir also *zqsb erwarten); umgekehrt: oc-rp-b. 
,scharf 1 , lit. asztrus , ai. asri§ ,scharfe Kante 1 gegen lit. aMtas 
,Granne 1 , lat. acus; cmnuiaTH ,hören 1 , ca oifY 11 ,Gehör 1 gegen lit. 
klausyti ,hören 1 . 

Das sub 1 und 2 angeführte s war hart, das sub 3 weich {{, 
das in den westslav. Sprachen zu s wurde). So verhält sich auch 
das s in Bkcn ,omnis‘ (z. B. Gen. sg. m. Ekctro, p. wszego, b. vieho). 
Das verrät auch die Graphik der älteren Denkmäler. Neben taktr, 
KdKTi wird im Mar. und Zogr. regelmäßig EkctK-k (bcKktv) ge¬ 
schrieben, ebenso brcK Nom. sg. f. und Nom. Akk. pl. n. (auch in 
den Kiev. Bl. buck; Nom. pl. n. IY 22). Erst im Cloz. kkca Pl. n. 
198, 272 neben Bkct 423, 567 ; Akk. sg. f. Bkcat II77, 234, aber 
durchwegs noch BkctK-k. Selbst im Ps. sin. schon auch B'kca, 
•fia« 115. 3 (114. 12); im Euch. sin. noeh E’c-fc und eV-Skt» (sehr 
häufig) und ebenso brcbv 18a, 20a, 25b, 29a, 29b, 30a, 31a usw. 
Erst in der Sav. kn. ausschließlich Bca f. 60b, 145b(bis), n. pl. 
26h, 47b, 69, 78b,- 86b, 88, 103b, 129b, 1392, 140; 32b, 36b, 
44, 45, 57, 63, 63 b, 88b, 93, 99,104,105,109b, 121b, 122, 131b, 
132 b, 135, 144 b, 149, Akk. sg. f. bcx 32, 37, 57 b, 117, 117 b, 
132 b, 135, 137 b, 146 b, ebenso ausschließlich Bcau-K (mehr als 
50mal). So auch in der erwähnten Partie des Supr.: ecuk-k 454.2, 
ebenso in den anderen, Formen wie Ekc-kKO 332. 8 sind hier sehr 
selten. Ans dem Ostrom, zitiert Kozlovskij (1. c. S. 32) 90 Formen 


*) Ist kaum mit Meillet durch Dissimilation aus *zqsb zu erklären. 



Laatiebre. 


369 


mit a (ßkca nnd RkcaK-; und 52 mit sa ßkca, Kkc* = Kkcs, 
kkcuk-. BkCAK und einmal KkckK'k 275). 

Da sieh das s Mer so verhält wie das aus eh entstandene, geht 
man auch von einem *cbcho- im Slav. aus, das nach T'k, rcrc. 
Gen. also *ncJu>go dekliniert worden wäre, in bestimmten Kasus 
Kkc-K-, z. B. im Instr. sg. m. n. kkc Ruk nnd von hier wäre das * 
verallgemeinert (R. Brandt, HtcKOAKo uejoueii Kr. 2, Lorentz in 
KZ. XXXVII, S. 265—267' Meidet, MSL. XI, S. 9). Das würde 
ein urspr. s voraassetzen, das wir tatsächlich im Lit. haben (visas, 
preuß. cissas, allerdings im Gegensatz zu ai. tiha) >). 

s ist nrsprachlich nur in ~d{h) nnd ~g\h): Uk3,\a jLohn 1 , got 
mizdo, gr. tu<r&6s\ po3ra ,Zweig 1 , lit. rezgü ,ich stricke 1 ; uosrk 
.Hirn, Mark*, preuß. musgeno , ahd. inarg. av. rnazga. 

Regelrecht geht es auf ein palatales g oder gh zurück: sh^tk 
. kennen 1 , lit. iinöti .wissen 1 , gr. yiyribaxu; 3xk% ,Zahn‘, ahd. chaml, 
kamb, gr. y6g<pog .Pflock 1 (hier überall g). Ein gh in: .kS'kK'k 
,eng‘, lit. anhsztas, gr. ay/w ,ich schnüre*, uy%i .nahe 1 ; «f3* ,ich 
fahre, führe 1 , lit. vciü, gr. oyoc [föyog ) .Wagen 1 (kcstv ,Wagen 1 ), 
lat veho. 

In beiden Fällen war das z hart. Nun hat sich auf slav. Boden 
aus g unter denselben Bedingungen ein s (dz) entwickelt, unter 
welchen e ans k und s aus eh entstanden ist. Aus dem s ist 
später (schon im Aksl. häufig) ein z geworden. Das s war weich, 
daher im Zogr. noch vereinzelt n-tHASw Mat. 20. 9, dagegen 
schon nkHASoy Mat. 20. 2, 10 u. 13, KkOAsoy Luc. 12. 58; nk- 
ha3.i Luc. 10. 35 und S. 30b, Z. 22 (Ausgab. S. 80). Im Mar. auch 
nur nS!tA3K> Mat. 20. 9 gegen nkHASoy Mai 20. 13, nkHA3«y 
Mat 20. 2 und 10; KkHASoy Luc. 12. 58. weiter nkHAsa Lnc. 
10. 35; S. 115. 17; 188. 23; K'kHAS.t Lue. 14. 1. Im Ass. nur 
n-fcHASoy Mat. 20. 2. 9. 10. 13 und nkHAsa Luc. 10. 35, k’kkasu 
L uc. 14. 1. 

Anders wieder im Ps. sin.: K'k.niAS'fc (Gen. Akk. sg.) 104. 20.21; 
cTkSkuk 24. 4: CTkskuk 118. 105. cTkSkyk 18. 5; Kak nc- 
ATiSk 29. 10; nouHSkaupt (noMH34izfU{tE Ps. Bon. u. Pog.) 34. 19; 


*3 Das s kann Mer nicht infolge des a aas einem eh entstanden sein, wie 
’t- B. das e in efa». Es wäre dann etwas jünger (vgl. oben S. S06 Atu*.). 

Yoadrik, Alikirck «aslsviacke öraasatik. X Ast. 24 



370 


Lautlehre. 


roß'KStOKRijiHiM'h. 122. 4. Allerdings auch paiKAHS-HTi«. cia 65.10, 
KT» 3 ARHSUfean 112. 7, CTksx 22. 3; 26. 11; 118. 35 1 ). Aus dem 
Euch, sin.: s,u,i,as» 21a; iasia 29b(bis), 42b, 4Sa(bis); kna 31 v 
fapncKiiCiU 31a. In der Sav. kn. kein Beispiel mehr, nur nlc- 
iiA 3 oy 150b und fr£HA3a 56b, K'kHABa 61b, also ohne Jotation. 

Zumeist entwickelte es sich vor diphthongischem i und ’k: 
Hom. pl. kosh und Lok. pl. Kosltx’k zu Koriv .Gott 1 ; Imper. mosh, 
MOS’KTe zu uouiTH, uor.v> ,können 1 . 

Die hier besprochenen Laute c, s, dz gehören eigentlich in das 
nächste Kapitel, sie kommen aber hier zur Sprache als Übergangg- 
laute zu c, s, z. 

Veränderungen der s-Laute. s wird zu ch. Zu ch wird 
ein intervokalisches s naeh den »r-Vokalen (tv, tj, oy), nach den 
»-Vokalen (k, h und diphthong. U), ferner nach r und k. Folgte un¬ 
mittelbar nach dem s ein Konsonant (insbesondere konnte dies t 
oder k sein), so unterblieb dieser Lautwandel. 

Beispiele mit t*: ßfT"kyk ,alt‘ (Cloz. 354. 910), vgl. lit. vetuszas, 
lat. vetus-, A-kx-HXTH ,atmen 1 , A" K !f H0KfHHe (Ps. sin. 17. 16), vgl. 
lit. dtis-ti; ,Moos‘ (später belegt), lit. müsas (gew. Pl. mrnal) 

.Schimmel 1 ; cH-kyj ,Schwiegertochter 1 (später belegt), lat. nurus, 
gr. vv&g, d. Schnur, ai. snusa. 

Mit •u: Aor. HpTuyk zu Kp-uTH ,decken 1 , wkiyk zu mtuth 
, waschen 1 , E T ki\"k zu euth ,werden 1 ; mtu lue ,Mans ( setzt ein 
*mychi*müsi- voraus, vgl. gr. pvg, lat. mus-, CATuinaTH ,hören‘ 
aus *slycheti, vgl. lit. klausyti ,hören, gehorchen 1 . 

Mit oy: AAX 1 ' ,Atem, Geist 1 , A 1> V UIJ ,Seele 1 , vgl. oben A' k ~ 
jfHXTH und lit. duüsos Pl. ,obere Luft 1 ; coyyk ,trocken 1 , lit. saüsas, 
gr. «dos; oyyo ,Ohr : , lit. ausis, gr. oig (aus *oasos), lat. auris. 
got. ausö; Kpovyk, oy-Kpov-yk ,Brocken 1 , lit. kriuszä ,Hagel 1 , kriu- 
sziü, knüszti ,zermalmen 1 . Aoriste wie naoyyk zu nnoyTH, haobx 
, schwimmen, schiffen 1 . 

In germ. Lehnwörtern bleibt s, weil der Prozeß nicht mehr 
wirkte: BTv-KoycHTH ,gustare‘, oyctpArk (später belegt) ,inauris‘. 


l j Ob im Original wirklich hier überall s vorhanden ist, wird man erst 
ans der nenen Ausgabe ersehen. Das s wird in den Denkm., in denen es 
überhaupt noch vorkommt, oft auch unrichtig gebraucht, also für z. 



Lautlehre. 


371 


Zu cflj'KpöVC'k ,sudarium“ ist eine befriedigende Etymologie nicht 
bekannt. rHoyckirk .ekelhaft“, rtikCk, f. (rrncs) steht in Zu¬ 
sammenhang mit rnxckH’k nsw. (vgl. oben S. 139); K'kicfA'kh 
, sauer“ und Bte-KuckTii ,sauer werden 1 (Mat. 13. 33 Mar. Zogt) 
wohl mit n Eta cm ,Sauerteig“ (z. B. Mat. 16. 6 a. a. : in ttjcauita 
und T-kicxtUTA liegt nicht ein s, sondern ein urspr. k vor (vgl. 
rkTO und oben S. 130). 

Nach k: t6Ak£4 ,Erle‘ später belegt), ahd. elira, erila ,Erleb 
fit dk-nis aus *elimis\ iikiucmuta ,Weizen 1 (zu ksl. nkuufHO .Mehl 1 
und dieses zu nkyaTH .stoßen 1 , lit. pawjti, gr. .rrioau, lat. pinsö) ; 
oben S. 369 haben wir auch ein *cbr} 1», cbchogo usw. angesetzt; 
daraus dann BkCk. Lok. pl. der /-Stämme: nxTkym, KOCTkjfk 
und der konsonantischen Stämme: KaucHk^m, AtHkjfk, Ep-Rui- 

crtOKfCkym. 

Nach h: th\- k ,still“ (Supr. tuuih an .Buhe. Stille“, z. B. Mat 
8. 26), (A .Trost“, ov-t-Kujuth ,trösten“, lit. teisüs .gerecht-, 

tem ,Wahrheit“, iaisaü, taüyti ,bereiten, bessern“. Aor. wie KHjfk 
zu khth , schlagen“, Hinjfk zu tKHTii ,leben 1 u. cgi. 

Nach diphthong. 1t: <vR\-a .Gartenbeet, area“ (Marc. 6. 40 Zogr. 
Mar.), lit. lyse ,Beet“, lat tira, inbd. ge-leis ); .Schlauch“, lit. 

mäiszas ,ein aus Schnüren gestricktes Heunetz“, preuß. moasü Blase¬ 
balg“; cu-& 5 fk .Lachen 1 (z. B. Euch. sin. 70b 2) zu cmhhth, eutK 
Rachen 1 durch s erweitert (vgl. lat w»rm); Lok. sg. der o-Stämme 
pOUfttJfk, CfAltyk USW. 

In ß-RCk ,Dämon“ liegt urspr. ds vor, vgl. lat .foedua, lit. baisä, 
baisus .fürchterlich“, vor allem baidyti ,scheuchen, erschrecken“. 
In öCHk .heil, klar“. p-Kcn-k .wahr“, T-RcH-k .eng“, np-Rcu-k ,un¬ 
gesäuert, frisch“ war ursprünglich ihn (vgl. oben S. 186), in npHCH’k, 
npHcuo wieder stn (vgl. oben S. 187). 

EHcspTv ,Perle“ ist fremd (vgl. arab. busra ,Glasperle“). Dunkel 
ist AHc-k* Buchs“ (ahchi^a), ehcRth ,bangen 1 . cRkc-k .Hafer 
stimmt nicht mit lit. aeizä. In hjcuhcjth ca .irridere“ (später 
belegt) ist das s erst wieder aus ch entstanden (vgl. -puitATHj. 


>} Euch. sin. 14 a 22 Kuc-kacnf mit -fc. das auch sonst zu belegen ist (S. 281. 
s j Jaeic setzt hier ein ps voraus und beruft sich auf lett. lapsa (AfslPhil. 
XXXI, S. 227;. 


:24* 



372 


Lautlehre. 


Nach anderen Vokalen hleibt in der Regel s. Freilich haben 
wir mehrere Worte mit ch, wo wir es nicht erwarten möchten nnd 
wo es zum Teil analogisch erklärt werden kann. So z. B. crrfcp* 
,Studium, Eile 1 Supr. 280. 26 (lat. spes, speräre), auch z. B. in nc- 
cn-k\*OKaTH ,adiuvare‘ Euch. sin. 53b; 82a; 101a und necnUtUk- 
ctkokath ,eooperari‘ Marc. 16. 20 Mar.) zu crrttTH ,proficere' (Lue. 
2. 52). rp’fijfk .Sünde 1 {vgl. Bemeker, Sl. et. Wb. 351) und rrptjfa 
.Dach, Haus 1 sind nicht befriedigend erklärt, I j,oifk7’op'k Zogr. 
Marc. 4. 38 eig. Ruderbank 1 (für ii'kBr/vaKkHHU,a im Mar. Kopf¬ 
kissen 1 ) ist wohl ein Reflex des ahd. dofta ,Ruderbank 1 . 

Durch Analogie konnte das ch insbesondere in Suffixen ver- 
allgemeinert werden. Nach nAo\fX"k, npuya usw. auch andere 
Aor. wie A’kaajf’k, KH.vkjf’k, Re r \,o)C'k, dann auch im Imperf. -uayTi 
und -•Rax"k; in den Lokalendungen nach nATkjfk, ctuhtv^'k usw. 
aueh puKA^k; ferner Verba auf -chati: nach övcmh- 

ca usw. auch andere, vielleicht z. B. auch tajfUTH ,vehi', 
xjfATH ,duften 1 . 

In der urspr. Verbindung rs wurde s auch zu ch: Kpainuno 
.Speise 1 aus *borchno , *borsno, lat. far, farris ; rpa^Ti ,Erbse 1 , lit. 
garszvä ,Giersch“, Kpujf'k ,cacumen‘, lit. virszüs. npa^Tv ,Staub 1 
aus *porso- gegen npkcTk ,Staub, Erde 1 (z. B. Ps. sin. 7. 6). Hier¬ 
her auch Aor. wie up-k\"k usw. 

Auch in ks (qs): AHjfTi überflüssig 1 , ygl. gr. Xtiipavov (aus qs), 
weiter Aoriste wie pk^n* ( aus * J 'e/«;z>} zu peuiTH ,sagen 1 . 

Gehen andere Konsonanten dem s vorher, so bleibt dieses, so 
bei ns, ps, z. B. in KTvCKpkCHXTH ,auferstellen 1 , KpUcHTH ,auf- 
erweeken 1 , lit. kreipti, kraipyti ,kehren 1 ; K'kicou'k ,hoeh‘, vgl. gr. 
iitpos, vxpqlog, urspr. *fipso. Hierher auch der Aor. rp’kcTv aus 
*grebs?> zu rptTH, rpcG-K ,graben 1 , wo das ch sonst analogiseh 
hätte eindringen müssen. Der Übergang des s in ch ist also älter 
als der Schwund des Labials vor s, denn das s blieb hier aueh 
nach i- nnd «-Vokalen. 

Kam nachträglich durch den Ausfall des Halbvokals die Gruppe 
ps zustande, so wurde sie dialektisch auch durch Metathesis be¬ 
seitigt: c’nanA Zogr. Joh. 21. 25 aus psana, ptsana zu rikcaTH 
.schreiben 1 , e’fUHC ib. Lue. 7. 27; vgl. auch c’n aatiM kCKuy'k st. 
ncAA'KM ... ib. Luc. 20. 42 (vgl. S. 342—343). 



Lautlehre. 


373 


Ebenso bleibt das s in urspr. ds, ts: 2. sg. p,jch ,du wirst geben 1 
zu aath .geben 1 , ebenso uch zu iauk .ich esse* aus *edmi ; Aor. 
npo-sacK aus -bödsi zu kocth, Kop,x ,stechen 1 . 

Natürlich führte auch ks and «i zu » Über et vgl. oben S. 368). 
Das s in u-feCHTM (ck-u-Kchth Lue. 25. 1 Mar. Zogr.) ,mischen 1 
kann auf ls aber auch auf k allein zurückgehen. Vgl. noch ti- 
c«jth ,zimmern 1 , lit. taszyti, gr. lixrur. 

Folgt nach s ein Kons, so ist bei sn, sm, st, sl der vorher¬ 
gehende Vokal in der früher angegebenen "Weise maßgebend: 
£hjuth .blasen 1 . War vor dem s noch ein Kons., so ist es aus¬ 
gefallen und zwar vielleicht erst als ch: aovha .Mond 1 (Euch. sin. 54 a 
ans *louchnä , *louksnä\ Mpktm ,schwarz 1 , preuß. kirmtm; XHA4 
ans *ginlü , *gimlä, lit. gysla, gisla. 

In sä und st bleibt das *■; im letzteren Falle handelt es sich 
auch um das iu t 1 und d+t entstandene s, z. B. nacru .fallen* 
ans *pad-ti. 

Im Anlaute mußte natürlich das s auch bleiben und zwar vor- 
vokaliseh als auch vorkonsonantisch, also ciuv cuna, cuhhth 
ca ,lachen 1 , cupk,vKTH ,stinken 1 , csoh jSuus 1 , c.vKiVk ,blind 1 . Aus 
prtfigierten Verben konnte das ch in die einfachen Eingang finden 
X*v\\hth «gehen 1 aus npH-yo^HTH, E'kX'o^fiTH, wo s in ch über¬ 
gehen mußte. Mitunter handelt es sich nicht nm ein s, sondern 
um ein urspr. ks, das auch zu ch führte, z. B. \*pou-k ,Iahm‘, ai. 
srämd- aus einem urspr. *keromo~ (andere denken an *skremo 
doch kann das slav. ch daraus nicht abgeleitet werden} 1 ). 

Das in ch in bestimmten Stellungen übergebende s war ur- 
sprachlich. Zu einem derartigen s ist das in Kkck vorliegende nicht 
aus k (vgl. ai. tifaa-j geworden, da es schon vorslavisch, wie uns 
das lit. vims (preuß. tissas) zeigte, ja sogar ursprachlich war. 

Das c, z und s vor einem j wird zu d, s und L Da nun k und g 
vor palatalen Vokalen und j auch direkt zu i, £ führten, so ist es 


*; iBtcTw ,sechs 1 wird aaeh auf ein urspr. *kmeks vgl. av. xkm-b'i znriick- 
gefnhri. man könnte es aber nicht analog wie etwa das lit. ssesü ans **e*i 
(vgl. tziasura aus *sUura, Tr&ntmann, GSttGel. Anm.1911, Nr. 4, S. 267) deuten, 
denn i» Slav. mußte ein is unbedingt zu s führen, so daß wir dann ein dem 
lit entsprechendes *ten (oder überhaupt *ses-\, also kein *tm hätten. 



374 


Lautlehre. 


nicht immer leicht, zu entscheiden, ob ein vorliegendes 6, z auf 
r, s oder k, g zurückgeht. 

So konnte das Adj. oTkMk ans *otbc%o-, otbcie-, aber auch aus 
*otbk%o- entstanden sein. Wahrscheinlich ist das Adj. gebildet wor¬ 
den, als der Nom. noch *otbla hieß. Ans dieser Periode stammen 
wohl die Vokative <JTkU£, kiiMahu nnd die Adj. OTkUkcKi», wmia- 
JKkCK'k, die gleichen Alters wären, wie z.B. OTpoukcnk zn OTpoiVk, 
KOJKkCK-k zn Kork ,Glott‘. Dagegen haben wir bei Verben wie 
H 4 -pMHTH u. dgl. ein zweifaches Präsens: iupmi,as,Y, (V, 1) nnd 
iUpHua;, -pHMtui:i. Wie man aus den aksl. Denkm. ersehen kann, 
sind die letzteren Formen jünger, sie gehen also auf ein cj\ zj zu¬ 
rück (p,KH3dfck und 

Ein 4 ( sj) liegt vor z. B. in houux, Kouua\"k, houik nnd k«- 
luiK’k, alles Formen zn hochth ,tragen* (iter.); das Präsens tiujx, 
T£UI£iuh nsw. zn tjc.itii ,zimmern, behauen*, uihth .nähen* aus 

Ein zj: Präs, kujk»,, KaatEuiii... zu KasarH ,weisen*; Honen 
,Messer* ans *nozio-, vgl. Hk3HXTH ,mfigere‘, HkSüTH ,infixnm 
esse*, npo-H 03 HTH ,perfodere‘; Kompar. EpiiiKE zu spn^m ,schnell*. 

In sn{, sli, sn{ (und zK) wird auch das s, s affiziert: ivkuntU- 
auif Luc. 1. 21 Mar. (Zogr. jaxiKAaaiiu) zn Kmcu-kTH ,sieh ver¬ 
späten*, als ob das Verb ktvCNHth lauten würde; zn mtücahth 
das Impf. M’kiuiA’fcdim Luc. 12. 17 Mar., noMTauiAltTH, noina- 
uiaehhe nsw.; rkEaajKHks. ca zu ctvE/ushmth ,scandalizare* nnd 
CTvEAd/KHHTH; oben S. 262 haben wir ans den Kiev. Bl. kt^jkaksk- 
angefiihrt (einmal auch kt^jkaweax im Zogr. Joh. 14. 21), sonst 
ist immer nur irkS/UO»:- belegt. Über st{ und zdi vgl. oben S. 315; 
aber sk{ nnd zgi S. 302. 

Vor einem tonlosen Kons, geht z in s über: keoth ,vehere* aus 
vez-ti; pac-jfop,HTH ca auseinander gehen*, E£c nnp r ki areq -rrf^ag 
Luc. 22. 35 (Zogr. Mar. nsw.); sec naop,a Mat. 13, 22. 

Das ps wird dialektisch zn sp, wie z. B. cnaTH für ncaTH, S. 372. 

zc wird zu sc (weil c tonlos ist, = h) und kann dieselben Pro¬ 
zesse dnrehmachen wie das sc aus sfi vor diphthong. e und i (S. 308), 
daher hc-ivEahth ,heilen*, hctUahth (z. B. hct^ah Mat. 21. 14 
Zogr. b) und auch noch hivEahth, inbesondere häufig in der 
Sav. kn. 



Lautlehre- 375 

2 S wurde vollständig assimiliert und ergab s: Kf-ckuiHe Snpr. 
240. 17 ; 396. 1; ke-ctovaa 443. 16 usw. 

Aus zi wurde erst später s6 (wie sc aus zc), das wir im Aksl. 
auch finden: Bec-anNkN'k (aus E«3-HHMkH'k} ;: : npr. 398. 4, Efc-HH- 
HTkNaaro ib. 288. 26—27. ucc-uhhhu 288. 24; Ksc-ukCTHa 74. 
25—26 usw. Nach regelrechter Assimilation konnte aber daraus 
auch 6 werden: UHAOCTk HtHUkTt ha (aus Ht-H3-HkTfHA) .innume- 
rabilis 1 Euch. sin. 63a; ej-macth (aus ues-M ...) la; Et-MkCTkH'k 
.inhonoratus 1 Snpr. 446. 17; Ef-HHCAtHoi» pa.yocTki* ib. 541.7; 
älter ii, das als st* (eig. < ! — L' au st führen mußte und das ist das 
häufigste. So finden wir huiti3h*.th .verschwinden' (z. B. Luc. 
24. 31), HtUTHCTK ,zählen 1 (aus h3-hhcth), huitaaii« .Brat 1 (dieses 
auch in der Sav. kn.). Im Euch, sin.: KdUTuca-kHOi 53b. uhaoctu 
KtuiTHCA-kiu 58a: KtiuTim'kii'kin Supr.497.24, KEiu rncA kH'kiHUH 
koh ib. 561. 26 usw. Im Supr. sind also alle drei Fälle vertreten. 

Aus zz wird zd (vgl. S. 302 Anm.): n;tt r \fHSi ; aus *iz-iena), RTk- 
iKAfA’tn'H .heftig verlangen 1 . 

Aus zs (über ti, ii) S: Hiufp.'k (aas Ha-uik^T».} Euch. sin. 41b; 
HiusA'kiiie 106 b. 

Aus sr wird str und aus zr analog zdr\ ocrp k, lit. asztrüs 
.scharf 1 , ai. Mrij .seharfe Kante 1 , gr. axgog , spitz*; nkcrp-k .bunt* 
aas *puro, vgl. nkcATH und ; ToixlXog; hier tiberall sr aus kr. Urspr. 
sr in ctcTpa .Schwester*, lit. sesü, sesers. Auch im Anlaute: crpovra 
.ilaetus* Ps. sin. 92. 3 und crpova ,flumen‘ Snpr. 57.18 und 476.28, 
c-crposTv .Insel 1 , vgl. lit sravä ,Fließen, Bluten 1 , m-oce, strove Strö¬ 
mung 1 , lett. sträire , ai. srdvati .er fließt 1 . 

Eine scheinbare Ausnahme bildet ho3AP» pl. ,Nasenlöcher 1 
,H03,vpn HUAvT s. h tu OKOEi’fiLBkT'k Ps. sin. 113. 14, vgl. lit. nasrat 
and hoc k .Nase 1 , und das später belegte MA3APA .Membrane, 
Fleischhant, Bast 1 , vgl. uac« .Fleisch 1 . Man dürfte hier wohl mit 
liecht (fro-Snffixe voraussetzen. 

zdr aus zr sehr häufig: B'k3APM 0K ' ,TM regelrecht im Ev.-Text, 
KTiSApacTH, B-kSAP'^AATH; M(H3AptHiH’kH'k Euch. sin. 63a. H3- 
-A-p'SK’ki 54b, »3-A-pAlv 85b. hs-a-P^ktu 96b; poK'k HS-A-p w 
Pb. sin.7.16; ua-y-pkirrk 93.13; K*k3-A-pAA«Y <u ' K «a 9.16 usw.: 
H3-A-P*.KU 17. 1. 



376 


Lautlehre. 


Hierher gehört aueh H3ApaHAk u. Abi. im Ev.-Text häufig ganz 
ausgeschrieben (man hat das Fremdwort als H3pa ..., so auch be¬ 
legt, ausgesprochen), HCpaHAk, daneben z. B. im Ps. sin. 13. 7: 
hcak», aber auch wieder ih3APAha«ba ib- 21. 4. 

Die palatalen Spiranten s, I, j und die Affrikata c. 

Hierher gehören eigentlich auch die Laute c, s, dz, die schon 
im vorhergehenden Kapitel zur Sprache kamen. 

Nur das j geht auf eiu urspr. i (event. j) zurück, die anderen 
Laute entwickelten sich erst auf slav. Boden und zwar s aus ch 
und 4, z (urspr. d £) aus g und aus zi { d zi), c aus Je und ei, wie 
auch im vorhergehenden Abschnitt dargestellt wurde. Man sieht, 
daß an dem Aufkommen dieser Laute auch das i (j) einen wesent¬ 
lichen Anteil hatte; letzterer Laut spielt überhaupt in der slav. 
Lautlehre eine bedeutende Bolle. 

Das / kommt im Anlaut vor: no-ark ,Gürtel 1 , vgl. lit. jüstas 
,gegürtet*, gr. £wfft6s; whtv 1 ), whouu, whoctk, icnku,k, YA.jäunas 
jung l ,jauhiMs ,Tierjunges, Bräutigam*, ai ,juvcm,jünas] das Belativ- 
pionomen h-jke (Nom.f.), ai. yä. Im Inlaut: bubu ,ich winde, drehe*, 
lit. veju, ai. myämi ,ich wehe* [*ueio -); Nom. pl, der m. f-Stämme: 
rocTkie, -Hie ans *gosteies, got. gasteis, vgl. ai. matäyas, ebenso 
•rjjkie ,drei* aus *treies, ai. träyas ; cnki* ,ieh habe Erfolg*, lit. 
speju ,habe Muße, Raum', ai. sphäyate ,er nimmt zu, wächst*; bei 
den Verbis der V. Kl. 1. Gr.: axkaku, axkaicuih zu axkath fu¬ 
schen, betrügen*, lit. lanhöju ,biege hin und her*. 

Ursprünglich kam es ferner in den Diphthongen o{, e%, ai usw. 
vor (geschrieben einfach oi, ei, ai ..), die im Slav. monophthongiert 
wurden. Im Slav. entwickelten sich aber später wieder diese Diph¬ 
thonge aus intervok. i mit nachfolgendem Halbvokal, der ja schwand. 
Aus *ra{b wurde ran, rai und daun raj, ebenso hoj, moj ,meus* usw. 
(oben S. 161). Durch die aksl. Schreibweise pah, «oh usw. dürfte 
zur Zeit der Begründung des aksl. Schrifttums noch das Stadium 
raib, moh zum Ausdrucke gekommen sein. Das erschließen wir 
aus dem Umstande, daß damals auch in anderen Fällen die Halb- 


l , Komp. »H-kH Luc. 15. 12 Mar. (Zogr. Aikum]. 



Lautlehre. 


377 


vokale im Auslaute nicht geschwunden waren. Der Xom. pl. wurde 
auch Kpan geschrieben, lautete aber krap. 

Ein postkons. j hat sieh im Slav. nicht erhalten, sondern es 
palatalisierte die vorhergehenden Konsonanten und ging in ihnen 
auf. So wurde aus Je, g, dt ein £ (d£), i: ,Weinen' aus 

*p!ai[o-: .VkUvX ,Iüge‘ aus hg{äm\ ^oviua ,Seele' aus *duchiß 
(vgl. 299). Das t, d wurde im Urslav. zunächst erweicht, was dann 
in den einzelnen slav. Sprachen zu verschiedenen Resultaten führte, 
im Akls. zu urr und ik,\: cirkurra ,Licht', pojkaucteo ,Geburt' 
[S. 313). pi, bi, vi und »V führten zu pF, bl’, vF und mF (S. 322) 
und ri, li, ni zu r\ n' (S. 358 u. 364)»]. Schließlich ist $i, «£, c{ zu 
i, £, t geworden {vgl. oben S. 373'. 

Im Anlaut entwickelte sich vor bestimmten Vokalen ein i j), 
z. B. wtii ,nehmen', ursprünglich ohne j im Anlaut, wie aus c*k- 
hath (Sup. c’hHAT’k Marc. 15. 36 im Mar. u. Zogr.) ersichtlich ist. 

Vor k im Anlaut entwickelte sieh regelrecht ein j: *i~bmq\ *j-bmq), 
das über hma zu hu* wurde (vgl. S. 296). 

Im Inlaute entwickelte sich auch intervokaliseh oft ein j. z. B. 
in ,v»a'i’H (vgl. S. 289). Das intervokalisehe j konnte aber auch 
später schwinden, wodurch sich Gelegenheit za Assimilationen und 
Kontraktionen von Silben ergab: der Gen. sg. m. n. A^pa-tero 
führte zu ,s,OKpaaro und dieses zu ,\OBparo. Das * (/} wirkte wie 
aueh das i modifizierend auf die Aussprache eines vorhergehenden 
’k oder k: ^OKpTJH ans *dobn-ih 6 ir/a&bg und HCKpkHHH aus 
*ikrb-nb~it b nh aiov (S. 222). 

Nach unseren palatalen Lauten kann kein oder o stehen, 
sondern es wird daraus ein s». h, e; ferner kein S, denn o{ (auch 
aus ai) lautete früher zu ei (das dann i ergab) um, bevor es zur 
Monophthongierung kam und das e bzw. das daraus entstandene 
e wurde nach unseren Lauten zu &: Lok. pl. u*>KH\"k gegen po- 


i) Im Akat wurden diese palataÜBierten Laute entweder durch eia Häkchen 
z. B. Mtft Maxe. 1.16 Zogr. 'Mar. dagegen hier wie auch sonst; ««(»:. oder 
durch die Jotation des nachfolgenden Vokals bezeichnet, was in der giag. 
Schrift natürlich nur bei ja und ja möglich war: r.«.\i = v oFa Mat. 18. 14 'Mar. 
und Zogr. b). Nicht selten kommen beide Mittel cur Anwendung: pucaft 
Marc. 1.16 Zogr. (Mar. nur juEd^-k). Häufig Weiht die Weichheit unbezeichnet 
{vgl. oben «o*f Im Mar.'. 



378 


Lautlehre. 


i^kjfk, Gen. Lok. pl. n;fk gegen T'fcyk; kphmath ,sehreien‘, oeoy- 
hth ,stultum Serie 4 an uoyn (Snpr. OKoyramv 140. 13) gegen kh- 
A'kTH, oyirfcTH usw. Wenn in den glag. Hss. nnd danach auch 
in den cyrill. nach diesen Lauten ein K steht, so ist es als ja zu 
lesen. 

Aus der Graphik der ältesten Denkmäler ersehen wir, daß die 
Laute s, £, £ — und hierher gehört auch st, zd — stark erweicht 
oder palatalisiert waren, was nur dann möglich war, wenn hei 
ihrer Artikulation die Artikulationsstelle des/in ihrer wesentlichen 
Lage nahezu erreicht worden ist. In den Kiever Bl. fast noeh 
regelmäßig: AoymUMH Ulb 12—13, Mkurk Ilb 8; III16; IV 1; 
IVb 7; V 19; Vb 20; VIb 3; VII1; hauju Nom. sg. f. f. Vb 8, 16; 
Akk. pl. n. Hb 16; III 20; V 21; VHb 12. 

Demgegenüber nur naruiKa Ib 4; carpkUMTH IV 21 und HätUsK 
Akk. sg. f. Ilb 20; III19; IV 14. 

So finden wir im Mar.: etv u’fcrfi: Lue. 4. 5; Tanke Joh. 2. 10; 
MTvHOJKkHuiA Mat. 21. 36, ykHOHrKHiiJAiA Mat. 11. 20 1 ), luojKk- 
ay*. Luc. 8. 19, noKamkTe Luc. 20. 24, iüutTte Mat. 6. 33. Das 
sind nunmehr vereinzelte Fälle. Dagegen wird noeh regelrecht 
i« geschrieben: uw Luc. 2. 43; 24. 18; hmat Marc. 7. 24; uroyn 
Luc. 8.46; uwete Marc. 8. 17; uwettv Mat. 6. 3 usw. ; JKwnfak 
Luc. 17. 29, mxjkw Marc. 10. 2; Luc. 19.7; M&xriäi Mat. 7. 24 usw.; 
uiwuk. Luc. 4. 37, üjwua Lue. 21. 25; ujwhua Mat. 6. 3, mwun 
Mat. 20. 21; 25. 33, ckTKopkiiiw Joh. 20. 37; yojKA'kuiw Luc. 
1. 3 usw.; [je;k,%w Mat. 18. 15: Marc. 9. 50; Joh. 4. 31; 6. 52; 
cxjkai*. Joh. 12. 47; — oipwTHUiA Mat. 24. 39; olpwtatt«. Lue. 
9. 45; NinkiuTWERTTi Luc. 9. 18, ckupoKHip» Mat. 12. 44, c-n- 
MkiiHUiTW Lue. 8. 41, OT’knoyujTw Mat. 27. 17; hmxuitw Mat. 
18. 8. 9. 25 usw. (vgl. Jagic S. 432). Ausnahmsweise: HoyacA^X* 
ca Joh. 4. 27; mehrmals auch uix für uicy in uixks, ujxi**.. 

Geringer sind die Spuren im Zogr.: ukck Mare. 14. 35; no- 
KAJKkT i Luc. 20. 24; miiHok'Khijlia Mat. 21. 36 (Zogr. b); HuirkTE 
Mat. 6. 33; 7. 7; Lue. 12. 29 (vgl. dagegen hhjtats Luc. 11. 9); 
CTpajKA^iuTiA Marc. 6. 48 (bezllgl. -ujtia); yojKA’ K ' llUf Job- 
21.18; ßb.3CA M ' IK A { k'k Joh. 4. 13. 


1 ) Zogr. hier mhowjiuja. 



Lautlehre. 


379 


Häufiger ist das io hier: mwctii Mat 6. 3; monnn Hat. 7. 3; 
iuiohua Mat. 6. 3; uimut». Lue. 4. 37; umr.m Luc. 21. 25 usw.; 
/Kwnh.v'k Lue. 17. 29; 19. 7; u*:«» Mat. 7. 24, 26; Marc. 10. 2; 
Lüc.l9.7nsw. ; c'KH'kf.J hiiitw Mat. 5.22, yoTAUiTw Mat. 5.46. npo- 
CAUiT*>uoy Mai 5.42, aber doch auch z. B. TA-KKäüirroyuoy Mat. 
7. 8; U£;ka» Mat. 18. 15; Mare. 9. 50; Joh. 4. 31; 6. 52 u. a. 

Auch im Assam, sind Spuren vorhanden: uUettv 100; cuw 
•MOK’k'rfc 61, 107, 139, 143, 144, 3.ut£Nl»TU,vKi;:kUJ£ 125, rt,u- 
siir-ßHHi;«. 14, nauuiT'RHHHfi* 124. Häufiger jedoch erscheint 
auch hier », doch finden wir aber zahlreiche Ausnahmen wie 
s MU’kincr- 51, o uioyiK 94 (o iümi* 95 und sonst noch), MäUKey 
81 (gegen uxxk 44bis;, npUycAAipoy 50, Huxipoy 55. 

Auch hier haben sich im Psalt. sin. zahlreichere Reflexe des 
älteren Zustandes erhalten als ia den Evangelientexten: *il»i.u»A 
10. 6: 15. 5; ituu 22. 5; 74. 9 'jedoch uaiux 115. 4), hckohv- 
*rk!ÄT-k cia 101. 28: ovcra rp’giiikHHH'k 108. 2; analog cv-uohi*. 
6. 7; npHTT^ufcs; 48. 5; osahuks, 49. 8. 21: iiaoyüix 50. 15; ferner: 
8%. öyJKUcIi 30. 23; x'kE'Ki 77. 45 (gegen %<iB4UH 104. 30); no- 
-.KlirauÄ 82. 15; B’kJKluuiA 73. 7; TpXK-w pcoKUirni 97. 6; ac- 
KdJK-kTf 2. 10, daneben Ahnt* 4. 3; 38. 12; 41. 5; 56. 5; 

nuipis. 103. 21 (neben nnipx 135. 25), Ek3s , kipb'& 37. 19, B*k- 
SK-kipK 54. 17 (gegen Ki»3K , k4ix 9. 15 wie auch naruuir* 
131.15, BTvSEpauiT^ 131.17 , noponkipüKTTi 58.16; K*kcnA£ip , KT£ 
46. 2: BTS3Ht|j'kT£ 104. 4(bis); Ek3A*SKA'K'«’£ 133. 2; yosKA** 42. 2. 

Das i* ist hier regelrecht: wa«.! 0- 2; 25. 7; 39.6 usw.: 
tuMMOirk 9. 8, uneud 41. 5; ktvIusmi-Suiia 45.4; ühouihti 77. 65; 
AdK'Min* 103. 28; HHipiouoy 67. 11; mHSA.qitcuoy 9. 12; ukjkam 
(= muvAi®) 67. 14: U£/KA«cp.tuk£ 67. 14 und noch andere. 

Im Euch. sin. uHuu ch 47a (gegen ‘iauikk. 46b und «muu ch 
47a); ropku-kc 69b; UHO/K’kHiUH'k 76; tu ko £ch . .. haa^A^ 
79b. Regelmäßig wird nach unseren Lauten kk geschrieben: haui». 
13a, 16b, 18a, 25a, 52b, 97h, «min bk. 46b, K'kKoyuiw 47a, oy- 
ko-KB-kiher ca 49b, civndATvUJBKKk 52a, noKü'kiB'kUjm. ca 53a, 
HfrauiUKUiTHH 55b, ,yüik 57b, 59a. 74b, 75b, 81b, 82b, 83b, 
B'kcyoT-kK’KujHUjR 81a, noruKiiiiji*.» 84a, 85b, posKAkunx» 
ta 86a, npUK'kJBTvUJfc». 86a, BAinTkUiBK 102 b. — Ktnoupam»- 
uiTHHM’h ca 32a, 32b, omIä (== otembk) 83a, nooyut*. 85 a, 



380 


Lautlehre. 


nAAHH.inTHHU’k 571), npuTkirjf. 106a, cTßtcHKRumxtx 29a. — 
ko;k»* 4a, npHCASKixijuTHHiJi'k 24a, a’Sjkixujts (AkraTu) 37a, 
noaostK 73b, hcta-.kix 82b, nop,ßHJKKs; 74a. — npttKacaixuiTix 
ca 3a, TpfiuuiTixT'i. 4a, 26b, 45b, 46a, \-ouitix 37b, 46b, 
47a, 96a, nmirrix 13a, 16a, 17a, 20b, 22b, 59b, 90a, cBkuiTix 
21b, nHAdutrtxix. (uxorem Pilati) 49b n. a. (im ganzen 45 Be¬ 
lege). — CTv/KH;Kp,sx 48a, neiiocttüjka'* ca 74b, 75b, ß-k op, e - 
97b, 100a, 101a, ToyjKp, 1 * 103a, jkajkai* 29b, >ka- 
;kA^uiteh 29b, k;a>kp,ixuitaia 5b, cTpaJKAixwTHHM’k 25 a, 
26b. Es gibt hier nur wenige Ausnahmen: A Ui;R 97b, 57a, 58b, 
npouix 41b, BTiUiiA'kuixKK 48b, uhiijtx 12b, ap^jkauit* 28b, 
OA e:K A x 78 a. 

Manchmal auch ia: hckaiuia ... 3akahhaujia 48a, 3anak- 
bauua 48a, ,{uTia 25a, hocaiutia 2a. 

Ausnahmslos wird to geschrieben (im ganzen 80 mal): asAkum 
ca lb, npHintATium 7a, npHEiurkumMOY 7a, CTvEkKOYnAkiim ca 
9a nsw. (17mal um). — mwatvha 3b, aio^ECTv 3b, •mekCTEHk 
7b, Bpamo 24b, 25b, 381b, 68a, mamm 38b, 73b, npouiouoY 64a. — 
aojkio 36a, 42b(bis). — noAkVMAixujTMmY 7a, cSbeujtki 12b, 
ctixuiTKiuoY l^h usw. 39 Belege mit ujtio. — ko>kak> 51b. 
Es besteht hier demnach eine Übereinstimmung mit u,ic (oben S. 366). 

Wie wir im Cloz. nur ua gefunden haben, so kann man hier 
nur ha (E-fcHkUAtMTa 560, -maeut». 678, -uae-k 714, CEAHMAix.T'k 
913), uia (ETJEuiAAro 320, oket-mua 838, npcmaauiE 925, no- 
cawuiath viele Belege), jka (KTiApxjKAUie ca 608, ap^^aea 
552) belegen. Ferner aTux (fünfmal), auja II137, hhuitx II 28, 
CTßAJKAX mehrmals. Also kein einziger Beleg mit/. Dagegen 
regelrecht wieder »: EUE'kum 127, 756, 935, 948 und mehrere 
derartige Partizipialformen, HEMWKkCTßHt II113, mioth, uwaeca 
mehrmals, ta am 145, HtnkUJTiotT'k 153, raixiuTK) 112, taxiutw 
135, cxuitks 329, hxaauitw 369, mejkam 527. 

In der Sav. kn. nur uhcok-Shuia Mat. 21. 36 (46b), was an 
dieser Stelle auch noch im Mar. Zogr. b (Assem. schon mhojkahiua) 
vorkommt, man sieht hier die Tradition; sonst nicht einmal tx; 
dagegen regelrecht w: mmahth ca, hk>ao, uioth, uuoh, ummta, 
uueuA 69b, KTüB’kum mehrmals; eaaaxl}1k>moy 137b, ßkpOYix- 
ipioueY 78, 78b; Htixipto 43h; HEnkip »tx 130, oipwthuja 89, 



Lautlehre. 


381 


oiimqjk 134, ueika» 51, 76b, 99b, 105b und viele andere. Es 
scheint, daß es hier keine Ausnahme gibt. 

Der größte Verfall der Jotation, den wir unter unseren Denk¬ 
mälern nach den c-Lauten im Supr. gefunden haben (S. 367), zeigt 
sieh hier auch nach den d-Lauten, sogar in der oben hervorgehobe- 
uen Partie. Wir finden hier keinen einzigen derartigen Fall, selbst 
auch nicht ms, sondern nur x, wie z. B. A©yiux . . . hahia 452. 16, 
,V«yuix 461. 27. 29, nauix 469. 22. Selbst auch keinen einzigen 
Fall von so, sondern nur ktuktumov' 448.1: 453. 10. 20 ; 455. 15. 
18; npHHM'kuäS 455. 14; uiovuoy 455. 20; OTKp'k3'kuioY°V u ®Y 
456. 25—26 usw.; mw,V« ca 449. 17—18; 450. 5: 451. 17; 466. 21, 
458. 21; utatA^V ^ 1 - 9; uctxuitov 465. 8 — 9; nanuToy 
469.12; raaroAXiiiTOY 471. 1. So verhält es sich auch in den 
übrigen Partien. 

Man würde darnach in den mittelbg. Denkmälern keine oder 
fast keine Jotation erwarten. Aber im Ev. von Bojana (XII—XIII. 
Jahrh.) wird regelmäßig uiH geschrieben: ca kirnt:- etwa 50mal), 
(Rk)npauit (16mal), samt, iiauit, su&kiukro usw., nur einmal 
a : BknpauiafUJH 65 a, ebenso ui» ausschließlich, dann ;i;t und 
nt» (ein ;ka oder ;kov nieht vorhanden), ebenso Ht und hm: utck, 
neulcAUJi usw., aber ua, h<h- und ijia, ipov (Kul’bakin, MaTepia.ru I, 
S. 17f.). Im Ap. v. Oehrida (XII. Jahrh.) nur um (148 Fälle, nie 
ein uut), dann uicaf (nur 3 ptK-k!ü» 106 b), ausnahmslos ika, neben 
jkoy auch uv.Xfo 5h, crpan?» 13a, nans*» 94b, nur ha , aber hi», 
nur läfHoy 58a und ca 43a, 41 a, ipoy dreimal 41 », 4 a 

und h«y, doch auch 4 » (ib. III, S. 128 f.). Im Ev.-Fragm. des 
Grigorovie (XIII.—XIV. Jahrh.) tun, uiov, jm, iju, ipoy, aber 
bei 4 nur nt und 4 »: npiiu’K, Htuix, «y i! ' 6iiue ; *<tixiiiH)fk, h»- 
AHTe ca usw. Also nur das u war da noch weich, was auch andere 
Denkmäler beweisen ib. II, S. 77 f.}. Aus dem Ps. v. Bol. zitiert 
Scepkin RkicoHte 201. 4; HtpCA'^* 11 ’ 101- 2, zweimal auch 41 * 6 , 
sonst vorwiegend h», selten hov; nach in. u;. ip, jka? Ui % nu r 
OY- Ausnahmen: ui»ua 103. 2; 04 » 115. 4, ahu» 68 . 3, cpu.» 
172. 2 (S. 188). 

Im Ostr. ist der Verfall auch deutlich zu sehen. Wir finden 
hier nur die Imperativformen: notuJKtTf 78, — ca 109, rnjitTt 
63(bis), 116, 117, 285 und ptmiiptTf 20(bis). Selbst aueh w 



382 


Lautlehre. 


wird hier regelrecht geschrieben und nur zwei Ausnahmen können 
wir konstatieren: K'k3,4,<iR'kUJic 16 und ‘iK> r \ST'Kopkna 224 (im 
Calendarium). Das oy st. des erwarteten » ist nicht spezifisch 
russisch, weil es sich auch im Supr. zeigt, der ja nicht auf russ. 
Boden entstand. 

Aus diesen Verhältnissen ersehen wir deutlich, wie unbegründet 
es wäre, z. B. aus dem Gebrauche der Halbvokale im Ostr. Ev, 
(ev. auch der Sav. kn.) auf ein größeres Alter dieses Denkmals 
dem Zogr. oder Mar. gegenüber zu schließen. Der Verlust der 
Jotation spricht dagegen eine beredte Sprache. 

Die sich zähe behauptende Schreibweise mit io mußte uns auf¬ 
fallen; in manchen Denkmälern ist sie ausnahmslos. Dieser Um¬ 
stand hat Fortunatov bewogen, anzunehmen, das k> hätte in den 
glag. Denkmälern nicht die Geltung von ju, sondern von einem 
ä'-Laut. Daran ist wohl nicht zu denken (vgl. oben S.50 Anm.). Aueh 
nicht daran, daß hier die Laute ihre Weichheit noch erhalten und 
vor den anderen Vokalen schon verloren hätten. Wenn es lautlich 
begründet wäre, würden wir erwarten, daß nach uj am ehesten 
oy geschrieben werde, weil es im Gegensätze zu h früher hart 
geworden ist (vgl. bei der Verdumpfung des trat nach diesen 
Lauten S. 244 f.), so z. B. im Euch. sin. Da dies nicht eintritt, 
kann man unsere Erscheinung, wenn man sie nicht ausschließlich 
als eine bloße graphische Tradition ansehen will, etwa durch die 
Annahme erklären, der akustische Gegensatz zwischen sju, öju, zju 
. . . einer- und su, £u , zu . . . andererseits wäre nicht so groß ge¬ 
wesen wie etwa z. B. zwischen Sja, 6ja . . . und sa, £a . . so daß 
man leichter hei der ersteren Schreibweise als hei der zweiten ver¬ 
bleiben konnte. EineTraditionwarja auch kr im Euch. (S. 379—380). 

Nach f. I, n behauptet sich das % a länger, wie aueh k>, 
doch bemerken wir auch da schon einen Kückgang. 

Verhärtung (Verdumpfung) der d-Laute. Durch eine Ver¬ 
schiebung der Artikulationsstelle mehr nach rückwärts am harten 
Gaumen nahmen unsere Laute einen mehr dumpfen Klang an, so 
daß nach ihnen helle Vokale nicht mehr folgen konnten. Schon 
oben S. 244 f. ist hervorgehoben worden, daß in gewissen Denk¬ 
mälern nach s ans a ein 's. geworden ist, ebenso nach i (so im 



Lautlehre. 


383 


Euch, sin., daran schließt sich Sav. kn. an). Das S, it 1 } und id 
blieben noch weich, in anderen Denkmälern können wir aber auch 
nach diesen Lauten 'K finden. 

Hierher gehört auch der Übergang des a in ä. nach ui, qi 
(jka) und j (auch 4 ), ein Prozeß der mittelbg. Denkmäler, dessen 
Spuren wir schon in den aksl. Denkmälern gefunden haben (S. 145 f.). 
In gewissen Denkmälern bemerkten wir diesen Übergang auch 
nach 6 (Dialekt von Ochrida und Umgebung). In anderen geht 
aber x in a nach diesem Laute Uber (wie nach /, i\ n, p, b, f 7 m , 
ein Beweis, daß er noch weich blieb (S. 146). 

Übergang der d-Laute in die «—Laute. Für uns kommt 
Mer zunächst der Übergang des 6r in er, den wir jetzt auch in eini¬ 
gen macedon. Dial. finden, in Betracht. Einmal taucht er auch schon 
im Supr. auf: up'KnciniS'Kii’K. 119. 19. Mehr verbreitet ist er aut 
dem serbo-kr. Gebiete. Wir finden ihn hier im siokavischen Dialekt, 
im südl. cakavischen (in Dalmatien), im nördl. haben wir neben er 
auch noch er; letzteres auch im Kajkavischen und Slovenisehen. 
Das &r behauptet sich lange in den auf ksl. Vorlagen zurück- 
gehenden serbo-kr. Denkmälern; sonst kann man das er seit dem 
XII. Jahrh. hier naebweisen. 

Merkwürdig ist 3(»)fifA'h. im Ps. sin. 10. 6 st. jkkmuati Pog. 
U. B. SKO^nfATk). 

Unter den rnss. Denkmälern zeigen jene, die auf das Nov- 
goroder Gebiet hin weisen, den Wechsel zwischen e und <5, die 
Pskover auch jenen zwischen i und z, § und s. 

Ans £ wird r. Mit der Verhärtung der «-Laute hängt auch 
dieser Übergang zusammen, aus dem wir ersehen, daß dabei die 
Zungenspitze hinauf gerichtet war, sonst hätte ein r nicht ent¬ 
stehen können. Lavrov führt an: otts. cjaa a®P h A® üaahhha; 
ans einer Urk. 1406 (Venelin, S. 22, Djuvern. hat ,v-'P H A 0 cauore 
kpahaoka, Akt. Grodz. VII, 200, Oßsopi. Beil. S. 83). epe ,daß‘ 
ans ie>Kt findet man in den Urk. Kr. 65 und 66 (aus 1452—1456) 
bei Milefic (Hobh maxo-ö-Mr. rpaM. S. 73. auch in Cßopn. XIII). 

Das r kann im Südslav. auch sehr alt sein, denn wir haben 
dafür Belege schon in den Freisinger Denkmälern: tere (aus 


5 ) Vgl. dementsprechend Ps. sin. 36. 20. 



384 


Lautlehre. 


*ieie) II 32 und 110 und vielleicht auch nikjer ze II 69. Sehr 
alte Belege für Tfpt. Tfpk führt Danicic aus den serbo-kr. Denk¬ 
mälern in seinem Pjeumnc HI S. 283—284 an. Auch für mpe, mpk, 
ib. S. 523-524. 

Behandlung der Konsonantengruppen. 

Je nach der Qualität der Konsonanten sind hier verschiedene 
Fälle möglich, doch wurde nirgends eine Doppelkonsonanz geduldet. 

I. Verschlußlaute (Explosivlaute) in Gruppen unter¬ 
einander und dann mit Spiranten und anderen Dauer¬ 
lauten. 

A. Treffen zwei Verschlußlaute zusammen, so muß der erste 
schwinden: t*th aus *tepti, rpeTH aus *grebti\ *leU ,der Flug* 
aus *lekto-, vgl. ait'Kth ,fliegen'; OKp'kßtHHt aTtov.dXvifjcs Luc. 2.32 
im Mar. Zogr. Ostr., dagegen OT'kup’kßfHHS Ass., OT'kKpkß . .. 
Sav. kn.; umpid dney-alvipe Psalt. sin. 97. 2, Ps. Pog. OT'kKp'ki, 
Bon. OTKpivi; oKp’kBtnaaro Supr. 454. 20 (andere Hs. hier OT'k-), 
vgl. 569. 23. Über altes Zusammentreffen von t + t siehe bei B. 

Später kam es infolge des Schwundes von k und zu neuen 
Gruppen, wobei einfach assimiliert wurde, d. h. vor einem stimm¬ 
haften Laut war nur ein stimmhafter, vor einem stimmlosen nur 
ein stimmloser zulässig. Aus AkrkKTU entstand *legky , das zu 
*lekky ( *leky) wurde: uro tboc AfK kKoe Euch. sin. 100a, 12. 

B. Verschlußlaute mit Spiranten (Dauerlauten): 

a) vor s und ch schwindet der Verschlußlaut: Aor. K'fic'k ,duxi‘ 
aus *vedsz; KAicn ,Bissen, Stück' aus *kondso- (S. 319); bs3ki 
, vehens' aus *uezonts ( *ueghonts ), lit. vezqs. Hierher wohl auch 
nptcTOHTH (Mar. Luc. 1.19, Joh. 18.22), Supr. 463. 25 (ß. Koronn), 
in den Hom. Mih. hier dagegen npU,a,ncTOBTH rißH (Fol. 49), 
ocrxnaiJKT'k Luc. 8. 13 Mar. Zogr. Ass., aber Sav. kn. ottvCTAv- 
oattv; ocTxrm oTiv HH\"k Luc. 22. 41 Mar., dagegen Zogr. hier 
OT’kCTxnH; ocTx.nHA’k K'£ Euch. sin. 66b; ocTAUiAkUiAiA ib. 51b; 
ocx-ahth ,verurteilen' nur so z. B. im Mar., wo es sehr häufig 
ist, so auch in anderen Denkmälern, doch auch ottiCä>kaav Supr. 
504. 15. Die Bedeutung des ot-k trat hier nicht genug klar hervor, 



Lautlehre. $g5 

daher drang es nicht neuerdings ein. rtjcckTi .hoch 1 aus *tipso&o-, 
vgl. gr. i'ipi [S. 372. 

Bei h ist s zu eh geworden und k geht auch verloren: Aor. 
ptym aus *reksi. Der Verschlußlaut schwindet auch, wenn er vor 
das fertige ch kommt: oyoAAUJTAiA h a iu\ti Eneh. sin, 18a, 
v'Y«> r \nr-K eck k 26b. Zahlreiche Belege auch in den Ev- 

Testen 's. Jagie, Cod. Mar., S. 5491 Häutig wurde ott. neu ein- 
geföhrt: oT’Kife r \HTf Euch. sin. 45 b. ot'k\-o,\,a 59 a. 

Treffen zwei it (auch aus di) zusammen, entwickelt sieh zwischen 
beiden ein s und das erste muß sehwinden: utern ans *mettl 
iucrii aus pud-ti .fallen 1 . Später schwindet einfach das erste i: 
«•TpliKH oycra iro Euch. sin. 28 a gegen OTvrp'fcEHK’k Sopr. 
299.7—8; oi"kTp acth ep'Kma Euch. sin. 72a, demgegenüber sieht 
Miklosich in otpacth ;Snpr. 555. 22: oTpAct leuw räds» h 
pH3-M . . . OTi». np.i\-a} ein ork-, doch handelt es sich hier wohl 
eher um o- (Yergl. Gr. PS. 227;. 

b) Vor i: im Evangelientexte %. B. ouikA’R Mat. 27.5 

Zogr. ouifA'a ib. Mar. Ass.; ouikA'fcUif Lue. 5. 2 Zogr., ouifAtuie 
ib. Mar. Ass., ouimh Job. 4. 8 Zogr. Ass., ourh.ui Mar. usw. So 
auch noch im Snpr. cuikA’kH 128.12: ourkA’kuiHHy'k 489,24—25, 
daneben aber auch schon OT’km'kA'kUJa290.10; OT'kurk.»kn.k5i4.7. 

c) Tor «?: khh\**jhh Sapr. 135. 25 ans K'ku'HrjvMHH nnd sonst 
noch, hier also assimiliert 

C. Verschlußlaute vor Nasalen («, «) schwinden in der 
Kegel. So zunächst Labiale: oy-ckHJKTH .einschlafen* aus *«-*>■ 
p.Mfi. ctsrk ,Schlaf' aas *mpno-; (iß KCSA’nNJ Lue. 8. 31) 

ans *d~obno, vgl. lit. mignas ,Boden, Grand* (aas *d«6no-, vgl. dubü$ 
.tief, hohl 1 ): vgl. oben 5. 342. Später wurde der Labial aus an¬ 
deren Formen, eingeführi So das schon oben erwähnte, im Ev.- 
Text regelmäßig wiederkehrende normst« jbtk -Aor.